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Grafenschild statt „Bubbles“ – Oldenburg präsentiert sich mit neuem Stadtlogo

Stadt Oldenburg Logo, Quelle: Stadt Oldenburg
Stadt Oldenburg Logo, Quelle: Stadt Oldenburg

Die Stadt Oldenburg hat sich ein neues Stadtlogo zugelegt. Das dem heraldischen Stadtwappen entnommene Schild mit rot-gelben Streifen vereine Tradition und Zuversicht, so die Stadtverwaltung. Nicht nur im Umfeld von Social Media sorgt der Wechsel und die Gestaltung für Unverständnis, bisweilen für Entsetzen.

Nach vierzehn Jahren bekommt Oldenburg ein neues Logo. „Mit der neuen Marke wollen wir gestärkt in die Zukunft gehen“, so Oberbürgermeister Jürgen Krogmann anlässlich der Vorstellung des neuen Logos. Krogmann ist seit 2014 Oberbürgermeister von Oldenburg, somit aktuell einer der am längsten amtierenden Bürgermeister einer deutschen Großstadt. Oldenburg ist nach Hannover und Braunschweig die drittgrößte Stadt Niedersachsens. Um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger zur Stadt zu stärken, will die Stadtverwaltung ein Zeichen des Zusammenhalts setzen. Das neue Logo diene als Symbol für das „Team Stadt Oldenburg“, wie es im Rahmen der offiziellen Pressemeldung erklärend heißt. Vorausgegangen ist dem Redesign ein Markenprozess, der bereits vor einigen Jahren angestoßen wurde.

Auszug der Pressemeldung

Tradition und Zuversicht – diese beiden Elemente vereint das neue Logo der Stadt Oldenburg. „Mit der neuen Marke wollen wir gestärkt in die Zukunft gehen“, sagt Oberbürgermeist…

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 38 Kommentare

  1. Bei Fehlentscheidung dieser Art könnten viele Menschen auf die Idee kommen den Bürgermeister abzuwählen. Wer eine Stadt derart in der Entwicklung hemmt, kann nicht der Verwaltung vorsitzen. Zumal das Urheberrecht für dieses Logo nicht einklagbar ist. Es bedarf der Individualität, sie wird auch als schöpferische Eigentümlichkeit oder Gestaltungshöhe bezeichnet. Die Individualität ist aufgrund einer zusammenfassenden Beurteilung aller gestalterischen Elemente zu beurteilen. Damit das Urheberrecht in Kraft treten kann verlangt das BGH ein deutliches Überragen der Durchschnittsgestaltung.
    Und dann sind da wieder Kosten für Anwälte und .. und … um die Nachahmer wenigsten etwas im Zaum zu halten. Die Kosten für einen Gestalter wären schnell wieder drin. Ein Gestalter schafft es ein Logo unverwechselbar zu machen, er hat ein Urheberrecht auf diese Gestaltung und kann es weltweit rechtlich vertreten.
    Das Urheberrecht ist natürlich weitaus komplizierter, aber in diesem Fall kann ich getrost behaupten, hier funktioniert das Urheberecht nicht.

  2. Gibt es irgendwo eine schlüssige Argumentation für das gekippte Schild? Oder hatte man einfach das Bedürfnis dem maximal schlicht gehaltenem Design damit noch etwas „Pepp“ zu verleihen? Irgendwie äußerst eigenartig das Ganze.

    1. Im Grund heißt es bei Gestaltungen: Man kann alles machen, es muss nur gut sein. Hier trifft es genau zu. Man kann das Schild kippen, aber es ist nicht gut. Die Gestaltungslehre besagt das Flächen oder Linien, die nach unten rechts zeigen ganz klar abwärts weisen. Deshalb vermeidet man solche Assoziationen und benutzt in Logos möglichst aufstrebende Formen in der Gestaltgebung. Oldenburg hält ein aufwärtsstreben für die Stadt nicht für erstrebenswert. Dies ist nur für die Schiefstellung des Logo ein Makel, alle anderen Fehler stehen schon oben beschrieben und man erkennt dadurch das eigentlich alles Mist ist an diesem Logo. Die roten Linien hätte ich ganz leicht konkav angelegt und die roten und gelben Flächen stehen in der Größe nicht richtig zueinander und so geht es immer weiter. Das S von Stadt steht nicht richtig über dem O von Oldenburg.
      Die Menschheit hat eine mindestens 40.000 jährige Gestaltungsgeschichte, aber ab und zu negieren das selbsternannte Gestalter.
      Kunst kommt von Können. Das Logo der Stadt Oldenburg ist keine Kunst, das kann weg.

    2. Roger, schau Dir mal das Wappen mit der Burg an, das Achim weiter oben zeigt. Dort siehst Du, dass das besagte rot-gelbe “Wappen im Wappen” exakt genau so gekippt ist wie es jetzt in dem Logo übernommen wurde. Es hat also wohl einen reinen Wiedererkennungswert-Gedanken.

  3. Ich habe auf N3 den Beitrag zum Oldenburg-Logo gesehen. Dort haben sie das schräge Schild mit Playmobil-Ritterfiguren in Verbindung gebracht. Man musste schon sehr genau hinsehen, dass man auf dem Stadtwappen am Rathaus in einigen Metern Höhe das schräge Schild entdecken konnte. Im Visual mit dem Katzenfoto geht das schräge Schild ganz oben in der Zeile »www.oldenburg.de/presse« zum
    »Fliegenschiss« (Setzersprache). Ich denke auch, dass man das Gestalten den Leuten überlassen sollte, die es gelernt bzw. studiert haben.

  4. Die Berichterstattung über Oldenburg will nicht abreißen.

    Wie der NDR berichtet, hat die Stadt auf Fahrzeugen im Zuge der Umstellung auf das neue Logo eine Silhouette verwendet, die anstelle des Rathauses im niedersächsischen Oldenburg jenes im schleswig-holsteinischen Oldenburg enthält. Bei der Silhouette handelt es sich, wie auch beim Katzenmotiv, um Stock-Art, in diesem Fall von Adobe.

    NDR-Bericht: Oldenburg Silhouette auf FahrzeugNDR-Bericht: Oldenburg Silhouette auf Fahrzeug, Quelle: ARD Mediathek, NDR

    Einen Tag später greift auch BILD das Thema auf. In dem Artikel dort ist zudem das neue Stadtlogo am Fahrzeug zu sehen. Die Platzierung des Logos wie auch die Gestaltung des Fahrzeugs insgesamt wirkt ziemlich unmotiviert. Ein durchgängiges Gestaltungskonzept ist nicht zu erkennen.

  5. Das ist jetzt der Moment, wo ein Politiker Stärke und Rückgrat zeigen kann, indem er einen Fehler eingesteht und ein neues, professionelles Logo entwickeln lässt, das eine Stadt wie Oldenburg gebührend repräsentiert. Von Menschen, die ihr Handwerk beherrschen und auch gut dafür entlohnt werden dürfen.
    Einen anderen Weg kann es aus grafischer Sicht gar nicht geben.

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