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Hannoverscher Nahverkehr wird unter der Marke Üstra gebündelt

Üstra Logo (Bildmarke „ÜMO“), Quelle: Uestra / JvM
Üstra Logo (Bildmarke „ÜMO“), Quelle: Uestra / JvM

In Hannover bekommt der Nahverkehr ein neues Gesicht, wortwörtlich: ein Smiley namens „Ümo“. Die drei Hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra, GVH und Regiobus bündeln ihre Aktivitäten unter einem gemeinsamen Markendach. Zukünftig tritt der Verbund in der Außendarstellung als gemeinsame Marke auf, und zwar unter dem neu gestalteten Logo der Üstra.

Aus „Ücon“ wird „Ümo“. Zuletzt wurde der Markenauftritt des Hannoverschen Verkehrsbetriebs Üstra im April 2017 erneuert (dt berichtete). Damals wurde die grüne Bildmarke bestehend aus zwei mit Querstrich verbundenen Kreisen (Ü-Pünktchen) eingeführt, dem sogenannten „Ücon“. Nun bekommt die Üstra (Eigenschreibweise „ÜSTRA“) abermals ein neues Markenzeichen, das „Ümo“. Eine im Stile eines Smileys gestaltete Bildmarke, mit der die Attraktivität der Hannoverschen Nahverkehr auch im Visuellen zum Ausdruck gebracht werden solle. Darüber hinaus dient das Logo zukünftig auch als Absender des Verkehrsverbunds Großraum-Verkehr Hannover (GVH) und Regiobus.

Auszug der Pressemeldung

„Aus drei mach eins: Seit vielen Jahren arbeiten ÜSTRA, regiobus und der Großraum-Verkehr Hannover (GVH) eng und gut zusammen, führten aber komplett eigenständige Logos und Markenwelten. Alle drei Unternehmen wird es auch zukünftig weiter geben. Mit dem heutigen Tag beginnt in der Region Hannover offiziell, was im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland seinesgleichen sucht: Durch eine Zusammenführung der Markenwelten wird zukünftig die ÜSTRA als alleinige Marke für die drei Unternehmen sprechen. Mit anderen Worten – aus ÜSTRA, regiobus und GVH wird die neue ÜSTRA.“

Üstra Regiobus, GVH Logos – vorher und nachher, Bildquelle: Üstra, Bildmontage: dt
Üstra, Regiobus, GVH Logos – vorher und nachher, Bildquelle: Üstra, Bildmontage: dt

Drei bislang eigenständige Marken schließen sich unter dem Dach der Marke Üstra zusammen. Marktforschungsstudien, die man im Vorfeld des Rebranding-Prozesses durchgeführt habe, hätten ergeben, dass die Menschen in der Region Hannover den Nahverkehr vor allem mit der Marke Üstra in Verbindung bringen. „Dass die ÜSTRA zukünftig auch für den Verkehrsverbund in der Region steht, ist konsequent von den Kundinnen und Kunden her gedacht und in Deutschland einmalig“, so Ulf-Birger Franz, Verkehrsdezernent der Region Hannover. „Für die Verkehrswende müssen wir auch Zielgruppen erreichen, die derzeit überwiegend mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Die neue, starke Marke wird uns dabei helfen.“

Eine grüne und als Smiley gestaltete Bildmarke verleiht der Marke Üstra ein neues Gesicht. In der Bildmarke finden sich, so die Idee, der Anfangsbuchstabe „Ü“ und ein stark vereinfachter / stilisierter Umriss der Region Hannover kombiniert. Die damit verbundene intendierte Botschaft: „Der ÖPNV in der Region Hannover hat zukünftig ein noch freundlicheres, sympathischeres Gesicht.“

Üstra Markenauftritt – Visual, Quelle: JvM
Üstra Markenauftritt – Visual, Quelle: JvM
Üstra Markenauftritt – Geschäftsausstattung, Quelle: JvM
Üstra Markenauftritt – Fahrkartenautomat, Quelle: JvM
Üstra Markenauftritt – Display/Plakat, Quelle: JvM
Üstra Markenauftritt – Visual, Quelle: JvMÜstra Markenauftritt – Geschäftsausstattung, Quelle: JvMÜstra Markenauftritt – Fahrkartenautomat, Quelle: JvMÜstra Markenauftritt – Display/Plakat, Quelle: JvM

Die im Verkehrsbund zusammengeschlossenen Betriebe verbinden mit der Einführung des nunmehr einheitlichen Markenauftritts ein ehrgeiziges Ziel: „Gemeinsam mit der Region Hannover wollen wir den besten Nahverkehr in Deutschland liefern“. Im jüngsten „ADAC-Monitor“ (01/2024), in dem die Zufriedenheit der Bürger in den 15 größten Städten in Deutschland in Bezug auf die Mobilität und den ÖPNV untersucht wird, belegt Hannover Platz fünf. In der zuvor im Jahr 2017 durchgeführten Studie belegte Hannover noch Platz zwei.

Die Umbeflaggung / das Rebranding auf Fahrzeugen, Haltestellen, Fahrkartenautomaten und Verkaufsstellen werde, wie die Üstra-Pressestelle dem dt auf Anfrage mitteilt, „einige Zeit in Anspruch nehmen“, da man sukzessive vorgehe. Als Unternehmen sollen Üstra, Regiobus und GVH weiter bestehen bleiben. Es werde lediglich die Außendarstellung unter einer Marke zusammengefasst, „um eine klarere und einheitlichere Kommunikation gewährleisten zu können“.

Inwieweit die Webauftritte von GVH (gvh.de) und Regiobus (regiobus.de) bestehen bleiben, beziehungsweise ob die jeweiligen Domains zukünftig als Weiterleitung auf uestra.de fungieren, darüber machte die Pressestelle trotz mehrfacher Anfragen keine Angaben.

Das „Ü“ im Namen Üstra leitet sich übrigens von dem im Jahr 1921 unter der Bezeichnung „Überlandwerke und Straßenbahnen Hannover AG“ gegründeten Unternehmen ab.

Entstanden ist der neue Markenauftritt in Kooperation mit Jung von Matt Brand Identity (Hamburg).

Kommentar

Da zum jetzigen Zeitpunkt unklar ist, was genau mit den Webauftritten unter gvh.de und regiobus.de geschehen soll, ob diese rein als Weiterleitung auf uestra.de fungieren, oder ob sie ebenfalls wie auch die zugehörigen Apps die neue Markenidentität übernehmen werden, lässt sich auch nicht bewerten, ob das Gesamtkonzept trägt und die dahinter stehende Strategie aufgeht. Braucht es aus Kundensicht überhaupt noch andere/weitere Domains und Apps? Wo doch zukünftig über Üstra die alleinige Markenkommunikation erfolgen soll. Entsprechende Aussagen/Antworten diesbezüglich lassen sich der offiziellen Pressemeldung nicht entnehmen. Warum ist das so? Warum wird im Zuge der Vorstellung der neuen Markenidentität nicht klar und transparent kommuniziert, was mit den digitalen Angeboten von GVH und Regiobus geplant ist? Eine Frage, die sich die Bürger vor Ort / die Kunden stellen dürften.

Eine Vereinheitlichung wäre sicherlich nicht nur aus Kundensicht sinnvoll und wünschenswert – diese würde auch die Kommunikation von Seiten der Verantwortlichen erleichtern. Der Verkehrsbund und das Nahverkehrsangebot in Stadt und der Region würden als EINE Marke agieren und sichtbar sein. Obendrein könnten aufgrund der Vereinheitlichung – auf lange Sicht – Kosten (Steuergelder) eingespart werden. Alles im Konjunktiv. Bislang wurde das Konzept lediglich präsentiert und vorgestellt. Entscheidend wird jedoch sein, wie wohl bei jedem Rebranding-Projekt, wie das Konzept implementiert und umgesetzt wird.

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Update 11.04.2024, 12:35 Uhr
Mittlerweile herrscht hinsichtlich der Frage, was mit den digitalen Angeboten von GVH und Regiobus geschieht, Klarheit, siehe auch Kommentar von dt-Leser Dennis.

Die Pressestelle teilt heute zudem auf Anfrage weiter mit: „Die Internetseiten www.regiobus.de und www.gvh.de werden ebenfalls auf die neue ÜSTRA Internetpräsenz umgeleitet. Damit sind nun alle Infos rund um den Nahverkehr in der Region Hannover gebündelt und übersichtlich auf einer Webpräsenz zu finden. Neben der Internetseite hat die GVH App ebenfalls einen neuen Anstrich bekommen. Ab sofort erscheint die App im neuen Design und unter dem neuen Namen ÜSTRA App. Für die Nutzerinnen und Nutzer ändert sich jedoch nichts. Demzufolge muss die App nicht neuinstalliert werden. Die Umstellung erfolgt automatisch im Rahmen eines Updates.“

Update 12.04.2024, 11:35 Uhr
Drei bisher innerhalb der Galerie enthaltene Motive mit Fahrzeugen wurden auf Veranlassung der Üstra-Pressestelle entfernt. Weiteres Bildmaterial findet sich auf der Case-Seite bei JvM.

Mediengalerie

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Dieser Beitrag hat 29 Kommentare

  1. Ich finde es toll, dass solche Marken und Services für den öffentlichen Raum immer weiter vereinfacht werden. Nur so kann man den ÖPNV stärken. Ich finde auch, die Marke spricht sympathisch: “schön, dass du mitfährst” und kein “BITTE VORNE EINSTEIGEN!” Schild – hoffe das wird auch durchgezogen in realen Szenarios. Ein paar Anwendungen (grüne Schrift auf dunklem Hintergrund + gelber Störer) erinnern mich ein wenig an AOK. Bin gespannt was kommt :)

  2. Weniger schön ist, dass der “Ümo” offenbar großflächig auf Fenster geklebt wird, wie in manchen Bildern zu sehen, und dann die Aussicht der Fahrgäste einschränkt. Blick nach draußen nicht nötig: ein Eingeständnis, wie hässlich Hannover ist?

    1. Hallo Tobias.
      Für gewöhnlich werden in solchen Fällen bei Fahrzeugfolierungen auf Scheiben sogenannte Lochfolien verwendet. Diese haben winzig kleine Löcher, können aber dennoch vollflächig bedruckt werden. Sie sehen von außen relativ deckend aus, ermöglichen aber von Innen einen Blick nach außen. Zwar leicht abgedunkelt aber dennoch im Bereich des Erträglichen.

      Gruß
      Robin

  3. Ich finde den überdimensional grinsenden Ümo eher gruselig. Wundert nicht, dass Hannover 96 das Trikot mit seinem neuen Hauptsponsor gar nicht erst in den Verkauf gibt. ;-)

    1. Der im Kommentar hergestellte Kausalzusammenhang – gruselige Gestaltung (subjektiv gesehen) -> daher kein Verkauf von Merchandising-Artikeln – existiert so nicht. Auch wenn die Aussage mit einem Emoticon versehen wurde, und wohl nicht ganz ernst gemeint ist, bleibt festzuhalten: Die Sponsorenschaft durch die Üstra ist auf den Zeitraum bis zum Saison-Ende befristet, somit auf nur wenige Wochen beschränkt. Dass der Verein vor diesem Hintergrund keine Kollektion herausbringt, auch keine Fan-Artikel, erscheint mir nachvollziehbar und plausibel. Die Maßnahme ist demnach als Kampagne zu verstehen, und nicht als langjährige Partnerschaft im Rahmen eines Sponsorings.

      Der Wortlaut des gemeinsamen Statements:

      Neuproduktion wäre nicht nachhaltig gewesen. Für die verbleibenden Saisonspiele der Profis und der U23 werden Trikots aus dem bisherigen Bestand auf der Brust überflockt. Eine Neuproduktion bei gleichzeitiger Entsorgung der bisherigen Trikotsätze wäre nicht nachhaltig gewesen. Zudem hätten lange Vorlaufzeiten für eine Neulieferung berücksichtigt werden müssen. Daher wird die Spielkleidung mit dem ÜMO auf der Brust auch nicht im Fanshop erhältlich sein. Restmengen der bisherigen Trikots können dort weiterhin im Sale erworben werden.

    2. Ich schließe mich Florian an. Auf mich wirkt Ümo unwuchtig und aufdringlich. Wie jemand mit einem zu großen Kinn. Die alte Üstra-Gestaltung konnte ich eher mit einem Verkehrsbetrieb in Verbindung bringen. Hoffe auch, die Neuschöpfung führt nicht dazu, dass die lustigen Ü-Bahn-Schilder in Hannover abgebaut werden. Die fand ich immer sehr sympathisch.

      1. Die Ü-Bahnschilder gibt’s schon seit einiger Zeit nicht mehr. Leider, ich fand die auch witzig und sehr individuell. Das neue Üstra Design finde ich dennoch insgesamt durchaus ansprechend und auch sehr stringent. Aber schade ist auch, dass die Linie zwischen den Ü-Punkten, die an einen Liniennetzplan erinnerten, nun auch wegfallen. Das hatte ähnlich wie die Ü-Bahnschilder einen gewissen Witz, der der neuen Linie jetzt fehlt.

        Ganz andere Diskussion: Die Üstra duzt jetzt offensichtlich, so wie Ikea und kumpelige Bedienungen in Studentenkneipen. Auch wenn das ja irgendwie ein Trend zu sein scheint – mich nervt das und ich finde das tendenziell irgendwie übergriffig. Geht das eigentlich nur mir so? Werden damit wirklich neue Kundengruppen angesprochen oder werden damit nicht auch potenzielle Adressaten wie ältere Menschen oder Businessmenschen, die bisher im Firmenwagen unterwegs sind, verprellt?

  4. Als Hannoveraner ist es mehr als wünschenswert, dass die ganze Region transparenter und einfacher im öffentlichen Nahverkehr auftritt, daher ist für mich eine einheitliche Dachmarke die natürlich im Konjunktiv “auftritt” ein echter Segen für den Kunden und dient der Übersichtlichkeit, gerade für Neuhannoveraner oder Touristen. Auch im Zuge der Zusammenlegung der Tarifzonen der Einzelticket- und Aboangebote bei der Üstra war schon ein erster richtiger Schritt dorthin.

    Bei dem Namen kann ich persönlich jedoch nur den Kopf schütteln. Laut HAZ-Artikel setzt sich der Name “ÜMO” aus “Üstra” “Mobilität” und “Emotionen”. Doch wo ist das “E” von Emotionen in ÜMO geblieben? Ein sehr konstruiertes Gebilde, was gerade im internationalen Kontext der Messestadt aufgrund des Umlautes leider kontraproduktiv ist. Danke Armin nochmal für die Erklärung woher das Wort “Üstra” stammt, was im hannoverschen Raum einfach eine gelernte Form ist. Aber gerade in einem möglichen großen Relaunch wäre hier ein gängiger Name hilfreicher gewesen. Auch die Farbe grün ist absolut gelernt und zieht mit der Mobilitätswende eine schöne Linie, auch wohl die neuen Straßenbahnen einen großen Teil an Orange aufweisen, was im neuen Design (soweit man es beurteilen kann) kaum bis gar nicht mehr vorkommt.

    Man darf gespannt sein, wie nun das Konzept “auf die Straße” gebracht wird.

  5. Gerade im ÖPNV find ich eine Vereinheitlichung immer wichtig. Eine App, eine Webseite, ein Ansprechpartner für einen Verkehrsverbund. Der HVV oder der VRR machen es vor. Eines der unübersichtlichsten Negativbeispiele finde ich beispielsweise den Westfalentarif: Setzt sich zusammen aus VVOWL und OWLVerkehr (Region OWL ohne Paderborn), nph und vph (Region Hochstift), ZVM (Region Münsterland), ZRL (Region Lippe) und VGWS (Südwestfalen). Jeder Akteur hat seine eigene Fahrplanauskunft, Apps und Internetseiten, teilweise eigene Magazine und Werbung und dazu kommen noch einzelne Verkehrsunternehmen wie MoBiel. Und dann gibt es jetzt neuerdings auch Verkehrsunternehmen, die sich unter einem Markendach zusammengeschlossen haben, als z.B. “Mobilitätsmarke OWL mobil” (hat nichts mit MoBiel zu tun), da wiederum dann aber nur in eine handvoll Landkreise, während andere Landkreise wieder ihr eigenes Ding machen. Alles wohlgemerkt im gleichen Tarifraum Westfalentarif. Ein größeres Durcheinander von verschiedenen Marken und Dachmarken, die nebeneinander für die gleiche Sache fungieren hab ich in Deutschland noch nicht gesehen.

    Deswegen gefällt mir die Vereinheitlichung hier gut, ich hoffe ähnlich wie Achim, dass das konsequent durchgezogen wird und auch auf die Internetseiten angewendet wird, so dass die anderen beiden dann auf uestra.de weiterleiten. Das Design gefällt mir auch. Diese Seitenhiebe auf vermeintliche Hässlichkeit von Hannover kann ich nicht nachvollziehen. Was ist an der Altstadt oder den Herrenhäuser Gärten, Schlössern, Rathaus usw. hässlich? Ich weiß nicht wo da immer die Erwartungen liegen. Jede Stadt hat hässliche Seiten wenn man genug sucht und jeder sieht das, was er sehen will.

    1. Nachtrag:
      Zitat auf uestra.de: “Auch die Website wird in den nächsten Tagen ein neues Gesicht erhalten. Dann findet ihr hier alles rund um die neue ÜSTRA – ÜSTRA, regiobus und GVH werden dann in einem Webauftritt zusammengefasst.”

      Das klingt ja erfreulicherweise danach, als wenn die anderen beiden Webseiten weitergeleitet werden

      Weiter unten: “Trotz gemeinsamen Markenauftritts bleiben die drei Unternehmen ÜSTRA, regiobus und GVH bestehen. Durch den geplanten Gemeinschaftsbetrieb der Verkehrsunternehmen ÜSTRA und regiobus wird der Schritt einer gemeinsamen Kommunikation unter einer einheitlichen Marke jedoch noch naheliegender”

      Quelle: https://www.uestra.de/erlebniswelt/uestra-erleben/dieneueuestra/

          1. Danke für das Update.

            Die Weiterleitung ist der einzig konsequente Weg, wie ich meine. Die GVH-App wurde zudem in Üstra-App umgebrandet. An verschiedenen Stellen fehlen zwar zusätzliche Weiterleitungen, etwa von der bisherigen Seite https://www.uestra.de/en/service/mein-gvh-app/ auf nun https://www.uestra.de/service/uestra-app/, aber insgesamt eine gute Lösung.

            Die genannte Negativkritik hinsichtlich der Bildmarke – „gruselig“, „nicht emotional“, „glatzköpfiger Mann“ – teile ich nicht. Ein Smiley ist wohl neben dem Herz eines jener Zeichen, die Emotionalität am stärksten transportieren. Insofern verfügt das Zeichen über einen stark emotionalisierenden Charakter. Zudem ist das Zeichen dynamisch und lebendig, dank schlichter Formgebung äußerst leicht memorierbar, dabei dennoch eigenständig und differenzierend. Flexibel in der Handhabe, skalierbar und niedrigschwellig ist es auch. Das bisherige betont nüchterne/neutrale Ücon-Signet wurde zu einem emotionalisierendem Markenzeichen weiterentwickelt.

            @Philipp
            In der folgenden Grafik wird die Einbettung des „Ü“ in der Bildmarke veranschaulicht:

            Üstra Nahverkehr Bildmarke Ümo, Quelle: JvMÜstra Nahverkehr Bildmarke Ümo, Quelle: JvM

  6. Unabhängig von der Diskussion, ob man die handwerkliche Umsetzung nun gelungen findet oder nicht, und auch unabhängig von der Tatsache, dass Vereinheitlichung/Übersichtlichkeit im Sinne des Kunden grundsätzlich natürlich eine feine Sache ist, findet hier in meinen Augen eine ganz erstaunliche – ich behaupte: einmalige – Entwicklung statt:

    Ein übergeordneter Verkehrsverbund (GVH) übernimmt Namen und Markenauftritt eines der ihm untergeordneten Verkehrsunternehmen (ÜSTRA). Das bedeutet gleichzeitig, dass die anderen im GVH organisierten Verkehrsunternehmen (u.a. Deutsche Bahn, Transdev, WestfalenBahn, metronom) nun unter der Flagge eines konkurrierenden Verkehrsunternehmens fahren. Ein starkes Stück wie ich finde. Wo sonst gab es das schon einmal? Als Träger des GVH werden diese Verkehrsunternehmen diesem Plan wohl zugestimmt haben, aber soviel Nächstenliebe finde ich schon erstaunlich.

    Das wäre vergleichbar mit der Situation, wenn in Berlin der (ebenfalls relativ blasse) VBB als Verkehrsverbund seinen Markenauftritt niederlegt und den des (deutlich bekannteren) Verkehrsunternehmens BVG übernimmt. Die 30 anderen im VBB organisierten Verkehrsunternehmen würden dann ebenso unter der Flagge des gelben Konkurrenten BVG fahren. Aus Nutzersicht vielleicht sinnvoll, aber wie schon gesagt: sehr bemerkenswert.

    1. Danke Michael.

      Ein übergeordneter Verkehrsverbund (GVH) übernimmt Namen und Markenauftritt eines der ihm untergeordneten Verkehrsunternehmen (ÜSTRA).

      Der Vorgang ist in der Tat bemerkenswert. Wobei es zu differenzieren gilt: Der GVH übernimmt nicht auch den Namen, sondern lediglich den Markenauftritt der Üstra. Der GVH wird unter dem Dach der Marke Üstra eingegliedert, behält jedoch als Unternehmen seinen Namen.

      In diesem Fall war offenkundig nicht die (schiere) Größe der Unternehmen maßgeblich, auch nicht ihre Position innerhalb der Organisationsstruktur, also keine Business-Parameter, als vielmehr die jeweiligen Präsenzen als Marken, ihre Verbreitung, Bekanntheit, Tradition, u.a..

      (Moderne) Verkehrsverbunde sind vergleichsweise jung – die Entwicklung nahm, wenn ich das richtig sehe, erst in den 1960er/1970er-Jahren Fahrt auf. Der GVH wurde 1970 gegründet. Wohingegen Verkehrsunternehmen vielfach bereits Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurden. Deren unternehmenspolitische „Unterordnung“ – Eingliederung ist womöglich der passendere Begriff – erfolgte erst viele Jahrzehnte später. Aus der Verwurzelung der Verkehrsunternehmen heraus resultiert in vielen Fällen eine stärkere Präsenz, als Name und als Marke vor Ort. Und die mit der Marke Üstra verbundene starke Präsenz möchte man offenbar weiter nutzen. Was nachvollziehbar ist. Auch in meiner Wahrnehmung (als Bürger dieser Stadt) ist die Präsenz der Marke Üstra stärker als jene des GVH. Ungewöhnlich ist der Schritt dennoch.

  7. Mir fällt es sehr schwer, im ÜMO ein grinsendes Gesicht zu erkennen – ich verstehe die intendierte Bedeutung, aber ich lese sie nicht spontan aus dem Zeichen. Ich muss mich sehr konzentrieren, und dann sieht es für mich tatsächlich wie ein grotesk großer, fratzenhafter Mund aus. Ebenso verstehe ich, dass ein “Ü” gemeint ist, aber sehe es nicht wirklich.

    Vielmehr erkenne ich in dem Zeichen eine steile Aufsicht auf eine Person mit runden Brillengläsern, die mit leicht nach links gedrehtem Kopf nach oben zum Betrachter blickt, der Körper verjüngt sich perspektivisch von den Schultern (rechte und linke Ecke der angeschnittenen Dreiecksform) zu den Füßen (untere Ecke).

    Zweifelsfrei ist Jung von Matt hier ein wiedererkennbares Zeichen gelungen, aber nicht zwingend ein ästhetisch überzeugendes oder eindeutig verständliches.

  8. Kann mich Florian und Philipp nur anschließen, die Bildmarke weckt auch in mir ein ungutes Gefühl. Ich sehe hier einen glatzköpfigen Mann mit riesigen, leuchtend grünen Augen/einem Nachtsichtgerät, der umgekehrt von der Decke in einen grünen Lichtkegel hängt … vllt. sagt das aber auch mehr über mich aus, als über die Fähigkeiten der Gestalterinnen und Gestalter des Ümo … naja … :P Um ein freundliches Gesicht bzw. allein das Lachen zu erkennen, ist der Mund, meiner Meinung nach, zu unförmig.

    1. Als Simpsons-Fan sah ich auch sofort einen Homer, der von oben durch ein Loch schaut 😄 Wäre eine lustige Idee zu Abwandlung am Welt-Simpsons-Tag in einer Woche …

  9. Obwohl mir das Logosymbol nicht gefallen will, finde ich es trotzdem gut gemacht. Die Herleitung der asymetrischen Form ergibt Sinn und sie harmoniert auch sehr gut mit dem davorstehenden „A” der linksbündig platzierten Wortmarke. Der Sympathiefaktor dieses Gesichts schwappt bei mir nicht über.

  10. Als geborener Hannoverarner verfolge ich die obigen Kommentare mit Interesse. Als Gestalter möchte ich noch einmal die aufgezeigte Veranschaulichung der Einbettung der des Ü in die Bildmarke kommentieren. Ich verstehe es so, dass hier die „Nierenform” aus dem städtischen Grundriss Hannovers abgeleitet. Abgesehen davon, dass das aus meiner Sicht eine sehr limitierte Argumentation ist, da städtische Grenzen dynamisch sind, wirkt die Dreieck-Form aus sich selbst heraus sehr generisch und lässt mich an den Bahlsen Verpackungsrelaunch von 2014 denken (https://www.designtagebuch.de/bahlsen-erneuert-markenauftritt/). Auch dort wirkte der gestalterische Versuch mit der stets retro-modernen Nierenform eine selbstbewußte Markenausdruck zu erzeugen eher verwaschen und hilflos, als markig und aus der Marke hergeleitet. Gleiches passiert nun hier im ÜSTRA Signet. Dynamisches Dreieck, rundlich, weich, lächelnd… hm, damit könnte man auch Weingummi verkaufen. Kurzum, so ganz aus einer klaren Markenposition scheint mir das nicht hergeleitet. Memorierbarkeit über die Ü-Punkte, die Farb und das Lächeln einmal außer Acht gelassen. Mich überzeugen TUI, amazon und Lorenz mit ihrem Lächeln mehr.

    https://www.designtagebuch.de/lorenz-stellt-sich-visuell-neu-auf-und-fuehrt-nutri-score-ein/

    1. Bahlsen ist in der Tat, bezogen auf die Nierenform, ein passender Vergleich. Danke Matthias.
      Ich würde allerdings nicht so weit gehen, und die vom Dreieck und dem Umriss der Region Hannover abgeleitete Form des Ü-Zeichens als generisch zu bezeichnen. Die Nierenform ist, als Grundform, in jedem Fall weniger generisch als Kreis, Dreieck und Quadrat. Und die Einkerbung im oberen Bereich inkl. Punkte macht die Form schon speziell. Ungeachtet des Umstands, dass sich Logos mit Smile seit geraumer Zeit einer gewissen Beliebtheit erfreuen.

      Logos mit Smile

      (Anmerkung: seit März 2023 nutzt Pepsi ein anderes Markenlogo, seit diesem Frühjahr auch auf dem deutschen/europäischen Markt.)

    1. Das sehe ich genau so. Da ist es eher wenig hilfreich, sich mit grün gebenden Logo der Umweltthematik anzubietern.
      Da kann man nur beide Augen fest zu drücken und sich was anderes wünschen.

      1. sich mit grün gebenden Logo der Umweltthematik anzubietern.

        Hier scheint wohl gemeint zu sein, dass die Üstra, so verstehe ich den Kommentar, indem das Unternehmen (nunmehr) ein grünes Logo verwendet, sich der Umweltthematik anbiedert. Das geht jedoch ein wenig an der Realität vorbei.

        Ein Blick in die Historie: Seit 1970 nutzt der Großraumverband Hannover (GVH) ein grünes Logo als Absender. Seit Mitte der 1970er-Jahre, mit Einführung der Stadtbahnen Modell TW 6000, prägen grüne Stadtbahnen, und in Folge dessen grüne Haltestellen und grüne Busse das Stadtbild von Hannover. Im Zuge dessen wurde das Üstra-Logo 1974 auf die Farbe grün umgestellt. Die Üstra „gibt“ sich nicht (jetzt) ein neues grünes Logo – Grün ist seit mehr als fünf Jahrzehnten die Erkennungsfarbe der Üstra.

        1. Ich schätze die sehr konstruktiven Anmerkungen von Achim Schaffrina – auch wenn ich diese nicht immer teile.
          Meine Äußerungen bezogen (auch) darauf, dass Unternehmen schon einige Zeit sich einen “grünen Anstrich” geben. (Zeitgeist: Umwelt)
          Dies kann man machen, halte ich ich aber für falsch.

  11. Also für mich siehts nicht nach einem lachenden/grinsenden Gesicht aus.

    Die Negativ-Fläche um “U” wirkt für mich wie ein Gesicht, das “U” selbst wie der Körper und dann sind die Punkte wie zwei gruselige Augen, die mich anstarren.

  12. Seit einer Woche vergeht kaum ein Tag an dem in der HAZ nicht über das neue Logo berichtet wird.
    Jetzt soll das Logo nachhaltig sein. Der letzte Auftritt der ÜSTRA hat gerade mal etwas mehr als sechs Jahre gehalten. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Jetzt wird also wieder alles umgeflaggt, rebranded … Die ÜSTRA muss noch viele geheime Kassen haben, um sich so etwas zu leisten: Da findet sich dann eben mal auch ein 6-stelliger Betrag um ein Trikotsponsoring bei Hannover 96 zu finanzieren. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ÜSTRA-Busse auch im Umland unterwegs waren. Später wurde Regiobus gegründet, mit eigener Verwaltung. Jetzt also eine Verkehrswende, die eine Kehrtwende ist – hatten wir doch schon … Das DB-Logo von Eduard Ege wurde 40 Jahre verwendet, das DB-Logo von Kurt Weidemann (1993 vorgestellt und seit 1994 in Gebrauch) hat auch schon 30 Jahre auf dem Buckel – das nenne ich nachhaltig.

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