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Bad Waldsee legt Hand an, am Signet von Otl Aicher

Bad Waldsee Logo, Quelle: Stadtverwaltung Bad Waldsee
Bad Waldsee Logo, Quelle: Stadtverwaltung Bad Waldsee

Im baden-württembergischen Bad Waldsee hat man sich schon längere Zeit mit dem visuellen Erscheinungsbild der Stadt beschäftigt. Als Ergebnis eines mehrjährigen Markenprozesses wurde vor Kurzem der Webauftritt relauncht und das mittlerweile historische Stadtlogo modifiziert, welches Otl Aicher, Altmeister des Grafikdesigns und Wegbereiter des Corporate Designs, in den Jahren 1979/1980 entworfen hat.

Vor dem Hintergrund des stetigen Wandels in Wirtschaft und Gesellschaft und einer zunehmenden Professionalisierung in Sachen Kommunikation beschäftigen sich längst nicht mehr nur große Metropolen und Städte mit Themen wie Markenkern, Image und dem visuellen Profil als Stadt(marke). Schließlich sind Zukunftsfähigkeit und die Attraktivität als Standort auch für kleinere Gemeinden und Kommunen von großer Bedeutung. In Bad Waldsee wurde bereits im Sommer 2018 ein entsprechender Markenprozess in Gang gesetzt. Erste Ergebnisse dieses Prozesses werden nun sichtbar, etwa der frisch relaunchte und in Kooperation mit der Agentur Hirsch & Wölfl realisierte Webauftritt.

Mit neuem Webauftritt hält auch ein weiterentwickeltes visuelles Erscheinungsbild Einzug. Die Stadtverwaltung folgt hierbei dem Motto, wie es in der offiziellen Pressemeldung heißt, „Bewährtes erhalten und Zukunft gestalten“. Erhalten bleibt nicht nur die blau-grüne Farbgebung, sondern auch das von Otl Aicher einst entwickelte „Wald und See“-Signet.

Ursprünglich bestand das Stadtlogo Bad Waldsees einzig aus jenem „Wald und See“-Signet. In ersten Druckschriften wurde der Bildmarke der Stadtname zur Seite gestellt, gesetzt in einer von Aichers Lieblingsschriften, der Helvetica. 1998 erfolgte ein Redesign. Bei der von einer ortsansässigen Werbeagentur durchgeführten Anpassung wurde die Bildmarke durch eine in Versalien angelegte Wortmarke „BAD WALDSEE“ samt Slogan „TUT GUT…“ ergänzt, gesetzt in der Schrift Optima.

Unter dem Einfluss fehlender Gestaltungsvorgaben sind im Laufe der Jahre Abbildungsvarianten entstanden, die sich in Bezug auf ihre Anmutung und Anordnung sowie hinsichtlich der Proportion von Wort- und Bildmarke stark unterscheiden. Einige Varianten lassen zudem deutliche Qualitätsdefizite erkennen. Die in der bisher verwendeten Wortmarke (Abb. unten) gezeigte Spationierung – „W ALDSEE“ – ist nicht nur gemessen an Aichers Gestaltungsanspruch unzureichend und fehlerbehaftet. Ein Redesign tat Bad Waldsee in diesem Fall also unbedingt gut.

Bad Waldsee Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Stadtverwaltung Bad Waldsee, Bildmontage: dt
Bad Waldsee Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Stadtverwaltung Bad Waldsee, Bildmontage: dt

Das neue Stadtlogo bildet eine stärkere, zugleich kompaktere Einheit aus Bildmarke und Wortmarke. Der nunmehr auf drei Zeilen umgebrochene Ortsname ist linksseitig der Bildmarke platziert, rechtsbündig ausgerichtet. Die über zwei Stockwerke reichende Bildmarke und die über drei Stockwerke angelegte Wortmarke bilden eine nahezu quadratische Form. Darüber platziert, Wort- und Bildmarke in einer Art visuellen Klammer verbindend, steht der Namenszusatz „GROßE KREISSTADT“. Wortmarke wie auch der Namenszusatz sind in der Rotis gesetzt, der von Otl Aicher 1988 geschaffenen, lange Zeit häufig verwendeten, später viel kritisierten Hybridschriftart. Weshalb die „Rotis eine Streitschrift“ ist, haben Christian Hartig und Ralph Burkhardt in ihrer gleichnamigen und vielbeachteten Diplomarbeit (Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd, 2006) herausgearbeitet.

In der Kreisstadt Bad Waldsee wird die Arbeit des berühmten Schöpfers also in mehrfacher Hinsicht gewürdigt und in Ehre gehalten. Ähnlich wie in Isny. Für die Gemeinde im Allgäu hatte das Büro Otl Aicher seinerzeit ebenfalls ein Stadtsignet samt dazugehöriger visueller Kommunikation entwickelt. Gerne hätte ich an dieser Stelle die für das visuelle Erscheinungsbild von Bad Waldsee verantwortliche Agentur genannt. Auf Anfrage teilte mir die Stadtverwaltung lediglich mit, dass der Relaunch / das Redesign mit „fachkundigen Mitarbeitern der Stadtverwaltung gemeinsam mit einer freien Agentur entwickelt wurde“. Den Unterlagen zum Markenprozess ist zu entnehmen, dass die Agentur Pink Pony (Stuttgart) den Zuschlag für die Entwicklung des Erscheinungsbildes erhielt.

Stadtlogos von berühmten Designern finden sich nicht nur in Bad Waldsee und Isny. Die für die südfranzösische Stadt Nîmes gebräuchliche Palme/Krokodil-Assoziation antiken Ursprungs wurde in den 1980er-Jahren von Designer und Architekt Philippe Starck neu interpretiert. Noch heute nutzt die Stadt das von Starck gezeichnete Signet als offiziellen Absender. Auch das heutige Stadtlogo Hamburgs mit rotem Stadttor und blauer Wellen-Linie wurde 1998 von einem namhaften Designer entworfen, nämlich von Peter Schmidt.

Dass ein Stadtlogo nicht dem Denkmalschutz unterliegt, stellte hingegen Berlin klar. Im Zuge der Umstellung auf eine „partizipative Markenstrategie“ entschied sich das Land Berlin im Sommer 2020 das Signet mit rotem Brandenburger Tor, in den 1990er-Jahren von Erik Spiekermann geschaffen, auszutauschen. Im Rahmen einer Werbekampagne wurde dem Brandenburger-Tor-Signet, welches ursprünglich für die Berliner Verwaltung entwickelt wurde, also für Behördenschriftverkehr konzipiert und gedacht war, das Wort „be“ vorangestellt. Wenig zur Freude Spiekermanns, wie er in einem Interview gegenüber der „taz“ verriet. Im Vergleich dazu geht die städtische Verwaltung in Bad Waldsee mit dem grafischen Erbe der Gemeinde gewissenhafter vor.

Noch eine Anmerkung zur Typo. In dem in Rotis gesetzten Namenszusatz „GROßE KREISSTADT“ sticht der Buchstabe „ß“ hervor, und zwar in negativer Weise. Die Strichstärke des „ß“ ist dünner als die der anderen Lettern, siehe Veranschaulichung. Das „ß“ fällt hierdurch, da es weniger Schwarzfläche in Anspruch nimmt, im Vergleich zu den anderen Lettern deutlich ab. Bei dem im Namenszusatz verwendeten „ß“ handelt es sich nicht etwa, wie es erforderlich wäre, um ein Versal-ß, sondern um ein gewöhnliches ß in Kleinschreibweise. Versalien und Kleinbuchstaben unterscheiden sich nicht nur in ihrer Form, sondern eben auch (vielfach) in Bezug auf ihre Strichstärke. Bei der Rotis ist der Stärkenunterschied zwischen Versalien-Stamm und Minuskeln-Stamm tatsächlich recht ausgeprägt.

Im Gegensatz zu vielen modernen Schriften besitzt die von Monotype herausgegebene Rotis keine Glyphe mit Versal-ß. Ein folgenreiches Defizit, könnte man sagen, wie das neue Bad-Waldsee-Logo verdeutlicht. Die kleine typographische „Unwucht“ hätte im Zuge der Gestaltung natürlich händisch ausglichen werden können. Gerade in diesem Fall wäre, wie ich meine, der damit verbundene Aufwand der Mühe Wert gewesen, galt Otl Aicher doch als akribischer, detailversessener Gestalter.

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Dieser Beitrag hat 51 Kommentare

  1. Ein eindrückliches Beispiel für ein völlig verunglücktes Redesign.
    Nur die Bad Wald See Anordnung jeweils nach unten ist in kleinsten Ansätzen innovativ.
    Ist bekannt, wie hoch dieses “Kunstwerk” kostete?

    1. Da würde ich gern mal insofern dagegen halten als dass ich die vorherige Typografie mit den falschen Kapitälchen, unpassender Sperrung und einer nicht mit dem Logo harmonierenden Optima viel schlimmer fand.
      Ich bin allerdings nicht sicher ob Proportionen und Linienstärken so schon wirklich stimmig sind. Und vielleicht hätte es die Kreisstadt-Zeile gar nicht gebraucht. Dann wäre es auch gar nicht erst zu diesem unglücklichen ß-Einsatz gekommen. Außerdem sehe ich auch bei den Farben Optimierungsspielraum.

  2. Vielleicht hätte man (mal ganz ab von der Typografie) auch das Signet etwas modifizieren und offener gestalten können. Eine Reduzierung der Ebenen in den Bäumen und dickere Linien wären in meinen Augen möglich, ohne die Vision des berühmten Urhebers komplett über den Haufen zu werfen. Andererseits könnte man natürlich argumentieren, das gerade der Gegensatz zwischen Fläche und filigranen Linien den Reiz des Signets ausmachen würde.

    https://i.imgur.com/Sr1DA9p.png

    1. In die Arbeit eines Kollegen ohne dessen Zustimmung zu pfuschen hätte ich schon Skrupel. Dann lieber mit dem alten Logo ab in’s Museum und neu aufgesetzt.

    2. @Chris
      Das war auch mein erster Gedanke, danke für die Veranschaulichung.
      Der zweite war: Warum um Himmels Willen GROßE KREISSTADT?
      Nachgegogelt und herausgefunden, es ist eine Kreisstadt mit über 20.000 Einwohnern (knapp drüber) und etwas mehr Aufgaben als eine normale Kreisstadt (einige Landkreisaufgaben) und der Bürgermeister heißt Oberbürgermeister. Ob man so etwas ins Logo nehmen muss, sollte jeder für sich entscheiden. Ich finde es unnötig.

  3. Bestehende Designs neu denken, gegebenenfalls Elemente übernehmen, modifizieren und überarbeiten, im Sinne einer evolutionären Weiterentwicklung, ist nun einmal Teil unserer Arbeit als Gestalter. Ich kann darin kein „Herumpfuschen“ erkennen. Im Rahmen eines offenen, respektvollen Diskurses finde ich es nicht schön, wenn Entwurfs- und Gedankenansätze hier im dt mit solch einem Begriff kritisiert, quasi abgewatscht werden. Zumal keine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Dargestellten erfolgt.

    Das unter der Leitung Aichers 1962 an der HfG Ulm (Entwicklungsgruppe „E5“) entstandene visuelle Erscheinungsbild der Lufthansa wurde schon mehrmals überarbeitet, zuletzt 2018 (dt berichtete). Auch am Kranich, von Aicher und seinem Team seinerzeit mit einem umgebenden Kreis versehen, haben Kollegen der gestaltenden Zunft Hand angelegt. Derlei Überarbeitungen vollziehen sich fortwährend. Damit einhergehende Skrupel sind also fehl am Platz, denke ich.

    Jede Arbeit, auch die von namhaften Designern, muss sich der Kritik stellen. Ich finde es vollkommen legitim, den ein oder anderen Gedanken mal schnell zu visualisieren. Daraus muss nicht zwangsläufig Großes entstehen. Und doch sind derlei Schnellentwürfe Teil eines Designprozesses.

    Natürlich kribbelt es in den Fingern, kreisen die Gedanken im Kopf. Auch ich frage mich, ob und wie sich das vom Büro Aicher entworfene Bildzeichen transformieren ließe. In etwas, das mehr und stärker der heutigen Lebenswelt der Menschen/Bürger entspricht und dieser gerecht wird. Insbesondere die dünne schwarze Einfassung empfinde auch ich, dank Dir Chris für die Visualisierung, als unpassend, ja als gestrig. Die Natur, Wald und See, so eingepfercht und beengt, und so wenig nahbar und zugänglich darzustellen! Ich bin überzeugt, dafür findet man heute andere Gestaltungslösungen.

    Konzeptionell und im Aufbau ähnelt das grün-blaue-Signet übrigens den von Aicher gestalteten Olympia-Piktogrammen. Ein Zeichen in einen Korpus einzubetten, wie bei den Olympia-Piktogrammen, dem von Otto Firle 1918 entworfenen Lufthansa-Kranich oder auch wie beim Bad-Waldsee-Signet, war offenkundig eine Vorliebe Aichers.

    Egal ob mit oder ohne Quadratkorpus – ich assoziiere mit dem Signet vor allem … Christbaumschmuck. Und dabei war es Aichers Anspruch, schmückenden Dekor, jede Art dekorativer Gestaltung und zeitgeistiger Verzierung, die er als degeneriert ansah, zu überwinden. So wie es wohl auch das Ziel gewesen war, danke Peter für den Einwurf, das barocke Erbe der Stadt abzuschütteln. Denn Barock galt Aicher in erster Linie als Ausdruck überholter Überfrachtung. Dass im Barock oder in anderen zeitgeschichtlichen Epochen/Strömungen innewohnende Potenzial, Identität zu stiften (siehe Meissen, Versace, Musées d’Orsay), blieb in Aichers Werk stets unberücksichtigt. Zeitgeschichte, insbesondere die des Dritten Reiches und des Nationalsozialismus, galt es aus Aichers Sicht zu überwinden. Ich bewundere die Arbeiten Aichers sehr. In meinem Büro hängt ein hellgrün leuchtendes, Energie und Dynamik spannungsvoll einfangendes München-1972-Plakat. Die in Aichers Arbeiten ersichtliche rigorose Negierung geschichtlichen Kontextes findet insbesondere in den unter seiner Leitung geschaffenen städtischen visuellen Erscheinungsbildes ihren Ausdruck. Das Ergebnis wirkt, aus heutiger Perspektive betrachtet, zweckmäßig, kalt, emotionslos, unnahbar.

    Kommunikationsdesign darf meines Erachtens gesellschaftlichen, sozialen, technologischen und kulturellen Wandel nicht ausblenden – es muss wandelbar sein und bleiben. In typischer Kleinschreibweise schrieb Aicher: „in einer sich ändernden welt müssen auch produkte sich ändern“ („die welt als entwurf“, Ernst & Sohn, 1991). Also auch Logos. Wie würde also ein ins Jahr 2023 transformiertes, auf das heutige Bad Waldsee bezogenes Signet / Wald-See-Signet aussehen?

    Oftmals werden Designs, etwa jene von Aicher, oder auch von Dieter Rams, Max Bill oder den Bauhäuslern, als zeitlos bezeichnet. Doch zeitlos ist das „Wald und See“-Signet meines Erachtens keinesfalls. Die viereinhalb Jahrzehnte, die zwischen seiner Entstehung und der heutigen Welt stehen, sieht man diesem Zeichen sehr deutlich an.

  4. Ich habe bis jetzt noch kein überzeugendes Versal-ß gesehen, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen. Die bisherigen Umsetzungen wirken eher wie Notlösungen und nach wie vor wie Fremdkörper im Versalsatz. Was spricht denn eigentlich dagegen, einfach das altbewährte Doppel-S zu nutzen?

    1. Das Doppel-S ist nicht eindeutig und es ist unlogisch, dass es zu dem kleinen Eszett keinen entsprechenden Großbuchstaben gibt, da Versalsatz nun einmal existiert.
      Beispiel ohne Versaleszett:
      Maße -> MASSE
      MASSE -> Maße oder Masse?

      Meiner Meinung nach gibt es jede Menge gute Versaleszett-Formen, aber auch viele schlechte. Gelungen finde ich beispielsweise die, die in den Schriften der Bundesregierung zum Einsatz kommen, BundesSans und BundesSerif. Auf Typografie.info gibt es Sammlungen zum großen Eszett.

  5. Die Agentur, die die Schreibweise »GROßE KREISSTADT« zu verantworten hat, hat leider keine Ahnung von Schrift und/oder Typografie. GROSSE KREISSTADT, GROẞE KREISSTADT wäre richtig gewesen. Sechs, setzen! Tragisch ist aber der Zusatz „große Kreisstadt« an sich. Wenn ich mich für Bad Waldsee interessiere, dann interessiere ich mich eben für Bad Waldsee, wem soll es bitte interessieren, dass Bad Waldsee eine kleine, normale oder große Kreisstadt ist? Warum wird diesen verwaltungstechnischen Zusatz hier soviel Platz eingeräumt? Dann hätte die Angabe der Ortsvorwahl, der Postleitzahlenbereich, der Zusatz »direkt an der B30« oder die Faxnummer der Großen-Kreisstadt-Verwaltung (immer mit Bindestriche!) mehr Sinn gemacht.

  6. Ja, die ‚Grobe‘ Kreisstadt ist schlimm, derart prominent sogar echt schlimm.

    Das wirklich Schlimme ist jedoch, Designelemente, die in die Jahre gekommen sind, derart grob miteinander zu komprimieren.

    Aber Hauptsach‘, es ist jetzt brutalo-komprimiert – und es passt so sowohl auf den Verwaltungsbriefkopf als auch auf den quadratischen App-Button, aua. ;-)

    So hat man also „Bewährtes erhalten (die alten Elemente nehmen und schlecht zusammenschrauben) und Zukunft gestalten (auf App- und Webbedürfnisse dengeln) öffentlich verkauft. Ich sag‘s ja immer, die Pressetextverfasser sind die wahren Poeten und wahren Kreativen unserer Zeit.

    Es haben vermutlich in der schnöden Praxis – aber ich weiß es nicht – die erwähnten „fachkundigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung“ der Agentur kaum Luft gelassen. Da ich selbst mehrmals mit dem Design von Stadt-/Verwaltungslogos zu tun hatte, beneide ich die Agentur nicht. Doch die handwerklichen Fehler hätte es halt auch nicht gebraucht.

  7. Ich bin verblüfft, mit welcher Leichtigkeit Logos oder Signets, etc. offenbar “verwandelt” werden dürfen und sich doch von der Idee (hier des Otl Aichers) nicht lösen können. Als Architekt ohne spezielle Kenntnisse aus der Designbranche frage ich mal in die Runde: Gibt es kein Urheberrecht, welches solche “Weiterentwicklungen” verbieten würde? An Dinge wie Berufsethos mag ich dabei gar nicht mehr denken. Tatsächlich ist “Pfusch” (in dem Kommentar weiter oben) vielleicht aus dem Bauch heraus formuliert. Aber die kritischen Kommentare hier lassen doch alle klar erkennen, dass BAD WALD SEE “Alles” verkehrt gemacht hat. Ob das ein Urheberrecht verhindern könnte, scheint mir dann allerdings auch wieder fraglich…

    1. Es gibt im Designbereich tatsächlich für den Urheber ein Urheberrecht auf sein von ihm erstelltes Logo. So ein Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die sind hier noch nicht rum.

      Nur wissen wir nicht, was Otl Aicher genau an (zu bezahlenden) Nutzungsrechten vereinbart hat.
      Es gibt erweiterte Nutzungsrechte, die gehen sehr weit. Bis hin zur – veränderten – Wieder- oder Weiterverwendung..

  8. Laut einem Zeitungsbericht der Schwäbischen Zeitung ist das finale Logo mehr oder weniger in Eigenregie der Stadtverwaltung entstanden. Die Zusammenarbeit mit der Agentur wurde schon vorher beendet. Man findet in dem Artikel ein goldenes Logo auf blauem Grund, welches versucht, das Signet zu modernisieren und mit der Wortmarke in drei Zeilen neu zu Rahmen. Dies hat angeblich nicht überzeugt. Die Frage ist, warum die Zusammenarbeit nicht erfolgreich war und ob man nicht gemeinsam eine Lösung hätte finden können.

  9. Interessant, Chris.
    Hab den Link zum Zeitungsartikel gefunden. Denke, der Artikel wird die Leser interessieren.
    In kurz: Pink Pony war vorher schon raus mit einem Vorschlag, der nicht ankam. Es war anschließend vorgeblich eine freie Grafikerin, in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Fachbereichs. Ihr Ergebnis hat man, haben die Stadtverantwortlichen oder wer auch immer anschließend ‚entgoldet‘ und den darunter stehenden Slogan ‘malerisch menschlich meisterhaft‘ entsorgt. Was dabei schlussendlich heraus kam, findet sich hier oben im Blog.
    Link: https://www.schwaebische.de/regional/oberschwaben/bad-waldsee/es-hat-lang-gedauert-jetzt-hat-bad-waldsee-ein-neues-altes-logo-1967774

    1. beachtlich, dass pink pony dennoch rund €58.000,- mit diesem projekt erwirtschaftete.
      obwohl als gmbh bereits im sommer 2000 aufgrund von vermögenslosigkeit von amts
      wegen gelöscht und im eigentl. sinne nicht einmal eine agentur…

      bleibt die frage: warum nicht studenten der HfG hinzugezogen wurden, wie es interessant
      wäre: die ursprüngliche arbeit Aichers zu sehen.

      1. Ich wollte eigentlich keine Diskussion über die Agentur vom Zaun brechen. Ich denke, Logo für Städte sind eine heikle Angelegenheit mit vielen Köchen und Interessen und die Kommunikation kann auf viele verschiedene Wege schief gehen.

        Ich vermute, dass die dreiteilige Anordnung von BAD WALDSEE aus dem abgelehnten Logo stammt und fragte mich nur, ob die Agentur nicht ein technisch besseres Ergebnis als das jetzt vorgestellte Logo hinbekommen hätte, wenn man sich auf Kundenseite rechtzeitig entschieden hätte, das Original-Signet beizubehalten. Aber das sind nur Mutmaßungen meinerseits, der Artikel bleibt für mich etwas diffus.

        1. Ja, ein wenig diffus.
          Die anderen beiden Vorgängerartikel – im rechten Kasten des Artikels aufzufinden – sind es auch.

          Es ist für mich im Text unklar, ob das blaugoldene Zwischenergebnis nu noch von der Agentur stammt oder schon von einer weiteren freien Zuarbeit.

          Ich kann mir persönlich schwer vorstellen, dass so etwas von einer Agentur stammt. Aber wie du schon sagst: eine Stadtlogo-Sache ist oft recht heikel und vielschichtig, viele Köche.

          Aus dem Subtext könnte man herauslesen, dass es ein ziemliches Hin und Her gab, das wohl auch die Zeitung nicht ganz auflösen konnte.

      2. Karl, auch als nicht-GmbH, also als ganz normaler Selbständiger oder als GbR-Büro kann man Geld, von mir aus auch fünfstellige Summen erwirtschaften.
        Man muss nicht zwingend für weniger Geld den gleichen Aufwand machen, nur weil man keine GmbH ist.

      3. Für meinen Geschmack etwas viel Spekulation unterwegs im Strang. Was haben z. B. wieauchimmer geartete Vemögensverhältnisse von vor über 20 Jahren für eine Aussagekraft bezüglich der aktuellen Situation? Gibt eh genug gestalterisch-belastbare Informationen (dafür sorgt Achim in so vorbildlicherweise) über die es sich kultiviert streiten lässt. Braucht man nicht ins Spekulative abtauchen.

        1. Koni, eine erloschene GmbH, wenn es stimmt, ist ein Fakt, keine Spekulation.

          Aber ich gebe dir recht, dass eine geänderte Gesellschaftsform, geänderte Finanzen auf keinen Fall eine zulässige Herleitung auf kreative Kompetenz sind.

      1. Daher:“
        „ Zumindest war öffentlich kaum etwas von der Zusammenarbeit zu vernehmen. Ganz im Gegenteil: Es war erstaunlich ruhig. Bis, ja bis zum Bürgerfest im letztjährigen Sommer. Da sorgte das „Gold-Logo“ für reichlich Frust. Und die drei gewählten Attribute „menschlich, malerisch, meisterhaft“ ließen die tief mit der Stadt verwurzelten Bürger nur ratlos mit dem Kopf schütteln.“

        Zitat aus dem Artikel.

        Dieses war Gold auf Dunkelblau. Die halbwegs gleiche Anordnung, nur ohne den ‚menschlich …‘-Slogan wurde wohl dann wieder in die ursprüngliche Farbgebung zurückversetzt – das nannte ich ‚entgolden’^^ – plus GROBE KREISSTADT oben drüber.

  10. Je länger ich mir die stilisierten “Bäume” anschaue, umso mehr frage ich mich: ist das wirklich zeitgemäß? Einen Wald in 2023 als Monokultur von Fichten- (hier vermutlich Tannen-) Bäumen darzustellen? So mag Otl Aicher “Wald” gesehen haben. Offenbar wissen auch heute viele andere noch nicht, dass man so etwas “Plantage” nennt. Bei Plantage denke ich an Bananen. Nicht Wald. Nicht See!

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