Neue Marke Stadt Köln

Stadt Köln erhält ein weiteres Markenzeichen

Neue Marke Stadt Köln

Stadtmarketing-Wochen hier im dt. Nachdem mit Florenz und Genua kürzlich zwei italienische Städte neue Markenzeichen präsentiert haben, folgt mit Köln nun eine deutsche Metropole. Im Gegensatz zu den Italienern verfügen die Kölner bereits über städtische Logos und Absender, durchaus in Hülle und Fülle. Mit Hilfe einer zweifarbigen Bildmarke sollen nun alle bisherigen Logos unter einem Dach vereint werden. Profilschärfung durch Erweiterung der nicht eben wenigen bereits bestehenden Gestaltungsprinzipien. Kann das gut gehen?

In Köln wird derzeit in den lokalen Medien heiß diskutiert, ob das neu erdachte Markenzeichen sein Geld wert sei. Natürlich. Wie könnte es auch anders sein. Ein Logo, eine Summe und schon nach wenigen Minuten finden sich Kommentare wie: „Hätten die das Geld mal besser in etwas Sinnvolles gesteckt“. Überraschenderweise komme auch ich zu diesem Ergebnis. Aber der Reihe nach.

Das neue Zeichen, eine stilisierte Darstellung des Kölner Doms und des Rheins, soll im Sinne einer Dachmarke als visuelle Klammer fungieren und die bestehenden visuellen Identitäten, seien es die der Stadt oder die von Unternehmen wie etwa KölnTourismus vereinen. Das neue Element, das offiziell nicht als Logo, sondern als „Gestaltungsmuster“ verstanden werden soll, ergänzt also bereits bestehende Erscheinungsbilder. Dies allerdings erfährt man weder auf Koeln.de, noch auf Report-k.de, ksta.de und auch nicht auf rundschau-online.de. Selbst in der offiziellen Presseerklärung der Stadt wird auf diesem Umstand nicht eingegangen. Stattdessen wird von Seiten der Stadt vollmundig gelobt, dass Unternehmen und Institutionen der Stadt Köln nun „Flagge zeigen“ könnten. Unter dem neuen Markezeichen, entworfen von der Wuppertaler Agentur Boros, solle fortan der Außenauftritt Kölns gebündelt und „kraftvoll in die Welt“ getragen werden. Unternehmer und Wirtschaftspolitiker lieben eine solche Sprache. Mir ist sie offen gestanden ein Graus, weil eine solche Sprache dazu neigt, Inhalt zu kaschieren. Inhalt, der sich nicht durch Animationen kompensieren lässt (siehe Video unten).

Worum geht es denn eigentlich? Braucht Köln tatsächlich eine neue Marke, ein weiteres Erkennungszeichen? Zumindest in dieser Frage scheint man sich in Köln mit Düsseldorf einig. Nicht, weil Einigkeit zwischen diesen beiden Städten per se, gewissermaßen traditionell bedingt, Anlass für Skepsis sein müsste, das auch, aber viel entscheidender ist, dass Köln bereits über eine Vielzahl an Markenzeichen, Logos und Absendern verfügt, die allesamt im Dienste der Stadt sind. „Köln ist ein Gefühl“ so das aktuelle Marketing-Motto der Stadt. Mich beschleicht mit Hinblick auf besagtes Überangebot an Logos eher das Gefühl, dass ein weiteres Zeichen das letzte ist, was Köln benötigte.

Da kann das neue Markenzeichen im Prinzip aussehen wie es will – hübsch, nett, hässlich, langweilig. Es ist schlichtweg egal, denn Probleme lösen wird die blau-rote Doppellinie nicht. Eine visuelle Klammer schafft man nämlich nicht dadurch, indem man zu den bereits vorhanden visuellen Identitäten eine weitere oben drauf packt. So stiftet man nur Verwirrung. Im Sinne einer echten Dachmarke wirken könnte die Marke nur, wenn diese andere ablöste und die visuellen Identitäten von Stadtverwaltung und städtischem Marketing harmonisiert würden, was beides jedoch nicht geschehen wird.

Wollte man tatsächlich den Außenauftritt der Stadt Köln bündeln, so die an die neue Marke geknüpfte Erwartung, müsste man sich vieler der über die Jahre angehäuften visuellen Absender entledigen. Was macht die Stadt? Sie lässt ein weiteres entwickeln. Natürlich kann man, wie in Köln in den vergangen Jahren geschehen, für jeden Marketing-Schwerpunkt im Jahrestakt ein neues Zeichen entwickeln lassen. Mit einer nachhaltigen und konsequenten Markenentwicklung, bei der Corporate Design eine entscheidende Rolle spielt, hat das freilich nichts zu tun.

Was hätte denn dagegen gesprochen, das in den Jahren 2001/2002 von der Agentur TIOC konzipierte (das Unternehmen besteht heute nicht mehr), nach wie vor gültige Corporate Design der Stadt Köln weiter zu entwickeln? Hier hätte man ansetzen und ein Konzept auf den Weg bringen können, das die unterschiedlichen Institutionen und Unternehmen unter einer gemeinsamen Gestaltungslinie vereinte, etwa wie Bremen es praktiziert. Denn das auf einem roten Rechteck basierende Konstrukt mit ausgesparten Domtürmen bringt eigentlich alles mit, um trotz Themen- und Interessenvielfalt das Gemeinsame, den Bezug zur Stadt, zu unterstreichen. Es lässt sich modular auf verschiedenste Einsatzzwecke hin ausrichten, so fungiert das Stadtlogo als hoheitliches Zeichen und auch als Erkennungszeichen im Tourismus-Marketing. Der Bevölkerung, zumindest die im Raum Köln, ist das rote Stadtlogo seit vielen Jahren vertraut. Woran es allerdings mangelt, ist der Wille, dieses Erkennungszeichen in konsequenter Art und Weise zu nutzen.

Es sind Beispiele wie diese, die dafür sorgen, dass sich in der Gesellschaft das Bild vom überbezahlten, unterbeschäftigten, schöngeistigen Designer hartnäckig hält. Denn wer 40.000 Euro dafür einstreicht, dass er ein paar Linien zusammen bzw. übereinander schiebt – so viel hat die Kreation des neuerlichen Markenzeichens gekostet –, dem geht es offenbar einfach zu gut. Auch deshalb ist das Ergebnis mehr als enttäuschend, wohl gemerkt das des gesamten Marketingprozesses, weil es suggeriert, Designer seien für die mit dem Markenzeichen verbundene strategische Ausrichtung verantwortlich. Leider sind sie dies nicht in dem Maße, wie man es sich wünschte.

Hätte man Designer nicht nur mit Ausführungsarbeiten beauftragt, sondern auch beratend konsultiert, dann wäre den Kölnern womöglich ein weiteres, unnützes Zeichen erspart geblieben. Statt ein weiteres Gestaltungselement einzuführen, hätte man das Geld, und hier geht es um ein Vielfaches der angesprochen 40.000 Euro, in die Entwicklung eines schlüssigen, stringenten und dabei flexiblen Corporate Designs stecken sollen. Das wäre aus strategischer Sicht die bessere Entscheidung gewesen. Stattdessen muss man nun den Spott ertragen, der sich vom Rheinland aus in die Niederungen überregionalen Boulevards ergießt. Kluges Design hätte so viel mehr bewirken können.

Stadt Köln Markenzeichen

Anwendungsbeispiele

Stadt Köln Markenzeichen – Anwendungsbeispiele

Das Markenzeichen in animierter Form

Mediengalerie

Weiterführende Links:

46 Kommentare zu “Stadt Köln erhält ein weiteres Markenzeichen

  1. Danke Achim,

    für die schnelle, sehr gute Recherche. Ich wusste garnicht, dass es so viele Köln-Logos gibt. Habe ich teilweise noch nie gesehen. Du bringst es auch auf den Punkt. Die Stadt braucht nicht noch ein Logo. Die weitere Ausarbeitung des Stadt Köln Corporate Designs wäre wirklich der richtige Ansatz gewesen. Das Stadtlogo der Stadtverwaltung müsste eigentlich jede/r Kölner/in kennen.

    Viele Grüße aus Köln

    Michael

  2. Ich stimme im Wesentlichen zu. Allerdings soll das neue Symbol als Dachmarke für ganz Köln dienen und nicht nur für die Stadt und nachgeordnete Eigenunternehmen. So kann jedes Hotel und jeder Handwerker das Teil einsetzen. Da sehe ich durchaus sinnvolle Anwendungsfälle. Im Beispiel der koelnmesse oben (grüne Website-Screenshots) kann man gut sehen, wie das gemacht werden kann.

  3. Also findet man auch Köln im Club der roten Rechtecke. Wäre man nur dabei geblieben…

    Ein Dachmarke übrigens wäre eine farbige Linie unterhalb des ganzen bisherigen Logopotpourri jedenfalls nicht einmal, wenn sie gut wäre. Das hier ist jedenfalls eher eine Kellermarke – und das nicht einmal in den Farben von Kön (rot-weiß) sondern in denen Luxemburgs.

    Den Kölner Dom gibt es übrigens auch als Katzenohren, manche können eben meisterlich mit Linien umgehen, Osvaldo Cavandoli konnte das, von dem sehe ich mir jetzt das hier zur Erholung an:
    http://youtu.be/k0uiC0V_pMA

  4. @Christoph: Empfindest du den koelnmesse-Screenshot tatsächlich als ein Beispiel für eine „sinnvolle“ Anwendung eines Dachmarkensymbols? Dieses letztlich völlig nutz- und inhaltslose Schmuckelement am Footer der Seite, das in 98% aller Anwendungsfälle gar nicht erst zu sehen sein wird?

    Genau das ist der Ansatz der Kritik, dass eben jene Dachmarkenkennzeichnung nicht funktioniert. Weil sie nicht funktionieren kann wenn man die Vielzahl der alten Symbole nicht durch das Neue ersetzt, sondern meint diese ergänzen zu können.
    Köln kommuniziert hier, leider sprechen viele durcheinander und das neue Mitglied der Gesprächsrunde plappert einfach fröhlich mit. Das geschieht durchaus mit mit Maß, d.h. es schreit nicht einfach lauter um die anderen zu übertönen, es reiht sich einfach in das allgemeine Gemurmel ein. Die Runde hätte allerdings ein moderierendes Element viel nötiger gehabt als eine weitere Stimme.

    PS: Woher stammt denn die Zahl 40.000 EUR? Gibt es da nähere Aufschlüsselungen bzgl. des Umfangs der Arbeiten?

  5. Boros war doch noch nie für durchdachtes Design bekannt, die „Dachmarke“ passt somit sehr gut zur Arbeit der Agentur.

    Es ist beschämend, dass für zwei ungelenke und undurchdachte Linien so viel Geld ausgegeben wird.

  6. @Achim – Alles ganz genau auf den Punkt gebracht. Saubere Analyse, danke.

    Eine solide strategische Basis ist die Grundlage jeder gelungenen Gestaltung. Achtet man auf die Sprache, mit der die neue Kreation in die Welt geblasen wird, fällt die massive Unsicherheit auf, die Köln im Bezug auf seine Positionierung hat:

    „Köln bündelt unterschiedlichste attraktive Eigenschaften, die die Stadt für verschiedene Zielgruppen zum perfekten Standort machen, …“

    Aus so einem Geschwurbel kann nichts tragfähiges entstehen. Wer so etwas als Briefing akzeptiert, hat verloren, bevor der erste Strich gemacht ist. Da bleibt nur der Rückzug auf die allernaheliegendste „Idee“, den kleinsten gemeinsamen Nenner, den noch jeder Bedenkenträger abnicken wird.

    Es bleibt die Frage: Köln ist ein Gefühl – bloß welches?

    Grüße aus Köln

  7. als Dachmarkengeschädigter Düsseldorfer kann ich dazu nur sagen:
    :K

    Mal abgesehen davon, dass es eben als Dachmarke nicht funktioniert: diese beiden Linien wirken altbacken und uninspiriert auf mich, ich sehe unwillkürlich ein (unschönes) M und ein L darin. Die Platzierung bei Fotos auf der unteren rechten Ecke finde ich unglücklich, ebenso dass die Linie, die den Rhein darstellen soll, auf farbigen Flächen nicht mehr in blau ist. Insgesamt ziemlich vermurkst. Köln hätte besseres verdient.

  8. Ich habe das schon mal an anderer Stelle gesagt – und ich steh (als Kölner) dazu:

    ‚Das ist wieder mal typisch für Köln. Hurra-Patriotismus, mit Bierseligkeit, und Verklärung der eigenen Existenz, der Hochstilisierung eines gewünschten(!) Lebensgefühls, dass man sich schöngesoffen hat.‘

    So verschwurbelt die Kölner Ratspolitik ist, die Possen der Kölner Stadtverwaltung Blütentreiben, so blumig ist dieses einfaltslose Addon.

    Kann man löschen.

    Nachtrag: der Agentur kann man sicherlich nur das Bedauern ausdrücken, dass sie sich wahrscheinlich am Kunden die Zähne ausgebissen hat.

  9. Wie klar, einmalig, genial und eindeutig ist hingegen doch der Kölner Dom selbst!
    Ein Lob auf seine Baumeister.

    (Das war eine launige Antwort aus dem großartigen Designer-Zyklus: Das waren noch Zeiten!)

    @ Mac
    Kommt darauf an.
    Kann auch sein, dass sie sich ins Fäustchen lachen, dem Kunden so etwas verkauft gekriegt zu haben.

  10. @ Mac: So ganz typisch Köln ist es dann aber doch nicht. Dann hätte man den Job auch an eine Kölner Agentur vergeben, um dem Motto „Man kennt sich, man hilft sich“ gerecht zu werden.

  11. Wirklich ein unnützes Gestaltungselement. Es hilft nicht den Absender zu vereinheitlichen. Zudem ist die Gestaltung an sich sehr 90er. „Doppellinien ihr sperrigen unflexiblen Monster“ hat mal jemand gesagt. „Unpraktisch hoch drei“ sage ich. Liebe Kölner Stadtväter und Marketingoberhäupter. Bitte sucht euch einen der vielen fähigen Kölner Designer und räumt auf.

  12. @Andreas Fels: Wirf mal einen Blick auf die Referenzen von Boros. Das ist die Hausagentur für Logodesign in Köln. Aber natürlich hat es hier einen Wettbewerb gegeben, ist klar!

    @Veronika: Der Kölner Dom ist ein ekletizistisches Durcheinander der Epochen mit großen Bauanteilen aus der fragwürdigen Zeit des Historismus. Er mag vieles sein, aber bestimmt ist er nicht eindeutig.

  13. Ich möchte mich schon mal vorab entschuldigen, wenn mein folgender Kommentar nicht dem Niveau dieser Diskussion entspricht, aber mich erinnert das Logo vielmehr an die fast schon regelmäßig jährliche Promenadenüberflutung, wenn der Rhein mal wieder Hochwasser hat (ja, es soll in Wirklichkeit die Hohenzollernbrücke andeuten).

    Hier in Deutschland wird der Designer leider oftmals noch als selbstverwirklichender Künstler betrachtet (in den Niederlanden schon weniger). Nicht nur der Normalbürger sieht in „Design“ und „Kunst“ überwiegend die gleiche Bedeutung – auch leitende Persönlichkeiten und Marketingverantwortliche betrachten diesen Beruf immer wieder als Aufhübscher und Dekorierer.
    Das geht, um dieser Behauptung noch ein weiteres Gewicht zu geben, sogar so weit, dass viele Designer selbst scheinbar ihre eigene Position zu vergessen scheinen. Anstatt zunächst ausführliche Ausgangs- und Gesellschaftsanalysen zu veranstalten, die Zielgruppe zu definieren, die CI klarzustellen etc. wird schnell drauflos geskribbelt und ein hübsches Logo mit schöner Schrift entworfen. Das bestimmende Fundament „Beratung“ kommt gar nicht zustande, oder nur unwesentlich, und somit sitzt schließlich auch das visuell Sichtbare wie auf Wackelpudding.
    Manchmal ist der Kunde solche Ergebnisse aber dann eben auch selbst schuld, dann heißt es bei der Auftragsvergabe „Das muss übermorgen fertig sein“ (hat sich dort irgendwer aus der Termin-Koordinierung so ausgedacht). Und der Designer, welcher finanzielle Verluste befürchtet, lehnt nicht mit einer höflichen Begründung ab, sondern schlüpft freiwillig in die alte Aufhübscher-Rolle. Das ergibt dann zuletzt eine Loss-Loss-Situation: Der Kunde erhält ein Ergebnis, welches hätte besser sein können – Der Designer nichts Vorzeigbares für sein Portfolio (und „langfristig“ betrachtet einen Kunden, der dann später doch zu einer anderen Agentur wechselt, wo sich das Spiel in ähnlicher Weise wiederholt).

    Was meint ihr? Habt ihr auch ähnliches beobachtet oder liege ich ganz daneben? (Ich habe ja nun keine wissenschaftlich belegten Quellen für meine Behauptungen aufgestellt, nur Vermutungen und eigene Erfahrungen.)

  14. Zur Qualität des Logos mag ich mich nicht mehr äussern.

    Allerdings schwillt bei mir immer wieder der Kamm, wenn sich gerade Designer-Kollegen über die Kosten brüskieren. 40.000 Euro sind für eine Logoentwicklung für einen Kunden in dieser Größe, mitsamt der Umsetzung und Adaption für sämtliche Medien kein wirklich zu hoher Betrag! Ich kann nachvollziehen, wenn Laien sich unreflektiert darüber auslassen, aber hier in diesem Forum???

    Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen nach einer solchen massiven und medienübergreifenden Kritik ihre Entscheidung noch mal überdenken werden.

  15. Ein Fluss, ein M, dass als Kirchtürme oder Anfangsbuchstaben der Stadt interpretiert werden kann. Na, ist doch eindeutig… Mainz am Rhein!

  16. Ein sehr toller Beitrag! Das erinnert mich an einen Kunde, der hin zu einer anderen Agentur gewechselt ist. Natürlich wurde gleich als erstes das Logo über den Haufen geworfen. Der Kunde hat diesen Wunsch auch davor bereits an meinen Chef getragen. Nun sind sowohl Web- als auch Print-Auftritt die nächsten Jahre inkonsistent.

    Deshalb ergänze ich mal aus meiner Sicht den letzten Absatz dieses Beitrags:

    Designer machen das, was sie am besten können. Entscheider nicht immer. Denn wenn von oberster Ebene seitens des Kunden ein Defizit wahrgenommen wird („Wir haben kein einheitliches Logo“ / „Wir haben ein Logo, das uns nicht gefällt“), kommt schnell der Lösungsvorschlag („Wir brauchen ein (neues) Logo“). Design ist aber Problemlösung, und nicht nur bunte Hülle, deshalb sollte man das auch Experten überlassen.

    Genauso, wie man bspw. Anwälte für Rechtsprobleme hinzuzieht und nicht schon den Lösungsweg („Verklagen!“ / „Abmahnen!“) vorgibt, wenn es bessere Lösungen gibt. Statt seinem eigenen Ego nachzugehen.

    Ist man als Kunde zwar gut beraten, aber beratungsresistent, hat man es nicht anders verdient.

  17. @ Robin TN
    Ist auch meine Beobachtung (das nette lose-lose-Deko-Aufhübscher-Karussell).
    Wir wissen aber nicht, ob das hier auch so war, ob da wirklich keine Beratung stattgefunden hat. Es ist maximal eine Spekulation. Die kann ins Auge gehen.

    Mir wäre im Designbereich dieses geschilderte niederländische Grundverständnis, so es wirklich so ist, auch lieber.

  18. Es geht bei der Entwicklung eines Logos nicht unbedingt darum den Geschmack von jedem Einzelnen zu treffen. Das Logo sollte aber so gestaltet sein, dass die Leute das assoziieren was mit dem Logo ausgedrückt werden soll. Mit diesem Hintergrund ist das Logo von Köln als absolut untauglich einzustufen.
    Der Grundansatz der Reduktion ist ja gut. Aber warum hat man diesen Ansatz nicht konsequent durchgezogen. Warum ist der Dom abstrahiert und der Rhein mit seinen Windungen so detailliert gezeichnet. Für mich ein klarer Stilbruch.
    Ich kann mir allerdings auch gut vorstellen, dass die Stadt der Agentur da gehörig ins Handwerk gepfuscht hat…

  19. Hallo,
    musste beim durchlesen des Beitrags sehr schmunzeln. Zu den finanziellen Aspekten und der Marketing Beurteilung wurde hier ja schon sehr treffend geschrieben. Deshalb wollte ich mal meinen Eindruck zum Logo/Markenzeichen schreiben, rein subjektiv betrachtet!
    Als ich das Logo das erste Mal sah, war mein Gedanke, das ist irgendwie leer, blutlos. Und dann kam bei mir die Assoziation zu den Ausschlägen bei einem EKG. War lange tot, dann schlug das Herz zwei mal und der Patient Köln ist wieder verstorben. ;-))
    LG, Jens

  20. Vermutlich waren während der Entwicklung sämtliche DesignerInnen krank und ein Schülerpraktikant dachte sich: „Toll, dann kann ich endlich mal was mit Flash ausprobieren.“

    Dieses Dachmarken-„Logo“ hat mich als Kölner in den letzten zwei Tagen mehr Schimpfwörter benutzen lassen als sonst in einem ganzen Monat.

  21. @Christoph
    Er mag vieles sein, aber bestimmt ist er nicht eindeutig.

    Dann geh ans Rheinufer und schau.
    Verwechselt man den mit anderen Kirchen/Wahrzeichen?
    Nein. Das ist eindeutig.

    Sicher ist er von vielen Baumeistern in unterschiedlichen Epochen fertiggestellt worden.
    Das hat seinen klaren eindeutigen Umrissen nicht geschadet.
    ________________________________________
    Müssen Designer erst mal hinkriegen so etwas.
    Statt dessen liefern sie beständig und eifrig den Logoverhau, den sich der Kunde wünscht.
    Und vergrößern das optische Chaos, statt es als Informationsarchitekten geschickt zu zähmen.

  22. Abgesehen davon, dass so ein Projekt, wie von Achim dargelegt, im Grundsatz fehlgeleitet ist, finde ich das neue Zeichen durchaus ansprechend. Ich hab hier noch kein Argument gelesen dass mich von der Schlechtigkeit dieses Zeichens überzeugt hätte, ganz im Gegenteil:
    Nur zwei Linien? Perfekt! Eine derart konsequente Reduktion unter Beibehaltung der Aussagekraft ist eigentlich ein Qualitätsmerkmal, zumindest nach meinem Dafürhalten.
    Der Dom sieht anders aus? Also als Nicht-Kölner hatte ich die Köln Assoziation sofort (!) im Kopf, tut mir leid wenn ich damit anderen Rheinstädten oder gar den Kölnern zu nahe trete…
    Ich empfinde das Konstrukt aus Dom und Rhein formal sehr schön gelöst. Die strenge Silhouette, die vom freien Rhein durchkreuzt wird, aus der Überschneidung, der Kombination zweier Perspektiven, dem Kontrast zwischen Rund und Eckig kann man einiges herauslesen und viel hineininterpretieren (Da freuen sich auch die Marketing-Kollegen). Diese Mischung ist optisch spannend und mir sehr sympathisch.

    Wie gesagt, das Zeichen selbst ist eigentlich unnötig und wird seinen Zweck nicht erfüllen. Aber die rein grafische Qualität dieser Linien als Symbol für die Stadt Köln ist in meinen Augen sehr gut gelungen (Um mal die ausführenden Designer zu loben die, ich vermute, evtl. nicht so arg in die eigentlich nötige Konzeptions-beratung eingebunden waren.

  23. Die Kölner lieben ihren Dom und sind sehr stolz auf ihn. Das führt dazu, dass in gefühlt jedem Logo eines kölschen Unternehmens oder eines kölschen Kegelvereins der Dom auftaucht. Mit oder ohne Rhein. Das wiederum führt dazu, dass es nicht mehr möglich ist, sich mit dem Dom einzigartig zu positionieren. Er sagt nur „Köln!“. Da kann nichts mehr mitschwingen. Alle Farben, Formen, Linienstärken und Abstraktionsstufen sind bereits schon mal verwurstet worden.
    Ich hätte mich gefreut, wenn man versucht hätte nicht NOCH einen Dom hinzuzufügen. Vor Jahren hatte man bei der Kölnmesse auch den Mut, auf den Dom zu verzichten. Das hatte jedoch auch promt einen Aufschrei der Entrüstung nach sich gezogen, inklusive Intervention des Bürgermeisters. Chefsache! ( http://tinyurl.com/pml3sl4 ).
    Ich habe diese Diskussion jetzt endlich mal zum Anlass genommen, meine Dom-Logosammlung aus den letzten Jahren auf die Schnelle online zu stellen. Ich fürchte, sie ist unvollständig. Viel Spaß beim Ansehen ( http://tinyurl.com/ohlr5q4 )…

  24. Lieber Jürgen, ich empfinde die „rein grafische Qualität“ für mehr als Schlecht! Wenn man schon eine entsprechende Reduktion anstrebt, dann muss dahinter dennoch mehr stecken als nur zwei Linien. Nämlich zwei Linien die bewusst so „gesetzt“ wurden, ob im Raster, goldenen Schnitt, oder anderen gestalterischen „Einheiten“. In diesem Ergebnis lässt sich leider rein gar nichts davon erahnen. Vielmehr sieht es nach Illustrator aus, bei der eine Linie mit spitzen Kanten versehen, und die andere mit beliebigen Bezierkurven erstellt wurde. Wenn schon Reduktion, dann erwarte ich dabei auch höchste Präzision.

  25. @ noch ein Jürgen: super Sammlung, da sind ja echte Pretiosen dabei ;) bei so vielen Spitzen-Logos eine herausragende Variante zu ersinnen, ist sicher nicht leicht. vielleicht reichen dafür 40.000 € auch nicht und dann gibt eben zwei Linien.

  26. @Namensvetter:

    Er sagt nur “Köln!”

    Ist das, für ein Zeichen, das nichts anderes als „Köln“ sagen soll, nicht aller Ehren wert? Ich finde es schon OK wenn die Stadt Köln eines (einzige?) ihrer Wahrzeichen spielt – die Frage wäre viel mehr, wieso Kölner Bäcker, Friseure oder Logopäden sich unbedingt den Dom ins Boot holen müssen? Muss der Kölner vor jedem Laden daran erinnert werden wo er grade ist? ;-)

  27. @thomas:
    „Mehr als schlecht“ ist ein recht harsches Urteil, meinst du nicht?
    Wie gesagt – bei mir hat das Zeichen funktioniert, ohne irgendetwas gelesen zu haben, war ich der Meinung, dass es sich um Köln dreht. Und wie ich schon geschrieben habe: Gerade die recht anarchische Kombination der beiden Linien finde ich spannend. Es ist durcheinander und erscheint willkürlich – ergibt dabei aber trotzdem eine gute Form die in meine Augen kompositorisch gelungen ist und dabei auch Blickfänge bereithält (Überschneidung des Rheins mit der Mitte des m/Doms).

    Aber freilich: Ich will das Teil nicht als das beste Logo der Welt verteidigen: Ich empfinde lediglich die Kritik an dem Zeichen (die das Projekt in jeder Form verdient hat) als etwas unverhältnismässig laut – da gibt es wahrlich viel, viel schlimmeres…

  28. ganz offensichtlich hatten da in Köllefornia
    wohl 2 den gleichen Playmobil-Dealer…
    allein das Farb-Konzept wirkt als ob Heidrun
    von Sinnen es co-gesponsert hätte.

    noch nie sowas verspieltes für eine Metropol-
    Stadt gesehen – hallo M; yello Marburg !,-

    Schnaps-Marke statt Dachmarke… – und das
    in der Stadt mit einem der besten Designzentren
    überhaupt… – eine eigene neue Hausschrift für
    15% wäre ganz sicher um einiges nachhaltiger
    gewesen – als jenes welches um 40.000 vol.% +
    >400.000,- in Implementierung, zum um sich
    im Karneval der Eitelkeiten aus aus D´dorf mit
    Kamelle bewerfen zu lassen.

  29. Also, wenn ich das ohne Kontext sehe, muss ich auch spontan an München – Frauenkirche! Isar! „M“! – denken. Hätte jetzt auch das künftige Logo der Münchner Stadtwerke sein können. Der ihr „SW//M“ ist ja auch schon etwas in die Jahre gekommen.

    Oder z.B. das neue Logo für Regensburg. Genau. Die Donau ist so ein kleiner Fluß nicht. Obendrein haben sie dort sogar einen Dom, der durchaus Ähnlichkeiten mit den zwei Zacken da in dem Logo hat.

    Stellt sich also tatsächlich die Frage nach Zweck und Sinn der Aktion.
    Bauchpinselei? Alteingesessene (Kölner) brauchen ein Kölner Logo, damit sie wissen, dass es in Köln den Kölner Dom und so nen Fluß gibt? Der Rhein, der zufällig im Rheinland fließt … *kopfkratz*

    Ja mei, wer’s Geld über hat. Musste man wohl noch was tun, um dieses Jahr wieder denselben Etat zu erhalten.

    cu, w0lf.

  30. Der Mediengalerie wurde ein weiteres Anwendungsbeispiel hinzugefügt:

    MIPIM 2014 in Cannes France

    Außerdem wurde mir von Seiten des Wirtschaftsdezernats als Antwort auf meine Anfrage folgendes geschrieben:

    „Der Klarheit halber möchte ich an dieser Stelle festhalten, dass es sich bei unserem Kommunikationsmuster anders als die Presseberichterstattung suggeriert nicht um ein weiteres Köln-Logo handelt, es ist vielmehr ein der jeweiligen Einsatz-Situation angepasstes Erkennungsmuster, das die Kommunikation über den Standort Köln von Seiten der Stadt, der stadtnahen Gesellschaften und möglichst vieler Unternehmen visuell verklammern soll. Naheliegender Weise haben wir das Interesse an einer möglichst weiten Verbreitung des Kommunikationsmusters durch Unternehmen und Institutionen, die über den Standort Köln – mit den im Markenprozess wissenschaftlich ermittelten „Treibern“ – berichten. Sie wirken damit als Markenbotschafter. Dabei ist es uns natürlich wichtig, dass das neue Kommunikationsmuster nur in einem angemessenen Rahmen und in entsprechenden Medien verwendet wird. Bislang ist (noch) nicht vorgesehen, dass das Kommunikationsmuster, ausschließlich zur Kennzeichnung als eine Kölner Firma genutzt wird. In Unternehmensbroschüren, in denen der Standort Köln entsprechend beschrieben wird, ist das Muster dagegen kostenfrei nutzbar. Verfahrensmäßig ist geplant, dass sich die Nutzer zunächst beim Media-Server registrieren lassen, der derzeit bei KölnTourismus eingerichtet wird. Im Zweifelsfall entscheidet die Fach-Arbeitsgruppe des Lenkungskreises über die Nutzungsregeln.“

  31. Die Kombination von Frontansicht und dem Blick von oben auf den Fluss ist irgendwie verwirrend. Evtl. erkennen Kölner am Verlauf auf Anhieb „ihren Rhein“. Ich assoziiere damit eher Schaffhausen.

  32. Ein Trauerspiel. Die Agentur BOROS kann deutlich mehr, das wissen wir alle (und nein, ich arbeite nicht dort und mah Christian Boros persönlich überhaupt nicht). Es ist aber wieder mal ein Paradebeispiel dafür, dass der Auftraggeber die Beratungs- und Konzeptionsleistung nicht schätzt, nicht will und vermutlich auch gar nicht kennt. So wird halt Kohle verbraten für einen nicht erzielbaren Effekt.

    Ein weiteres Beispiel scheint sich gerade in Wuppertal abzuzeichnen. Die Wuppertaler Bühnen hatten bislang ein schickes Corporate Design, das die Berliner Agentur adhoc gemacht hatte. Ok, es war eine Seilschacht des damaligen Intendendaten und damit an sich hinsichtlich der Vergabe zweifelhaft, aber das ist ein anderes Thema. Nun: Neue Intendanz, und schon muss ein neues CD her – Fadenscheinig begründet mit der Fusion der Sparten Schauspiel, Orchester und Oper. Traurig genug, dass man ein wirklich modernes CD einfach so aus Ego-Gründen kippt – die Stadt hat kein Geld. Und nun, tätä: schaut selbst, welch peinliches Logo dabei entstanden ist: http://www.wuppertaler-buehnen.de ist fast noch im Look des alten CD (etwas versaubeutelt doch das Orchester-Logo und eben das neue Logo, das sich in der Seitennavi befindet). Oder direkt hier: http://oper.wuppertaler-buehnen.de/index.php?id=3

    Zu einer pofessionellen Agentur gehört eben auch ein verständiger Auftraggeber…

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