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Werbung versus Realität

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Produktfotografie und Realitaet

In der Lebensmittelbranche setzen fast alle Hersteller und Supermarktketten auf die Sogwirkung des Begriffs “bio”. Noch nie waren die Produkte von Öko-Bauern so begehrt wie aktuell. Fotografen, die Lebensmittel professionell ablichten, wissen aber ganz genau: Künstlichkeit ist besser und schöner, als die Natur. Um gute Produktfotos oder TV-Spots zu erstellen wird aus Schokolade schon einmal ein zäh fließender brauner Lack. Appetitlich ist das nicht. Sieht aber gut aus.

Der in Berlin lebende Journalist und Autor Samuel Mueller wollte wissen, ob die Produkte aus dem Supermarkt tatsächlich so aussehen, wie es uns die Werbung und die Abbildungen auf den Verpackungen suggerieren. Er fotografierte 100 Lebensmittel unter “normalen” unverfälschten Bedingungen und stellt sie den professionellen Produktfotografien bzw. den Abbildungen der Verpackungen gegenüber.

Produktfotografie und Realitaet

Mehrheitlich liegen zwischen professionellem Produktfoto und dem Schnappschuss Welten. Interessant wäre einmal die Frage, ob weniger Milchreisbecher verkauft würden, wenn das Foto auf dem Deckel näher an der Realität läge. Milchreis schaut in der Regel nicht flockig und luftig aus, sondern überzeugt eher durch eine matschige Konsistenz. Das wissen wir, wir sind ja nicht blöd. Sobald der Löffel eintaucht, scheinen bei uns jedoch die optischen Sinne auszusetzen. Wichtig ist dann nur noch, dass es schmeckt, nicht wie es aussieht und schon gar nicht wie es aussah. Die “visuelle Lüge”, die uns zum Kauf verleitet hatte, wird offenbar komplett ausgeblendet. Das muss auch so sein, denn sonst würden 99% aller Produkte aufgrund des nicht eingehaltenen Versprechens, denn als solches tritt das Produktfoto auf der Verpackung auf, in der Mülltonne und nicht im Magen landen.

Produktfotografie und Realitaet

Oder vielleicht ist gar so, dass unser Unterbewusstsein in dem Moment, in dem wir das Produkt verzehren, das Bild auf der Verpackung abruft, um die Illusion erst perfekt zu machen? Schließlich haben wir aktiv eine Kaufentscheidung getroffen, welche in erster Linie ja positiv bestätigt werden möchte. Andernfalls würden wir uns eingestehen müssen einen Fehlkauf getätigt zu haben. Und das geht nun wirklich nicht! Demnach ließe sich die folgende These aufstellen: Wir essen, was wir sahen, nicht was wir sehen. Sehr poetisch das Ganze.

Wie dem auch sei. Ich glaube wir lassen uns als Konsumenten einfach unglaublich gerne verführen und nehmen dabei auch gerne einmal eine Notlüge in Kauf. Wo wir wieder einmal beim Thema Liebe wären.

via atomtigerblog

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49 Kommentare

  1. Ich glaube dieser visuelle Reiz wird überschätzt. Ich habe jahrelang Milchreis gegessen und mir ist grad aufgefallen das ich noch nie auf diesen Löffel auf der Verpackung geguckt habe.

    Man kauft es halt seit Jahren und weiß genau was einen erwartet. Wenn mir das gesehene nicht gefällt würde ich es ja auch nicht wieder kaufen.

    Deswegen war für mich immer der Geschmack des Produkts wichtig und nie wie es aussieht oder aussah…

  2. Was mich an der ganzen Werbung vs Realität Sache en bisschen reizt ist ja das es tatsächlich ein Gesetz gibt das Regelt. Das die Verpackung den Inhalt so zeigen muss wie er unter normalen Umständen zb aufgewärmt aussehen würde.

    Das ist nun leider bei den meisten Sachen nicht der Fall. Das schlimmste Beispiel ist wohl dieses Hacksteak oder dieses Biscuit teilchen. Sollten sich da nicht mal die Macher der Gesetze ein klein bisschen an den Hosenboden fassen?

  3. Dieses gesetzliche Regelung wird gerne mit dem kleinen Zusatz “Serviervorschlag” umgangen, wobei natürlich fraglich ist, wie man Konserven-Ravioli oder ein Knoppers noch hübsch und lecker anrichten soll, bevor man es seinen Gästen serviert :D

  4. PainiaX,
    beim Milchreis geht es ja auch noch. Aber viele Fertiglebensmittel sehen in Realität wesentlich unattraktiver aus als auf der Packung. Bei einem Fertiggericht oder einem Salat der tatsächlich im Wesentlichen aus Pampe besteht, würden manche Konsumenten vielleicht garnicht erst anfangen, den Artikel zu kaufen.

    Interessant ist auch die Packungsgröße. Ich bin eigentlich für material- und platzsparende Verpackungen. Aber wenn man im Supermarkt steht, greift man intuitiv eher zur größeren Packung trotz des selben Inhalts. Obwohl es auch da gesetzliche Vorschriften gibt – die dezent umgangen werden. Warum muss es bei 9 Keksen eine Schublade mit 3 mal 3 geben anstatt dass alle 9 aufeinander gelegt werden und in Plastik verschweisst in einen kompakten Karton kommen? Doch nur, um die Psychologie aus der Anfangszeit der Menschheit zu nutzen.

  5. Also, ich denke nicht das man beim verspeisen einer Fertigsuppe sich das Bild auf der Verpackung wieder ins Gedächtnis ruft. Bei mir ists glaub ich viel eher so, dass ich wenn ich den Löffel in die Hand nehme, schon wieder völlig vergessen habe wie das Bild auf der Schachtel aussah.

    Ich glaub viel mehr das man einfach gelernt hat, dass man bei einem Fertiggericht nicht erwarten kann, dass es so aussieht als wäre es frisch gekocht. Außerdem, würd ich meinen, dass dieser Anspruch auch gar nicht da ist. Man kauft sich ein Fertigprodukt ja nicht, weil man sich etwas besonders leckeres und gutes gönnen möchte, sondern eher weil es schnell gehen soll.

    Klar lässt man sich, wenn man seinen Dosenfraß einkauft, von den Bildern auf der Packung den Appetit anregen. Aber ich war bisher noch nie enttäuscht, als ich die Dose geöffnet hab, weil ich weiß, wenn ich was Frisches haben will, dann muss ich mir mein Gulasch selber kochen.

  6. Kann mir einer einen Grund nennen, warum eine Agentur das Produkt auf der Verpackung so abbilden sollte, wie es real aussieht? Totaler Schwachsinn darauf aufmerksam machen zu wollen oder es gar noch anzuprangern, dass es eine verschönerte Darstellung ist.

  7. “Kann mir einer einen Grund nennen, warum eine Agentur das Produkt auf der Verpackung so abbilden sollte, wie es real aussieht?”

    Wie wäre es mit Ehrlichkeit oder Gewissenhaftigkeit?

    So etwas könnte anspornen, das Produkt zu verbessern, nicht ein falsches Bild eines (im Vergleich zur bearbeiteten Fotografie) minderwertigen Produktes zu vermitteln.

    Wenn ich die Produkt-Tafeln bei Fastfood-Ketten sehe, auf denen der Burger nahezu überquillt und vor Größe gar nicht mehr in den Ausschnitt des Fotos passen möchte, ich aber einen 2cm hohen matschigen Burger erhalte, der mit Glück eine einzelne Gurkenscheibe enthält, finde ich das schon sehr unverschämt.

    Das Foto muss ja nicht hässlich sein, es darf ruhig etwas “aufpoliert” werden, aber es muss – meiner Ansicht nach – realistisch bleiben.

  8. @Lars: Mit dem Serviervorschlag hat es, glaube ich, etwas Anderes auf sich. Wenn nämlich Komponenten auf dem Produktbild sind, die nicht in der Packung enthalten sind (zum Beispiel die Basilikumblätter und die Pistazien bei der Mortadella), dann muß es sich um einen Serviervorschlag handeln. Die Hauptkomponente sollte immer noch so aussehen, wie das enthaltene Produkt im verzehrfertigen Zustand aussieht.

    Sonst könnte ich ja auf der Packung eines Müsliriegels ein Steak als Serviervorschlag abbilden :) — “Wir schlagen vor, statt des dusseligen Riegels aus dieser Packung lieber ein Steak zu servieren!” — so geht’s ja nicht. ;)

  9. @Heebs:
    Meinst du, es wird nur die Mortadella gegessen, die auf der Packung am besten ausschaut, oder die beim letzten mal am besten geschmeckt hat?
    Auch wenn Mortadella in deinen Augen nicht allzu appetitlich ausschaut, Menschen essen sie dennoch, weil sie die Mortadella beim letzten Verzehr mochten – auch ohne rosa leuchtende Farbe. Also kann man auf der Verpackung auch ehrlich sein. Nichtsdestotrotz ging es mir aber auch so wie so weniger um die Mortadella (die ja nur optisch nur etwas aufgepuscht wurde), sondern um andere, extremere Beispiele.

  10. Ich stimme HEEBS absolut zu. Jeder versucht über das Produktbild das absolute Maximum aus dem Produkt heraus zu kitzeln um den Kunden anzulocken und zu überzeugen. Die realen Bilder sind doch eher eine Warnung als Verführung (Wobei der Milka Tender aus meiner Sicht eine Ausnahme ist, da ist das reale Bild leckerer: http://www.pundo3000.com/htms/87.htm ) .
    Ich finde es grundsätzlich ja gut Ehrlichkeit zu fordern – aber das kann sich kaum einer leisten. Warum auch – es beschwert sich niemand darüber, dass der McDonalds Burger real einfach nur sch____ aussieht. Die Leute kaufen es trotzdem. Ich behaupte das die Realität die Konsumenten wenig interessiert, wichtiger ist das Spektakel “drum herum” und das geschönte Kauferlebnis. Schon Platon wußte das: http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hlengleichnis

    Wenn Ehrlichkeit ein Kriterium für erfolgreiche Werbung wäre….. oh nein… wir wären keine Designer, Texter oder Werber sondern die größten Komiker des Landes!

  11. Kennt jemand die Wurstkonserven von Dietz? Das ist ein positives Beispiel für Ehrlichkeit. Die Fotos auf den Verpackungen sind so wunderbar unästhetisch. Diese Wurstkonserven kann niemand kaufen, weil er sich durch die „Bildwelten” auf der Verpackung angesprochen fühlt. Die Firma Dietz ist also sehr ehrlich und trotzdem zig mal von der DLG für „die besten Konserven Deutschlands” prämiert worden.

    Ansonsten stimme ich Heebs auch zu. Ich steh auf gute Bilder. Außerdem weiß oder beruhigt sich der Konsument oder ICH einfach damit, dass er das Produkt mit einem gewissen Zeit- und Materialaufwand auch ins rechte Licht rücken und schön drapieren könnte bevor er es verspeiste.

  12. Hallo “der Nerd am Herd”,

    richtig, dafür war die Klausel mal gedacht, aber wie von Lars erwähnt, die gesetzliche Regelungen im Foodbereich, Produkte realitätsnah abzubilden, wird gerne mit diesem kleinen Zusatz umgangen. Gedacht war er allerdings mal um klarzustellen, das Geschirr, Besteck und Pfefferkörner exklusive sind und sich nicht auch noch in der Packung befinden. Das ist ähnlich wie mit der Klausel “Der Rechtsweg ist ausgeschlossen” bei Gewinnspielen, welche völlig nichtig ist, denn man kann den Rechtsweg nicht ausschliessen, aber trotzdem erstmal vor Klagen abschreckt.

    Guten Appetit und Grüsse

    Bernd

  13. Nochmal ich. Einige Gegenüberstellungen sind einfach zu naiv interpretiert. Die Fertiggerichte sind auf dem Verpackungen alle auf einem Teller präsentiert. Nicht in dem Kammerbehältnis. Klar sieht das Kacke aus. Es gibt noch ein paar andere Beispiele bei denen der Vergleich leicht hinkt.

  14. Grafiker verdienen gutes Geld damit. Also was solls. Leute die Convience-Produkte kaufen, wollen dass die Verpackung so aussieht, denn sie wissen ja schließlich, dass eine solche Ernährung nur 2. oder 3. Klasse ist. Sollen die auch noch nen schlechtes Gewissen bekommen?
    Man sagt ja gemein hin “Kleider machen Leute” und das ist nicht so weit weg von Produktverpackungen. Verkauf den den Weltfrieden in Dosen und ihn wird keiner nehmen, wenn die Verpackung schlecht aussieht.

  15. Tolle Idee. Sie entlarvt die “Esskultur” unserer Zeit und unseres Landes. Was für ein armseliges Land. Die Leute haben Zeit bescheuerte Kochsendungen im Fernsehn anzuschauen aber keine Zeit sich was ordentliches selbst zu kochen. Dass diese “Lebensmittel” mittels verlogener Werbung verkauft werden muss liegt auf der Hand, und die Werber müssen ja irgendwie ihre Brötchen (ähem Tütensuppen) verdienen.

  16. mich stört noch viel mehr, dass lebensmittel teilweise nicht mehr abfotographiert, sondern animiert dargestellt werden (siehe biscuit & tv-werbung). auch wenn graphiker damit ne menge geld verdienen und das unsere auftragslage belebt; bei mir hört da das verständnis auf…

  17. Billige Effekthascherei.

    Dass Nahrungsmittel “in echt” anders aussehen als auf dem Verpackungsfoto, dürfte vermutlich jedem klar sein, der älter als siebeneinhalb ist. Und dass man sowohl solche als auch solche Fotos machen kann, weiss auch jeder, der schonmal eine Kamera in der Hand gehabt hat.

    Viel interessanter wäre es gewesen, wenn Herr Müller versucht hätte, mit den Packungsinhalten das Foto auf der Verpackung nachzustellen, anstatt ein offenkundig möglich “schlimmes” Foto damit zu produzieren. Bei dem ersten Beispiel fehlt es dazu nicht nur an der passenden Beleuchtung, sondern auch an Hintergrund und Arrangement. Ich bin mir sicher, dass man auch mit der Wurst aus der Verpackung ein brauchbares Bild machen kann, wenn man bloss will.

  18. Hm. Meine selbstgemachten Rouladen, die ick zusammen mit der Soße gestern in den Tiefkühler gepackt habe, weil sie noch übrig waren, sehen auf einmal genauso aus, wie die von Sonnen-Bassermann.
    Gut, daß ich vorher Fotos vom Essen gemacht habe und diese auf die Tupperdosen geklebt habe, sonst könnte ich die Rouladen nicht vom Gulasch (Samstag) oder Sauerbraten (letzter Sonntag) unterscheiden.

    Sollte es also sein, daß bereits verpackte Lebensmittel NICHT so aussehen, als wären sie frisch zubereitet? Ein Skandal und esskulturell armselig. 100 EUR ins Phrasenschwein!

  19. machen wir bei der gestaltung von logo, website, stuhl, automobil, stöfchen etc. nicht das gleiche? ist es denn auf einmal verwunderlich oder seltsam, dass jemand kosteeffizient verpackt? wer von uns strebt denn nicht nach der(!) gewinnbringenden abduktion durch den endverbraucher? oder ist es vielleicht doch unsere verantwortung gegenüber demselben, die es uns verbietet, zeichen zu verbreiten?

  20. Hm, ich denke, man kann das in drei Kategorien einteilen: 1. Produkte, die im Vergleich gar nicht so schlecht wegkommen (z.B. der Big Mac oder die Mortadella), da wurde vor allem an den Farben gedreht, das ist ja wohl ok und besser als die Wurst selbst zu pimpen (schon mal ne Wurst in Dänemark gesehen?), 2. Produkte, bei denen auf Inhalte hingewiesen wird, die nur an Weihnachten und Ostern wirklich drin sind (z.B. die Reiskugel oder die Garnelensuppe), das ist echt Beschiss am Verbraucher und 3. Produkte, die in echt einfach eklig sind, wie die Fertiggerichte (selbst auf’m Teller). Die sollte man einfach verbieten, siehe http://www.schmeckt.net ;-)

  21. Philip, ich denke, so eine Einteilung kann man in etwa stehen lassen. Die Mortadella ist ja wirklich nur etwas aufpoliert.
    Ich weiß allerdings nicht, ob die großen Fastfoodketten mit den gelogenen Abbildungen unter 2. oder 3. fallen.

  22. aber es sind ja nicht nur die grafiker, die da dran rummurksen
    die food-stylisten tun ihr übriges dazu… und griessbrei unter der suppe ist da ja noch das netteste ;-)
    ich bin ja gar nicht dagegen und ehrlich gesagt ist es mir, wenn ich einkaufe, auch egal, ob da ein unterschied ist zwischen bild und realität
    der unterschied vermiest es einem zu weilen ja auch aus kochbüchern nachzukochen, da ist das teilweise ja genauso bearbeitet

  23. also wenn Fertiggerichte, dann Frosta. Da sind die Produktfotos ziemlich nah am Original. Bei den Fisch-Fertiggerichten hat man sogar direkten Einblick auf’s Produkt. Wer Qualität verkauft, kann sie auch zeigen.
    Letztlich ist die Verpackung und deren Gestaltung doch nur Orientierungshilfe für den Konsumenten, damit er weiß, was ihn in etwa erwartet. Was zählt ist der Geschmack und wenn dieser enttäuscht, hilft auch die schönste Verpackung nichts. Einen Blender kauft man nur 1x.

    Aber eigentlich haben wir doch Glück mit unserer Verpackungskultur. Wenn ich da an Amerika denke … tss tss tss … Bonbon-Design überall … Neo & Metallic-Effekte … Superlative en masse …
    … wenn man da durch nen Supermarkt geht, erschlägt einen die Reizüberflutung fast und man ist froh, wenn man wieder draußen ist.

  24. Dass die Verpackungsbilder meist deutlich vom Produkt abweichen überrascht freilich nicht und ich denke schon, dass sich viele Konsumenten da verleiten lassen und sich was in die Tasche lügen. Die meisten, die hier Kommentare schreiben à la “jeder der Fertigprodukte kauft, weiß, dass das Produkt anders ausssieht” etc. gehören doch einer höheren Bildungsschicht an und arbeiten meist im Marketing- und Werbungsumfeld. Ich denke der Durchschnittskonsument hat durchaus Probleme beim Einkauf zwischen Abbildung und wahrem Inhalt zu Unterscheiden, der kauft was er sieht.

    Was mich noch bei Lebensmittelverpackungen stört, sind die Bilder auf Milchtüten: je preiswerter, je eher ist eine glückliche Kuh auf einer Wiese abgebildet. Tatsache ist doch aber, dass die meisten Kühe in Deutschland nie (oder nur kurz) eine Wiese zu sehen bekommen. Es wird aber suggeriert die Kühe ernährten sich von Gras und Kräutern und nicht von Kraftfutter, Heu- und Maissillage etc.

  25. Ich finde es gar nicht so schlimm, dass die Hersteller die Verpackungen bis an den Rand einer Lüge pimpen lassen. Einmal weil ich Geld damit verdiene und zum anderen meine, dass ein mündiger Bürger sich auch darüber informiert, was er da in sich reinstopft. Jeder zweitklassige Autohändler macht nichts anderes. Er läßt die alte Möhre wachsen und wienern und schon sieht sie aus wie “neu”.
    Was mich vielmehr nervt, sind die Einfallslosigkeiten der Hersteller auf jeden Geschmackstrend aufzuspringen. Bis vor kurzem war noch alles “Mexico” und “Asia” bis es mir zum Hals heraushing. Die sollten ihren Wettbewerb lieber in Vielfallt führen.

  26. Der Kunde entscheidet sich zu fast 95% am POS über ein Produkt, das er kaufen möchte. Da spielen Emotionen eine große Rolle, was letztendlich daheim passiert ist was anders.

  27. Schaut euch den Film Idiocracy an, und genießt in welch angenehmer Welt wir leben, in der das Essen in der Verpackung wenigstens dem ähnelt was darauf beworben wird…
    Die meisten Produkte sind meist aus der Preisklasse in der derjenige, der sie kauft weder auf die Packung sieht noch sich Gedanken über den Unterschied zwischen äußeren Werten und inneren Un-Werten macht.
    Eigentlich ist der gesamte Teil dieser Branche als “Perlen vor die Säue” zu betiteln…
    Seid froh dass euer Essen besser aussieht und ihr die Kompetenz habt euch darüber Gedanken zu machen!

  28. Autos werden aufpoliert, Models kriegen Pickel entfernt, Gemüse im Supermarkt wird mit Wasserdampf benetzt und Verpackungen sind besser (und oft auch teurer, aber das nur nebenher) als der Inhalt. Das sind doch nun wirklich altbekannte Tatsachen, die doch keiner eigentlichen Diskussion wert sind, sondern eher unter Rubrik “Running Gag” fallen.
    Die letztendlich einzig interessante Frage wurde bis jetzt nur von andras (24) direkt angesprochen. Wie sieht es diesbezüglich mit unserer Verantwortung als Designer aus?

    Kann man eigentlich von einer Verantwortung überhaupt sprechen, oder ist es nicht eigentlich völlig anmaßend zu behaupten, dass wir uns als Designer tatsächlich in der Position befinden Verantwortung zu übernehmen? Eigentlich gibt man dem Konsumenten, auch Mensch genannt, doch nur das was er will, selbst dann wenn der es selbst noch gar nicht weiss. Ein erfolgreiches Produkt auf den Markt zu bringen, in welcher Form auch immer, heisst doch letztendlich nichts anderes, als ein Bedürfniss einer bestimmten Gruppe von Kosumenten zu befriedigen.

    Die Verantwortung für Bedürfnisse kann man ja eigentlich nicht wirklich übernehmen, die sind nunmal da. Also bleibt doch dann eigentlich nur noch die Verantwortung diese Bedürfnisse zu befriedigen. Da stellt sich hier die Frage, ob wr kann entscheiden, welche Bedürfnisse gestillt werden sollten und welche nicht?

    Ein Großteil der Konsumenten (und darauf kommt es in diesem Fall doch an) finden schöne Verpackungen super und erwarten nichts anderes, also sollte man ihnen diese vorenthalten?

  29. Naja, bei Bewerbungsfotos lässt man sich schließlich ebenfalls gerne von einem Fachmann fotografieren, der einen ins gute Licht setzt. Man fotografiert sich dafür nicht selber kurz nach dem Aufstehen. Warum sollte ein ähnliches Vorgehen also z.B. für Wurstwaren moralisch verwerflich sein.

  30. hab gerade erst dieses Vergleichsprojekt entdeckt und die spannende Diskussion verfolgt … wäre ein gutes Projektthema für Schüler. Das eigentliche Problem ist die Aussage: “Leute die Convience-Produkte kaufen, wollen dass die Verpackung so aussieht” Wurden die gefragt, kann man das irgendwo registrieren oder woher kommt dieser Unsinn der Marke “ich bin nicht verantwortlich”? Dieses Weckducken hinter den angeblichen Interessen der Konsumenten regt mich wirklich auf. Mehr Mut zur eigenen Entscheidung, Meinung oder Empfehlung!!!

  31. Bei BBDO in N.Y. gab es zumindest zu der Zeit, als ich dort ausgebildet wurde (Mitte der Siebziger), eigene Rechtsanwälte auf der Berater-Etage, die immer gefragt werden mussten, wenn Food auf Verpackungen oder in Anzeigen abgebildet war. Sie haben entschieden, ob die tatsächliche Zahl der Fleischsstücke in Campbells Chunk Soups oder der Salamischeiben auf einer Pizza vom Fotografen, bezw. Food-Designer realitätsnah dargestellt waren. Die US-Werbung stand damals sehr unter dem Schock, den Ralph Nader mit seinen Verbraucherschutz-Initiativen ausgelöst hatte.

  32. Ja, Unternehmen und ihre Dienstleister haben Verantwortung. Also auch Designer. Man sollte es nicht glauben, wenn man manche Einträge hier liest.

    Unser gnädiger Fertigsuppenhersteller ermöglicht uns das Überleben. Da müssen wir doch nicht erwarten, dass etwas Eingepacktes so aussieht wie auf der Verpackung dargestellt. Wie kommen wir denn dazu? Nein: Als Konsument habe ich das Recht, dass die Verpackung zeigt, was drin steckt.

    Ich sage das nicht aus blödem Gutmenschentum. Sondern weil es Unternehmen gibt, die diese Verantwortung ernst nehmen. Die machen es richtig.

  33. Ich hab mich auch schön öfters in Gedanken mit diesem Thema beschäftigt. Sogar mit 10 haben wir schon diskutiert, was für eine Frechheit es doch ist, dass die Produkte nicht so gut aussehen wie auf der Packung ;-)

    Wenn ich es aber aus der Sicht der Designer und der Vermarkter betrachte, würde ich es genauso machen, weil sich jeder total von der Verpackung beeinflussen lässt. Mir persönlich zumindest ist es irrsinnig wichtig, wie (nicht nur Lebensmittel) von außen aussehen. Das ist einfach etwas, was ins Unterbewusstsein eingreift.
    Als Beispiel – denkt doch mal an eine Milchschnitte, wie sie vor euch liegt.

    Und? Habt ihr an sie mit oder ohne Verpackung gedacht? ;-)

  34. Diese Gedanken zur grossen Differenz zwischen der Verpackungsgestaltung und dem Inhalt haben wir sicher alle schon gehabt. Wichtig ist uns ja, dass der Inhalt so schmeckt, wie wir ihn uns vorgestellt hatten, als wir die Verpackung sahen.
    Nicht nur bei Lebensmitteln stützen wir uns bei Kaufentscheidungen so stark auf die Verpackung (oder die Marke). Viele Leute, die ich kenne, werten Bücher im Buchladen nach deren Cover. Ist dieses Vorgehen richtig? Schliesslich kann der Autor das Layout nicht unbedingt selbst gestalten.

  35. Da wir alle ja Mc-Donalds kennen und deren Burger… so muss ich wirklich häufiger auf Foto->Realität achten :)
    Aber wenn es einen neuen “Mc-Grill” gibt… der so herrlich angepriesen wird, ja dann nimmt man ihn. Einfach um a) etwas neues zu probieren b) er sieht doll aus c) man sich nicht vom preis abschrecken lässt
    wenn er dann noch schmeckt – ist alles andere egal. Oft sehen die Burger auch größer aus, als sie es sind :)
    Die einen würden sagen “ich habe den neuen Burger gekostet, er schmeckt!”
    andere würden sagen “ich habe mal den neuen burger probiert, viel preis für wenig drinn. Aber er hat geschmeckt”
    Frage ist, wer ihn erneut kaufen würde.

    Und da Heute hier ein Aldi neu eröffnet wurde… konnte ich es mir nicht verkneifen um 20 Uhr wegen eines bestimmten Gerätes hin zu fahren. 15 Minuten nach der Eröffnung war es rappel voll und die Menschen standen schlange. Warum? Es ist ein Aldi, davon gibts genug. Und schön aussehen tut dort nix….

  36. Trotzdem sieht es schön aus und mal ehrlich, wer würde sich die wurst aus der packung fotografieren und dann als poster in die küche hängen? niemand. Wenn es um deko geht, wollen wir doch alle wunderschöne kaffeebohnen, leckere keckse oder pasta in ihrer vollendung. ich denk, inzwischen wissen wir alle, das auf verpackungen gemogelt wird. dennoch dürfen die fotos für poster von nahrungsmitteln auch weiter geschummelt sein.

  37. Hallo Achim!

    Ich verfolge mit meinem Studio eine andere Strategie als viele andere Bildwerker und das Angebot wird sehr gut angenommen:

    Echte Frische statt manipulierter Ware auf den Fotos (siehe Webseite mit Originalfotos).

    Der Tort, den ich mir dafür antue, ist, dass ich zum Kunden hinfahre und mein Mobilstudio in Backstuben, Schlachträumen, Küchen, Restaurants, etc. aufbaue.

    Das Studio habe ich selber gebaut und es entspricht den hygienischen Anforderungen (alle Oberflächen voll desinfizierbar etc.). Weiterer Vorteil: Die Ware bleibt essbar und verkaufbar.

    Nachteil für den Kunden: Ich kann zur Zeit keine 2.000 Produkte in einer Woche durchziehen, sondern eher 200. Dafür gibt es nachher bei den Kunden meiner Kunden aber keine Enttäuschungen, denn die Ware sieht genauso aus wie sie ist: frisch und lecker.

    Das ist eine Stilfrage, oder vielmehr eine Stilantwort auf die Fragen: “Wer sind meine Kunden?” und “Trete ich als ehrlicher Makler auf?” und “Will ich authentisch sein oder manipulativ?

    Herzliche Grüße

    Frank
    http://www.fotokontext.de

  38. [...] Die Macht, die von Bildern ausgeht, dürfte jedem Kreativen bekannt sein. Mit Hilfe eines guten Fotos lässt sich in nur wenigen Sekunden eine Geschichte erzählen, für die es ansonsten viele Seiten Text bedarf. Wir glauben nur das, was wir selbst und mit eigenen Augen gesehen haben, zumindest redensartlich. Unsere Augen sind derart empfänglich für visuelle Reize, dass dieser Sinneseindruck sogar andere Sinne „vernebelt“ und wir uns von dem Gesehenen selbst dann verführen lassen, obwohl offenkundig ein Bild nicht die ganze Wahrheit dokumentiert, wie etwa im Bereich der Lebensmittelverpackung, siehe Werbung versus Realität. [...]

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