plakate bundestagswahl 2013

Die Plakate zur Bundestagswahl 2013 – Teil 1

plakate bundestagswahl 2013

Nun geht es los. Gut 8 Wochen vor der Bundestagswahl lassen die Parteien wieder tausende von Freiwilligen ausschwärmen, um ihre politischen Botschaften unter das Volk zu bringen. Ungeachtet der Tatsache, dass Kommunikation heutzutage durchaus effizientere Wege kennt, lässt es sich nach wie vor keine Partei nehmen, den Städten dieser Republik ihr Branding aufzudrücken. Kein Laternenmast, der den Sommer unbestückt übersteht. Das Stadtbild wird wieder bunt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, scheinen sich Bündnis 90/Die Grünen, Die Linken und die Piratenpartei gedacht zu haben, denn sie gehören in diesem Jahr zu den ersten, die mit dem Plakatieren begonnen haben. SPD, CDU und die FDP lassen sich hingegen noch etwas Zeit. Sie wollen erst 6 Wochen vor der Wahl am 22. September 2013 die Plakate aufhängen. Das ist auch der Grund, weshalb in diesem Fall die Wahlplakatanalyse hier im dt in zwei Teilen erfolgt. Sobald die Plakate der letztgenannten Parteien vorliegen, werden diese in einem zweiten Teil vorgestellt. In diesem Zuge erfolgt auch die abschließende Bewertung samt Gesamtfazit. Darüber hinaus wird die Plakatbewertung von einer Umfrage begleitet, zu der jeder dt-Leser herzlich eingeladen ist: Welchen Einfluss haben Wahlplakate?

Schauen wir uns also an, was sich Bündnis 90/Die Grünen, Die Linken und die Piratenpartei haben einfallen lassen.

Die Grünen

Bündnis90/Die Grünen Wahlplakat 2013 – Jürgen Trittin

Und? Fällt es Ihnen auf? Keines der Plakate der Grünen zeigt das offizielle Parteilogo. Ein Novum. Zwar ist auf den Plakaten das typische Sonnenblumenmotiv, die Bildmarke des Logos zu sehen, allerdings wird die Sonnenblume in einem bis dato völlig neuem Kontext gesetzt, indem diese in verkleinerter Form dem Kampagnenmotto „UND DU?“ zur Seite gestellt wird.

Und dennoch lassen die Plakate keinen Zweifel an ihrem Absender. Dafür sorgt die Farbe Grün, die sowohl in Form eines Kreises wie auch innerhalb jedes einzelnen Fotos zum Einsatz kommt. Zudem sorgt die unkonventionelle Bildsprache für eine (weitestgehend) klare Zuordnung. Verwechslungsgefahr mit anderen (großen) Parteien besteht nicht.

Gutes Branding funktioniert auch ohne, dass ein Logo oder ein Name abgebildet werden muss. In Anzeigen etwa von Apple taucht der Firmenname niemals auf. Der angebissene Apfel reicht stets als Erkennungszeichen aus. Ein ähnliches Selbstverständnis prägt die Plakatkampagne der Grünen zur Bundestagswahl 2013, die vor allem von einer, für Wahlplakate ungewöhnlichen Porträtfotografie sowie lockeren Sprüchen getragen wird. „Meine Mudda wird Chef“. Integrationspolitik einmal anders.

Für den eigentlichen Hinguck-Effekt sorgen jedoch die Porträts, die dank geringer Brennweite stark verzerrt erscheinen. Wie aufgepumpt wirken auf diese Weise fotografierte Köpfe, und natürlich schaut das Auge hin. Die beiden Parteivorsitzenden Trittin und Göring-Eckardt wurden freilich, um möglichst fotogen und natürlich zu erscheinen, mit einem Objektiv mit hoher Brennweite abgelichtet. Statt der aus dem Konzept herausfallenden Kuh hätte man sicherlich auch ihren Bauer darstellen können. Dann wäre das Konzept stimmig. Den auf dem Kopf stehenden Text „Ich seh das anders.“ werden die meisten Menschen im Vorbeifahren nicht entziffern. Und warum das kleine Mädchen „Hello“ statt „Hallo“ sagt, bleibt ebenfalls ein Rätsel.

Fazit

Weniger Logo, mehr Marke. Was viele Werber und Gestalter empfehlen, wurde bei der diesjährigen Kampagne der Grünen beherzigt. Die unkonventionellen Porträts sorgen für Aufmerksamkeit, ebenso die zum Teil witzigen Werbebotschaften. Locker, flockig, anders.

Verantwortlich für die Kampagne zeichnet die Agentur Zum goldenen Hirschen. Die Fotos kommen von dem zwischen Paris und Berlin pendelnden Fotografen Edzard Piltz.

Alle Plakate von Bündnis 90/Die Grünen gibt es unter: http://www.gruene.de/wahl-2013/gruene-wahlplakate-zur-bundestagswahl-2013.html Hier wird auch angeregt diskutiert.

Die Linke

Plakat-Die-Linke-Bundestagswahl-2013

Wahlplakate der Linken sind traditionell typographielastig. So fokussiert auf die Textaussage und gleichzeitig so farblos wie dieses Mal waren Plakate der Linken wohl noch nie. Während man noch bei der letzten Bundestagswahl für kräftige Farbtupfer im Straßenwahlkampf sorgte, löst sich die Partei nun ein Stück von ihrer identitätsstiftenden Hausfarbe Rot. Dies übrigens ein Umstand, den man mit der SPD teilt. Schon seit geraumer Zeit hat bei den Sozialdemokraten ein „Purpurrot“ das Signalrot abgelöst. Mag sein, dass vom kräftigen und aufmerksamkeitsstarken Signalrot deshalb abgelassen wird, da es im Kontext von Werbung eher aggressiv und laut wirkt.

Die Einfachheit der Plakatgestaltung weiß die Pressestelle der Bundespartei der Linken durchaus gekonnt zu verargumentieren: „Schwarze Schrift auf weißem Grund, das ist die einfachste und ursprünglichste Form der Kommunikation seit der Erfindung des Papiers. Es ist eine Form, die zur LINKEN passt. Unverstellt und gerade heraus. Die Plakate zur Bundestagswahl 2013 sind nicht bebildert, behaupten sich in der bunten Werbewelt und bleiben so unterscheidbar, auch von denen der politischen Konkurrenz. [… ] Bei den Plakaten muss sich niemand etwas hinzu denken. Sie sind, was sie sein sollen: plakativ. Emotional, fordernd, rebellisch und auch augenzwinkernd.“

Tatsächlich verhilft die simple Gestaltung den Plakaten zu einer gewissen Eigenständigkeit und zu einer leichten Erfassbarkeit des Gedruckten auf Seiten des Betrachters. Anders als etwa die überladenden Plakate zur Landtagswahl 2013 in Niedersachsen, kommen nun alle Themenplakate mit nur drei Elementen aus: Thematischer Leitspruch + Parteilogo + Domain „100-Prozent-sozial.de“. Das kann man als Verbesserung werten.

Sicherlich – die Textanordnung lässt einen Gestaltungsanspruch vermissen. 30–40 Satzzeichen zentriert auf einem Plakat runterrattern, wirkt dröge. Muss man die Plakate der Linken aber nicht genau deshalb als gelungenes Produkt einer Weniger-ist-mehr-Maxime feiern? Nein, muss man nicht. Bei aller scheinbaren Effizienz, die eine solch simplifizierte Gestaltung in sich birgt, bleibt die Gestaltung von einer zähen Einfallslosigkeit, die kein gutes Licht auf die dahinter stehende Partei wirft. Passend dazu der gelangweilte Gesichtsausdruck von Gregor Gysi.

Fazit

Die Einfachheit ist Konzept, für das es nachvollziehbare Gründe gibt. Sie verleiht der Kampagne im Reigen des politischen Mitbewerbs die notwendige Unterscheidungskraft, gleichwohl wirkt die puristische Gestaltung uninspiriert.

Verantwortlich für die Kampagne zeichnet DiG | TRIALON.

Alle Plakate der Linken gibt es unter: http://www.die-linke.de/wahlen/kampagne/themenplakate/

Piratenpartei

Piratenpartei Wahlplakat 2013

Die Kopieraktion der Pirtatenpartei zur Landtagswahl in Niedersachsen Anfang dieses Jahres mag der Partei vielleicht zu einer gewissen Aufmerksamkeit verholfen haben, zumindest innerhalb der Designszene. Letztendlich geholfen hat es der Partei nicht. Die Piratenpartei erzielte 2,1 Prozent aller Stimmen. Statt auf fremdes Corporate Design zu setzen, schickt sich die immer noch junge Parte nun an, mit einer eigenen visuelle Identität zu punkten. Zumindest ist man bemüht, eine solche zu vermitteln. Noch wechselt die Farbgebung mit jeder Wahl – (siehe Saarland 2012, NRW 2012). Zweifellos wäre mehr Kontinuität in Sachen (Farb)Gestaltung zielführender. Auch dies gehört zum Profil einer Partei.

Diesmal gesellt sich zur Hausfarbe Orange ein Gelb sowie Blautöne. Gelb-Blau, da war doch was? Mit den Plakaten der Liberalen werden die Motive allerdings ganz sicher nicht verwechselt. Dafür sorgen neben der (im Vergleich zur FDP zu) peppigen Hintergrundgestaltung vor allem die abgebildeten Personen. Menschen wie du und ich, könnte man sagen. Menschen, die freundlich lächelnd in die Kamera schauen. Auch Schnutenziehen und Grimassenreißen dürfte Teil des Konzepts sein, das da lautet: wir zeigen echte Menschen, so wie sie sind, natürlich und authentisch.

Während die Gestaltung der Plakatserie weitestgehend konsistent ist, lassen die Textbotschaften jegliche Tonalität vermissen. Mal wenden sich die abgebildeten Personen in direkter Rede an den Betrachter („Stell Dir vor…“), mal führen sie ein Selbstgespräch („Warum häng ich hier…“) und mal wird schlicht ein politischer Leitspruch abgebildet („Religion privatisieren“). Dass eine Textbotschaft wie „Vater Vater Kind“ einem Anzugträger zur Seite gestellt wird, mag zwar ein gewollter Klischee-Bruch sein, allerdings dürfte solch ein Plakat viele Betrachter vor ein Rätsel stellen. Das genaue Gegenteil sollte ein Plakat erreichen. Möglichst schnell auf den Punkt kommen. Genau dies gelingt der Kampagne nur bedingt.

Fazit

Im Vergleich zur Landtagswahl in Niedersachsen gestalterisch eigenständig und als Piratenpartei erkennbar. Weniger eckige Textfelder würde die Erfassbarkeit deutlich verbessern. Vom Sprachduktus her uneinheitlich.

Alle Plakate der Piratenpartei gibt es unter: https://piratenpartei-bayern.de/wahlplakate-2013/

Hier gehts zum zweiten Teil der Wahlplakatanalyse zur diesjährigen Bundestagswahl.

53 Kommentare zu “Die Plakate zur Bundestagswahl 2013 – Teil 1

  1. Die Plakat der Linken könnte man auch für Werbung von der BILD halten…
    Piraten sind nun schon besser als frühere Plakate, aber immer noch nicht so gut von der Lesbarkeit. Da wo andere mit 1-2 Textblöcken auskommen haben die vier. O_o
    Die Grünen sind einwandfrei, gefällt mir.

  2. Also ich hab schon CDU-Plakate gesehen.

    Und ich würde nicht unbedingt sagen, dass die Piraten das schlecht machen. Zum einen ist man dann einfach gezwungen genauer oder ein 2. Mal hinzuschauen um die Botschaft lesen und verstehen zu können. Das führt dann aber vielleicht auch dazu, dass man mehr darüber redet („Du Schatz, was stand auf dem Plakat“ – „Da stand was von neutralem Internet“ – „Ah ja, ich glaub [..]“ – „Da hat doch auch die Telekom […]“ – …)

  3. @am: Ich glaube, wer ein Kind im Hello-Kitty-fähigen Alter hat, wird die Verbindung mehrheitlich herstellen können! :-) (Ich habe keine Kinder, fand es aber trotzdem offensichtlich …)

  4. Wow, selten so eine nichts sagende Kampagne wie die der Grünen gesehen. Bildaufbau und Fotos sind sympatisch, keine Frage. Das weglassen des Logos funktioniert allerdings meiner Meinung nach nur im Kontext zu anderen Partei-Plakaten. Sonst könnte es auch Werbung für »Flora Soft« sein (gibt es die noch?).

    Aber zurück zu den nichts sagenden Inhalten. »Ich seh das anders«. Wow. Wie schön. Was sagt mir das? Nichts. »Mensch vor Bank« … was für ein pfiffiger Wortwitz. »Wir brauchen neue Energien«/»Für Mut gegen Armut« … was haben die Texte mit den Bildern zu tun? Und über den Wortwitz zu »Hello Kita« kann ich nur im Fremdschämmodus lächeln. Okay, vielleicht gefällt es sechsjährigen Mädchen.

    Andrerseits ist »Ich seh das anders« das einzige Motiv, was mit dem »Und Du?« funktioniert. Okay, das »Hello Kita« auch noch, aber das klingt mit dem »Ich sag« davor schon recht gestelzt. Ich frage mich, ob hier das Textkonzept während der Entwicklung der Kampagne unterwandert wurde. Mit dem »Ich …« und dann »Und Du?« ergibt das Sinn und fordert zum nachdenken und zur Partizipation auf. Aber spätestens bei »Mensch vor Bank … und Du?« bleibt bei mir nur noch ein Kopfschütteln zurück.

  5. Es entspricht zwar nicht meiner politischen Gesinnung, aber hinsichtlich der Bildauswahl muss ich den Piraten jetzt mal ein riesiges Kompliment machen!

    Während andere Parteien mit gewohnt hochwertigen (und ästhetisch natürlich absolut ansprechenden) Fotos arbeiten, die einen trotz aller Professionalität in der Umsetzung kalt lassen, versprühen die abgebildeten Personen der Freibeuter ein Gefühl von Authentizität. Dort sehe ich Menschen, denen ich genauso gut auch in der Bar, in Fußgängerzonen, im Stadion oder im Supermarkt begegnen könnte.

    Dieses Bildkonzept ist geerdeter, näher an meiner Realität und nährt somit die Hoffnung, dass sich die politischen Entscheidungen der Partei ebenfalls näher an den Menschen orientieren.* Unabhängig von den Schwächen der übrigen Gestaltung ist das ein gewaltiges Plus.

    *Die Hoffnung stirbt zuletzt ;o)

  6. Ich find die Plakate der Grünen sehr überzeugend – für mich hätte es diese Plakate aber nicht gebraucht, um mich von diesem kleinsten Übel zu überzeugen.

  7. Glaub ein wenig, daß man gut finden will was man gut finden möcht. Grad bei der Beurteilung parteipolitischer Kampagnen. Schafft man selten da die eigene Präferenz rauszufiltern und ein wenig objektiver an die Sache ranzugehen. Ansonsten sind mir die Präferenzen für die Grünen-Plakate kaum erklärbar. Dieser etwas arg gequählte Versuch, auf teufelkommraus originell sein zu wollen. Und anders. Und das „anders“ dann auf den Kopf gestellt. Wie listig aber auch! „Mensch vor Bank“ und das Bildmotiv: Mensch vor Bank. Eieiei, was ein Knaller. „Meine Mudda wird Chef. Und Du?“ Äh, ich bin schon Chef (wenn auch nur mein eigener). Aber bitte helft mir: was möcht mir der kleine damit sagen?
    Wenn mir schon nix wirklich originelles einfällt, na dann sag ichs halt gradraus: „Genug gelabert! 10 Euro Mindestlohn jetzt“ (und für Designer natürlich 78.-). Da brauch ich auch keine(n) schief aus der Wäsche gucken lassen dann. Da reicht die blanke Botschaft. Schwarz auf weiß. Und man braucht sich auch nicht zu schämen dafür. Da kann man schon stehen dafür mit seiner Unterschrift … äh, seinem Logo.

  8. @buntklicker.de Hab zwei Jungs. Habs dennoch nicht verstanden ;-) Vielleicht ja, wenn ich zwei Mädchen hätte. Egal. Und davon abgesehen… was bringt denn der Bezug zur japanischen (Kinder)Marke? Sehe hier keine Aufwertung.

  9. Ich finde, die Plakate leiden alle weniger an schlechtem Design, als an schlechter Textarbeit. Sprachliche Konsistenz ist die erste Pflicht, darüber hinaus darf es dann gerne etwas pfiffig werden – muss es aber nicht immer.

    Wenn man, wie die Grünen, auf Parteilogo zugunsten eines Kampagnenlogos mit den Worten „Und du?“ angeht, dann müssen die Texte auch mit „Ich“ oder „wir“ arbeiten, und zwar alle.

    „Ich bin für neue Energie. Und du?“
    „Ich kämpfe mit Mut gegen Armut. Und du?“
    „Ich will faire Miete statt Rendite. Und du?“
    „Ich mag Menschen vor Banken stellen. Und du?“

  10. Insgesamt der Eindruck:Je größer die Klein-Partei, desto breiter/banaler die inhaltlichen Aussagen. Damit folgen sie ihren großen „Vorbildern“. Wobei die Grünen eigentlich keine wirkliche Kleinpartei mehr sind.

    Schwierig auch zu unterscheiden, wen will man bewusst mit den Texten ansprechen: Wechselwähler? Oder ist es eher Bestätigungswerbung für Stammwähler? (Scheint mir bei den LINKEN so zu sein.)

    Ich sag jetzt als ehemaliger so ne Art Direktor/Grouphead, der grundsätzlich mit Textern zusammenarbeitete (und noch zusammenarbeitet, denn am Anfang war das Wort :-) ) mal was über die Texte. Wäre mir zu schnöselig, bei Parteiplakaten allein über ihr Design zu blubbern.

    Fokus Text also, was wollen die uns sagen:

    DIE GRÜNEN
    Die grünen Dinger, na ja, auf den ersten Blick: nebulös-schicke Stummel-Headlines. Muss das jetzt so. Dann, zweiter Blick: Einige sind allerdings dazu geeignet, wie ein Ohrwurm sich im Gehörgang einzunisten. („Hello Kita“ „Faire Miete statt Rendite“). Weil sie eine Melodie haben. Ein guter Texter ist eben auch auditiv.

    Die LINKE
    Ich würde mich freuen, wenn die LINKE irgendwann von ihrer gewollt-90er-Jahre-bildzeitungskritischen BLÖD-Zeitungstypografie abkommen würde.
    Ihre Inhalte kommen deutlich rüber, es gibt kein Gedeutel, was sie wollen. Doch eben auch: textlich ohne Charme, langweilig.

    PIRATEN-PARTEI
    Achim, sonst auch ein großer Verfechter einer gleichbleibenden Textmechanik, braucht es die meiner Meinung nach diesmal bei den Piratenplakaten gar nicht. Corporate-Identity-Aspekt: Passt sogar gut zu dieser Partei, dieses absichtlich-Nicht-Uniformierte.

    Wenn die Piraten nicht so eine unterirdische Darbietung in den letzten Monaten abgeliefert hätten … deren Plakate kommunizieren plötzlich gut. Auch wenn sie recht vollgeschrieben wirken, bassdscho: Anscheinend haben die Piraten jetzt plötzlich wirklich geschlossen was zu sagen nach all den Monaten, wer wollte ihnen den Mund verbieten …, auch wenn’s fast ein wenig zu spät ist dafür …

  11. Also ich glaube nicht, dass das „Hello Kita“ etwas mit „Hello Kitty“ zu tun hat. Wieso auch? Diese Ähnlichkeit ist wohl eher zufällig und wurde dann, weil es doch einige daran erinnert und eben irgendwie witzig ist, so belassen. Ich denke, dass hier eher versucht wurde auf Bildung anzuspielen. Die kleine hat einfach schon Englisch drauf – obwohl sie erst in die Kita geht. Oder vielleicht gerade deswegen? Soweit ich weiß, ist frühkindliche Bildung ist bei den Grünen ein großes Thema.

    Stimmt, die Kuh fällt aus der Reihe. Aber ich glaube auch das ist gewollt. Einerseits ist Gentechnik gerade bei Tierfutter ein großes Thema und andererseits machen sich die Grünen auch schon immer für den Tierschutz stark. Also wieso keine Kuh abbilden? Ein Bauer wäre hier die schlechtere Wahl.

    „Meine Mudda wird Chef.“ ist ein verbales Multitalent. Die Mutter geht (trotz Kind!) arbeiten, hat als Frau die (höchste!) Führungsposition und dazu lässt man auch noch das Kind zu Wort kommen. Hinter dem „Meine Mudda“ liese sich vielleicht auch noch ein „Migrationshintergrund“ vermuten, ergegt aber so auf jeden Fall viel Aufmerksamkeit. Hier steckt also nun wirklich alles drin, was diese Partei zu diesem Thema so möchte.

    „Mensch vor Bank“ ist wohl die klarste Aussage auf den Plakaten der Grünen. Und genauso simpel ist auch das Bildmotiv. Es soll zusätzlich nochmal unterstreichen, wie simpel das Ganze eigentlich für die Grünen ist. Mensch vor Bank. Punkt.

  12. Die Plakate der Linken sind in sich stimmig. Mit ihren Zielen sprechen sie ja eh nicht den hippen Gewinnertypen an, sondern den älterne Loser, der es zu nichts gebracht hat und jetzt hartzt, weil seinen vor 40 Jahren gelernten Beruf heute keiner mehr braucht. Da passt die Optik alter DDR-Klassenkampftage sehr gut dazu. Der Wähler der Linken könnte mit einer schönen Gestaltung nichts anfangen, er träumt eher vom solialistischen Einheitsgrau.

    Das Religionsplakat der Piraten (wahrscheinlich unfreiwillig) komisch, da sie genau den Typen mit langem Bart darstellen, der hier immer öfter im Nachthemd und mit Stoffzelt samt Kinderwagen im Gefolge durch die Gegend rennt.

    Ich hoffe, dass DT dieses mal nicht bloß wieder die üblichen Verdächtigen darstellt, sondern auch mal die restlichen Parteien zeigt.

  13. Bin ich der Einzige der findet, dass die Plakate der Piratenpartei aussehen wie die Werbung einer Morgenshow einer Radiostation?

  14. @Mario die Plakate der Piraten werden von Piraten selbst gemacht. Wenn wir Geld hätten, dann würden wir auch unsere Vorstände oder andere Tätigkeiten bezahlen, bevor wir uns mal eine Agentur leisten könnten.

    Alle Personen sind Piraten, die sich auf unseren Parteitagen oder Mitgliederversammlungen ablichten haben lassen.

    Die Photos kommen von Bartjez, die Umsetzung der Hauptplakate wurde von fRED gemacht, das Design kam von zutrinken und die Sprüche wurden basisdemokratisch gesammelt und als Grundlage verwendet.

    Insegesammt ging es uns einfach nur um Themen mit Köpfen. Mehr Konzept bekommt man basisdemokratisch nicht durch. Nicht immer die beste Ausgangslage aber in Ordnung.

    Für das Design war mein Anliegen, wieder stärker erkennbarer zu werden. NDS war eine Katastrophe und die vorherige bunte Farbwahl lief ein wenig aus dem Ruder. Deswegen wieder der Fokus auf Orange mit dem Komplementär Blau.

    Parteiintern war der Wunsch nach Punkrock im Design. Mir war der Fokus auf unsere Themen dann Punkrockig genug.

  15. „Knochenbrechreiz.“

    Bei allem Verständnis muß man sich aber selber nicht auf nämliches Niveau herablassen, das man beklagt.

  16. Entschuldigung, ich habe meinen Unmut mit einem – wie ich finde – recht gelungenen Wortwitz zum Ausdruck gebracht. Ich leiste Abbitte und werde demnächst jedes rechte Arschloch mit Samthandschuhen anfassen, wenn überhaupt.

    Interessant auch, wie groß der Sturm hier ist, wenn es um die Vergütung von Designern geht, und wie noch nicht einmal ein laues Lüftchen weht, wenn hier von „Typen mit langem Bart“ mit „Stoffzelt samt Kinderwagen“ geschrieben wird.

    Nein, ich werde dem Kerl nicht die Knochen brechen. Ich wünsch ihm einfach nur einen schnell wachsenden Tumor.

  17. @Wuppertaler: Von ganz extrem Links aus ist natürlich jeder ein rechtes Arschloch.

    Ich möchte mich natürlich bei dir entschuldigen, falls ich deine Lieblingideologie beleidigt haben sollte. Nicht, dass du hier gleich wie eine Bombe hochgehst.

    Eigentlich ging es mal darum, die Parteiplakate zu beurteilen.

  18. Unabhängig von meiner politischen Gesinnung, die Plakate von den Grünen finde ich absolut mißlungen. Viel zu sehr erinnern mich diese „aufgeblasenen“ Portraits mit geringer Brennweite an extrem nervig penetrante Werbung in Übergröße, wie sie zB Media-Markt gerne bringt:

    http://www.for-sale.de/images/cases/cases_media_markt_1.jpg
    http://www.pctipp.ch/fileadmin/media/bilder/2008/31492.jpg
    http://thumbs3.ebaystatic.com/m/m3MyBoRWiycQPuTxyJE_-lw/140.jpg
    http://www.horizont.net/aktuell/leute/pages/pics/17231-org.jpg

    Auch generell wirkt es auf mich eher wie Werbung für „Du darfst“ oder „Lätta“ – zu bunt, zu unsachlich für ein Wahlplakat. Es wird wohl die Aufhängeart (per Kabelbinder an Laternenmast) sein, die es direkt als solches erkennen lassen.

    Nebenbei mag ich es nicht, wenn sich Institutionen nur noch mit ihrer Internetadresse benennen, zumal sich gerade bei den Grünen das Schriftbild leicht ändert („gruene“).

    Generell finde ich Wahlplakate besser, die auf Portraits verzichten. Denn zu häufig werden diese beschmiert oder sind geknickt, gewellt, aufgeweicht, usw. Das kommt bei einem Portrait nicht gut.

    Was die Sprüche betrifft, kommen auch da die meisten bei mir nicht gut an.“Ihr geht ja eh nicht wählen“, „Der Osten wählt rot. Klar!“ – wirkt auf mich so, als wollte man mit Trotzigkeit für die eigene Sache missionarisch wirken.

    Politik ist halt nunmal grau, ernst, trocken und schwierig – eben ein „Erwachsenenthema“, der völlige Gegensatz zu Entertainment und Popkultur. Wahlplakate, die aber hipp, bunt, lifestyle-haft, poppig und überkreativ wirken, passen einfach nicht.

  19. Lieber Achim Schaffrinna,

    Du schreibst: „Dass eine Textbotschaft wie „Vater Vater Kind“ einem Anzugträger zur Seite gestellt wird, mag zwar ein gewollter Klischee-Bruch sein, allerdings dürfte solch ein Plakat viele Betrachter vor ein Rätsel stellen. Das genaue Gegenteil sollte ein Plakat erreichen.“

    Was wäre die Alternative? Das Klischee mit einer hübschen Tunte in Federboa bestätigen, damit auch jeder sofort die Botschaft versteht? Das fände ich mehr als schade. Nicht um den für alle offensichtlich schwulen Mann, wohl aber um das Bestätigen eines Klischees aus werbischen Gründen.

    Herzlichste Grüße

  20. Kerstin, wie wäre es denn, um der Textaussage eine bildhafte Entsprechung folgen zu lassen: zwei Männer samt Tochter/Sohn? Dass solch eine Konstellation sich nicht mal eben am Rande einer Mitgliederversammlung finden lässt (siehe Kommentar zutrinken), ist schon klar.

  21. Dann allerdings, wäre die visuelle Konstante mit einer Person dahin. Mutter Vater Kind, versteht man doch auch, ohne alle daran Beteiligten abbilden zu müssen. Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn Menschen ihren Kopf mal kurz über den Tellerrand heben müssen.

  22. Als Parteimitglied muss ich ehrlich sagen, ich bin forh über die Kampagne der LINKEn. Nicht, weil ich die jetzt besonders gut finde, sondern weil sie erstmal besser ist als die von 2009. Das war damals die Spitze der Uneinheitlichkeit, der Bleiwüste und der vollkommenen visuellen Überforderung. Insofern finde ich es ganz erfrischend, dass man jetzt nochmal gestalterisch einen Schritt zurück macht und eine gestalterische Einfachheit walten läst, die ganz offensichtlich von früheren PDS-Kampagnen inspiriert wurde. Auch wenn spätere Kampagnen dann auch Bilder kannten. Aber gut, sei es drum. Ich kann mich Achims Kritik der Uninspiriertheit schon zum Teil anschließen, sehe das aber tatsächlich eher als einen Zwischenschritt einer neuerlichen nicht nur gestalterischen Selbstfindung einer Partei. Insofern gefällt mir dieser Schritt tatsächlich.

    Im übrigen, die gestalterisch gelungenste Kampagne dieser Partei war aus meiner Sicht interessanterweise die von 2005. Wer sich erinnern will, findet Beispiele hier. Sie passten in ihre Zeit, waren frisch, auch reduziert, aber hatten ein ganz andere Art, sich vom Mitbewerber abzuheben. Wenn es also in eine solche, damals gezeigte Richtung gehen soll, die Reduktion, Klarheit, Einzigartigkeit und das Quäntchen Kreativität miteinander verbindet, dann bin ich mit diesem Zwischenschritt mehr als zufrieden.

  23. @ Thomas D.,
    Ihre Ausführungen sind interessant. Die 2005-Plakate auch.

    Man wird es nie genau messen können. Dennoch:
    Mich interessiert, welche Art von Themenplakaten beim Wahlvolk mehr Wahlerfolg ergeben. Die mit einem streng durchgehaltenen Auftritt oder die, die mit mehr Charme und Kreativität in den Aussagen punkten. Vermisse da zielführende Untersuchungen. ;-) *

    * Ein Erfolg der strengen oder der kreativen Plakate wird in der Realität wohl immer mit den jeweiligen realen Personen der Politiker und ihren Auftritten entweder unterstützt oder konterkariert sein. Die in der Realität hinzukommende Variable „Politikerpersönlichkeit“ und die Variablen „Image“ und „Walk the Talk“ machen eine echte Feldforschung der Plakatwirkung wohl schwierig.

  24. Wenn man die Piraten-Plakate vorstellt, muss man auch die Plakate der Alternative für Deutschland (AfD) vorstellen. Denn im Umfragen tauchen die genauso auf und sind oft dort sogar stärker als die Piraten.
    Die Plakate der AfD wurden schon teilweise veröffentlicht.

  25. Die Plakate von DIE LINKE finde ich persönlich mit Abstand am besten. Kurz gesagt: Grüne: Bieder und doch eigenartig anmaßend, Piraten: Photoshop und Schriften drehen ist nicht alles! SPD: iOS7-Design, CDU: So inhaltsleere Plakate hab ich noch nie gesehen.

    Übrigens ist die Schrift, die auf den Linken-Plakaten verwendet wurde, die Helvetica Inserat.

  26. …also jetzt muss ich doch auch mal meinen Kommentar zu den Plakaten abgeben.

    CDU: Leere….gähnende Leere. Da kann man jetzt von dem ach so tollen Foto halten, was man will…die Kanzlerin kommunikativ, zuhörend usw…mag ja alles sein. Aber wo ist die Aussage, der Inhalt, die Botschaft? Nichts, nada, gar nichts. Eine Frechheit für jeden Wähler. und dann das Pärchen auf dem Roller…Weitblick?! Dümmlich passt da allerdings eher…

    SPD: War da was? Fällt nicht auf, bleibt nicht hängen.

    MLPD: Lustig…seit 50 Jahren die selben Plakate…da muss man sich an nichts anderes gewöhnen…

    Grüne: Es mag jetzt politisch motiviert sein, aber was ist die erste Assoziation, wenn einem ein Mädchen mit aufgeplusterten Backen und trotzigem Blick entgegenschaut? Jo, passt zu den Grünen…das aufgeplusterte, das fordernde ohne was geleistet zu haben….ok. Dann „Meine Mudda wird Chef“…bei dem Tonfall doch eher unwahrscheinlich…Bildungsferne lässt grüßen…

    FDP: da hat sich auch in den letzten 20 Jahren nichts mehr getan…

    Linke: Die sagen wenigstens, um was es geht, da kommen Aussagen…das hebt sich wohltuend ab von der Inhaltsleere der anderen Plakate.

    Bei allem Design geht es in der Politik doch eher um Inhalte, nicht um wohlgestylte Bilder und den goldenen Schnitt..

  27. Bei allem Design geht es in der Politik doch eher um Inhalte, nicht um wohlgestylte Bilder und den goldenen Schnitt..

    Dass es in der Politik um Inhalte geht, scheint vor dem Hintergrund so manchen Wahlkampfgetöses doch eher ein frommer Wunsch zu sein. Ich würde hier einmal den Konjunktiv „sollte“ davor setzen.

    Das „Wohlgestylte“ ist aus dem Politikbetrieb nicht mehr wegzudenken. Je stärker sich die Parteien mit ihren Programmen angleichen – nehmen wir als Beispiel die aktuelle Sozialdemokratisierung der CDU wie auch die Hinwendung der Grünen zur (vergleichsweise konservativen) Realpolitik Ende der Achtziger –, umso wichtiger wird die VERMITTLUNG des Inhaltes, also die Art und Weise, wie politische Themen dem Bürger gegenüber vermittelt werden. In Anspielung auf die aktuelle SPD-Kampagne könnte man also sagen: Das WIE entscheidet!

    Politik und Kommunikation sind untrennbar verbunden. Design ist visuelle Kommunikation und als solche Teil der Selbstinszenierung der Parteien. Eben weil die Inhalte zum Teil austauschbar sind, gerade im Kontext von Plakatkampagnen, gilt es, politische Positionen auch mit Hilfe der Gestaltung Ausdruck und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Mit „Styling“ hat dies übrigens nichts zu tun. Das bekommt man im Haarsalon oder in der Autowerkstatt.

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