Quo vadis, Designpreise in Deutschland?

Designpreis der Bundesrepublik Deutschland

Nirgends floriert das Geschäft mit den Preisen besser als in der Designbranche in Deutschland. Für Unternehmen und Institutionen wie iF International Forum Design, Red Dot oder den Rat für Formgebung ist die Ausrichtung von Designwettbewerben, die von Jahr zu Jahr mehr Auszeichnungen hervorbringen, äußerst einträglich. Was für Branchenfremde grotesk anmutet, hat innerhalb der Designbranche Tradition: Preisträger zahlen einen hohen Preis dafür, ausgezeichnet zu werden. Ein jämmerliches Bild, das Deutschland auf diese Weise als Designstandort abgibt.

Preise für Design gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Immer mehr Unternehmen haben in den letzten Jahren das Geschäft mit den Awards für sich entdeckt und so fällt es mittlerweile schwer, zwischen all den Wettbewerben den Überblick zu behalten. Folgerichtig nimmt auch die Anzahl an auf diese Weise ausgezeichneten Arbeiten zu, denn – wer will es den Unternehmen verdenken –, lässt sich mit jeder Auszeichnung Einnahmen generieren. Diese belaufen sich im Fall der oben genannten Unternehmen auf eine Summe zwischen 2.000–4.000 Euro pro Auszeichnung. In den Teilnahmebedingungen werden diese Gebühren mitunter als „Winner-Package“ bezeichnet, die grundlegende Idee einer Auszeichnung verhöhnend und ad absurdum führend. Während beispielsweise Buchautoren, Musiker und bildende Künstler für ihre ausgezeichneten Leistungen mitunter beträchtliche Summen an Preisgeld erhalten, werden Designer kräftig zu Kasse gebeten. Eine Perversion, wie sie in dieser Ausprägung nur in der Designwirtschaft vorkommt.

Je mehr ausgezeichnet wird, desto weniger ragt heraus

Die Preisträgerschwemme führt zu dem Dilemma, dass wirklich herausragende Produkte, Konzepte und Designs in der Flut an Preisträgern schlichtweg unter gehen. Das Ziel eines Designpreises, Exzellenz sichtbar zu machen, wird bei Geschäftsmodellwettbewerben in der Regel verfehlt. Allein der Red Dot Award wurde im vergangenen Jahr 2.037 mal vergeben. Es ist dies tatsächlich die Zahl der Preisträger, nicht die der Einreichungen. 569 mal wurde der rote Punkt in der Sparte Communication Design vergeben, 228 mal in der Sparte Design Concept und 1.240 mal in der Sparte Product Design. Bei 4.928 Einreichungen in letztgenannter Sparte bedeutet dies eine Auszeichnungsquote von 25%. Beim iF Award liegt diese Quote sogar bei bis zu 37%.

Dass ein Award, der derart oft vergeben wird, kaum Strahlkraft entfalten kann, versteht sich von selbst. Das Ergebnis ist ein Designpreis, dessen Aussagewert vergleichbar mit einem Discounter-Bio-Label ist. Konsumenten wissen längst, dass ein solches Label mehr Schein als Sein ist. Mutmaßliche Qualitätssiegel haben sich zu Allerweltszeichen verkehrt, die auf lange Sicht den jeweiligen auslobenden Unternehmen mehr schaden als dass sie von Nutzen wären, zumindest, wenn man neben rein wirtschaftlichen Aspekten auch das Renommee berücksichtigt.

Berechtigte Kritik am früheren Bundesdesignpreis

Die zu hohen Teilnahme- wie auch Auszeichnungsgebühren sind immer wieder Anlass für Kritik aus der Designszene, zu Recht. Als die Berliner Gestalterin Juli Gudehus im Sommer 2006 einen Offenen Brief an den damaligen Wirtschaftsminister Michael Glos verfasste und sie darin Kritik am Designpreis der Bundesrepublik Deutschland übte, war der Zuspruch und die Unterstützung aus der Designszene wie auch von Seiten der Politik so groß, dass dem Rat für Formgebung, dem von je her für die Ausrichtung des Designpreises zuständigen Organ, das Privileg, die offizielle Designsauszeichnung der Bundesrepublik Deutschland ausschreiben zu dürfen, in letzter Konsequenz entzogen wurde.

Unter der Administration Philip Rösler wurde nämlich einige Jahre später die Entscheidung getroffen, die Ausrichtung des Preises erstmalig auszuschreiben. In dem vom Wirtschaftsministerium ausgeschrieben offenen Wettbewerbsverfahren konnte sich schließlich die Berliner Agentur DMY gegen neun andere Bewerber durchsetzen. Das Regelwerk wie auch die Gebührenordnung des Designpreises wurden im Zuge der Neuausrichtung in wesentlichen Zügen reformiert. So konnten Designer und Unternehmen erstmals ihre Produkte und Arbeiten direkt einreichen, anstatt dass diese gewissermaßen per Akklamation in einem intransparenten Verfahren durch den Rat für Formgebung bestimmt wurden. Da in diesem Zuge die Teilnahmegebühr sogar auf 350 Euro angehoben wurde, eine Dotierung über die Nachwuchsdesigner-Kategorie hinaus jedoch nicht vorgenommen wurde und darüber hinaus im ersten Jahr des Wettbewerbs 2012 eine Benennung der Jury-Mitglieder ausblieb, fand der Bundesdesignpreis auch in dieser Konstellation wenig Zuspruch. Auch das war nicht der Staatspreis für Design, den sich so viele Designer erhofften.

Guter Rat ist teuer

Der Rat für Formgebung wiederum lancierte 2011 mit dem „Designpreis Deutschland“ einen eigenen Designwettbewerb, dessen Name jedoch fast zum Gegenstand eines Gerichtsprozesses mit dem BMWi wurde. In gütlicher Einigung wurde vereinbart, um Verwechslungen mit dem Designpreis der Bundesrepublik Deutschland zu vermeiden, dass der Rat den vom ihm ausgerichteten Wettbewerb zukünftig unter der englischen Bezeichnung „German Design Award“ ausrichten werde. Es ist dies der „Premiumpreis für Design“, wie der Award vom Rat beworben wird. An dem seinerzeit von vielen Designern kritisierten intransparenten Prozedere wie auch den hohen Gebühren hält der Rat für Formgebung allerdings noch heute fest. Gleichwohl lobt dieser in einem separaten Wettbewerb einen Preis für Nachwuchsdesigner aus, der mit 25.000 Euro dotiert ist. Bei mehreren Millionen Euro Einnahmen pro Wettbewerb eine Summe, die vergleichsweise überschaubar erscheint.

Der Entzug des Bundesdesignpreises markierte für den Rat, der 1953 auf Antrag der SPD-Fraktion vom Bundestag auf den Weg gebracht wurde, zugleich die Loslösung von der öffentlichen Hand. Seitdem steht dieser vor der Herausforderung, nunmehr stärker denn je den Einflüssen der Privatwirtschaft ausgesetzt, sich selbst finanzieren zu müssen. Weder erhält der Rat für Formgebung heute noch Gelder vom Bund, noch von der Stadt Frankfurt, wie er sie für viele Jahre bezog. Die Durchführung von Designwettbewerben ist also für das Fortbestehen des Rates von großer Bedeutung. Ähnlich wie andere Unternehmen, die kontinuierlich neue bzw. veränderte Produkte auf den Markt bringen, lanciert der Rat für Formgebung für ein zahlungskräftiges Klientel Wettbewerbe. Als Preisträger des erstmals im vergangenen Jahr ausgeschriebenen German Brand Awards müssen Teilnehmer, so sie sich denn Preisträger nennen wollen, mindestens 3.150 Euro investieren. Bedenkt man, dass der Rat nach wie vor in der Rechtsform einer gemeinnützigen Stiftung fungiert, eine geradezu obszöne Preisansage. Designpreise lohnen sich nur für die Auslober, wie der Designer und Buchautor Prof. Florian Pfeffer die Misere mit den Awards zusammenfasst.

„Wer nicht will, zahlt nix“, wie Erik Spiekermann, eines von zwölf Präsidiumsmitgliedern im Rat für Formgebung, die Logik hinter einem solchen Geschäftsmodell-Wettbewerb auf meine Anfrage hin kommentiert. Wer keine 300 Euro als Teilnahmegebühr aufbringen mag, so Spiekermann weiter, der will auch nicht am Markt erscheinen. Widerspruch! Von nicht wollen kann nämlich keine Rede sein, wie die immer wieder aufflammenden Diskussionen über Designpreise in Fachmedien zeigen. Der Punkt ist, dass sich insbesondere kleine Agenturen und selbstständige Designer einen solchen Preis schlichtweg nicht leisten können und sie deshalb auf die Teilnahme verzichten müssen.

Wettbewerbe wie Red Dot, iF und German Design Award sind lediglich dem Anschein nach für jeden Designer offen. Tatsächlich verhindern die zu hohen Auszeichnungsgebühren einen freien und echten Wettbewerb. Während sich große Agenturen auf diesen Deal – zahl einen Preis und du bekommst deinen Preis – nach wie vor einlassen, schließt ein solches System kleine Unternehmen und Selbstständige in großem Umfang aus. Diese bilden jedoch, und das wissen auch die großen, vielfach mit den Bezahl-Awards ausgezeichneten Agenturen, das Rückgrat der hiesigen Kultur- und Kreativwirtschaft.

„Made in Germany“ ist ohne Design undenkbar

Eine Parallelwelt entsteht, wie es der Designer Daniel Hyngar nennt. Kürzlich für einen solchen German Brand Award nominiert, verfasste er dieser Tage einen Offenen Brief, den er an den Geschäftsführer des Rat für Formgebung Andrej Kupetz richtete. Unumwunden bekannte Hyngar darin, dass er den Preis lieber nicht gewinnen möchte. Eben jene Absurdität ist es, die den Design-Award-Betrieb hierzulande charakterisiert und die ein so schlechtes Bild auf Deutschland als Designstandort wirft. Dabei sollte doch eigentlichen allen klar sein, dass das Gütesiegel „Made in Germany“ ohne herausragendes Design undenkbar wäre.

„Es ist offensichtlich, dass das Thema Designaward in Gänze eine Reform braucht“, wie es Heinrich Paravicini, Geschäftsführer der Agentur Mutabor, auf den Punkt bringt. Es brauche jemanden, der vorangeht, so Paravicini. „Wer wäre da besser geeignet als der Designpreis der Bundesrepublik. Der Preis der weltweiten Design-Exportnation Deutschland. Und dieser Preis muss erhaben sein über Geschäftsmodelle, Winner-Packages und dubiose Jurytätigkeiten. Das Problem: Wenige Jahre nach Reformierung des „Preis der Preise“, wie der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland gerne betitelt wird, wurde er wieder eingestellt. Und so wird der Bundesdesignpreis seit 2015 nicht mehr vergeben. Als Leuchtturm in einem Wirrwarr aus Wettbewerben wäre ein offizieller Designpreis Deutschlands dringender erforderlich denn je.

Bestärkt vom Eindruck, mit seinem Offenen Brief den Finger in die Wunde gelegt zu haben, startete Hyngar vor wenigen Tagen eine Petition, in der er die Wiederaufnahme und eine grundsätzliche Neuausrichtung eines echten Designpreises der Bundesrepublik Deutschland anregt. Eine Petition, die jede Unterstützung verdient. Claudia Siebenweiber, Präsidentin des Berufsverband der Kommunikationsdesigner (BDG), hat die Petition unterschrieben, weil sie sich von einem abermals neujustierten Bundesdesignpreis eine Signalwirkung erhofft, sowohl in Bezug auf den Designstandort Deutschland wie auch hinsichtlich anderer Designwettbewerbe, für die dieser als Vorbild wirken könnte.

Die Petition richtet sich namentlich an Frank Fischer, Leiter des Referat VIA5 Kultur- und Kreativwirtschaft und Ministerialrat im Bundesministerium für Wirtschaft, der für den Bundesdesignpreis zuständig ist. Auf die Gründe für die de facto Einstellung des Preises angesprochen antwortete mir das dortige BMWi-Referat: „Vor dem Hintergrund der Vielzahl an Designpreisen, die sowohl bundesweit als auch auf Länderebene vergeben werden, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Designförderung neu ausgerichtet und die Auslobung des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland eingestellt.“ Eine Kapitulation also? Mehr als deutlich unterstreicht dieser Rückzug die Vormachtstellung der Geschäftsmodellpreise wie auch die Notwendigkeit eines Bundesdesignpreises, der, wie Paravicini es formuliert, über den Dingen steht. Eben weil es so viele Preise gibt, für die man zahlen muss und die gleichzeitig an Aussagewert verlieren, bedarf es einer Instanz, die den in weiten Teilen pervertierten Design-Award-Betrieb ordnet.

Ein starkes Markenzeichen für mehr Sichtbarkeit von Design

Mit der genannten „Neuausrichtung der Designförderung“ verweist das BMWi auf die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung, die 2007 ins Leben gerufen worden ist. Seitdem sei die Zusammenarbeit mit der Designwirtschaft und den Verbänden intensiviert worden. Der zuletzt im November durchgeführte Kongress „Design.Innovation.Europe“ wie auch der Wettbewerb „Kultur- und Kreativpiloten“ wurden hierfür in einer Stellungnahme seitens des BMWi als Beleg angeführt. Seit Anfang des Jahres gibt es in Berlin zudem das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Ungeachtet der durch die Politik angeschobenen, ausdrücklich lobenswerten Initiativen mangelt es allerdings einem Wettbewerb wie dem der „Kultur- und Kreativpiloten“ an Zugkraft. Kreativpiloten – noch nichts davon gehört? Eben. Eine Einschätzung, mit der in keiner Weise die Leistung der jeweils Ausgezeichneten geschmälert werden soll, die jedoch den Ruf nach einer gerade im Ausland wahrnehmbareren Marke Bundesdesignpreis verstärkt. Erkennt das BMWi denn nicht die Chance, die solch eine global sichtbare Marke bietet? Unternehmer und neue Themen ins Rampenlicht zu stellen, wie es das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft als eines der zentralen Ziele formuliert – keine Bühne wäre dafür besser geeignet als ein offizieller Designpreis der Bundesrepublik Deutschland.

Die Bedeutung eines offiziellen Preises für die Wirtschaft ist enorm und lässt sich in harten Zahlen fassen, wie beispielsweise der Computerspielpreis aufzeigt, der seit 2009 verliehen wird. Seit dessen erstmaliger Auslobung 2008 stieg die Anzahl an Unternehmensgründungen innerhalb der Software-Branche sprunghaft an (Abb. unten). Das Signal, das ein so hoch dotierter Preis an die kreativen Spieleentwickler sendet ist klar: seht her, eure Leistung wird belohnt! Durchaus neidvoll blickt man als Designer auf die geradezu irrwitzig anmutende Summe von 470.000 Euro, mit der der Preis dotiert ist. Getragen von den Branchenverbänden BIU e. V. und G.A.M.E. e. V. und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geht der Computerspielpreis auf einen Bundestagsantrag aus dem Jahr 2007 zurück. Eine ähnliche Unterstützung seitens der Politik wäre auch für die Designwirtschaft wünschenswert.

Gründungsdynamik in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2002-2014 nach Teilmärkten, Quelle: BMWi

Gründungsdynamik in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland 2002-2014 nach Teilmärkten, Quelle der Ursprungsgrafik: BMWi

Vorbild für andere Designwettbewerbe

Der Computerspielpreis könnte ebenso als Vorbild für einen neujustierten Designpreis der Bundesrepublik Deutschland dienen, zumindest in Bezug auf die finanziellen Rahmenbedingungen, wie die von einigen Bundesländern ausgelobten staatlichen Designpreise: Bayern (dotiert mit 52.000 Euro), Sachsen (dotiert mit 50.000 Euro), Brandenburg (dotiert mit 20.000 Euro), und Saarland (undotiert). Auch die von europäischen Fachmagazinen in Eigenregie ins Leben gerufenen European Design Awards (kurz ED-Awards) seien explizit als positives Beispiel genannt.

Herausragende Produkte und Leistungen in den Bereichen Produkt- und Kommunikationsdesign brauchen einen ebenso herausragenden Preis. Einen fairen und transparenten Preis, von dem alle Seiten partizipieren, nicht nur der Auslober. Einen Preis, den man sich als Designer leisten kann. Einen Preis, der der großen Bedeutung von Design für den Standort Deutschland gerecht wird und der das Qualitätsversprechen „Design made in Germany“ auf internationalem Terrain zu einem vertrauensstiftenden Markenzeichen macht.

Und noch ein Thema, das in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist und insbesondere von politischer Seite Aufmerksamkeit verdient: Die Neuausrichtung eines Designpreis der Bundesrepublik Deutschland sollte man zum Anlass nehmen, das jedenfalls wäre mein Wunsch, die in vielen Fällen unlauteren Teilnahmebedingungen von Designwettbewerben wie auch die zunehmend unfairen Bedingungen von Ausschreibungen/Pitches insbesondere durch behördliche Stellen (dt berichtete) zu reformieren. Hier darf der Bund gerne als Vorbild vorangehen, um die richtigen Signale auch in die Wirtschaft hinein zu senden. Die Bekämpfung unfairer Designwettbewerbe fördert sehr wohl, um damit einer Aussage des Bundeswirtschaftsministeriums entgegen zu treten, die Existenz von Gestaltern, weil nämlich auf diese Weise zum Ausdruck gebracht wird, dass Design eine Leistung ist, die man nicht für lau bekommt. Bedauerlicherweise hatte der Verein „FIDIUS – Faire Designwettbewerbe“ seine Arbeit vor vier Jahren Mangels finanzieller Unterstützung einstellen müssen. Eine Reaktivierung wäre ein Gewinn für jeden Designer, weil FIDIUS die Designwertdebatte wieder beflügeln würde.

Zu einer solchen Debatte trägt unbedingt auch die von Daniel Hyngar verfasste Petition bei. Noch einmal möchte ich dazu einladen, diese zu unterstützen, sie zu unterzeichnen und sie zu teilen.

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57 Kommentare zu “Quo vadis, Designpreise in Deutschland?

  1. Unsere Agentur hatte sich, nach gezahlter Erstanmeldegebühr von 300 Euro und den danach erst sichtbar werdenden Mehrwerten des German Design Awards gegen eine Teilnahme an der Preisvergabe entschieden. Gründe dafür gab es einige. Um einen genauer zu benennen, ist es die Erstellung eines bzw. mehrerer, mehr als 5 kg schweren Buchkataloge, die – ehrlich gesagt – hier keiner mehr ins Regal stellt und eben aus diesem Grund auch nicht sehr publikumswirksam sind. Nun gut, das ist Geschmackssache-oder wie ich meine- nicht sehr innovativ und zukunftsweisend. Da erwarte ich doch etwas mehr visionäres Denken! Zudem gibt es eine schlecht umgesetzte Webseite als digitales Präsentationsmedium, welche mit Ach und Krach einem responsiven Ansatz genügt.
    Unsere Entscheidung war gefallen, und wir hatten uns gegen eine Teilnahme ausgesprochen. Nach ca 8 Wochen erhielten wir eine Mail mit der Zahlungsaufforderung von 2450 €! Nach Rückfrage, da uns eine weitere Anmeldung nicht bewusst war,
    wurde uns bescheinigt, dass wir uns verbindlich angemeldet hätten. Da wir aber keine Anmeldebestätigung erhalten hatten, bestritten wir diese und erbaten einen nachvollziehbaren Beweis des Anmeldeprozesses. Die Antwort: “ Dies ist leider nicht mehr möglich, da das Anmeldeportal bereits abgeschaltet worden sei.“ Um den folgenden intensiven E-mail Verkehr abzukürzen ( sicherlich ist es nachvollziehbar, dass diese sehr zeitaufwendig war), wurde
    uns seitens des Rates für Formgebung mit der Einschaltung eines Anwaltes gedroht, sollten wir die geforderte Anmeldegebühr nicht bereit stellen. Unsere Argumentation, einen willigen Kandidaten für den frei gewordenen Awardplatz zu nominieren, wurde nicht beantwortet.
    Soweit zur Loyalität von renommierten Preisen wie es die Ausrichter des German Design Award, if Design Award und sicherlich auch der Red Dot Award immer wieder bescheinigen. Sicherlich, mas muss sich nicht zwingend daran beteiligen, jedoch ist es ja doch verständlich, dass man sich dem fairen Wettbewerb stellen möchte. An dieser Stelle werden Agenturen regelrecht geschröpft. Davon lebt inzwischen eine ganze Industrie.

    • @ Lea
      An dem arrogant-unnachgiebigen Verhalten dieser Design-Beamten kann man gut sehen, wer glaubt, am längeren Hebel des Renommés zu sitzen.

      Das stützt meine These, dass es den Büros ziemlich mies gehen muss.
      Sonst könnte man mit ihnen nicht so unfreundlich bis kaiserlich-arrogant umspringen.

  2. @Kirchhoff @ Büning
    Nette Aufrufe.

    Für viele Designbüros ist es eben – wie oben bereits erwähnt – ein Marketinginstrument.
    Vielleicht sogar ein bewährtes.

    Da wird es schwer sein, sie davon zu überzeugen, davon abzulassen.

    Denn wie soll man als Designbüro sonst Marketing und Akquisition betreiben?
    Über TV-Spots?
    Über Werbebanner, Werbeanzeigen in den Fachblättern?
    (Diese Idee wurde vom eingestellten Horizont-Blog und Spießer Alfons, Ex-WUV-Kolumnist, mal aufgegriffen, warum zur Hecke Werber und Designbüros nicht in der Lage seien, für sich selbst ordentliches Branding zu betreiben und Werbung zu machen, wie sie es auch für ihre Kunden empfehlen und angeblich erfolgreich betreiben würden …)

    An der Türklinke der Unternehmen?
    Na, vielen Dank auch.
    Das wäre der Todesstoß für die Büros, die sich als Aristokraten fühlen, hausieren gehen zu müssen. Die Unternehmen würden ihnen bei dieser zart ungünstigen Position als Türklinken-kratzender Bittsteller – hat er es nötig? Und wenn ja, warum? – noch mehr an den Vergütungen herumschrauben.

    Branding?
    Superidee. Eigentlich. Warum machen das so wenige.

    Brandig rein nur im Netz?
    Schwierig.

    Pitches?
    Erzähl nochn Witz über Teilnahme-Honorar und du bist draußen.

    B2B-Akquisition ist eben ein schweres Brot. Und ziemlich Manpower-aufwendig: Reisen, Vorträge halten, Buch schreiben, PR machen, bloggen, eine Show aus sich machen (nur wem es liegt).

    Da sind halt dann, verlockend, die Designpreise.
    Und jedes Jahr reichen mehr Büros ein.

    Dass immer mehr einreichen kann ein Zeichen sein für die schiere Verzweiflung der Branche.
    Oder, anders interpretiert, ein Zeichen, dass immer mehr – die nicht nur die Firma des Onkels dekorieren- merken, ganz ohne Akquisition geht es halt auch nicht

    Es grüßt der Mor,
    der B2B-Akqusition einzig und allein über seine Site betreibt. Pull statt Push.

    Kann man machen. Manchmal funktioniert es auch, zu 30% .
    Biter Pille: Manchmal aber bekommt man aber auch Anfragende, die sich der Teufel nicht in seiner Hölle wünscht, das sind 70%. Bei einem stabilen Nervenkostüm und als gleichbleibender Li-la-Launebär gut zu machen. An etwas mental schlechteren Tagen des Verfassers ist diese Art Inbound-Akquisition ein Albtraum. Da hilft nur Rechner ausmachen und spontanen Urlaub einreichen, bevor man neurologische Schäden oder Burnout/Boreout in Form von Telefon-Phobie (zitterndes Herumschleichen um läutendes Telefon) oder eine aufsteigende E-Mail-Parese kriegt. Flucht.

    Das macht einen unkreativ bis bekloppt.
    Dann, dann ist die Idee, einen Preis zu gewinnen, nicht die Schlechteste.

    Weil Design-Preise auch genau diese nervtötenden C-Kunden abhält, überhaupt anzufragen. Denn die verliehenen Preise verheißen: gut und teuer. Auftraggeber können per se die Qualität eines Büros oft schwer einschätzen, Preise helfen ihnen dabei, die Auswahl eines Büros bis zum Vorstand hinauf im Unternehmen zu stützen, zu verargumentieren. Natürlich helfen sie auch der Eitelkeit der Auftraggeber, auch der Eitelkeit der Büros, keine Frage. Design IST ein eitles Geschäft. Wer das nicht will, soll Schrauben drehen gehen.

    Nervtötende dreifach Zero-C-Anfrager (kein Budget, kein Briefing, kein Benehmen) abzuhalten, plus bessere Auftraggeber anziehen, das können verliehene Designpreis also ganz gut. Die kommen dann gar nicht erst.

    Das zur sonst nicht ganz schlechten Akquisition per Site als ALTERNATIVE für kleine bis mittlere Büros. Denn sie funktioniert im Prinzip.
    Dazu muss die Site mehr bieten als nur ein Guck-Portfolio, sondern Mehrwert. Stichworte Call-to-Action und Dialoge. Das beherrschen nicht allzuviel Designbüros. Kostet auch Manpower
    Aber wie gesagt, es zieht halt – auch trotz allen geschickten Filterns – alles an aus dem Saugrohr Internetz. Da muss man es abkönnen, auch mal beschimpft zu werden.

    Das kann einem einem stolzen Inhaber von verliehenen Preisen kaum passieren.
    Oder doch?^^

  3. Christian Büning schreibt oben: »…Ich habe mich daher entschieden, die kommerziellen Auszeichnungen von meiner Internetseite zu entfernen…«

    Wenn Sie das tatsächlich getan haben, Herr Büning, dann ziehe ich hiermit meinen virtuellen Hut vor so viel Selbstkritik. Ich kenne allerdings einige Designkollegen, die nicht so viel Ar…sch in der Hose haben, es Ihnen gleich zu tun. Die protzen sogar in ihren eMail-Signaturen mit ihren teuer erkauften Trophäen á la Red Dot, German Design- oder IF-Award. Na, wer’s braucht…

    @Achim Schaffrinna: Nur nicht kirre machen lassen! Wenn die Angesprochenen gerade hochgehen wie HB-Männchen, dann zeigt das nur, dass unsere Kritik an den komerziellen Designwettbewerben genau in’s Schwarze eines Wespennests getroffen hat ;-)

    • @Nadja haha, ich musste lachen. Da ist ja echt keine einzige Frau. Das so etwas überhaupt noch möglich ist… #unterdenTalaren…

      • Pessimistisch?
        Das war noch optimistisch.

        Hab bis jetzt noch keinen Design-Job erlebt, ob als leidender Angestellter oder als Freiberufler, wo man nicht ständig gezwungen war, Sachen schönzulügen, die einfach noch nicht richtig stimmen oder gar nicht o. k. sind. Ob das jetzt das Männermonopoly ist wie beim Rat für Formgebung oder eine Creme mit nichts drin oder eine schön färberische Unternehmensphilosophie typografieren im Geschäftsbericht: Alles Dummzeug und alles das Gleiche. Wir sind der Büttel der Industrie.

        Kein Wunder, dass man mit uns so umgeht.

        Über die panegyrischen Reden, was Design alles kann und alles soll (Welt verändern, Wahrheit gut ausdrücken), kann ich nur lachen.

      • Und das schlimme ist doch eigentlich dass in den meisten Fällen das Endergebnis ein mittelmäßiger bis hässlicher Kompromiss ist, da der Kunde sich anmaßt in alles reinzuquatschen. Kompetenz auf allen Ebenen sozusagen. Kombiniert mit schlechter Bezahlung.

        Daran könnte allerdings auch der inflationär verwendete und nicht geschützte Begriff des Designers mitschuldig sein:

        Zitat von Wikipedia:
        „… In Anbetracht, dass der Begriff Designer (ohne Diplom), anders als etwa Architekt in Deutschland keinen Schutz genießt, gibt es auch zahlreiche Berufe welche diesen verwenden. …“

        … und Personen, ähem.

  4. Der Designer lernt leider während seines Studiums relativ wenig über die wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen seines Tätigkeitsfeldes. Nicht dass er auch noch anfängt selbständig zu denken und Dinge in Frage zu stellen. Nach oder während dem Studium folgen Praktika mit gesetztlich fragwürdigen Arbeitszeiten und Vergütungen von 400 Euro monatlich. Gut, GWA/ Faircompany zahlt 600. :-)
    Danach evtl. Juniordesigner auf Bewährung (landläufig als Befristung bezeichnet) zu ebenfalls schlechten Vergütungen von 2200 Euro. Und das mit Uni- oder Fachhochschulabschluss. Elternzeit wird später als Ausrede zur Kündigung gebraucht. Sicherheit gibt es nicht. Und die Branche hatte unglaubliche Angst vor der Einführung des Mindestlohnes. Für Designpreise müsden Gewinner dann noch als Belohnung draufzahlen. Eine Bestrafung. Das sollte man mal nur annähernd in anderen Berufszweigen versuchen. Die würden vor Lachen zusammenbrechen. Aber mit den naiven duckmäusigen, an ausbeuterische Arbeitsbedingungen gewöhnten Designern lässt sich das machen. Und das auch noch von unseresgleichen. Waaahnsinn!!! Warum nochmal sollte man in dieser Branche arbeiten? Kostenfrei?? Ich fremdschäme mich.

  5. Dieser Missstand ist ja schon seit vielen Jahren so. Jeder der bei so einem Preis mitmacht unterstütz dass. Für mich sind Designpreise schon lange kein Indiz für Qualität mehr. Es gibt im Netz genug Seiten, die erstklassige Design hervorheben. Ich habe meine eigene Meinung und brauche kein Gremium, was mir sagt, dass etwas gut oder schlecht ist. Leider hat die Wirtschaft diesen Durchblick nicht und sucht sich preisgekrönte Agenturen für ihr Coporate Design usw.

  6. Erik Spiekermann ist ein Fatzke. Habe ihn einmal bei einer Ausstellungseröffnung erlebt, bei der er die Traube durchs Museum geführt hat und diese pure Arroganz hat mich den Besuch der Ausstellung vorzeitig abbrechen lassen. Bis dato dachte ich, ich würde als weltoffener Mensch mit einer hohen Toleranzschwelle so etwas nicht erleben, aber er hat es tatsächlich geschafft.

    Zu dem restlichen Thema wurde hier bereits alles ausführlich gesagt und niedergeschrieben.

  7. Kleiner Tipp:
    Allen, die im Bereich Logo- und Corporate Design tätig sind und ihre Arbeiten international präsentieren möchten, kann ich nur LogoLounge.com an’s Herz legen. Hier zahlt man pro Jahr umgerechnet 90,- Euro und kann so viele Arbeiten wie gewünscht einreichen.
    Diese werden dann von einer 8-köpfigen Jury aus erfahrenen Designern begutachtet und die besten Logos für das nächste Jahrbuch ausgewählt. Die Auswahlquote beträgt ca. 10% (von durchschnittlich 20.000 Einsendungen pro Jahr kommen 2.000 in’s Buch). Einen Geldpreis gibt es nicht, nur eine Urkunde wenn man ausgewählt wurde …und eben die eigene Arbeit in einem Standardwerk des internationalen Markendesigns. Ich war hier selbst schon Juror.

    Bei vielen anderen deutschen bzw. europäischen Wettbewerben zahlt man erst mal 300 bis 400 Euro, um nur 1 Arbeit einsenden zu dürfen. Hier 90 Eur für eine unbegrenzte(!) Anzahl. Und eine vierstellige Veröffentlichungsgebühr fällt ebenfalls nicht an.

    Kurz: Bei LogoLounge machen die Veranstalter keine Profite auf dem Rücken der Designer, sie decken lediglich ihre Selbstkosten. Ich finde das sehr fair.

    • Dafür bezahlen, dass man beliebig viele Logos einsenden darf? Ist das euer Ernst? Sollte es nicht andersrum laufen und der Verlag den Designer bezahlen, wenn er seine Arbeiten abdruckt?

  8. Noch schlimmer sind einige Awards aus der Finanzkommunikation, zum Beispiel der „LACP“ oder der „ARC“-Award – beides sind Preise, die man sich erkauft. Hier geht es zu wie beim Schießen auf dem Jahrmarkt: jeder bekommt einen Preis. Agentur des Jahres wird, wer am meisten Geschäftsberichte zur Beurteilung einreicht. Die Jury wird nicht genannt, die Beurteilung wirkt komplett willkürlich.

    Bei mir in der Agentur sind es leider manchmal die Kunden, die den Anspruch haben „Macht mal ein Projekt, das uns einen Award gewinnt“, vielleicht, damit die entsprechende Fachabteilung sich gegenüber der Geschäftsleitung rechtfertigen kann. Bei mir persönlich steigt der Zugriff auf mein XING-Profil jedes Mal, wenn ich einen Award einstelle – offenbar ein beliebter Suchbegriff, um die vermeintliche Qualifikation von Designern zu ermitteln.

    Machen wir uns nichts vor – die ganze Branche ist wie eine Horde pawlow’scher Hunde auf die Preise als etablierte „Währung“ geprägt. Mal sehen, ob, und vom wem, das irgendwann durchbrochen wird.

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