Einheitliches visuelles Erscheinungsbild für die Österreichische Bundesregierung

Bundesregierung Österreich Bildmarke

Die Österreichische Bundesregierung hat Ende letzter Woche bekanntgegeben, dass das Erscheinungsbild aller Bundesministerien inklusive ihren nachgeordneten Dienststellen vereinheitlicht werden soll. Ziel dieser Maßnahme sei es, wie es innerhalb des Presse-Kommuniqués heißt, einen staatstragenden, zeitlosen und modernen Außenauftritt zu gestalten, der über einen hohen Wiedererkennungswert verfügt und damit einhergehend eine höhere Service-Orientierung in der Verwaltung biete.

Das visuelle Erscheinungsbild der Österreichischen Bundesregierung ist derzeit alles andere als einheitlich. Wie bereits Anfang 2014 im dt Beitrag „Regierungen und ihre visuellen Identitäten“ aufgezeigt, präsentiert sich die Regierung und ihre Ministerien nach wie vor mit einem Sammelsurium an Logos, Absendern und Identitäten. Und genau dies will die derzeitige Regierung bestehend aus ÖVP und FPÖ ändern. Im Hinblick auf eine „bürgerfreundliche Verwaltung im digitalen Zeitalter“, wie es seitens des Bundeskanzleramtes heißt, soll das Erscheinungsbild aller Ministerien nun vereinheitlicht werden.

Auszug der Pressemeldung

Der Außenauftritt der Bundesregierung ist visueller Ausdruck ihrer Identität. Der Anspruch, einen neuen, gemeinsamen Stil in die Regierungspolitik zu bringen, soll sich daher auch im grafischen Erscheinungsbild der Bundesregierung fortsetzen. Im Sinne der Sparsamkeit, aber auch des gesteigerten Wiedererkennungswertes wurde im Regierungsprogramm daher die Etablierung einer einheitlichen Corporate Identity der Bundesregierung (inklusive aller Webauftritte der Bundesministerien) verankert. […] So wie für die Republik Österreich und die gesamte Bundesregierung werden für alle Ressorts die entsprechenden Mutationen durch den Bundespressedienst bereitgestellt. Darauf aufbauend ist in den kommenden Monaten neben der Schaffung der Plattform oesterreich.gv.at als zentrale Anlaufstelle der Bürgeranliegen auch die Einrichtung von einheitlichen Emailadressen für alle Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung des Bundes vorgesehen. All diese Maßnahmen dienen dazu, eine bürgerfreundliche Verwaltung im digitalen Zeitalter zu ermöglichen.

Und so soll das dann zukünftig ausschauen:

Bundesregierung Österreich Logos – vorher und nachher

Bundesregierung Österreich Logos – vorher und nachher

Zeitgleich mit der Regierungsbildung wurde Ende letzten Jahres auf Basis eines Ministerratsbeschlusses mit dem Prozess zur Entwicklung eines einheitlichen Erscheinungsbildes der Bundesministerien begonnen. Zentrale Elemente des zukünftigen Corporate Designs sind ein gemeinschaftliches Basis-Logo, allgemein gültige Layout- und Gestaltungsregeln, das zu verwendende Farbspektrum sowie Typografie und Bildsprache. Entwickelt wurde das Corporate Design samt Logo in enger Zusammenarbeit zwischen dem Kreativ- und dem Grafikteam des Bundeskanzleramts. Auch wenn von Seiten der Regierung beteuert wird, dass alle Arbeiten inhouse durchgeführt wurden, sind dennoch, wie auf Addendum nachzulesen ist, Steuergelder für ein externes Designbüro geflossen.

Bei der Bildmarke handelt es sich um eine adaptierte Form der rot-weiß-roten Flagge Österreichs. Bereits seit Jahren fungiert eine ganz ähnliche Flaggendarstellung als Absender des Österreichischen Außenministeriums einschließlich der Botschaften. Bis Ende 2018, so die Planung des Bundeskanzleramts, sollen alle Ressorts das neue Logo in der jeweiligen Adaption im Außenauftritt durchgängig zum Einsatz bringen. Auch in den nachgelagerten Dienststellen soll die neue Corporate Identity in einem stufenweisen Prozess eingeführt werden.

Kommentar

Da sich das Corporate Design derzeit noch in der Entwicklung befindet und ein entsprechendes CD-Manual noch nicht vorliegt, zumindest wollte mir die Pressestelle des Bundeskanzleramtes ein solches Dokument nicht zur Verfügung stellen, bleibt abzuwarten wie das Erscheinungsbild im Detail aussieht. Aber selbstverständlich ist die Umstellung auf ein einheitliches Design/Logo als solches richtig. Welch ein Irrsinn, für 12+ Ministerien und x Dienststellen eigene Logos und Erscheinungsbilder entwickeln UND pflegen zu müssen!

Offensichtlich, und hier nehme ich lediglich Bezug auf die offizielle Pressemeldung, hat man sich Inspiration in Deutschland und Großbritannien geholt, wo die jeweiligen Regierungen seit Jahren über einheitliche Erscheinungsbilder verfügen (siehe dt-Beitrag). Sich als Designer im Vorfeld gute, funktionierende Lösungen anzuschauen, ist selbstredend kein Abkupfern, sondern erste Bürger- respektive Gestalterpflicht.

Im Vergleich zum oben genannten Logo für die Botschaften, das mir einen Tick besser gefällt, ist die neue Bildmarke doch recht statisch und einfallslos. Wichtiger jedoch, als das subjektive Formempfinden, ist natürlich der Umstand, dass die Regierung nun auf ein einheitliches Zeichen setzt. Soweit so gut. Der weitaus schwierigere Teil steht nun bevor: die Implementierung der neuen Gestaltungsregeln über alle zugehörigen Stellen hinweg. Aufgrund der damit verbundenen Herausforderungen ist es offen gesagt für mich schwer vorstellbar, dass dieser Prozess bereits zu Ende dieses Jahres abgeschlossen sein soll. Bezogen auf das Zeitfenster ein mehr als ambitioniertes Vorhaben.
Ich würde hier eher von einem Zeitraum von drei bis vier Jahren ausgehen, bis alle Ministerien im einheitlichen Gewand auftreten, in Print wie digital. Und selbst wenn es fünf oder sechs Jahre dauerte, wäre die Maßnahme ein Erfolg. Corporate Design braucht nun einmal Zeit.

Mediengalerie

Weiterführende Links

17 Kommentare zu “Einheitliches visuelles Erscheinungsbild für die Österreichische Bundesregierung

  1. Die „derzeitige“ österreichische Bundesregierung (Stand Mai 2018) besteht NICHT aus ÖVP und SPÖ, sondern aus ÖVP und FPÖ.

    • hahaha – mehr Inhalt kommt nicht von mir, wollte Sie nur wissen lassen dass ich echt laut lachen musste wegen Ihrem Kommentar :)
      Wünsche einen schönen Tag

  2. Hab mir gerade den addendum Artikel durchgelesen und rieche Gefahr…
    Seit 2014 hoffe ich schon, dass das damals neue Corporate vom Auswertigen für die ganze Regierung übernommen wird. Da wurde einmal geil abgeliefert und jetzt wird dem Designer ein Strick draus gedreht weil er gut dran verdient hat.
    Ich denke das Corporate für’s Auswertige war seinen Preis wert und wenn es für ein Agreement in Sachen Urheberrecht wieder Geld gab, halte ich das für vertretbar.
    Jetzt hat das Designteam der Regierung alles, was am Ursprungslogo cool war gekonnt weggeschnibbelt – im Verruf (zumindest auf addendum) steht aber der Designer, der seinen Job gut gemacht hat.

  3. Ich halte eine Vereinheitlichung für sehr gut. Das ganze wird so auch schon in Deutschland praktiziert. Jedoch bleibt die Frage ob das Logo von einem Landsmann entworfen wurde oder nicht.

  4. Das klingt für mich nach der typisch Österreichischen „Freunderlwirtschaft“.

    Es heißt, es wurde „intern“ gemacht (also Grafiker angestellt) und das Designbüro, welches das Design für den damaligen Außenminister (jetzigen Bundeskanzler) gemacht hat, finanziell entschädigt. Ein Schelm der sich dabei denkt, dass man damit nur umgehen wollte, diesen Auftrag offiziell auszuschreiben. Ich denke, viele Kreative hätten sich über einen Wettbewerb der besten Ideen gefreut, aber man macht Geschäfte lieber „intern“.

    Zur Gestaltung: Warum hat man die Flagge nicht so angeschnitten, dass es auch ein abstrahiertes „A“ (für Austria) hätte sein können? Der Winkel (von oben nach unten) wirkt jedenfalls negativ.

  5. In jedem Fall gebe ich Achim recht (ohne s, unpolitisch gesehen!), dass die Version mit der Botschaft besser wirkt. Ich würde sogar sagen deutlich.

    Das hat ein bißchen was von Schwung, vielleicht sogar Aufschwung und von einer wehenden Fahne – ohne aber so penetrant zu flattern wie die ganzen Stockbilder der Flaggen aller Länder – oder auch das alte ÖVP-Logo.

    Außerdem finde ich die Version mit Republik Österreich umständlich und zu breit. Das sähe ich eher zweizeilig, ginge es mach mir hieße es nur Österreich. Das finde ich wesentlich selbstwußter und schöner. Seit auf den Briefmarken nur noch Österreich steht, sind die wesentlich weniger vollgerümpelt. Dass das Land kein Kaisertum mehr ist, weiß ohnehin jeder. Politisch gesehen wäre es ja sogar eine Bundesrepublik, also wozu? Less is more important!

    Wenn schon mehr Text, dann hätte ich lieber auch Versionen für die mehrsprachigen Gebiete, nach dem Vorbild der Schweiz, die auch die hoheitliche Verbindung zum Bundesstaat in den regionalen Amtssprachen slowenisch, kroatisch und ungarisch ausdrücken.

    Auf jeden aber ist diese Entscheidung ein einfacher aber großer Schritt in die richtige Richtung.
    Das visuelle Chaos der Ministerien war wirklich beispiellos.

Kommentar verfassen

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>