Deutschland fliegt nun mit „Bundes Sans“

A350 Luftwaffe mit Bundes Sans (03/2021)

A350 mit „Bundes Sans“ (03/2021), Foto: Eurospot/Flickr

Die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung erhält in Kürze den zweiten von insgesamt drei neuen Airbus A350. Im Gegensatz zum ersten Exemplar kommt bei der Gestaltung der zweiten Maschine nun erstmals das Corporate Design der Bundesregierung zur Anwendung. Start frei für die Bundes Sans.

Vor dem Hintergrund einer Pannenserie, mit der die Flugbereitschaft in den letzten Jahren für Negativschlagzeilen gesorgt hat, hatte der der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im April 2019 den Ankauf von drei A350-900 für die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung gebilligt. Im Finanzbedarf bis 2026 sind für die Anschaffung, Ausstattung und den Betrieb Ausgaben in Höhe von 1,2 Milliarden eingeplant.

Die Übergabe des ersten Airbus A350 von Lufthansa Technik an die Flugbereitschaft der Bundesregierung erfolgte nach gerade einmal 16 Monaten im August 2020. Es folgte eine mehrmonatig Vorbereitung auf den finalen Einsatz durch die Flugbereitschaft, und schon im Januar 2021 konnte der Airbus von Außenminister Heiko Maas eingeweiht werden. Der Flug nach Kairo verlief mit „Kurt Schumacher“, so der Name der Maschine, ohne Panne. Nun erwartet die Flugbereitschaft bereits ihren zweiten A350.

Die Geschwindigkeit, mit der die A350 an die Flugbereitschaft übergeben werden, scheint die Bundesregierung zu überraschen. Denn erst bei der zweiten, mit dem Namen „Konrad Adenauer“ betitelten Maschine werden die im Corporate Design der Bundesregierung verankerten Gestaltungsvorgaben berücksichtigt. Gegenüber dem Fachmagazin aeroTELEGRAPH erklärte ein Sprecher der Luftwaffe, die Anpassung sei „im Sinne eines zeitgemäßen und modernen Auftritts“ erfolgt. Eine nachvollziehbare Maßnahme, allerdings stellt sich die Frage, weshalb diese Maßnahme erst bei der zweiten Maschine umgesetzt wird. Wie der Sprecher weiter ausführt werde auch die „Kurt Schumacher“ im Rahmen einer nächsten Aufbereitung auf die finale Innenausstattung das neue CD-konforme Außendesign erhalten. Bis dahin fliegt „Kurt Schumacher“ weiterhin mit dem in der Serifenschrift Times New Roman gesetzten Schriftzug „BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND“ durch die Welt.

„Eine Synthese aus Vernunft und Emotion“

Seit 1999 verfügt die Bundesregierung über ein eigenes Corporate Design. Ziel eines jeden Corporate Designs ist es, medienübergreifend für ein einheitliches und konsistentes visuelles Erscheinungsbild zu sorgen. Zentraler Bestandteil des CDs der Bundesregierung sind seit 2011 die von den Gestaltern Jürgen Huber und Martin Wenzel (Supertype) entworfenen Schriften Bundes Sans und Bundes Serif. Später kam noch mit der Bundes Sans Condensed eine schmale Type hinzu. Es sind dies Schriften, wie die beiden Gestalter im Interview auf typografie.info erklären, die Sachlichkeit und Ingenieurstum ausstrahlen sollen und „eine Synthese aus Vernunft und Emotion darstellen“.

Auf Anfrage teilt die Flugbereitschaft BMVg hinsichtlich der Neugestaltung des A350 zudem mit: „Das geplante, leicht modifizierte Außendesign der Flugzeuge enthält sowohl wesentliche Elemente des bisherigen Designs (z.B. Fahnenband um den Rumpf) als auch neue Elemente aus dem Styleguide der Bundesregierung, der das Erscheinungsbild von Behörden u.a. mit Bildwortmarken und Schriftarten festlegt. Die Zugehörigkeit der Luftfahrzeuge zur Flugbereitschaft BMVg bleibt dadurch auch mit dem neuen Design klar erkennbar. Wesentliche Anpassungen umfassen die Schriftart und die Positionierung von Abbildungen (z.B. Bundesadler). Im Schriftzug kommt nunmehr die Schrift ‘Bundes Sans Medium’ zum Einsatz“

A350 Luftwaffe Kurt Schumacher

A350 Luftwaffe Kurt Schumacher mit „Times“, Foto: Maximilian Mair/ Flughafen Memmingen GmbH

Dass beim ersten A350 (Abb. oben) Schriftzüge in der Times New Roman gesetzt sind, muss, wohl wissend dass diese Schrift bis vor kurzem Bestandteil des Corporate Designs der Bundeswehr war, aus fachlicher Perspektive doch verwundern. Denn die Times New Roman, der bekannteste Vertreter aus der Klasse der Barock-Antiqua-Schriften, ist als Schriftart für eine Wortmarke, die im Sinne von Corporate Design Identität stiften soll, eher ungeeignet.

Die Wahl einer Schrift sagt bekanntlich viel über ihren Absender aus. Bei der 1931 vom Briten Stanley Morison gestalteten Times handelt es sich um eine speziell für Mengentext ausgerichtete Schrift. Lesbarkeit und Funktionalität stehen hierbei also im Vordergrund. Wie wohl kaum eine andere Schriftart verkörpert die Times das 20. Jahrhundert. So wie die Arial (auch die Verdana) zum Standard später im World Wide Web wurde, gehörte die Times in gedruckten Erzeugnissen lange Zeit zu den am meisten verwendeten Schriftarten. Eine eindeutige Identität lässt sich mit ihr, eben aufgrund ihrer enorm großen Verbreitung, schwerlich erreichen und kommunizieren. Bei einem Luftfahrzeug der Flugbereitschaft ist jedoch genau dieser Aspekt von zentraler Bedeutung. Bereits aus großer Distanz sollte zu erkennen sein, dass es sich um ein Flugzeug der Flugbereitschaft handelt und dass die auf diese Weise beförderten Fluggäste, seien es Soldaten, Zivilangestellte oder Politiker, Repräsentanten des Staates sind.

Bundes Sans / Bundes Serif

Bundes Sans / Bundes Serif, Quelle: Bundesregierung

Für kommerzielle Airlines ist dies ein wichtiges Kriterium. Hier muss das Außendesign über die Farbgebung wie auch über die Typographie möglichst prägnant und so originär und eigenständig sein, dass unmittelbar ein Bezug zur jeweiligen Marke hergestellt werden kann. Eine Schrift wie die Times New Roman verhindert dies. Denn ihre schmalen, dünnen Lettern sind nicht auf Prägnanz und Fernwirkung hin ausgerichtet, sondern auf einen möglichst kostensparenden Druck (auf Zeitungspapier). Bis 2019 war die Times New Roman, wie bereits erwähnt, Bestandteil des Corporate Designs der Bundeswehr, und zwar als Grundschrift für alle Fließtexte in Formularen und Briefbögen. Ungeachtet dessen wurde bzw. wird die Times von der Luftwaffe, vielleicht auch da entsprechende Gestaltungsvorgaben explizit hierfür fehlen und die Gestaltung von Flugfahrzeugen in Eigenregie vorgenommen wird, auch für die Kennzeichnung von Flugfahrzeugen verwendet. Aus den genannten Gründen sollte man jedoch davon Abstand nehmen die Schrift für diese Zwecke zu verwenden.

Neuer A350 – eine zeitgemäße Formensprache?

Die nun angestoßene Neugestaltung wäre ein guter Anlass die gesamte Flotte der Luftbereitschaft auf eine einheitliche Gestaltung hin auszurichten – und auf eine passendere, zeitgemäße Formensprache. Aus gutem Grund verfügt die Bundesregierung über ein Corporate Design, da so eine konsistente Kommunikation ermöglicht wird. Ich bin offen gestanden nicht davon überzeugt, dass die Bundes Sans aufgrund ihrer betont sachlichen, zurücknehmenden Erscheinung die bestmögliche Schrift explizit für diesen Einsatzzweck ist. Hier meine Gedanken.

Im Logo, wo sie im Zusammenspiel mit Bundesadler und Flaggenstab dank ihrer Sachlichkeit ein Gegengewicht zu den beiden Staatssymbolen schafft, erfüllt die Bundes Sans ihre Aufgabe mit Bravour. Ebenso überall dort, wo längere Texte in ihr gesetzt sind. Auf dem Flugzeug wirkt diese Schrift allerdings sehr nüchtern und neutral, um nicht zu sagen profillos. Das „K“ schaut am Ende von „BUNDESREPUBLIK“ in meiner Wahrnehmung zudem aus, als knicke es ein. Innerhalb einer Wortmarke, die Identität stiften und Repräsentanz vermitteln soll, bildet dieses Zeichen keinen guten Abschluss. Beim K der Bundes Sans sitzen Aufstrich und Bein an einem horizontalen Steg, welcher im 90-Grad-Winkel am Stamm angebracht ist. Von der Architektur her ist dies eine vergleichsweise fragile Form. Deutlich stabiler wirkt ein K, bei dem das Bein am Aufstrich in einer Art T-Form haftet, wo es wie ein Pfeiler die gesamte Form stützt – im K der Helvetica ist dies beispielsweise schön zu sehen. Ein solches K würde aus meiner Sicht in diesem Anwendungsfall einen besseren Abschluss bilden.

A350 Bundeswehr (03/2021) mit Bundes Sans

A350 Bundeswehr (03/2021) mit Bundes Sans, Foto: Eurospot/Flickr

Auch wenn bei der Bundes Serif das K ähnlich konstruiert ist wie bei der Bundes Sans, erscheint mir die Serifenschrift in diesem konkreten Fall besser geeignet, auch da sie den Aspekt der Repräsentation besser transportiert. Die Serifen „erden“ den Schriftzug, sorgen für Halt und Stabilität und verschaffen der Wortmarke eine klassische und zugleich zeitgemäße Anmutung. Der Strichstärkenkontrast ist bei der Bundes Serif deutlich geringer als bei der Times, insofern kann sie auch in Sachen Fernwirkung punkten.

Ich sehe auch in der neuen Gestaltung des A350 noch zu wenig den Umstand berücksichtigt, dass ein solches Flugzeug nicht allein die Bundesregierung repräsentiert. Tatsächlich fungiert das in Nationalfarben eingekleidete Flugzeug als eine Art Botschafter des Landes. Damit repräsentiert es eine viel größere, umfassendere Entität, eben die Gesamtheit der Bundesrepublik Deutschland mit all ihren Facetten, Strukturen, Kulturen und Menschen, Stichwort Nation Branding. Würde Deutschland, wie viele andere Staaten, über eine solche ganzheitlich und 360-Grad-gedachte Nation Brand verfügen, sähe die Gestaltung des Regierungsfliegers wohl anders aus.

So oder so ist es gut, dass man sich nun offenbar verstärkt Gedanken dazu macht, wie ein solches Flugzeug gestaltet sein sollte. Damit ist man übrigens nicht alleine, denn auch die US-Administration steht aktuell vor der Frage, wie die neue Air Force One (Flotte) aussehen soll. Regierungsflieger, die in Folge von Pannen nicht starten oder weiterfliegen können, schaden dem Ansehen, dem der Luftwaffe/Armee, der Regierung wie auch dem des Landes. Auch wenn die Gestaltung der Regierungsfliegerflotte kein Desaster sein mag, bleibt festzuhalten, dass das Außendesign der Flotte aufgrund ihrer herausragenden symbolträchtigen Bedeutung deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient als ihr in der Vergangenheit zuteilwurde.

Nun sind die dt-Leser gefragt:

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A350 Kurt Schumacher

A350 Konrad Adenauer

15 Kommentare zu “Deutschland fliegt nun mit „Bundes Sans“

  1. Ich empfinde die Sans als Schrift für die Flotte der Regierung angenehmer, da sie gerade auf großer Distanz… wie etwa auf Flughäfen oder in der Luft… besser lesbar ist, als die Serifenschrift.

    Das Thema visuelles Auftreten ist ein Punkt, der mich jedes Mal irritiert, wenn man die Flieger in den Nachrichten sieht (woanders habe ich bisher noch kein Flugzeug der Regierung zu Gesicht bekommen).

    Deutschland tut sich schwer mit gestalterischem Pathos und ist seit jeher aufgrund unserer Geschichte eher zurückhaltend, was ich als angenehm empfinde, doch hier ist die Sachlichkeit doch etwas zu viel des Guten.

    Zudem wirkt alles irgendwie deplatziert. Die Türen als Ankerelemente für den Schriftzug zu nehmen und diesen somit außeinanderzureißen ist für mich ein Rätsel. Der Adler hinter der zweiten Tür wirkt wie ein deplatzierter Genderstern.

    Das Flaggenband erweckt bei mir stets den Eindruck von Footballspielern oder stereotypen Indianern mit Kriegsbemalung. Dagegen wirkt die Flagge auf der Finne komplett verloren. Gerade im Bezug auf das angesprochene Nation Branding frage ich mich, ob diese Unbeholfenheit wirklich dieses Land repräsentiert… wobei…

    • “Deutschland tut sich schwer mit gestalterischem Pathos und ist seit jeher aufgrund unserer Geschichte eher zurückhaltend, was ich als angenehm empfinde…”

      Ich kann den Gedanken als Deutscher nachvollziehen, allerdings musste ich schon mehrfach feststellen, dass diese Demut im Ausland nicht verstanden und gewürdigt wird. Im Speziellen ist mir eine Begegnung mit einem Niederländer im Kopf geblieben, der mich während der WM 2006 mal fragte, warum Deutsche keine Fahnen schwenken. Ich habe ihm erklärt, dass wir aufgrund unserer Vergangenheit eher zurückhaltend mit nationalen Symbolen sind. Er hatte uns diese Rücksicht uns das Bewusstsein nicht zugetraut. Er sagte mir “Ich habe immer gedacht, dass ihr die neue Fahne nicht akzeptiert und lieber die von Früher wieder hättet.” Diese Sichtweise hat mich damals sehr überrascht. Wie konnte man es nicht würdigen, dass wir uns demütig zeigen? Die Erklärung ist ganz einfach, die Welt interessiert sich nicht für unsere eigene Nabelschau, sie haben eigene Probleme. Ich habe ja beispielsweise auch keinen tiefen Einblick in die niederländische Volksseele, warum sollten sie es dann bei uns haben? Es ist also eher arrogant und vermessen, dass ich davon ausgegangen bin, dass ein Niederländer um unseren Umgang mit der Vergangenheit weiß.

      Seit dem bin ich mit nationalen Symbolen weniger zurückhaltend, sie stehen für ein ganz anderes Land und andere Werte, sie verdeutlichen die Abkehr von der Vergangenheit in meiner Wahrnehmung.

      Nationale Symbole erzeugen zwar auch eine Form des Nationalstolzes, sie kanalisieren ihn aber auch in eine geeignete Richtung, wenn man will (siehe Kanada). Außerdem bin ich nicht bereit sämtliche nationalen Symbole den Wirrköpfen zu überlassen. Ich fände es daher besser, wenn die Otto-Normal-Demokraten sich die Farben zu eigen machen würden und sie selbst mit zeitgemäßen Werten aufladen.

      • Ich weiß ja nicht wo diese Deine Begegnung mit dem Niederländer (wenn überhaupt) stattgefunden hat. Vermute aber in einem fusßballfreiem Umfeld. Und sogar da wär es zu der Zeit schwierig gewesen in Deutschland dem Fahnenmeer zu entkommen. Wenn er schon nicht mitbekommen hat von der Deutschlandfahneninflation im Zuge dieser WM, hättest du ihn ja darüber aufklären können. Weil auf einer Falschmeldung gründend, erledigen sich also auch alle von dir darauf in Bezug stehenden gesellschaftsphilosophichen Überlegungen.

      • Zwei Anmerkungen:

        – 2006 war ein einziges Deutschland-Flaggen-Meer. Ich werte das nicht, ich stelle nur fest, dass dein ganzer Text auf einer Fehleinschätzung beruht.

        – Ich hab privat wie geschäftlich mit extrem vielen Niederländern zu tun. Jedem einzelnen davon ist bewusst, dass und warum Deutsche nicht unverkrampft mit nationalen Symbolen umgehen. Und das wird meist als wohltuend empfunden. Und während sich der Deutsch in der Tat wenig mit den Niederlanden beschäftigt, ist das umgekehrt anders. Schon aus leidvoller Erfahrung schaut man da ständig “rüber” – und mittlerweile dann auch zum Glück öfter mit Sympathie.

    • Das mit den Türen ist leider alternativlos, außer man versetzt den Schriftzug darüber, wo er aus normaler Perspektive wenig sichtbar ist, oder nach hinten, was allerdings wenig sinnvoll ist, da meist die Türen gefilmt werden, wenn Staatsoberhäupter ein- und aussteigen.

      Grund ist: Flugzeugtüren sind hochkomplexe Apparaturen und lassen sich nicht einfach unsichtbar machen. Die Ränder lassen sich nicht lackieren und müssen beim bemalen ausgespart werden. Das sorgt für große Lücken im Schriftzug und lässt sich nur bei Airlines beobachten, die Flugzeuge sehr groß mit dicken Schriftarten bzw. Zeichen beschriften. Auch dann wird die Schrift meistens zwischen die Türen gequetscht. Bei längeren Schriftzügen die kleiner dargestellt werden müssen, wäre die Leserlichkeit über den Türen nichtmehr gegeben, da durch die nicht lackierbaren Türelemente große Teile aus den Buchstaben rausgebrochen werden. Außerdem können dann schonmal komische Wortschöpfungen entstehen, wenn die Türen geöffnet sind und sich über das restliche Wort schieben. Für mich also die einzig mögliche und auch eine gute, ästhetisch sinnvolle Lösung. Form follows fuction.

      Deine Einschätzung finde ich sehr gut, als Türke fällt mir diese deutsche Sachlichkeit oft auf, finde sie in diesem Fall auch passend und angebracht. Aber wie du sagst, etwas zu viel des Guten. Auf den ersten Blick wirkt es etwas wie eine Wet-Lease-Chartermaschine. Die seriöse, staatsmännische Gestaltung gefällt mir zwar sehr gut, ist aber so dezent, dass sie erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Auch wenn ich die Gestaltung gut finde, durch Akzente, z.B. dezent andersfarbige Triebwerke hätte man mehr Wertigkeit und Wiedererkennungseffekt. Die neue Schrift finde ich sehr passend, gibt der Gestaltung mehr Modernität und nimmt ein wenig den Eindruck des fliegenden Antragsformulars.

  2. Selbst mit der neuen Schrift sind das für mich die am langweiligsten gestalteten Flugzeuge überhaupt. Staubig, trocken, steril, piefig. Dazu die unbeholfen wirkende Positionierung der Schriftzüge (BRD, Luftwaffe), der Flaggen und Symbole. Als hätte man ein Flugzeug aus einem Ü-Ei mit Stickern beklebt und die Stellen nicht exakt getroffen.

    Von weitem ist der schwarz-rot-gelbe Streifen in meinen Augen immer zu verwaschen. Das sieht mehr aus wie ein dreckiger Farbverlauf. Eigentlich schön sind wie Winglets. Aber im Gesamtbild passen die irgendwie nicht dazu und wirken bemüht, doch ein wenig Pepp rein zu bringen.

    Klar, eine verspielte Gestaltung wie bei einem Ferienflieger wäre hier unpassend. Aber ein kleines bisschen mehr Moderne darf schon sein.

  3. ich finde die Gestaltung entsetzlich langweilig. Für meinen Geschmack wurde hier »Understatement« mit »Belanglosigkeit« verwechselt. Das schwarz-rot-goldene Band läuft völlig isoliert und ohne jede Dynamik an der Flanke entlang. Vor allem die Positionierung der Streifen unterhalb der Cockpit-Fenster, sieht wie ein Unfall aus. Alles in allem wirkt das Design mutlos, langweilig und so, als ob es mit dem Flugzeug gar nichts zu tun hat. Es bestätigt leider viele Klischees über uns: Angestaubt zu sein, statisch, zwanghaft akkurat und uninspiriert und –inspirierend. Da hilft auch die handwerklich gut gemachte Schrift nicht, diesem Image etwas entgegenzusetzen.

  4. “Synthese aus Vernunft und Emotion”? Wo sieht man hier denn Emotion? Das ist fast ne beliebige Sans-Schrift, wie es sie 1000x schon gegeben hat.

    • So ähnlich ging’s mir auch, als ich das gelesen habe. Es ist ja auch okay, dass die Bundes Sans eher pragmatisch ausgerichtet ist. Aber warum schreiben sie dann so’n Quark …?

  5. Ich bin kein Experte im grafischen Bereich, daher verzeiht mein „Unwissen“/falsche Ausdrücke etc. – Mir gefiel tatsächlich die erste Bemalung des Fliegers („Kurt Schumacher“). Es strahlt für mich mehr „Staatsflugzeug“ aus als die neue Bemalung mit der Bundes Sans. Die verbesserten Winglets finde ich eine schöne Sache, gibt dem doch sehr weissen Flugzeug ein wenig Farbe.
    – Problematik mit der Cheatline ist, dass die modernen Flugzeug (A350, B787, A220) haben eine andere Form der Nase, weswegen die Cheatline immer irgendwie komisch/falsch platziert aussieht. Nicht wenige Airlines haben mit den neuen Flugzeugen eine neue Bemalung eingeführt (z.B. KLM, United). Hier hat man m.M.n. Eine Chance verpasst: die Cheatline hätte man ein wenig geschwungener machen können, so dass es nicht, wie oben erwähnt, so falsch platziert wirkt.
    – Die Deutsche Fahne am Leitwerk wirkt auch sehr mickrig. Bei zivilen Flugzeugen muss die Flagge des entsprechenden Landes irgendwo auf dem Flugzeug aufgemalt werden wenn es nicht teil der Bemalung ist (SWISS hat die Fahne bekannterweise grosse auf dem Leitwerk, Eurowings hat die deutsche (oder österreichische) Flagge am Rumpf in klein) weiss nicht, ob dies auch auf Staatsflugzeuge zutrifft. Aber auch hier hätte man die Flagge grösser aufs Leitwerk malen können.
    – Der Adler finde ich auch, wie oben auch erwähnt, komisch. Wirkt wie ein Genderstern. Andererseits gefällt es mir, weil an dieser Türe wohl die Treppen positioniert werden, und wenn dann die Gäste aus-/einsteigen und die Kameras auf die Person „zielen“, ist das sichtbar.

  6. Meiner Ansicht nach ziemlich durchwachsenes Design. Benedict hat die meisten Punkte, die mich auch stören bereits angesprochen. Klare Linien, klassisch modern in gestalterischer Tradition von Bauhaus und Ulm, da passt dann auch eine Sans Serif hervorragend. Aber entschdeidend ist dann eben auch der stimmige, nachvollziehbare Umgang mit den Elementen. Bei diesem Entwurf wurde leider eine ganze Reihe Gestaltgesetze ignoriert. Kleines aber besonders ärgerliches Detail ist der Copyright-Adler, den man durchaus besser z.B. auf den Triebwerken hätte anbringen können. Aber auch dass die Bundesrepublik über dem ersten Fenster beginnt und Deutschland erst unter dem zweiten ist vollkommen unnötig inkonsequent.

  7. Ich stimme im Großen und Ganzen den bisherigen Beiträgen zu. Für mich kommt noch hinzu, dass die Gestaltung altmodisch wirkt, als stamme das gezeigte Flugzeug aus den Achtziger- oder Neunzigerjahren. Das Design wirkt jedenfalls nicht zeitgemäß und die Fernwirkung ist zu bescheiden geraten. Die – historisch verständliche – deutsche Zurückhaltung bei der Verwendung nationaler Symbole ist bei diesem Einsatzzweck (der von weitem das Herkunftsland der Maschine kommunizieren soll) kontraproduktiv.

  8. Es ist schon sehr müde. Die Partie um die Frontscheiben ist nicht sauber gelöst (mit der Panzerknacker-Brille ist das auch nicht einfach) und die Schrift (egal ob Times oder Bundes Sans) ist einfach nicht ausgeglichen. Das typografische Stilmittel des Spationierens (vergrößern des Buchstabenabstandes) würde dem visuellen Auseinanderfallen des gesamten Schriftzuges entgegenwirken. Der Wortabstand ist das entscheidende Element – er ganz einfach ist zu groß. Die »Bauchbinde« ist schon bei den Vorgängerversionen ein Gestaltungselement, dass so alleine auf großer weißer Fläche mächtig zu kämpfen hat. Mit sensibel gewähltem Grauton könnte gerade unterhalb des gelben Streifens das gesamte Flaggenband visuell besser gefasst werden – Grau bringt Farben zum Wirken. Es ist wünschenswert, nochmal neu über das Design nachzudenken.

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