Art Directors Club Deutschland (ADC) präsentiert sich im neuen Erscheinungsbild

ADC Logo, Quelle: ADC

Der Art Directors Club Deutschland (ADC), 1964 nach US-amerikanischem Vorbild in Düsseldorf gegründet, hat sich ein neues Erscheinungsbild zugelegt. Dem veränderten visuellen Auftritt des Berufsverbandes von Kreativschaffenden ging ein Prozess der Selbstfindung und Neudefinition voraus. Das Ergebnis des inhaltlichen Diskurses steht unter der Überschrift „Vorwärts zu unseren Wurzeln“.

Sowohl inhaltlich wie auch visuell kehrt der ADC zu seinen Wurzeln zurück. Das Ursprungslogo aus dem Jahre 1964 wurde leicht modifiziert und fungiert nun als Absender der Verbandes. Der neue Auftritt sei spürbar anders und breche mit gelernten Sehgewohnheiten, wie es seitens des ADC heißt. Das Marktschreierische sei verschwunden, sowohl in der Farbe als auch in der Form. Mit dem Redesign rücke der Art Directors Club seine Kernbereiche, den ADC Wettbewerb und seine Mitglieder, in den Mittelpunkt. Grundlage für den neuen visuellen Auftritt ist ein verändertes Selbstverständnis, das von Mitgliedern erarbeitet und in ein entsprechendes Manifest niedergeschrieben wurde.

Auszug der Pressemeldung

„Die neue Corporate Identity spiegelt die gesunderen Proportionen im Club wieder: Wir stehen nicht nur für exzellente Markenkommunikation, sondern für exzellente, kreative Kommunikation. Das bedeutet eben nicht nur Werbung, sondern auch Design, Editorial, Kommunikation im Raum, Digitale Medien: all unsere Fachbereiche. Die Gestaltung ist ein radikaler Schritt weg von Klischees. Der Relaunch hat einen starken Rückhalt im Präsidium und wurde einstimmig verabschiedet. Gerade weil die neue Corporate Identity aus unserem Mitgliederkreis kommt, ist das ein kraftvolles Signal.“

ADC Medien, Quelle: ADC

ADC – Digitale Medien im neuen Design

Entwickelt wurde das neue Selbstverständnis und Corporate Design des ADC von einem Kollektiv von ADC-Mitgliedern. In einem Beitrag beschreibt Johannes Erler Hintergründe und die Vorgehensweise. Die Medien des ADC sollen sukzessive umgestellt werden. Die neue Website wurde im Rahmen der gestrigen Präsentation auf der Design Experience gelauncht.

ADC Logo – vorher und nachher

ADC Logo – vorher und nachher

Kommentar

In der offiziellen Pressemeldung spricht der ADC von „neuer Corporate Identity“. Ich bin in dem Artikel bewusst zurückhaltend und vermeide diesen Terminus, da er neben dem visuellen Erscheinungsbild doch weit mehr umfasst. Mehr als ein verändertes visuelles Erscheinungsbild kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht erkennen. Zudem scheint der ADC das Marktschreierische noch nicht so ganz abgelegt zu haben, wie anhand der Diktion des Pressemeldungstextes zu erkennen ist, wo von „radikal anderer Gestaltung“ die Rede ist und „führenden kreativen Köpfe der Kommunikationsbranche“, die der ADC unter sich vereine. Eine veränderte Kommunikation, in diesem Fall auf der Ebene des Geschriebenen, vermag ich darin nicht zu erkennen. Leise Töne klingen anders.

Erfreulich ist hingegen, dass der Firlefanz tatsächlich ein Ende zu haben scheint. Das bisherige vielzackige Signet erscheint auch mir denkbar ungeeignet, will man Kommunikation als solche in den Mittelpunkt stellen. Eine „rosa Knalltüte“ als Logo erstickt jede sachliche Diskussion im Keim. Das neue visuelle Erscheinungsbild ist zurückhaltender, was zugegebenermaßen nicht schwierig ist, denn viel mehr Attacke ging auch nicht. Die nunmehr in Überschriften verwendete Le Jeune greift dank ihres großen Schriftschnittkontrastes die Formgebung des behutsam modifizierten Monogramms auf und ergänzt dieses auf ideale Weise.

Mit Hilfe des Redesigns möchte der ADC, so interpretiere ich jedenfalls die Maßnahme, wohl auch das (schlechte) Image als Werberclub ablegen. Hinzu kommt, dass das Interesse am ADC und den von ihm vergebenen Preisen in den vergangenen Jahren gesunken ist, so jedenfalls W&V Online Redaktionsleiter Frank Zimmer, der sich gar zu der Einschätzung hinreißen ließ, der Art Directors Club für Deutschland e. V. sei allmählich der HSV der Werbebranche. Autsch.

Das bloße, unkritische und unreflektierte Abfeiern von Gestaltung/Gestaltungsarbeiten ist mir schon immer suspekt, heute mehr denn je. Wenn ein Award hundertfach vergeben wird, wohlgemerkt in nur einem Jahr, dann fehlt es solch einem Preis schlichtweg an Aussagekraft und Relevanz. Ein Leuchtturm, der Orientierung gibt, kann ein solcher Preis nicht sein. Wenn zudem ein Designwettbewerb eine separate Kategorie „Nachhaltiges Design“ benötigt, dann wird auch daran deutlich, dass hier vor allem strukturell etwas im Argen liegt. Gerade heutzutage sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass jedwede Kategorie eines Designpreises den Aspekt der Nachhaltigkeit umfasst, und zwar als zentrales Kriterium. Sonst ist es kein Design, das ausgezeichnet wird, höchstens hübsche Gestaltung.

Überborden, unübersichtlich, unstrukturiert, laut – so meine persönliche Wahrnehmung in Bezug auf den ADC und wie er sich in den letzten Jahren präsentiert hat. Ich bin gespannt, ob dem neuen, wie ich finde, ansprechenden visuellen Auftritt tatsächlich eine veränderte Identität folgen wird. Hier braucht es schon mehr als ein Manifest, das sich vielleicht gut als PR-Werkzeug macht. Es braucht strukturelle Durchdringung in allen Ebenen.

Und nun bin ich gespannt wie dt-Leser den visuellen Wechsel und die inhaltliche Rückbesinnung empfinden.

Randnotiz: Die Rückbesinnung auf den visuellen Ursprung scheint derzeit im Trend zu liegen (siehe Beyerdynamic, Bahlsen).

Mediengalerie

Weiterführende Links

14 Kommentare zu “Art Directors Club Deutschland (ADC) präsentiert sich im neuen Erscheinungsbild

  1. Der ADC, scheinbar größtenteils über die Top 50 des Page Rankings finanziert, hat über die Jahre immer mehr an Ernsthaftigkeit verloren. Ähnlich dem Red Dot Award ist in meinen Augen eine ADC Prämierung keine wirkliche Auszeichnung im eigentlichen Sinne sondern lediglich Zeugnis davon, dass die jeweiligen Preisträger entsprechend Budget bereitgestellt haben um ihre Arbeiten zu besiegeln zu lassen. Mal mehr mal weniger auszeichnungswürdig – meist einfach „nur“ gutes Handwerk. Es scheint zudem mittlerweile für bekanntere Agenturen ein Muss zu sein, jährlich die Awards Spalte auf der Website aufzufüllen. Eine kritische, sortierte Auswahl herausragender Leistungen der Branche sieht anders aus. Insofern war das Flutschfinger Redesign für mich eine aufregendere Neuigkeit als diese hier.

  2. Das Logo sieht gut aus – nur leider ist es mit den ultra dünnen Haarlinien quasi unbrauchbar. Sieht man ja schon in den hier dargestellten verkleinerten Vorschaubildern.

  3. Wieviele haben daran gearbeitet? Bitte wer war da alles involviert??? Ja ganz nett. Für mich ein Design des Augenblicks. Nichts nachhaltiges. Ich dachte die Genies zeigen uns allen mal wo der Hammer hängt. Machen was eigenes. Neues. Noch nie dagewesenes. So wie sie es uns jahrelang gepredigt haben. Jetzt kann ich zumindest mal sagen, das könnt ihr doch eigentlich. besser. ;)

  4. Für mich ist das kein ‚Neu‘.
    Es ist ein ‚Alles wie gehabt, nur ohne rosa Brandeins-Blingbling.‘
    Wo ist da die Message.

    Handwerk:
    Der schmalere Aufstrich des A haut schon bei 100px Höhe auf weißem Hintergrund ab.

    Noch verunglückter wirkt der dünne Aufstrich, wenn er negativ Weiß ist und vor texturiertem Hintergrund steht. Wurde eigentlich kein Manual entwickelt, das das untersagt?

    Das Hineinragen des C in das D liest sich jetzt wie ein F. War vorher klar nicht so, da vorher das Hineinlaufen in die Serife gekrümmter war.

    Fazit für mich: langweilig und hätte handwerklich und konzeptuell so nie bei meiner damaligen Agentur, wo ich als leidender Angestellter angestellt war, das Haus verlassen.
    Dabei war es gar keine elitäre Designpreis-Agentur, sondern eine strutznormale ADC-UNpreiswürdige Pappenkleber-Kampfagentur, die ihre masochistisch veranlagteMissbrauchs ähm Gebrauchsgrafiker ständig zu Eile antrieb und sie zum Ausgleich nur mäßig ernährte. Hut ab.

  5. Das Logo sieht gut aus – nur leider ist es mit den ultra dünnen Haarlinien quasi unbrauchbar. Sieht man ja schon in den hier dargestellten verkleinerten Vorschaubildern.

    Mir gefällt es sehr gut. Es gibt übrigens eine Logovariante für kleine Größen. Die ist im ganzen etwas stärker. Siehe Website

    • Wow, machen wir einfach eine abgeänderte Logo-Variante für kleine Größen und tun so, als sei das „Responsive Logo Design“! Bescheiden!

      • Ich finde das Logo nicht gelungen (AFD C).
        Aber ich bin der Ansicht, dass es durchaus OK ist für unterschiedliche Medien, Geräte, Auflösungen, Größen etc. leicht angepasste Logo-Varianten zu erstellen die dem entsprechendem Medium gerecht werden. Das ist nicht (mehr) sonderlich unüberlich.

  6. @ Tom
    Bin ich deiner Meinung. Finde das auch zu wenig. Eintönig, ein bisschen langweilig. Haben wir alles schon mal gesehen. Webseite sieht aus wie ein altes Template von vor 3 Jahren. Da habe ich von den Herren, die sich immer über nicht vorhandene Innovation echauffieren echt was Anderes erwartet. Wobei – eigentlich auch nicht!

  7. Also für mich sieht das Logo viel zu klassisch aus, als Vorzeigemarke für die „aktuelle Kunst“. Sicher ist es oft positiv, sich an traditionellem zu orientieren, aber das Ergebnis mit den (wie ich auch finde) viel zu dünnen Linien für die verschiedensten Anwendungen, finde ich nicht zeitgemäß. Eine spezielle Version für kleine Darstellungen ist doch auch wirklich nicht Sinn und Ziel eines fertigen Designs, oder? Das Weglassen des „Stachelkreises“ war sicher ein guter Schritt, jedoch hätte ich hier den alten Font alleinstehend und weitgehend unverändert gelassen…

    Stimme einigen hier zu, dass man sich ruhig etwas völlig Neues, überraschendes, verblüffendes, mit Wow-Effekt einfallen hätte lassen können – dieser Effekt bleibt hier aus. Ein beweihräuchern der Zunft ist hier meiner Meinung nach nicht angebracht.

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