WELT sendet im neuen Design

WELT-Chefmoderatorin Tatjana Ohm im neuen Nachrichtenstudio

Der Nachrichtensender WELT, bis 2018 unter dem Namen N24 aktiv, sendet seit kurzem im neuen Design. Das Redesign erfolgt im Zuge des Umzugs in die Studios im Berliner Axel-Springer-Neubau. Da das gesamte journalistische WELT-Angebot nun unter einem Dach produziert werde, beginne für die Nachrichtenmarke eine neue Geschichte.

Seit letztem Wochenende werden die WELT-Live-Nachrichten im neu bezogenen Studio 1 produziert. Endlich werde nun auch für das Publikum sichtbar, woran man lange und mit viel Leidenschaft gearbeitet habe, so Frank Hoffmann, Geschäftsführer WeltN24. Das neue Nachrichtenstudio sei technisch und optisch absolut State-of-the-Art. „Unsere Liveberichterstattung gewinnt noch einmal Bildstärke und Varianz“, erklärt Hoffmann.

Das 175 m² große Realstudio biete Erzählmöglichkeiten auf verschiedenen Ebenen. Der Studiohintergrund besteht aus einem 30 Meter langen LED-Cyclorama, auf dem die unterschiedlichsten Themen abgebildet werden und die Atmosphäre im Studio immer wieder neu angepasst werden kann. „Um in einer Zeit dynamischer, sich permanent verändernder Nachrichtenlagen dem Publikum überzeugende Live-Berichterstattung mit bestmöglichem Journalismus zu bieten, ist maximale Flexibilität wichtig. Unser neues Live-Studio macht es möglich, auf jede neue Situation schnell zu reagieren und verständlich zu berichten“, so Arne Teetz, Chefredakteur TV & Bewegtbild.

Neues Studio des Nachrichtensenders WELT - Erklärungen

Neues Studio des Nachrichtensenders WELT – Erklärungen, Quelle: WELT

Im Zentrum des nunmehr ganz in Blautönen gehaltene Studios steht ein vom Designer und Creative Producer Florian Wieder entworfener kreisrunder Moderationstisch. Der Tisch sei vielseitig nutzbar; unterschiedliche Gesprächssituationen ließen sich optimal inszenieren, seien es Einzel- oder Zweiermoderationen, Interviews oder größere Runden. Ins Bild gesetzt werden die Moderatorïnnen und Gäste von modernsten Shotoku-Robotic-Kameras, die sich KI-gesteuert selbst im Studio orientieren und über eine Software mit dem Programmablauf der Redaktion kommunizieren. Die noch aus der N24-Markenwelt stammende Akzentfarbe Orange bleibt innerhalb des On-Air-Designs von WELT erhalten.

Den allgemeinen Studioloop für die LED-Screens entwickelte Emmy-Preisträger Falk Rosenthal in Zusammenarbeit mit dem Bereich Marketing & Commercial Sales, Kays Khalil und der Chefredaktion des Senders. Die technische Gesamtleitung der neuen WELT-Studios verantwortet Thorsten Prohm, CTO, in Abstimmung mit der Chefredaktion TV & Bewegtbild. Das Konzept wurde Inhouse entwickelt. Der Generalunternehmer Qvest Media zeichnete für die Realisierung verantwortlich.

Kommentar

Rein technisch gesehen macht das Studio tatsächlich den Eindruck „State-of-the-Art“. Sehr beeindruckend. Was das Visuelle betrifft, so passen die im N24-Stil gestalteten Intros und Outros mit ihrem Kachel-Look nun nicht mehr wirklich zum Designkonzept des Studios mit seinem kreisrunden Moderatorentisch.

Meines Erachtens hätte man hier und da gerne auch einige „Ruhezonen“ einbinden dürfen. Denn die Gesamtoptik bestehend aus Studioloop, LED-Screens, der vielgliedrigen Tischrotunde und vor allem dem stark reflektierendem Boden ist trotz kühlen Blautönen und grundsätzlich ansprechender Gestaltung schon recht unruhig. Irgendetwas bewegt sich zudem immer: Personen, die hinter den Moderatoren durchs Bild laufen („Einblick in den Newsroom“), das Bild selbst (Kamerafahrt), auf LED-Screens dargestellte Visuals und Grafiken, der Ticker am unteren Bildrand … manchmal bewegt sich vieles davon gleichzeitig. Im direkten Vergleich wirken Tagesschau und Tagesthemen geradezu statisch, aber auch deutlich ruhiger.

Wie ein Forscherteam von der Technischen Universität Berlin, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des University College Cork und der Technical University of Denmark herausgefunden hat, wird die Aufmerksamkeitsspanne für ein einzelnes Thema immer kürzer. Und wenn immer mehr Themen ein Stück von der Aufmerksamkeit haben wollen, bleibt für ein einzelnes Thema weniger übrig, so eine in der Studie genannte Erklärung. Sollte das Design eines Nachrichtenstudios diesem Umstand Rechnung tragen? Ich meine schon. Es ist nachvollziehbar, dass ein Sender, dessen Geschäft es nun einmal ist Nachrichten „zu verkaufen“, darum bemüht ist, die Aufmerksamkeit des Zuschauers hoch zu halten. Jede Bewegung einer Kamera, eines Diagramms, eines Einspielers, einer Meldung im Tickerband u.v.m. wirkt wie ein Appell: „Bleiben sie bei uns!“. Der auf diese Weise erzeugten Sogwirkung sollte man sich als Zuschauer bewusst sein, gerade in an Ereignissen und Eilmeldungen reichen Zeiten wie dieser. Das Dauerfeuer negativer Nachrichten kann Menschen krank machen, wie Psychiater und Stressforscher herausgefunden haben – mehr dazu unter Datenvisualisierung: Deutschland in der dritten Welle. Diesem Sog widerstehen können wir, indem wir öfter mal Peter Lustigs legendärer Abmoderation folgen: „Abschalten!“

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20 Kommentare zu “WELT sendet im neuen Design

  1. Ich kann mich noch gut an die Vorstellungen der neuen Nachrichtenstudios vom ZDF und vom Ersten erinnern, da wurden auch technische Spielereien angepriesen (im ZDF die Erklärgrafiken, in denen der Moderator herumlaufen konnte, im Ersten die 3D-Bilder, die sich wie Magie aus der Panoramawand “herausbewegen”. Im hektischen Nachrichten-Alltag bleibt für sowas überhaupt nicht die Zeit und am Ende sind es auch nur Studios mit Menschen – mal schauen, wann auch der aus dem Computer kommt …

  2. Schönes neues Design und endlich echte arbeitende Menschen hinter Milchglas, die Animationen vorher konnte man ja nicht für Ernst nehmen.

    Das Sprecherpult bzw. diese ganze Insel erinnert mich nur stark an eine Zeitschaltuhr, wo man diese Stifte herunterdrücken muss, wenn der Strom laufen soll.

    • Das waren schon immer echte, arbeitende Menschen. Das Studio von N24 stand seit vielen Jahren schon mitten im Newsroom.

      • Ach entschuldige, du hast recht. Ich hatte das mit n-tv verwechselt.
        Dort sind die “Animationen” auf den Screens der MA herzlich schrecklich.

    • Daran musste ich auch zuerst denken!
      Wurde der Moderationstisch von Maybrit Illner auch von Florian Wieder entworfen?

  3. Ich dachte da zuerst an ein Raumschiff. Zu kühl und technisch, die Farben wirken aber besser als im Ersten und beim ZDF. Bin daher etwas zwiegespalten. Muss ich erstmal live angucken, obwohl ich N24 (mittlerweile WeLT) ewig nicht mehr geschaut hab.

  4. Finds auch zu spacig und auch recht überladen. Sieht man gut bei Bild 3. Tische und Plattform haben überall Rillen, überall Displays und Unterteilungen, nichtmal der Boden ist einfarbig.

  5. Das Neue welt-Set-OnAirDesign ist eine ECHTE Augenweide. Mir gefällt alles sehr! Wirkt alles aufeinander abgestimmt und stimmig. Es geht also DOCH, wenn man nur möchte. Zunehmend nerven mir beispielsweise virtuelle Welten wie ZDF-heute oder RTLaktuell. Aber RTL möchte sich ja im Sommer 2021 davon verabschieden. Mal sehen …

  6. Stimme Achim im Eingangskommentar im Großen und Ganzen zu. Es wirkt zwar modern und gut aufeinander abgestimmt, aber die Informationsflut, die man alleine durch das Studio erhält, kann doch sehr von den eigentlichen Nachrichten ablenken.

    In dem Zusammenhang wäre sicherlich auch ein Update des OnScreen-Designs ratsam gewesen. Die alten Intros mit dem neuen Studio wollen nicht so ganz harmonieren.

    Übrigens: Im gleichen Zuge haben auch die anderen Sender der ProSiebenSat.1-Senderfamilie (ProSieben, Sat.1 und kabel eins) neue Nachrichten-Studios erhalten. Auch hier wurden die alten Intros beibehalten.

    • Ich finde diese schlecht-gerenderten virtuellen Studios absolut furchtbar. Strömen in meinen Augen auch überhaupt keine Seriosität aus, sondern wirken einfach nur billig.

      • Dem kann ich nur zustimmen!
        Bleibt zu hoffen, dass ProSiebenSat.1 ab 2023, wenn der Vertrag mit WELT ausläuft und sie ihre Nachrichten selbst produzieren, auch schöne (hoffentlich reale) Studiosets erhalten…

      • Beim Sat.1 Studio sieht es aus, als würde der Moderator gefährlich nah am Abgrund stehen.

  7. Ich finde das neue Studiodesign eigentlich ganz gelungen. Was mich allerdings stört, sind diese furchtbar hässlichen Bürostühle. Wenn nur eine Person im Studio sitzt, geht es noch, denn der Tisch kann das Sitzgestell ganz gut verdecken. Bei einer Doppelmoderation hingegen ist immer etwas zu sehen (mindestens die schwarzen Rollen der Stühle). Wenn die Stühle wenigstens weiß oder grau wären, würde es wahrscheinlich gar nicht so stark auffallen oder der Tisch etwas breiter gestaltet wäre, sodass man nichts von den Stühlen sehen müsste. Das fand ich auch am alten Studio schon schrecklich. Es zerstört ein bisschen die Harmonie im Gesamtdesign. Es muss doch Sitzmöglichkeiten für die Moderator*innen geben, die sich besser ins Designbild integrieren lassen. Verstehe überhaupt nicht, dass die Verantwortlichen dafür offenbar keinen Blick haben.

  8. Wenn alles immer hektischer wird, könnte man mit einem etwas ruhigeren Studiodesign das ganze zumindest optisch etwas entschleunigen. Leider hat man stattdessen auf allzu überladenes Design gesetzt. Und durch das direkte Zitat aus dem Illner-Studio (Tisch) wirkt es auch nicht innovativ, sondern eher wie schon x-mal in ähnlicher Variante anderswo gesehen. Eine vertane Chance, obwohl das ganze durchaus gut aussieht.

  9. Ich habe diese Mode noch nie verstanden, weshalb Moderatoren und -innen so einsam verloren in einem so riesigen Plaste- und Elaste-Design-Studio herumstehen-/sitzen und reden müssen.

    Eine überladene Materialschlacht an Rundgebogenem, aseptisch Spiegelndem und Hochglänzendem, dass mir das Auge weh tut. Dahinter dann noch das aufs Riesigste aufgeblasene Coronavirus – wie mittelalterliche Geißel-Stachelkugeln an der Wand, damit auf keinen Fall der Wunsch der Augen zu verweilen aufkommt.

    Und diese Stühle dazu … :
    Nö.

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