Tagesschau sendet aus neuem Studio

Tagesschau ab 19. April aus neuem StudioBildquelle: NDR/Thorsten Jander

Die „Tagesschau“ sendet ab kommenden Samstag aus dem neuen Studio. Es ist das seit mehr als einem Jahr erwartete Redesign für Deutschlands älteste Nachrichtensendung.

Bereits im März 2013, so NDR Sprecher Martin Gartzke, wurde das Studio, aus dem zukünftig „Tagesschau“, „Tagesthemen“ und weitere Formate gesendet werden, weitestgehend fertig gestellt, zumindest baulich. Da es jedoch keinen Zeitdruck gebe, kümmerte man sich seitdem um Nachbesserungen bei der Software. „Erst wenn das Team sicher ist und alles zu 100 Prozent läuft, wird gesendet“, schrieb mir Gartzke noch vergangene Woche. Nachdem BILD fälschlicherweise im Dezember 2012 eine Meldung verbreitet hatte, wonach das neue Design zum 2. Weihnachtsfeiertag 2012 hätte live gehen sollen, ist es nun also wirklich so soweit.

Das Studiodesign ist neu und wirkt aufgrund der Beibehaltung der prägenden Hausfarbe Dunkelblau zugleich vertraut. Im Vergleich zum alten Studio (siehe Links unten) sind die Farben im neuen Set nicht mehr so satt, so sind die Tische nicht mehr rötlich, sondern weiß-grau. Notebooks, etwa wie beim heute journal, werden auf der blau-schimmernden Oberfläche der Tische nicht abgelegt, denn die Tische verfügen bereits über entsprechende Computer-Displays.

Dunkle Holzoptik, die an die Planken eines Schiffes erinnert, sorgt für Bodenhaftung der Moderatoren. Auch weiterhin werden alle Texte innerhalb des On-Air-Designs in der Thesis TheSans beziehungsweise der Thesis TheSerif gesetzt. Auffallend anders hingegen: Bildbeiträge werden nun nicht mehr in einem Fenster, innerhalb eines begrenzten Rahmens eingeblendet, sondern erscheinen vollflächig im Hintergrund. „Mit großformatigen Fotos können wir die Themenausdrucksstärker, authentischer und emotionaler bebildern. Das erhöht die Verständlichkeit. Wir möchten den Zuschauerinnen und Zuschauern seriösen Nachrichtenjournalismus in einer ansprechenden und modernen Aufmachung bieten.“, so Dr. Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell.

Ein Gestaltungskonzept, das neugierig macht. Aufgrund der großen Anlauf- und Testphase sollte man erwarten, dass es Kinderkrankheiten wie beim ZDF, seien es ruckelnde Kamerafahrten, Probleme bei der Darstellung der Schriften wie auch in Bezug auf Anchorman-angemessene Kleidung (siehe Bauch zeigen), nicht geben wird. Gespannt sein darf man nicht nur auf das neue Design in Aktion, sondern auch den neuen Klang. Zum siebten Mal wurde die tagesschau-Titelmelodie neu arrangiert, Komponist Henning Lohner ist hierfür verantwortlich. Die Gesamtkosten für das neue Studio samt neuer Optik belaufen sich auf 23,8 Millionen Euro, darin sind auch die Ausgaben für das Design, die Studioeinrichtung, für Mitarbeiterschulungen, den Probebetrieb und die Wartung für mehrere Jahre enthalten.

Mediengalerie

Hier noch einmal zum Vergleich der 360-Grad-Blick ins alte Studio sowie ein 360-Grad-Video vom alten Studio.

Ein kleiner Appetitmacher auf das neue Design

Weiterführende Links:

[Update 20.04.2014]

Ansichten der Premiere

33 Kommentare zu “Tagesschau sendet aus neuem Studio

  1. endlich sieht die tagesschau so aus wie es amerikanische tv- studios von vor 10 jahren taten! nur halt in blau. der moderator ist leider noch der alte. ich erwarte mehr männliche sexyness. so wie bei n-tv :-)

    ein prosit der gemütlichkeit!

  2. Im Großen und Ganzen gefällt es mir wirklich gut. Interessant finde ich, zu Beginn die Bilderübersicht der einzelnen Themen zu sehen, das macht neugierig. Das Studiodesign ist einfach Klasse. Schade, dass die Ausnutzung der Möglichkeiten wohl nicht in der Tagesschau (in den Hauptnachrichten), sondern erst später in den Tagesthemen zum Zuge kommt. Allgemein fällt mir aber auf, dass ich bei dem vollflächigen Hintegrundbild an die 80er Jahre erinnert werde, da auch die Sprecher optisch etwas kleiner rüberkommen. Kann aber im Moment noch nicht einordnen, ob das positiv oder negativ ist.

    Obwohl es hier eher um bildhaftes Design geht, das musikalische Intro finde ich sehr reduziert (im Vergleich z.B. mit dem aus den 90ern) aber trotzdem anmutig und aufwertend. Es erinnert an die alten Klassiker. Zum Ende fehlt mir diese Fanfare allerdings etwas, da hier nur ein weniger auffälliges Outtro verwendet wird. Man hätte – um weiteres Retro-Feeling zu erzeugen – zum Ende der Wetterkarte auch noch die Typischen Piep-Geräusche wieder einbauen können, in einer etwas modernisierten Form, versteht sich.

    Einige Fragen bleiben noch offen, z.B. warum auf dem im Tisch integrierten Bildschirm trotzdem noch ein Stapel Papier liegen muss, also “entweder/oder” aber nicht Beides.

    Alles in Allem aber richtig gute Arbeit!

  3. Da möchte ich mich dann auch nicht mehr zurückhalten und grinsend die Titanic zitieren.
    Die Titanic – wie immer platt und entwürdigend unterwegs – sieht das natürlich nichtswürdigerweise so:
    Tagesschau ab 19. April aus neuem Studio

  4. Diese neue Erkennungsmelodie der Tagesschau erinnert mich an Erkennungsmelodien der Nachkriegszeit im Radio, als man sich noch nicht von den bombastischen Erkennungsmelodien, die in der Nazizeit die Hörer ansprechen sollten, entfernt hatte. Beispiele kann ich Ihnen aus meinen Archiven vorführen.

  5. Ich liebe die Tagesschau! Also inzwischen. Zumindest mal von der Aufmachung, auf die Berichterstattung kann man hier schlecht eingehen.

    Ich mein: Ich habe mich seinerzeit über das neue heute-Studio, die sog. “Grüne Hölle”, gefreut. Vor allem wegen der ganzen neuen Grafik-Technik. (Vielleicht war das aber auch nur der Zauber, der jedem Anfang inne wohnt.) Auch sonst fand ich die ZDF-Nachrichten frischer als das ARD-Pendant.
    Aber zum einen ging mir sehr schnell das schwebende Pult (durch das virtuelle Studio) auf den Keks. Zum anderen habe ich besonders in den letzten Tagen (aktuelle Zeit der Vergleiche) festgestellt, dass die ZDF-ModeratorInnen die Nachrichten mit (viel!) Mimik versehen. Dadurch wirkt das alles leider leicht verschwörerisch. Oder auch belehrend. Und die “Grüne Hölle” von RTL habe ich gar nicht mitgekriegt, weil ich schon vor vielen Jahren aufgehört habe, mich über RTL aktuell zu informieren. War/Ist mir zu reißerisch. Ähnlich bei Sat.1, die aber ja auch häufig den Sendeplatz wechselten. Die ProSieben Newstime hat bei mir auch nie stattgefunden. Und bei den RTL 2 News von Nachrichten zu reden, naja …
    Bei der Tagesschau hingegen fühle ich mich irgendwie ‘geborgen’. Und zurückhaltend und auf den Punkt informiert. (Das bezieht sich konkret auf die Hauptnachrichten Tagesschau bzw. Heute.) Das ZDF erscheint dadurch wie “die Privaten unter den Öffentlich-Rechtlichen”.
    Das ist aber alles Gefühlssache und mag auch mehr an meiner persönlichen Entwicklung oder gar Erziehung liegen.

    Zuletzt hatte ich allerdings speziell mit dem Tagesschau-Design so meine Probleme (Stichwort “begrenzter Rahmen”). Das neue Tagesschau-Studio und -Design hingegen erzeugt in mir wieder eine Art Freude oder Spaß (“Sehvergnügen”?), die Nachrichten der ARD zu schauen.

    Das Studio an sich, besonders die Pulte, wirken auf positive Weise (wie schon geschrieben) elegant, schlicht und seriös. Die Fanfare besinnt sich zurück auf das Klassische und ist dabei erhaben. Den Hauptnachrichten der Republik angemessen (zumal teil-staatlich). Fast schon staatstragend, vielleicht aber auch ein bisschen zu staatstragend, kommt einem doch der Gedanke ‘Kommt gleich ein Statement von Putin?’.
    Die Intro-Melodie der Tagesthemen ist getragen, fast schon nicht mehr als Fanfare zu bezeichnen. Das Getragene mag der fortgeschrittenen Stunde (meist ja 22:15) angemessen sein. Der Sendung hingegen – in der Regel (Mo.-Do.) 30 Min. lang und im Gegensatz zu den Hauptnachrichten mit mehr Hintergrundinformationen – eher nicht. Passender vielleicht für’s Nachtmagazin. Dort wird eine zum Ende hin ‘hellere’ Version (höhere Töne) der Tagesthemen-“Fanfare” angewandt. Fast wie für einen Sonnenaufgang. Könnte für die Tagesthemen passen.* (Also vielleicht tauschen.)

    Die Ansage ist (zu) betont sachlich, zurückhaltend. Dadurch fast ein bisschen kühl, distanziert gar. Dass die Vorstellung der Sprecherin/des Sprechers an die Fanfare anschließt, erzeugt (bei Tagesschau und Tagesthemen) für Zuschauer/-in wie für Sprecher/-in bzw. Moderator/-in eine Pause, die nicht so recht passen will. Die vielleicht auch gar nicht dahin gehört. Beim Nachtmagazin wird diese Pause dadurch ‘überbrückt’, dass die Moderatorin/der Moderator zunächst hinter dem rechten Pult steht und dann nach rechts vor die Wand geht.

    Die Übersicht der fünf Hauptthemen auf der neuen Medienwand ist schon mal ein guter, allerdings auch nur erster Ansatz, diese auch im Tagesschau-Bereich zu nutzen. Die Bilder sind allerdings zu schnell ‘unterwegs’ und somit auch schon wieder zu schnell weg, so dass sich wohl kaum ein Zuschauer tatsächlich einen Überblick wird machen können.
    Das bildschirmfüllende Bild zum gerade behandelten Thema finde ich sehr gut, löst es doch den Raum (“begrenzter Rahmen”) etwas auf. Ob allerdings immer Nah- bzw. Detailaufnahmen genutzt werden müssen oder sollten, darf nochmal kritisch hinterfragt werden.
    Bei Interviews/Reporterschalten (Tagesschau) setzt der untere Bildrand hingegen sehr hoch an. Zu hoch.

    An den Button unten links (bzw. bei Tagesthemen rechts) muss man sich erst noch gewöhnen. Vielleicht sollte er etwas zurückgenommen werden (also transparenter dargestellt). Der Seitenwechsel der Marke bei den Tagesthemen (für den Tagesschau-Nachrichtenblock) erscheint logisch, da somit eine Konstante zwischen Tagesschau-Hauptausgabe und Tagesthemen-Nachrichtenblock abgebildet wird.** Allerdings überlege ich, ob es dann nicht besser wäre, dort tatsächlich “Tagesschau” aufzuführen, oder zumindest “Tagesthemen-Nachrichten” (vgl. Medienwand beim Moderatorenwechsel)…
    Das Nachtmagazin, auch mit Nachrichtenblock, führt seine Marke dann aber wieder konstant links.
    Durch die ständige Nutzung der Marke ist zudem das ARD-Logo doppelt vorhanden!
    Die zweilagige “Ortsmarke” finde ich wiederum sehr gelungen.

    Wie sagt man so schön: Ich feiere die Tagesschau gerade ein bisschen! :-)

    * Der jeweilige “Vorspann” kann hier abgerufen werden (jew. Seitenende):
    http://intern.tagesschau.de/sendungen/tagesschau/
    http://intern.tagesschau.de/sendungen/tagesthemen/
    http://intern.tagesschau.de/sendungen/nachtmagazin/
    ** Bei dwdl.de hat man das wohl nicht sofort so erkannt: http://www.dwdl.de/meinungen/45549/die_70er_show_ueber_die_neue_alte_tagesschau/

    Grüße aus Köln, Rapha
    (aka Rafael Sabbat [FB], Nando-Raffael, Ranico, Rani Coellonia)

  6. Die heutige (27.04.2014) 20-Uhr-Ausgabe hatte wieder einen anderen Vorspann:
    Keine Kamerafahrt durchs Studio, sondern ein blauer Hintergrund, der nach der Fanfare direkt von der Papst-Berichterstattung überblendet wird. Und apropos Fanfare: Das war weder die (erneuterte Fanfare) der Tagesschau, noch die (neue) der Tagesthemen, noch die (neue) des Nachtmagazins, noch die zum Ende der Sendungen, sondern wieder eine etwas andere Variante. Bin jetzt etwas verwirrt, ehrlich gesagt.
    (Zu sehen ist die Ausgabe der Tagesschau inklusive des merkwürdigen Vorspanns auf http://www.tagesschau.de).

  7. Mir ist aufgefallen: Teilweise werden die großen Bilder gar nicht über volle Breite gezogen, da sonst manche Bildinhalte abgedeckt würden. Eine Regel dafür habe ich aber noch nicht erkennen können.

    Zum Sound: Der ist wirklich recht bombastisch. Mich erinnert er vor allem an Star Trek. Ich sehe vor meinem geistigen Auge jedesmal die USS Enterprise ablegen …

  8. Wichtig wäre es, wenn man das Große Bild im Hintergrund nicht ständig sieht, die Nachrichtensprecher gehen dadurch verloren.

  9. @Okfm: Die Tagesthemen hatten am Sonntag auch diesen Vorspann, die Musik blieb hier allerdings die normale der Tagesthemen. Ich denke, das ist eine Spezial-Variante des Intros, die bei großen Nachrichtenereignissen eingesetzt wird, um diese noch mehr hervorzuheben.

    Allerdings habe ich mich schon gewundert, warum man das bei der Heiligsprechung eingesetzt hat. Offensichtlich hat man bei ARD-Aktuell die Heiligsprechung von zwei Päpsten an einem Tag für so besonders gehalten, dass man sich für die Spezial-Version entschieden hat. Ich persönlich hätte anders entschieden.

  10. >Die ARD gibt 23 Millionen Euro für ein neues Studio aus – für eine neue Gestaltung, die jeden Abend in die Wohnzimmer in ganz Deutschland gesendet wird

    Wem es um ehrliche Berichterstattung geht, der braucht kein aufwendiges Blendwerk.
    Werbung und Klinkenputzer bedienen sich solcher Mittel, um das Produkt schöner erscheinen zu lassen, als es in Wirklichkeit ist. Und die schlichten Gemüter hier freuen sich auch noch darüber, daß ihr täglicher Einlauf jetzt noch effektiver ist.

    >Eine bessere Gestaltung für Werbung gibt es gar nicht.
    Fixiert.

    War alles. Schlaft weiter.

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