Überspringen zu Hauptinhalt

Tucher Bräu schreibt die Geschichte der Marke neu und modifiziert die Darstellung des „Mohren“

Tucher „Münz-Logo“
Tucher „Münz-Logo“, Quelle: Tucher Privatbrauerei

Bereits vor gut einem Jahr hatte Tucher Bräu einen Marken-Relaunch durchgeführt und in diesem Zusammenhang sowohl das Design der Etiketten wie auch das der Mehrwegkästen grundlegend erneuert. Auch die Form der Flaschen wurde modifiziert. Dass in diesem Zuge auch das Marken- und Erkennungszeichen der fränkischen Traditionsbiermarke, der „Tucher-Mohr“, ein umfassendes Facelift erhalten hat, ist bislang weitestgehend unbemerkt geblieben.

Als die Vorarlberger Mohrenbrauerei vor wenigen Wochen ihr überarbeitetes Logo- und Etikettendesign der Öffentlichkeit präsentierte, war ihr die Aufmerksamkeit über die Landesgrenze hinweg gewiss. All jene Unternehmen, Marken und Städte, die den „Mohr“ im Namen führen oder eine entsprechende schwarze Figur im Markenzeichen bzw. im Wappen verwenden, sehen sich schon seit längerer Zeit mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Insbesondere im Umfeld von Social Media wie auch in den jeweiligen lokalen Medien sorgt das Thema deshalb für Aufregung. Die signifikante Anpassung des Tucher-Markenzeichens – seit mehr als 160 Jahren ist im Wappen der Brauerei ein „Mohrenhaupt“ dargestellt – hat sich hingegen bis heute vollständig außerhalb des Radars der Öffentlichkeit vollzogen.

Während die Mohrenbrauerei an ihrem Logo, mit den Verweis auf den historischen Bezug und der ihrer Ansicht nach nicht-rassistischen Konnotation des schwarzen Kopf-Signets, in einer nur leicht veränderten Form festhält, wechselt Tucher Bräu auf eine gänzlich unterschiedliche Darstellung. Fast durchgehend verwendet Tucher Bräu auf seinen Produkten/Flaschen seit dem Rebranding, anstelle einer schwarz-goldenen Kopfdarstellung mit krausem Haar, nun eine schwarz-weiße Silhouette von zwei sich überlagernden Köpfen, siehe nachfolgende Abbildung.

Tucher Mohr – vorher und nachher
„Tucher Mohr“ – vorher und nachher, Bildquelle: Tucher Privatbrauerei, Bildmontage: dt

Bedingt durch die deutlich veränderte Formgebung ändern sich Ausdruck und Charakter des Kopf-Signets. Die bisherige Gestaltung kann klar als eine Figur männlichen Geschlechts mit schwarzer Hautfarbe gedeutet werden. Die neue, Scherenschnitt-gleiche Formgebung ist in Bezug auf ihre Rezeption hingegen weniger konkret bzw. vage. Weder das Geschlecht, noch die Hautfarbe der Figuren sind erkennbar. Denn tatsächlich formen die Silhouetten, eine weiße und eine schwarze, im neuen Logo nunmehr zwei unterschiedliche Köpfe. Dabei ermöglicht die neutrale Formgebung reichlich Interpretationsspielraum. So könnte es sich bei den zwei Köpfen um eine hellhäutige und eine dunkelhäutige Person handeln, um eine männliche und eine weibliche oder um eine ältere und eine jüngere. Der ins Logo neu aufgenommene umlaufende Text „Heiliger Mauritius – Sanctus Mauritius“ dient gewissermaßen als Erklärung, dass die Abbildung in Zusammenhang mit eben jenem Mauritius steht.

Innerhalb der üppigen Gestaltung der Etiketten auf Weizenflaschen geht die veränderte Kopfform fast unter. Allerdings handelt es sich in diesem Fall nicht nur um ein unwesentliches Schmuckelement, sondern um ein für die Marke Tucher Bräu seit mehr als 160 Jahren zentrales Erkennungszeichen. Der „Tucher-Mohr“ ist seit 1855 eine wesentliche und identitätsstiftende Figur von Tucher Bräu. Eine Tradition, auf die man stolz sei, wie das zur Radeberger Gruppe gehörende fränkische Unternehmen ungeachtet der zunehmend hitziger gewordenen Debatte über das „M-Wort“ bis zuletzt bekräftigt hat. Anfang 2019 beispielsweise setzte sie im Zuge der Neugestaltung der Rotbier-Etiketten auf eine vergrößerte, holzschnitthafte Darstellung des „Mohrenkopfes“, um damit dieser Biersorte eine Art Retro-Look zu verpassen. Dieser Kopf, eine ziemlich unförmige, grotesk anmutende Gestalt mit karikaturesken Zügen, prangt auch aktuell noch auf den Rotbier-Flaschen. Auf den anderen Produkten kommt hingegen die neue neutrale Silhouettenform zum Einsatz. Innerhalb der Website wiederum, die sowohl technisch wie optisch als veraltet anzusehen ist (Screenshot), wird derzeit noch die Version mit schwarz-goldenem „Mohren“-Kopf verwendet.

Dass die Umstellung auf eine neue Kopfform bisher weitestgehend unbehelligt vonstatten ging, dürfte viel damit zu tun haben, wie seitens der Tucher Privatbrauerei zu diesem Thema kommuniziert worden ist. In der anlässlich des jüngsten Rebrandings vom Unternehmen veröffentlichten Pressemeldung (PDF) wird die Anpassung der identitätsstiftenden „Mohren“-Darstellung nämlich mit keinem Wort erwähnt. Anders als etwa die Mohrenbrauerei, die im Rahmen des letzten Redesigns eine Debatte über die Frage, inwieweit die „Mohren“-Darstellung in ihrem Logo rassistisch ist, aktiv und offensiv geführt hat, scheint man sich bei der Tucher Brauerei für eine entgegengesetzte Strategie entschieden zu haben. In der genannten Pressemeldung wird seitens der Tucher Brauerei stattdessen, und bei diesem Terminus handelt es sich offenbar um eine Neuschöpfung, auf das „Münz-Logo mit Heiligem Mauritius“ eingegangen. Tatsächlich ähnelt die kreisrunde, goldene, plastisch wirkende Form der einer Münze.

Tucher Weizen 0,5l Flasche – vorher und nachher
Tucher Weizen 0,5l Flasche – vorher und nachher, Bildquelle: Tucher Privatbrauerei, Bildmontage: dt

Das Redesign bei Tucher Bräu ist deshalb besonders, da die Überarbeitung der Formgebung überdies die Umschreibung der Identität beinhaltet, sowohl die der Brauerei wie auch die ihrer Marken. Auf den kürzlich neu im Markt eingeführten Mehrwegkästen wird nicht mehr, wie bisher, die Jahreszahl 1672 als historischer Bezugspunkt ausgewiesen, dem Jahr der Brauereigründung, sondern das Jahr 1855, dem Jahr, in dem das Königreich Bayern die Brauerei an die Familie von Tucher verkauft hat, welche darauf hin ihr Bräuhaus in „Freiherrlich von Tucher’sche Brauerei“ umbenannte. Da Traditionen und Geschichte gerade in der Braubranche von herausragender Bedeutung sind, und ein weit zurückliegendes Gründungsjahr auch in anderen Branchen gemeinhin als Qualitätsmerkmal angesehen wird, ist die erfolgte Neudatierung außergewöhnlich. Im Rahmen der Umdatierung wurde zudem ein neues Unternehmenslogo eingeführt, wodurch deutlicher zwischen Markenauftritt und Unternehmensauftritt unterschieden werden kann.

Die Anpassung als historische Zäsur zu bezeichnen, ist also keinesfalls übertrieben. Seit über zehn Jahren verantwortet Kai Eschenbacher als Marketingdirektor das Branding der Marken bei Tucher Bräu. Eine personelle Veränderung, bekanntlich sehr oft Grund dafür ist, dass Unternehmen und Marken sich visuell neu ausrichten, scheint in diesem Fall nicht der Anlass für die vorgenommenen Änderungen zu sein. Gut möglich, dass im Unternehmen schlichtweg ein Umdenken stattgefunden hat. Ein auf YouTube wie auch auf der Website der Brauerei veröffentlichtes Video, in dem Brauereiführer „Helmut“ auf die Besonderheit des Logos samt „Tucher-Mohr“ eingeht, wurde in den vergangenen Monaten gelöscht. Derzeit ist es auf dem Server Tucher.de noch unter dem folgenden Link zugänglich.

Wer will es in Zeiten von HateSpeech, verbaler Gewalt und Boykottaufrufen Unternehmen verdenken, wenn sie den öffentlich ausgetragenen Dialog mit ihren Kunden meiden. Auch um keinen Anlass für einen Shitstorm zu bieten. Wenn man sieht, wie die Vorarlberger Mohrenbrauerei für ihre Maßnahme kritisiert und auch angefeindet wurde – bis heute ist ihre Facebook-Fanpage offline –, obwohl sie in dieser Frage Dialogbereitschaft erkennen ließ, so jedenfalls meine Wahrnehmung, dann ist leicht nachvollziehbar, wenn andere Unternehmen in ähnlichen Situationen Aufmerksamkeit eher scheuen. Nicht den Dialog zu suchen, oder erst, wie zuletzt bei Wolters geschehen, viel zu spät, kann allerdings nicht die Lösung sein.

Offenkundig wird in Nürnberg derzeit versucht, die Geschichte von Tucher-Bräu ein Stück weit neu zu schreiben und den Kern der Marke neu zu definieren. Bei Tucher-Bräu scheint man sehr darum bemüht, wohl um keine Angriffsfläche in Bezug auf das Thema Rassismus zu bieten, das Kapitel „Tucher-Mohr“ hinter sich zu lassen. Was auch deshalb bemerkenswert ist, da der Familienname Tucher seit dem frühen Mittelalter, und zwar mindestens seit dem Jahr 1345, unmittelbar mit der Person Mauritius und ihrer im Wappen dargestellten Gestalt eines dunkelhäutigen Mannes verknüpft ist.

Unser heutiger Blick auf die Geschichte ist (nicht nur) in Bezug auf namensgebende Persönlichkeiten ein anderer, als noch vor einigen Jahren. Das wird unter anderem anhand der in vielen deutschen Städten erfolgten bzw. geplanten Umbenennung von Straßen und Plätzen deutlich, die im Zuge von wissenschaftlichen Überprüfungen Namen von Personen bekamen/bekommen, deren Vergangenheit, im Kontext Nationalsozialismus, als unbelastet angesehen werden. Kriege haben Menschen allerdings zu allen Zeiten geführt, nicht nur im 20. Jahrhundert.

Mauritius war der Legende nach ein aus Oberägypten stammender Befehlshaber und Soldat, der im Zuge der Christenverfolgung im spätrömischen Kaiserreich 302 n. Chr. als Märtyrer hingerichtet worden sein soll. Noch im 4. Jahrhundert sprach ihn die römisch-katholische Kirche heilig. Im Laufe der Jahrhunderte wurde Mauritius aufgrund seiner ihm zugesagten Standhaftigkeit im Glauben vor allem von Rittern und Adeligen verehrt, denen er als militärisch-ritterliches Vorbild galt, weswegen sie ihn als Wappenfigur erwählten. Für Städte wie Coburg, Mandach (Schweiz) oder Ingolstadt gilt Mauritius heute noch als Schutzpatron. 2019 wurde in Ingolstadt gar eine neue Statue zu Ehren des Mauritius am Rathaus errichtet, um so, wie es heißt, den christlichen Ursprung der Stadt zu verdeutlichen. Mauritius galt und gilt vielen Menschen als positives Beispiel, für die eigenen (christlichen) Überzeugungen, Haltungen und Werte einzustehen.

Verschiedene Forscher, darunter der Brite David Woods, vermuten, dass es sich bei der Geschichte um den Märtyrertod von Mauritius und der von ihm angeführten Thebaischen Legion um reine Fiktion handelt. Derlei Erzählungen, Geschichten, Mythen und Legenden, letztere bisweilen zum romantischen Heldenepos verklärt, wie sie seit Jahrtausenden uns Menschen begleiten, sind Lebenshilfen von grundsätzlicher Art. Sie dienen der Suche nach dem Ursprung und dem Sinn der eigenen Existenz.

Ob sich das jeweils Geschilderte tatsächlich zugetragen hat, scheint dabei weniger bedeutsam zu sein, als das, was es in uns Menschen bewirken kann: Ansporn, Hoffnung (auf Erfolg), Bestätigung unser Selbst, Steigerung des Selbstbewusstseins, Bestätigung des eigenen Könnens. Modernes Storytelling, wie es von Unternehmen wie Apple, Nike oder Mercedes Benz propagiert wird, wirkt auf uns in gleicher Weise motivierend und bewirkt ebenso wie tausende Jahre alte Mythen die Bestätigung unserer Selbst. Deshalb verfallen wir Marken, die uns gute Geschichten erzählen, so leicht und so gerne. Ob diese der Realität entsprechen, ist dabei zweitrangig.

Für die Tucher Brauerei wird Maritius, so lässt sich am jüngsten Rebranding ablesen, sprachlich wie auch visuell ein historischer Bezugspunkt bleiben. Von den in der Vergangenheit oftmals überzeichneten Kopfdarstellungen und Karikaturen scheint man sich in Nürnberg jedoch trennen zu wollen. Was gut ist, denn ein in dieser Weise dargestelltes unförmiges Konterfei kann wohl kaum als Zeichen der Wertschätzung für eine Person angesehen werden. Wenn eine Darstellung nicht als abwertend oder gar rassistisch angesehen werden soll, muss diese auch dem Wohlgefallen entsprechend gestaltetet sein und formal-ästhetischen Kriterien genügen. Der Ton macht die Musik, wie auch die Form den Unterschied im Visuellen und der damit verbundenen Aussage macht.

Es sind verrückte, verwirrende Zeiten. Während einige Menschen jegliche Form von „Mohren“-Darstellungen ächten und die Umbenennung von Apotheken und Gasthäusern erwirken wollen, werden Produkte von Tucher Bräu, die eine scheußliche Darstellung einer Person mit schwarzer Hautfarbe enthalten, mit einem Designpreis dekoriert, dem German Design Award 2021.

Wenn die Debatte über potentiell rassistisch konnotierte Logos und Wappen weniger hitzig geführt werden würde, wäre schon viel gewonnen. Geschichte ausradieren zu wollen, indem man Denkmäler stürzt, Pippi-Langstrumpf-Bücher aus öffentlichen Bibliotheken aussortiert und „Mohren“-Darstellungen grundsätzlich verbannt, obwohl diese zum kulturellen Erbe gehören, scheint mir der falsche Weg zu sein. Auch der Umgang mit Zeichen braucht, sofern wir aus Fehlern lernen wollen, die öffentliche inhaltliche Auseinandersetzung.

Mediengalerie

Weiterführende Links

Teilen

Dieser Beitrag hat 32 Kommentare

  1. Danke für den ausführlichen Artikel. Eine Detailfrage zum Design: Fußt die Beschreibung, der Kopf würde aus 2 Silhouetten bestehen, auf einer entsprechenden Unternehmensinformation, oder ist das eine Interpretation? Mein erster Eindruck war nämlich, es würde sich schlicht um eine abstrahierte dreidimensionale Glanzlinie handeln.

    1. Bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, dass sich bei den beiden Silhouetten die Form sowohl der Haare, und stärker noch die von Stirn und Nase unterscheiden. Interpretationsspielraum kann ich in dieser Deutung nicht erkennen. Die Stirn des schwarzen Kopfes beispielsweise ist sichtlich flacher.

      1. Ich hätte es in diesem Fall auch eher als ein Gegenlichprofil gedeutet, ähnlich wie hier:
        https://www.shutterstock.com/de/image-photo/female-profile-on-black-background-monochrome-440861833
        Also ein Profil, das durch geringen Licheinfall etwas Dreidimensionalität bekommt. Ansonsten wäre die Haarform des forderen(kleineren) Profils für mich unlogisch.
        Aber: bei so einem sensiblen Thema darf die Gestaltung keinen Interpretationsspielraum anbieten – diesen gibt es hier aber anscheinen. Daher ist das gestalterisch schlecht gelöst. Von der inhaltlichen Sinhaftigkeit ganz zu schweigen.

  2. Ich bedanke mich auch erst mal für den Artikel und deren Querverweise. Das Thema ist eine sehr interessante, umfangreiche Angelegenheit, die ich erst mal „sacken lassen“ muss, meine Meinungen zum neuen Design schwanken gerade.

  3. Wirklich tolles Konzept, das nicht zu weit vom Original abschweift und trotzdem keine negative Konnotation mehr hat. Das Logo gefällt mir auch persönlich. Nur den Font auf der Flasche verstehe ich irgendwie nicht, der passt so gar nicht ins Erscheinungsbild, wirkt viel zu modern für die goldene Verzierung außenrum.

  4. Ein weiteres Redesign, das einzig und allein aus Angst vor Auseinandersetzungen und Anfeindungen entstanden ist. Anfeindungen von Leuten, die überhaupt nicht betroffen sind und es sich zur Aufgabe machen, stellvertretend für andere einen Disput zu führen, über den sich zuvor niemand oder kaum jemand geschert hat. Persönlich finde ich diese Entwicklung sehr bedenklich, da sie genau das Gegenteil bewirkt: eine paradoxe Mischung aus White- und Blackwashing, bei der historische Aspekte negiert werden, nur um in der Gegenwart so viele positive multikulturelle Konnotationen wie möglich zu schaffen. Aber gut, eigentlich ist ja genau das auch eine Aufgabe von Design: zu reagieren, um die Marke zu schützen, zu erhalten und zu stärken.

    1. Dank Dir für Deinen Kommentar Shaun, der, wie ich finde, das Spannungsfeld sehr gut beschreibt, in dem das Redesign vollzogen wurde. Und mit dem letzten Satz sprichst Du einen sehr richtigen und wichtigen Punkt an.
      Darüber hinaus scheint es mir unerlässlich, dass wir uns mit Dingen, über die sich zuvor keiner oder kaum jemand geschert hat, heute und jetzt auseinandersetzen. Nur so lernen wir dazu. Täten wir dies nicht, gäbe es heute noch die institutionell legitimierte Sklaverei.

  5. Eine elegante Überarbeitung, für die aus den Fehlern anderer gelernt wurde. Sollte inzwischen selbstverständlich sein. Der Schwierigkeitsgrad ist natürlich niedriger, wenn man nicht ein „Mohren“ im Namen trägt, insofern hätte man St. Mauritius vielleicht sogar subtiler Kennzeichnen können. Aber besser mehr Klarheit als in einen Shitstorm hineinrufen zu müssen. Beim nächsten Redesign hat man dann mehr Optionen, weil man aus der richtigen Richtung kommt.

    (Für mich sieht das allerdings ebenfalls aus wie Mauritius, der würdevoll ins Licht schaut und nicht wie zwei Köpfe, von denen der dunkle bizarr deformiert wäre.)

    1. ….die haben alle den Schuss nicht gehört. Ich trinke weiterhin einen Mohren- kein Cola- Weizen und esse Mohrenköpfe.

      1. Danke für diesen erhellenden Kommentar. Gekonnt, wie chirurgisch Sie das Redesign sezieren, um Ihre elaborierte Meinung als Fachmann in Bezug auf Gestaltung und Kommunikation darzulegen. Chapeau.

      2. Lassen Sie mich raten: Weil sie es schon immer so gemacht haben? Weil sie nicht reflektieren und das was jahrzehntelang Gewohnheit war einfach ungefragt für sich selbst übernehmen? Weil Sie so gut beurteilen können, ob sich ein Schwarzer von solchen Begriffen beleidigt fühlt oder nicht (ich nehme mal an Sie haben weiße Hautfarbe?), wahrscheinlich sagen Sie auch noch weiterhin Zigeuner? Und das N-Wort? Es ist einfach so einfach, Dinge immer so zu machen und zu sagen, weil man das schon immer so gesagt hat und von den Eltern so beigebracht bekommen hat. Nachdenken, hinterfragen warum es diese Begriffe gibt… das alles ist ja viel zu anstrengend…

        Mein Kommentar zum Design: Ich finde es gut gelöst. Der vorherige Kopf war meiner Meinung nach fürchterlich anzusehen. Eine Karikatur wie sie im Buche steht. Mit dem neuen Logo geht man einen guten Kompromiss ein zwischen der Tradition treu bleiben und den Rassismus (der wie ich finde durch die überzogene Darstellung ganz klar gegeben war) zu beseitigen. Danke Achim für den ausführlichen Artikel und dass du so ausführlich auf so ein wichtiges Thema eingehst. Ich sehe es ähnlich wie du: es ist wichtig Logos, Straßen-, Hotel- oder Apothekennamen zu hinterfragen: Woher kommen Begriffe wie Mohr? Warum war das alte Logo und der alte Name von Bens kritisch? Und dann gehört da meiner Meinung nach auch noch gute Kommunikation zu, die es bei Bens Original (off topic) und jetzt auch bei Tucher leider nicht gibt. Andererseits stört mich in manchen Fällen purer und blinder Aktionismus (den ich bei Tucher absolut nicht sehe). Zum Beispiel dass der HVV das Wort „schwarzfahren“ aus seinem Wortschatz verbannt hat, mit Verweis auf Rassismus, obwohl das Wort damit nichts zu tun hat, oder Orte wie Neger (Olpe), der ebenfalls einen anderen etymologischen Ursprung hat, umbenannt werden sollen. Ich bin auch der Meinung, dass kritische Begriffe hinterfragt werden sollen, aber mit Augenmaß.

  6. Hey Benedict, magst Du nicht vielleicht lieber, anstatt einem trotzigen Kurzkommentar Beachtung zu schenken, etwas zum eigentlichen Thema schreiben? Es würde mich interessieren, wie Deine Einschätzung dazu ist. Wie bewertest Du das Redesign, und auch das Vorgehen seitens der Brauerei?

    Andere dt-Leser dürfen sich ebenfalls angesprochen fühlen ihre Meinung dazu kundzutun.

    1. Nun ja, der Begriff der Trotzigkeit gebührt doch anderen. Aber gut, wenn die Priorität lieber so gesetzt wird… dann kann man halt Intoleranz auch einfach so stehen lassen.

      1. Die Priorität im dt liegt darauf, um auf den kleinen „Rant“ von Dir einzugehen, eine sachbezogene Auseinandersetzung über Design zu ermöglichen. Und ja, Intoleranz muss man, leider, bisweilen auch einmal so stehen lassen. Don’t feed the trolls. Es führt zu nichts, so meine Erfahrung, sich mit intoleranten Menschen zu unterhalten, die sich hierher verlaufen, einen ersten und auch ihren einzigen unreflektierten Kommentar hinterlassen. Deshalb versuche ich lieber, den Austausch mit jenen Lesern zu suchen, die sich, so wie Du in der Vergangenheit, in konstruktiver Weise in die Diskussion einbringen.
        Lieber Benedict, und nun zum Design. Wie ist Dein Eindruck? Kriegen wir noch einen Austausch zum Thema hin? Würde mich freuen.

    2. Ich halte es auch für richtig, den Kommentar unbeachtet zu lassen, keine Frage. Ich muss das aber nicht wortreich und diskreditierend begründen. „Intoleranter Mensch, trotzig, fehlendes Denkvermögen, hat sich ins DT verlaufen, Troll, …“ sind ein Teil des Problems und zeigen vor allem glasklar eines: lupenreine Intoleranz!
      Eine Diskussion oder Reaktion, die hier – sofern am Thema vorbei, zwar sicher fehl am Platze ist – ist möglichst nicht erwünscht, weil man selbst natürlich recht hat, bzw. auf der „richtigen“ Seite des Lebens steht. Wie heißt es doch so schön? „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ (R. Luxemburg)

  7. Ok, ich nehme sehr gerne zur Kenntnis, dass Florian, Dirk und auch Tape entgegen meiner Erklärung, es seien ZWEI unterschiedliche Köpfe dargestellt, diesbezüglich eine andere Wahrnehmung haben. Bei der eigenen Wahrnehmung gibt es kein „recht haben“ – sie ist schlichtweg individuell und subjektiv. Wer einen flüchtigen Blick auf das rote Signet wirft, wird mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem gleichen Ergebnis kommen, wie Ihr drei, nämlich, dass die weiße Linie nach einer Kopie des schwarzen Profils ausschaut. In der vergrößerten Detailansicht wird jedoch deutlich, dass sich beide Konturen unterscheiden. Bei der linken (!) schwarzen Umrandung handelt es sich tatsächlich um eine Kopie der weißen Kontur. Bei der schwarzen Binnenfläche hingegen wird anhand der Kontur ein weiterer Kopf gezeichnet. Dass es ZWEI unterschiedliche Konturen sind, ist auch daran zu erkennen, dass bei der weißen Kontur die Lippen mit Hilfe von ZWEI Bögen geformt wird, während diese bei der schwarzen Binnenfläche lediglich von EINEM Bogen gebildet werden. Wie gesagt … bei 400% Zoom sind diese Details zu erkennen.

    Und JayKay? Mittlerweile eine Meinung gebildet und gefestigt? Finde ich ja gut, die Dinge erst einmal sacken zu lassen, bevor man zu einer Bewertung kommt.

    1. Manchmal hilft auch Auszoomen um das Ganze zu überblicken. Alle Lichtkanten des kompletten Signets (inkl. Münze und Schrift Weiß/Schwarz) kommen von Nordwest oder 135° – das erklärt warum aus dieser Richtung aus zwei Bögen einer wird … ähnlich einer Breitfeder, die im rechten Winkel dazu gezogen wird.

      Wie würdest Du denn interpretieren, dass der Heilige Mauritius aus zwei verschiedenen Köpfen besteht? Hast Du dazu eine Erklärung?

      1. Eine mögliche Erklärung habe ich bereits im Beitrag genannt. Um so, ein gängiges Gestaltungsprinzip aufgreifend, ein Zeichen zu schaffen, das eben mehr Interpretationsspielraum lässt, als es ein einzelner Kopf vermag. Der Zoo Hannover nutzt, wenngleich dies hier um ein vielfaches leichter zu erkennen ist, bei seinem Logo das selbe Gestaltungsprinzip. Auf diese Weise entsteht eine Art Dialog zwischen den abgebildeten Köpfen.

        Da es sich bei dem neuen Tucher-Bräu-Zeichen nicht um eine durch Lichtwurf oder Breitfeder entstandene Form handelt, sondern um eine von Hand am Computer erstellte und bewusst gezeichnete Vektorlinie, greift der hierauf abzielende Erklärungsversuch zu kurz. Eine per Effekt in Affinity Photo oder Photoshop diagonal versetzte Kontur, wäre gleichmäßig/kongruent. In diesem Fall sind die Konturen jedoch unterschiedlich.

        Es ist zudem so, dass der Heilige Mauritius in der Kunst, in Gemälden und Skulpturen, im Prinzip bei jedem Werk unterschiedlich aussieht, mal dunkelhäutig ohne Bart, mal hellhäutig mit Bart, mal vergleichsweise jung, mal älter. Die jeweilige Darstellungsform variiert je nach Epoche, Genre, Kontext oder Künstler. Es gibt nicht die EINE Darstellung als Referenz, sondern mehrere.

      2. Achim,
        wg. „zwei Köpfe“:
        vielleicht ist die Lichtkante ja grade bewusst nicht peinlich genau geometrisch gleich dick.
        Stichwort „optischer Ausgleich“. Wenn ich mir diese Kopf-Vignette aus der Entfernung anschaue (und nicht aus der Nähe), dann kommt das doch hin. Oder nicht? Dann ist das nur ein Kopf mit optisch ausgeglichener Lichtkante

        Falls das die Agentur gemacht hat, von der ich glaube, dass sie das gemacht hat, dann kenne ich die ein bisschen. Optischer Ausgleich wird da schon noch gelebt. (Vor allem typografisch und bei Illus.) Anwendungsbeispiel: bei senkrechten Abständen/Weißräumen. Die macht man, wenn man den optischen Ausgleich macht, etwas dicker als die waagrechten. Sonst wirkt die senkrechte, obwohl gleich stark, dünner.

  8. Schöner Beitrag und interessante Maßnahmen der Brauerei bei der Neuorientierung der Marke. Ich brauche keine „Mohren“-Abbildungen und finde außerdem, dass mit dem „in aller Welt“ auch noch etwas Kolonial-Impetus mitschwingt.
    Das Re-Design war demnach notwendig und ist meiner Meinung auch überwiegend gelungen.
    Ich erkenne auf den ersten Blick zwei verschiedene Menschen, so wie der Autor, kann aber auch die andere Lesart nachvollziehen.
    Was mich dann aber stört, ist der Erklärtext zum Mauritius. Dieser suggeriert eben doch *eine* Person im Profil. Hier führt diese Vorsicht aus meiner Sicht zu einem vermeidbaren Widerspruch.

    Dass der Einsatz von goldener Farbe bei Bier-Etiketten irgendwie immer etwas billig anmutet, ist mein persönliches Problem und Geschmackssache.

  9. Das mit den zwei Köpfen hatte ich auch im Sinn, auch wenn es auch wie ein Kanteneffekt wirken könnte. Das Münzlogo hat das ja auch hier und da.

    Was aber irgendwie total nicht reinpasst ist der Tucher-Schriftzug. Der passt eher zu nem 90er Jahre Motorsportkalender. In mitten eher traditioneller Bieretikett-Elemente wirkt das recht deplaziert.

  10. Erschreckend wie wenig wert auf die Webseite gelegt wird. Weder eine sichere Verbindung ist bereitgestellt, noch ist die Seite responsive. Wir haben 2022!
    Viele Grafiken wurden erstellt usw, aber die Basics bisher völlig vernachlässigt.
    http://www.tucher.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

An den Anfang scrollen