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Rassismus-Debatte: Cleveland Indians ändern Namen und Logo

Cleveland Guardians Logo
Cleveland Guardians Logo, Quelle: Cleveland Guardians

Cleveland Guardians Logo

Das US-Baseball-Team Cleveland Indians, 1901 als „Cleveland Blues“ gegründet, haben sich vor dem Hintergrund einer langjährigen Rassismus-Debatte einen neuen Namen und damit einhergehend ein neues Logo zugelegt.

Wie das Franchise am vergangenen Freitag bekannt gab, soll nach Abschluss der Saison 2021 eine Umbenennung des in der Major League Baseball spielenden Teams von „Cleveland Indians“ in „Cleveland Guardians“ erfolgen. Der Schritt als solcher war erwartet worden. Seit vielen Jahren wurde von verschiedenen Seiten das von der Franchise verwendete Markenzeichen, ein im Comic-Stile gezeichneter Indianerkopf („Chief Wahoo“), kritisiert. Insbesondere auch viele Menschen aus der Gruppe der Native Americans sehen in der karikaturhaften Zeichnung eine beleidigende und rassistisch konnotierte Darstellung.

Bereits Anfang 2018, und damit eineinhalb Jahre vor der Tötung von George Floyd, kündigte die Franchise-Führung der Indians an, den Indianerkopf zukünftig nicht mehr verwenden zu wollen. Nun wurde der zukünftige Name des Baseball-Teams bekanntgegeben. Ab der kommenden Saison tritt das Franchise als „Cleveland Guardians“ an. Damit sind die Cleveland Indians die zweite Mannschaft im US-amerikanischen Profisport, die aus diesem Grund ihren Namen und das Teamlogo ändert. Die Führung des Franchise wie auch die Leitung der MLB stimmten darin überein, dass die Verwendung der Indianerdarstellung im Rahmen des Baseballsports nicht mehr zeitgemäß sei.

Cleveland Indians/Guardians Logo – vorher und nachher
Cleveland Indians/Guardians Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Cleveland Guardians, Bildmontage: dt

Wie das Franchise erklärt, sei „Guardians“ der von Fans am meist genannten Vorschläge für einen neuen Namen gewesen. Innerhalb der Hope Memorial Bridge, einer für die Stadt Cleveland bedeutenden Landmarke, wachen die sogenannten „Guardians of Traffic“ über den Verkehr der Stadt. Zentrale Elemente des veränderten Erscheinungsbildes sind ein neugestalteter Schriftzug, ein Monogramm („Diamond C“), die Beschriftung der Spielkleidung sowie das offizielle Logo („Guardians Fastball Logo“). Rot, Weiß und Blau bleiben als Farben des Teams erhalten.

Kommentar

In einer von Freiheits- und Gleichheitsrechten geprägten Gesellschaft sind Diskussionen über die Frage, ob ein Wort als rassistische, diskriminierende Bezeichnung gedeutet werden muss, unentbehrlich. Auch hierzulande wird diskutiert ob etwa „Mohren-Apotheke“ eine rassistische Fremdbezeichnung ist, ob die Darstellung eines afroamerikanischen Mannes auf einer Reisverpackung rassistisch konnotiert ist, ob „Negerkönig“ in Pipi Langstrumpf nachträglich ersetzt werden sollte oder ob „Zigeuner-Schnitzel“ heutzutage noch eine zeitgemäße Bezeichnung auf einer Speisekarte ist. Es ist wichtig diese Kontroversen zu führen, diese auszuhalten und sich mit der eigenen Identität und Geschichte einer Kultur auseinanderzusetzen.

Zeichen und Bildsprache sind ein wesentlicher Bestandteil von Kultur. Wenn bestimmte Symbole und Namen aus Sicht der so Dargestellten und Bezeichneten als diskriminierend empfunden werden, kann man nicht so tun als fände über die Sprache keine Ausgrenzung statt. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma etwa hat sich bezüglich der Bezeichnung „Zigeuner“ sehr eindeutig ablehnend positioniert. Dies sollte eigentlich Grund genug sein, den eigenen Sprachgebrauch zu hinterfragen. Sprache verändert sich überdies fortwährend. Veränderung bedingt die Anpassung des Einzelnen. Und weil Anpassung Aufwand bedeutet, lehnen viele Menschen jegliche Veränderung ab. Wir kommen jedoch nicht umhin, uns über die Bedeutung von Symbolen und Namen auszutauschen, und zwar differenziert.

Womöglich wäre es hilfreicher gewesen „Negerkönig“ mit einem erklärendem Vermerk im Kinderbuch zu versehen, als diese Bezeichnung durch „Südseekönig“ zu ersetzen. Ein wenig ähnelt der Versuch, Geschichte auf diese Weise ausradieren zu wollen, dem Sturz von Denkmälern. Denn die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte bleibt einem so erspart. Statt den Kopf in den Sand zu stecken braucht es in einer offenen, pluralistischen Gesellschaft jedoch den Mut, Scham zu überwinden. Gelingt dies, können wir einen Kopf, wie den von Lenin, auch wieder ausgraben, um uns mit dessen wie auch unserer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

Das Baseball-Franchise in Cleveland hat sich mehrere Jahre Zeit genommen, um die Umbenennung sowie ein Redesign zu vollziehen. Beides ist sinnvoll. Denn insbesondere die Kopfdarstellung wurde von Seiten indigener Gruppen seit vielen Jahren als stereotyp kritisiert. In Deutschland muss auch weiterhin darüber gesprochen und diskutiert werden, inwieweit Darstellungen von dunkelhäutigen Menschen, etwa innerhalb von Stadtwappen und -logos oder auf Produkten, stereotype und veraltete Vorstellungen bedienen. Wenn „Mohr“ im Sinne eines Ehrentitels gemeint ist und verstanden werden soll, so ein Argument, dann braucht es nach meinem Verständnis auch eine dementsprechende visuelle Formensprache, frei von karikaturhafter Stilistik, wie sie in vielen heraldischen Wappen zu finden ist. Nehmen wir uns die Zeit, über Symbole, Zeichen und deren Bedeutung zu sprechen und zu streiten. Vor allem sollten wir jenen Menschen zuhören, die Diskriminierung erfahren, nicht denen, die diskriminieren.

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32 Kommentare

  1. Ich kann den Schritt nachvollziehen, das alte Logo und der Name haben zu viele Stereotype bedient, die nicht zeitgemäß sind, dennoch sollten wir aufpassen, dass wir bei unserer akribischen Suche nach einer gerechteren Sprache nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

    Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma hat sich gegen die Verwendung des Begriffs Zigeuner ausgesprochen, das heißt aber nicht so viel, wie man vermuten würde, denn der ZDSR repräsentiert nicht alle Menschen, die zigeunisch sind, wie z. B. die Jenischen. Seitdem der Begriff durch Sinti und Roma ersetzt wurde, gehen diese Menschen in der gesellschaftlichen Wahrnehmung unter. Sie können nur noch dazugedacht werden, werden aber nicht mehr angesprochen. Darüber hinaus gibt es eine große Anzahl innerhalb der Sinti und Roma, die sich keines Wegs vom dem Wort Zigeuner beleidigt fühlen, sondern den Begriff als stolze Eigenbezeichnung verwenden – nicht als Trotzreaktion, sondern sehr bewusst. Der ZDSR repräsentiert nicht alle Anspruchsgruppen es ist also etwas anmaßend, den Begriff für alle Angesprochenen zu bewerten, da wäre etwas mehr Sensibilität angebracht, zumal der ZDSR für sich ja auch einen sensiblen Umgang erwartet.

    Ähnliches gab es auch schon bei dem Begriff Eskimo, der angeblich „Rohfleischfresser“ bedeuten sollte und weswegen die Eigenbezeichnung Inuit zu verwenden sei. Dass das Wort Eskimo „Rohfleischfresser“ bedeuten soll, ist längst widerlegt, das Wort Eskimo wird dennoch nicht verwendet. Inuit stammen allerdings nur aus Nordamerika, die Yupik in Sibirien werden von dem Begriff Inuit nicht mehr erfasst und werden wie die Jenischen unsichtbar. Westliche, aktionistische Überkorrektheit, insbesondere von halbwissenden Stellvertrerbetroffenen, schadet meiner Meinung nach oftmals mehr, als sie verbessert.

    1. …eine kleine Anmerkung zum Begriff „Eskimo“: In Kanada leben fünf voneinander zu unterscheidende „First Nations“, darunter befinden sich zwei Gruppen (Stämme), die keinesfalls als „Inuit“ bezeichnet werden wollen, sie bestehen ausdrücklich auf der Bezeichnung „Eskimo“ (Mitteilung eines Freundes, der längere Zeit in Kanada verbracht hat – kann ich nicht authentisch nachprüfen und Wikipedia traue ich nur im Hinblick auf überprüfbare Zahlen, Daten und Fakten).

  2. Was ich bei solchen Diskussionen, denen man aktuell zu Hauf folgen kann, feststelle, ist, wie sehr man sich (global betrachtet) im Klein-Klein verliert. Ich denke einer Eskimo/Inuit/Yupik-Gruppe in Sibirien geht es mehr um rechtliche Gleichstellung, Anerkennung von Besitz und Lebensweise (Stichwort Ölindustrie Raubbau), statt darum, dass sich der Westen um politisch korrekte Bezeichnungen zerfleischt. Ähnliches dürfte für viele andere in verschiedensten Gegenden der Welt gelten, die von höchster staatlicher Stelle aus ihrer Menschenrechte beraubt werden.

    Ich will damit nichts relativieren oder entschuldigen, aber ich fühle mich da häufig an die Bekämpfung von Drogenkriminalität erinnert, wo man sich auf die kleinen Dealer konzentriert, weil halt irgendjemand vor Gericht gestellt werden muss. An die großen Bosse kommt oder traut man sich jedoch nicht ran.

    Ansonsten eine sehr spannende Diskussion hier!

    1. Was ich an diesen Diskussionen so erstaunlich finde, ist mit welche Mühseligkeit versucht wird die Legitimation jeglicher Bemühung in Richtung weniger Rassismus und weniger Diskriminierung sofort in Frage zu stellen. Dabei scheint nicht mal der abstruseste Vergleich zu weit hergeholt und keine Bagatellisierung („im Klein-Klein verlieren“, „Überkorrektheit“ …) zu schade zu sein.

      Und genau das machst du (und andere hier) in deinem Kommentar. Du unterstellst den Änderungen bei den Gardians nicht nur keine Relevanz, indem du – analog zu deinem Drogenpolitikvergleich – sie mit der Rolle des Bauernopfers gleichsetzt. Vielmehr soll damit vor den großen Rassismusbossen (?) abgelenkt werden; what? Im Zirkelschluss läge dann deine Lösung darin, jeden Rassismus zu legitimieren, ähnlich wie bei Drogen eine Entkriminalisierung?

      Wenn man schon Vergleiche anstellt – und damit eine gewisse Aussage tätigen möchte – dann sollte man diese auch aussprechen und nicht als „offenen Beitrag“ tarnen.

      Spannende Diskussion.

      1. Klares Nein. Ich schreibe ja bewußt, dass nichts relativiert oder entschuldigt werden soll. Eine Entkriminalisierung der Drogenpolitik stelle ich auch nicht als Lösung dar. Korrekt wäre es, den kleinen Dealern UND den Bossen polizeilisch und juristisch nachzustellen.

        Alles, was ich meine, ist, dass wir der Diskriminierung durch politisch unkorrekte Sprache viel Diskussionsraum geben, der Diskriminierung durch staatliche Gewalt und hoheitlichste Anordnungen vergleichsweise wenig Raum gegeben wird, obwohl sie doch als schlimmer zu bewerten ist.

        Oder – ganz banal reduziert:
        Wenn Aufregung über N-Wörter, dann auch mehr Aufregung über die systematische Zerstörung der Uriguren!
        Wenn Aufregung über fehlende Gendersternchen, dann auch deutlich mehr Aufregung über Erdogans Austritt aus dem istanbuler Abkommen (und damit klares Ja zu Straffreiheit gegenüber Gewalt gegen Frauen)!

  3. Noch eine Anmerkung zum auch hier aufgeworfenen Thema:
    Sind derartige Namen als Wertschätzung oder unangebrachte Vereinnahmung zu interpretieren?

    Ich kenne die Geschichte des Namens nicht. Vielleicht war er damal wertschätzend gemeint. Zb weil die Mannschaft ebenso hingebungsvoll kämpft, wie ein Indianer. Oder weil der Indianer der „noch echtere“ Amerikaner ist. Oder weil der Indianer mit seinen lustigen Federn und Stammestänzen damals eine sympathische Identifikationsfigur war. Egal wie es gemeint war – es ist nicht mehr zeitgemäß und wirft im besten Fall Missinterpretationen auf.

    Eine Baseballmannschaft ist kein Kunstprojekt, das als Stachel der political correctness bewusst provozieren kann, sonder muss den zeitgemäßen Konsens suchen.

    Legitim wäre der Name etwa, wenn dort zb viele native Americans mitspielen. Dem ist aber eindeutig nicht so.

    Vorschlag an alle Skeptiker: Stellt euch mal vor, eine deutsche Bundesliga-Mannschaft hieße „Die Juden“ – kommt gut oder? Natürlich wertschätzend gemeint.

    1. Dazu passend: um zu verdeutlichen, wie unangemessen das bisherige Indians Logo gewesen ist, eben da es rassistisch konnotiert ist, hier eine hilfreiche Darstellung:

      Quelle: creativebloq, Bild: Jesse Alkire

      Sind derartige Namen als Wertschätzung oder unangebrachte Vereinnahmung zu interpretieren?

      Diesbezüglich kann es keine klare Antwort geben. Jeder Begriff ist einzeln zu bewerten, ebenso jeder Anwendungskontext. Auch WER eine der weiter oben von mir genannten Bezeichnungen verwendet und WANN sie verwendet wurde, ist mitzuberücksichtigen. Wenn eine Bezeichnung oder ein Name für viele Menschen vor 50 Jahren ok gewesen ist, spielt dies heutzutage eigentlich keine Rolle mehr. Wie wir in einer Gesellschaft leben wollen, gilt es HEUTE neu auszuhandeln. Und die Diskussion über die Sensibilisierung im Bereich der Sprache, der gesprochenen, geschriebenen, wie auch der visuellen, ist Bestandteil eines solchen Prozesses. „Mohrenkopf“ als Bezeichnung für ein Gebäck kann wohl kaum als Zeichen von Wertschätzung angesehen werden. Bei einer Apotheke, die im Namen „Mohren“ trägt, verhält es sich schon ganz anders. Wichtig erscheint mir hier, nicht zu pauschalisieren.

      Wofür ich sehr dankbar bin, ist die von gegenseitigem Respekt getragene Diskussionskultur hier. Vielen Dank für die zahlreichen konstruktiven Beiträge!

      Übrigens: auch der EC Hannover Indians wird sich der Diskussion nicht entziehen können. Im Unterschied zu Cleveland beinhaltet deren Logo allerdings keine karikatureske Darstellung.

  4. Ich glaube es ist extrem wichtig, die Herrkunft des Namens und die Interpretation zu hinterfragen. Sportmannschaften heißen in Amerika „Adler“, „Krieger“, „Falken“ oder Ähnliches. Alles Begriffe, die Stärke, Stolz etc. verkörpern. Zu der Zeit der Namensgebung – das unterstelle ich jetzt mal im besten – war „Indianer“ wohl hier auch so verstanden worden.
    Weiße, bekannte Sportler haben Namen und Wappen stolz auf der Brust getragen, nicht weil sie sich als die „Besieger der Indianer“ verstanden haben, sondern durch die Assoziationn die davon ausgehen.
    Nun haben sich diese Assoziationen halt geändert, bzw. die eigentliche Wortherkunft wird hinterfragt und deshalb das Design überarbeitet.

    Schade finde ich aber, das die positiven, prominenten Assoziationen nun nicht mehr gezeigt werden. Vllt hätte man einen neuen Namen wählen können, der dem heutigen Sprachgebrauch entsprechend trotzdem an den Stolz und die Stärke der Ureinwohner erinnert (Idee: einen Fluss / mytische Figur aus der Region o.Ä.).

    Weil nun ein Denkmal an die Ureinwohner wegen nicht mehr zeitgemäßer Wortnutzung leider Geschichte ist.

  5. Danke für den klugen Einwurf. Ich habe ebenfalls den Eindruck, dass mit besten Absichten und auch guten Gründen immer öfter das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird, indem nicht nur rassistische oder andere diskriminierende Konnotationen sondern auch ehedem positiv besetzte Erinnerungen ausgelöscht werden und damit der Sache ein Bärendienst erwiesen wird. Genau das führt meines Erachtens auch zu der Schärfe der Reaktion, weil im Sinne der guten Sache die Meinungshoheit beansprucht wird, ohne den auf individuellen Assoziationen beruhenden möglicherweise völlig diskriminierungsfreien Haltungen gerecht zu werden.

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