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Washington Football Team heißt jetzt „Washington Commanders“

Washington Commanders Logo
Washington Commanders Logo, Quelle: Washington Commanders

Vor dem Hintergrund einer seit vielen Jahren kontrovers geführten Diskussion über den Vereinsnamen haben die „Washington Commanders“, ehemals „Washington Redskins“, nun ihren neuen Namen und das Logo der NFL-Franchise vorgestellt.

Der Name „Washington Commanders“ sei das Ergebnis eines 18-monatigen Entstehungsprozesses, bei dem Fans, ehemalige wie aktive Spieler, Gemeindevorsteher sowie unterschiedliche Interessengruppen aus der gesamten Region Washington DC, Maryland und Virginia zusammengewirkt haben, wie es im Rahmen der Vorstellung seitens der Franchise-Führung heißt. Nach einer jahrzehntelangen Debatte über den Namen hatte die Franchise-Führung im Juli 2020 angekündigt, einen neuen Namen einzuführen.

Seit vielen Jahren schon spricht sich etwa der National Congress of American Indians (NCAI) gegen den seit 1933 verwendeten Namen „Washington Redskins“ wie auch gegen die damit verbundenen visuellen Zeichen (Logos, Maskottchen, u.a.) aus, da diese nach Auffassung der NCAI-Mitglieder rassistisch und diskriminierend seien und Stereotype abbildeten. In Folge der Proteste, die nach dem Todesfall George Floyd im Mai 2020 nicht nur in US-amerikanischen Städten stattfanden, wuchs die Kritik am Namen und Logo des Teams erneut. Wenige Wochen später wurde der Name „Washington Redskins“ offiziell abgelegt und sogleich ein Prozess mit dem Ziel initiiert, einen neuen Namen sowie neue visuelle Erkennungszeichen für die übergangsweise als „Washintgon Football Team“ startende Franchise zu finden. Unter washingtonjourney.com wurde dieser Prozess öffentlich gemacht. Am 2. Februar wurde nun das Ergebnis des Prozesses der Öffentlichkeit vorgestellt.

Washington Football Team Logo – vorher und nachher
Washington Football Team Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Washington Commanders, Bildmontage: dt

Anstelle einer Indianderkopf-Darstellung fungiert als Absender und offizielles Logo der Franchise nunmehr der Buchstabe „W“. Die Vereinsfarben Burgunderrot und Gold/Gelb bleiben erhalten. Neben dem Namen und dem Logo wurden auch eine Wortmarke, ein Wappen(Crest), entsprechende Fan-Artikel sowie neugestaltete Spielerkleidung der kommenden Saison vorgestellt.

Auszug der Pressemeldung

“Through more than 40,000 fan submissions and countless surveys, focus groups and meetings, this 18-month rebrand process has been a collaborative effort with our fans, alumni, players and local DMV community, all leading to today as we embark on a new chapter in our legacy as the Washington Commanders,” said co-owner and co-CEO Tanya Snyder. “Going into our 90th year, we are excited to celebrate the rich history of the Burgundy & Gold while also paving the way for new traditions as the Washington Commanders.”

Eine Indianderkopf-Darstellung ist seit 1932 fast durchgehend das Erkennungszeichen der Franchise (siehe Logo-Evolution). An die Stelle einer bildlichen, teils illustrativen Darstellung rückt nun ein zur Bildmarke weiterentwickeltes Schriftzeichen. Die Form des „W“-Logos mit seiner Umrandung, den Querverbindungen im Binnenraum und der dadurch erzielten Betonung von Schrägen sei von militärischen Rangabzeichen inspiriert, so die Franchise. Darüber hinaus vermittele das abstrakte Erkennungszeichen der Washington Commanders Fortschritt und Dynamik.

Washington Commanders Logo / Wortmarke
Washington Commanders Logo / Wortmarke, Quelle: Washington Commanders

Fans des Clubs reagierten überwiegend enttäuscht auf die Änderungen und übten im Umfeld von Social-Media deutliche bis scharfe Kritik, sowohl am neuen Namen, an der neuen visuellen Identität wie auch an der Art und Weise, wie die neue Identität der Franchise der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Im Vergleich zu ähnlichen Präsentationen und Vorstellungen neuer Designs wirkt die Art der Medienaufbereitung wie auch die Gestaltung als solche in der Tat nicht sonderlich kreativ oder beeindruckend. So schrieb eine Nutzerin auf Facebook, angesichts des enormen Medieninteresses habe sie von einer solchen „NFL-Institution bei der Namensvorstellung deutlich mehr Entertainment und Show“ erwartet.

Neben einer entsprechenden, vergleichsweise schlicht gehaltenen Pressemeldung hat die Franchise ein Image-Video präsentiert (siehe unten). In dem knapp 2-minütigen Clip wird allerdings weniger auf die neue Identität eingegangen, als vielmehr die Geschichte des Clubs inszeniert.

Kommentar

Meiner erster Eindruck beim Anblick der Spielerkleidung war: Wo ist das Logo? Auch die von zwei Querbalken eingefasste in Großbuchstaben gesetzte Wortmarke wirkt alles andere als originär. Einzeln betrachtet mag jedes Element nicht sonderlich eigenständig und identitätsstiftend sein. Entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel aller CD-Komponenten einschließlich der Farben.

Die Washington Commanders sind innerhalb der NFL das einzige Team, welches die Farbkombination Burgundrot/Gelb verwendet (siehe NFL-Farbcodes). Diese Farbkombination ist das Core-Brand-Value, sprich das in diesem Fall wesentliche Markenelement. Die Bedeutung der Farben für die Idenfikation einer Marke kann man nicht oft genug betonen. Logos werden oftmals in ihrer Bedeutung überschätzt, Farben hingegen unterschätzt. In der Bedeutungshierarchie kommen die Farben noch vor dem Logo, so jedenfalls mein Verständnis.

Die Einfachheit des neuen „W“-Logos ist seine Stärke. Diese Qualität zeigt sich etwa anhand der anderen NFL-Logos, welche im Vergleich zum simplen „W“ teilweise recht filigran geraten sind. Dass ein reines Typologo als Absender eines Clubs taugt, zeigen Beispiele wie die New York Giants, die Cincinnati Bengals oder auch die zahlreichen Teams der Major League Baseball.

Als Fan von US-Sport-Franchises sollte man in Sachen Rebranding/Renaming eigentlich abgehärtet sein. Schon oft wurden in der Vergangenheit Namen, Logos und auch die Farben der Clubs verändert. Ja sogar die Standorte von Franchise wechseln mitunter, Stichwort Relocation: seit 2020 spielen etwa die Raiders statt in Oakland in Las Vegas.

Die Fans der Washington Commanders werden sich, früher oder später, an den neuen Look und die veränderte Identität gewöhnen. Ein Zurück wird es nicht geben, und das ist auch gut so. Es ist gut, dass unser Umgang mit Sprache, der gesprochenen, geschriebenen und auch der visuellen, sensibler ist als noch vor 50 Jahren. Ob eine Clubführung eine Indianer-Darstellung selbst als nicht-rassistisch erachtet, ist unwesentlich. Wesentlich ist nicht die Einschätzung seitens des Verwenders, sondern die Einschätzung derjenigen, die sich durch die Verwendung diskriminiert fühlen. Darüber gilt es zu sprechen und gesellschaftliche Debatten zu führen.

Gutes Design, auch das ist klar, verzichtet auf Stereotype-befördernde Darstellungen. Die grundsätzliche Entscheidung, die Franchise umzubennen, war die einzig richtige. Auch das Rebranding geht, wenngleich insbesondere typographisch noch Luft nach oben ist, grundsätzlich so in Ordnung. Die Präsentation als solche ist hingegen sehr enttäuschend, ebenso das begleitende Image-Video. Im Jahr 2022 ist in Sachen Markeninszenierung deutlich mehr möglich.

Weshalb es keine gute Idee ist „Indians“ oder andere rassenspezifische Bezeichnungen im Namen zu führen, verdeutlicht unter anderem die folgende Abbildung.

Indians Mock Logos (Bild: Jesse Alkire)

Mediengalerie

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Dieser Beitrag hat 25 Kommentare

  1. Ich hatte bei einem ähnlichen Rebranding einer Football-Mannschaft schonmal Kritik an derlei Namensänderungen geäußert.

    Meine Prämisse: Die Namen wurden damals gewählt, weil mit dem Begriff “Indianer”, “Rothäute” etc. nicht die Unterdrückung der Ureinwohner referenziert wurde, sondern die Stärke, Tradition und der Teamgeist dieser Bevölkerungsgruppe hervorgehoben wurde.

    Natürlich ist die Darstellung schwierig und die Wortwahl nicht mehr zeitgemäß. Aber hier wurde ein “gut gemeintes” Andenken an die Ureinwohner durch den Begriff “Commanders” ersetzt, der in meinem Kopf eher Assoziationen zu genau den Unterdrückern erzeugen, an die man eigentlich nicht erinnern will.

    Ich wiederhole nochmal meinen Vorschlag, vllt hätte man einen nicht negativ konnotierten Begriff nehmen können, der nicht überzeichnet oder mit Vorurteilen spielt, sondern eine zeitgemäße Referenz an die starken, für einander einstehenden Ureinwohner Amerikas darstellt, so wie es – wie in meiner Prämisse erwähnt – hoffentlich auch “Redskins” zu seiner Zeit seien sollte.

    1. Danke Gerrit, für Deinen Kommentar. Ich bin ein wenig verwundert, dass die Diskussion zu diesem wirklich spannenden Rebranding noch nicht so recht in Gang gekommen ist. Möglicherweise ist meine deutliche Positionierung hinsichtlich des Themas ein Grund dafür. Insofern bin ich Dir sehr dankbar für Deinen Kommentar, den ich als Gegenrede verstehe.

      Das Argument, „wir haben es in bester Absicht gemeint“, greift, wie so oft, zu kurz. Nicht die Intention ist entscheidend, sondern wie ein Name oder ein Zeichen von den so Bezeichneten bzw. Dargestellten wahrgenommen wird. In Bezug auf Diskriminierung sollte dies das wesentliche Kriterium sein. Es bringt nichts zu sagen, O-Ton Franchise-Führung der Washington Commanders noch vor wenigen Jahren, die Bezeichnung „Redskin“ sei Ausdruck von Wertschätzung und Respekt gegenüber der indianischen Kultur, wenn aber doch ein Großteil der Native Americans diesen Begriff mit dem an ihren Vorfahren verübten Genocide verbindet.

      Auch eine, wie Du es nennst, zeitgemäße Referenz an die Ureinwohner Amerikas verbunden mit einer würdevollen Gestaltung wäre in diesem Fall unangemessen und nicht richtig. Denn auch eine solche diente bloß dem Zweck, mit Hilfe der indianischen Kultur Profit zu generieren. Hiergegen verwehrt sich der NCAI im Rahmen einer Resolution

      WHEREAS, the abuse of American Indian and Alaska Native symbols for entertainment and profit is insensitive, insulting, and unacceptable;

      Ich kann diese Haltung nachvollziehen. Gleichwohl wirft eine derart absolut formulierte Haltung weitere Fragen auf, etwa, ob Kindern nun nicht mehr erlaubt sein sollte, Cowboy und Indianer zu spielen. Sollten Spielwarenhersteller oder Kostümverleiher entsprechende Produkte aus ihrem Sortiment streichen? Denn auch hier geht es um Kommerz.

      Ich denke es ist wichtig jeden Fall, jeden Namen, jede Bezeichnung und jedes Zeichen, welche im Kontext Diskriminierung und Rassimus von Bedeutung sind, einzeln zu bewerten. Es gibt keine einfache Antwort, keinen leichten Weg und keine pauschale Lösung. Was es jedoch reichlich gibt, ist Raum und Zeit zum Dialog.

    2. Genau meine Meinung. Auch finde ich, hätte man das Logo gut erhalten können. Es ist nämlich, soweit ich weiß einem tatsächlichen Foto von einem echten Menschen 1:1 nachempfunden, also keine rassistische Darstellung, auch wenn es vlt ein optisch stereotypisches Bild verkörpert, was für mich in diesem Fall allerdings kein Problem darstellt, da es hier wohl eben der Realität entspricht. Zudem fand ich die Darstellung immer sehr stolz und erhaben. Nicht alles was einem Klischee entspricht ist Rassismus. Wenn wir uns an die Öffentlichkeit wenden, in Form von Sprache, Logos, Abbildungen etc., müssen wir immer auf Klischees zurückgreifen, da es schlichtweg nicht möglich ist, auf jeden einzeln einzugehen. Deshalb funktioniert auch die Gendersprache nicht, da eine Sprache vor allem von so vielen unterschiedlichen Menschen wie möglich verstanden werden muss. Sie ist nicht dazu da, jeden zu vertreten. Sie ist vielmehr ein größter gemeinsamer Nenner. Andernfalls könnte man es schon als Rassismus und Sexismus auffassen, Deutsch zu sprechen, da es alle nicht- deutschsprachigen Menschen ausschließt. In diesem Punkt, indem man Frauen und andere Geschlechter spezifisch in der Sprache darstellen will, grenzt man aus, indem man sie anders behandelt. Die meisten Frauen haben das nicht nötig. Außerdem ist es fast schon lächerlich, da man diesen Aufwand lieber investieren sollte, um tatsächlichen Sexismus und Rassismus zu bekämpfen. Anders ist es bei Logos auch nicht. Sie müssen einem gewissen Klischee entsprechen, ich kann z.B. nicht jeden Ureinwohner in ihnen darstellen. Auch das kleine Männchen auf der Toilettentür bezieht keine Einarmigen mit ein, ebensowenig wie die Darstellung eines Rollstuhlfshrers. Das geht auch nicht. Vielmehr sollten wir alle daran arbeiten uns als Individuen in einer Gesellschaft nicht als vorrangig zu betrachten, sondern zu schauen, wie wir uns Möglichste so einbringen können, das jeder fair und gleich behandelt wird, und uns denken, dass wir bestimmt mitgemeint sind, auch wenn die Figur auf der Toilette nicht 1:1 unserem Körperbau entsprechen sollte. Klischees sind damit unumgänglich, wenn wir die Masse ansprechen sollten und sie sind auch kein Problem, solange sie nicht böswillig sind oder zu einer Vorverurteilung führen. Das größte Problem ist der Rassismus in den Köpfen der Menschen. Wir sollten nicht versuchen dem gerecht zu werden, indem wir alles Kulturelle und Identitätsstiftende als Klischee ansehen und verbannen. Denn eine Sache ist mit dem jetzt verdchwundenen Redskins Logo vor allem passiert:

      Die amerikanischen Ureinwohner sind noch weniger im öffentlichen Bild Amerikas vertreten, als sie es sowieso schon waren. Kulturen sind etwas tolles, und wir sollten sie nicht aus dem öffentlichkeitsbild verbannen, nur weil manche sie ausschließlich als Klischee wahrnehmen. Denn dann haben die Rassisten, die nur eine Kultur als erhaltenswert ansehen, gewonnen. Amerika ist ohne dieses Logo noch ein stückchen weißer geworden.

      1. Die amerikanischen Ureinwohner sind noch weniger im öffentlichen Bild Amerikas vertreten, als sie es sowieso schon waren.

        Das ist ein gerne vorgebrachtes Argument, allerdings lediglich eine Mutmaßung. Ich denke das Gegenteil ist der Fall. Denn erst das jahrzehntelange Bemühen der Native Americans hat dazu geführt, dass das Thema im Bewusstsein der Menschen angekommen ist. Befördert wurde dieses von zahlreichen Übergriffen der Polizei auf Mitglieder der Black Community. Ein Franchise-Crest mit Indianerkopf bewirkt diesbezüglich rein gar nichts, kein Nachdenken, kein Umdenken, es dient auch nicht der Sichtbarmachung indianischer Kultur, wie sollte es auch, wenn die zugehörige Symbolik lediglich als Vehikel und Marketing-Instrument dient!? Erst die im Zuge der Debatte entstandene Medienpräsenz bewirkt ein Nachdenken.

        Dank Dir für Dein Beispiel mit dem Piktogramm! Ich stimme Dir zu. Gestaltung ist sehr oft klischeebehaftet. Die Brezel auf dem Bäckerschild, der Blitz im Logo des Elektroinstallateurbetriebs, die Ringe im Olympialogo – alles Zeichen, die bestimmte Vorstellungen bedienen. Wobei es schon zwischen klischeehafter Gestaltung und einer Konventionen berücksichtigen Gestaltung zu unterscheiden gilt. Der Kreis/Ring steht nun einmal für Zusammenhalt/Geschlossenheit. Und daran wird sich wohl auch nie etwas ändern. Bei der Gestaltung von Piktogrammen MÜSSEN, ansonsten sind sie nutzlos, derlei Konventionen berücksichtigt werden. Und das funktioniert auch, ohne dabei Klischees bedienen zu müssen. Die gleiche Herausforderung besteht, wenn es darum geht ein Logo zu gestalten.

  2. Na damit rollte die Diskussion doch.
    @Achim: Ich gebe dir in deinen Ausführungen recht, will aber darauf hinweisen, dass du meine Aussagen verzehrst, indem du die zeitliche Komponente ignorierst.
    Zu Zeiten der Logogestaltung und Namensgebung der Redskins ist nicht von einem rassistischen Hintergrund auszugehen, auch wenn – und da bin ich bei dir – Name und Logo nach heutigen Gesichtspunkten eben genau das sind. Hier unterscheidet sich meine Meinung von Leart030, ich glaube eben auch nicht das man das Logo in der aktuellen Form erhalten sollte, der Vergleich zu Iconifizierung (WC-Tür) ist zwar schlüssig, hinkt aber eben auch.
    Das du, Achim, eine zeitgemäße Referenz ebenfalls als “unangemessen und nicht richtig” bezeichnet, verstehe ich aber garnicht.
    Ist nicht das Schmücken mit der militären Vergangenheit des Landes (Vgl. “Commanders”) dann nicht viel schlimmer? Statt die “Opfer” zu feiern und heorisieren, ist es hier scheinbar korrekter, die Täter hochzuloben, nur weil man sich so nicht andere Kulturen zu eigen macht?

    Die Überkorrektheit der Menschen wird dafür Sorgen, jegliche Erinnerung an die Ureinwohner auszulöschen, insbesondere durch die meiner Meinung nach falsche Prämisse, nur Ureinwohner dürfen an Ureinwohner erinnern.

    1. insbesondere durch die meiner Meinung nach falsche Prämisse, nur Ureinwohner dürfen an Ureinwohner erinnern.

      Ja, da ist was dran. Allerdings geht es bei einem solchen Multimillionendollarkonzern auch nicht in erster Linie um Erinnerungskultur, sondern darum, die eigene Marke zu inszenieren. Der Kontext der Anwendung macht den Unterschied! Wäre das Signet beispielsweise der Absender einer von der Stadt geförderten Kultureinrichtung, gäbe es die Debatte in dieser Ausprägung nicht. Der Schlüssel zu einer Lösung, davon bin ich überzeugt, ist der Dialog. Nur so lässt sich Teilhabe herstellen. Kommunikationsdesign ohne Kommunikation funktioniert halt nicht.

    2. Zu Zeiten der Logogestaltung und Namensgebung der Redskins ist nicht von einem rassistischen Hintergrund auszugehen

      Was macht Dich da so sicher?

      Das du, Achim, eine zeitgemäße Referenz ebenfalls als „unangemessen und nicht richtig“ bezeichnet, verstehe ich aber garnicht.

      In dieser Aussage ist durchaus ebenfalls eine zeitlich Komponente enthalten. Denn die Aussage bezieht sich auf die Gegenwart. Eine zeitgemäße Referenz und würdevolle Gestaltung scheint in diesem Kontext gegenwärtig schwierig. Mit zunehmender Sensibilisierung und gegenseitigem Verständnis könnte eine solche Gestaltung die erforderliche Akzeptanz erhalten. Aber soweit sind wir nicht, vielleicht noch nicht.

      1. Das Logo der Redskins ist nicht lächerlich abwertend wie das der Indians und wurde sogar von einem Native gestaltet. Der Stamm hat zu Logo und Name damals sogar sein Ok gegeben. Nach einer Umfrage unter Natives haben über 80% gesagt, dass sie kein Problem mit dem Namen haben.

        Aber wenn der weiße Mann sagt, dass das Rassismus ist und die Natives diskriminiert werden, dann muss das halt so sein. Mal sehen wann der neue Name auch für Diskriminierung steht, “Master” ist ja oft schon auf der bösen Liste und “Commander” ist ja technisch gesehen in einer ähnlichen Richtung…

        1. Ob Polemik nun das richtige Mittel ist, um die Debatte in konstruktiver Weise zu befruchten, möchte ich bezweifeln.

          Es ist soweit richtig, dass im Rahmen von Umfragen Befragte aus der Gruppe der Native Americans mit deutlicher Mehrheit sich dafür ausgesprochen hatten, sie würden sich vom Namen Washington Redskins nicht beleidigt fühlen (Umfrage Washington Post 2016). Andere ähnlich gelagerten öffentlichen Umfragen liegen mehr als 15 Jahre zurück. Eine zuletzt Ende 2019 von Wissenschaftlern der University of Michigan und University of California at Berkeley durchgeführte nationale Studie kam jedoch zu einem anderen Ergebnis. 48 % Prozent sprachen sich demnach gegen die Verwendung von „NATIVE IDENTIFICATION“ aus und fühlen sich durch die Verwendung entsprechender Symbolik auch bei Maskottchen beleidigt. 38 % der Befragten fühlten sich davon nicht beleidigt, so das Ergebnis der Studie. Die Studie präzesiert zudem: je stärker die Bindung (Engagement) der Befragten zur indianischen Kultur, umso größer ist die Ablehnung entsprechender Namen und Symbolik im betreffenden Kontext Sportvermarktung.

      2. Die Prämisse ist meiner Meinung nach schon haltbar, warum gibt sich ein Verein sonst einen negativ belegten Namen.

        Ich freue mich über die jetzt entfachte Diskussion, aber sehe den von mir eingangs gebrachten Punkt nicht ausreichend berücksichtigt.

        Ich will mir als Angehöriger einer Mehrheit nicht anmaßen, komplett zu verstehen, wie sich das anfühlt durch solche Namen, Logos und Überzeichnungen mit einer Form des Alltagsrassismus konfrontiert zu sein.
        Auch deshalb bin ich pauschal davon ausgegangen, dass ein solches Rebranding okay sein kann.

        Aber als Ergebnis muss einkalkuliert werden, dass die gesamte Erinnerungskultur zusammenbricht, wenn man zwei mal darüber nachdenkt, eine Ureinwohner-Referenz zu nutzen, sei es als Logo, Kostüm, Protagonist in einem Buch, etc werden diese Referenzen nach und nach verschwinden.

        Das kann meiner Meinung nach nicht die richtige Richtung sein.

        Wenn dann so perfide wie hier auch noch statt an Opfer an Täter gedacht wird, ist das für mich schon sehr schwierig.

        Das Wegstreichen aller Erinnerung finde ich nicht erstrebenswert und würde mich über eine Lösung freuen, die rassistische oder missverständliche Aussagen entfernt, ohne die Referenz an sich verschwinden zu lassen.

  3. Also bei den Cleveland Indians verstand ich die Diskussion noch, bei diesem Logo nicht. Meiner Meinung nach geht hier der Vorwurf der kulturellen Aneignung zu weit – das Bild war keine Karikatur, hat den Indianer nicht in abwertender Form dargestellt und im Gegenteil meiner Meinung nach sogar Stärke und Würde ausgestrahlt.
    Der Name “redskins” ist oft negativ konnotiert, dass man diesen geändert hat, ist in Ordnung. Aber dass das Bild im Sinne von “Wer nicht zu den ersten Nationen gehört, darf kein Bild daraus verwenden” einfach wegzustreichen, ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz.

  4. Diskussionswürdiger als die grafische Umsetzung finde ich – wie schon in anderen Kommentaren erwähnt – die Namensswahl. Schon lustig, dass man hier vereinfacht gesagt einfach mal die Seiten gewechselt hat – von den Unterdrückten zu den Unterdrückern. Noch dazu mit bewusster Referenz auf militärische Stilmittel. Auch wenn in der Amerikanischen Bevölkerung “militärische Werte” und alles was damit verknüpft ist durchaus anders wahrgenommen werden als in Europa, finde ich es überraschend, dass das Überdenken eines problematischen Namens erneut in einer diskussionswürdigen Lösung mündet.

    1. dass man hier vereinfacht gesagt einfach mal die Seiten gewechselt hat – von den Unterdrückten zu den Unterdrückern.

      Ein guter Punkt. Vielleicht ein typisch amerikanischer Ansatz, die Problematik zu lösen? Man darf gespannt sein welche Lösungsansätze man hierzulande findet, siehe Hannover Indians, ECD Memmingen Indians.

      Die Funktion des Sports als eine Art Kriegsersatz wurde schon oft thematisiert. Auch sprachlich drückt sich dies aus: Sturm, Angriff, Verteidigung, Abwehr, Schuss, Treffer …

  5. Sowohl das “W” als auch Commanders halte ich für nichtssagend. Da hätte man doch viel mehr rausholen können.
    Die Federn aus dem alten Logo wären doch sicher ein Anknüpfungspunkt, um auf einen Vogelnamen zu gehen.
    So ist es für ein US-Sportteam einfach nur langweilig.

    Die Grafik mit den Mockups basierend auf dem Logo der Cleveland Indians ist super. Meiner Meinung nach fehlt da ein neunter Kopf: Germans mit bayerischer Tracht.

    1. Der immerwährenden Debatte über den Sinn und Unsinn der Verbannung dieses und vergleichbarer Namen aus dem Sport bin ich müde und werde dazu nichts mehr schreiben.

      Das neue Logo finde ich fürchterlich. Der Trend zur immer fortschreitenden Vereinfachung von Logos mag ja für viele Branchen Sinn machen, Sport im allgemeinen und American Football im besonderen sind aber Teile der Unterhaltungsbranche.

      Ich bin z.B. Fan der Tampa Bay Buccaneers. Ich liebe deren verspieltes Logo, mit alle seinen Schwächen. Das ist ein Logo, dass ich auf dem Trikot und auf dem Cap haben will – und kein Buchstabe. Ja, andere haben auch nur Buchstaben. Aber den Vergleich mit den Bengals finde ich geradezu frech. Dieses B im Tigerlook ist so ziemlich das Beste, was ich an Logo kenne – und viel mehr als ein völlig beliebiges W.

      Aber klar, der neue Beiname erlaubt fast nichts anderes. Oder wie hätte man einen “Commander” ins Logo bringen können, ohne klarzumachen, dass das letztlich ein militärischer Rang ist und in allerletzter Konsequenz jemand, der für massenweise Mord verantwortlich zeichnet?

  6. Ich verstehe nicht, wie man diese Änderung als gut erachten kann. Ja, ich bin kein Native American und bringe hier nur meine persönliche Meinung vor. Zunächst mal ist das Redesign sterbenslangweilig und fast schon klinisch geworden. Dies passt nicht zu einem Sport wie American Football. Im Sport geht es immer noch um Emotionen, dies hier ist einfach komplett nichtssagend. Dann entschließt man sich, wie oben schon thematisiert, zu einem Namen, der die Unterdrücker glorifiziert. Das ist jetzt besser, als der vorherige Name? Diese Logik erschließt sich mir nicht. Warum es nicht möglich sein soll, das bisherige Logo zu behalten und nur den Namen zu ändern, erschließt sich mir ebenfalls nicht. “Washington Natives” bspw. ist ein Name, der das Erbe einer ganzen Nation weiterhin sichtbar macht. Redskins war heutzutage nicht zu halten, das Logo zeigt aber einfach nur einen Native American, ohne Klischees, ohne Überzeichnung. Wie richtig gesagt wird verschwinden die Native Americans also weiter aus dem öffentlichen Bild. Ist dies Fortschritt? Ist das, was die Political Correctness erreichen möchte?

    Auch wenn der Vergleich nicht hundertprozentig stichhaltig ist, so möchte ich die Logoänderung der Washington Redskins mit der Logoänderung von Uncle Ben’s vergleichen. Zugegebenermaßen habe ich mit einer deutschen Perspektive auf das Logo geschaut und einfach nur einen schwarzen Mann gesehen. Ich habe mich gefreut, weil wir sowas leider extrem selten haben, dass ein dunkelhäutiger Mensch das Markengesicht einer internationalen Brand ist. Nach dem Einlesen habe ich dann verstanden, dass die Kleidung, die er trägt, eine Dieneruniform aus der Zeit der Sklaverei sein soll. Okay. Warum ändert man dann nicht einfach die Kleidung und behält diesen einfach sympathischen schwarzen Mann auf den Verpackungen? Stattdessen hat man nun einen seelenlosen Schriftzug, der exakt gar nichts aussagt. Klinisch. Tot. Sorry, für mich ist das kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Manchmal (leider immer häufiger) frage ich mich, was wir hier eigentlich tun.

    1. Kurzer Zusatz, weil ich nicht editieren kann: Man hätte das bestehende Footballteam auch stärker in die Native American Community einbinden können, um somit viel Gutes damit zu tun. Ein Teil der Gewinne hätte wie auch immer den Natives zu Gute kommen können, man hätte Native Americans in irgendeiner Art und Weise einbinden können, es gibt Tausende Möglichkeiten. Die jetzt alle hinfällig sind, weil man jetzt die “Commanders” ist. Es ist zum Verzweifeln.

    2. Vielen Dank David! Ich bin in vielen Punkten nicht Deiner Meinung. Beispielsweise denke ich nicht, dass der Name „Washington Natives“ funktioniert. Aber genau diese Diskussion habe ich mir hier im dt gewünscht. Unterschiedliche Standpunkte und Sichtweisen. Gute Argumente. Faire, sachliche Kritik.

  7. Ich finde die Namensänderung auch eher unglücklich, da man letztendlich nur die Seiten der Kontroverse gewechselt hat. Zwar nennt man die vermeintlich unterdrückte Bevölkerungsgruppe nicht mehr beim Namen. Aber eben aus diesem Kontext und aus der Geschichte der Indigenen Völker heraus dem Team jetzt den Namen „Washington Commanders“ zu geben, grenzt schon an Hohn. Dass das da drüben nicht bitter aufstößt, kann ich mir gar nicht erklären. Sind sie im Militarytrill, dass sie das nicht erkennen oder interpretieren wir hier zu viel rein?
    Aber genau diese Thematik macht es so unsäglich schwer einen Konsens zu finden. Gerade in der heutigen Zeit, wo sich einerseits jedes Individuum auch individuell angesprochen fühlen will und wo anderseits Stereotypen und Minderheiten nicht diskriminiert werden sollen. Das führt zum Genderwahn und zur Verunglimpfung der Sprache hier und „Nichtsagendürfen“ verschiedener Vokabeln, zum Umschreiben von historischen Kinderbüchern und letzten Endes zum Totschweigen und „in Vergessenheitgeraten“ dort.
    Ich habe immer das Gefühl, dass diese Versuche und die Debatten darum genau das Gegenteil bewirken. Es ist nun mal zwangsläufig so, dass solche „Entscheidungen“ immer als von oben herab wahrgenommen werden und dass die Personengruppen um die es geht in die Opferrolle suggeriert werden, wo sie garnicht sein müssten.
    In diesem Falle geht es um Indigene Völker, die natürlich in der Geschichte der Menschen unterdrückt wurden (und auch noch immer werden). Nichts desto trotz sind es stolze Menschen und starke Völker, die sich ihrer Abstammung und Herkunft nicht schämen. Niemand kommt auf die Idee die „Minnesota Vikings“ umbenennen zu wollen. Ich wüsste beim besten Willen nicht was die „Redskins“ weniger ehrenhaft macht als die „Vikings“.
    Es ist immer das Mindset wie man zu etwas positioniert ist. Man könnte auch einfach stolz sein, ein Team mit diesem Namen zu haben. Hier wurde das Beispiel mit dem Kinderspielen als Cowboy und Indianer genannt. Wer war nicht gerne auch Indianer als Kind. Doch nicht um sich unterdrücken zu lassen und um diskriminiert zu werden. Man war froh und stolz Indianer spielen zu können. Natürlich ist mir klar, dass Rassismus nicht ansatzweise gleich zu setzen ist mit einem Kinderspiel. Aber es verdeutlicht mit welchem Gedankengut ich an etwas herangehe und betrachte.
    Will man die Indigene Völker, Afroamerikaner etc.pp. zu mehr Ehre und Anerkennung verhelfen, muss das auf anderer Eben geschehen, als einfach ein Football-Team umzubenennen. Aber da sind auch die USA noch ein ganzes Stück entfernt.
    Minderheiten und Stereotypen aus allen Namen, Bezeichnungen und Lebensmittelverpackungen zu radieren, ist für mich konterproduktiv und keine wirkliche Anti-Diskriminierungspolitik. Letztendlich schweigt man damit die Thematik tot bzw. lenkt von den eigentlichen Ursachen ab und stärkt diejenigen, die damit über andere Entscheidungsgewalt haben.

    1. Vielen Dank toker, für Deinen bereichernden Kommentar.
      Ich freue mich, dass die Diskussion hier doch noch in Gang gekommen ist. Denn das Thema wird uns auch die nächsten Jahre noch begleiten. Designer, Gestalter und Markenmacher sind bei derlei Umfirmierungen und Rebrandings unmittelbar eingebunden. Was ich mir persönlich wünsche, ist, dass Designer gleich von Beginn in die Beratungen einbezogen werden und nicht erst dann hinzukommen, nachdem Gremien ihre Entscheidungen getroffen haben.

  8. Sehr spannende Diskussion. Allerdings kann ich nicht ganz nachvollziehen, wie einige hier in dem Wort “Redskins” nicht den rassistischen und verletzenden Ton sehen bzw. hören. “Rothaut”. Come on! Der Name MUSS weg. Da sollten sich alle einig sein.
    Bei derlei Diskussionen fällt mir auch immer wieder auf, wie einfach wir es mit der europäischen Herangehensweise an die Namen der traditionellen Sport-Clubs haben: FC, VFB, BVB etc. Es wäre doch mal interessant, wenn ein amerikanisches Team sich einfach in z.B. Washington Footbal Club umbenennt.

    1. Na ja, der Unterschied ist eben auch, dass es sich hierbei zumindest ursprünglich mal um Vereine handelte, während die Washington Redskins oder Washington Commanders nie ein Verein waren.

      Außerdem hat der Verzicht auf derartige Beinamen nichts mit “hierzulande” zu tun, sondern mit der Sportart. Die von dir genannten Vereine sind Fußballvereine bzw. Vereine, die für ihre Fußballabteilung bekannt sind.

      Eishockeyvereine, Basketballvereine, oder auch American-Football-Vereine heißen eben auch “hierzulande” fast nie nur EV oder BV oder A.F.V.

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