Logos von Geburt an getrennt – 10 Logodubletten

logos-von-geburt-an-getrennt-12

Originalität war wohl nie schwerer zu erreichen als heutzutage. Angesichts von Millionen von Logos, die es in der Welt gibt, sollte es eigentlich nicht verwundern, dass es verstärkt zu ähnlich ausschauenden Logos und Logodubletten kommt. Das ist oftmals auch vollkommen unkritisch, wie die meisten der in diesem Artikel aufgeführten Beispiele zeigen – zwillingsgleiche Logos in friedlicher Co-Existenz gewissermaßen.

Einem Gefühl von Unbehagen, das einen als Gestalter beschleicht, wenn man entdeckt hat, dass die eigene Kreation nicht einzigartig ist, kann man sich kurz hingeben; muss man aber auch nicht. Problematisch wird eine starke Ähnlichkeit des Marken- oder Firmenlogos eigentlich nur, sofern Interessen kollidieren, etwa, wenn die betreffenden Unternehmen ähnliche Produkte oder Dienstleistungen anbieten und offensichtlich die Gefahr der Verwechslung besteht. Je ähnlicher die Logos und je stärker die Konkurrenz, desto wahrscheinlicher ist es, dass eines der Unternehmen rechtliche Schritte einleiten wird, um den unliebsamen Zwilling aus dem Nest zu stoßen

Schon allein um Rechtsstreitigkeiten aus dem Wege zu gehen, sollte noch vor Beginn der Kreation eine Recherche zur Pflicht eines jeden Gestalters gehören. Kleine Budgets, hoher Zeitdruck und womöglich unzureichende Ausbildung wirken allerdings solch einer Sorgfaltspflicht nicht selten entgegen. Dass trotz üppig ausgestattetem Budget auch in großen Agenturen Logodubletten produziert werden, beweist das im Sommer letzten Jahres im dt vorgestellte HSE-Logo von Jung von Matt, das natürlich in dieser Galerie nicht fehlen darf. Fehler passieren, übrigens auch bei der Recherche, wie ich zuletzt erst einräumen musste. Aber eigentlich geht es bei dieser kleinen Logosammlung auch gar nicht um Fehler, auch nicht um Kopien. Vielmehr zeigen die Logogegenüberstellungen, dass es friedliche Co-Existenzen gibt. Es steht nicht zu befürchten, dass Apple die Tourismusregion Thurgau mit dem Vorwurf der Markenschutzverletzung konfrontiert. Warum auch? Thurgau ist die Apfelkammer der Schweiz, nicht Silicon Valley.

Und da das Wörtchen „Plagiat“ dieser Tage besonders häufig fällt, sei gesagt, dass keinesfalls die hier gezeigten Logos bezichtigt werden, eben solche zu sein. Eine profane Erkenntnis ist nun einmal, dass ein und die selbe Idee, an zwei unterschiedlichen Orten von unterschiedlichen Menschen zeitgleich ihren Ursprung haben kann. Die Logos von Canton und Erco sind solch ein Fall. Die Redensart „Zwei Dumme, ein Gedanke“ kommt nicht von ungefähr, denn tatsächlich gibt es sie, die Zufälle. Das Internet beugt misslichen Zufällen vor. Die Bilderdienste von Google, Bing oder auch Gazopa, einem Suchdienst für ähnliche Motive, helfen uns dabei, Dubletten ausfindig zu machen. Ganz offensichtliche Übereinstimmungen hat man somit bereits nach 5 Minuten Recherchearbeit erfasst, sofern es sie denn gibt. Dass es Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten gibt, ist mit Blick auf die Flut an Logokreationen durchaus wahrscheinlich, womit wir wieder am Anfang wären. Originalität war wohl nie schwerer zu erreichen als heutzutage…

35 Kommentare zu “Logos von Geburt an getrennt – 10 Logodubletten

  1. Schon allein um Rechtsstreitigkeiten aus dem Wege zu gehen, sollte noch vor Beginn der Kreation eine Recherche zur Pflicht eines jeden Gestalters gehören.

    Finde ich aber schwierig, da man dadurch zu sehr in seiner kreativen Arbeit beeinflusst werden kann und vielleicht gute Ansätze gar nicht erst ausprobiert, wenn man Ähnliches während der Recherche bereits gesehen hat.

  2. @simon das SWBS-Logo ist vermutlich älter, als die bei 4. Meines Wissens von einem Prof in den Anfangstagen entworfen.

    @Mars – das MIT-Logo ist auch mal von der Uni Hannover, als sie sich vor einigen Jahren in Leibniz Universität Hannover (LUH) markenumbaute, sagen wir mal… adaptiert worden.

    Ich hab es noch in den unendlichen Weiten des WWW gefunden. Es wurde kurz nach seiner Einführung, vermutlich wegen der (evtl. ungewollten) Doubletten-Thematik, ersetzt:

    Das wirklich Außergewöhnliche (in meinen Augen) am M.I.T. ist, dass sie es schaffen, mit wenigen CI-Vorgaben (vor allem eben das Logo und Vorgaben für seine Verwendung), das kreative Potential und Können ihrer Mitarbeitenden und Studis anzufachen, so dass jede/r und jedes Institut nach den eigenen Bedürfnissen Web- und Printprojekte machen kann, ohne dass der Zusammenhalt verloren geht. Quasi “CI in the cloud”… Mag natürlich auch am hohen Niveau an einer Uni, die zu den besten der Welt gezählt wird, liegen ;-)

    Aber das alles ist wiederum ein völlig anderes Thema… Ich hab mich nur gern dran erinnert, als ich das Logo hier wiederfand.

    Grüße in die Runde
    liqui

  3. Onkyo und Sony ist mein Favorit. Gerade weil sich 80% der Buchstaben gleichen. Je nachdem dichtet man sich ein K bzw ein S hinzu und schwupps hat man ein neues Logo :D

  4. Viele gute Logos basieren nun mal auf einem einfachen Vorrat an Urformen, der bereits erschöpft ist. Es lassen sich aus diesem Fundus zwar Millionen Abwandlungen schaffen, formal werden sie jedoch alle als ähnlich empfunden, obwohl sie sich unterscheiden.

    Ich denke nicht, dass (bei aller Ähnlichkeit) auch nur eines der o.g. Logos ein Plagiat ist, zumal in den meisten Fällen nicht im Entferntesten eine Wesensverwandtschaft der Produkte vorhanden ist. Schon bei der Diskussion um das Ecuador-/Glücksspirale-Logo hatte ich geäußert, dass es unsinnig ist, Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

    Wem “gehört” die Farbe Rot? Ist alles Rote Marlboro? Oder Coca-Cola?

    Den Sony/Onkyo-Vergleich fand ich erstaunlich. War mir noch nicht aufgefallen. Die vermeintliche Ähnlichkeit ist aus meiner Sicht aber unerheblich.

    Etliche Buchverlage leben sehr gut davon, “Inspirationsquellen” in gedruckter Form zu vermarkten. Das ist nicht verwerflich. Wer diese Bücher nutzt, sollte allerdings immer daran arbeiten, Neues daraus zu entwickeln und das Gezeigte besser zu machen.

Kommentar verfassen

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>