Indische Rupie erhält eigenes Symbol

Rupie Symbol

Die indische Währung Rupie erhält ein eigenes Symbol. Im Rahmen eines groß angelegten Wettbewerbs setzte sich ein Zeichen durch, das Anleihen des indischen Devanagari-Schriftsystems aufweist und gleichzeitig die Nähe zum lateinischen Alphabet herstellt. Analog zum Euro-Symbol verfügt es über zwei Horizontalen.

Unter anderem wurden die Leser der Economic Times in einer Umfrage aufgefordert, das aus ihrer Sicht beste Zeichen auszuwählen. Der finale Entwurf war allerdings nicht mit dabei. Letztendlich wählte eine Jury, besetzt mit ranghohen Regierungsmitgliedern, erst eine Shortlist mit fünf Kandidaten aus, und schließlich das finale Symbol.

D Udaya Kumar ist verantwortlich für die Gestaltung des Symbols. Die beiden horizontalen Linien interpretiert er als Querbalken der indischen Staatsflagge. Zum Zeitpunkt des Entwurfs war Kumar als Student an der Indian Institute of Technology eingeschrieben und darf sich nun über das Preisgeld in Höhe von umgerechnet 4.200 Euro freuen. Er bleibt dem Institut zukünftig als Dozent im Department of Design erhalten.

Danke Dennis für den ersten Hinweis.

32 Kommentare zu “Indische Rupie erhält eigenes Symbol

  1. @Corinna: Das Zu-lateinisch-Denken kann ich mit Kana widerlegen (an Kanji knabber’ ich noch). :)

    Ich wollte damit auch nicht sagen, dass es ein “R” ist, sondern dass ich es entweder auf einem “R” basiert hätte, oder (was mir auf den zweiten Blick noch besser als Idee gefällt), auf dem Nagari-र als Grundform, das ja völlig anders “schwingt”. So ist es irgendwie nix Halbes und nix Ganzes. Aber mal sehen, was der Alltagsgebrauch draus schleift, ich tippe auf eine Reduktion auf र mit Zusatzstrich.

  2. Den Fingerbruch kann ich nicht nachvollziehen, und es funktioniert erstaunlicherweise durchaus auch in minimalistischer Größe. Gefällt mir soweit auch gut, gratuliere dem Gewinner.

  3. Hier eine fundiertere Diskussion zu dem Thema (wenn ich hier von “Logo”, “instabil”, “Glyphen” etc. lese, habe ich das Gefühl, dass ein paar hier nichts verstanden haben):

    http://www.typophile.com/node/72290

    Speziell die Beiträge von John Hudson werfen ein paar interessante Ideen und Fragen auf.

    Letztlich ist das Ganze jetzt mal ein Graphem, abgeleitet aus “ra” und einem Querbalken, das vermutlich sowohl schreibbar als auch grafisch bewältigbar ist.
    Auch wenn das der Entwerfer oder auch die indische Regierung vielleicht anders sieht (die EU wollte die Form des €-Zeichens ja auch irrigierweise standardisieren, und niemanden hat das richtigerweise interessiert): Die Ausformung der Glyphen dürfen Schriftgestalter übernehmen – wenn’s eine “DIN India” sein soll, wird diese anders aussehen, als bei einer “Basar Script”, und ob das ganze indisch oder latinisiert aussieht, wird auch vom Schriftentwurf abhängen, so wie es z.B. auch “echte” und latinisierte griechische Schriften gibt.
    Und auf der Ebene kann man dann über Instabilitäten, Formen, Flecken, etc. sprechen.

  4. Das Zeichen ist nicht vom lateinischen R abgeleitet. Radiert man die untere Horizontale weg, hat man das R der Nagari. Die untere Horizontale ist problematisch, weil sie auch das Zeichen für N ist. Läge sie auf dem Knick, ergäbe es die Ligatur RN. Die obere Horizontale haben übrigens fast alle Zeichen der Nagari. Die hat also nix mit dem Währungszeichen zu tun. In der Nagari gibt es eine geschriebene Oberlinie als Orientierungslinie, während bei uns eine unsichtbare Grundlinie die Orientierungslinie ist. Unsere Zeichen stehen also, die der Nagari hängen.

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    “Sieht ja erst mal ganz schick aus, funktioniert aber in kleineren Schriftgraden – und vor allem bei handschriftlichen Auszeichnungen schlecht: Der obere Teil des Bogens wird dann nämlich kaum noch als solcher zwischen den beiden Strichen erkennbar sein.”

    -> Du hast noch nie Nagari-Schrift gesehen, oder? Da gibt es noch viel komplexere Ligaturen.

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    “Man hätte das natürlich auch über einen doppelten Stamm beim R lösen können. Etwa so: lR”

    -> Nein. Vertikale Striche verwendet man für Vokale.

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    “Ich finde es nicht rund. Bei einem “E” gibt es schon einen horizontalen Balken in der Mitte, die Lösung mit 2 Balken ist beim €-Symbol einfach stimmig. Dem “R” wurde einfach der Rücken genommen und es wurde noch ein “=” drübergelegt. Die Abstände sind auch nicht gleich.”

    ->Es ist ein ganz normales Nagari-R mit ‘nem zusätzlichen horizontalen Strich in der Mitte. Der darüber hat nichts mit dem Währungssymbol zu tun. Er gehört zum Schriftsystem. Die Abstände der beiden Striche ergibt sich fast zwingend, weil ein tiefer sitzender Balken ein anderes Schriftzeichen ergäbe.

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    “Interessant ist die Herkunft der Horizontalstriche, die sich aus der Verschmelzung des indischen (Devanagari) und lateinischen „R“ herleiten lassen – also nicht bloß eine Euro-, Yen- oder Pfund-Kopie sind.”
    -> Nein. Das hat mit dem lateinischen R nichts zu tun.

  5. Fast spannender als das Erscheinen eines neuen Währungszeichens ist hier die sichtbare Tendenz eines ausgeprägten Eurozentrismus. (Ich nehme mich da selbst nicht aus.) Der Mensch neigt eben immer dazu, nach seinem eigenen Erfahrungshorizont zu urteilen …

    Vielen Dank in diesem Zusammenhang an alle, welche durch ihr Wissen um die tatsächlichen kulturellen Hintergründe zum besseren Verständniss der Herleitung dieses Zeichens beigetragen haben – und gleichzeitig dazu anregen, bisweilen aus den erlernten und manchmal all zu starren Denkmustern heraus zu treten.

  6. Nimmt man Papier und Stift, dann merkt man schnell: der aktuelle Entwurf geht nicht leicht von der Hand. Somit meiner Meinung nach nicht alltagstauglich.

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