Girondins Bordeaux präsentiert ein neues Vereinslogo, und erntet den Zorn der Fans

Girondins Bordeaux Logo, Quelle: Girondins Bordeaux

Girondins Bordeaux Logo, Quelle: Girondins Bordeaux

Der FC Girondins de Bordeaux, zuletzt 2009 französischer Meister, hat in der vergangenen Woche eine neue visuelle Identität samt neuem Vereinslogo präsentiert. Das neue Erscheinungsbild ist Teil eines auf drei Säulen aufbauenden Strategieplans, der dazu beitragen soll, den Club zu alter Stärke zurückzuführen. Fans des Clubs fühlen sich hingegen übergangen.

Nachdem bereits im vergangenen Sommer der FC Nantes ein neues Vereinsemblem bekommen hat, und sich Stade de Reims seit wenigen Tagen mit veränderter visueller Identität präsentiert, folgt mit dem FC Girondins de Bordeaux ein weiterer Fußballverein der französischen Ligue 1. Der traditionsreiche Club will sich national wie international weltoffen und modern präsentieren und sieht sich im Jahr 2020, auch dank verändertem Vereinsemblem, vor dem Beginn eines entscheidenden Jahrzehntes.

Auf Basis einer Drei-Säulen-Strategie sollen der Club und die Marke Girondins Bordeaux möglichst bald zu alter Größe zurückfinden. Die drei Säulen: SPORT: einzigartige Spielkultur / regelmäßig europäische Qualifikationsplätze erreichen. REGION: integraler Bestandteil der “Gironde-Gemeinschaft”. GLOBAL: Profil schärfen und neue Märkte erschließen, insbesondere Asien, China, USA. Wie es in der anlässlich des Redesigns veröffentlichten Publikation/Broschüre heißt, sei der Drei-Punkte-Plan von Aktionären, Mitarbeitern und Partnern getragen. Die eigenen Fans werden an dieser Stelle nicht explizit genannt.

Girondins Bordeaux Logo auf Trikot, Quelle: Girondins Bordeaux

Girondins Bordeaux Logo auf Trikot, Quelle: Girondins Bordeaux

Folgt man französischen Medienberichten und Diskussionen im Umfeld von Social Media, entsteht der Eindruck, dass sich Fans bei der Frage nach der veränderten visuellen Ausrichtung regelrecht übergangen fühlen. In weiten Teil der Fanszene findet das neue Logo keine Unterstützung. Die von der Clubführung beschlossenen Maßnahmen, so ein Pressekommentar, würden die Spannung zwischen Fans und Clubmanagement zusätzlich verschärfen. Laut Clubchef Frédéric Longuépée habe der Verein allerdings Fans einschließlich der Ultramarins-Fangruppe frühzeitig in den Entwicklungsprozess versucht einzubinden – diese hätten den Dialog jedoch nicht fortsetzen wollen.

Girondins Bordeaux Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Girondins Bordeaux, Bildmontage: dt

Girondins Bordeaux Logo, Quelle: Girondins Bordeaux

Auf der Facebook-Seite des Vereins finden sich unter dem neuen Vereinslogo mittlerweile mehrere Tausend zumeist ablehnende Kommentare. Kritisiert wird unter anderem die im neuen Emblem vollzogene umgekehrte Schreibweise des Vereinsnamens, die zudem eine optische Hervorhebung von „Bordeaux“ gegenüber „Girondins“ vorsieht. Dabei wurde der Name in einer schmalen, serifenlosen Schriftart neu gesetzt. Auch mit dem Entfernen des Kürzels „FC“ sowie den drei Sicheln (Croissants), zu deren Bedeutung unterschiedliche Geschichten ranken, sind viele Fans nicht einverstanden. Der für den Club charakteristische Skapulier-Winkel bleibt erhalten, wurde jedoch abgeflacht und an den Ecken abgerundet. Die umgebende Schildform passt sich nun der Winkelform an. Die Vereinsfarben Blau und Weiß wurden zugunsten eines helleren Blautons modifiziert. Erstmals wurde zudem Braun/Bronze als Farbton mit in das Vereinsemblem aufgenommen.

Kommentar

Handwerklich-gestalterisch lässt sich im Prinzip recht wenig beanstanden. Das neue Vereinsemblem wirkt moderner, mehr im Jetzt, insbesondere aufgrund der Typo-Umstellung auf eine nunmehr serifenlose Schrift. Auch die Angleichung von Winkel und umgebenden Schild wirkt sich positiv auf die Anmutung des Vereinsemblems aus. Was die Verantwortlichen dazu veranlasst hat, „Bordeaux“ entgegen der üblichen Aussprache zuoberst zu platzieren, ist für mich als externer Beobachter jedoch nicht nachvollziehbar.

Im Hinblick auf die Spannungen, die offenbar zwischen Verein und Fans schon länger bestehen, ist davon auszugehen, dass selbst die kleinste Änderung am Vereinsemblem Negativkritik seitens der Fans nach sich gezogen hätte. Stillstand kann jedoch keine Option sein. Auch ein Verein muss in der Lage sein, sein Erscheinungsbild von Zeit zu Zeit anzupassen, sei es um auf veränderte Strukturen im Verein oder aber auf gesellschaftliche oder technologische Entwicklungen zu reagieren. Anderseits: wenn absehbar ist, dass die eingeschlagene Richtung mehrheitlich von Fans abgelehnt wird, sollte man alles daran setzen, den Dialog fortzusetzen. In China neue Fans zu gewinnen, wird der Marke Girondins Bordeaux wenig bringen, wenn der Verein in der angestammten Region seine Basis verliert.

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12 Kommentare zu “Girondins Bordeaux präsentiert ein neues Vereinslogo, und erntet den Zorn der Fans

  1. Was mir aufgefallen ist: in der S/W Variante am Trikot ist die Zahl 1881 ganz anders. Die 1er haben keinen Aufstrich und sind auch wesentlich kleiner als die 8er. Finde ich nicht unschön, aber wieso die 2 Varianten?

    • Interessante Feststellung. Ich finde, dass die Trikot-Variante sogar besser ist, da so das 1881 dem Winkel darunter folgt. Auch das schwarz auf weiß finde ich sehr edel.

  2. Gestalterisch jedenfalls klar besser als der Vorgänger. Dieses Mini-Icon im Wappen machte auch in der Form wenig Sinn. Nur den Namen finde ich jetzt unlogisch. Die heißen nun “Bordeaux Girondins”. Sinn?

  3. Gestalterisch gibt es wirklich wenig zu bemängeln. Moderner, frischer Look in dem die Elemente in ihrer Anordnung noch einmal deutlich aufgeräumter und harmonischer wirken. Das neue Logo erinnert in seinem gesamten Erscheinungsbild fast an einen US-Amerikanischen MLS Club. Die Kehrseite ist jedoch oft, dass viele Modernisierungsprozesse ein Logo weniger traditionsreich erscheinen lassen.
    Ein Großteil der Fan-Kritik ist sicherlich mehr auf inhaltliche Aspekte, als auf gestalterische Aspekte zurück zu führen. Wenn in einem Wappen der Vereinsname bzw. die Wortfolge manipuliert wird, kann man nicht davon ausgehen, dass ein Großteil der Fanszene dies kommentarlos abnickt und anerkennt.

  4. Gestalterisch gut gemacht, wobei mir die 1881 in der Trikot-Variante auch besser gefällt (warum nicht einheitlich?).

    Inhaltlich ist die Kritik der Fans nachvollziehbar. Das wäre hierzulande sicher nicht anders, wenn es plötzlich München Bayern, SV Hamburg oder Bremen Werder hieße.

  5. …dass man Bordeaux vor das Girondins setzt, ist sicher alleine der Tatsache geschuldet, dass “Bordeaux” als Wortmarke international und vor allem im asiatischen Raum aufgrund des gleichnamigen Weines besser vermarktbar ist…

    Allerdings halte ich die Aufgabe der lokalen Identität zugunsten einer internationalen Ausrichtung gefährlich bei “kleinen” Vereinen und bin da ganz bei Achim. Sicherlich macht es Sinn, nach neuen Märkten zu suchen, aber ob die Gewinne dort die Verluste in Heimatmärkten aufwiegen? Zweifelhaft. Andererseits sind Vereine auch immer mehr SportUNTERNEHMEN, das pauschale Traditionsdenken der Fans ist da ebenso gefährlich. Aber das ist eine ganz andere Diskussion.

  6. Es mag handwerklich ein gutes Logo sein, nur wird es dadurch weder schöner noch passender für den Verein.

    Das neue Logo transportiert nicht im Ansatz die große Geschichte des Vereins, sieht schlicht billig aus, meiner Meinung nach.

      • Alle anderen SIND die Geschichte des Vereins. Klar, man könnte argumentieren, dass das neue Logo diesen Status ebenfalls erreichen kann, doch dafür sieht es schlicht zu beliebig aus.

        Im Übrigen haben die drei “vereinfachten” runden Logos auch nie einen Kultstatus erreicht, sie waren ebenfalls recht austauschbar.

        Ich kann den Wechsel des Logos ohnehin nicht nachvollziehen. Das bisherige war sehr zeitlos, während das neue Logo ein Kind der aktuellen Zeit ist und im Prinzip in ein paar Jahren wieder aktualisiert werden muss. Wenn man das Logo schon erneuert, dann hätte ich mir eine Anlehnung an die drei älteren der kreisrunden Logos gewünscht.

      • Das bisherige war sehr zeitlos

        Nein, war es nicht. Über das Schriftbild mit Serifen und den mehr schlecht als recht angeordneten Elementen vermittelt sich eine Ästhethik, die zweifellos nicht der Gegenwart entspringt. Aufbau und Gestaltung sprechen ganz deutlich eine Bildsprache, wie sie früher einmal „en vogue“ gewesen ist. Insofern ist jedes Emblem, auch das neue Logo, ein Zeichen seiner Zeit.

        Aus genannten Gründen glaube ich ja, dass es „zeitloses Design“, zumindest in der umgangssprachlichen Verwendung, gar nicht gibt. Eine Art moderner Mythos, der gerne in der Werbung bemüht wird, wenn Premiunanspruch kommuniziert werden soll. Design, das in bestimmten Epochen und Dekaden entstanden ist, ist sein zeitlicher Ursprung in aller Regel auch anzusehen, ein geschultes Auge vorausgesetzt. Man denke etwa an Objekte, Bauwerke und Grafiken, die zu Zeiten des Bauhaus entstanden sind, deren Form gerne als „zeitlos schön“ bezeichnet werden, die jedoch unverkennbar Vorstellungen widerspiegeln, wie sie für die damalige Zeit innerhalb der Bauhaus-Bewegung typisch und für das Design charakteristisch gewesen sind.

        Zurück zu Bordeaux. In vielleicht zehn, zwanzig Jahren wird man über das nächste Redesign des Emblems/Logos sprechen. Und dann werden wieder Viele die neue Form ablehnen, da sie nicht als Teil der Geschichte des Clubs angesehen wird. Wie heißt es so schön: die einzige Konstante im Leben, ist die Veränderung. Es liegt in der Natur der Sache, dass Traditionalisten jedwede Veränderung möglichst meiden.

    • Ok, die Formulierung war unglücklich, wenngleich ich an dem Begriff “zeitlos” festhalten möchte. Das alte Logo war für das ungeschulte Auge zeitlos. Kein Fußballfan hätte formuliert, dass das Logo von Girondins Bordeaux in irgendeiner Form veraltet wäre. Dass Designer einen anderen Blick darauf haben, ist klar.

      Und auch wenn ich deine grundsätzliche Kritik am Traditionalismus zumindest auf gesellschaftspolitischer Ebene durchaus teile, finde ich sie hier vollkommen deplatziert, da der Fußball, bzw. der von Fans geprägte Sport schlicht anders formuliert. Tradition und die permanente Erinnerung daran, ist ein essentieller Teil dessen. Die wenigsten Fußball-Logos würde man heute genau so designen, Veränderungen finden in der Regel nur im Detail stand. Fans identifizieren sich in einem ganz anderen Maße mit ihnen, als es mit klassischen Markenlogos der Fall ist. Oftmals haben sie das Logo gar tätowiert.

      Eine Redesign wie es hier vollzogen wurde, entspricht auf reiner Design-Ebene mit Sicherheit dem Zeitgeist, verfehlt allerdings die Realität des Fantums, trifft nur jene des modernen Fußballs. Die Reaktion der Fans ist deshalb absolut erwartbar. Identifikationssymbole haben sich wiedermal als austauschbar erwiesen.

      Dass auch Fußball-Logos auf dieser Seite aus reiner Designer-Perspektive betrachtet werden, ist logisch. Nur darf keine Verwunderung über eine gegenteilige Bewertung von Seiten der Fußballfans, beispielsweise in diesem Fall, herrschen.

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