Europol inszeniert Maskerade des Verbrechens, und verkehrt dabei die Realität

Europol – Crime has no gender Kampagne, Quelle: Europol

Europol – Crime has no gender Kampagne, Quelle: Europol

Mit einer ungewöhnlichen Kampagne ruft Europol, die Polizeibehörde der Europäischen Union, derzeit die Bevölkerung zur Mithilfe beim Aufspüren der meistgesuchten Verbrecher Europas auf. Die Botschaft, die mit Hilfe der Kampagne gesendet werden soll: Kriminalität hat kein Geschlecht. Aufgrund ihrer Machart stiftet die Kampagne jedoch mehr Verwirrung als dass sie zu Aufklärung beiträgt.

21 EU-Mitgliedstaaten haben einen ihrer meistgesuchten Verbrecher für diese Kampagne ausgewählt. Die Verbrecher beiderlei Geschlechts werden von europäischen Polizeibehörde in Den Haag alle wegen schwerer Straftaten wie Mord, Drogenhandel, Betrug, Diebstahl und Menschenhandel gesucht. Von den 21 Personen der Most-Wanted-Kampagne sind in diesem Jahr 18 Frauen. Ziel der aufwendig inszenierten Kampagne ist es, möglichst viele Besucher auf die Website eumostwanted.eu zu locken.

Die gesuchten Verbrecherinnen/Verbrecher werden auf der Kampagnen-Website eumostwanted.eu/crimehasnogender zunächst mit einer Vollmaske abgebildet. Bei Scrollvorgang verschwinden nach und nach Teile der Maske und Informationen und das Gesicht des Verbrechers erscheinen, sodass schließlich auch das Geschlecht zu erkennen ist.

Seit dem Launch der eumostwanted-Website vor drei Jahren habe die Behörde 69 Kriminelle, die auf der Website vorgestellt wurden, verhaften können. In mindestens 21 Fällen sei die Verhaftung auf Informationen zurückzuführen, die der Behörde über die Website auf anonymen Wege zugetragen wurde.

Kommentar

Kriminelle in dieser Art und Weise darzustellen, erzeugt Aufmerksamkeit – die zahlreichen Berichte in den Medien belegen dies. Die Verantwortlichen bei Europol dürften sich also bestätigt fühlen, die Kampagne ins Leben gerufen zu haben. Die Inszenierung mittels schicker Masken und kreativer Verkleidung sorgt jedoch dafür, dass Verbrecher und Verbrecherinnen in den Rang eines Stars, einer besonderen Persönlichkeit erhoben werden, für die eine aufwendige Kampagne mit ansprechendem Artwork kreiert wurde, zu der auch eine eigene Website gehört.

Die Maskerade ist seit vielen Jahrzehnten fester Bestandteil der Popkultur und auch aus Filmen nicht wegzudenken. Kürzlich feierte die Unterhaltungsshow „The Masked Singer“ auf Pro 7 Premiere. Ohne ihre auffällige Verkleidung und coolen Masken wären Bands wie Kiss und Lordi oder Sänger wie Sido und Cro wohl kaum so erfolgreich. Personen, die ihr wahres Gesicht hinter einer Maske verbergen, gelten seit je als geheimnisvoll und unnahbar. Deshalb vermittelt die aktuelle Most-Wanted-Kampagne leider ein völlig falsches Bild. Schwerverbrecher sollten nicht als cool und geheimnisvoll angesehen werden.

In Bezug auf das Geschlecht von Verbrechern sendet die Kampagne zudem eine Botschaft, die man schlichtweg als irreführend bezeichnen muss. Auf der Website sind 21 Kriminelle zu sehen, von denen lediglich 3 männlich sind. Dies verkehrt jedoch die Realität. Kriminalität ist in erster Linie männlich, wie auch die polizeiliche Kriminal­statistik (PKS) belegt. Die überwiegende Mehrheit der Straftaten wird demnach von Männern begangen (im Verhältnis von etwa 4:1). Die Website legt nahe, dass es insbesondere Frauen seien, die Verbrechen begingen. Deshalb sollte Europol die Kampagnen-Website rasch wieder vom Netz nehmen.

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16 Kommentare zu “Europol inszeniert Maskerade des Verbrechens, und verkehrt dabei die Realität

  1. Wow! Ich stimme Achim zu: Die Überhöhung, die die gesuchten Personen, durch die individuelle Präsentation erhalten will sich mir nicht erschließen! Welche Wirkung sollen die ästhetisierten und aufwändigen Composings denn haben, als die damit geschmückten Personen zu Fantasiefiguren zu stilisieren? Zu „Stars“ der Szene?
    Es geht hier doch nicht darum, den nächsten Hollywood-Villain zu küren, hier geht es um echte Menschen – um die Wahrung gesetzlicher Standards und Grundregeln?
    Geld kostet sowas ja auch noch – wer um alles in der Welt hat sich denn das Konzept ausgedacht?

    Und wie soll sowas weiter gehen?
    Wird man die Festnahmen auch inszenieren wollen? Die Prozesse? Der Strafmaßnahmen? (So ein öffentlicher Pranger wäre da doch auch viel sexier als die Unzugänglichkeit irgendeiner Zelle irgendeiner Justizvollzugsanstalt…)

  2. Ich möchte den Ansatz hermit ausdrücklich loben. Selbstverständlich empfinde ich die gewählte Zusammenführung von Stil und Gegenstand ebenfalls als konfliktträchtig, mindestens in moralischer Hinsicht. Allerdings mache ich selbst leider immer häufiger die Erfahrung, dass allein schon die Vorgaben des Auftraggebers zwingend auf ein untaugliches Ergebnis hinsteuern und ihr Unverständnis für die Materie noch der letzten Wirksamkeit die Luft abzuschnüren vermag. Da ziehe ich Provokation eindeutig vor, zumal wenn sie als gekonnt eingesetzte Methode von Fachkunde zeugt. Dass die für eine so hohe Trefferquote notwendige Grund-Aufmerksamkeit sich ohne wirkungsvolle Impulse aber nicht halten lässt, versteht sich von selbst.

    • Du kannst auf die Website gehen und dir den Quellcode anzeigen lassen, wenn du in Zukunft solche Sachen selber rausfinden möchtest ;) Bedarf nur ein wenig Suche und Einarbeitung.

      In diesem Fall ist die erste Schrift im Stack (und auch die auf den Screenshots) Roboto.

      Gern geschehen!

  3. „Crime has no Gender“ – scheinbar ja doch.

    Ich lehne mich mal ganz seicht aus dem Fenster und vermute, dass man eigentlich folgendes mit der Kampagne aussagen wollte: Dem Verbrechen ist es egal welches Geschlecht man hat. Nur klingt „crime doesn’t care about gender“ nicht so schön griffig.

    Auch die Inszenierung kann ich künstlerisch total nachvollziehen, indem die Verbrecher mit mehr und mehr Informationen über die Tat demaskiert werden. Allerdings erwarte ich von einer Institution wie die Europol eher eine brutale Sachlichkeit als eine Stilisierung und auch Idealisierung der Taten.

    Wenn man schon die 21 super-most Wanted kürt, dann will ich die eher so aufgelistet sehen wie auf der eigentlichen Seite (https://eumostwanted.eu/). Alle auf einmal.

    Ich hätte da mehr auf eine typografische Lösung gesetzt als den Maskenball.

  4. 1: „Warum zum Geier würde man in einer Kampagne gegen Gewalt plötzlich das Geschlecht vorne ran stellen??“
    2: Das es überwiegend Frauen sind, hat mich etwas schockiert und überrascht.
    3: Dann kam mir der Gedanke, „Ahh. Der Name der Kampagne soll wohl davon ablenken dass es sich hier meist um Frauen handelt, oder wie?“

    Der Look der Kampagne errinnert mich an Fortnite, FarCry oder ähnliche Shooter, in denen man sich bunt maskiert „durchballert“. Geschmacklos und am Ziel vorbei. :/

  5. „Die Inszenierung mittels schicker Masken und kreativer Verkleidung sorgt jedoch dafür, dass Verbrecher und Verbrecherinnen in den Rang eines Stars, einer besonderen Persönlichkeit erhoben werden,“
    Charles Manson, Jack the Ripper oder Al Capone sind auch ohne solche Kampagnen zumindest Bestandteil der Popkultur. Gewissen Amokläufer, wie die von Columbine sind ebenso „Vorbilder“.
    Das Image haben diese Verbrecher so oder so, zumindest sofern es nicht um Dinge mit Minderjährigen geht.

    Die Aktion von Europol dient imho in erster Linie darauf die Aufmerksamkeit auf diese Liste zu ziehen, die vom Großteil der Bevölkerung wohl nicht aktiv benutzt wird.
    Eine gewisse Kontroverse wird wohl eingeplant gewesen sein um das Thema in die Medien zu bringen, da sie sonst nicht über dieses Thema berichten.

  6. In den USA kann man öfters beobachten, dass die Realität wie eine TV-Serie oder Kinofilm inszeniert wird; dass sowohl Realität als auch Fiktion zu Entertainment verwurstet werden kann, gleichwohl ob es sich um dramatische Dinge handelt.
    Europa blieb meist ’sachlicher‘, wenn es um reale Dinge ging. Mit dieser Kampagne, die eigentlich mehr eine Werbeseite zu einem Breaking-Bad-Nachfolger sein könnte, zeigt sich dieser Trend aber nun auch hier.
    Für mich ähnlich wie die jüngsten Bundeswehr-Werbungen, die nicht mehr klar erkennen lassen, was Bundeswehr ‚real‘ bedeutet.
    Auch bei netflix kann ich Ähnliches beobachten, nämlich dass man keine Informationen direkt eingeblendet bekommt, ob es sich bei dem Angebotenen um eine fiktive Sache oder um eine Doku mit ‚echtem‘ Inhalt handelt.
    Dass es für Unterhaltung keine Rolle mehr spielt, ob etwas Dramatisches wirklich passiert oder inszeniert wird, finde ich eine bislang in der Wahrnehmung stark vernachlässigte, negative Entwicklung in der westlichen Gesellschaft (ich sehe auch hier XY skeptisch)!
    Und diese Webseite ist Unterhaltung!

    Die Gender-Diskussion damit zu vermischen ist absolut geschmacklos!

    Provokationen zwecks Aufmerksamkeit ist ein Werkzeug der gewinnorientierten Unterhaltungsindustrie und sollte nicht das Werkzeug einer staatlichen Einrichtung sein!

    Des Weiteren völlig richtig, dies als Heroisierung der Kriminellen zu kritisieren! Schöner könnte sich keiner seinen Internetauftritt selbst gestalten. Wo doch der Internetauftritt von einem zum Wichtigsten im Leben wird.
    Ich will auch so was!

  7. Ich bin in der Justiz tätig und kann zumindest sagen, dass es hierzu in Fachkreisen eine intensive Diskussion darüber gibt, ob hier nicht Korrelation und Kausalität verwechselt werden. Sind Männer häufiger als Kriminelle überführt (=Teil der Statistik) weil Männer häufiger kriminell sind oder weil das klassische Rollenbild Frauen sozusagen weniger „Böses“ zutraut, weibliche Verdächtige erst gar nicht in den Fokus geraten. Das Bild von der warmen, friedlichen, sozialen und auch schwachen Frau, die höchstens Schutz braucht aber unmöglich eine Gefahr sein kann, gar für Männer. Die insgesamt schlechten Aufklärungsquoten lassen reichlich Raum für eine tatsächliche Gleichberechtigung der Geschlechter bei Kriminalität.

    Das kann damit beginnen, dass zB fremde Frauen in Nachbarschaften eher arglos übersehen werden, Stichwort Ausspähung für Einbrüche und endet darin, dass es viele Belege in der Kriminologie dafür gibt, dass Frauen tatsächlich bei Mord und Totschlag nur schwerer zu ertappen sind, da sie ihre tatsächlich oft unterlegenen körperliche Kraft durch Gift und dergleichen ausgleichen und Straftaten gegen das Leben mit blanker Gewalt sind erstens leichter als solche zu erkennen (ohne Obduktion ist Gift selten zu erkennen und die Leichenschau ist in Deutschland notorisch oberflächlich, gerade durch Hausärzte) und hinterlassen zweitens mehr verwertbare Spuren.

    Ohne hier weiter in Details zu gehen muss ich deinen Einspruch aus den angerissenen Überlegungen in der Pauschalität zurückweisen. Dass dir diese Gedanken, als Mann selbstverständlich, gekommen sind ist übrigens ein Beleg dafür wie hier noch alte Rollenbilder vorherrschen. Ganz ohne persönlichen Vorwurf.

    • Herzlichen Dank Eric, für Deinen Kommentar und Deine Einschätzung aus dem Umfeld der Justiz.

      Europol möchte darauf aufmerksam machen, das Frauen offenbar allein aufgrund ihres Geschlechts von vielen Menschen als Täter ausgeschlossen werden. Ein nachvollziehbares Ansinnen. Die gewählten Mittel sind jedoch fragwürdig, sowohl was die Inszenierung mittels aufwendiger Gestaltung betrifft, als auch die Fokussierung auf das weibliche Geschlecht. Die Website suggeriert, dass es vor allem Frauen sind, die auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher stehen. Europol verkehrt dabei die Realität. Statt lediglich drei Männer abzubilden, wäre es besser gewesen, da es dem tatsächlichen Verhältnis entspricht, fünf Frauen unter den ingesamt 21 Verbrechern zu zeigen. Die von mir geäußerte Kritik bezogen auf die visuelle Gestaltung bestünde freilich weiterhin.

      Dass dir diese Gedanken, als Mann selbstverständlich, gekommen sind ist übrigens ein Beleg dafür wie hier noch alte Rollenbilder vorherrschen.

      „wie hier“ ist in diesem Zusammenhang nicht im Sinne von „generell“ zu verstehen, sondern, da ich ja direkt angesprochen werde, als „wie bei Dir“, daher werte ich diese Behauptung sehr wohl als Vorwurf, ohne es dabei allzu persönlich zu nehmen. In erster Linie ist die Aussage im letzten Absatz ein Beleg dafür, dass Menschen vorschnell urteilen. Man schaue sich nur die DiskussionsUNkultur im Umfeld von Social Media an. Ein, zwei Sätze oder ein Foto reichen aus, und viele Menschen glauben ein vollständiges Bild vom Gegenüber zu haben. Das führt zwangsläufig zu Fehleinschätzungen, wie sich gut anhand der abschließenden Aussage in Deinem Kommentar, lieber Eric, ablesen lässt. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf den Beitrag zum Thema Gender Design verweisen, in dem ich für eine stärkere Bewusstmachung in Bezug auf Geschlechterstereotype werbe.

      • Als Vorwurf möchte ich es nicht verstanden wissen, das tut mir leid.

        Ich wollte einerseits den Hintergrund skizzieren, der dazu gerade diskutiert wird und vermutlich auch unausgesprochen hier eingeflossen ist. Andererseits dürften auch die Fahnder das Phänomen kennen, dass sich die Öffentlichkeit vornehmlich, dem herrschenden Geschlechterbild folgend, den männlichen Gesuchten widmet. So ist vorstellbar, dass es deutlich weniger Tipps und Hinweise aus der Bevölkerung zu den weiblichen Gesuchten gibt und hier wäre die gezielte Herausstellung natürlich sinnvoll und sachlich nachvollziehbar. Solche Erörterungen fehlen freilich und ich kann sie mir nur zusammen reimen, nicht ohne Hintergrund (educated guess), aber sicherlich ist die Dokumentation zur Kampagne eine Schwachstelle. Prinzipiell finde ich aber jede Aufmerksamkeit für das Dunkelfeld weibliche Kriminalität gut. Bisher hat sich die Gesellschaft evident lieber den positiveren Seiten der Gleichstellung gewidmet und es beim Bild der männlichen Kriminalität belassen, auf vermeintliche Fakten zur Kriminalität aus der Statistik gestürzt, ein logischer Zirkelschluss.

        Wie tiefgreifend das „nicht so ernst nehmen“ der Frauen im Strafrecht ist belegen sogar die Gesetze selbst. So war nie lesbische Sexualität vom StGB unter Strafe gestellt, nur schwule Sexualität, der entsprechende Naziparagraph wurde erst 1994 abgeschafft und Opfer der Schwulenverfolgung unter dem Grundgesetz warten bis heute auf Entschädigung.

        Exhibitionismus ist bis heute ausschließlich für Männer strafbar:

        § 183 I StGB
        Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

        Frauen werden im Strafrecht nicht ernst genommen. Und von Polizei. Und StA. Und Gerichten. Wo meist Männer die Praxis prägen.

        Um für das Thema Aufmerksamkeit zu schaffen muss man provozieren, anders kommt das heute nicht mehr aus akademischen Kreisen heraus. Ich denke soweit sind wir uns einig?!

      • Herzlichen Dank Eric, für die Einordnung/Präzisierung.

        Die Kunst ist frei – sie darf/sollte/muss provozieren. Werbung darf provokant sein. Von staatlichen Einrichtungen darf erwartet werden, dass sie sich, auch im Rahmen einer solchen Kampagne, auf Fakten stützen und kein Zerrbild suggerieren.

        Dass man, um Aufmerksamkeit für dieses Thema zu erlangen, provozieren müsse, sehe ich nicht so. Es macht einen großen Unterschied, ob etwa eine Marke wie Benetton, die für ihre provozierenden Kampagnenmotive (Unhate) bekannt ist, Provokation als Stilmittel einsetzt, oder ob eine europäische Polizeibehörde dies im Rahmen der Verbrechensbekämpfung tut. Hinzu kommt, dass Europol im Rahmen der CrimeHasNoGender-Website nicht nur eine gewagte/provokante Bildästhetik einsetzt, sondern obendrein eine Lügengeschichte erzählt. Ich werte das falsch wiedergegebene Verhältnis von männlichen und weiblichen Gesuchten in der Tat als eine Lüge, zumal auf der Website selbst keine Klarstellung erfolgt und die in diesem Zusammenhang veröffentlichte Presseerklärung widersprüchlich ist. Denn, wie bereits mehrfach erwähnt, sind es es mehrheitlich Männer, die Verbrechen begehen und als Täter überführt werden.

  8. Der Artikel macht mich wütend. Argumente, die fachmännisch anmuten sollen, an den Haaren herbei gezogen. Mehrheitlich Männer sind in der Kriminalstatistik gefasst, so die Aussage. Als Quelle wird das BKA zitiert, welches nichts mit dem Europol oder der europäischen Kriminalität zu tun hat. Das ist Meinungsmache, in einem Blog, der ohnehin sich eher gestalterischen und weniger werbestrategischen Fragen stellt. Infolgedessen erkennt man auch, dass der Autor keine Kenntnisse über Werbepsychologie, Strategie, Soziologie oder Gesellschaftstrends besitzt, um eine vollständige Kritik zu liefern. Lediglich umfasst der Artikel sein eigenes Stimmungsbild. So hätte der Artikel eher als Kommentar statt Artikel erscheinen sollen.

    Die Werbung ist schlichtweg kein Meisterwerk, betätigt dennoch die richtigen Knöpfe, um das Ziel der Kampagne effizient zu erreichen. Sie provoziert mit einer – richtig erkannten – Übertreibung. Damit wird der Gesellschaftstrend bedient, sich für die Geschlechtergleichheit einzusetzen. Was das bringt? Die Kampagne wird für Medien berichtenswert, denn die stehen total auf Gesellschaftstrends. Des Weiteren benötigt die Kampagne gewiss eine einladende Inszenierung des Themas, denn es geht um eine große Zielgruppe: die Bevölkerung der EU sowie deren Medienhäuser. Das Thema ist hier „Mithilfe“. Die erlangt man nicht, indem man martialische Bilder, welche die volle Ernsthaftigkeit (wie vom Autor gefordert) der Kriminalität und deren Verfolgung darstellt. So ist es nicht verwerflich, sich dem gängigen Klischee des demaskierten Verbrechers zu bedienen, wenn auch langweilig. Aber die Medien und Konsumenten stehen drauf, so what. Das ist eben schnell erfassbar, verständlich und verdaulich. Die Demaskierung als Glorifizierung zu verwechseln halte ich für Mumpitz. Achja und kleine Interna: Bevor eine Kampagne einer öffentlichen Einrichtung startet, wurden im Vorfeld Umfragen und psychologische Studien getätigt, zur Messung der Effizienz und Relevanz. Demnach ist es absolut irrelevant sich über solch eine Werbung überhaupt den Kopf zu zerbrechen. Es wurde bereits wissenschaftlich prognostiziert, dass die Werbung ihr Ziel mit hoher Wahrscheinlichkeit erreichen wird.

    • Lieber David, in Ihrem Kommentar stecken so viele fadenscheinige Aussagen, Unterstellungen, Mutmaßungen und Unwahrheiten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

      Dass Männer in Deutschland, in Europa und in jedem Staat der Welt mehr Verbrechen begehen als Frauen, ist ein Phänomen, für das es unzählige empirische Belege gibt. Unter dem Wikipedia-Eintrag Sex differences in crime gibt es eine gute Zusammenfassung zu diesem Thema. Der Verweis auf die BKA-Statistik innerhalb des Beitrags erfolgte vor allem deshalb, um einen möglichst aktuellen Bezug zu Deutschland herzustellen. Auch in der kürzlich erschienenen Studie der Britischen Regierung Gender and Serious and OrganisedCrime wird auf Basis von Europol-Daten darauf hingewiesen, dass „kriminelle Aktivitäten von Männern dominiert werden, was sich in einer deutlich größeren Zahl männlicher Gefängnisinsassen zeigt“. Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) beziffert den Anteil von Männern in Gefängnissen der EU-Staaten im Jahre 2015 auf 94 % (Quelle, PDF).

      Das ist Meinungsmache

      Mit Verlaub, die Aussage ist Unfug. Ich habe auf Basis einer Recherche und aktueller Faktenlage einen Artikel verfasst und vertrete darin meine Ansicht. Jedem Leser steht es frei, seine/ihre eigene und auch eine andere Meinung kundzutun. Das ist Journalismus, keine Medienmanipulation. Es findet in Bezug auf die genannten Aussagen das Geschlecht von Verbrechern betreffend keinerlei Verzerrung statt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass es weder Ihnen, lieber David, noch jemand anderem gelingen wird, diese Aussagen zu widerlegen. Genau genommen sind Sie es, der Meinungsmache betreibt, da im ersten Absatz Ihres Kommentars der Eindruck vermittelt wird, dass Sie die BKA-Statistik und die damit im Zusammenhang stehende Kernaussage in Abrede stellen.

      in einem Blog, der ohnehin sich eher gestalterischen und weniger werbestrategischen Fragen stellt.

      Anhand dieser Aussage wird deutlich, dass Sie den Blog nicht sonderlich gut kennen. Was ich grundsätzlich positiv finde, zeigt es mir doch, dass das dt auch nach 13 Jahren noch regelmäßig neue Leser findet. Offensichtlich ziehen Sie allerdings auf Basis eines einzelnen Artikels Rückschlüsse auf das Gesamtangebot. Das ist vorschnell. Sinn und Zweck von Design/Gestaltung und der zugrundeliegenden Strategie werden im dt ebenso thematisiert wie die reine Formgebung. Da im Design der Mensch im Mittelpunkt steht, kann es gar nicht anders sein, so jedenfalls mein Verständnis, das auch gesellschaftliche, politische, soziologische und psychologische Aspekte berücksichtigt werden. Um den Webdesigner Jeff Zeldman zu zitieren: Design ohne Inhalt ist Dekoration, und darüber möchte ich nicht schreiben. Deshalb spielen werbe- und kommunikationsstrategische Fragestellungen im dt sehr wohl eine Rolle, und zwar eine zentrale.

      Infolgedessen erkennt man auch, dass der Autor keine Kenntnisse über Werbepsychologie, Strategie, Soziologie oder Gesellschaftstrends besitzt, um eine vollständige Kritik zu liefern.

      Jetzt bin ich überführt. Sie scheinen mich in- und auswendig zu kennen. Lediglich eine Frage hätte ich noch: was genau ist denn eine „vollständige Kritik“?

      Die erlangt man nicht, indem man martialische Bilder, welche die volle Ernsthaftigkeit (wie vom Autor gefordert) der Kriminalität und deren Verfolgung darstellt.

      Das ist eine Falschbehauptung. Weder steht es so im Artikel noch fordere ich den Einsatz, wie Sie es schreiben „martialischer Bilder“. Meine Forderung ist, die Website in dieser Form vom Netz zu nehmen.

      Die Demaskierung als Glorifizierung zu verwechseln halte ich für Mumpitz.

      Warum? Was ist daran Mumpitz? Bitte etwas mehr Substanz. Nebenbei gesagt: ich „verwechsle“ nicht, ich setze die Maskerade in der Tat einer Glorifizierung gleich, ohne allerdings explizit diesen Ausdruck zu verwenden. Glorifizierung trifft es allerdings sehr gut.

      Bevor eine Kampagne einer öffentlichen Einrichtung startet, wurden im Vorfeld Umfragen und psychologische Studien getätigt, zur Messung der Effizienz und Relevanz. Demnach ist es absolut irrelevant sich über solch eine Werbung überhaupt den Kopf zu zerbrechen.

      Eine „psychologische Studie“ belegt dies und jenes, und deshalb braucht man sich seinen Kopf nicht mehr zerbrechen. Aha. Ich kann mit diesem satirisch anmutenden Einwurf offen gesagt nichts anfangen. Wen soll das überzeugen? Zumal in Ihrem Kommentar deutlich wird, dass Sie selbst lediglich mutmaßen, die Website wäre auf Grundlage einer Studie erstellt worden. Gerade wenn in von staatlichen Stellen in Auftrag gegebene Studien irgendeine Effizienz aufgezeigt werden soll, darf man genauer hinschauen und sollte die Ergebnisse nicht als gegeben hinnehmen. Wäre ja noch schöner.

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