Juventus Turin blickt mit neuer visuellen Identität in die Zukunft

Juventus Turin, 1897 gegründeter italienischer Fußballverein, legt sich eine neue visuelle Identität samt neuem Logo zu. In einer Welt, die zunehmend von den digitalen Medien und den sozialen Netzwerken bestimmt wird, sei man nun für die Zukunft gewappnet.

„Black and White and More“ – unter diesem Motto verfolgt der Verein einen 360-Grad-Ansatz, mit dem Juve seine Markenpräsenz weltweit ausbauen möchte. Ganz bewusst wählte der Verein mit dem „Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia Leonardo Da Vinci“ einen auch für den Verein ungewöhnlichen Ort, um die neue visuelle Identität der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Eine visuelle Identität, die den „traditionellen Stil von Fußballvereinen auf den Kopf stelle“, so der Verein. Das neue Vereinslogo sei ein Zeichen, mit dem Juve den Konformismus von Fußballabzeichen verlasse. Der Fußballsport sei vom Blick in die Vergangenheit geprägt, wie Andrea Agnelli, seit 2010 Juve-Präsident, im Rahmen der Präsentation erklärt. Im neuen Logo wurde der Anfangsbuchstabe „J“ so angelegt, dass dieser gleichzeitig eine halbe Schildform umreißt. Darüber hinaus beinhaltet das neue Vereinslogo die für den Verein charakteristischen schwarzweißen Balken.

Das neue Erscheinungsbild unterstreiche den Willen im Verein zur Veränderung und weise auf eine kompromisslose Art in die Zukunft. Mit dem vereinfachten Vereinslogo, das weniger komplex, weniger technisch sei, gehe der Verein den Weg in Richtung Internationalisierung der Marke Juventus, so Agnelli. Zwar verfüge man bereits über 300 Millionen Fans weltweit, dennoch wolle man zukünftig ein breiteres Publikum ansprechen.

Entwickelt wurde die neue visuelle Identität in Kooperation mit der Agentur Interbrand. Im Juli 2017 werde man alle Medien auf das neue visuelle Erscheinungsbild umstellen. Die Profilbilder des Vereins in den sozialen Netzwerken wurden bereits auf das vereinfachte Logo umgestellt.

Logo von Juventus Turin – vorher und nachher

Kommentar

Grandissimo! Zweifellos wird das neue Logo polarisieren. Nicht nur in den italienischen Medien liest man empörte Stimmen seitens der Fans und Spott-Kommentare seitens der Medien. Das neue visuelle Konzept dürfte den meisten Traditionalisten, und von denen gibt es im Fußball reichlich, nicht gefallen. In Bezug auf die Markenführung und das Design ist der Schritt jedoch absolut richtig. Es gehört reichlich Mut dazu, sich von den (gestalterischen) Fesseln der Vergangenheit zu lösen. Mit dem vorgestellten Logo unterstreicht Juventus die Bereitschaft, die Zukunft zu gestalten, anstatt, wie es tatsächlich im Fußballsport üblich zu sein scheint, bloß die Vergangenheit zu verwalten.

„Black and White and More“ ist – so zumindest der erste Eindruck – mehr als eine Kampagne, die womöglich nach drei, vier Jahren verpufft. Anhand der im Zuge der Präsentation vorgestellten Video- und Bildmaterials wird ersichtlich, das mit diesem Motto eine klare visuelle Bildsprache, eine eigenständige Ästhetik und darüber hinaus ein nachvollziehbares, in die Zukunft weisendes Konzept einhergeht. Schwarze und weiße Balken, von je her Erkennungszeichen des Vereins, werden auch fortan das Gesicht dieses Vereins prägen. Das neue, ungemein starke visuelle Konzept ist eine erfrischende Revitalisierungskur für „die alte Dame“, die fortan mit der Bezeichnung „die digitale Dame“ wohl besser beschrieben wäre.

Aktualisiert am 20.01.2017: Die Einschätzung, das Bild-/Videomaterial verfüge über eine eigenständige Ästhetik, muss ich aufgrund der Ähnlichkeit mit den für die Motorradmarke Ducati im letzten Jahr produzierten Videos revidieren (siehe Kommentar).

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Die Evolution des Juve-Logos

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72 Kommentare zu “Juventus Turin blickt mit neuer visuellen Identität in die Zukunft

  1. Wertfrei ein interessantes Ergebnis, nur dachte ich, dass bei „and more“ jedem Kreativen die Fußnägel selbstständig abfallen.

    • Bin ich ganz bei Dir; das »…and more« hätte ich jetzt auch eher von der Dönerbude um de Ecke erwarten. Die visuelle Ausgestaltung feiere ich dennoch hart.

  2. Ich finde es sehr gelungen. Nur könnte ich mir vorstellen, dass ein kleiner gelber Farbtupf hier und ein dezentes gelbes Highlight da das ganze noch unverwechselbarer und einprägsamer und vor allem stylischer machen könnte. Aber das ist mein persönlicher Geschmackt.

    Das Logo find ich genial, schön wie sich das „T“ von Juventus Turin ergibt aus den Zwischenräumen! Top!

  3. Gewöhnungsbedürftig für einen Fußballclub, aber mit zunehmender Präsenz gut und originell.
    Das das „J“ gleichzeitig eine halbe Schildform umreißt“ ist mir zunächst gar nicht aufgefallen. Pluspunkt dafür!
    Was mir allerdings direkt aufgefallen ist, ist das der schwarze Bereich, der die weißen Elemente und „Juventus“ trennt ein „T“ für Turin ergibt. Oder interpretiere ich da zu viel rein? Wäre noch ein Pluspunkt!

  4. Meiner Meinung nach sollte man Vereinslogos nicht komplett ändern. Die Logos haben ja auch immer etwas mit Tradition und Herkunft zu tun. Bei so einer sensiblen Angelegenheit einfach damit rumzuspielen und etwas total anderes (das nicht mehr mit dem Verein zu tun hat) zu machen, wird vorallem den Fans übel aufstoßen. Ich finde Modifikation ja, eine komplette Änderung des Logos (egal ob dass dann modern, gut gemacht o.ä. ist) nein.

  5. Es gibt zwei Gruppen: Designer und Fußball-Fans, beide haben eine andere Meinung (wie man in vielen Berichten lesen kann). Die eine explodieren fast förmlich im Flat-Design-Orgasmus und die Fußball-Fans abseits der Hype- und Eventfans sind ensetzt.

    So lange es noch den FC Turin gibt ;o)

    Wollen wir nur hoffen, dass kein Bundesligist auf solch eine gloreiche Idee kommt, außer vielleicht ein „Eventverein“ ,o)

  6. Für ein neues Logo nicht schlecht. Für einen Fussballverein jedoch schwach. Bei allem Respekt für die konzeptionelle Idee. Das hat aber nichts mit Fussball und schon gar nichts mit einer Traditionsmanschaft wie Juve eine ist zu tun.

    • Zwei Welten die einfach nicht zusammenpassen, der Designer hätte mehr Fußballluft abseits seines kühlen Designbüros schnuppern müssen. Wie viele schreiben, als Modelabel-Logo gelungen, als Traditionsclub-Logo ein Desaster. Wenn RedBull einen neuen Verein in Italien (Forza RB) gründen würde, könnten sich Designer austoben, weil Eventfans Fußball eh egal ist …

      • Zwei Welten die einfach nicht zusammenpassen, der Designer hätte mehr Fußballluft abseits seines kühlen Designbüros schnuppern müssen.

        In diesem Kommentar steckt Schubladendenken par excellence. Als könne man als Designer kein Fußballfan sein oder andersherum als Fußballfan kein Verständnis für visuelle Formgebung haben.

        Wer um den Prozess rund um die Entstehung eines solchen Zeichens weiß, der weiß auch, dass sich die Kreativen über Monate (manchmal Jahre) hinweg mit dem Kunden, in diesem Fall dem Verein, intensiv beschäftigt haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die verantwortlichen Kreativen in diesem Zuge den Verein auf eine Weise kennengelernt haben, wie ihn wohl nur den wenigsten Fans kennen. Zu glauben, nur als eingefleischter/langjähriger Fan könne/dürfe man darüber entscheiden, was für den Verein gut ist und was nicht, ist eine weitverbreitete Fehleinschätzung.

        Fußballvereine täten gut daran, sich eine solche Denke, die sich in erster Linie aus Klischees speist, nicht zu eigen zu machen, zumindest wenn sie im Fußball(Marken)geschäft, das heutzutage nun einmal weltweit und nicht nur im eigenen Stadion stattfindet, ein Wörtchen mitreden möchten.

        • Für wen, wenn nicht Fans und Sympathisanten ist denn das Wappen sonst das emotionale Aushängeschild mit dem man sich identifiziert?
          Vereine täten gut daran ihre Fans bzw. Clubmitglieder einzubinden. So gibt ein Verein den Fans noch deutlicher zu spüren, dass sie mehr als Kunden, denn als Anhänger gesehen werden.
          Das Logo sieht sehr gut aus, als Wappen für Juventus ist es aus meiner Sicht zu weit gegangen.

          • Wenn man Fans einbindet kommt eh nur Mist raus, da viele störrisch sind und kein neues Logo wollen, egal wie schlecht das aktuelle Logo ist. Nach dem Motto „das alte Logo war vorher da und ist daher besser“.

  7. Ich persönlich finde das, was ich bisher von dem neuen Markenauftritt gesehen habe, fantastisch. Obgleich ich Robin recht gebe. Diese hätte sich zudem sicherlich auch auf den einen oder anderen Traditionalisten positiv ausgewirkt und ihn sofort mitgenommen.

    Unabhängig hiervon glaube ich aber, dass das breite Publikum nach einem ersten Schrei der Entrüstung, die Qualtität hinter dem neuen Markenauftritt (zumindest unterbewusst) erkennt. Vielleicht setzt Juventus für Vereine dieser Größe hier neue Maßstäbe.

    Ich bin sehr gespannt wie dir neuen Trikots aussehen werden.

  8. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Logo nicht dauerhaft durchsetzen wird.
    Allerspätestens in ein paar Jahren werden die Rufe nach dem alten Logo so laut werden, dass es dieses ein Comeback feiert.

  9. Ehrlich gesagt bin ich sehr zweigespalten. Zum Einen gefällt mir die Marke und die visuelle Umsetzung grandios (und finde ich es allerhöchste Zeit, dem Traditionalismus im Fussball endlich den Kampf anzusagen), andererseits kommen mir bei der Wort-Bildmarke sofort Assoziationen zu einer kulturellen Instanz in Form eines Museum oder einer Galerie, sogar einer Fashion-Show oder gar eines Co-Working-Space’s. Mit anderen Worten: es führt mich gedanklich eher an einen anderen Ort als in das Fussballstadion.

  10. Ich finde das neue Emblem absolut grossartig und gebe allen Traditionalisten zu bedenken, dass es mit der „nicht klassisch genug“ Argumentation z.B. auch niemals eine hamburger Raute hätte geben können. Mut zur neuen Form sollte meiner Ansicht nach nicht mit mangelndem Respekt vor Tradition verwechselt werden. Allerdings stimme ich Robin mit seinem Vorschlag bezüglich eines gelben Signalelements zu.

    • Die Hamburger Raute ist eines der ältesten Logos der Bundesliga. Dazu ist es einer Flaggensignal der Schifffahrt nachempfunden. Dein Beispiel stellt demnach exakt das Gegenteil von dem dar, was du ausdrücken wolltest.
      Damals war ein solches Logo im Gegensatz zu heute auch kein Tabubruch und hat eine logische Geschichte. Mit dem Farben, welche an die Vorgängervereine erinnern und dem Design, was Bezug auf Hamburgs Schifffahrt herstellt.

      • Es ist mir absolut bewusst, was es mit der Raute auf sich hat, dennoch ist sie formalästhetisch Lichtjahre von (fussball-)klassisch entfernt. Hinzu kommt, dass das Alter eines Logos wohl kaum ein brauchbares Argument ist, da es irgendwann auch mal nicht alt war. Und das farbliche Kernelement, die schwarz-weissen Streifen, hat Juve ja nun auch beibehalten. Schade, dass bei Fussballtraditionswerteverteidigern häufig sofort dieser Beissreflex einsetzt …

  11. Tradition vs. Moderne.
    bei dem was sich ohnehin schon in der Kommerzialisierung des Profi-Fußballs abzeichnet ist dies nur ein konsequenter Schritt. Wenn man sich die Wappen der anderen Vereine anschaut ist es endlich ein Leuchtfeuer in der Ästhetik-Wüste „Fußball“ (Bis auf den Hamburger SV ;-) ).
    Dennoch muß man sich der Frage stellen, was Fußball eigentlich ausmacht. Der Geist, die Seele oder wie auch immer man es nennen mag und wo diese Leidenschaft sich als Tattoo wieder auf einem Unterarm findet.
    Diese Identifikation mit dem Verein über die Farben und als Wappen ist der Best-Case was einer Marke passieren kann. Denn die „Zielgruppe“ verehrt diese ja regelrecht. Wo sonst hat man so eine extreme „Kundenbindung“.
    Und das finde ich beim Re-Design das Problem.
    Wurde hier an eine Zielgruppe oder an die Fans gedacht? Für mich fühlt es sich wie eine Schönheits-OP an. Die ganzen Narben und Blessuren aus der Vergangenheit wurden wegopariert. Aber ist es nicht das, was eine Persönlichkeit ausmacht? Diese gewisse Patina und gerade da wo gewinnen und verlieren zum Tagesgeschäft dazu gehört?

    • Großartig geschrieben, genau das ist meiner Meinung nach der Punkt. Durch Identifikation schaffen es doch die Traditionsvereine, ihre Fans auch in der dritten oder vierten Liga anzulocken. Nur durch diese Loyalität gibt es noch Vereine wie Alemannia Aachen, Rot Weiß Essen, Fortuna Düsseldorf oder den FC St. Pauli. Und das macht Fussball für mich aus.

      Die Kommerzialisierung des Fussballs ist legitim, das bedeutet aber nicht, das jeder Fussballfan diese Entwicklung gutheißen muss. Ich besuche regelmäßig verschiedenste Fussballspiele, von Champions League bis Oberliga, in allen möglichen Ländern. Und ich genieße Spiele in Sarajevo, Poznan oder Wuppertal gerade deswegen, weil es nicht nur um kaufen, kaufen kaufen geht. Weil hier noch ein kleiner Fetzen sozialer Rückzugsraum geblieben ist, in der eine Gruppe Menschen eine Leidenschaft teilt und lebt. Diese Leidenschaft erlebt man in kaum einem Champions League Spiel, in nur wenigen Bundesliga Stadien, und absolut nicht bei EM oder WM.

  12. Als Label für ein italienisches Modelabel grandios. Als neues Wappen eines (des) italienischen Fussballclubs mit langjähriges Tradition eine Katastrophe.
    Es ist unterkühlt, minimalistisch und lässt das nächste Redesign in zehn Jahren erahnen.
    Wappen, insbesondere aufwendige, brauchen ab und an ja eine Auffrischung. Entrümpeln, harmonisieren modernen Gegebenheiten anpassen. Wie man es wirklich gut macht zeigt Atlético. Juve hätte gut daran getan das Wappen ebenfalls behutsam zu modernisieren, schließlich ist das Wappen neben dem Namen das Aushängeschild schlechthin. Es vereinbart eben traditionelle Werte und an denen hängen Fans.
    Das neue Logo hat die gleiche Wirklung als würde sich der Verein umbennen.

    • Ja wirklich? Cool, danke für die Info.
      Jetzt brauchts nur in den Promovideos und den anderen Gestaltungen ein Tupfer gelb und ich wäre echt optisch angetörnt.

  13. Das Logo erinnert mich an einen Buchstaben aus dem hebräischen Alphabet.
    Finde es toll, vorallem mit den Sternen über dem Schriftzug.

  14. Formal sehr gelungen, keine Frage. Aber es lässt schon tief blicken, dass bei all den gezeigten Visualisierungen genau die fehlen, auf die es ankommt: Wie sieht das Logo (Vereinswappen kann man es ja nun nicht mehr nennen) auf dem schwarzweiß gestreifen Trikot aus? In einer Darstellung der Serie A-Tabelle, neben den anderen Vereinslogos? Auf Schal, Mütze, TV-Übertragungs-Label? Ich versuche gerade, mir eine Ultra-Fahne mit dem Ding drauf vorzustellen. Es mag mir nicht gelingen.

    Internationalisierung und Vermarktung hin oder her, Tradition gehört nunmal bei Fußballvereinen wie Juventus zur DNA, zum Markenkern, wie auch immer man es nennen will: Man kommt daran nicht vorbei. Schade also, durch derartige Gestaltung im luftleeren Raum verbaut man sich die Chancen zu wirklicher Weiterentwicklung. Maximal fünf Jahre, eher weniger, dann gehts wieder zurück zum alten Logo.

    • Aber es lässt schon tief blicken, dass bei all den gezeigten Visualisierungen genau die fehlen, auf die es ankommt: Wie sieht das Logo (Vereinswappen kann man es ja nun nicht mehr nennen) auf dem schwarzweiß gestreifen Trikot aus? In einer Darstellung der Serie A-Tabelle, neben den anderen Vereinslogos? Auf Schal, Mütze, TV-Übertragungs-Label?

      Tief blicken? Inwiefern?
      Die Präsentation von Trikots wird heutzutage – der Bedeutung dieses Markenproduktes angemessen – von den meisten Vereinen mit jeder neuen Saison zelebriert, Stichwort Werbetrommel. Insofern ist es absolut nachvollziehbar, dass die von Dir aufgezählten Artikel bei dieser Präsentation außen vor bleiben.

    • Wodurch definiert sich denn in Deinen Augen das Thema „Tradition“ bei einem Fußballverein?
      (Ist tatsächlich eine ernstgemeinte Frage, weil mir dazu recht wenig einfällt …)

  15. Grafisch sehr gelungen, gefällt mir außerordentlich gut!…inwieweit es jetzt zu einem Fußballverein passt oder nicht sei dahin gestellt, finde es allerdings in der Anwendung in kombi mit der typo als nicht Fußballkenner durchaus passend.

    Einziges Manko: Ich habe zuerst »Judentus« gelesen und auch beim Juve t shirt steht für mich da auf den ersten Blick jude…weiß nicht wie das der Allgemeinheit ist oder ob es nur mir so geht?

  16. Das Problem dieses Ansatzes:

    Fußball Fans ist es egal, ob ihr Logo/Designkonzept als räumliche Inszenierung, Schmuck oder Leinenbeutel funktioniert. So denken kommerzielle Marken.
    Hier bekomme ich – gerade anhand der Anwendungsbeispiele – einen komplett verzerrten Eindruck.
    Wenn ein Fußball Verein bei der Präsentation ernsthaft Schmuck, Leinenbeutel, Skier oder Mode-T-Shirts präsentiert zeigt es, dass es sich von der bekannten Marke nicht nur optisch komplett distanziert wurde.

    @Achim: Das ist dann eben keine grandiose Markenführung oder Markenpflege, sondern wird zu einer neuen Marke mit eigenem Charakter.

    • Wenn ein Fußball Verein bei der Präsentation ernsthaft Schmuck, Leinenbeutel, Skier oder Mode-T-Shirts präsentiert zeigt es, dass es sich von der bekannten Marke nicht nur optisch komplett distanziert wurde.

      Ein guter Punkt. Eine nachvollziehbare Kritik, die sich die Vereinsführung gefallen lassen muss. Am Ergebnis, das aus vielerlei Hinsicht überzeugend ist, ändert dies meiner Meinung nach allerdings nichts.

      Da bereits von anderen Kommentaren die Frage nach der Einbindung der Fans in den Designprozess durchklang, habe ich noch einmal bei der Pressestelle um ein Statement diesbezüglich angefragt. Ich nehme an, dass über sogenannte Fokusgruppen eine Einbindung, wenn auch in kleinem Rahmen, stattgefunden hat. Ein solches Vorgehen ist jedenfalls üblich. Alles andere wäre eine Überraschung. Sobald ich eine Antwort erhalten habe, werde ich diese teilen.

  17. Ich frage mich wie das Logo im Fernsehen dargestellt wird. Besteht das Logo nur aus den weißen Teilen? Oder nur aus dem Negativ? Eine klare Abgrenzung kann ich nicht sehen. Schwer vorstellbar, dass das Logo mit einem schwarzen Kasten gezeigt wird. Und nur eine Farbe + Transparenz ist angesichts des Slogans auch nicht der richtige Weg.

    Zu der Änderung an sich: Veränderungen werden, gerade bei Fußballfans, nicht gerne gesehen und brauchen meist ihre Zeit. Das neue Logo ist ein gelungenes Konzept, ob es aber der richtige Schritt war? Sehr mutig jedenfalls.

    Ich bin jedenfalls zwiegespalten, einerseits ein klasse Entwurf, andererseits aber auch ein deutlicher Gegensatz zu dem Verein an sich. Eine neue Identität ist nun zu spüren, Ziel erreicht. Doch war das überhaupt notwendig? Den Fans wird man nicht wirklich eine Gefallen getan haben, die identifizieren sich nämlich mit der Alten(!) Dame.

  18. Liebe Design Community,

    ich bin hier auf diesem Blog gelandet, weil ich erhoffte, die sehr ansprechenden Beiträge und die sachlichen Diskussionen schaffen es eine Brücke zu bauen, eine Brücke zwischen Desigern und Politikern, zwischen Gestaltern und Vereinen, zwischen Kreativen und Verwaltungseinheiten, zwischen Fachverstand und emotionaler Bindung.

    Aber heute blutet ein Herz. Es ist das Herz meines siebenjährigen Ichs, das im Italien Urlaub sein Herz an Juventus Turin und ein Trikot mit dem stolzen Emblem der „alten Dame“ verloren hat.

    Bei jedem Anblick an die Konturen dieses schildförmigen Hoheitszeichens füllte sich mein Herz mit der Sonne Italiens und mein Körper bebte vor Erinnerung und Freude.

    Das ist nun vorbei, kommetiert mit Worten wie „Richtung Internationalisierung der Marke“ und „Markenführung“.

    Hier trefflich zusammengefasst:

    http://falscheneun.net/wir-sind-jetzt-1-global-brand-mit-ordentlich-reach-vong-marketing-her/

    Arrivederci Juventus :(

    • Bei jedem Anblick an die Konturen dieses schildförmigen Hoheitszeichens füllte sich mein Herz mit der Sonne Italiens und mein Körper bebte vor Erinnerung und Freude. Das ist nun vorbei

      Es gibt Hoffnung, denn jedem Ende wohnt auch ein neuer Anfang inne. Und Jack London wusste: „Wir leben zu sehr in der Vergangenheit, haben Angst vor der Zukunft und vergessen dabei völlig, die Gegenwart zu genießen.“

      • Der Verstand sagt ja, das Herz nein. Und niemals, unter keinen Umständen würde ich das Antlitz einer Geliebten ändern wollen, weder in der Vergangenheit, noch in der Gegenwart oder in der Zukunft.

        Und mein altes Juve Trikot wird bleiben ;)

  19. Für den leidenschaftlichen Gestalter eine Augenweide. Das Designerherz hüpft vor Freude, angesichts der neugefunden Form. Das spannende Spiel zwischen Figur und Grund, das sich auf so schlichte Weise perfekt ergänzt und dem Betrachter je nach Blickwinkel die Interpretation erlaubt, ein Wappen/Schild, den „fehlenden Buchstaben T“ oder auch das bisherige Kernelement – die drei schwarzen Streifen – auf ungewöhnliche neue Art interpretiert zu sehen.

    Etwas ist nicht dann gut, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Das Ergebnis ist ein Paradebeispiel dieser Philosophie.

    Der jahrelange, treue Fußballfan aber ist entsetzt. Er erkennt seinen Verein nicht wieder.
    Dieses Logo hat rein gar nichts mehr mit dem Vorgänger zu tun, welches der Tifoso so liebgewonnen, in sein Herz geschlossen hat und ein Leben lang Treue geschworen hat.

    Wird er sich über die Zeit damit anfreunden (müssen), oder siegt die Meinung der Anhänger und es bleibt eine interessante Designstudie, die mal kurzzeitig in der Öffentlichkeit war?

    Oder bleiben vielleicht sogar das alte und das neue Logo parallel bestehen, so wie die Markensymbole von Adidas?

  20. Die Frage , ob mir das Logo und das Konzept dahinter gefallen, kann ich rational und klar mit „Ja“ beantworten. Die Frage nach der Notwendigkeit dieses Schrittes ist für mich aber noch klarer in ihrer Beantwortung: Nein.

    Warum wird einer Institution, die seit über einem Jahrhundert funktioniert, plötzlich ein „zukunftsweisendes Konzept“ übergestülpt? Warum ist ein Logo, mit dem sich Millionen Menschen identifizieren, mit dem Generationen tiefe Emotionen verbinden in der digitalen Welt nicht mehr zeitgemäß?

    Es ist einfach etwas komplett neu zu erfinden und damit große Effekte zu erhaschen, aber auf lange Sicht halte ich es für wenig sinnvoll. Solche Innovationen erzeugen vorübergehend Wirkung, sorgen letztlich jedoch für Austauschbarkeit. Man stelle sich vor alle Vereine gehen diesen Schritt und sorgen mit neuen Logos und neuen Konzepten für „eine klare visuelle Bildsprache, eine eigenständige Ästhetik und darüber hinaus ein nachvollziehbares, in die Zukunft weisendes Konzept“ – die Identifikation mit dem Sport bliebe auf der Strecke.

  21. Alle die dieses Design gut heißen, haben den eigentlich Inhalt der Marke Juventus in keinster Weise erfasst. Ich bin selbst kein Fan, aber Juventus, „die alte Dame“, ist wie der inoffizielle Beiname vermuten lässt, ein Traditionsverein wie er im Buche steht. Klar: vile Vereine beanspruchen den Titel der Traditionsvereine für sich, aber auf kaum Fußballclubs in dieser Preisklasse trifft das zu wie auf Juve. Selbst wenn man nur Champions League schaut und den Verein medial nur tangiert, erfährt man von der langen Geschichte und bekommt das wohlige Gefühl der italienischen tradition Fußball zu spielen, den Rasen zu schmecken und auch mal eine Rote Karte und Emotionen zu riskieren um seiner Leidenschaft Willen.
    Dieses Logo könnte so ein Schülerprojekt auf Behance sein. Es fügt sich dort ein wo sich Fitnessclubs und Startupunternehemen, Personal Brandings befinden. Schwarz weiß. Schlicht und geometrisch. Grundsätzlich auch kein falscher und sogar ein mutiger Ansatz für einen Fußballverein dieser Größe diesen Schritt zu wagen. Keine Frage. Aber im Falle von Juventus ein absoluter Fehlgriff!
    Jedem anderen Verein hätte die Bewegung im Richtung Dynamik, Fortschritt und Zukunft gut getan, Juventus lässt diese Bewegung jedoch wie ich befürchte in ein Vakuum gleiten.
    Nicht jede Frage nach guter Gestaltung lässt sich mit Mut beantworten, schon gar nicht wenn die Frage so oberflächlich gestellt wird. Man hat das Gefühl, als wüssten die Gestalter keine zwei Spieler beim Namen und hätten sich mit dem Gefühl der Marke keine Sekunde auseinandergesetzt.
    Also bevor man die Anfangsbuchstaben einer Marke in geometrische Formen reduziert und sich mit dieser 100 Jahre alten Gestaltungsidee als Revolutionär feiert, lieber nochmal ein Moodboard machen, liebe GestalterInnen. :)

  22. Hmmm,

    eigentlich sind alle Argumente hier schon ausgetauscht, die ich anbringen wollte. Ich verfolge das dt schon eine Weile, Achim und finde es immer wieder sehr interessant. Was deine Bewertung von Vereinsemblemen angeht, kann ich deine Auffassung jedoch nicht teilen.

    Ich hatte es schon damals bei der Diskussion um die Wappenänderung des VfB Stuttgart angesprochen:

    Für wen macht der Verein diese Änderung? Aus seiner Sicht: Fürs Marketing. Das neue Wappen lässt sich (ich bin kein Designer, also verzeiht meine Laienausdrücke) super überall drauf drucken und im Internet verwenden.

    Er lässt dabei aber meiner Meinung nach zwei Sachen außer acht: Fußballfans sind eine andere Zielgruppe als bei anderen „Marken“. Ich möchte mir nicht anmaßen, für alle Fans oder für alle Juve-Anhänger zu sprechen. Aber im Gegensatz zu Modemarken wechseln Fußballfans die Marke nicht einfach so. Sie bleiben ihrem Verein treu (und lassen ihm auf diesem Weg viel Geld zukommen), auch wenn das Wappen designtechnisch veraltet ist und in jedem anderen Unternehmen schon längst einem Relaunch unterzogen worden wäre.

    Natürlich funktionieren manche Marktmechanismen auch im Fußball. Sicherlich macht man sich mit dem neuen Logo auch für neue „Kunden“, also Fans interessant. Aber sind das die, die auch in 20 Jahren noch Geld für Trikots und Schals ausgeben? Sicherlich gibt es da auch einige und nicht wenige Fans sind aufgrund des Vereinswappens ihrem Verein ursprünglich verfallen. Aber für viele ist es dann eben auch ein Lifestyle-Produkt. Man läuft dann mit dem Turnbeutel mit nem schicken J drauf rum, weil es cool aussieht, weiß aber nicht, wie der Torwart heißt. Und wenn ein anderer Verein vielleicht ein noch cooleres Wappen entwirft und es geschickt auf einem Turnbeutel platziert, wechselt man halt die Marke.

    Natürlich kann Fußballvereinen das wurscht sein, denn das perfide am Fußball ist, dass er mittlerweile eine solche Unterhaltungsmaschinerie ist, dass die Leute fast alles fressen und nicht aufhören, Geld dafür auszugeben. Warum das so ist, darüber könnte man ein ganzes Buch schreiben (was vielleicht auch schon geschehen ist). Aber will man das? Will man die Identifikation, die die Leute mit dem alten Wappen hatten, wirklich aufgeben? Sind Fußballvereine wirklich nur Unternehmen, deren vorrangiges Ziel es ist, möglichst viel Geld durch Merchandise zu verdienen? Oder haben sie auch eine Verantwortung gegenüber ihren Fans?

    Du schreibst „Es gehört reichlich Mut dazu, sich von den (gestalterischen) Fesseln der Vergangenheit zu lösen. Mit dem vorgestellten Logo unterstreicht Juventus die Bereitschaft, die Zukunft zu gestalten, anstatt, wie es tatsächlich im Fußballsport üblich zu sein scheint, bloß die Vergangenheit zu verwalten.“

    Man kann auch mit der Vergangenheit die Zukunft gestalten. Wie ich gerade schon beschrieben habe, sind viele Fußballfans nunmal nostalgisch veranlagt, gerade in einer Zeit, in der Fußballvereine einfach so von Konzernen aus dem Boden gestampft und ohne Rücksicht auf wirtschaftliches Handeln an die Spitze gepämpert werden. Worauf ich hinauswill: Auch Tradition ist ein Wert an sich, den man vermarkten kann. Natürlich ist das etwas zynisch, wenn man sich an der Nostalgie der Fans noch eine goldene Nase verdienen will. Aber wenn die Leute es kaufen? In Stuttgart hat man vor der letzten Saison wieder einen Brustring auf dem Trikot eingeführt, der einmal rund rum geht, wie es in grauer Vorzeit mal war. Das Trikot findet bei den Fans reißenden Absatz und verkauft sich wesentlich besser als die designerisch vielleicht ansprechenderen Trikots in den Vorjahren.

    Und ein letzter Aspekt, allein bezogen auf Juve, der irgendwo schonmal angesprochen wurde: Damit verliert der Verein optisch sein Alleinstellungsmerkmal und könnte genauso gut ein Kopfhörerhersteller oder was anderes sein. Markentechnisch eher ein Griff ins Klo.

      • Für wen macht der Verein diese Änderung? Aus seiner Sicht: Fürs Marketing.

        Das ist zu kurz gedacht. Marketing ist im Fall Juventus nicht mehr als die notwendige und logische Folge jüngster Entwicklungen im Verein. Der Verein hat rund 100 Millionen Euro in das sogenannte J-Village investiert, einem Multifunktions-Areal, das unter anderem die neue Vereinszentrale beinhaltet. 2012 wurde das J-Museum eröffnet. Und die Eröffnung des neuen Stadions war ein Jahr zuvor. Die Vereinsführung unter Agnelli entwickelt den Verein kontinuierlich weiter, investiert massiv in die Infrastruktur und hat in diesem Zuge auch ein neues Markenkonzept implementiert (siehe J-Village, J-Museum, J-Academy, J-Medical).

        Wie es scheint, wollen viele Fans die eingeschlagene Veränderung des Vereins nicht wahrhaben. Sie wollen den Verein stets so sehen, wie sie ihn kennengelernt haben. Aber Juventus ist nicht mehr der gleiche Verein wie vor 20 Jahren.

        Aber im Gegensatz zu Modemarken wechseln Fußballfans die Marke nicht einfach so.

        Kinder und Jugendliche, die für Sportmarken von zentraler (!) Bedeutung sind, wechseln Vereine sehr wohl. Angefixt über EA-Sports-Games tun sich über diese Kanäle ganz neue Wege auf. Wege, das unterstreicht Agnelli mehrfach im Rahmen der Präsentation, die für Juventus von extrem großer Bedeutung seien. Kinder, und auch Frauen, sollen zukünftig noch stärker angesprochen werden. Mit Hilfe des neuen visuellen Konzepts könnten diese Zielgruppen besser angesprochen werden als bislang. Auch dieser Aspekt geht in den vielen aus der Ich-Perspektive formulierten Kommentare meist unter. Das neue Design ist hoch funktional, weil es nicht wie eine konventionelle Fußballmarke wirkt, wodurch es, so das Ziel, insbesondere in neuen Märkten seine positive Wirkung entfalten kann.

        Damit verliert der Verein optisch sein Alleinstellungsmerkmal und könnte genauso gut ein Kopfhörerhersteller oder was anderes sein.

        Das Gegenteil ist der Fall. Das visuelle Erkennungszeichen, die schwarzweißen Balken, werden weiter zum „Markenzeichen“ von Juve ausgebaut. Mit dem vereinfachten J-Logo erhält der Verein zudem ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das zwischen all den überbordenden Emblemen heraussticht.

  23. Mann kann sicher darüber streitet, dass es zu sehr reduziert wurde und etwas der Charme verloren ging.
    Ich mein, wie man ein Logo mit ordentlich Charme versehen kann und trotzdem Modern hat ja Guinness mit ihrem Signet gezeigt.
    Sowohl der Bulle, als auch die Krone und der Gelbe Querstreifen hätten hier ihre Verwendung finden dürfen.

    Gegen die J-Form als Wappen spricht gar nichts und ist in der Umsetzung sehr gelungen.
    Insgesamt ist es halt ein großer Bruch mit dem Menschen oft nicht klar kommen, weshalb es jetzt so viel persifliert wird.

    Also gute Umsetzung aber ohne Herz und Inhalt.

      • Das Spiel mit der Demokratie kann man aber in beide Richtungen spielen.

        Zudem ist Design keine Demokratie im klassischen Sinne und trotzdem muss es im Falle von Juventus auf möglichst viele Geschmäcker zeitlos und elegant wirken.
        Ein demokratischeren Gedanken als etwas für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen gibt es doch nicht.

        Einzig der Entscheidungsprozess ist keine Demokratie und daher oft von der Bauchpinselei einzelner Personen bestimmt.
        Ob das zuträglich ist für ein Logo.
        Naja.

        Finde das „überladene“ nicht unbedingt rund aber deutlich traditioneller und zeitgleich mehr Identifikation stiftend.

        Eventuell ohne Schriftzug schon deutlich aufgeräumter, zudem müsste der Bulle natürlich an den Stil angepasst werden.

  24. Black and white and ugly!
    Schließe mich, als Fußballtraditionalist, dem Lager der Logo-Gegner an. Was genau vermittelt dieses Logo? Was sind die Werte, die es transportieren soll?

    Lustig auch, dass das neue Logo „eine halbe Schildform umreißt“, um sowas wie Tradition zu vermitteln, das alte aber gar keine Schildform hatte, sondern oval war.

    • Die halbe Schildform steht hier auch nicht für die Tradition des Vereins, sondern stellt den Scudetto dar (ital: kleiner Schild), welcher im Großen und Ganzen die italienische Meisterschaft symbolisiert, und deren Gewinner die Ehre hat das Emblem für die nächste Saison auf dem Trikot zu tragen.

  25. Das neue Logo spielt gestalterisch in einer Welt mit Markenauftritten wie Nike und Puma. Cool, reduziert, „bold“. Wie das jetzt handwerklich umgesetzt wurde, sei mal dahingestellt.

    Ich denke aber nicht, das ein Fussballverein versuchen sollte die Kommunikationszielen eines Sportausrüster- oder einer Lifestyle-Marke zu erfüllen. Ein Vereinswappen z.B. darf ruhig bisschen schrullig sein, finde ich.

    Das neue Juventus-Logo symbolisiert für viele das, weswegen dem modernen Fußball gerade viele Fans davonlaufen: totaler Ausverkauf an Sponsoren. Vereine als internationale, kommerzielle Unternehmen, die von Top-Managern geführt werden und um Märkte kämpfen. Es bildet die Welt der Manager, Marketing-Entscheider und Top-Spieler ab, aber nicht die Welt der Fans, die in einem Verein aber schlichtweg auch zum „Unternehmen“ dazugehören.

    Ich glaube das ist der Hauptgrund warum das neue Logo gerade soviel Gegenwind bekommt.

  26. Kapitalistischer Unsinn und vom Sport und der Tradition im Fussball weit entfernt. Warum murkst ihr möchte gern Kreativen nicht wo anders rum? Veränderungen sind sicher nicht verkehrt aber an dem Logo in dieser Weise sich zu vergehen, ist schlichtweg ein Verbrechen.

  27. Als Designer und Ästhet sage ich: JA! Aber als Fussball-Fan blutet mir das Herz. Nein, bitte nicht. Das geht garnicht. Für Hoffenheim oder RB Leipzig ja, aber nicht für Juve. Der Verein ist kein hippes Startup. Juve ist die alte Dame (ofizieller Spitzname).

    Wie andere Vereine das schaffen zeigen gelungene Beispiele von Gent, West Ham oder Atletico Madrid.

    Leider sieht man hier auch wie wenig Designer Ahnung von Fussball haben. Es muss nich alles immer schön sein, gerade im Fussball darf es gerne altbackene Schildform haben.

  28. Profifußball heutzutage hat fast nichts mehr mit Tradition zu tun – eher Marketing, Personal Branding, perfektioniertes Merchandising (Unterwäsche, Schmuck, Krawatten, Quietscheenten, Bonbons in Vereinsfarben, Toaster, Bügelbretter, Skier….), gnadenlos überteuerte Gehälter und Ablösesummen, Trainer die ausgetauscht werden wie Unterwäsche etc.. Ein Profi-Fußballverein ist heutzutage ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen und keine Stammtisch-Bolzrunde die seit ein paar Generationen von den Vätern an die Sohne weitergetragen wird. Da passt das, meiner Meinung nach übrigens sehr gelungene, Logo wunderbar. Hier noch auf altbackene Tradition zu bestehen, zeigt vielleicht eher, dass viele Fußballfans von dem was hinter den Kulissen ihres Verein abläuft weniger Ahnung haben als sie denken (oder es sich schönreden)?
    Etwas mehr Modernität täte meiner Ansicht nach vielen Vereinswappen und Sportlogos gut, ich denke dass das Juventus-Logo ein Schritt in die richtige Richtung ist und andere „Traditions“-Vereine mitziehen sollten.

  29. Würde es helfen, wenn man grundsätzlich einen Unterschied zwischen Wappen und Logo macht bzw. anerkennt?

    Im Fall Juve würde das bedeuten (verkürzt zusammengefasst):

    – Das Wappen (alt bzw. modifiziert) als Hoheits- und Identifikationszeichen.
    – Das Markenlogo (neues J-Logo) als Lifestyle Signet für Produkte.
    – Das Markenzeichen (schwarz-weiße Streifen) als Background für Video- und Kommunikationskanäle.

    • Absolut! Die sprachliche Unterscheidung fördert in jedem Fall den Austausch unter einander. Dank Dir Andreas! Deshalb führt beispielsweise auch der von Dirk verlinkte, wirklich plumpe, inhaltlich hohle 11-Freunde-Beitrag in die Irre, weil dort eine solche Differenzierung fehlt. In dem Beitrag fehlt im Grunde alles, was nach meinem Verständnis Sportjournalismus auszeichnet.

      Die schwarzweißen Balken/Streifen sind sicherlich das VISUELLE Erkennungsmerkmal/Markenzeichen des Vereins. Davon abgesehen gibt es noch weitere „Markenzeichen“, etwa die Hymne, die Bezeichnung „vecchia signora“ („Alte Dame“) oder schlichtweg die Art Fußball zu spielen.

      Bei der Verwendung des Begriffs „Markenzeichen“ kommt es also auch auf den Kontext an. Im Kontext Logos wird „Markenzeichen“ oftmals synonym zu „Signet“, beispielsweise in der Automobilbranche auch synonym zu „Emblem“ verwendet. Umgangssprachlich meint „Markenzeichen“ jedoch eher eine herausstechende, wiedererkennbare Eigenart („Der Jubel nach dem Tor gehört zu seinem Markenzeichen“).

  30. Bin sehr zwiegespalten.
    Ästhetisch ist es ja schon, gut umgesetzt und anwendbar, für einen neu gegründeten Klub wäre es meiner Meinung auch ideal.

    Trotzdem finde ich gerade bei einem Verein wie Juventus Turin den Kontrast zum vorigen Logo zu „brutal“. Von dem alten Wappen ist rein gar nichts mehr zu erkennen und damit ist auch jeder Wiedererkennungswert vorerst dahin…

  31. Laut Duden

    Tradition: „etwas, was im Hinblick auf Verhaltensweisen, Ideen, Kultur o. Ä. in der Geschichte, von Generation zu Generation [innerhalb einer bestimmten Gruppe] entwickelt und weitergegeben wurde [und weiterhin Bestand hat]“

    Die Entwicklung ist also Teil der Tradition. Wer hat demnach die Deutungshoheit wann ein Entwicklungsprozess hin zu einer gefestigten Tradition abgeschlossen ist? Entwicklung muss nicht nur evolutionär sein. Dieses revolutionäre Vorgehen widerspricht vielleicht dem üblichen Traditionsbegriff. Aber schlussendlich gibt es keine DIN-Norm, wann ein Signet „zur in Stein gemeißelten Tradition“ wird.

    Juventus spielt internationalen Profifußball und ist Business. Wer das Wappen als letzte Bastion gegen diese Kommerzialisierung sieht, kann das gern machen, wirft sich damit meiner Meinung nach aber auch nur Beruhigungspillen ein.

  32. Logos für Fußballvereine zu ändern ist eigentlich vergebene Mühe, die Fans werden es eh nicht akzeptieren, selbst wenn es 1000x besser als das alte Logo ist. Der VFB Stuttgart hat ja sogar mal entschieden, dass das alte Logo zurückgeholt und geschützt wird, obwohl das überarbeitete Logo gute Verbesserungen hatte und eigentlich ein gutes Beispiel für sinnvolle Reduktion war.

    Aber „was zuerst da war“ zählt halt im Fußball mehr, selbst wenns der Praktikant vor 100 Jahren entworfen hat.

  33. Ich habe mir die meisten Kommentare aufmerksam durchgelesen und es gibt eine Art von Kommentaren, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann: diese „Ihr-Kreativen-murkst-doch-bitte-woanders-herum-aber lasst-die-Finger-von-unseren-geliebten-Vereinswappen“-Kommentare.

    Es ist ja nicht so, dass Kreative herrenlos in der Gegend herumlaufen und auf die Idee kommen „Ich ändere mal hier etwas, und dort auch noch“.
    Solche Überarbeitungen sind immer Kundenaufträge; es gibt Briefings, in denen den Kreativen die mehr oder weniger genauen Vorstellungen des Kunden – also in diesem Fall Juve – kommuniziert werden. Und am Ende sind es auch nicht die Kreativen, die entscheiden, ob eine neue visuelle Identität ausgerollt wird, sondern das ist immer der Kunde!

    Also wenn sich alle traditionsliebenden Juve-Fans, deren Standpunkt ich durchaus auch gut nachvollziehen kann, um ihr Wappen betrogen fühlen, sollten sie ihren Missmut vielleicht nicht gegen die Kreativen, sondern gegen die Vereinsführung richten.

    Ich persönlich halte die neue visuelle Identität für besonders gelungen und handwerklich ausgezeichnet. Auch muss man Juve hier definitiv für den Mut, diesen – wie man hier ja bestens sieht – sehr polarisierenden Schritt zu gehen, gratulieren.

  34. Eben noch beim Streifzug durchs Netz entdeckt. Dem Anschein nach hat man sich beim Erstellen des „Black and White and More: The future, now!“-Videos inspirieren lassen. Auf der linken Seite das Juve-Video, rechts Ausschnitte aus Videos, die für Ducati im letzten Jahr produziert worden sind (This is X, This is Black).

  35. Die Profilbilder des Vereins in den sozialen Netzwerken wurden bereits auf das vereinfachte Logo umgestellt.

    Kann es sein, dass die Profilbilder wieder rückgängig gemacht wurden?
    Ich finde zwar die neuen Profilbilder in den jeweiligen Alben vergraben. Das aktuelle Profilbild zeigt mir jedoch das alte Vereinswappen.

    War da der Aufschrei etwa zu groß?

  36. Der neue Logo ist prägend und formal annehmbar. Schlecht ist aber der fast vollständige Abbkupplung von der (zugegeben Revisionsbedürftig) Juventus club badge. Der neue ist eine Absage an eine Kapitel der europäische Fussball-Geschichte – eine weltberühmte Club mit alle seiner Siegen und Niederlagen, Höhen und Tiefen. Eine gekonnte Überarbeitung der bekannte Badge, mit alle seine innere Werte wäre eine viel bessere Vorgehensweise gewesen.

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