Juventus Turin blickt mit neuer visuellen Identität in die Zukunft

Juventus Turin, 1897 gegründeter italienischer Fußballverein, legt sich eine neue visuelle Identität samt neuem Logo zu. In einer Welt, die zunehmend von den digitalen Medien und den sozialen Netzwerken bestimmt wird, sei man nun für die Zukunft gewappnet.

„Black and White and More“ – unter diesem Motto verfolgt der Verein einen 360-Grad-Ansatz, mit dem Juve seine Markenpräsenz weltweit ausbauen möchte. Ganz bewusst wählte der Verein mit dem „Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia Leonardo Da Vinci“ einen auch für den Verein ungewöhnlichen Ort, um die neue visuelle Identität der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Eine visuelle Identität, die den „traditionellen Stil von Fußballvereinen auf den Kopf stelle“, so der Verein. Das neue Vereinslogo sei ein Zeichen, mit dem Juve den Konformismus von Fußballabzeichen verlasse. Der Fußballsport sei vom Blick in die Vergangenheit geprägt, wie Andrea Agnelli, seit 2010 Juve-Präsident, im Rahmen der Präsentation erklärt. Im neuen Logo wurde der Anfangsbuchstabe „J“ so angelegt, dass dieser gleichzeitig eine halbe Schildform umreißt. Darüber hinaus beinhaltet das neue Vereinslogo die für den Verein charakteristischen schwarzweißen Balken.

Das neue Erscheinungsbild unterstreiche den Willen im Verein zur Veränderung und weise auf eine kompromisslose Art in die Zukunft. Mit dem vereinfachten Vereinslogo, das weniger komplex, weniger technisch sei, gehe der Verein den Weg in Richtung Internationalisierung der Marke Juventus, so Agnelli. Zwar verfüge man bereits über 300 Millionen Fans weltweit, dennoch wolle man zukünftig ein breiteres Publikum ansprechen.

Entwickelt wurde die neue visuelle Identität in Kooperation mit der Agentur Interbrand. Im Juli 2017 werde man alle Medien auf das neue visuelle Erscheinungsbild umstellen. Die Profilbilder des Vereins in den sozialen Netzwerken wurden bereits auf das vereinfachte Logo umgestellt.

Logo von Juventus Turin – vorher und nachher

Kommentar

Grandissimo! Zweifellos wird das neue Logo polarisieren. Nicht nur in den italienischen Medien liest man empörte Stimmen seitens der Fans und Spott-Kommentare seitens der Medien. Das neue visuelle Konzept dürfte den meisten Traditionalisten, und von denen gibt es im Fußball reichlich, nicht gefallen. In Bezug auf die Markenführung und das Design ist der Schritt jedoch absolut richtig. Es gehört reichlich Mut dazu, sich von den (gestalterischen) Fesseln der Vergangenheit zu lösen. Mit dem vorgestellten Logo unterstreicht Juventus die Bereitschaft, die Zukunft zu gestalten, anstatt, wie es tatsächlich im Fußballsport üblich zu sein scheint, bloß die Vergangenheit zu verwalten.

„Black and White and More“ ist – so zumindest der erste Eindruck – mehr als eine Kampagne, die womöglich nach drei, vier Jahren verpufft. Anhand der im Zuge der Präsentation vorgestellten Video- und Bildmaterials wird ersichtlich, das mit diesem Motto eine klare visuelle Bildsprache, eine eigenständige Ästhetik und darüber hinaus ein nachvollziehbares, in die Zukunft weisendes Konzept einhergeht. Schwarze und weiße Balken, von je her Erkennungszeichen des Vereins, werden auch fortan das Gesicht dieses Vereins prägen. Das neue, ungemein starke visuelle Konzept ist eine erfrischende Revitalisierungskur für „die alte Dame“, die fortan mit der Bezeichnung „die digitale Dame“ wohl besser beschrieben wäre.

Aktualisiert am 20.01.2017: Die Einschätzung, das Bild-/Videomaterial verfüge über eine eigenständige Ästhetik, muss ich aufgrund der Ähnlichkeit mit den für die Motorradmarke Ducati im letzten Jahr produzierten Videos revidieren (siehe Kommentar).

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Mediengalerie

Die Evolution des Juve-Logos

Weiterführende Links

Update 09.06.2017: Vor wenigen Tagen hat der Verein das Trikot für die neue Saison präsentiert:

Juventus Trikot 2017/2018

75 Kommentare zu “Juventus Turin blickt mit neuer visuellen Identität in die Zukunft

  1. Wertfrei ein interessantes Ergebnis, nur dachte ich, dass bei „and more“ jedem Kreativen die Fußnägel selbstständig abfallen.

    • Bin ich ganz bei Dir; das »…and more« hätte ich jetzt auch eher von der Dönerbude um de Ecke erwarten. Die visuelle Ausgestaltung feiere ich dennoch hart.

  2. Ich finde es sehr gelungen. Nur könnte ich mir vorstellen, dass ein kleiner gelber Farbtupf hier und ein dezentes gelbes Highlight da das ganze noch unverwechselbarer und einprägsamer und vor allem stylischer machen könnte. Aber das ist mein persönlicher Geschmackt.

    Das Logo find ich genial, schön wie sich das „T“ von Juventus Turin ergibt aus den Zwischenräumen! Top!

  3. Gewöhnungsbedürftig für einen Fußballclub, aber mit zunehmender Präsenz gut und originell.
    Das das „J“ gleichzeitig eine halbe Schildform umreißt“ ist mir zunächst gar nicht aufgefallen. Pluspunkt dafür!
    Was mir allerdings direkt aufgefallen ist, ist das der schwarze Bereich, der die weißen Elemente und „Juventus“ trennt ein „T“ für Turin ergibt. Oder interpretiere ich da zu viel rein? Wäre noch ein Pluspunkt!

  4. Meiner Meinung nach sollte man Vereinslogos nicht komplett ändern. Die Logos haben ja auch immer etwas mit Tradition und Herkunft zu tun. Bei so einer sensiblen Angelegenheit einfach damit rumzuspielen und etwas total anderes (das nicht mehr mit dem Verein zu tun hat) zu machen, wird vorallem den Fans übel aufstoßen. Ich finde Modifikation ja, eine komplette Änderung des Logos (egal ob dass dann modern, gut gemacht o.ä. ist) nein.

  5. Es gibt zwei Gruppen: Designer und Fußball-Fans, beide haben eine andere Meinung (wie man in vielen Berichten lesen kann). Die eine explodieren fast förmlich im Flat-Design-Orgasmus und die Fußball-Fans abseits der Hype- und Eventfans sind ensetzt.

    So lange es noch den FC Turin gibt ;o)

    Wollen wir nur hoffen, dass kein Bundesligist auf solch eine gloreiche Idee kommt, außer vielleicht ein „Eventverein“ ,o)

  6. Für ein neues Logo nicht schlecht. Für einen Fussballverein jedoch schwach. Bei allem Respekt für die konzeptionelle Idee. Das hat aber nichts mit Fussball und schon gar nichts mit einer Traditionsmanschaft wie Juve eine ist zu tun.

    • Zwei Welten die einfach nicht zusammenpassen, der Designer hätte mehr Fußballluft abseits seines kühlen Designbüros schnuppern müssen. Wie viele schreiben, als Modelabel-Logo gelungen, als Traditionsclub-Logo ein Desaster. Wenn RedBull einen neuen Verein in Italien (Forza RB) gründen würde, könnten sich Designer austoben, weil Eventfans Fußball eh egal ist …

      • Zwei Welten die einfach nicht zusammenpassen, der Designer hätte mehr Fußballluft abseits seines kühlen Designbüros schnuppern müssen.

        In diesem Kommentar steckt Schubladendenken par excellence. Als könne man als Designer kein Fußballfan sein oder andersherum als Fußballfan kein Verständnis für visuelle Formgebung haben.

        Wer um den Prozess rund um die Entstehung eines solchen Zeichens weiß, der weiß auch, dass sich die Kreativen über Monate (manchmal Jahre) hinweg mit dem Kunden, in diesem Fall dem Verein, intensiv beschäftigt haben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die verantwortlichen Kreativen in diesem Zuge den Verein auf eine Weise kennengelernt haben, wie ihn wohl nur den wenigsten Fans kennen. Zu glauben, nur als eingefleischter/langjähriger Fan könne/dürfe man darüber entscheiden, was für den Verein gut ist und was nicht, ist eine weitverbreitete Fehleinschätzung.

        Fußballvereine täten gut daran, sich eine solche Denke, die sich in erster Linie aus Klischees speist, nicht zu eigen zu machen, zumindest wenn sie im Fußball(Marken)geschäft, das heutzutage nun einmal weltweit und nicht nur im eigenen Stadion stattfindet, ein Wörtchen mitreden möchten.

      • Für wen, wenn nicht Fans und Sympathisanten ist denn das Wappen sonst das emotionale Aushängeschild mit dem man sich identifiziert?
        Vereine täten gut daran ihre Fans bzw. Clubmitglieder einzubinden. So gibt ein Verein den Fans noch deutlicher zu spüren, dass sie mehr als Kunden, denn als Anhänger gesehen werden.
        Das Logo sieht sehr gut aus, als Wappen für Juventus ist es aus meiner Sicht zu weit gegangen.

      • Wenn man Fans einbindet kommt eh nur Mist raus, da viele störrisch sind und kein neues Logo wollen, egal wie schlecht das aktuelle Logo ist. Nach dem Motto „das alte Logo war vorher da und ist daher besser“.

  7. Ich persönlich finde das, was ich bisher von dem neuen Markenauftritt gesehen habe, fantastisch. Obgleich ich Robin recht gebe. Diese hätte sich zudem sicherlich auch auf den einen oder anderen Traditionalisten positiv ausgewirkt und ihn sofort mitgenommen.

    Unabhängig hiervon glaube ich aber, dass das breite Publikum nach einem ersten Schrei der Entrüstung, die Qualtität hinter dem neuen Markenauftritt (zumindest unterbewusst) erkennt. Vielleicht setzt Juventus für Vereine dieser Größe hier neue Maßstäbe.

    Ich bin sehr gespannt wie dir neuen Trikots aussehen werden.

  8. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich das Logo nicht dauerhaft durchsetzen wird.
    Allerspätestens in ein paar Jahren werden die Rufe nach dem alten Logo so laut werden, dass es dieses ein Comeback feiert.

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