Inter Mailand bekommt neues Logo

Inter Mailand Logo

Inter Mailand hat gestern ein neues Vereinslogo vorgestellt. Mit dem neuen Logo und dem damit verbundenen neuem visuellen Erscheinungsbild möchte der Verein die Grundwerte des Clubs hervorheben und seine Verbundenheit mit der Stadt Mailand stärken. Gleichzeitig soll mit Hilfe des neuen Designs zum Ausdruck gebracht werden, dass Inter mehr als nur ein Fußballverein sei.

Schon seit längerem kursierten Fotos von Trikots im Netz, auf denen ein neues Inter-Logo zu sehen ist. Nun hat der italienische Fußballverein Inter Mailand (ital. „Football Club Internazionale Milano“, kurz „Inter“) sein neues Logo offiziell vorgestellt. Auf den Trikots der Spielerïnnen wird das Logo allerdings erst im Sommer zu sehen sein. Denn erst zum Start der Saison 2021/22 soll die Umstellung auf das neue Signet erfolgen.

Auszug der Pressemeldung

Inter has moved to revamp its visual identity to open up to an audience that is increasingly digital and sensitive to aesthetics, to reach global targets and different age groups, and establish itself as an icon of culture as well as sport. The aim is to make the Inter brand relevant and recognisable beyond its fanbase and to allow a younger and international audience to identify with the values of inclusion, style and innovation that have characterised Inter since its foundation.

Inter Mailand Logo Visual

Inter Mailand Logo Visual, Quelle: Inter Mailand

Wie der Verein erklärt, handele es sich beim neuen Logo um eine moderne Neuinterpretation des historischen Symbols des Clubs in einer schlankeren und minimalistischeren Form. Das neue Symbol sei aufgrund seiner reduzierten Form „besser für das Zeitalter der Unterhaltung geeignet“. Während im bisherigen, seit 2007 verwendeten Logo die Buchstaben „FCIM“ dargestellt sind, enthält das neue Signet lediglich die Buchstaben „IM“, die Abkürzung für „Internazionale Milano“. Die Initialen des Vereinsnamen dienen, in Anlehnung an den englischen Ausdruck „I am“, gleichzeitig als Aufhänger, um im Sinne eines Narrativs die neue visuelle Identität des Clubs zu kommunizieren: „I M Power“, „I M Brave“, „I M Future“, u.a..

Inter Mailand Logo – vorher und nachher

Inter Mailand Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Inter Mailand, Bildmontage: dt

Schwarz Blau sind die traditionellen Farben von Inter Mailand. Der im Vorgängerlogo enthaltene „Goldton“ wurde anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Clubs 2007 und damit ein Jahr vor dem Jubiläum eingeführt. Innerhalb des zukünftigen Erscheinungsbildes spielt Gold hingegen offenbar keine Rolle mehr. Gleichzeitig erfährt Blau im Zuge des Rebrandings eine Auffrischung – die Farbe wirkt nun satter und leuchtender. Die im alten Logo enthaltenen zahlreichen Ringe wurden zugunsten eines einzigen dafür dickeren schwarzen Rings aufgelöst. In jüngster Zeit hatte der Club sein Logo bereits dahingehend angepasst, dass es auch einfarbig und als Negativform abgebildet werden kann. Diese Darstellungsform ist auch für das neue Logo vorgesehen.

Das aktuelle Logo bleibt noch bis zum Ende der aktuellen Saison als offizieller Absender auch auf den Inter-Trikots erhalten. Zum Beginn der nächsten Saison plant der Club dann die Umstellung auf das neue Signet.

Realisiert wurde das neue visuelle Erscheinungsbild des Clubs in Zusammenarbeit mit dem Bureau Borsche (München). Das Designbüro ist seit Jahren unter anderem für zahlreiche in Mailand ansässige Modelabels tätig.

Kommentar

Auch wenn das jetzt sehr plump klingen mag: Das zukünftige Inter wirkt wie Volkswagen früher (Bild). Farblos, reduziert auf seine Grundform und um zwei Buchstaben gekürzt verliert das Inter-Logo an Originalität und Einzigartigkeit. Maximal flexibel und kompatibel ist das neue „I M“-Signet freilich schon. Und natürlich ist das aktuelle Logo ein wahres Farbring-Ungetüm, das es zu entrümpeln gilt. Die zuletzt an einigen Stellen von Inter verwendete schlichtere Logoversion zeigt meines Erachtens, dass auch das verwobene „FCIM“-Kürzel, der innere Ring des bisherigen Logos also, ein zeitgemäßes Markenzeichen abgibt. Denn maximal flexibel ist auch dieses Zeichen. Überdies ist diese Logovariante mit seiner sich nach rechts öffnenden Form eine wunderbare visuelle Entsprechung für Offenheit (Toleranz) und Transparenz. Juventus Turin hatte vor vier Jahren, indem es ein solch offenes und vereinfachtes Vereinslogo eingeführt hat, einen Maßstab in der Branche gesetzt. Das neue Inter-Logo hingegen wirkt grobklotzig wie das Giuseppe-Meazza-Stadion und mit seinem fetten schwarzen Ring hermetisch abgeschlossen wie eine Festung. Eine in Logoform gebrachte Kampfansage.

Bei den Interista, wie sich die Fans des Clubs nennen, kommt das neue Logo durchweg gar nicht gut an. „Nicht gut“ ist dabei stark untertrieben. Wobei die Bewegungen im Umfeld von Social Media sicherlich kein Maßstab sind. Konstruktive Kritik zu derlei Themen ist nicht eben die Stärke von Facebook & Co., eher vereinfachen und polarisieren. Wer dort lautstark „Ich will das alte Logo zurück!“ einfordert, übersieht womöglich, dass Logos, Markenzeichen und Vereinssignets einem fortwährenden Wandel unterliegen und sich immer schon kontinuierlich verändert haben. Auch das Inter-Logo wurde im Laufe der Geschichte unzählige Male modifiziert und umgestaltet. Veränderungen zu meiden und abzulehnen, liegt ihn der Natur des Menschen. Denn Veränderung bedeutet Anpassung, was wiederum Aufwand erfordert, und diesen Aufwand würden sich viele Menschen gerne ersparen.

Sicher ist, und das wird einige aufgebrachte Interista vielleicht trösten, dass auch das neue Logo irgendwann einmal gegen ein anderes ausgewechselt werden wird. Im schnelllebigen Fußballgeschäft wird dies vielleicht gar nicht mal so lange dauern. Der Umzug in eine neue Spielstätte ist immer ein guter Anlass, die Außendarstellung und die eigene Kommunikation zu hinterfragen und womöglich neu zu justieren.

Und noch zwei Gedanken: die im Rahmen der I-M-Kampagne erstellten Fotos wirken wie Schnappschüsse – schlecht beleuchtet, zusammenhanglos und eher wie eine Promo für Nike denn für Inter. Statt das neue Logo hier lediglich nachträglich drauf zu pappen, hätte man auch Lukaku & Co in Kleidung ablichten können, auf denen das neue Signet prangt. Denn erst so wird aus den Fotos ein Bekenntnis der Gezeigten zum neuen Logo. Wenn, wie in diesem Video ab Sekunde 29 zu sehen, unzählige Muster/Pattern in kurzer Abfolge durchrattern, ist es kaum möglich auf diese Weise Identität zu stiften. In keinem der Muster ist ein Zusammenhang mit dem Logo zu erkennen. Auch diesbezüglich spielt Juve, da dort das Linienmuster ein zentrales und wiederkehrendes Gestaltungsmerkmal ist, in einer ganz anderen Liga.

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13 Kommentare zu “Inter Mailand bekommt neues Logo

  1. ,,Veränderungen zu meiden und abzulehnen, liegt ihn der Natur des Menschen. Denn Veränderung bedeutet Anpassung, was wiederum Aufwand erfordert, und diesen Aufwand würden sich viele Menschen gerne ersparen.”

    Bravo! Danke dafür 🔝👌🏻🙏🏻

  2. “Bei den Interista, wie sich die Fans des Clubs nennen, kommt das neue Logo durchweg gar nicht gut an.”

    Fußballfans finden eine Änderung am Vereinslogo schlecht? Wer hätte damit rechnen können? :D

    Ich finds jedenfalls besser als vorher. Auch in der Historie war das ja nur ein Wust an Ringen und irgendwas in der Mitte, bei dem man nicht erkennen kann in welcher Reihenfolge man das lesen muss. Evtl. hätte man die Abstände noch etwas größer machen können, so wirkt das trotzdem noch etwas unruhig.

  3. Dass Fans jedes Redesign ablehnen ist klar, brauchen wir hier nicht zu diskutieren.
    Die alte Buchstabenkonstruktion ist weder formal schön, noch lesbar, auch die Hierarchie/Reihenfolge der Buchstaben stimmt nicht (mein Eindruck wäre F/M/I/C). “FC” hat null Unterscheidungskraft zu anderen FCs, also auch obsolet – weg damit. Soweit alles nachvollziehbar und natürlich muss alles digital minimal werden.

    Erstaunlich finde ich eigentlich, dass das Logo so nahe am Original geblieben ist – wohl ein Zeichen von großem Respekt der Designer gegenüber der Geschichte und den Fans.

    Interessantes Detail: Mirko Borsche hat letzte Woche bei einem Talk erwähnt, dass die Kampagnenidee zuerst da war, also I M. Die Kampagnenfotos wirken vielleicht etwas beliebig, konzeptionell macht das aber im Sinne der Idee (Inklusion, wir alle sind Inter) durchaus Sinn und ist nur konsequent. Der Ring des Logos mag geschlossen sein, aber die Kampagnenidee könnte nicht offener sein.

    Mein Resumee: Es gibt vielleicht schönere Fußball-Identities, darum ist diese Überarbeitung aber noch lange nicht schlecht.

  4. “Das neue Inter-Logo hingegen wirkt grobklotzig wie das Giuseppe-Meazza-Stadion und mit seinem fetten schwarzen Ring hermetisch abgeschlossen wie eine Festung. Eine in Logoform gebrachte Kampfansage.”
    –> Das Guiseppe-Meazza hier als grobklotzig abzutun finde ich schon ein wenig sehr negativ. Es ist mit seiner brutalistischen (wenn ich nicht falsch liege) Architektur mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, aber es ist absolut einzigartig und eines der bekanntesten Stadien der Welt, wegen der zwei Vereine, wegen der Weltmeisterschaft, aber auch wegen der, positiv formuliert, beeindruckenden Architektur.
    Dass das Logo wie eine “Festung” und “Kampfansage” wirkt – würde ich sagen – ist für einen Fussballverein nicht gerade das schlechteste. Vor allem nicht für einen Verein wie Inter Mailand, der unter anderem 2010 unter Mourinho mit beeindruckendem Catenaccio die Championsleague gewinnen konnte. Allgmein sei hier vermerkt, dass Inter Mailand als der Verein gilt, wo der Catenaccio, frei übersetzt: tiefes & kompaktes verteidigen, oder auch “einmauern”, gefolgt von schnellen Konterangriffen, erfunden wurde. Wenn also das neue Logo Assoziationen wie “Festung” (tief stehen und kompakt verteidigen) & “Kampfansage” (nach Balleroberung überfallartig Kontern) hervorruft, trifft das doch ziemlich genau die Geschichte und Identität des Vereins! Wenn auch “Kampfansage” sehr martialisch ist…

    “Veränderungen zu meiden und abzulehnen, liegt ihn der Natur des Menschen. Denn Veränderung bedeutet Anpassung, was wiederum Aufwand erfordert, und diesen Aufwand würden sich viele Menschen gerne ersparen.”
    –> Mir erscheint es hier so, als würde der Autor diesem Reflex selbst unterliegen… ;)

    „T M“-Signet
    –> Also, hier ein TM zu sehen finde ich schon arg weit hergeholt. Durch die Serifen oben und unten ist das doch eindeutig als I erkennbar, oder nicht?

    “Überdies ist diese Logovariante mit seiner sich nach rechts öffnenden Form eine wunderbare visuelle Entsprechung für Offenheit (Toleranz) und Transparenz”
    –> Nur weil eine Form sich öffnet Offenheit, Toleranz und Transparenz darin zu sehen finde ich ein wenig naiv, bzw., dünn begründet. Da fallen mir einige Formen ein, die auch nach rechts offen sind, aber keinesfalls für die oben genannten Werte stehen.

    Ich finde das neue Logo sehr gelungen. Vor allem die Reduktion auf I M. Niemand spricht vom “Football Club Internazionale Milano”, alle sagen “Inter Mailand” bzw. “Inter Milano”, wenn überhaupt, meistens einfach nur “Inter”. Die Reduktion auf I M finde ich daher folgerichtig. Es schärft doch einfach nur die Marke dahingehend, was sowieso schon im Umlauf ist und “gelebt” wird. Auch die Kampagne “I M …” finde ich inhaltlich sehr gelungen und identitätsstiftend. Sich abgrenzend. Darum geht es doch auch, wenn man sich einem Verein zugehörig fühlt. Ich bin eben Inter, und nicht AC, oder Juve, oder Bayer, oder oder oder…

    Das Bildmaterial ist in der Tat noch nicht ausgereift. Bei der Kleidung liegt es vor allem daran, dass man mitten in der Saison nicht die komplette Ausrüstung wechseln kann (oder möchte, hoffe ich #ressourcenverbrauch). Darüberhinaus wechselt vermutlich der Ausrüster zur neuen Saison. Sprich, Inter erfüllt den Ausrüstervertrag mit Nike bis zum Ende der Saison, erst dann kann neue Ausrüstung gezeigt werden.

    Alles in allem: Ich finde das neue Logo gelungen und finde es passt hervorragend zum Verein! Gleichwohl sind die Kommunikationsmittel noch nicht richtig ausgearbeitet, da gebe ich recht, wer weiß, woran das liegt, Gründe kann es viele geben… dennoch, ein erster sehr guter Schritt, wie ich finde.

  5. Als Inter-Sympathisant wäre mir ein reduziertes FCIM zwar lieber gewesen, kann aber mit dem I und M leben.
    Mich stören vielmehr
    a) das englische “I M Power”, “I M Brave” usw.
    Mit englischen Slogans will man wohl die ganze Welt ansprechen, aber vielmehr zeigt es für mich, man will wohl die Mailänder nicht mehr ansprechen.
    Ich will nicht Zielgruppe eines ausländischen Vereins sein, sondern Zaungast. Denn wenn jeder “große” Verein die ganze Welt auf Englisch anspricht, ist das für mich beliebiger Einheitsbrei.
    Habe auch “mein” NFL-Team auf Facebook entliked, nachdem sie angefangen haben, für deutsche Fans Artikel auf Deutsch zu posten.

    b) der Wegfall von Gold/Gelb.
    Ja, es ist zwar richtig geschrieben, dass das Gold nicht so alt ist. Aber dafür war Gelb über quasi die ganze Vereinsgeschichte im jeweiligen Logo präsent.
    Sogar als der Biscione das Logo zierte war ein gelber Stern da.
    Somit gehört Gelb/Gold meiner Meinung nach in ein Logo der Nerazzurri – oh halt, wann wird das eigentlich gegen was englisches getauscht?

  6. Totalversagen. Die Jugend zu der ich gehöre, die zu den neueren Generationen mit ausgeprägterem Stilempfinden gehört, setzt inzwischen auf 90s. Inter + Pirelli, diese Kombination ist ikonisch. Auf der Straße ist das High Fashion. Die meisten Trikotverkäufe gehen auf Jungs wie mich zurück, Streetware und Fußballfans, aus einer Generation in der Mode unglaublich wichtig ist. Bisher war man stolz wenn man Tracksuits von Inter hatte, oder Trikots. Mit dem neuen Logo wird sich das ändern. Stil ist weg, die Ikone zerstört, niemand will beliebig sein.

    Das alte Logo war italienisch elegant, fein, sportlich und etwas Königlich zugleich und auffällig. Das neue wirkt billig, erinnert mich an Industrielogos der Jahrhundertwende, sieht aus als wäre etwas auf den Boden gefallen und in zu viele klobige Teile zerbrochen.

    Ich halte viel von der Community hier, bei Vereinslogos stehen allerdings viele scheinbar öfters auf dem Schlauch, nach meinem Empfinden.

    Ein Vereinswappen ist kein Logo in dem Sinn, auch wenn es heutzutage als solches dienen muss, ohne Frage. Aber im Fußball geht es um Identität. Nichts ist wichtiger als Identität. Die Vereinslogos repräsentieren diese Identität, die Geschichte. Das, was im Idealfall für viele ein großer Teil der eigenen Identität ist. Bei einem Verein wie Inter ist diese Identität die beste Vermarktung. Die Geschichte ist besser als die Gegenwart, die Identität eine Weltmarke. Vereinslogos müssen weder schön sein, noch perfekt. Sie müssen die Identität bestmöglich vertreten und oft tun das die hässlichen sogar besser als die hübschen. Wer da mit Lesbarkeit kommt, hat nicht verstanden um was es geht. Ich kenne Inter seit ich vier bin und habe das Wappen noch nicht einmal versucht zu lesen. Wer Inter bis heute nicht kennt, und das Logo lesen muss, wird wohl nie einen Verein in sein Herz schließen. Diese Identität ist das wertvollste Gut das ein Verein hat. Es ist die Brücke zu den Fans, die gemeinsame Geschichte die selbst die Schalker noch an ihrem Tabellenletzten hält. Das Opas mit ihren Enkeln verbinden können und damit auch der wichtigste Marketingaspekt. Es ist die selbe Traurige Entwicklung im Fußball, die immerwieder bemängelt wird, die dieses wertvollste Gut nicht schätzt. Profifußball ist nichts ohne Fans und ein Logo zu ändern, anzupassen ist immer wieder nötig, aber die Identität dabei zu ändern die die Fans in sich tragen zeigt, wie wenig manche Leute in diesem Geschäft das verstanden haben. Das ist weder Mailand noch Inter. Auf dem Weg in die Zukunft, spuckt man der eigenen Seele ins Gesicht, vergisst man all das, was den Verein zu etwas macht, zu etwas, was in den Köpfen ist, zu etwas, was mal eine sehr große Rolle spielte und in den Köpfen immernoch spielt. Wegen der Geschichte, der Identität. Und das alles zu einem Zeitpunkt, als man die Hoffnung hatte zurück zu alter Größe zu finden. Mit diesem Logo ist das Geschichte. Wenn der Verein es nicht schafft, seine Identität, das was die Fans mit ihm verbinden nach außen zu tragen, verliert er Walles was er hat und alles was er ist. Seine Zukunft und seine Vergangenheit. Dann gibt es kein zurück zu alter Größe, wenn die Identität jetzt sowieso eine andere ist und Skalierbarkeit mehr zählt als die eigene Identität. Identitätsverlust für einen Fußballverein wie Geldverlust für eine Bank. Der Weg in die Bedeutungslosigkeit, denn dieses Logo ist eine weitere Verbindung zwischen Fans und Verein, die durchtrennt wird. Doch man wird damit auf die Schnauze Fallen, denn Fußball ist nichts ohne Fans und Authentizität und Identität und Traditionen und und und… Dann platzt die Blase und man wird sich erinnern müssen, wer man mal gewesen ist, bevor man ich verkauft hat. Und das sagt ein großer Fan des modernen Fußballs, aber alles machen wir auch nicht mit und die Zukunft verbaut man sich dadurch. Gebe dem Logo nicht lange.

    • Danke Cano039, für Deinen emotionalen und zugleich konstruktiven Kommentar.

      Wer da mit Lesbarkeit kommt, hat nicht verstanden um was es geht.

      In diesem Punkt stimme ich Dir uneingeschränkt zu. Anders als beim Typedesign oder Informationsdesign (Signage, Grafiken, etc.) ist das Kriterium Lesbarkeit bei der Gestaltung eines Logos von nachrangiger Bedeutung. Hier zählen vor allem Prägnanz, Memorierbarkeit, Originalität, Flexibilität und Reproduktionsfähigkeit. Um diese Kriterien zu erfüllen, muss ein Logo möglichst einfach sein. Allerdings nicht so simpel, dass es generisch wird. Das bisherige Inter-Logo war aufgrund seiner zahlreichen Ringe sicherlich kein einfaches Zeichen, weshalb eine Überarbeitung grundsätzlich sinnvoll ist. Über die Art der Überarbeitung kann und darf man freilich streiten.

      Wegen der Geschichte, der Identität.

      In Deinem Kommentar bilden die Begriffe Geschichte und Identität eine unteilbare Einheit. Als seien sie Teil ein geschlossenes Systems. Die Identität eines Vereins speist sich zu einem Großteil aus ihrer Geschichte – das ist wahr, aber nicht nur. Viele Clubs, auch Inter, verfolgen langfristige Ziele, veröffentlichen Entwicklungspläne, um so etwa Jugend- und Frauen-Abteilungen zu fördern, Gleichberechtigung und Diversität zu verbessern, karitative Projekte anzustoßen und um natürlich insgesamt den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu sichern bzw. herbeizuführen. All dies ist Teil der Identität. Identität begründet sich nicht, so wie Du es in Deinem Kommentar beschreibst, ausschließlich aus der Geschichte und aus vergangenen Erfolgen oder Misserfolgen – sie ist unmittelbar auch an die Zukunft gebunden. Ähnlich wie Unternehmen, Marken, Organisationen, Städte u.a., sind auch Vereine einem Wandel unterzogen. Und ähnlich wie bei den aufgezählten Entitäten ändert sich im Zuge des Wandels auch ihre Identität. Dass sich Vereine etwa ihrer sozialen Verantwortung stellen und sich gegen Diskriminierung und Rassismus positionieren, ist das Ergebnis einer Sensibilisierung, die in den letzten Jahren in allen Teilen der Gesellschaft zu beobachten ist. Das Bewusstsein, sich dieser Verantwortung zu stellen, ist selbstverständlich auch Teil der Identität. Heutzutage verfassen Vereine ein Leitbild und sie machen ihren Verhaltenskodex öffentlich. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität ist das Ergebnis fortschreitender Entwicklung. Wenn sich also die Identität verändert, sollte diese Veränderung auch auf der visuellen Ebene stattfinden und nach außen getragen werden. Gelsenkirchen, einst die Stadt der 1000 Feuer und rund 400.000 Einwohner zählend, ist heute eine andere Stadt. Die Stadt wandelt sich, mit ihr die Menschen und mit ihnen auch ein Verein wie der FC Schalke. Eine Identität, die einzig allein auf Traditionen beruht, ist rückwärtsgewandt und nicht zukunftsfähig. Vereine benötigen ein ausgewogenes Verhältnis von Traditionsbezug und Fortschrittsdenken. Das weiß man auch beim FC Schalke, in dessen Leitbild es heißt: „In unserer Vergangenheit liegen die Wurzeln unserer Zukunft. Diese wollen wir aktiv gestalten …“

      Ich bin ebenfalls gespannt, wie lange sich das neue Inter-Logo halten wird.

    • Gerne :) Danke für die sehr interessante Antwort. Der Punkt mit Geschichte und der Identität ist sehr spannend. Tatsächlich finde ich, ist die Geschichte keinesfalls nur eine festgeschriebene Chronik, die im Regal verstaubt. Warum ich Geschichte und Identität so verknüpfe ist, weil ich selbst als Fußballer und Fan liebe, wie Fußball Generationen und Kulturen verbindet. Ich habe selber türkische Wurzeln und finde die beschriebenen Entwicklungen in Sachen Politik sehr wichtig. Der Fußball könnte sich noch viel mehr seiner Verantwortung stellen, muss aber auch aufpassen sich nicht dafür zu instrumentalisieren. Kinder gehen mit Eltern ins Stadion, die seinerzeit mit ihren Eltern dort das erste Mal waren. Ich finde diese Verbindungen machen Vereinsliebe aus. Der Enkel kann nachvollziehen und erleben, was schon der Großvater empfunden hat. Und ich finde das sehr wichtig, dass man so etwas wertschätzt und fortführt, an dem festhält was verbindet. Dabei finde ich aber durchaus, dass die Geschichte trotzdem etwas sehr dynamisches ist, was sich ständig neu erfinden muss. Aber bei einem Verein ist es deshalb noch wichtiger als beim Logo einer Marke, dass der nächste Schritt immer einer ist, der mit den Fans und mit der eigenen Geschichte und im Sinne der Identität gemacht wird. Vereine können bei so etwas unfassbar träge wirken, aber ein Verein der seinen nächsten Schritt bewusst ohne die Fans macht, hat seinen Wert verloren. Ich bin 20 und sicher keiner der sagt, „früher war alles besser“. Nur sollte im Fußball, der fast eine Art Religion für sehr viele Menschen darstellt, trotz, oder gerade wegen des schnelllebigen Geschäfts, eine gewisse Beständigkeit und Substanz vorhanden sein. Identität sollte gelebt und nicht nur Marketingaspekt für Trikotverkäufe sein. Der Logowechsel von Juve hat nach außen viel an der Identität geändert. Es ist eine gewisse Geste in Richtung China und andere Märkten zur Erschließung neuer Fangruppen aber gleichzeitig ein Abwenden von der eigenen Basis. Ich hoffe, dass sich diese Entwicklung bei Inter in Grenzen hält.

      Auch würde ich es für richtig halten, dass in anderen Aspekte etwas mehr Dynamik her sollte. Die Frauenabteilungen sollten die Chance haben, ihr eigene Geschichte zu schreiben. Eine gewisse Eigenständigkeit, auch im gestalterischen würde den Frauen gerecht werden. Ich bin dagegen den Frauenfußball künstlich größer aufzublasen als er aktuell ist, aber es wäre definitiv produktiv, würde man die Frauenabteilungen nicht immer im Schatten der Männer präsentieren. Männer haben Geschichte in den Vereinen teils über hundert Jahre lang geschrieben, und in diesen Schatten, bewegen sich nur viele Frauen. Frauenteams hätten es doch verdient ihre eigene Geschichte zu schreiben und eine Eigenständigkeit in Organisation und Präsentation, würde da meiner Meinung nach vieles in der Wahrnehmung ändern. Auch hilft es nicht wenn Frauenfußball mit Männerfußball verglichen wird. Es ist nunmal etwas ganz anderes, und so sollte es sich auch entwickeln dürfen.

      Und ich wollte mich noch bedanken, ich verfolge diese Seite seit ich klein bin, mein Vater war Grafiker und ich selbst bin auf dem Weg in den Bereich Design/Produktdesign und in meiner Ausbildung hat mich diese Seite mehr weitergebracht als alles andere. Die Community hier ist großartig, so gut wie kein Hate, fast alle bleiben sachlich und die Beiträge immer extrem kompetent und gut recherchiert. Das hat auch was mit dieser Beständigkeit zu tun, die leider immer seltener wird. Ich wünsche alles Gute für die Zukunft und dass es das hier noch lange gibt. Konstruktiver Austausch ist enorm wichtig, vor allem in Zeiten von Querdenkern und Populismus.

    • Besten Dank für den Hinweis!

      Offenbar handelt es sich hierbei um eine Kontext- und Kampagnen-bezogene Anpassung, die mit der Einführung eines vierten Jersey-Designs verbunden ist.

      Inter 4 Jersey Kit VisualQuelle: Inter Mailand

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