Die neue visuelle Identität der isländischen Fußball-Nationalmannschaft hat ihren Ursprung in der nordischen Mythologie

Island Fußballverband (KSI) Logo, Quelle: KSI

Die isländische Fußball-Nationalmannschaft hat seit Anfang Juli einen neuen Ausrüster und zugleich eine neue visuelle Identität. Bislang nutzte der nationale Verband Islands (Knattspyrnusamband Íslands, KSI) sowohl für den Verband wie für dessen Nationalmannschaften ein und das selbe Logo als Absender. Fortan treten die Teams unter einem eigenständigen, sehr grafisch gehaltenen Emblem in Erscheinung, das seinen Ursprung in der nordischen Mythologie hat.

Seit 25 Jahren prangt auf den Trikots der isländischen Fußball-Nationalmannschaft das KSI-Verbandslogo. Mit der Einführung eines eigenständigen Nationalmannschaftslogos inklusive einem darauf abgestimmten Erscheinungsbild beginne für den 1947 gegründeten Verband ein neues Kapitel.

Wie der Verband im Rahmen der Vorstellung erklärte, hätten sich die Aktivitäten des Verbandes wie auch das Image Islands, befördert durch die Leistungen der Nationalmannschaft, in den letzten Jahren weiterentwickelt. Für das Verbandslogo sei es immer schwieriger geworden, diese Doppelrolle zu erfüllen. Es bestehe somit der Bedarf an einem Logo, „welches die Grundwerte und das Wesen des Teamgeistes besser widerspiegeln kann – ein leidenschaftliches Symbol der Einheit, das sich auf unsere Stärken, unsere Geschichte und unseren Kampfgeist stützt“.

Isländische Fußballnationalmannschaft Branding, Quelle: KSI

Isländische Fußballnationalmannschaft Branding, Quelle: KSI

Grundlage für die Gestaltungsidee zum neuem Nationalmannschaftslogo bildet die isländische Mythologie und Sagenwelt.  Die Schutzgeister Stier, Adler, Drache und Riese wurden als grafische Zeichen neu interpretiert und so angelegt, dass diese in Kreuzform zu einem Gesamtgebilde verschmelzen und auf diese Weise das Logo bilden (ein weiß-rotes Kreuz ist seit je her Bestandteil der isländischen Flagge). Dabei können die Grafiken der einzelnen Schutzgeister auch für sich selbst genommen, etwa auf Trinkflaschen oder dem Mannschaftsbus, zum Einsatz kommen.

Die Schutzgeister seien das perfekte Symbol für die Nationalmannschaft, so der Verband. „Mit ihrem Kampfgeist und ihrer Entschlossenheit verteidigen sie die Hochburg, die andere Teams fürchten, unsere Heimat“. Auf der eigens eingerichteten Website landvaettir.ksi.is wird die Idee und die Herleitung bildreich in Szene gesetzt. Teil der neuen visuellen Identität ist zudem ein eigens gezeichneter, nur aus Minuskeln bestehender und von historischen Holzschnitten abgeleiteter Corporate-Font. Der Font namens Vættir werde, wie es seitens des Macher heißt, bei der Implementierung des neuen Markenbildes in die Köpfe der Menschen eine Schlüsselrolle spielen.

 

Isländische Fußballnationalmannschaft Trikot Redesign, Bildquelle: KSI, Bildmontage: dt

Isländische Fußballnationalmannschaft Trikot Redesign, Bildquelle: KSI, Bildmontage: dt

Einhergehend mit einer veränderten visuellen Ausrichtung gab der Verband zudem bekannt, dass mit PUMA ein zunächst auf sechs Jahre angelegter Ausrüstervertrag abgeschlossen werden konnte. PUMA löst Errea ab, die seit 2001 Ausrüster von Island gewesen sind.

Entstanden ist das neue Erscheinungsbild der isländischen Fußball-Nationalmannschaft in Kooperation mit der Agentur Brandenburg (Reykjavík). Das begleitende Video (siehe unten) wurde von Filmemacher (und Fußballtorhüter) Hannes Þór Halldórsson inszeniert.

Isländische Fußballnationalmannschaft Ikonographie, Quelle: KSI

Isländische Fußballnationalmannschaft Ikonographie, Quelle: KSI

Kommentar

Was wohl Typograph und Gestalter Kurt Weidemann zum neuen Signet gesagt hätte? Von ihm stammt der Leitspruch: „Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.“ Auch dem begabtesten Dribbelkünstler dürfte es kaum gelingen, das neue Logo der isländischen Fußball-Nationalmannschaft mit dem großen Zeh in den Sand zu kratzen. Dafür ist die Formgebung zu komplex, trotz symmetrischen Aufbaus. Und doch ist es gut!

Idee, Herleitung, Realisierung wie auch die formal-ästhethische Qualität sind überragend. Von Seiten der Verantwortlichen wird das Logo mit einem für Skandinavier typisch trockenen Humor als „kompliziert, aber klar“ beschrieben. Das trifft es sehr gut. Selten hat mir die Sichtung eines Projektes so viel Spaß gemacht. Eine einzigartige, zudem authentische Markeninszenierung in bester Storytelling-Manier.

Zukünftig wird es ein noch größeres Vergnügen sein, den Isländern beim Fußballspielen zuzusehen. Und wenn dann auch wieder deren Fans in den Stadien gemeinsam ihr „Húh“ anstimmen und Fahnen und Schals mit dem neuen Zeichen durch die Luft wirbeln, wirds ein multisensorisches Fest, unabhängig davon wie das Spiel ausgeht.

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12 Kommentare zu “Die neue visuelle Identität der isländischen Fußball-Nationalmannschaft hat ihren Ursprung in der nordischen Mythologie

  1. Das Signet ist super! Sehr prägnant, einzigartig und (wenn man nicht gerade auf einem Designblog unterwegs ist und alles darüber liest) man wird eingeladen, das Logo zu entschlüsseln. Zusätzlich bietet sich dem Verband so die Möglichkeit, potentiell mehr Merchandise zu verkaufen: Wenn man alle vier Symbole als T-Shirt haben möchte…
    Die Komplexität sehe ich hier jedenfalls als eindeutigen Pluspunkt. Zudem ist es nicht zu komplex, sodass es auch bei kleiner Anwendung gut wirken kann. Die Andeutung einer Kreuzform interpretiere ich auch als kleine Anspielung an das typisch nordische Kreuz in der Flagge – ob gewollt oder nicht.
    Sehr viel blau ist zu sehen, ich denke in der Anwendung wird es dann zumindest etwas reduziert. Die Schrift ist… sagen wir mal okay – zumindest einzigartig. Ansonsten eher ohne echten Rhythmus und wohl nur für einzelne Wörter zu gebrauchen.
    Was mir – wie so oft bei der Vorstellung einer neuen CI im sportlichen Bereich – sauer aufstößt, ist die Präsentation der Trikots. Das ist so peinlich! Immer müssen alle ganz besonders cool und tough gucken. Immer müssen sie aus niedriger Perspektive fotografiert werden. Dass sich dieser Look so verselbständigt hat, finde ich schon bemerkenswert.

  2. SUPER! Ein tolles Symbol! Mal was ganz anderes. Ich bin begeistert (und das passiert heutuzutage eher seltener). Das Image-Video mit der weiblichen Sprecherin hat Gänsehaut-Potenzial. Erste Sahne!

  3. WOW! Ganz großes Kino (nicht nur das Video). Man sieht die Mannschaft förmlich schon mit dem neuen Logo/Wappen/Schild voran kämpferisch im Drachenboot zu Auswärtsspielen reisen, um die (Fußball-)Welt zu erobern. Hoffen wir mal, dass sie ihre Schlachten – unterstützt vom Mythos und Geist dieses Auftritts – erfolgreich schlagen und es auch sportlich weiter aufwärts geht. Stehen die roten Striche auf den Trikots eigentlich für das Blut der Gegner? Húh! Und das mit dem Logo im Sand … nun ja, es soll ja nicht nur Ball- sondern auch Sandkünstler geben. Wer kann, der kann. Auf jeden Fall machen die kleinen Isländer hier den großen Fußballverbänden (und -vereine) auch abseits des Platzes vor, wie es gehen kann.

  4. Einfack klasse! Sehr einprägsam umgesetzt – inkl. Farbgestaltung. Ein Logo, was mir sehr gefällt und nicht die Anmutung besitzt, von “freelogomager” (0-8-15) inspiriert worden zu sein!

  5. Was ein Brett! Ich bin großer Verfechter der “dicken Zeh” Theorie, aber hier passt das Gesamtpaket einfach so gut, dass es mir mal völlig egal ist. Tolles, individuelles, ästhetisch sehr ansprechendes Grafikdesign! Keine faulen Kompromisse, keine unnötigen Verkomplizierungen! Die Typo macht auch was her! Und noch mal was ganz anderes am Rande: Ob man hierzulande wohl die Trikotvorstellung (geschlechtlich) auch so divers präsentiert hätte? I doubt it!

  6. Auch wenn Islands Fußball noch nicht weltklasse ist, in puncto Design präsentiert sich die Nationalmannschaft in Zukunft weltmeisterlich. Húh!

  7. Was Grundsätzliches: Dicker-Zeh-Theorie? Nur weil mal ein Gestalter was gesagt hat, ist es nicht richtig, sei er auch noch so erfolgreich. Ja, man sollte dieses Dekret bedenken — und es dann begründet weglegen. Einen Grund sehen wir hier, ein komplex aufgebautes Logo, das völlig klar ist. Und darauf, auf die Unterscheidbarkeit und Einprägsamkeit kommt es doch vor allem an, wenn ich mich nicht irre.
    Auch andere Aussagen von diesem und anderen erfolgreichen alten männlichen Designern sind ja vor allem Dekrete, die der Selbstüberhöhung dienen, ob KW oder OA oder WF. Der sagte mal, man könne bei Bildern von Frauen ruhig die Stirn abschneiden, weil die eh nichts im Kopf haben. Aber das führt jetzt wirklich weit ab …
    Halten wir uns doch besser an einen anderen alten Gestalter, an Hans Peter Willberg: »Glaubt keinen Autoritäten!« (Hans Peter Willberg: Typolemik. Mainz, 2000, S. 77.) Denken wir selber.

    • … erfolgreichen alten männlichen Designern sind ja vor allem Dekrete, die der Selbstüberhöhung dienen, …

      So sehe ich das auch. Dachte ich mir schon lange.

      … man könne bei Bildern von Frauen ruhig die Stirn abschneiden, weil die eh nichts im Kopf haben.

      Das ist ein übler Satz, wenn er so gefallen ist, ja.
      Zeigt wohl, dass manche – auch Designautoritäten – einfach auch viel Dummes, Eingebildetes sagen, wenn der Tag lang ist …

      Komplex ist dennoch ein wohlwollendes Adverb, um dieses Logo zu beschreiben.
      ‘Filigran’ oder ‘Zu filigran’ könnte man auch sagen.
      Es wirkt auf den ersten Blick wie eine etwas eckige Schneeflocke, Schutzgeist, Riese etc. darin in oder her.

      Diese Gestalten sieht man jedoch erst, wenn man davor meditiert. Ein Logo erfasst man in wenigen Sekunden, normalerweise.

      Was einen hier, mich auch, halt einnimmt, dass endlich mal kein banaler Fußball im Logo herumschwirrt. Und dass keine verfremdeten (künstlich hingeschrägten, gelängten, etc.) ‘Fressalien’ (Versalien) verlegen an Flaggen hingeklemmt werden.

      Das entspannt einen als Gestalter schon gehörig, dass es noch Vereine gibt, die da frei im Kopf sind. Dass es Island ist, nimmt mich natürlich auch ein (Island-Fan). Wenn das ein deutscher Kofferhersteller gewesen wäre, wäre ich wohl mit der Kritik über ihn hergefallen, dass so ein kleinteiliges Logo gar nicht gehe ;-)

  8. Die Begeisterung ist groß hier … mein erster Eindruck beim Ansehen: Ich musste an diese schrottigen Transformers-Filme denken. Und dieses Blau erinenrt mich – als Mac-USer seit 1989 – an Windows 3.1 ;-)

  9. Das Logo als ganzes finde ich etwas zu komplex, zumindest auf den ersten Blick.
    Die Anwendung der 4 nordischen Gestalten als einzelne finde ich aber genial und sehr schön umgesetzt.
    Was mir auch sehr gut gefällt ist die authentizität, etwas was der deutschen Auswahl bei der Vermarktung völlig fehlt.

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