30 Gründe, Obama zu wählen

30Reasons Dan-Blackman

Heute ist Wahltag. Die Live-Ticker laufen heiß. Die US-Bürger wählen zum 57. Mal den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Barack Obama und Mitt Romney treten zur Wahl an, was sich dank ausführlichster Berichterstattung bis in die letzte Ecke unseres Planeten herumgesprochen haben dürfte. Dass auch Designer in Bezug auf ihre politische Haltung eindeutig „Farbe bekennen“, ist hingegen weniger bekannt.

Chris und Julia Thomas, die in New York die Agentur Hieronymus führen, haben zum zweiten Mal nach 2008 die Plattform 30 reasons aufgelegt, um auf diese Weise den von ihnen favorisierten Obama zu unterstützen. Sie sind der Meinung, Designer stünden in der Pflicht, sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen und, so ist das Projekt einzustufen, sich auch politisch zu engagieren. Sie haben 30 talentierte Künstler und Designer gebeten, ihren Grund zu visualisieren, Obama wieder zu wählen.

„Don’t trash progress“, die oben dargestellte Arbeit von Dan Blackman, erscheint mir persönlich von allen eingereichten Motiven am prägnantesten, vor allem aufgrund des griffigen Slogans.

12 Kommentare zu “30 Gründe, Obama zu wählen

  1. Beim Betrachten der Plakate und beim Lesen der Kommentare wird mir einmal mehr bewusst, dass viele »Kreative« stärker als andere Menschen den Drang verspüren, sich dezidiert politisch zu betätigen; der Welt ihre Haltung zu zeigen; die Welt zur Umkehr zu rufen. Jedesmal, wenn ich Zeuge solcher »Demonstrationen« werde, so auch jetzt, stellt sich mir die Frage: warum?

    Verstehen Fabrikarbeiter Fabrikarbeiter und Arbeitslose, Zahnärzte, Handwerker, Bäcker. Bauern, Studenten und Taxifahrer weniger von sozialer Gerechtigkeit, Klimawandel, Wirtschaftswachstum, Armut und AIDS als Schauspieler, Musiker, Graphiker, Schriftsteller, Maler und Designer? Vermutlich nicht. Dennoch schweigen jene, während diese ihre Haltung von der Bühne und von Plakaten, in Interviews, Spendenaufrufen und auf der Straße verkünden.

    Ein Gedanke liegt nahe: Sie, die »Kreativen« wissen genau so viel wie alle anderen, haben vielleicht ähnliche Ansichenten, im Gegensatz zu anderen aber ein »Sprachrohr«, können artikulieren, was sie denken.

    Dabei ist oft das Gegenteil richtig – so paradox es erscheinen mag. Man sieht es z.B. an den 30 Plakaten: am besten artikuliert, am wirksamsten sind gerade die Plakate, die den Anschein von Auftragswerken vermitteln – die, die eine Distanz zu ihrem Gegenstand einnehmen (sei sie auch klein). Eines dieser in meinen Augen stärkeren Plakate ist das hier gezeigte. Sie sind gelassen, sogar ein wenig ironisch – nicht lustig! aber auch nicht moralisierend oder agitatorisch.

    Dagegen wird bei den schwächeren Plakaten der Künstler selbst sichtbar. Man weiß sofort, dass er meint, was er schreibt; man spürt das verzweifelte Bedürfnis, der Welt etwas mitzuteilen. Darunter leidet offenbar die Professionalität. »Man merkt die Absicht, und man ist verstimmt«.

    Ein anderes Beispiel für dieses Phänomen sind die jüngsten Äußerungen von Günther Grass zur weltpolitischen Lage: ein Mann, gerühmt vom Nobelpreiskomitee für seine Beherrschung der Sprache, scheitert, als er der Welt seine eigene Meinung mitteilen will. Er schreibt etwas, dass äußerlich an ein Gedicht erinnert sich aber als Gestammel erweist, rhetorisch erbärmliches Gestammel,

    Haben »Kreative« ein größeres Sendungsbewusstsein als andere Berufsgruppen – eine Neigung zur Selbstüberschätzung oder geringer ausgeprägte Selbstzweifel? Was treibt Schauspieler dazu, über Tierschutz zu reden, obwohl Tierärzte, Biologen und Bauern auf diesem Gebiet offensichtlich kompetenter sind?

  2. @ Christoph,
    ja was treibt Schauspieler dazu, über Tierschutz zu reden und was Designer dazu, sich über Obama zu äußern. Obwohl Tierärzte oder Journalisten/Politiker kompetenter seien. (Sind sie das? Ich denke nicht).

    Histrionik, sicher ein gewisses Sendungsbewusstsein, Selbstdarstellungswut, Ego, Missionierungsbedürfnis, aber auch ein echtes Interesse an der Gesellschaft als Ganzes. Manchmal deutlich so oder so, manchmal nicht leicht trennbar. Manchmal ganz sicher reine Persönlichkeits-PR. Wenn es nicht mehr so ganz gut läuft, wenden sich z. B. Schauspieler gerne solchen Themen zu, um im Gespräch zu bleiben siehe Bardot oder Berben. Ist mir aber immer noch lieber, als wenn Schauspieler oder Promi-Fußballer ihre Ehezerwürfnisse über die BILD veröffentlichen…

    Ich persönlich glaube übrigens nicht, dass Tierärzte „kompetenter“ über Tierschutz reden würden. Für so etwas sind sie mir zu sehr eingebunden in Regelsysteme, die ihnen ihr Aus- und Einkommen sichern: Tierärzte begutachten Fleisch für die Schlachthöfe, verschreiben Antibiotika für die Großtierhaltungen… Da wird man beispielsweise wenig von ihnen hören über die Leiden der Tiere in Langzeit-Transporten. Haben Sie?

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