Pfeffersack & Soehne – ein Jahr nach Gründung einer Marke

Was habt Ihr über Markenführung in der Zeit gelernt? Sind Eure Vorstellungen, die Ihr im Vorfeld der Markenlancierung hattet, alle aufgegangen? Oder musstet Ihr auch in einigen Bereichen Lehrgeld zahlen?

Raphael: In Sachen Markenführung lief nahezu alles optimal für uns. Da gabs keine allzu großen Überraschungen. Der ein oder andere beschwert sich übers joviale Duzen, aber 99% fühlen sich freundlich angesprochen und kommunizieren genauso locker mit uns zurück. Wir alle haben nach diesem Jahr das schöne warme Gefühl im Bauch, dass wir ganz schön gute Markenmacher sind, wenn man uns lässt!

Stefan: Natürlich haben wir in anderen Bereichen Lehrgeld gezahlt. Beim Thema Organisation und Bestellabwicklung zum Beispiel. Wenn nach einem größeren Bericht wie dem ARD Mittagsbuffet plötzlich hunderte Bestellungen eintrudeln mit denen man nicht gerechnet hat, dauert es dann doch schon mal einen oder zwei Tage länger mit dem Versand, oder ist auch schon mal das falsche Gewürz im falschen Päckchen gelandet.

Wir haben dann immer versucht, trotz der kleinen Fehler alles für die Zufriedenheit der Kunden zu geben, sei es durch kleine Beilagen wie Vanille oder alleine schon mal durch einen Anruf und eine kleine Entschuldigung beim Kunden. Die Kunden waren oftmals sogar positiv beeindruckt, obwohl wir vorher einen Fehler gemacht haben. Eine Erfahrung die im Nachhinein neben dem in allen Fällen hilfreichen Dialog mit den Kunden die größte Freude war.

Thomas: Auch wenn wir ordentlich was geschafft haben: Wir hätten viel viel mehr machen können! Ich glaube, wir kommen sehr bald an den Punkt, an dem man den Laden auch wie einen führen muss – nämlich in Vollzeit. Mal sehen wir wir das schaffen – das wird schon alles gut werden.

Das Fachwissen zum Thema Gewürze habt Ihr euch im Laufe der Zeit angeeignet. Welches Wissen habt Ihr Euch darüber hinaus aneignen müssen, das nicht in üblichen Kreativ-Studiengängen vermittelt wird?

Stefan: Das Wissen über die Gewürze ist natürlich die Basis und Voraussetzung, aber im Tagesgeschäft sind es dann doch die ganz anderen Dinge, die die größten Zeitfresser sind: Wie programmiere ich eine Ladenkasse? Wie baue ich meinen Warenfluss, damit ich immer genug auf Lager habe, aber eben nicht alles überläuft und sich nicht dreht. Versand von Gewürzen in die Schweiz und dann auch noch als Nachnahme, lehrreich aber überhaupt nicht lustig :-) Die Liste solcher Erlebnisse ist lang und da helfen keine Erkenntnisse aus dem Studium. Da hilft nur Machen, Fehler finden und neu machen.

Christian: Noch ein Beispiel: Wir haben einen 10 Quadratmeter großen Raum, der bis an die Decke mit Kartonagen und Verpackungsmaterial gefüllt ist. In verschiedensten Größe, Formaten und Qualitäten. An so was hätten wir vorher niemals gedacht.

Bild: NEON, Anna Schneider

Ich koche ja selbst auch ganz gerne. Erst seit der Vorstellung von Pfeffersack & Soehne im dt nehme ich persönlich Gewürzmarken wie die von Alfons Schuhbeck oder Johann Lafer war. In wie fern hat sich Eure Wahrnehmung in Bezug auf die Produktwelt verändert?

Thomas: Schwierig zu beantworten. Zum einen Ernüchterung. Denn die Großen kochen auch nur mit Wasser. Und wenn man darauf achtet und wirklich beurteilen kann was in den Dosen steckt – von Rieselhilfen über mitverarbeitete Schalen bis hin zur mittelmäßigen allgemeinen Qualität – tut es schon weh zu sehen, was die Leute da jeden Tag millionenfach kaufen – und das gilt ja nicht nur für Gewürze.

Auf der anderen Seite Bewunderung, was andere auf die Beine gestellt haben. Besonders wenn man an die Stellen schaut, wo wir noch hinterher hängen. Gewürzmischungen, Nebenprodukte, und vor allem die perfekt ausgebauten Vertriebswege. Wenn man weiß, wie viel Arbeit das wirklich ist, bekommt man bei aller Kritik doch einen anderen Blick darauf.

Konsumiert Ihr, seitdem Ihr ein eigenes Produkt auf den Markt gebracht habt, anders?

Raphael: Na klar, wir probieren jetzt noch viel mehr aus! Mehr kochen mit neuen Gewürzen und neuen Rezepten weit über den bisherigen Tellerrand. Und auch ganz bewusst mit Zutaten und Aromen, die man vorher noch nicht auf dem Schirm hatte.

Thomas: Wir kochen daheim… genauer. Ja, genauer; es gibt plötzlich in der Küche halt keine Ausflüchte mehr, das was komisch aussieht oder nicht gut kombiniert ist. Außerdem schaut man automatisch bei allen Zutaten auf Herkunft und Inhaltsstoffe, jetzt wo wir wissen, wo und wie die meisten Sachen produziert werden.

Und wie stellt sich bei Pfeffersack & Soehne der Mitbewerb dar? Sind die oben genannten Labels direkte Konkurrenten?

Stefan: Theoretisch gesehen ja. Aber in der Praxis eher nicht, da wir mit einem Bruchteil von Bruchteilen des Marktvolumens, irgendsowas um 0,0001 % bisher noch kaum für die großen Marken wahrnehmbar sind. Fazit: Die großen Labels sind für uns natürlich Konkurrenz, weil wir den Leuten was besseres anbieten wollen. Aber wir sind bisher für die großen Marken sicherlich noch keine wahrnehmbare Konkurrenz.

Raphael: Sind sie. Beim Verschenken sind wir für alle die uns kennen dennoch erste Wahl, alleine schon aufgrund der Ästhetik und der Wertigkeit. Mancher Kunde meldet sich später ganz begeistert, weil er dann mal den Inhalt probiert hat und merkt, dass unsere Gewürze wirklich überzeugend gut sind und die ganze Inszenierung keine Versprechen macht, die das Produkt nicht halten kann.

Was habt Ihr in Zukunft vor? Ist damit zu rechnen, dass Ihr Pfeffersack & Soehne an Kraft Foods oder Nestlé verkauft?

Thomas: Nur an Facebook. Für 1 Milliarde, Nee Quatsch… Wir haben doch gerade erst angefangen und die erste große Hürde genommen – schließlich gibt es uns nach einem Jahr noch.

Christian: Ich glaube, ein Verkauf an einen der großen Konzerne würde alles, wofür P&S steht, unglaubwürdig machen. Das funktioniert nicht, das wollen wir nicht. Aber Geld ist natürlich ein Thema. Mit einem Investor, der uns gegen Beteiligung Mittel zur Verfügung würde, um der Marke die Kraft zum großen Durchbruch zu verhelfen, könnte man sich sicherlich mal zusammen setzen. Wir haben gesehen, wie groß das Potenzial wirklich ist!

Stefan: Der langsame Aufbau aus eigenen Mitteln braucht vielleicht länger, aber es hilft enorm dabei sich auf die Wesentlichen Herausforderungen zu konzentrieren. Ich glaube ein anrufender Geldgeber müsste schon sehr überzeugend klar machen, warum wir noch mehr Geschwindigkeit aufnehmen sollten als bisher.

„Leidenschaft für die Sache schlägt Budget.“

Was würdet Ihr Kreativen raten, die sich mit einer Idee, einem Produkt selbstständig machen möchten?

Thomas: Nicht denken – machen! Ideen haben viele, aber nur wer den Hintern hochbekommt und sich vor viel Arbeit nicht scheut, wird nachher was Tolles schaffen. Vielleicht sagt man zwar nachher: „Wenn ich gewusst hätte, was das für eine Arbeit ist, hätte ich’s nicht gemacht“. Aber man wird trotzdem froh um die Erfahrung sein. Zudem ist die Erkenntnis schön, dass man sich auch in einem festgefahrenen, monopolistschen Markt etablieren kann – Geht nicht gibt‘s also nicht.

Raphael: Mach das, was Dich froh macht genau so, wie es dich froh macht – Leidenschaft für die Sache schlägt Budget.

Stefan: Vier Schultern sind besser als zwei. Such dir einen oder mehrere gleichgesinnte Partner. Zusammen könnt ihr mehr schaffen, euch motivieren und auch mal in einer schwierigeren Phase aneinander hochziehen.

Christian:  Auch wenn es in der Vorstellung romantisch ist, aber nicht jede Idee und jedes Produkt ist ein Erfolgskandidat. Versuche daher, möglichst neutral deine Idee zu analysieren. Ist sie neu? Ist sie irgendwie einzigartig? Ist sie umsetzbar mit deinen Mitteln? Besteht eine Nachfrage? Wird sie profitabel sein? Wenn man ehrlicherweise irgendwo mit Nein antworten muss, heißt es: Weitersuchen!

– Die Fragen stellte Achim Schaffrinna –

Pfeffersack & Soehne / dt-Edition

Verlosung

Und auch in diesem Jahr sollen Design- und Gewürze-Liebhaber auf ihre Kosten kommen. Für dt-Leser stehen fünf wunderbare Gewürz-Starter-Sets bereit. Unter allen Einsendern, die bis zum 30. September 2012, 22.00 Uhr eine E-Mail an pfeffersack {ät} designtagebuch.de senden, werden diese Sets verlost. Ein Gewürz-Starter-Set besteht aus 5 Gewürzen nach Wahl. Das Ganze als dt-Edition mit entsprechend veredeltem Korkverschluss.

16 Kommentare zu “Pfeffersack & Soehne – ein Jahr nach Gründung einer Marke

  1. Herzlichen Glückwunsch auch von mir zum Einjährigen!
    Für mich ist die Marke ein Paradigmenwechsel gewesen: Eine Marke muss nicht alt sein, um eine alte visuelle Anmutung haben zu dürfen, sondern darf einfach nur das Aroma von Geschichte haben. Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass diese Strategie funktioniert, aber mit der richtigen Kommunikation hat es funktioniert, sehr gut sogar. Weiter so!

  2. Toll, wenn es jemand soweit gebracht hat und auf einem sehr guten Weg ist. Qualität muss sich einfach auszahlen. Viel Erfolg und alles Gute zum Einjährigen.

  3. ich habe schon damals, nach dem dt-bericht zum launch, geglaubt, dass es hier um eine erfolgreiche kombination aus design+inhalt gehen könnte. wie es scheint gelungen. ich wünsche den „pfeffersäcken“ weiterhin viel erfolg!

  4. ****************************************************

    Soeben fand die Verlosung statt. Insgesamt sind 306 E-Mails eingegangen. Auf Random.org habe ich 5 Zufallszahlen generiert, die sich in einer nummerierten Liste fünf Absendern zuordnen ließen.

    Hier sind die fünf glücklichen Gewinner:

    Daniel Taubert, Köln
    Lisa Blum, Gummersbach
    Liane Thönnes, Köln
    Mathis Leicht
    Timm Rübenach

    Kreative Kochmomente wünsche ich!

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