Offenes Schreiben an die Hochschulleitung der FH Trier

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Jörg Wallmeier,
sehr geehrte Mitglieder der Hochschulleitung,

derzeit lässt die Fachhochschule Trier das Webdesign für den eigenen Auftritt fh-trier.de auf der Plattform 12designer.com crowdsourcen. Gerade einmal 600 Euro stehen hierfür als Honorar zur Verfügung. Ich würde mich freuen, wenn Sie die folgenden fünf Fragen beantworten könnten.

1) Die FH bildet nach eigenen Angaben 200 Kommunikationsdesign-Studierende aus. Ist keiner dieser Studierenden in der Lage, das Design für den neuen Webauftritt zu erstellen?

2) Gibt es im Fachbereich Gestaltung keine Professoren, denen man zugetraut hätte, das Redesign mit Studierenden als Projekt durchzuführen?

3) Ist die Hochschulleitung der Ansicht, dass 600 Euro ein angemessenes Budget für ein solches Projekt sind, das, bei Vergabe etwa an eine Agentur, ein Vielfaches gekostet hätte?

4) Ist Ihnen klar, dass die FH Trier mit ihrem Vorgehen Preis-Dumping betreibt, das die berufliche Existenz vor allem vieler selbstständiger Kreativen erschwert und gefährdet?

5) Welchen Sinn macht eine Hochschuleinrichtung, in der Designer ausgebildet und auf die Berufswelt vorbereitet werden sollen, wenn durch Vergabe eines solchen Projektes an einen Crowdsourcing-Anbieter ein Umfeld geschaffen wird, in dem in erster Linie der Preis für eine Arbeit entscheidend ist und nicht ihre Qualität?

Wie groß muss die finanzielle und personelle Not der FH Trier sein, um derlei Crowdsourcing-Plattformen, auf denen Designleistungen ausschließlich zu einem Bruchteil marktüblicher Preise abgerufen werden, zu konsultieren! Wenn etwa Ein-Mann-Betriebe und Kleinstunternehmen für möglichst wenig Geld ein neues Logodesign in Auftrag geben und hierfür Crowdsourcing-Plattformen nutzen, dann ist das eine Sache, die man unter gewissen Umständen noch halbwegs nachvollziehen kann. Wenn sich jedoch eine Einrichtung wie die FH Trier als Körperschaft des öffentlichen Rechts dieser zweifelhaften Beschaffungsmethoden bedient, dann ist jedoch ein Punkt erreicht, an dem man das Vorgehen der FH entschieden kritisieren muss.

Finanziert aus Geldern der öffentlichen Hand ermöglicht die FH Trier das Studium unter anderem ihrer Kommunikationsdesign-Studierenden, gleichzeitig stellt sie Gelder bereit, um Fremdleistungen auf einer Crowdsourcing-Plattform abzurufen. Leistungen, von denen man annehmen sollte, dass diese durch eigene Professoren, Lehrbeauftragte und Studierenden hätten übernommen werden können. Das passt einfach nicht zusammen. Das Vorgehen der FH Trier ist beschämend, die auf diese Weise zum Ausdruck gebrachte Geringschätzung der eigenen Studierenden und Professoren peinlich. Das im Rahmen des Projektes neu formulierte Motto „Jede Menge Zukunft“ erscheint vor diesem Hintergrund wie eine Persiflage.

Liebe Hochschulleitung, stellen Sie das Projekt auf 12designer.com ein, setzen Sie sich mit den jeweiligen Fachbereichsleitern an einen Tisch, schaffen Sie die Rahmenbedingungen, die die Erstellung des Webdesigns als internes Projekt zum Ziel hat, lassen Sie das Webdesign von Ihren Kommunikationsdesign-Studierenden entwickeln und vervielfachen Sie das Honorar. Wenn ein solches Crowdsourcing-Projekt nicht dazu in der Lage ist, den Wert einer Designleistung zu vermitteln, hilft bei Bedarf der Dialog mit professionellen Fachkräften aus der Wirtschaft. Ich bin mir sicher, hier würden beide Seiten profitieren.

Mit freundlichen Grüßen
Achim Schaffrinna

Die offizielle Projektbeschreibung (sichtbar sonst nur für Mitglieder von 12designer.com):

Projektbeschreibung FH Trier

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143 Kommentare zu “Offenes Schreiben an die Hochschulleitung der FH Trier

  1. Top-Briefings bei 12designer, da bleibt kein Auge trocken:

    “ … möchte das Logo jung, frisch, kreativ und dabei doch seriös und edel.“

    Und man kann ihnen nicht einmal einen Vorwurf machen, denn amateur clients können ja nicht wissen, wie es besser geht. (Hab so etwas Dünnes – die meist sogar widersprüchliche Tonality wissen sie merkwürdigerweise immer sofort, aber die Inhalte und was man für Botschaften aussenden möchte, teilt man nicht mit, weil man sie nicht weiß – aber auch schon von Marketingabteilungen gesehen.)

    Kann nicht einmal behaupten, dass die Branche oder der BDG, BDW oder die ADG beim Aufklären, „Missionieren“ versagt haben. Es ist einfach so, amateur clients sind halt keine Fachleute. Manche „Designer“ ticken aber leider ebenfalls so und halten das obige ernsthaft für ein Briefing. Das macht mir mehr zu schaffen, sollte nicht so sein.

  2. Hab‘ gerade die Diskussion hier gelesen und kann mich dem Schreiben nur anschließen.
    Leider wurde ein Punkt nocht gar nicht so intensiv beleuchtet, der mich viel mehr bestürzt: die Rechte.

    „Mit der Einreichung einer Arbeit erklärt sich jeder Teilnehmer damit einverstanden, dass sein Entwurf – ohne Zahlung eines gesonderten Nutzungshonorars – von der Hochschule weiterverwertet werden kann.“

    Dieser Satz auf der Ausschreibungsseite der FH setzt dem ganzen die Krone auf. Es kann nicht sein, dass eine FH, die Kommunikationsdesigner ausbildet – also Menschen, die später von den Rechten an ihren Arbeiten leben – so mit Urheberrechten umgeht. Dass die Gewinner die Nutzungsrechte gegen ein Honorar übertragen (wenn es dann angemessen ist), o.k.

    Dass alle Einreichenden automatisch ihre Rechte abgeben müssen ist eine Unverschämtheit und am Schluss nichts anderes als kostenloses Ideenshopping auf den Schultern der Kreativen. Ein absolutes No-Go. Und angesichts der ständigen Diskussion zwischen Industrie und Agenturen zu diesem Thema ist es unverständlich und erschreckend, dass eine FH so was vorlebt.

  3. Das mit den Rechten ist ein weiteres unrühmliches Thema, welches zu wenig diskutiert wird. Stimmt.

    Wenn ich an meinen ansonsten guten „Agentur-life“-Prof denke, sagte der damals schon auf die Frage eines Studenten, was man denn machen solle, wenn man rausfindet, dass man kopiert wird:
    „Sei froh, DASS DU ÜBERHAUPT KOPIERT WIRST!“

    ROFL#’^°

  4. Es ist leider bezeichnend für eine von Beamten geführte höhere Schuleinrichtung, dass man auf Kosten und Vorgaben schaut, aber gar nicht weiß, welche Disziplinen im eigenen Hause die Lösung für die Probleme in der Tasche hätten. Welch blutleere Gesellschaft, wo man einfach verwaltet und Kosten im Blick hat, ohne aber die eigentliche Aufgabe zu kennen (Forschung und Lehre NICHT „Leere“). Eigentlich ein Witz, wenn es nicht so traurig wäre. Das Schlimme aber ist, dass einige Leute dann noch gefeiert werden, weil sie da in der Auftragsvergabe auch „online“ ganz neue Wege gehen.

    Danke für diesen Beitrag und meine vielen Vor-Kommentatoren!

  5. Eine FH sammelt im Netz Design-Vorschläge. Sozusagen Open-Design. Eigentlich sehr modern. Kann man das nicht auch mal loben? Sorry aber wegen 600€ hin oder her, seit froh dass ihr da Leute habt die solche Ideen ausprobieren. Finds seltsam dass die KD Studenten selbst so besitzstandwahrerisch sind. Die FH garantiert nicht eure Löhne! Und Open-Design-Plattformen tragen nicht zum Lohndumping bei. Wenn ihr Kohle machen wollt, studiert Jura oder so.. und wenn euch die 600€ zu wenig sind, dann macht doch einfach weiterhin keinen Finger krumm und lasst eure Ideen in der Schublade vergammeln.. wo ist das Problem?? Kann tim nur zustimmen: Sturm im Wasserglas

  6. Unsere E-Mail an die FH Trier:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    wie wir gesehen habe möchten Sie sich Ihre Webseite bei 12designer.com erstellen lassen für 600 Euro. Wir wussten nicht das Institutionen wie Ihre so große Probleme haben ein vernünftiges Budget zu erbringen von ca 6000,00 Euro was dem Ganzen ca. entsprechen würde.

    Da es wie es scheint finanziell schlecht aussieht bei Ihnen und Sie keine eigenen Kapazitäten erbringen können um Ihre Webseite selber zu erstellen und wir als eine der führenden WordPress Agenturen nicht möchten das Sie durch Ihre finanzielle Situation leiden, schenken wir Ihnen eine Webseite. Wir denken das die FH Trier nicht, die eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft erfüllt, unter Finanziellen Schwierigkeiten leiden sollte und falls Sie es möchten schenken wir Ihnen eine Webseite. Bei Interesse nehmen Sie Kontakt mit uns auf.

    :)

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