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Astra lässt basteln

Astra - Gestaltungswettbewerb

Die Biermarke Astra veranstaltet anlässlich des 100-jährigen Markenjubiläum einen Gestaltungswettbewerb. Wie es auf der Website heißt wünscht sich die Marke zum Geburtstag etwas “Selbstgebasteltes”. Deshalb suchen Astra und die Hamburger Morgenpost das schönste selbstgestaltete Astra-Geburtstags-Etikett. Die Teilnahmebedingungen sind allerdings höchst fragwürdig.

Die ist Idee ist nicht neu. Wie immer sollte bei derlei Aktionen gleich der zweite Klick – sofern man sich von den Preisen angesprochen fühlt – auf die Teilnahmebedingungen gehen. Mit Blick auf die NICHT vorhandene Honorierung sowie dem folgenden Passus, erscheinen mir allerdings nicht nur die Etiketten, sonder auch die Teilnahmebedingungen am Wettbewerb “selbstgebastelt” um nicht zu sagen unfair:

Das Gewinner-Etikett erscheint auf zwei Millionen Astra Urtyp Flaschen. Eine Vergütung erfolgt nicht.

Mit der Einsendung der Gestaltung erklärt der Teilnehmer sich einverstanden, sämtliche Rechte an dem Motiv zeitlich, räumlich und für alle Medien auf die Bavaria-St. Pauli GmbH zu übertragen”.

Die Abtretung der Rechte aller eingereichten Arbeiten, also nicht nur die der Siegerentwürfe, ist unüblich und sollte immer zur Vorsicht mahnen. Vor allem auch der Umstand, dass nicht einmal der Siegerentwurf mit einem Preis oder einer Vergütung versehen ist, ist äußerst skurril. Man muss schon echter Fan der Marke sein, wenn man bei diesem Wettbewerb teilnimmt.

Man kann jedem nur abraten hier teilzunehmen.

  • www.100jahreastra.de
Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 19 Kommentare

  1. Wie blauäugig… Da werden Menschen angesprochen einer Marke Dienstleistungen zur Umsatzsteigerung (GELD VERDIENEN) zu erbringen und bekommen dafür was? Nada.
    Ich glaube, das der Hang zur Selbstversklavung und Eigenausbeutung in keiner anderen Branche so groß ist wie in der Designbranche. Der Rest ist einfach nur selbstverliebt oder dämlich.

    Ein Taschenrechner kann da manchmal helfen.
    Man multipliziere 2.000.000 (Flaschen) X 0,05 € (Geschätzter Gewinn pro Flasche)
    = 100.000 € für die Brauerei

    (Eine Flasche Astra Urtyp kostet netto 0,398 € beim Getränkehändler im VK)

    Selbst bei einem Gewinn von 0.02 € pro Flasche ist die Summe mit 40.000 € noch sehr nett. Da muß ich als Freiberufler schon ne Menge Pixel für bewegen. Besitzt ihr einen Taschenrechner? Dann benutzt ihn gelegentlich mal.

  2. Hmm, ich glaube auch das der Wettbewerb eher an Nichtprofis gerichtet ist. Ob der Künstler auf der Flasche genannt wird? Das würde ja schon beachtlich Werbung machen. Was u.U. vielleicht mehr einbringt als ein einmaliger Gewinn von Astra…

  3. Ich finds eine Schweinerei! Es tut keinem Unternehmen weh, mal 1000 Euro oder so für einen Wettbewerb auszugeben. Man kann ja auch nur den Erstplatzierten entlohnen. Ich denke nicht, dass der »Künstler« auf der Flasche genannt wird. Wahrscheinlich wird die eigene Design-Abteilung, sofern es eine gibt die Siegerentwürfe billig nach basteln. Echt schade, an sich find ich solche Wettbewerbe eigentlich ne schöne Sache.

  4. Also Schweinerei halte ich für übertrieben – es ist für den Designer ein nichtkommerzielles Projekt bei dem er mitmachen kann wenn er Lust und Zeit dazu hat. Bei einem Bild dieser Größe bei dem es auf technisch saubere Arbeit nicht ankommt (da Entwurf) ist der Zeitaufwand zudem überschaubar. Eine Veröffentlichung in der Hamburger Morgenpost kann ja auch ganz brauchbar sein.

    Wie gesagt, viel Zeit würde ich nicht investieren, aber man kann ja vorher entscheiden ob und wieviel man davon investieren will. Ob man Wettbewerbe dieser Art generell boykottieren soll steht noch auf einem anderen Blatt, schließlich soll keine Bezahlung kein Standart werden, aber hoffentlich macht dann auch niemand mehr mit – oder zumindest keine Profis.

    Viele Grüße
    Till

  5. Astra hat sich im eigenen Blog auch noch mal zu Wort gemeldet:

    “Als Dankeschön sorgen wir dafür, dass der Gewinner ein Jahr lang flüssig ist. Zwar nicht mit Geld, dafür aber mit nem Riesenvorrat Astra. Ist doch ne tolle Sache, finden wir. Was dagegen?”

  6. Haben einige von Euch schonmal darüber nachgedacht, daß diese Aktion sich augenscheinlich an ein breites Publikum richtet und nicht ausschließlich an die sich gerne selbst so betitelnden “Kreativen”? Eine Marketingaktion zum 100-jährigen, also wo ist das Problem!? Wie oben schon erwähnt, ist es für den ‘Fan’ des jeweiligen Produkts sicher allein schon eine Genugtuung, seinen geistigen Erguss auf 2 Mio Bierflaschen wiederfinden zu können.
    Wo steht geschrieben, daß sich Gestaltungsaktionen (die zudem groß öffentlich publiziert werden) ausschließlich an professionelle Designer richten? Sind sie etwa die einzigen Menschen denen es von Gottes Gnaden zusteht, ein Etikett zu bemalen? Irgendwie lese ich das (wohlgemerkt nur bei einigen Beiträgen) zwischen den Zeilen heraus. Einige sollten hier wirklich mal ihren Eigenrelevanzsensor neu eichen lassen und ihre Egozentrik ein ganzes Maß zurückstufen.

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