Regierung von Tennessee erntet für neues Logo wenig Verständnis, zu unrecht

Tennessee Government Logo

Der seit Jahren andauernde Streit um die umstrittene Konföderierten-Flagge erlebt derzeit, ausgelöst durch das Massaker von Charleston, ihren vorläufigen Höhepunkt. Auch in Tennessee, einst der erste abtrünnige Konföderationsstaat, der sich den Vereinigten Staaten wieder anschloss, sorgt derzeit ein nationales Symbol für hitzige Debatten. Gegen das neue Logo der dortigen Landesregierung regt sich Widerstand.

Wie so oft, wenn in der breiten Öffentlichkeit Logos und Kommunikationsdesign thematisiert werden, liegt der Schwerpunkt in der Berichterstattung darin, die im Zuge der Gestaltung entstandenen Kosten darzulegen, so auch dieses Mal. Lokale Medien in Tennessee werfen ihrer Regierung die Verschwendung von Steuergeldern vor. 46.000 US$ habe das neue Logo gekostet, das seit wenigen Tagen im frisch relaunchten Webauftritt TN.gov erstmals zum Einsatz kommt.

Von der Meinungsmache angestachelt finden sich viele tausend Bürger vereint in einer fragwürdigen Petition. Das in „Save Our Tristar“ formulierte Begehren ist hinfällig, weil anhand der frisch relaunchten Website nachgewiesen wird, dass auch weiterhin das bisherige Symbol, das der Staatenflagge entlehnte Dreigestirn, zum Einsatz kommt, sei es im Footer oder als Pseudo-Wasserzeichen im Hintergrund.

Entgegen der in US-Medien verbreitenden Meinung hilft das neue Logo, das Staatenkürzel „TN“ in einem roten-blauen Quadrat zeigt, der Regierung Geld zu sparen, weil es nämlich die unterschiedlichen Ministerien und Stellen unter einem Zeichen vereint (siehe Darstellung), wodurch weitere Redesigns auf Seiten der Behörden auf längere Zeit überflüssig werden. Diesen Aspekt der Harmonisierung allerdings wollen Redakteure beim Fernsehen oder lokalen Zeitungen hüben wie drüben nicht wahrhaben. Regierungen, die, wie in diesem Fall, langfristig denken und Steuergelder intelligent einsetzen, will man den eigenen Lesern/Zuschauern offenbar nicht zumuten. Nicht verschweigen sollte man zudem, dass die genannten Kosten natürlich nicht für die Gestaltung eines einzelnen Logos anfallen, sondern die Erarbeitung eines Konzeptes betreffen, das im Sinne einer Dachmarkenstrategie auf alle Ministerien und Subeinheiten skalierbar ist. Um dies zu gewährleisten braucht es Kommunikation, viel Kommunikation. Wer als Gestalter schon einmal mit einer Behörde zu tun hatte, kann sich in etwa ausmalen, wie groß der tatsächliche, nicht in den Kostenaufstellung berücksichtigte Kommunikationsaufwand in diesem Fall gewesen sein muss.

Tennessee Logo

Die Neugestaltung eines Logos sei jedenfalls schon deshalb erforderlich gewesen, so Gouverneur Bill Haslam, da nationale Symbole keinen Markenschutz erhielten, dieser sei allerdings im Hinblick auf zukünftige Maßnahmen unerlässlich. Auch was die Ausgaben für den Relaunch der Website anbelangt, ist Haslam von der Richtigkeit des Vorgehens überzeugt: „TN.gov is an important resource for Tennesseans and, for a lot of people, the main way they interact with state government. We are always working to serve Tennessee taxpayers more efficiently and effectively by making that experience as customer-focused as possible“.

Entwickelt wurde das Logokonzept von der Agentur GS&F

Mediengalerie

14 Kommentare zu “Regierung von Tennessee erntet für neues Logo wenig Verständnis, zu unrecht

  1. Was ich an solchen Medienberichten immer am interessantesten finde, ist die Stimmungsmache gegen das vermeintlich extrem teure Logo, ohne auch nur einmal zu hinterfragen, was das eigene CD des Arbeitgebers an Kosten verursacht (hat).
    Und noch interessanter ist, dass das offenbar nie jemandem auffällt und die Frage stellt.
    Im Grunde sagt das auch schon alles über die Seriösität einer solchen „Debatte“ aus.

    • Selbst wenn die Kosten des CD der eigenen Arbeitgeber genauso hoch wäre, ist es in vielen Fällen doch was anderes. Weil diese oft Private Unternehmen sind und die CDs in solchen Fällen nicht von Steuergeldern getragen werden.

      Vielmehr sehe ich das Problem darin, dass viele die solche Debatten anstoßen, sich anmaßen urteilen zu können, wie viel so eine Dienstleistung kosten darf, ohne jede Ahnung von der Materie zu haben.

      Wenn die nur wüssten wofür Steuergeld sonst so weggeht…

  2. Naja bei solchen Berichten stellt sich als erstes die Frage welche „Medien“ diese genau verbreiten. Sind das die gleichen Knallchargen die auch „Fox News“ und Co. verbrechen? Die verbreiten ja noch ganz andere Dinge, bei denen sich mir die Fußnägel hochrollen…

    Auch in Deutschland gibt es die „Und das von unseren Steuergeldern!“ Keule, diese wird für mich aber hauptsächlich von halbseidenen Medien wie der „Bild“ geschwungen. Man denke hier nur an die unsägliche Kampagne gegen Griechenland, wo auch mal Milliarden mit Millionen verwechselt werden, wenn es einem in den Kram passt.

    Unter dem Strich gibt es für mich immer Medien und Menschen die Themen nur sehr oberflächlich betrachten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine seriöse deutsche Zeitung ein Logo-Design eindimensional als Geldverschwendung abtut.

  3. Wie so oft bei derlei Medienrummel, bin ich zwiegespalten wie dem zu begegnen ist: Soll man sich in seiner Berufsehre gekränkt, missverstanden und ungerecht behandelt fühlen? Sollte man sich wehren, und wenn ja wie?
    Oder darf man das einfach ignorieren? Weil einem die Meinung des kommentierenden Pöbels gleichgültig sein kann?

    Und auch wenn ich die Stärkung des Berufszweiges (via Berufsverbandsarbeit, Öffentlichkeit, politischen Einfluss) für unbedingt notwendig erachte – die Hoffnung, dass dies irgendetwas an der Online-Medienwelt ändern würde, hab ich nicht.
    Empörung generiert immer mehr Aufmerksamkeit (und Klicks, und damit Werbegeld) als positive Anerkennung. Wie viele Kommentare würden sich unter einem ausgewogenen Artikel, der alle Hintergründe beleuchtet finden? Wie viele würden ihn überhaupt zu Ende lesen?
    Ich versuche dass mal als mahnenden Hinweis in Hinsicht auf meine eigenes Netzwelt-Kommentar-Nörgel-Verhalten zu nehmen – das ist wohl das positivste was ich für mich persönlich aus solchen Ereignissen ziehen kann…

  4. “ …das im Sinne einer Dachmarkenstrategie auf alle Ministerien und Subeinheiten skalierbar ist. Um dies zu gewährleisten braucht es Kommunikation, viel Kommunikation.“

    Man mache das Beste draus statt mimimi: Warum es dann nicht einfach optische Unternehmensberatung nennen.

    Logo ist einfach wirklich das falsche Wort.

    Es impliziert das Falsche.
    Ein Logo ist im Kopf besetzt mit dem Clipart-Rechteckchen, das sie in Word haben.
    Gegen einen solche Vorstellung kommt man nicht mehr an.
    Weder in deutschen Medien, noch in US-amerikanischen.
    (Tröstet fast, dass die auch so unterwegs sind.)

  5. 46.000 US$ …ein vergleichsweise bescheidener Portokassenbetrag zu den kolportierten 450.000 Euro für das Grinsegesichter-Logo der Fußball-WM 2006 …oder den 800.000 Britischen Pfund für das London-Olympia-2012-Logo von Wolff Olins. Das neue Tennessee-Gov-Logo lässt mir allerdings nicht weniger die Füße einschlafen. Aber das haben die meisten Behörden-Embleme wohl so an sich.

  6. Nun, Qualität in einer Strategie hätte seinen Preis. Allerdings ist dieses Logo in 5 Minuten mit Corel Draw erledigt. Drei Rechtecke, die DIN daneben und „TN“ in einer Serifenschrift. Fertig. So etwas mit hohem Aufwand unter Einschaltung einer Agentur zu präsentieren, kann man Laien wirklich schwer vermitteln.

    • Wieso machst du die „Qualität der Strategie“ an der Gestaltung des Logos fest? Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun? Die „Strategie“ siehst du hier doch gar nicht.
      Wenn den Laien die Realität, in Form einer Relation der Kosten zu dem gesamten Leistungsumfang vermittelt würde, würden die es auch nachvollziehen können. Es wird aber lediglich ein Detail aus dem großen Ganzen gefischt und das den Gesamtkosten gegenüber gestellt.
      Ist halt einfach Quatsch, wie so oft …

      PS: Die ZEIT fragte sich letzte Woche gerade, warum die Medien derart an Glaubwürdigkeit eingebüsst haben – einfache, offensichtliche Antworten haben sich die Redakteure leider nicht gegeben…

      • Nun, worauf ich hinaus wollte ist, dass das Logo ein Teil eines Gesamtkonzepts, einer Strategie ist. Meistens ist es der Hauptaspekt und liefert Anleihen/“Vorlagen“ für Anwendungsbereiche. Hier ist allerdings m.A. keine überbordende Qualität in Sachen Einzigartigkeit geleistet worden. Technisch gut, aber eben einfacher für jeden zu reproduzieren.

        • „Technisch gut, aber eben einfacher für jeden zu reproduzieren.“

          Nun, da gibt es einige, die behaupten, dass genau das die Qualität eines Logos ausmacht.
          Ich frage mich wie man als Designer zu der Argumentation kommt, die Einfachheit in Farbe und Form, wäre negativ auszulegen?
          Und warum ist „Einzigartigkeit“ eigentlich ein Kriterium? Noch dazu ein positives? Tennessee ist Teil der USA, und das Zeichen deutet das an in dem es einschlägige Klischees aufgreift. Das ist im Sinne einer funktionierenden Kommunikation genau das was man tun sollte. Ein Zeichen das zwar einzigartig ist, das deswegen aber von deutlich weniger Menschen entschlüsselt werden kann ist sinnlos.

  7. Die Farbflächen sehen tatsächlich so aus, als habe man ein, dem Winkel des Kreuzes entsprechend gekipptes kleines Quadrat aus der unseeligen Konföderiertenflagge ausgestanzt. Aber das Problem hat ja die Flagge von Tennessee auch.
    In Kombination mit dem „TN“ drängt die Assoziation Regionalzeitung auf.

    Mit dem „Dreigestirn“ hätte man eigentlich ein vertrautes Logo gehabt, dass sich wie Kringel-1 der ARD hochgestellt hätte weiterverwenden lassen.

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