ARD will Digitalradio zum Erfolg verhelfen – Frischzellenkur für die Marke DAB+

Der Digitalradiostandard DAB+ bekommt einen neuen Markenauftritt und ein neues Logo. Von Mai an werden ARD und Deutschlandradio auf allen Kanälen eine crossmediale bundesweite Marketingkampagne starten.

Die ARD ist davon überzeugt „DAB+ ist weiter auf dem Vormarsch“. Die weiterentwickelte Technologie, ein breiteres Programmangebot sowie vielfältige Zusatzdienste sollen, so das Ziel, zum Durchbruch für den digitalen Hörfunk führen. Mittlerweile soll jeder siebte Einwohner über 14 Jahre über DAB+ Radio hören können. Mit Hilfe einer bundesweiten großangelegten Marketingkampagne will man die Bekanntheit der Marke DAB+ steigern. „DAB“ steht für Digital Audio Broadcasting.

Premiere feiert der neue Markenauftritt samt neuem Logo, das fortan ohne die Bezeichnung „Digitalradio“ auskommt, im Rahmen der Medientagen Mitteldeutschland (2. Bis 4. Mai 2017). Zeitgleich erfolgt die Ausstrahlung von Spots im Radio, Fernsehen und Internet sowie die Schaltung von Anzeigen in Print und Web. Die Agentur Scholz & Friends war kreativer Partner der ARD und verantwortet das Rebranding.

Kommentar

In Zeiten von Musik-Streaming und Intelligentem Wohnen wirken auf dem Tisch/Boden stehende Radiogeräte samt Antennen anachronistisch. Ein längst von Internet-Technologien überholtes Gadget. Geräte mit Antennen kommen in Sachen Stylefaktor gleich hinter Klapphandys. Ein grün-blaues, frisches Logo mit Antenne macht die Sache auch nicht cooler.

ARD, Deutschlandradio, DRD Digitalradio Deutschland und Media Broadcast sind jedenfalls vom Erfolg von DAB+ überzeugt. Eingeführt wurde der Digitalradiostandard DAB in Deutschland 1995. Seit 2011 firmiert der Standard unter der Bezeichnung DAB+. Wirklich vom Markt angenommen wurde DAB respektive DAB+ bislang nicht. Zuletzt zum Teil stark ansteigende Verkaufszahlen von Empfangsgeräten lesen sich wie eine Trendumkehr. Ein günstiger Zeitpunkt also, um das Produkt und die Marke DAB+ weiter zu puschen.

Perspektivisch, so wollen es einige Radiointendanten, soll DAB+ den UKW-Rundfunk ablösen. Willi Steul, Vorsitzender des „Verein Digitalradio Deutschland e.V.“ und Intendant von Deutschlandradio gehört zu jenen, die den Umstieg auf DAB+ in Deutschland vorantreiben. Da die Übertragung via IP von Telekommunikationsanbietern abhängig ist, brauche Radio in der digitalen Welt, nach Ansicht von Steul, weiter einen eigenen Ausspielweg.

Ob Hörer DAB+ wirklich annehmen, scheint trotz aktueller Verkaufsstatistik weiterhin unklar. Die Frage lautet weiterhin: warum sollten Hörer Geld für Zusatzgeräte ausgeben, wenn sie dank Internet kostenlos und weltweit auf Radioinhalte zugreifen können, und dies sogar geräteunabhängig? Es ist, wie es Jürgen Brautmeier und Marc Jan Eumann in ihrem FAZ-Artikel schrieben, vor allem das Internet, das die Vielfalt im Radiobereich erhöht. Im Internet liegt die Zukunft des Fernsehens, der Telekommunikation, des (autonomen) Fahrens, der Industrie (4.0), der Arbeit, des Journalismus … und beim Radio soll sie im terrestrischen Rundfunk liegen?

„Digitalradio ist … perfekter: dank digitaler Empfangstechnik höchste Klangqualität“, so laut Betreiber einer der zentralen Vorteile des Digitalradiostandards. Die fehlende Logik in der Steigerung von „perfekt“ mal beiseite lassend, würde ich als Nutzer von DAB+ doch sagen, dass die tatsächliche Klangqualität weit ab von perfekt ist. Meines Erachtens ist die Klangqualität ziemlich enttäuschend. Zwar erfolgt die Übertragung tatsächlich rauschfrei, das ja, allerdings werden hohe Töne aufgrund der starken Audiokompression derart betont, dass der Gesamteindruck ziemlich blechern ist. Selbst an die Klangqualität von MP3 mit einer Bitrate von 128 kBit/s reicht DAB+, so meine Erfahrung, nicht heran. Nach kurzer Zeit bei einem DAB+-Sender wechsle ich meist wieder zurück auf einen UKW-Sender oder zu MP3, da die Klangqualität/Klangfarbe bei beiden deutlich besser ist.

Die ARD brüstet sich mit Verkaufszahlen von Autoradios, die wohl in den letzten Jahren angestiegen sind. Ob diese neuen Nutzer, zu denen ich auch zähle (Autoradio/Niedersachsen), mit dem Dienst zufrieden sind, bleibt bei einer solchen Statistik außen vor. Deshalb würde mich einmal interessieren, welche Erfahrungen dt-Leser mit dem Digitalradio DAB+ machen. Gibt es Nutzer von DAB+ innerhalb der Leserschaft? Es muss ja nicht immer eine Umfrage zum Thema Design sein, zu dem freilich auch Kommentare hinterlassen werden können.

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24 Kommentare zu “ARD will Digitalradio zum Erfolg verhelfen – Frischzellenkur für die Marke DAB+

  1. > Adrian:
    Ich bin seit vielen Jahren leidenschaftlicher Radiohörer:
    DFL; WDR…..RTB 1 .

    Um so Vieles besser, als TV..(da kommt mir das Grausen…).

  2. Ich lese das Designtagebuch wirklich sehr gerne und freue mich immer wieder über neue Berichte. In letzter Zeit fällt mir jedoch auf, dass die Themen immer öfter weg von der Gestaltung, der Marketingstrategie, dem Gestaltungsprozess, etc. abweichen und eher das Produkt oder die Botschaft kommentieren. Nicht falsch verstehen, das ist sicherlich ein wichtiger Faktor für den Gestaltungsprozess, aber zum Beispiel bei diesem Artikel liegt der Fokus ja quasi gar nicht auf der Gestaltung des Logos oder der Kampagne sondern ausschließlich auf der Technologie DAB+. Das finde ich schade und, um mich jetzt ein bisschen aus dem Fenster zu lehnen, nicht mehr ganz im Kompetenzbereich eines Designblogs – oder liege ich da vollkommen falsch?

    • Kommt aus das Thema an. Dieses Design hier ist ja de facto steuerfinanziert, auch wenn die staatliche Rundfunkgebühr offiziell nicht „Steuer“ heißen darf. Da ist eine Diskussion über die Sinnhaftigkeit, eine staatlich subventionierte Leistung wie zB Radio über DAB, das bereits mit einem alten Logo beworben wurde, nun mit einem neuen Logo neu zu bewerben, durchaus noch im Rahmen des Themas – denn Steuern und Abgaben, die wir alle bezahlen müssen, sowie deren Verwendung, gehen nun einmal auch uns alle an. Und die Frage, ob das Geld für neues Design des Logos für die Technikplattform DAB, nun sinnvoll investiert ist oder nicht, die grenzt ja schon direkt an die Beurteilung des Designs selbst („Preis/Leistung“, wenn man so will).

      Bei anderen Themen mag man darüber streiten. Nur, das ist ja letztlich ein Luxusproblem. Es gibt zahlreiche „tote Blogs“ im Internet, deren Autoren sich viel Mühe geben, wo die Kommentarspalten aber meist leer bleiben. Alles in allem sprechen lebendige Diskussionen im Kommentarbereich für einen lebendigen Blog, in dem sich Besucher offenbar sogar so „zuhause“ fühlen, dass sie angeregt durch Blogposts anfangen, über Politik zu diskutieren. Wäre ich der Blogbetreiber, dann würde ich mich darüber prinzipiell eher freuen, denn ärgern.

  3. 1. Das Design finde ich gut gelungen – wesentlich besser als vorher! Nix zu meckern.
    2. Im Auto nutze ich DAB+ sehr gerne. Wenn man viel unterwegs ist, lernt man Radiosender zu schätzen, die Deutschlandweit empfangbar sind (z.b. D-Radio Wissen / bzw. Deutschlandradio NOVA, BOB! usw.) und nicht immer an der Bundeslandgrenze mitten in einem spannenden Beitrag enden…
    3. zu Hause allerdings spielt der DAB+ Standard aufgrund von Internet keine Rolle, selbst den per UKW empfangbaren Sender höre ich da (der Einfachheit halber) per Stream. Ja, Radios sterben wohl langsam aus…
    4. Und ja, die Klangqualität ist durch die übertriebenen hohen Frequenzen anstrengend, aber dazu gibt es ja Equalizerfunktionen – man gewöhnt sich dran. Besser als Rauschen!
    5. Toll, dass Rauschen endlich der Vergangenheit angehört, allerdings sollte nicht nur das Marketing ausgebaut werden sondern vor allem die Empfangsreichweite, die ist in vielen Städten immer noch unzureichend!

    Vorschlag: DAB wirklich zum neuen Standard erklären. UKW Abschalttermine angeben, dann ändert sich auch was… aber das wird wohl noch dauern… War doch aber damals mit analogem terrestrischen TV auch so.

    • In meinen Augen hat ein Standard nur dann Berechtigung, wenn er eine bestehende Lösung verbessert. Das ist bei DAB+ allem Anschein nicht der Fall, weil er gleichzeitig auch eine Verschlechterung darstellt.

      Ich will kein rauschen oder habe schlechten Empfang? Lade ich mir die Musik oder den Podcast herunter.
      Ich will im Auto meine Musik hören? Verbinde ich mein Smartphone via Bluetooth.
      Ich will hohe Klangqualität im Büro oder zu Hause? Nehme ich den Rechner, den Fernseher, das Smartphone.

      DAB+ ist einfach überholt. Wäre die Markteinführung erfolgreich gewesen, würde man jetzt darüber sprechen, dass immer weniger Leute DAB+ nutzen, weil sie Alternativen haben. Stattdessen diskutieren wir hier über den Marktzuwachs von null auf einen immer noch irrelevanten Bereich.

  4. Ich finde, dass DAB+ der richtige Weg ist. Die Gründe:

    Die Qualität von DAB+ ist einfach besser als das analoge Zeug. Es soll mir keiner erzählen, dass wäre analog so toll gewesen. Völliger Quatsch, denn ich habe die Zeit auch mitgemacht. Der Hinweis, man hätte ein besseres Radio kaufen oder eine bessere Antenne kaufen müssen, dann wäre analoges Radio auch ohne Rauschen abgegangen, ist ein unredliches Argument, wenn man gleichzeitig bei DAB+ die Kosten für die Endgeräte kritisiert.

    Ich hatte schon 2005/6 DAB. Als Student war es äußerst schmerzhaft, 90 € für ein Radio auszugeben. Aber ich wollte den Deutschlandfunk in guter Qualität hören. Das ging mit meinem Analogradio einfach nicht. Mit dem DAB-Radio konnte ich endlich rauschfrei DLF hören. Die montägliche Jazz-Sendung hatte es besonders in sich.

    Ich habe heute zwei DAB+-Geräte, eine HiFi-Anlage und einen Radiowecker. Das sind tolle Geräte, die Qualität und Zuverlässigkeit stimmt.

    Die Kosten für die Infrastruktur sind natürlich ein starkes Argument, aber nur auf den ersten Blick:
    1. Infrastruktur ist Staatsaufgabe. Vielleicht nicht ARD-Aufgabe, aber staatliche Aufgabe.
    2. Wer fair argumentiert, muss auch die Infrastrukturkosten für das analoge Radio berücksichtigen.
    3. Im Gegensatz zum analogen Vertriebsweg gibt es bei DAB+ enorme Möglichkeiten für einen einen neuen, größeren Markt an Radiosendern.

    Es ist seltsam, dass die Verteidiger des Herkömmlichen nicht genauso kritisch behandelt werden. Ich erinnere mich an die Abschaltung des Analogfernsehens. Es gab Leute, die haben gejammert, weil ja das Bild so toll gewesen wäre und nun gerade ältere Leute (wer sonst) zum Umstieg gezwungen wurden. Mein Gegenargument, dass man die Kostenfrage stellen muss, und dass es für alle billiger wäre, wenn man die Oma in Hintertupfingen mit einer Astra-Schüssel ausstatten würde und dass die Allgemeinheit das bezahlt, als wenn wir den Analogsendebetrieb aufrechterhielten, wurde vom Tisch gewischt, mit: „Das ist menschenverachtend.“

    Im Gegensatz zu den Verteidigern des Analog-TVs habe ich tatsächlich noch bis 2007 analoges Fernsehen genutzt. Wenn ich von ARD auf ZDF umschaltete, musste ich noch die Antenne drehen. Es war eine Katastrophe. Ich wohnte in einem Ballungsgebiet und der Sender war nicht weit entfernt. Als 2007 in meiner Stadt DVB-T eingeführt wurde, war das ein Fest. Die Jammerer meckerten natürlich, dass sie nur die öffentlich-rechtlichen Sender hatten. Aber RTL und Pro Sieben gab’s vorher über Antenne auch nicht, zudem sind RTL und Pro Sieben nicht das Maß aller Dinge. Diese Anstalten muss man kritisch sehen und ihre Zuschauer auch.

    Deutschland darf nicht stillstehen und muss die Digitalisierung im Radio vorantreiben. Wir sind ja nicht die einzigen und die anderen Länder machen auch DAB+. In der Schweiz hat man erkannt, dass DAB+ enorme Vorteile hat bei der Topographie der Schweiz.

    Natürlich ist es ärgerlich, wenn man Geld für ein Gerät ausgibt, das dann nach wenigen Jahren schrottreif ist. Ich hatte einen DAB-Empfänger (mein erster). Der wurde entsorgt, als DLF auf DAB+ umgestellt wurde. Analog konnte der auch nicht mehr, d.h. nicht nur die Abschaltung des DAB-Sendebetriebes durch den DLF im letzten Jahr war ausschlaggebend. Das war nach zehn Jahren Benutzung. Mein zweiter DAB-Empfänger kommt noch zum Einsatz, weil er auch UKW kann. Morgens im Büro lausche ab und zu dem DLF. Alter des Gerätes: 8 Jahre.

    Ich habe an anderen Stellen mehr Geld aus dem Fenster geworfen. Smartphones kosten mehr als ein DAB+-Radio für die Küche und werden früher ausgewechselt.

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