Österreichisches Parlament erhält neues Logo

Parlament Republik Österreich Logo, Quelle: parlament.gv.at/

Für das Österreichische Parlament wurde dieser Tage ein neues Logo eingeführt. Vor dem Hintergrund der veränderten Mediennutzung der Menschen wurde nun das vor 14 Jahren eingeführte Logo gegen eine kompaktere und damit besser geeignete Lösung ausgetauscht.

Wie die Pressestelle des Parlaments in einer kurzen Meldung erklärt, sei das bisherige, im Jahre 2005 eingeführte Logo auf die damaligen Anforderungen und auf die Anmutung auf einem Briefkopf ausgerichtet gewesen. Dank redesignter Form würden nun optimale Einsatzmöglichkeiten in allen Medien sowie ein zeitgemäßes Erscheinungsbild ermöglicht. Für das Redesign verantwortlich zeichnet die Agentur saintstephens (Wien), die auch bereits das alte Logo entwarf.

Parlament Republik Österreich Logo – vorher und nachher

Parlament Republik Österreich Logo – vorher und nachher

Im neuen Logo kommt neben der Minion Pro („REPUBLIK ÖSTERREICH“) mit der Myriad Pro light („Parlament“) nun eine zweite Schriftart zum Einsatz. Der Portikus samt eingebetteter Pallas Athene-Statue wurde ebenso grau eingefärbt wie der Schriftzug „REPUBLIK ÖSTERREICH“. Die Gewichtung wurde zugunsten einer vergrößerten Darstellung des Portikus verändert. Im Umfeld von Social Media fungiert die Portikus-Bildmarke nunmehr als alleiniger Absender des Parlaments.

Hintergrund: In Österreich besteht das Parlament aus den beiden eigenständigen Gesetzgebungsorganen Nationalrat und Bundesrat. Da das eigentliche Parlamentsgebäude noch bis 2020 saniert wird, tagen seit dem Herbst 2017 der Nationalrat und der Bundesrat im Ausweichquartier in der Wiener Hofburg.

Kommentar

Kompakter ist das neue Signet schon, zumindest ein bisschen. Es ist gut, zukünftig auf die auch als Schmuckelemente genutzten in Nationalfarben angelegten Bögen zu verzichten. Schon allein der besseren Handhabung wegen ist dieser Schritt nachvollziehbar. Weshalb der Portikus und der Schriftzug nun jedoch in grau eingefärbt wurden, bleibt fraglich. Denn als prägnant kann man dieses blasse Konstrukt nicht eben bezeichnen. Das neue Logo wirkt fahl, schwächlich und indifferent. Alles Eigenschaften, die für ein solches Organ, dem zentralen Ort der österreichischen Demokratie, ziemlich unpassend sind.

Die Beibehaltung des Schwarztons wäre nicht nur des prägnanteren Ausdrucks wegen angeraten gewesen, auch in Bezug auf die damit verbundene geringe Fehleranfälligkeit wäre ein Festhalten am Farbton Schwarz die bessere Alternative. Denn die im Webauftritt parlament.gv.at und in einem aktuellen PDF kürzlich eingepflegten neuen Logo-Dateien weisen in Bezug auf die Grautöne deutliche Unterschiede auf. So zeichnet sich bereits nach wenigen Tagen ab, dass die Einheitlichkeit des Erscheinungsbildes nur schwerlich zu erreichen sein wird.

Auch aus typographischer Sicht lässt das neue Signet zu wünschen übrig. Denn mit Aufnahme einer zweiten Schriftart wird das Logo nicht besser, sondern schlechter. Wie es insgesamt besser geht, zeigt beispielsweise das Dänische Parlament, das im Herbst letzten Jahres ebenfalls sein Logo anpassen ließ.

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13 Kommentare zu “Österreichisches Parlament erhält neues Logo

  1. Was mich stört, ist dass das Ganze durch die linksbündige Anordnung immernoch optisch zu sehr auf eine Seite kippt. Gerade wenn das Logo – wie in dem verlinkten PDF – in der rechten oberen Ecke platziert wird, wirkt es sehr unausgewogen. Eventuell wäre eine zentrierte Anordnung die bessere Wahl gewesen.

  2. Leider kann man hier nicht wirklich diskutieren. Ich denke wir sind uns alle einig, dass dieses Logo ein No-Go ist. Wie ich die Kunden so kenne, vermute ich aber auch, dass das Parlament selbst, als Auftraggeber unbedingt am bisherigen Logo festhalten wollte und man es wahrscheinlich schlicht weg unversucht lies, hier eine moderne und vielleicht andere Lösung zu finden.
    Dennoch, hat man es hier geschafft die Dinge die noch relativ gut waren, zu verschlechtern > schwarz wird zu blassem grau. Vielleicht hätte eine andere Agentur frischen Wind eingebracht.

    „Ein gutes Logo kann man mit dem großen Zeh in den Sand malen. Wenn das nicht geht, bitte nochmal!“ – mein ehemaliger, mittlerweile leider verstorbener Design-Dozent, zu mir als ich mein erstes Logo gestaltete.

  3. Der Kommentar fasst die Änderungen zum Positiven und Negativen gut zusammen. Was mich beim ersten Anblick zusätzlich stört (sowohl beim alten als auch beim neuen Logo): Die riesige, zentral vor das Gebäude gestellte Pallas Athene lässt das Gebäude optisch in zwei Teile zerbrechen. Die Lanze sieht auf den ersten Blick aus, wie ein Riss im Stein.

  4. Gut kommemtiert, da gehe ich mit. Bei der Bildmarke ist verpasst worden – wenn schon in kompakter medienfreundliche Abstraktion gedacht wird – den Pallas Athene soweit zu vereinfachen, das er zur einfachen Gebäudeart passt. Mal abgesehen davon, das es schwierig sein wird, das Element auf Visistenkarten oder Bleistiften erkennen zu können.

  5. Immerhin haben sie jetzt diese Hilfskontur um die Statue herum weggelassen (und 2 Säulen!). Ich finde es aber immer noch zu kleinteilig; das Grau ist da auch nicht gerade hilfreich.

    Ich habe den Eindruck, dass der Pallas-Athene-Brunnen vor dem Parlament eher ein relativ beliebiges Schmuckelement ist, aber nicht ein dezidiertes Symbol der Republik Österreich (auf der 1-Schilling-Münze fehlte die Statue). Da hätte ich eine neutralere, klarere Lösung bevorzugt.

    (aus Versehen unter dem Vorher-nachher-Bild gepostet, deshalb hier noch mal :)

  6. Was mich außerdem massiv stört, sind die zu dicken Säulen rechts und links der Statue. Das ganze macht einen gestalterisch unbeholfenen und mutlosen Eindruck.

    • Stimmt, auf der einen Seite hat man in der Mitte eine relativ filigran ausgearbeitete Figur, zugunsten der man sogar die optisch korrekte Breite und den Abstand der Säulen in der Mitte opfert. Auf der anderen Seite ist man offenbar der Meinung, der Reduzierung willen zwei Säulen des Originals komplett wegfallen zu lassen. Unbeholfen trifft es in der Tat recht gut.

  7. Wieso hat man sich nicht einfach an das bestehende Corporate Design Österreichs gehalten? Das wäre nur konsequent und hätte die Probleme vermieden. Generell kann man sich die Frage stellen wozu das Parlament ein eigenes CD benötigt.
    https://www.designtagebuch.de/einheitliches-visuelles-erscheinungsbild-fuer-die-oesterreichische-bundesregierung/

    Auch in Deutschland ist es so, aber notwendig finde ich es nicht. Alle Staatsorgane sollten ein einheitliches Auftreten haben. Egal ob Regierung, Kanzler, Parlament (Bundestag) etc., alle sollte geschlossen und vereint in einem einzigen Gestaltungsraster/-konzept sein.

    • Du hast von der Gewaltenteilung gehört? Du gehörst genauso zum Staat deiner Staatsangehörigkeit (Staatsvolk), also darfst du auch nur das CD der Regierung deines Staates nutzen? Auch nicht absurder als dein Vorschlag. Gerade um Lieschen Müller, die sich schon in der Schule nicht für simpelste Grundlagen wie Gewaltenteilung interessiert hat, ist es wichtig diese Unterscheidung auch visuell darzustellen. Wenn Design mal einem höheren Zweck dient, dann dabei darzustellen, dass das Parlament eigenständig ist und nicht in der Regierung, die Schlagzeilen meist dominiert, auch noch visuell unterzugehen.

      Gerade hier patzt der Entwurf aber. Wer sich mit dem politischen Klima in Österreich beschäftigt wird eher attestieren, dass es wichtiger denn je wäre das Parlament in einem eigenständigen Auftritt, als direkte Volksvertretung, gegenüber der Regierung prägnant darzustellen. Hoffentlich ist der blasse Entwurf in diesem Sinne kein Omen, ich kann das Ergebnis nur als misslungen bezeichnen.

      • Wenn Design mal einem höheren Zweck dient, dann dabei darzustellen, dass das Parlament eigenständig ist und nicht in der Regierung, die Schlagzeilen meist dominiert, auch noch visuell unterzugehen.

        Ein wichtiger Punkt!

      • Sehe das ähnlich.
        Mein Typo-Prof. damals nannte dieses formal zurückhaltende Edel-Edel-Grau-Ton-sur-Ton das halt oft inhaltlich gar nicht passt:
        „In Schönheit sterben!“

        (Leider wollen das viele Auftraggeber, in pseudoedel-undifferenzierter Pseudo-Schönheit sterben. Als engagierter Designer oder Typograf sollte man versuchen, ihnen das möglichst diplomatisch auszureden und gut = trennscharf zu argumentieren ohne vor den Kopf zu stoßen. Ich versuche es fast immer und bekomme bei fast allen zuerst einen saftigen Schlag auf den Hinterkopf (übertragener Sinn, nicht jetzt echt). Der erhöht das Denkvermögen meist derart, dass ich statt aufzugeben, einen erneuten dann besseren Versuch starte. Der ist arbeitsreich und geht am besten mit der der Präsentation eines Charts von ca. 10 Logos aus seinem Metier und sein undifferenziertes Grau-Grau-Edel-Ding hänge ich irgendwo dazwischen. Wenn er’s nicht findet und rumsucht, dann hat der Auftraggeber seinen AHA-Effekt. Das ist um nichts zu toppen als Erkenntnisgewinn. Zu 90% erfolgreich. – Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit – Karl Valentin. Grüße aus München.)

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