Metropolitan Museum of Art bekommt neue visuelle Identität

Metropolitan Museum of Art Logo

Beim Metropolitan Museum of Art bereitet man sich derzeit auf einen großen Wechsel vor. Zu Anfang März wird das Museum auf ein neues Erscheinungsbild samt neuem Logo umstellen. Letzteres zieht bereits vor offizieller Einführung viel Kritik von Seiten amerikanischer Medien auf sich.

„The Met“, wie das Museum von je her im amerikanischen Volksmund genannt wird, erhält das erste Mal seit 45 Jahren ein neues Logo. Auch dies wohl mit ein Grund, weshalb verschiedene Kritiker es für einen typographischen Busunfall oder für neumodischen Hipster-Kram halten. Dort wo Tradition eine große Rolle spielt, hat das Neue meist einen besonders schweren Stand. So klingt das vor wenigen Tagen veröffentlichte Presse-Statement fast wie eine Rechtfertigung.

Das Metropolitan Museum of Art wurde 1870 eröffnet und beherbergt an mehreren Stadtorten in New York eine der bedeutendsten kunsthistorischen Sammlung der Welt. Entwickelt wurde das neue Erscheinungsbild in einem mehr als zweieinhalb jährigen Prozess von der britischen Agentur Wolff Olins. Die zweizeilige Wortmarke „THE MET“ wurde von dem Schriftgestalter Gareth Hague entworfen.

Metropolitan Museum of Art Logo – vorher und nachher

Ein Logo, das seit 1971 besteht, hat in schnelllebigen Zeiten wie diesen, wo komplette Designkonzepte auch schon einmal nach 10 Monaten erneuert werden, echten Seltenheitswert. Die bisherige M-Bildmarke ist eng an die von Luca Pacioli erstellten mathematischen Buchstabendarstellungen angelehnt, die dieser im Jahre 1509 in seinem Buch „De divina proportione“ veröffentlichte und die auf da Vincis Darstellung des Vitruvianischen Menschen basieren. Obwohl vor 45 Jahren entworfen, erfüllt der Bildmarken-Klassiker maßgebliche Kriterien einer zeitgemäßen Logogestaltung, wie Einfachheit, Memorierfähigkeit, Eigenständigkeit und Prägnanz auch heute noch.

Nichtsdestotrotz würden das M-Logo die wenigsten Menschen in Bezug zum Museum bringen, wie Museumsdirektor Thomas P. Campbell in einem Eintrag auf Instagram wissen ließ. Das M-Logo sei nicht flexibel genug und würde den veränderten Bedürfnissen nicht gerecht werden. Die rote Wortmarke sei einfach, elegant, verständlich und dabei einprägsam, so Campbell, der seit 2009 die Leitung des Museums inne hat. Einige Gestalter, die am Logo Kritik üben, etwa um dessen typographische Qualität in Frage zu stellen, hält der britische Kunsthistoriker für „Logo obsessed #zombies“. Eine überraschend barsche Reaktion, was zeigt, wie groß die Emotionalität auf beiden Seiten ist. Für Cynthia Round, Marketing-Leiterin des MET, verkörpert die neue Wortmarke, wie sie gegenüber Wired erklärt, die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.

Neben vielen kritischen Tönen gibt es jedoch auch Fürsprache für das neue Konzept, das, und das wird von der betreuenden Agentur betont, weit mehr einschließt als nur ein neues Logo, sondern auf dem Ansatz eines „ganzheitlichen Besuchererlebnises“ fußt. So wurden beispielsweise eigens für das Museum zwei neue Schriften entworfen, die unter anderem im Rahmen des Leitsystems Anwendung finden.

Dass in der Diskussion über die neue visuelle Identität selbst in Fachkreisen die Kritik am Logo zu überwiegen scheint, könnte man als Beleg dafür nehmen, das Logos für die Wahrnehmung von Marken entgegen aktueller Auffassung seitens Markenexperten sehr wohl von zentraler Bedeutung sind, eben weil sie für den Faktor Emotionen enorm wichtig sind. Eine Marke ist weit mehr als ein Logo. Und doch: von einem solchen Symbol/Zeichen, an dem gar Kindheitserinnerungen hängen, trennt sich der Mensch nicht gerne, umso weniger als in diesem Fall das verfolgte ganzheitliche Konzept eine erkennbar eigenständige visuelle Identität nicht wirklich entstehen hat lassen.

Logo / Logosystem „THE MET“

Metropolitan Museum of Art – Logosystem, Quelle: Wolff Olins

Metropolitan Museum of Art – Logosystem, Quelle: Wolff Olins

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18 Kommentare zu “Metropolitan Museum of Art bekommt neue visuelle Identität

    • Ja, danke, geht mir auch so! Und den abgeschnittenen Fuß vom T brauche ich auch nicht.

      Die leicht modifizierte Calibre dazu finde ich etwas uninspiriert, wirkt sehr kalt. Was Humanistisches hätte ich mir besser vorstellen können. Trotzdem ist es aber insgesamt doch gelungen, finde ich!

  1. Warum lässt man sich zwei Hausschriften verkaufen, die dann in ihrer Formsprache und ihrem Grundgerüst doch verschieden sind?
    Die Versalhöhe ist bei der Serif größer, wobei im Gegenzug die Ziffern bei der Sans-Variante höher sind. Auch das kleine a unterscheidet sich in der Formsprache doch deutlich voneinander. Da hätte man ein harmonischeres Pärchen schaffen können.

  2. Habe mir zuerst auch gedacht, was macht das the hier das ist doch zu groß…würde dann aber glücklicherweise ja aufgeklärt. Bleibe allerdings trotzdem dabei, das the ist zu groß, ich bin der Meinung, das wenn es kleiner wäre, beide Wörter wesentlich besser heraus kommen, so verkommt es zu einem block, der auch durch das seltsame M recht unschön ist.

    Ansonsten finde ich es gut, man hätte eventuell vielleicht auf eine andere Farbe zurückgreifen können, das scheint mir aber subjektiv.

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