Der FC Barcelona modifiziert sein Vereinsemblem

FC Barcelona Crest (2018), Quelle: FC Barcelona

Der FC Barcelona hat sein Vereinsemblem modifiziert. Seit der Gründung im Jahre 1899 wurde das Wappen des Vereins bereits viele Male verändert, zuletzt vor 16 Jahren. Gestern nun hat der Verein die Pläne für ein weiteres Redesign des Vereinswappens der Öffentlichkeit präsentiert. Allerdings wird sich erst in drei Wochen zeigen, ob diese Pläne tatsächlich auch umgesetzt werden.

Das am gestrigen Donnerstag präsentierte Redesign des Vereinsemblems ist Teil des sogenannten „FC Barcelona Strategic Plan“, einem vom Vereinsvorstand seit 2015 verfolgten Strategiepapier, in dem für den katalanischen Verein das Ziel definiert ist, den FC Barcelona zur „weltweit angesehensten und beliebtesten Sportinstitution“ zu machen. Spätestens 2021 will der Verein einen jährlichen Umsatz in Höhe von 1 Milliarde Euro erwirtschaften.

Ähnlich selbstbewusst agiert der Verein auch, wenn es darum geht, das überarbeitete Clubemblem in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn auch wenn der Vorstand die Änderungen bereits verabschiedet hat, werden letztendlich erst die Mitglieder im Rahmen der bevorstehenden Versammlung am 20. Oktober entscheiden, ob das neue Vereinsemblem tatsächlich eingeführt wird. So sehen es jedenfalls die Statuten des Vereins vor. Bleibt zu wünschen, dass bei der Weiterentwicklung des Designs auch Mitglieder und Fans konsultiert und eingebunden wurden. Wenn alles glatt läuft und die Mitglieder zustimmen, erfolgt die Umstellung auf das neue Emblem zu Beginn der Saison 2019/2020.

Begründet wird die Anpassung des Vereinswappens mit gestiegenen technischen Anforderungen (digitale Medien) und einem veränderten Zeitgeschmack, dem man gerecht werden wolle (vereinfachte Formgebung).

FC Barcelona Crest Redesign, Quelle: FC Barcelona

FC Barcelona Crest Redesign

Auszug der Pressemeldung

This evolution stays faithful to the historical elements of the crest: the city, Barcelona; the country, Catalonia; the club, the ‚blaugrana‘ colours; and the ball. But the new design now has greater reproduction capacity, especially in the increasingly more important world of digital media. The most striking changes are an increase in the balance and impact of the team colours, the greater presence of a central and iconic element of the Barça style of play, namely the ball, the homogenisation of the forms and colours, and the disappearance of the FCB acronym.

FC Barcelona Logo – vorher und nachher

FC Barcelona Logo – vorher und nachher

Die wohl auffälligste Neuerung ist der Verzicht auf das im gelben Querbalken positionierte „FCB“-Kürzel. Des weiteren wurde die Outline des Balles verstärkt, die Anzahl der vertikalen Streifen wurde im unteren Segment verringert und die schwarzen Ränder im Inneren wurden komplett entfernt.

Betont wird seitens der Vereinsführung, dass man im Hinblick auf die lange Geschichte des Vereins behutsam vorgegangen sei und dabei auf eine möglichst originalgetreue Darstellung des neuen Emblems geachtet habe. Im Zuge der Umsetzung des Strategieplans ließ der Verein auch eine eigene Corporate Schrift entwickeln, die nun auch innerhalb der Wortmarke zur Anwendung kommt (Abb. ganz oben).

Entworfen wurde das neue Vereinsemblem von der in Barcelona ansässigen Agentur Summa.

Kommentar

Anhand der Evolutionsschritte, die das Wappen bereits vollzogen hat, wird deutlich: der FC Barcelona schickt sein Wappen regelmäßig auf den Prüfstand. Und das ist gut so! Denn es ist richtig und wichtig, den Blick eben nicht nur auf den Rasen zu richten, sondern auch auf die Marke. Hartgesottene Fußballfans hören diesen Begriff vielleicht nicht gerne, da es in ihren Ohren nach Marketing, nach Kommerz und nach dem Ausverkauf traditioneller Werte klingen mag. Richtig gedacht und gemacht ist die Beschäftigung mit der Marke das genaue Gegenteil! Es ist die Suche nach dem, was den Verein ausmacht, was ihn auszeichnet, was ihn gegenüber anderen hervorhebt. Den Blick dabei gleichermaßen auf die Tradition wie auch auf die Zukunft gerichtet, denn natürlich möchte man auch weiterhin erfolgreich sein. Und dabei geht es gar nicht mal nur um sportliche Erfolge. Es geht um mehr, um die Gesamtheit des Vereins, zu der eben auch Niederlagen zählen, die den Verein, dessen Spieler, Mitarbeiter und Fans mindestens ebenso prägen wie Siege. Es geht darum, die Werte, die ein Verein repräsentiert, zu definieren, sie zu leben, auf dem Platz wie auch außerhalb des Sports. Dazu gehört, diese Werte auch nach Außen zu tragen, im täglichen Miteinander, in der Kommunikation, in geschriebener Sprache und natürlich auch auf der visuellen Ebene. Letzteres scheint mir im vorliegenden Fall gelungen. Das neue Emblem ist deutlich als das des FC Barcelona zu erkennen. Gleichzeitig wurde die Formensprache vereinfacht und behutsam weiterentwickelt.

Interessant ist das Redesign auch aufgrund seiner politischen Dimension. Denn innerhalb des Pressetextes wird Katalonien explizit als Land und nicht als Region bezeichnet. Wie gesagt – an Selbstbewusstsein scheint es dem FC Barcelona nicht zu mangeln.

Mediengalerie

Weiterführende Links

15 Kommentare zu “Der FC Barcelona modifiziert sein Vereinsemblem

  1. Der FC Barcelona verstand sich schon immer als „katalanische Nationalmannschaft“. Daher hat man auch lange auf Trikotwerbung verzichtet (erstmals durfte 2006 Unicef auf der Brust werben). Die Sichtweise Katalonien = Land ist also nicht neu.

    Das Redesign finde ich auch sehr gelungen: Reduktion, soweit möglich, ohne den Charakter des Emblems zu verändern.

    • Der FC Barcelona verstand sich schon immer als „katalanische Nationalmannschaft“. Daher hat man auch lange auf Trikotwerbung verzichtet

      Das ist wohl etwas verkürzt wiedergegeben. Meines Wissens begründet sich der Verzicht auf einen Trikotsponsor, wie ihn der Verein über mehr als hundert Jahre durchgehalten hat in erster Linie damit, dass auf diese Weise die Andersartigkeit und Einzigartigkeit des Vereins zum Ausdruck gebracht werden sollte. Daher auch das Credo: „Més que un club“, zu deutsch „mehr als ein Club“. Es geht eben nicht nur um Fußball, sondern auch um die gesellschaftliche Komponente sowie die daraus resultierende soziale Verantwortung, so die Intention. Kein Sponsor auf dem Trikot war zudem auch als Signal an die Fans zu verstehen: Allein euch, den Fans, und nicht irgendeinem Unternehmen, gehört der Verein. Von dieser Auffassung ist der Verein 2006 abgerückt. Mit der Entscheidung, UNICEF auf die Trikots zu drucken, unterstrich der Verein jedoch seinerzeit die soziale Verantwortung.

    • Vermutlich damit es symmetrisch zum letzten roten Balken rechts ist – wenn man nun die gelbe Kontur der „Außenform“ nimmt ist diese an diesen Stellen zwar Dicker aber zumindest links und rechts symmetrisch – das war vorher nicht nötig, da man um die oberen Felder ja noch eine schwarze Outline hatte, sowie auch zwei Gelbtöne – bzw. eher einmal Gelb und einmal Gold.
      Damit es mit an die Kontur angepasste Form des roten Kreuzes gepasst hätte, hätte man denk ich auch rechts die rote Linie anschneiden müssen, damit man auch hier die Linienführung nachvollziehen kann – da sieht das so, denke ich für meinen Geschmack, besser aus.

      PS: Mir ist es ehrlich gesagt nicht einmal (und das deute ich in diesem Fall als gutes Zeichen) aufgefallen, musste erstmal hochscrollen und nachschauen …

    • Weil man es dann rechts auch erwarten würde. Funktioniert dort aber nicht. Es war garantiert schwierig genug, alle ›wichtigen‹ Abhängigkeiten bezüglich Symmetrie und Ausgeglichenheit innerhalb des Emblems unter einen Hut zu kriegen. Außerdem würde dieses dann im Vergleich zu den anderen Elementen vielleicht etwas zu verspielt/nicht prägnant genug wirken.
      Das Logo ist – zwar erst auf den zweiten Blick – ziemlich perfekt umgesetzt. In meinen Augen …

      • Funktioniert sehr wohl. Nämlich dann, wenn man ganz rechts außen mit einem roten Streifen beginnt. Oder wäre das vom Ursprung der Flagge her ein no-go? Vielleicht wurde es auch versucht und sieht einfach nicht gut aus… Finde die reduzierte Form ansich auch recht gelungen und habe nicht viel auszusetzen, aber der gerade Abschnitt der weißen Flagge mit rotem Kreuz macht das Ganze irgendwie „einen Hauch weniger perfekt“.

  2. PS: Aber wie man sieht, sind die Linien alle in einem ordentlichen Raster angelegt, passend auch die blau-rot-gestreifte Fläche im unteren Teil. Daher ist dies wohl die sauberste Lösung und man käme oben mit einem roten Streifen (etwas weiter rechts außen) der ebenfalls eine Rundung hätte, nicht hin.

    • Sehr gut erklärt! :)
      Dazu kommt noch dass die Rundung doch sehr Stark ist und man, hätte man rechts „in der Biegung“ mit einem roten Streifen angefangen, also das ganze Muster einen nach rechts geschoben und die Streifendicke beibehalten, wegen Raster:

      a) rechts nur noch zwei kleine rote Fitzel ohne in kleiner Darstellung einen roten Streifen wirklich erkennen zu können – störend
      b) links, also in der in der Mitte des Wappens, einen gelben Streifen neben dem gelben Mittelsteg, damit also einen nicht mittigen, dicken, gelben Streifen – störend

      Wie gesagt, ich bleibt dabei – wohl die sauberste Lösung.

  3. Meiner Meinung nach ist die Überarbeitung rundum super gelungen. Die Symmetrie stimmt jetzt und durch die Reduzierung und Anpassen der Farben wirkt alles moderne und stimmiger. Die oben angesprochene „fehlende Kurve“ bei der linken oberen Flagge ist mir zu Beginn gar nicht aufgefallen. Wenn man zugunsten der Symmetrie darauf verzichtet, finde ich das allerdings auch völlig in Ordnung so. Der Font passt ebenfalls gut in das Gesamtbild.

  4. Ich hätte es konsequent gefunden, wenn das Schwarz in der Linie um den Ball auch noch aus dem Logo verschwunden wäre, indem man das Dunkelblau als Linienfarbe verwendet.

    • Dann würde der Ball aber seine Eigenständigkeit verlieren und durch den dann geringeren Kontrast zu ›flach‹ wirken.
      Ich finde ihn von dessen Formen her eher etwas zu ›kindhaft‹, zu tropfenförmig, zu verspielt. Vor allem aber stören mich die falsche Perspektive und ungenaue Symmetrie seiner Einzelteile …

      • Die Frage ist, ob der Ball so eine Eigenständigkeit verdient, dass er als einziges Element innerhalb des Logos die schwarze Außenlinie behalten muss. Ich hatte die Linien des Balls kurz testweise eingefärbt und fand es in Ordnung. Ich glaube, man könnte durch leichte Veränderung der Größe des Balls und/oder der Linienstärken die gleiche optische Gewichtung des Balls erzielen, wie mit der schwarzen Linie.

  5. Das Logo weiter zu reduzieren ist prinzipiell gut, allerdings hätten dann die Farben etwas angepasst werden müssen. Der Blau-Rot-Kontrast flimmert, die schwarze Kontur des Balls verschwimmt mit dem Blau. Bei der Menge der Farben ist es sicherlich keine leichte Aufgabe – aber: das geht besser. Die Proportionen sind gut.

  6. Ein hier nicht erwähnter und sehr wichtiger Grund für das „fehlen der Kurve“ ist die Funktionalität in sehr kleinen Größen auf mobilen Endgeräten. Die Überbleibsel des Balken würden nahezu verschwinden. Das ist auch einer der Gründe für die Reduktion der Streifen im unteren Teil. Sehr gelungenes Redesign finde ich. Auch den gelben Ball mit den schwarzen Konturen empfinde ich als nicht störend zumal die Outline den Kontrast wieder aufgreift.

Kommentar verfassen

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src="meineurl"> <a> <blockquote>