Plain Milch

PLAIN MILCH – Pseudo-Lifestyle-Slow-Food-Getränk meets Real Humans

Plain Milch

Die Aufmerksamkeit ist der vor gut einem Jahr gestarteten Marke „PLAIN MILCH“ sicher, zumindest für einen kurzen Moment. Zwei Stuttgarter wollen mit hochpreisiger Milch aus Finnland den Getränkemarkt aufmischen. Dank geplant provozierendem Werbespot ist PLAIN MILCH derzeit in aller Munde.

„Mutter“ lautet der Spot, der innerhalb einer Woche auf YouTube immerhin über 300.000 mal angeschaut wurde. Eine Frau stillt in einer artifiziellen Umgebung statuengleich auf einem Sockel sitzend ihr Baby. Wie sich herausstellt ist sie ein humanoider Roboter, ein Milch-und-Still-Automat, der nur funktioniert, wenn dieser mit PLAIN MILCH befüllt wird. Real Humans lässt grüßen. Völlig zusammenhanglos erscheint am Ende des Spots noch eine Blondine mit Milchbart: „Muh“. Fertig ist der Aufreger.

Aufreger, weil er die Mutter-Kind-Beziehung in Frage zu stellen scheint, diese instrumentalisiert, um Werbung für ein neues Produkt zu machen. Auch wenn es der Spot und der zugehörige Slogan „Mama’s Milch war gestern“ sicherlich suggeriert – PLAIN MILCH ist kein Milchprodukt für Neugeborene. Positioniert wird es als eine Art puristisches Lifestyle-Slow-Food-Getränk in erster Linie für Erwachsene. Die Aufmachung als Dose, ein Verbundstoff namens „LamiCan“, soll als Alleinstellungsmerkmal dienen.

Auf Focus.de hat man die Idee hinter der Marke bzw. den Spot noch nicht so ganz verstanden, was die Redaktion freilich nicht davon abhalten konnte, einen sinnfreien Artikel zu veröffentlichen. Die beiden Macher hinter PLAIN MILCH, Patrick Schick und Florian Haug, die mit ihrer Idee Anfang 2014 in Stuttgart gestartet sind, dürfte dies kaum kümmern. Als Start-Up freut man sich über jede Publicity, wohl auch die schlechte, und davon gibt es momentan reichlich. „Teurer Scheiß, den niemand braucht…“ schreibt etwa ein Nutzer auf der Facebook-Fanpage von PLAIN MILCH. 1 Liter PLAIN MILCH von „glücklichen Kühen aus dem kalten Finnland“, wie es auf der Website heißt, kosten 4,36 Euro.

Wer auf Erdbeeren im Dezember nicht verzichten kann, seinen Salat nur mit Salz aus dem Himalaya verfeinert und das Eis für seinen Whiskey vom Nordpol einfliegen lässt, wird wohl auch bedenkenlos zu PLAIN MILCH greifen. Konsum ohne nachzudenken. Wir machen es, weil wir es können. Da passt ein Milchprodukt, dessen Energiebilanz alles andere als „klimafreundlich“ sein dürfte, weil es nämlich, um in unsere Supermärkte zu gelangen, 2.000 Kilometer auf Europas Autobahnen zurücklegt, bestens hinein, ebenso das minimalistisch-stylische Gewand, das Premiumanspruch verheißt und trotz allem Aufwand nicht zu kaschieren vermag, dass PLAIN MILCH ein von Grund auf fragwürdiges Produkt ist. Beworben mit Hilfe eines irreführenden Spots, der im Grunde die ganze Naivität hinter dem Konzept zum Ausdruck bringt, Hauptsache man ist im Gespräch.

Abgesehen vom hohen Preis, der für PLAIN MILCH fällig wird, habe ich starke Zweifel, dass man mit einem solchen Produkt die erfreulicherweise immer kritischer werdenden Konsumenten überzeugen kann. Keine Verpackung, wie etwa bei Unverpackt, ist immer noch die beste. Ein solches Produkt, das als „neue Art, Milch zu trinken“ verkauft wird, ist schlichtweg nicht zeitgemäß. Erstklassige, wirklich klimafreundliche, zudem viel günstigere Milch gibts beim regionalen Landwirt.

Für den Spot zeichnet die Werbeagentur Stormingdesign verantwortlich.

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42 Kommentare zu “PLAIN MILCH – Pseudo-Lifestyle-Slow-Food-Getränk meets Real Humans

  1. Die Milch den Kühen!
    (Hust)

    Ansonsten: Widerspruchsfreie Zustimmung zu Achims Ausführungen.

    Gestaltung und Atmo: ist wie bei Calvin Kleins Just Be, das Model im Abspann ist genau im Kate-Moss-Lookism gekastet. Inzwischen dürfte das lediglich als Retro-Minimalismus durchgehen. Packaging mit Anleihen aus dem Body-Milk-Packaging. Über die nicht nur peinlich-deutlichen Religion-Hints sag ich jetzt mal nix (prä-raffaeletische Kitsch-Gottesmutter mit Kind – und der Typ, der diesen Mutter-Computer bestückt, ist wie ein Orthodoxer gekleidet …, sehr merkwürdig alles).

    Insgesamt etwas für all die Business-Kasper mit Profilneurose. Und für all die Riebesehls in den Meetings („Mensch Riebesehl, kannst du nicht normal Milch trinken wie andere Leute auch …?). Welche wohl auch Witze toll finden, wie man heutzutage Leute entlässt (‚man stelle ihnen zur Begrüßung im Büro einen schicken ‚Koffee to Go‘ hin …‘)

  2. „Wer auf Erdbeeren im Dezember nicht verzichten kann,“
    Off Topic: Wenn man sich mal genauer ansieht, wo Erdbeeren im Dezember Saison haben, ist das gar nicht am anderen Ende der Welt, wie beispielsweise bei Mangos oder Bananen:
    https://krautreporter.de/219–das-erdbeer-dilemma

    Die kriegsgebeutelten Menschen in Gaza würden sich vermutlich freuen, wenn mehr Europäer zu Weihnachten mal ein paar Erdbeeren kaufen. Ägypten ist auch nicht viel weiter weg, denen ist im „Arabischen Frühling“ fast der komplette Tourismus weg gebrochen. Die „Weihnachtserdbeeren“ sind für mich ein klassischer Fall einer stark vereinfachenden Sichtweise in einer komplizierten Welt.

    • Die “Weihnachtserdbeeren” sind für mich ein klassischer Fall einer stark vereinfachenden Sichtweise in einer komplizierten Welt.

      Weihnachtserdbeeren stehen ebenso sinnbildlich für eine pervertierte Konsumwelt wie etwa Bio-Kartoffeln aus Afrika oder 5-Euro-Jeans aus China. Natürlich lässt sich dieses Thema nicht mit ein, zwei Halbsätzen abhandeln. Wichtig ist, die Dinge zu hinterfragen, das eigene Kaufverhalten, die Produkte, die Aufmachung von Produkten … anstatt auf eine Werbeidee/-lüge hereinzufallen.
      Mangos oder Bananen wachsen nun einmal nicht in Europa/Deutschland. Das macht sie freilich noch nicht zu Produkten, die man hierzulande bedenkenlos konsumieren sollte. Milch ist hingegen ein Produkt, dass es in unseren Breitengraden in Hülle und Fülle gibt. Zum Import gäbe es eine echte Alternative.

  3. Nach dem überteuerten Mineralwasser Voss auf Norwegen, nun also überteuerte Milch aus Finnland. Man kann mit Werbung ja leider auch für ein Angebot eine Nachfrage schaffen, wo es vorher weder das eine noch das andere gab.

  4. ich muss ehrlich sagen: ich finde den spot saugeil!
    klar kann man sich jetzt über ausbeutung der milchindustrie aufregen und warum zur hölle sollte ich premium milch kaufen?
    aber mein gott! der spot haut allen, die gräser und glückliche kühe und herrn hipp auf der alm sehen wollen mal schön in die fresse.

  5. Das schlimste für mich ist der Deppenapostroph. Es gehört nicht nur gute Gestaltung zu einem guten Produkt … es sollte auch die jeweilige Sprache beachtet werden. Da nützt es nicht, aus dem Englischen zu übersetzen und einfach zu übernehmen.

    Da dreht sich mir alles um. Schon allein deshlab würde ich ein Produkt nicht kaufen. Denn das sagt mir, dass Sorgfalt bei dem Untenehmen wohl keine Rolle spielt.

  6. Leute die diesen Blödsinn gut finden oder gar kaufen, sind genau diejenigen, die sich aufregen, wenn deutschlands Bauern ZU RECHT mit ihrer „fairen Milch“ den Discounter-Niedrigstpreis überbieten wollen, um 40 Cent pro Liter für sich zu erhalten. Hier wird trotz der vielleicht „pfiffigen Idee“ in die falsche Richtung gesteuert…

  7. Das ganze ist doch ein Epic Fail. Zunächst einmal die Idee selbst, die hinter einer überteuerten Milch steckt, die eine absolut unterirdische Klimabilanz hat. Dann diese irreführende Werbung mit dem Spruch „Mama’s Milch war gestern“ – welcher Eindruck soll denn sonst entstehen, wenn nicht der, dass Plain Muttermilch ersetzen soll? Wenn dieser Eindruck sich nicht einstellen soll, sondern ein ganz anderer (welcher sonst, ist mir ein Rätsel), dann ist dieser Spot nichts anderes als ein Fehler. Er mag zwar technisch überzeugen, aber vom Script her und der Idee ist er einfach nur unterirdisch.

    Vermutlich wollten hier die Macher, und auch die dahintersteckende Agentur, etwas völlig absolut -endgeil-neues-yolomäßiges machen, und haben alles verfügbare aus ihren sicherlich so erfahrenen Gehirnen zusammengeklaubt. Was dabei entstanden ist, könnte genauso gut aus einem Horrorkabinett stammen. Der Spost ist für mich in seiner Anmutung einfach nur ekelhaft, widerlich und dümmlich. Genauso wie die Idee, die hinter dem Produkt steckt.

    Aber was solls, den Machern, dem Produkt und auch der Agentur sind die 5 Minuten Internetruhm ja schon sicher.

  8. Wer tatsächlich „einfach“ Milch haben möchte, gehe am besten zu nem regionalen Bauern …

    Der Spot hat eine Idee, die provozieren soll, bringt gegen Ende dann nochmals eine andere Story hinzu – wozu? Dass man sieht, dass das Getränk auch ohne künstliche Muttermaschine getrunken werden kann? Ich weiß es nicht … Will ich eigentlich auch gar nicht!

    Ich wünsche den Machern dieses Produkts und dieser Idee den entsprechenden Erfolg – eine hohle Story für ein hohles Produkt. Es muss nicht auch noch Milch durch die halbe Welt gekarrt werden (wobei ich fürchte, dass das längst der Fall ist). Die einzige Innovation die ich erkenne ist die Dose (sofern das eine ist) womit aber gleich mal das Thema Müll wieder die nächste Schwierigkeit mit sich bringt.
    Die Verpackung an sich erinnert mich ein wenig an Parfums aber auch an Energiedrinks – beides eine recht andere Art von Produkt, wobei zu letzterem will man vielleicht eine Alternative sein? Auf jeden Fall alles schön clean, weiß und „designig“ – das Design wird es schon richten und den Erfolg bringen. Herzlichen Glückwunsch, nun haben wir wohl endlich auch die Designer Milch! Wer hätte das gedacht? Wer hätte das gebraucht?

  9. Völlig zurecht muss ich allen Vorrednern zustimmen! Die Klimabilanz dürfte furchtbar und die Notwendigkeit für dieses Produkt absurd sein. Die Aufmachung der Dose sticht wohl neben Energy-Drinks auch auf Dosen-Prosecco an, und könnte damit vor allem junge Frauen als Zielgruppe sehen.

    Ich teile leider nicht den Optimismus, dass die Kunden immer kritischer werden und daher so etwas keinen Erfolg haben kann. Es gibt eben dieses Klientel, bei dem sich das schon angesprochene Mineralwasser in die Status-Objekt-Welt einfügen muss. Es wird für solche erfreulich sein, endlich nicht mehr mit den Tetrapaks des niederen Volkes aufwarten zu müssen und den üblichen Ruf der Milch als gesund und naturnah mit edel und lifestyle zu vermengen.

    Gerade das Trashige, Groteske, Brainfucking, dass dieser Spot hat, wird ihm zu seinem Ruhm verhelfen; denn es wirkt weit weg von allem anderen, und somit moderener als modern, der übernächste Trend – so werden es jedenfalls viele sehen und sich davon einlullen lassen.

    Für mich zeigt die Idee nur, dass alle Märkte des Bedarfs längst übersättigt sind. Das für das Wirtschaftswachstum unabdingliche Schaffen neuer Märkte wird somit zunehmend banal und nimmt sinnbefreite, aber dank moderner, ausgetüfftelter Werbung erfolgsversprechende Formen an.

    Auch wenn ich dieser Milch keinerlei Erfolg wünsche, ich befürchte es doch.

    • Mit Deiner Befürchtung könntest Du leider sehr recht haben. Lass die Werbung ein paar Tage in den Werbeblocks zwischen DSDS, Junglecamp und Berlin Tag und Nacht laufen, dann haben die aufgeweichten Gehirne schon angeschlagen… Arme Welt!

  10. Willkommen im Turbokapitalismus …

    Für die Hedonisten dieser Welt sicher eine tolle Sache, um mal wieder eine Nasenlänge voraus zu sein. Schlecht gemacht ist dieser Spot sicher nicht, die Macher kennen bestimmt das Björk-Video von Chris Cunningham und ein bisschen „Got Milk?“ ist am Ende des Spots auch eingeflossen.

    Trotzdem wirkt das alles seltsam überflüssig und, wenn man sich den Kampf der Milchbauern mit den Einkäufern der Discounter in Erinnerung ruft, irgendwie pervers.

    Mir sind noch zwei Dinge aufgefallen: Milchfirma und Agentur sitzen im selben Haus in Leonberg, da scheint es also eine enge Beziehung zu geben. Kann natürlich aus PR-logistische Gründe haben.

    Und der Hinweis „Ungekühlt haltbar“ im Shop weist ja auch nicht unbedingt auf eine „naturbelassene“ Milch hin, sondern geht schon eher in Richtung H-Milch. Bäh …

      • Nackte Brust, danach eine heiße Braut mit ebenso heißem Blick, die sich die spermaähnliche Creme von der Oberlippe leckt. In unserer verkorksten Porno-Gesellschaft, in der nur noch mit nackter Haut, Gestöhne und Co. vermarkter wird, darf es auch gern mal wieder etwas hochgeknöpfter zugehen. Aber damit lässt sich heute auch keine Wirtschaft mehr erobern.

        Künstlerisch ein sehenswerter Clip – Dafür, dass es Werbung ist und Milch verkauft, abartig.

      • Lieber Benny Lava. Es handelt sich hier nicht um eine „Stillende Frau“ sondern einen Stillroboter der nur mit Kuhmilch einer bestimmten Marke funktioniert (die im übrigen von einem Mann eingefüllt wird). Hier wird die Ernährung von Kleinkindern in Zusammenhang mit der sexualisierten Darstellung eines weiblichen Körpers gebracht um damit für Milch zu werben, ja das ist sexistisch und Frauendiskriminierend.

  11. Mal ehrlich … was hat dieser Artikel im Designtagebuch verloren?

    Gesellschaftliche bzw. Produktkritik finde ich in diesem Blog eher unpassend. Wenn wir uns über Prdukte und ihre Umweltbilanz aufregen wollen, gibt es sicherlich andere Plattformen. Denn es gibt sicherlich eine Menge Produkte deren Design/Verpackung/CD hier besprochen werden, die auch nicht politisch korrekt sind, wenn der Konsument sie kauft. Denn z.B. die meisten Erdbeeren aus deutschem Joghurt stammen aus China oder warum werden japanische Autos gekauft, wenn es doch auch deutsche Fabrikate gibt. Die Liste wäre beliebig erweiterbar …

    Zum Produktdesign:
    Das Design der Verpackung ist sehr puristisch und soll sicherlich das Exklusive des Produktes herausstellen. Jedoch gibt es starke Ähnlichkeiten (in meinen Augen) zu Kosmetikprodukten. Daher wird der Verkauf im normalen Supermarkt floppen. Wahrscheinlich wird man die Milch eher im angesagten Club wieder finden. Ob das allerdings der gewinnbringenste Absatzkanal für die norwegische Milch ist, ist fraglich.

    • Punkt 1: Wer sich die Produktinszenierung genauer anschaut, wird feststellen, dass das Design, dass die Formgebung ein wesentlicher Aspekt der Markenführung darstellt. Premiumanspruch und puristische Gestaltung sind wichtige Kernwerte dieser Marke. Punkt 2: Wenn Design lediglich suggeriert, wenn es kaschiert und falsche Erwartungen schürt, alles das sehe ich in diesem Fall als gegeben, dann gehört dies meiner Auffassung nach unbedingt angesprochen, gerade hier im dt. Punkt 3: Auch weil sich zeigt, dass nicht jeder den Zusammenhang erkennt, erscheint mir ein Diskurs hier im dt sinnvoll.

      In der Tat gibt es sicherlich viele weitere, ähnlich gelagerte Produkte über die man schreiben könnte. Über alle zu schreiben, dafür fehlt es mir an Zeit. Aber vielleicht kann ein solcher Beitrag Anlass sein, alle „nicht politisch korrekten“ Produkte, die es so gibt, zu hinterfragen. Genau DIES ist im übrigen eine wesentliche, wenn nicht sogar die herausragende Eigenschaft, die man als Designer mitbringen sollte. Dinge zu hinterfragen, anstatt umzusetzen, was vom Kunden gewünscht wird.

      • Sehe ich ganz genauso. Ich ärgerer mich immer, wenn Leute alles so trennen: „Das gehört inhaltlich nicht hierher, jenes sollte besser nicht oder woanders angesprochen werden…“
        Genau hier muss es angesprochen werden, wie auch überall anders auch. Man ist heute immer so „politisch korrekt“ unterwegs, dass man sich gar nicht mehr eine eigene Meinung zu äußern traut.
        Als Grafiker ist man ja nicht nur eine „Designhure“, sondern darf trotzdem auch gesellschaftliches und politisches Denken besitzen und auch äußern – man ist ja schließlich noch Mensch und nicht Photoshoprobotter.
        Es ist fragwürdig und falsch, Güter und Produkte von Inhalten und Werten zu trennen – es entspricht nicht der menschlichen Vorgehensweise, denn für uns ist alles mehr oder weniger mit Bedeutung aufgeladen.
        Diese Idee von reiner Orientierung an der Sache finde ich wirklich gefährlich und fördert den „dummen Konsumenten“. Man sollte nicht dem Markt und den Marktentscheiden alle Meinungsbildung überlassen. Wir sollten uns ruhig trauen, öfter unsere Meinung kundzutun und das auch gegenüber dem Kunden – ansonsten macht man es sich einfach zu leicht und kann sich bequem auf das „unpassend“ oder „nicht angebracht“ ausruhen. Dann vielleicht lieber hin und wieder etwas über das Ziel hinausgeschossen, als immer die Klappe zu halten und nachher das große Jammern bekommen…

      • Zu Punkt 3: Ist es nicht eigentlich die Aufgabe des Kosumenten, die Dinge zu hinterfragen?

        Ein Designer sollte sich mit dem Produkt sicherlich auseinander setzen. In diesem Fall ist es leicht, da die Herkunft des Produktes fest steht. Aber wie sieht es bei anderen Produkten aus? Ich kann ja nicht erst Recherche betreiben, welche Inhaltsstoffe in einem Produkt sind und wo sie her stammen. Und soll ich dann bei negativer Umweltbilanz den Auftrag ablehnen?

        Wozu würdest Du raten?

  12. Hab die Plörre schon probiert. Die weiße schmeckt wie Butter und die braune wie Erde. Möchte nicht wissen, wie lange die Macher dieses menschenverachteneden Spots noch an Mamas Zitze gehangen haben.

  13. Mal abgesehen von dem Video und deren Slogan, die wohl beide eher ein Griff in die Toilette sind, verstehe ich die ganze Aufregung nicht.
    Da wird hier auf der Umweltbilanz der Produkte eines Startups rumgehackt und dabei dieselbige bei deren „Konkurrenten“ im Supermarktregal übersehen. Mal abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit der Massentierhaltung, aus welcher die Milch vom „regionalen Landwirten“ dann letztendlich stammt. Das mag zwar bei dem vorgestellten Produkt auch so sein, doch gibt es einen kleinen Unterschied, ob das Unternehmen nun ein paar tausend, oder ein paar milliönchen zu den „regionalen Landwirten“ rüberwachsen lässt.

    • Dass die Wettbewerber (Konkurrenten) besser seien, hat keiner behauptet, doch die sind schon auf dem Markt. Ein Startup sollte das einfach besser machen, weil es eben neu ist und eigentlich Dinge anders machen könnte/sollte…! Wobei natürlich die Frage ist, wer denn die „Konkurrenz“ ist? Klassische Molkereien mit Milch in Tetrapaks wohl kaum …

      Zum Thema regionale Landwirte möchte ich hinzufügen, dass es tatsächlich Menschen gibt, die noch den Bauern persönlich kennen und auch Bezugsquellen außerhalb des Supermarktes nutzen. Ist bestimmt nicht immer der bequemste Weg, aber eben ein möglicher …

      • Sie sind ja besser. Sie vermitteln nicht, dass Milch ein Massenprodukt für 90 Cent den Liter ist, sondern ein zu schätzendes Nahrungsmittel. Daher unterscheiden sie sich zwar von den klassischen Molkereien, sind aber trotzdem in der gleichen Branche tätig.
        Bis auf den Transport ist das Produkt übrigens relativ Umweltfreundlich, die konsumierte Milchmenge pro Tag wird wesentlich niedriger, weil es sonst einfach viel zu teuer wäre. Es ist doch viel besser Milch als teures Lifestylegesöff zu vermarkten, als sie literweise als Massenprodukt zu verramschen.
        Auch bei der Umweltbilanz der Verpackung sieht es für Aluminiumdosen auch wesentlich besser aus als für Tetrapacks, deren Wertstoffe zum Großteil einfach verbrannt werden: http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=2703

        Schließlich bleibt noch der regionale Demeter-Bauer, aber mal ehrlich, wie viel Prozent der Bevölkerung holen noch bei so einem Bauer alle paar Tage mit der Milchkanne ihre Milch ab?

  14. Ihr könnt das Produkt noch so scheisse finden (schließe mich da nicht aus) aber der Spot ist große, große Kunst und hervorragend inszeniert!

  15. Mein Freund war zuletzt auf einer Con, an dem auch PLAIN Milch anwesend waren. War vor ein paar Monaten. Gestern habe ich mit ihm kurz drüber gesprochen…

    PLAIN Milch hat wohl noch weitere Alleinstellungsmerkmale, die im Spot und auch auf deren facebook-Seite irgendwie unerwähnt bleiben:
    – Die Milch stammt von den finnischen Kühen, weil die „irgendwie qualitativ besser“ sei (kühleres Klima, tolleres Gras…fragt mich bitte nicht nach Details xD).
    – Jetzt kommts: Bei dem Transport nach DE werden die leeren Rückfahrten der Spedition verwendet. Es werden also irgendwie unnötige Leerfahrten gebucht, um die Milch durch halb Europa zu karren.

    Ich finde es einen großen Fehler von PLAIN Milch, nicht mit den weiteren Alleinstellungsmerkmalen zu werben! Das haben die im Marketing ziemlich versaut.
    (Ich will PLAIN Milch damit nicht verteidigen…ich hasse Milch seit dem ich ein Kind bin xD)

    Die Idee des Spots finde ich gut, nur den Vergleich mit Muttermilch finde ich irgendwie nicht richtig…haben ja alle bereits vorher erwähnt.

    #22 Marian:

    Da wird hier auf der Umweltbilanz der Produkte eines Startups rumgehackt und dabei dieselbige bei deren “Konkurrenten” im Supermarktregal übersehen. Mal abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit der Massentierhaltung, aus welcher die Milch vom “regionalen Landwirten” dann letztendlich stammt.

    This! Ich stimme Marian da total zu.

    • Hallo Ninni,
      ich halte es für ziemlich unmöglich die Transport-Komponente werblich zu nutzen. Egal wir groß die Bemühungen sind, den wahnwitzigen Transport dieses Lebensmittels effektiver oder weniger ressourcenintensiv zu gestalten – jeder Verweis auf dieses Thema führt einem die Absurdität des Ganzen vor Augen. Das kann in meinen Augen werblich nicht funktionieren.

      Ich widerspreche Marian, weil die Art der Tierhaltung ein eigenes Thema ist. Die Produktionsbedingungen von Milch sind variabel und extrem vielfältig – die Transportkomponente nicht. Wenn man dann die eklatanten Nachteile die der Warentransport so mit sich bringt (Energieverbrauch, Bodenversiegelung (Straßennetz), Verkehrsbelastung, etc) dem rein fiktiven Nutzwert (finnische Milch wäre qualitativ besser als hiesige?) gegenüberstellt, dann kann man schon wütend werden.
      Es gibt keinerlei rationale Rechtfertigung dafür, ein so beliebiges Produkt, das nahezu in jedem Winkel Europas in überbordenden Mengen produziert wird, auch noch durch die Gegend zu karren. Ausser der, dass einige damit Geld verdienen, weil andere sie für diesen Treppenwitz bezahlen.

      Um mit Westerwelle zu sprechen: ein Musterbeispiel spätrömischer Dekadenz ;-).

      • Das gebe ich Dir schon Recht :-)

        Nur…wenn ich damit werben kann, dass „Milch cooler Lifestyle“ ist, dann kan man doch auch mit dem „Leerfahrt-Transport“ werben. Ist beides absurd, aber wer drauf abfährt, für den ist es ein Grund.

        Wenn ein Startup aufpoppt und ein trendiges, neues Kleidungsstück auf den Markt bringt, dann ist es doch auch erstmal egal, wenn es auch Fernost kommt. Aber es ist trendy. Und darauf kommt es an.
        Viele tolle Startups achten ja glücklicherweise auf Produktionsort usw. Aber tut eben auch nicht jeder.

        PLAIN Milch will halt Milch trendy machen, genauso wie Designer Stricksocken trendy machen wollen, obwohl diese auch von Oma kommen könnten.

    • Weder noch. -> Mama, nicht Mutter ;)
      Aber ja, du hast Recht. Das ist der weiter oben bereits erwähnte „Deppenapostroph“
      Mal abgesehen, von der völligen Sinnentleertheit des Spots und des Produkts.
      Zum einen gefällt mir die Ästhetik (nicht der Inhalt) des Spots in Verbindung mit dem Thema Milch und was jetzt noch viel bescheuerter klingt – ich find’s echt cool wie sich das A mit ihrer Nase „alignt“. :D

      • Kann deinen Kommentar vollkommen unterschreiben. Spot lässt sich gut ansehen, aber das Thema und der Gedanke von Vermarktung ist unterste Schublade.

        … zur Nase habe ich dennoch 3-4 Mal zurück gespult.

  16. Der Slogan (wäre er denn richtig geschrieben) ist schon ok. In Kombination mit dem Bild eines erwachsenen Konsumenten funktioniert das, ist mäßig witzig und weckt eher positive Assoziationen.
    Nur mit dem Spot funktioniert das überhaupt nicht. Der zwingt die Gedanken auf die falsche Fährte und natürlich ist die Erkenntnis dessen auch der Grund für den seltsamen Twist am Ende.

    @26 Ninni:
    Die Argumente des Herstellers erscheinen mir sehr fragwürdig:

    1.) Dass Milch von finnischen Kühen besser sei, würde ich mal in den Bereich der Esoterik verschieben. Sie ist definitiv anders (das gilt auch für niedersächsische Milch im Vergleich zu Milch aus dem Allgäu, so denn die Tiere auf der Weide sind). Vielleicht schmeckt sie manchen Konsumenten besser.
    Aber in Finnland wird sicherlich schon Milch für den regionalen Markt produziert, sicher auch Bio-Milch, die man einfach nach Deutschland exportieren könnte (und die wäre sichlich deutlich preiswerter). Der Fokus des Marketings ist aber definitiv ein anderer: Nicht Qualität, sondern Lifestyle.

    2.) Dass die Ökobilanz durch Nutzung von leerer Rücktransporten gut sei, ziehe ich ebenfalls in Zweifel: Zum einen wird immer versucht, Leerfahrten zu vermeiden, zum anderen verbraucht ein voller LKW deutlich mehr als ein leerer, also auch nicht zum Öko-Null-Tarif.
    Und was ist, wenn das Produkt erfolgreich ist? Dann werden ziemlich schnell keine leeren Kapazitäten mehr zur Verfügung stehen.

    Vielleicht sollte sich einmal die Erkenntnis durchsetzen, dass Milch per se ein durchaus gesundes Qualitätsprodukt ist, das nicht verrammscht werden sollte.
    Also auch von mir der Appell, Bio-Milch vom regionalen Erzeuger zu kaufen. (Und dafür könnte man gerne mal pfiffiges Marketing machen.)

  17. Über das Thema Klimabilanz und Co wurde ausreichend diskutiert.
    Die ganze Aufmachung wirkt auf mich wie eine gar nicht schlecht gemachte Studentenarbeit, bei der es darauf ankommt, auf der Metha-Ebene möglichst viele Symbole unterbringen, den Rezipienten zur Aufmerksamkeit durch Provokation zu zwingen, neue Wege zu denken und dabei auch noch gute technische Qualität abzuliefern. So wäre das in meinem Studiengang eine bemerkenswerte Arbeit gewesen. Möglicherweise hat man sich hier dann gedacht: Wenn schon so viel Aufwand, dann wollen wir mal sehen, wie die Geschichte wirklich ankommt und ob nicht sogar der ein oder andere Euro dafür zurück kommt …
    In der Realität und für das Produkt Milch: Bedenklich! Ich bin gespannt, ob das so funktionieren kann.

  18. Ein Minimum an gestalterischem Ausdruckvermögen ergibt ein Maximum an Nichtaussagekraft.
    Und ein scheinbares Maximum an Differenziertheit gegenüber Bisherigem.
    Damit natürlich total zielgruppengerecht.

  19. Noch ein kleine Anmerkung:
    Ich finde dieses Produkt auch eher fragwürdig und die Werbung dafür pseudoprovokativ.
    Was das unnütze von „von weither produzierten, hierzulande ebenso verfügbaren, Produkten Geschleppe“ zu uns angeht, habe ich gerade heute ein Interview eines deutschen Milchbauern gesehen, der die gestiegenen Milchpreise in Deutschland mit der steigenden Nachfrage aus China und Indien begründet hat.
    Anscheinend fließen die Milchströme anscheinend nicht nur aus Finnland hierher, sondern auch von hier in die restliche Welt.
    Abgesehen davon haben wir als Gestalter schon eine gewisse Verantwortung, und sollten uns über die Produkte für die wir werben im Klaren sein, und das was dahintersteckt auch ruhigen Gewissens verantwotrten können.
    Wer möchte schon gerne ein Logo für die Mafia oder einen Drogendealer entwerfen?

  20. Zweimal wollte ich die Milch schon zum Probieren bestellen, aber das Versandunternehmen ist leider keines der gängigen, das auch noch 2 weitere Male kommt, falls ich nicht zu Hause bin oder mir das Paket hinterlegt, sondern eines, bei dem ich zeitaufwendig und umständlich quer durch die Stadt fahren muß (sehr umweltfreundlich!), um das Paket abzuholen – das ist für mich mittlerweile ein k.o.-Kriterium.

    Zudem finde ich schade, daß die gesamte Präsentation so „steril“ und gewollt „hip“ ist… mich hätte es viel mehr angesprochen, wenn bio- und gesundheitliche Aspekte hervorgehoben worden wären, also eher gesunde Bio-Milch-to-go statt Softdrinks, recht umweltfreundliche Verpackung, vielleicht noch ein mißchen Kuh- und Wiesen-Romantik… stattdessen ein seltsamer Werbespot, der von vielen als Angriff auf die stillende Mutter verstanden wurde (oder gleich auf die Würde der Frau), alles farblos, die „besondere“ Milch gar nicht zu sehen… schade, daß da so viel schief gelaufen ist, die Idee an sich finde ich nämlich immer noch ziemlich gut!

    Es ist nicht immer von Vorteil, der erste im Markt zu sein. Und das Unternehmen ist ja wohl mittlerweile verschwunden.

  21. Ich bin wohl derjenige, der nicht im geringsten was mit Feminismus oder Gender-Dingen zu tun hat. Habe mich damit auch nie so richtig befasst

    dennoch finde ich die Werbung sehr sexistisch und eklig. Es erfüllt sämtliche sexistische Aspekte

    Schaut euch bloss mal das Plakat an . Darauf zu sehen eine junge Frau leicht bekleidet und nur ein Träger des Kleides zu sehen. Die Milch an der Oberlippe könnte sonstwas suggerieren.

    Sie wirkt sehr passiv und der Videoclip dazu noch schlimmer. Wenn das mal nicht sexistisch ist

    Das Produkt ist wohl was für die, die zu viel Zeit und Geld haben und sowohl ist das Produkt von denen, die ebenso Geld und Zeit haben und irgendwas nutzloses auf den Markt bringen

    Unsinniges Zeug. Ich durfte das probieren und bin sehr enttäuscht. Hat mir ein Freund geschenkt und kostete 1,50 Euro pro 250 Ml. Das sind 6 Euro pro Liter

    total teuer und unnötig.

    Das einzig gute ist das puristische Design. Passt zu meinem Macbook pro und kann gut neben meinem Ipad auf der Arbeit liegen

    alles andere ist jedoch Unsinn.

    Es wird wohl keinen Erfolg haben.

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