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Mia san mehr – Initiative für mehr Toleranz

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So hat man die Wappenfigur von München, das Münchner Kindl, noch nicht gesehen. Über dem für die Figur charakteristischen gelben Kreuz stehen im „Open Kindl“, wie das von der Münchner Agentur Martin et Karczinski entwickelte Zeichen heißt, Halbmond und Davidstern.

Das rote Eidbuch in der Linken zieren hinduistische und buddhistische Symbole. Die fünf Weltreligionen Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Islam und Judentum in einem Zeichen vereint. Ein Zeichen zur richtigen Zeit. „Open Kindl“ nennen es ihre Schöpfer. Die Stadtverwaltung duldet die Modifizierung der Wappenfigur im Rahmen der Initiative, wie Agenturchef Peter Martin gegenüber Süddeutsche.de sagt.

Natürlich soll die offizielle Wappenfigur, 1957 vom Grafiker Eduard Ege gezeichnet, nicht abgelöst werden. Es geht um mehr. Den Initiatoren geht es darum, München als eine weltoffene Stadt zu präsentieren. „Die Vielfalt der Weltanschauungen macht München lebenswert“, wie es auf der vor wenigen Tagen gelaunchten Website mia-san-mehr.de heißt. Das Open Kindl steht dort für jeden zum Download bereit. All diejenigen, die die Initiative auch finanziell unterstützen möchten, können dies mit Erwerb des sogenannten „Open Kindl Kit“ tun, eine Art Merchandising-Paket. 45 Euro kostet es (inkl. Spende).

Aus dem „Mia san mia“, das noch aus Zeiten Kaiser Franz Josephs stammt und Ausdruck eines Überlegenheitsgefühls ist, wird beim Open Kindl ein sympathisches „Mia san mehr“. Eben mehr als Christen. Eine richtige wie wichtige Feststellung, mehr denn je. Die ausgestreckten Arme werden zur Einladung, und der abgrenzende Charakter des (FC) Bayern-Mottos löst sich in einer Geste von Weitsicht und Weltoffenheit auf.

Eine großartige Idee und eine einnehmende Initiative. Ein seit langem überfälliger Beitrag direkt aus der Kreativbranche, mit dem die Debatte um unterstellte Überfremdung in eine Richtung gelenkt wird, die ein Willkommenskultur zum Ziel hat.

Darüber hinaus freilich auch, soviel darf gesagt werden, eine clevere Kampagne in eigener Sache, die nicht nur kurzfristig für beste PR sorgen wird. Je größer und positiver die Resonanz auf die Initiative, umso wahrscheinlicher, dass man bei der Stadt die bislang lediglich geduldete Aktion aktiv unterstützt. Wünschenswert wäre es. Schau’n mer mal, wie sich das Open Kindl entwickelt.

43 Kommentare zu “Mia san mehr – Initiative für mehr Toleranz

    • Liegt vielleicht daran, dass der atheismus kein allgemeinverständliches symbol hat – auch wenn eine google-suche nach „atheismus symbol“ mindestens zwei solche liefert, werden die in der allgemeinbevölkerung wohl kaum erkannt.

      Auf den ersten und zweiten blick kommt das wappen sehr vertraut vor, erst auf den dritten blick fallen die vier kleinen symbole auf und die von mir wahrgenommene aussage ist „München ist für alle religionen offen“. Als atheist denke ich mir: gut, dann wird wohl auch nichtgläubigkeit toleriert ….

  1. Wahnsinn – geht es noch deutlicher, wer in diesem Land das Sagen hat??

    Wenn das mal keine klare Hierarchie ausdrückt – pyramidal wie am alten Ägypten…

    Da wird sich der gemeine katholische Ur-Bayer aber freuen, daß er jetzt judisiert/mohammedanisiert/buddhaisiert wird!

    Mehr Toleranz? = mehr Duldsamkeit / weniger Widerstand gegen Überfremdung, Deutschfeindlichkeit und Verdrängung im eigenen (Rest-) Land. Schöne neue Welt!

    • die Idee dahinter ist wohl, eben keine Hierarchie der Religionen haben zu wollen/müssen. Wer das herausliest, hat die Aktion eher nicht verstanden. Außerdem werden Hierarchien nicht immer durch die Abfolge sondern auch durch die Größe aufgezeigt. Das ließe in Ihrem Geiste dann wohl wieder eine andere Lesart zu.

      Ich bin froh, dass sich München eindeutig (positiv) zum Thema positioniert. Sollten einige dem Beispiel folgen. Wobei es da mit Markierung auch immer nicht getan ist; das muss auch in den Herzen landen, viel Kommunikation ist da nötig (nicht nur Markenkommunikation).

      Und kurz zum Thema „Überfrendung“: Das ist sehr relativ; ich fühle mich Menschen wie Ihnen auch sehr fremd. Da hilft ihr unverdächtiges(?) Äußeres auch wenig weiter. Es ist ein Trugschluß zu glauben, dass Deutschland-Flagge-Geschwenke und auf Politiker-gemeckere die Menschen national eint. Man sollte eher global und internationalistisch denken, denn Barrieren betonen anstatt Gemeinsamkeiten auszuarbeiten schürt Konflikte und endet oft hässlich.

      • der wichtigste Teil (den ich nach einer Korrektur geschrieben hatte), scheint verloren gegangen zu sein? Sorry, doch nicht; vielleicht liegts an meinem Cache …

    • @Rolf: Es wurde jeder berücksichtigt, Du auch: siehe die rechte Hand. Kannst du den ausgestreckten Mittelfinger erkennen oder bist du zu verblendet?

      Starke Aktion, das hätte ich den Münchnern gar nicht zugetraut. Daumen hoch.

    • Silke, wie hätten die Symbole denn Deiner Ansicht nach angeordnet werden sollen, damit die Darstellung „glücklich getroffen“ wäre?

      jeb bush hat eigentlich anschaulich beschrieben, dass die Darstellung von Hierarchien eben nicht eine ist, die rein linear von oben nach unten erfolgt, sondern die sich auch über die Größe oder beispielsweise über die Farbgebung definiert.

      Davon abgesehen vermittelt der Kommentar von Rolf recht gut die Geisteshaltung in bestimmten (Rand)Gruppen der Gesellschaft, wo weniger Fakten eine Rolle spielen – denn sonst hätte Rolf auffallen müssen, dass es sich in diesem Fall um ein regionales Emblem handelt und es gar nicht um Deutschland geht – als vielmehr ein Mitteilungsbedürfnis, das sich aus einer Mixtur aus Unwissenheit bzw. Nicht-wissen-wollen, Ängsten und verqueren Ideologien speist. Ein gefährlicher Bodensatz. Die Schlussfolgerung, mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen würde Deutschfeindlichkeit hervorrufen, ist absurd. Einen solchen Kausalzusammenhang gibt es nicht.

  2. Die Intension ist löblich, aber das Zeichen finde ich nicht gelungen.
    Das Münchner Kindl ist ein Mönch. Der wird durch das hinzufügen von Symbolen nicht zum Ökumenen, sondern bleibt ein Mönch. Vielleicht wäre es besser gewesen für die verschiedenen Kulturen und Religionen jeweils eine Figur in gleicher Pose zu gestalten. Dadurch hätte man auch kommunizieren können, das wir (mia) immer ein Plural ist…

    • Ich denke, dieses Logo ist nicht mit den tiefgründigen, bis ins Kleinste symbolisch ausgedachten Logos der Weltjugendtage oder Kirchentage oä zu vergleichen. Tiefergehende Symbolik, warum ein Mönch und welche Religionssymbole sind wo und wie groß angeordnet oä gilt hier nicht (dann könnte man bestimmt so einiges irrtümlich reininterpretieren – warum die einen (gemeinsam) auf dem Buch, die anderen auf der Kleidung, das eine größer als das andere, christliche Geste des Mönches..?); es geht nur darum, die Symbole mit einem bekannten Logo harmonisch zu verbinden, ohne das Urlogo zu sehr zu verfremden. Hauptschwerpunkt ist der Wiedererkennungswert mit dem Gedanken „Hoppla, bisschen anders als sonst“.

      • Ich sehe die Absicht genau wie Du. Aber die Lösung finde ich zu kurz gedacht. Das Kindl steht für ein Bayern, wie es schon lange nicht mehr existiert – kreuzkatholisch. Natürlich gibt es auch heute noch viele Katholiken, deswegen sollte das Kindl auch nicht ersetzt werden. Aber wäre es nicht schön gewesen dem Kindl noch weitere Figuren zur Seite zu stellen?
        Hätte das nicht mehr die Intension zum Ausdruck gebracht, als »nur« die Religionssymbole auf die Figur zu platzieren?
        Meiner Meinung nach hätte es eine gute visuelle Übersetzung des »nebeneinander« und »miteinander« der verschiedenen Kulturen sein können.

        Natürlich gilt: Man hätte natürlich vieles anders machen können, aber immerhin hat jemand etwas gemacht und nicht nur, wie wir hier, darüber philosophiert was besser wäre…

  3. Ich finde das eine sehr schöne Aktion, gerade in Zeiten von Pegida und Co. Was viele nicht wissen: München ist keineswegs bevölkert von konservativen „Ur-Bayern“, der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt mit 34 % höher als beispielsweise im ultrahippen Berlin oder Hamburg.

    Im Gegensatz zu Dresden trifft man hier tatsächlich Muslime auf der Straße, das mag mit ein Grund sein warum die lokalen „gida“ Ableger hier kaum eine Rolle spielen:
    http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muegida-spaziergang-ihnen-ist-kalt-sie-haben-angst-und-geben-jetzt-auf-1.2291912

  4. Ich will mir nicht vorstellen, welche Äußerungen wir hier noch lesen müssten, hätten Silke und Rolf bemerkt, welche Symbole auf dem Büchlein in der Hand der Figur abgebildet sind! :))

    Ich unterstütze lautstark diese Aktion und die Idee dahinter.

  5. Designtechnisch ok, inhaltlich top!
    Ich finde die Strichstärke von Davidstern und Dharma-Rad im Vergleich zum Rest zu filigran. Da wäre noch etwas Detailarbeit hilfreich gewesen. Auch wenn es nicht mehr 1:1 dem Original entspricht würde ich trotzdem das Buch etwas größer dimensionieren um die religiösen Symbole noch bisschen plakativer zeigen zu können. Diese gehen leider ein bisschen unter und erschließen sich einem erst auf den zweiten Blick. Das Kit allerdings finde ich mal eine richtig geile Idee! Genau das richtige für diese Aktion, sind coole Guerilla-Sachen drinnen!

  6. Wer alles in einen Topf rührt, muss sich nicht wundern, wenn Identität verlorengeht. Und wer keine Identität mehr hat, kann nur noch zum willkommenskulturellen Einheitsbrei einladen.

    Was mich an solchen Aktionen vor allem schockiert, ist der fast schon krankhafte Zwang, „Zeichen setzen“ zu müssen, sich aber jeglicher Auseinandersetzung – beispielsweise mit dem aus jeder Seite des Koran triefenden Hass auf „Abweichler“, „Heuchler“ und „Ungläubige“ – zu verweigern. Man malt ein paar religiöse Symbole übereinander und glaubt ernsthaft, dies sein ein Ausweis für Toleranz. Dabei ist es nichts als Rückgratlosigkeit und bestürzender Mangel an Eigenwert.

    • Daniel, Du verwechselst Vielfalt mit Beliebigkeit. Aus diesem Irrtum heraus konstruierst Du eine These, die schlicht abwegig ist. Als ob es neben stockkonservativ/erzkatholisch nicht noch andere Identitäten gäbe.

      Vielfalt ist Teil der Identität! Freilich nicht eines jeden Menschen. Als jemand, der Vielfalt liebt, akzeptiere und toleriere ich das aber selbstverständlich. Ich bin im Rheinland aufgewachsen, wo sprichwörtlich „jeder Jeck anders ist“. Eine Haltung, die ich am Rheinischen, das nur aufgrund der Vielfalt der Kulturen zum dem werden konnte, was es ist, sehr schätze. Über die Jahrhunderte haben das Rheinland erst die Römer, die Gallier, später die Spanier und dann die Franzosen geprägt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), was in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens deutliche Spuren hinterlassen hat, sichtbar und unter anderem über die Sprache täglich erlebbar. Das Rheinland erlebte die Vermischung der Kulturen, Religionen und Lebensweisen wie vielleicht keine andere Region Europas. Den Menschen dort ihre Identität absprechen zu wollen – darauf könnten wohl nur besonders kurzsichtige Zeitgenossen kommen.

      Interessieren würde mich dann noch, Daniel, woran Du festmachst, die Initiatoren würden sich, wie Du es formulierst, jeglicher Auseinandersetzung verweigern. Ohne Beleg ist dies nicht mehr als eine Unterstellung.

      • Achim, ein Stadtwappen ist nicht primär dazu da, Vielfalt auszudrücken, ganz im Gegenteil, wenn man es recht bedenkt, ist es sogar ein Abgrenzungszeichen. Oder positiv formuliert: Ein Stadtwappen ist in heraldische Formen gegossene Bürger-Identität.

        Nun können Identitätsmuster im Laufe der Zeit selbstverständlich einen Wandel durchlaufen. Ich möchte hier keine Bewertung darüber abgeben, ob die Wappenfigur der Stadt München die Identität ihrer Einwohner hinreichend widerspiegelt. Sollte sich eine Mehrzahl der Bürger in ihrem Wappen nicht wiederfinden, wäre es wohl an der Zeit, eine Diskussion über die Neugestaltung zu beginnen. Gut möglich, dass am Ende dieser Auseinandersetzung der Wunsch formuliert wird: Unser neues Stadtwappen soll vor allem für Vielfalt stehen. Nachdem man solcherart Einigkeit erzielt hätte, ginge die Diskussion aber erst richtig los. Jetzt müsste man nämlich die Frage stellen, welchen symbolischen Ausdruck diese Vielfalt bekommen soll. Wer darf ein Symbol beisteuern? Wer nicht? Dürfen die Hells Angels nicht mit drauf, weil sie ein schlechtes Vorbild sind? Pegida, weil Vielfalt rechts der Mitte unerwünscht ist, der Tierschutzbund, weil schlicht kein Platz mehr für ein weiteres Logo ist? Wahrscheinlich würde man recht schnell erkennen, dass die Idee, Vielfalt ins Stadtwappen zu bringen, zwar zweifellos von guten Absichten geleitet, aber trotzdem ziemlich bescheuert ist. Denn die Erkenntnis, dass „jeder Jeck anders ist“, ist zu trivial, um, zum Symbol geronnen, für das Selbstverständnis einer Stadt stehen zu können.

        Und genau hier setzt meine Kritik an dieser „Mia-san-mehr“-Aktion an. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den offensichtlichen Fragen kann gar nicht stattgefunden haben. Das Ergebnis beweist es überdeutlich: Erstens wurde das Thema Vielfalt auf Religion beschränkt, zweitens wurden nur wenige Religionen berücksichtigt, und drittens reichte es offensichtlich aus, „Weltreligion“ zu sein, um einen Platz auf der Kutte zu ergattern. Ob diese Religionen vielleicht auch Träger bestimmter Inhalte sind, und ob diese Inhalte kompatibel mit dem angestrebten Vielfaltsidyll sind, wurde mit Sicherheit nicht erörtert. Und das nenne ich Beliebigkeit, gern auch Gedankenlosigkeit.

        Wenn wir an einem sicherlich keinen Mangel haben, dann sind es gratismutige Aktionen diesen Zuschnitts. „Setzen Sie ein Zeichen“, es kostet nur 45 €. „Nur ein Klick“, und Sie dürfen sich als tolerant und weltoffen fühlen.

        Am Ende winken Fördergelder und ein Preis für Zivilcourage, wetten…

  7. „… der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt mit 34 % höher als beispielsweise im ultrahippen Berlin oder Hamburg. “

    Du scheinst „ultrahippe“ Städte wie Berlin oder Hamburg noch nicht bereist zu haben.
    Es geht eben nicht nur um die Statistik, sondern um das „Gefühl“ sich innerhalb der Stadt auch international oder multikulturell zu fühlen. Und da spielt München dann doch nur in der Kreisliga…

    Nichtdestotrotz eine gelungene Aktion.
    Finde ich die grafische Umsetzung hübsch?
    Nein.

    • Meine Frau kommt aus Berlin, ich habe dort viel Zeit verbracht, danke. Heute war ich beim Arzt, im Wartezimmer wurden drei Sprachen gesprochen (vier wenn man Bayerisch mitzählt), eine Sprechstundenhilfe trug Kopftuch. Mehr Multikulti geht für mich kaum.

      • Ja genau.
        Vielen Dank für das wunderbare „Multikulti“-Beispiel in München.
        Ich lebe jetzt seit einigen Jahren in München, habe selbst einen Immigrationshintergrund und es ist eine Unverschämthet, wie sich „einige“ Münchner als „weltoffen“ und tolerant geben.

  8. Eine schöne Aktion – wenn sie denn hoffentlich auch fruchtet. Kürzlich auf Wohnungssuche musste ich leidlich feststellen, dass „mia“ eben gar „net mehr san“ sondern man wohl lieber unter sich bleibt. Kein akzentfrei-gesprochenes Deutsch genügte oft schon als Ausschlusskriterium für Wohnungssuchende, um ein Beispiel zu nennen. München, die Weltstadt mit Herz darf in Sachen Toleranz/Akzeptanz noch einiges dazulernen – so zumindest meine persönliche Erfahrung …

  9. ich finde es einfach nur fürchterlich (übrigens auch diese mohammed karikaturen von charlie hebdo).
    Zwar gehe ich nicht so weit, dass man diese Aktion durch den Urheberrechtsschutz verbieten lassen sollte, dennoch finde ich es geschmacklos und es stört mich. Es gibt sicherlich bessere Wege eine interkulturelle Gemeinschaftszugehörigkeit abzubilden, wie über ein traditionelles Stadtwappen.
    Rein statistisch gesehen liegen Muslime bei 3-4 Prozent und Personen jüdischen Glaubens bei 0,3 % (noch hinter Buddhisten und gleichauf mit den Zeugen Jehovas) und spiegeln somit auch nicht die Bevölkerungsanteile, wie abgebildet, wider. Man sollte einfach mal eine Grenze des guten Geschmacks ziehen und nicht nur durch provokante Äußerungen oder Darstellungen versuchen seine Meinung an die Bürger zu bringen. Die Personen in München sind ohnehin interkulturell und sozial offen, aber auch in der Masse überdrüssig von solchen Darstellungen (Beispiel u.a. Familienpass 2014, indem keine Familie im Sinne „Mutter-Vater-Kind“ mehr abgebildet wurde). Diesen „Mehrheits-Bürgern“ sollte man die eigene Identität und Tradition auch zugestehen und gewisse Symbole und Traditionen nicht verschandeln. Also Finger weg vom Stadtwappen und dem Brauchtum. Integration geht auch ohne Provokation.

    • Danke! Zumindest gibt es noch jemanden, der nicht blind beifallklatschend jeden – manchmal fragwürdigen – Trend unterstützt. Die erwähnte Mutter-Vater-Kind Rolle ist gleichermaßen auf der Kippe und ein weiteres Beispiel. Man sollte ruhig mal wieder mutig sein und sich ein bisschen zur Wehr setzen…

      Wollte ursprünglich einen eigenen Beitrag zu diesem Thema verfassen, da dieser aber zu umfangreich wurde und die Meisten einem eh nur die Worte im Munde umdrehen wollen, lass ich es an dieser Stelle.

      Zum Schluss noch ein Zitat: „Wer für Alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“

      • Ich denke der Knackpunkt sind doch nicht irgendwelche Zahlen – ob statistisch belegt oder nicht. Die Wahrheit dieser Angaben bestreitet keiner. Mir persönlich geht es mehr darum, dass aus diversen Religionen eine Einheit dargestellt werden möchte, welche (bis auf die enge Verbindung zwischen Juden und Christen) einfach nicht existent ist. Die verschiedenen Weltbilder sind einfach inkompatibel. Und sind wir mal ehrlich, welcher ernsthaft Gläubige (welcher Glaubenrichtung auch immer er angehört) möchte sich mit anderen Religionen gleichstellen oder in einem Logo darstellen lassen? Wem soll diese Darstellung dienen, außer den Leuten, denen Glaube sowieso egal ist und die nur wieder nach dem Motto hantieren: „alle Religionen sollen sich endlich die Hand reichen“. Das Zusammenleben oder besser „nebeneinander Leben“ mag wohl aus menschlicher Sicht funktionieren aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sich die Leute niemals zum gemeinsamen Gebet treffen und immer andere Meinungen haben werden, da sie unterschiedliche Götter haben. Hier wird nur wieder versucht alles unter einen Hut zu bringen, damit zumindest oberflächlich eine heile Welt vorgetäuscht wird.

      • mir geht’s nicht um Religion sondern eher um eine grundsätzliche Debatte ob mal wieder über das Ziel hinausgeschossen wird. Ein gutes Beispiel ist die „Gender Mainstream“ Debatte. Hier ufert es dahingehend aus, dass nun Wörter mit Unterstrich im Plural geschrieben werden um auch geschlechtsneutrale Personen nicht in der Menschenwürde zu verletzen. Der wichtige Aspekt, eine Gleichberechtigung in den Löhnen zw. Mann und Frau zu erwirken geht hier komplett am Thema vorbei. Stattdessen wird mit Zahlen hantiert (22 Prozent) bei dem Äpfel mit Birnen oder auch der Ingenieur mit der Friseuse verglichen wird. Wenn man sich die Zahlen genauer anschaut kommt man dennoch auf etwa 7 %. Diejenigen die hier nicht sofort nach einem Gleichbehandlungsgesetz oder Quote schreien und weiter nachforschen, werden erkennen, dass der Lohnunterschied signifikant auf Fehlzeiten zurückzuführen ist. Da geschlechterspezifisch die Erziehungszeiten mehr von Frauen als von Männern wahrgenommen werden, sollte man eher hier den Grund suchen als stattdessen mit feministischen-pseudowissenschaftlichen Thesen eine Ungerechtigkeit zu begründen. Sobald der Staat die Anreize schafft, dass Elternzeiten paritätisch zw. Männlein und Weiblein (oder auch in anderen Formen) aufgeteilt werden, werden auch die signifikanten Gehaltsunterschiede verschwinden. Ein Unternehmen würde somit wahrscheinliche Fehlzeiten gleichwertig berücksichtigen und der Lohnunterschied wäre nur noch individueller Natur. Also lieber mal etwas anpacken, Probleme wenn vorhanden klar benennen, lösen und sich stärker darauf fokussieren. Niemanden nützt weder eine Reform der maskulinen Substantive noch ein Münchner Kindl mit Koran und Davidstern.

  10. Was soll eigentlich „MIR SAN MEHR:” bedeuten?
    Daß wir nicht nur „MIA SAN MIA“ sind sondern noch mehr?
    Was besonderes?
    Und aus dem Kofessionskonglomerat springt mir doch ein gutes Stück Hilflosigkeit, „Toleranz“ zu visualisieren, entgegen.
    Aber bei der bis ins komische verfloskelten Sprache der Agentur wundert eine so ganz nah an der Oberfläche sich bewegende Arbeit dann natürlich nicht mehr sonderlich.
    Wär’s denn nicht ein so durchsichtiger Marketinggag könnt man wenigstens den „guten Willen“ noch als Entschuldigung geltend machen. Aber so … .

  11. Absolut zum _otzen! Warum müssen wir unsere Kultur auf die Müllhalde der Geschichte werfen? Übrigens, bin konfessionslos: Ich möchte ich nicht zwischen Pest und Cholera entscheiden müssen. Religion sind PRIVATSACHE und haben im öffentlichen Raum keinerlei Hoheitsrechte! Schon gar keine Religionen, die so massiv frauenverachtend sind wie die unter dem Halbmond!

  12. Danke Uli, für den Hinweis!

    Das ist natürlich schade. Erst duldet die Stadtverwaltung die Aktion, um sie kurz nach Publikwerden und Diskurs in den Medien wieder zu untersagen. Was soll man dazu sagen!?

    Hier ein Screenshot der Website, wie sie sich nun darstellt:

    Open-Kindl

  13. Für mich ist es leider auch nicht zu Ende gedacht. Hier gebe ich vielen Vorredner mit gewissen Bedenken Recht – zu wenig umfassend. Und es gibt eben eine Lesrichtung, wenn ich jetzt davon ausgehe, dass der deutsche Leser/Betrachter angesprochen werden soll. Wenn Intellektuelle die Adressaten sein sollen, die ja dann verstehen, „dass alles nicht so eng zu sehen ist und es keine Hierarchie gibt“, dann brauch ich doch so was gar nicht machen. Also es kann mir doch keiner erzählen, dass es dafür keine andere Lösung gegeben hätte. Jetzt hab ich die letzten Posts gerade erst gesehen. Die Entscheidung spricht natürlich nicht für die Stadt. Aber hätte man das Ganze bis zu Ende gedacht, wäre es auch weniger angreifbar gewesen.

  14. Das mit der Integration ist immer so eine Sache. Die für die Kampagne verantwortliche Agentur stellt selbst offenbar keine jüdischen, muslimischen, behinderte, schwarze oder Menschen aus sonst irgendwie ausgegrenzten Gruppen ein. Zumindest sind auf den Fotos der Website keine Kopftücher, Kipas, Schwarze oder Rollstühle (übrigens auch keine Frauen in Führungspositionen) zu sehen. Ich bezweifle auch, dass sie den Flüchlingen deren Schulabschluss sie mit dieser Kampagne (was ja erst mal schon gut ist) unterstützen, dann später auch eine Lehrstelle anbieten werden. Die bleiben wohl doch auch lieber unter sich…

    • Wie wäre es denn, anstatt auf Basis von ein paar wenigen Fotos die womöglich falschen Rückschlüsse zu ziehen, direkt in Kontakt mit den Machern zu treten? Abgesehen davon – nur weil man keine Kippa oder Kopftuch trägt, ist dies ja wohl kaum ein Beleg dafür, dass man nicht jüdischen oder muslimischen Glaubens ist.

      • Ja, das stimmt. Mir geht es mehr darum, dass es einfach ist Toleranz zu fordern (von anderen), solange die eigenen Privilegien nicht angetastet werden.

  15. Dass die jüdisch-christlichen Werte, die nicht nur unsere Zivilisation, sondern auch unsere Ökonomie bis auf den heutigen Stand gebracht haben, so leichtfertig aufgegeben und durch eine allgemeine Beliebigkeit ist schon schlimm genug. Dass man sich bei der Gestaltung dieser Kampagne auch noch scheinbar an den schwarzen Flaggen des IS orientiert hat, schlägt dem Fass jedoch den Boden aus.

  16. Darf man da bitte dieser unglaublichen Suada was entgegensetzen?

    „Wie hart harzen Türken für ihren AMG Mercedes? Fair????“

    Gehts noch.
    Muss man dazu noch etwas sagen.

    Achim:
    Bitte diesen Pegida-Mist erst gar nicht hier reintröpfeln lassen, danke.

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