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Das große Eszett ist da

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Versaleszett

Im Zusammenhang mit der Frage: Was ist typisch deutsches Design? ist sicherlich auch der folgende Artikel und nachfolgende Link-Tipp interessant, die sich mit dem Eszett beschäftigen, DEM typisch deutschen Buchstaben. Der Großbuchstabe wurde nun in die internationalen Zeichensätze ISO-10646 und Unicode 5.1 aufgenommen.

Das bedeutet erst einmal Arbeit für viele Schriftgestalter, die nun ihre Fonts erweitern dürfen. Sofern dann ein Font auch die Majuskelvariante bietet, kann jeder Designer selbst entscheiden, ob er weiterhin SS als Großbuchstaben wählt, wie es auch nach der Normung die korrekte Rechtschreibregel bleibt, oder ob er lieber dem ß zu einem Comeback verhelfen möchte, was nicht nur grammatisch ebenfalls korrekt wäre sondern auch stilistisch, zumindest am Anfang der Umstellung, für einen Hingucker sorgen dürfte.

Mich hat schon immer die Widersprüchlichkeit der Rechtschreibreform in Bezug auf ein SS z.B. in STRASSE, MASSE oder in LITFASSSÄULE gestört, insofern freue ich mich sehr über die Wiederbelebung des großen Eszett.

Jetzt müssen nur noch die Tastaturhersteller nachziehen.

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81 Kommentare

  1. “Mich hat schon immer die Widersprüchlichkeit der Rechtschreibreform in Bezug auf ein SS … gestört”

    Das SS im Versalsatz ist doch nicht erst seit der Rechtschreibreform 1996 so, oder irre ich mich? Vielleicht seit der von 1901 ;)

    Jedenfalls freue ich mich aufs Versal-ß und hoffe, dass es wenigstens mal in amtlichen Schreiben das ß im Versalsatz ablöst, das die ja der Eindeutigkeit halber in Namen etc. verwenden. Ob ich es selbst einsetzen werde… beim noch anhaltenden Trend zur Alles-Kleinschreibung vielleicht nur selten :)

  2. Super Sache. Freut mich auch, da es echt immer > SCHÄUßLICH < aussieht. Ich frage mich nur, wie das bei den aktuellen System aussieht bzw aussehen wird. Momentan stößt man ja mit Shift und ß nur auf ein Fragezeichen, demselben wie über meinem Kopf!

  3. Ich finds einfach nur hässlich! (nicht ganz so hässlich wie der typische ß-Fehler bei Versalien aber immernoch hässlich.)
    Wirkt tendenziell immernoch wie nen Fehler find ich.

  4. Ich stehe der ganzen Sache eher skeptisch gegenüber. Die Verwechslung mit dem großen B ist so groß – man möchte doch, dass ein Name oder eine Botschaft schnell und richtig gelesen wird.
    Nichtsdestotrotz eine große Herausforderung für die Typografen, ich bin gespannt.

  5. Ich bin überrascht, wie ablehnend “die Öffentlichkeit” auf das Thema reagiert (ABSCHAFFEN! NICHT DAS AUCH NOCH! …), da scheint ein großer Hass auf das ß im Allgemeinen zu bestehen.

    Grafiker, Typografen und Schriftgestalter wägen dann zumindest noch Argumente ab, bevor sie meinen “ja ok, kann man machen” oder “ne, so ein Käse”.

  6. Das SS im Versalsatz ist doch nicht erst seit der Rechtschreibreform 1996 so, oder irre ich mich? Vielleicht seit der von 1901 ;)

    Aber doch erst mit der Reform gibt es eine verbindliche Regel, die das heißt: “Eszett steht nur noch nach einem langem Vokal”. In der normalen Schreibweise, bei der man ein Eszett verwenden kann, ist diese Regel wunderbar und die Aussprache kein Problem. Wenn aber z.B. MASSE nur in Großbuchstaben daherkommt, ist nicht eindeutig ob nun “Masse” oder “Maße” gemeint ist.

    man möchte doch, dass ein Name oder eine Botschaft schnell und richtig gelesen wird.

    Aber gerade dies ist doch aktuell eben nicht gegeben! Wie wird der Name des Herrn WEISS tatsächlich geschrieben? Mit Doppel-S oder doch mit einem Eszett?

  7. kommt in die schweiz, hier kümmert uns das Eszett nicht. ;-)
    ich finde dieses eszett auch nicht gerade schön und gross geschrieben sieht es schon ziemlich hässlich aus.

    zum glück brauch’ ich mich damit nicht rumschlagen :D

  8. Absolutes Kontra.
    Die Lesbarkeit nimmt ab mit dem großen Scharf-S, siehe ROBBERG, GROBSTADT im Aufhängerbild oben.
    Und hässlich ist es obendrein. Glückliche Schweizer…

  9. Achim hat vollkommen recht mit Herrn Weiß und dem Maße- genauso stark ist aber Rolands und mein Einwand.
    Die einzige Lösung wäre ein ß, dass sich in der Form so stark verändert, dass es nicht mehr dem B gleicht.

  10. Mir war das ß schon immer ein Graus. Und wenn ich mir den Großbuchstaben anschaue, ist er mir zu nah am kleinen ß. Das sieht immer so aus, als ob jemand doch GROßBUCHSTABE

  11. Herr Weiß müsste nach der allgemein gültigen Rechtschreibregelung auch in Versalien nicht auf sein scharfes S verzichten -> in Namen ist ein (kleines) ß erlaubt.

    Ansonsten stehe ich dem ganzen sehr skeptisch gegenüber,mir persönlich gefällt es überhaupt nicht, kommt mir eher wie der Wunsch einer Gruppe von Personen und weniger wirklich benötigt vor. Die Aufnahme in die Zeichensätze/Empfehlung der DIN bitte auch nicht verwechseln mit “offizieller” Änderung durch die Rechtschreib-Oberen in Deutschland. Wie Thomas Knüwer letztens auch geschrieben hat: Die DIN hat auch eine Norm für Staubsaugerbeutel, es hält sich nur niemand daran ;-)

  12. Mir war das ß schon immer ein Graus. Und wenn ich mir den Großbuchstaben anschaue, ist er mir zu nah am kleinen ß. Das sieht immer so aus, als ob jemand doch “GROßBUCHSTABE” geschrieben hat.
    Und da es schwer genug ist andere Menschen davon zu überzeugen, dass
    1. Strich nicht gleich Strich ist, es 2. unterschiedliche Anführungszeichen gibt und man 3. doch bitte auf Arial verzichte, glaube ich, dass sich der Großbuchstabe kaum durchsetzten wird.

    Und wenn man mit offenen Augen durch die deutsche Sprachwelt (viel zu viele Leute schreiben Strasse) geht und Leute hört, die sagen: “Nach der Rechtschreibreform gibt es doch kein ß mehr, oder?!”, dann bin ich überzeugt, dass es bald eh kein ß mehr geben wird.

    In diesem Sinne:

    TSCHÜB!

  13. Tja, ich als alter Schriftsetzer habe es wirklich schwer, mich mit dem Versal-SZ anzufreunden. V.a. bei Schriften, bei denen es wirklich noch wie ein Fremdkörper aussieht und einfach viel zu leicht mit dem B zu verwechseln ist.

    Bei manchen Schriften allerdings haben es die Typedesigner geschafft, mich zu überzeugen. Allerdings eben nur bei manchen.

    Fazit: ich werde in der nächsten Zeit einfach versuchen, das Versal-SZ zu vermeiden, in dem ich einfach keine Versalien mehr setzen werden in Texten, in denen ein sz auftauchen könnte. So einfach ist das. :)

  14. Mich stört sehr, dass oft Strasse, Spass oder Fussball geschrieben wird und ich glaube, dass das unter anderem von der Versalien-Schreibweise kommt. Daher ist es meiner Meinung nach nur konsequent, in Versalien auch ein großes ß zu haben, um diese Verwirrungen zu vermeiden: ein Wort wird eben sowohl klein, als auch groß mit ß geschrieben, fertig. Wäre einfacher.

    Aber es wird zu neuer Verwirrung führen, was schon die unglücklichen Beispiele oben zeigen. Maßstab und Großstadt sind gute Beispiele, weitere wäre Maßen, Straße und alle weiteren mit ß nach einem lang gesprochenem Vokal.

    Ross, Fluss oder Nuss wird aber nicht mit ß geschrieben. Natürlich sollen das wahrscheinlich Namen oder veraltete Schreibweisen sein, aber es könnte tendenziell eine Deppen-Versal-Eszett-Entwicklung geben.

    Die Frage ist, welche Verwirrung größer ist. Ganz abschaffen fänd ich persönlich schade. Man sollte diese Eigenart der deutschen Sprache bewahren. Außerdem kann meiner Meinung nach nicht einfach einen Buchstaben als hässlich bezeichnen um damit die Abschaffung rechtfertigen zu wollen. Ich glaube das ist eine Frage der Gewohnheit, die viele einfach nicht ändern wollen.

  15. »Die neue deutsche Rechtschreibung schreibt ja seit 1996 für den Versalsatz die einheitliche Ersetzung von Eszett durch den Doppelbuchstaben „SS“ vor. Eine Unterscheidung etwa zwischen „Masse“ und „Maße“ ist damit im Versalsatz nicht mehr möglich.«

    In einer globalisierten Welt macht das Eszett einfach keinen Sinn mehr, ich finde, das sollte wie in der Schweiz endlich ganz abgeschafft werden.

  16. > “schön” oder “hässlich”: seit wann ist das für Zeichen (nicht Ausformungen in einer konkreten Schriftart) ein Kriterium?

    Wenn ich ein Zeichen verwenden muss, ist es gewiss kein Kriterium.

    In der deutschen Schrift gibt es aber kein großes Scharf-S. Da können sich ISO und Unicode auf den Kopf stellen. Und ich wette, dass wir auch in fünf Jahren noch kein solches Zeichen in freier Wildbahn sehen werden.

    Und extra ein neues Zeichen erfinden, um geschätze zwei Mehrdeutigkeiten aufzulösen, wo es in der deutschen Sprache nur so von anderen Mehrdeutigkeiten wimmelt?

    Gab es nicht auch mal den Versuch, ein Ironie-Satzzeichen zu kreieren?

  17. GROBSTADT. Ob damit wohl Berlin-Neukölln gemeint ist? Okay, Spaß beiseite. Ich kann mich den Vorrednern nur anschließen: Es wirkt falsch. Einerseits, weil ungewohnt und wir Deutsche mit einem Novum ja immer erst hadern und andererseits, weil es sich nicht signifikant genug vom kleinen, gemeinen “ß” unterscheidet/unterscheiden kann.
    Ausnahmsweise muss ich auch mal etwas zur Aufhängergrafik oben loswerden: So viel Schlagschatten und Verlauf. Brrr….

  18. “In einer globalisierten Welt macht das Eszett einfach keinen Sinn mehr, ich finde, das sollte wie in der Schweiz endlich ganz abgeschafft werden.”

    Ganz im Gegenteil meine ich: Dank des Unicode-Projekt muss sich jetzt eben nicht die ganze Welt nach dem reduzierten Englischen Zeichensatz richten! Und dass das Eszett bisher nicht in GROSS existiert, kann man durchaus als Lücke werten.

    @sebastian: nach großer Skepsis (ich habe GROßBUCHSTABEN schon zu oft gesehen und das kleine ß sieht im Versalsatz gruselig aus), hast Du mich überzeugt: es kann gut und richtig aussehen. Die Grafik von Achim im Kopf finde ich dagegen nicht so gelungen, da wirkt das ß immer wie dazugemogelt. Aber wenn es eine typografische gelungene Lösung gibt, kann von mir aus auch der Duden nachziehen.

  19. > “schön” oder “hässlich”: seit wann ist das für Zeichen (nicht Ausformungen in einer konkreten Schriftart) ein Kriterium?

    Dass das ß von Natur aus hässlich sei war beispielsweise die Begründung seitens McDonalds bei dem Slogan “Einfach pur geniessen” kein ß einzusetzen.

    Also: bei einigen Leuten scheint das ß als hässlich zu gelten und gehört deswegen abgeschafft. Die Begründung kann man auch in Kommentaren zur Eszett-Diskussion lesen.

  20. Das SZ wurde durch die Rechtschreibreform von 1996 deutlich geschwächt, wenn nicht in seiner Existenz bedroht. Nun nach einem Versal-SZ zu schreien, ist deshalb schon fast ein typografischer Treppenwitz.

    Als Kleinbuchstabe übernahm das SZ lange Zeit wichtige typografische Funktionen: Wie alle Kleinbuchstaben mit Oberlänge half das SZ, Wortbilder zu gliedern und wiedererkennbar zu machen. Daß und das waren im Lesefluß deutlicher zu unterscheiden als dass und das. Mißstände wie die heutzutage vielfach anzutreffenden Triple-S-Konstruktionen (Missstand, Schlossstraße) konnten vermieden werden. Doppeldeutige Wortbilder traten nur in Maßen auf und nicht in Massen.

    Der einzige Mangel des SZ, nämlich seine fehlende Versalie, war leicht zu verschmerzen, da kein vernünftiger Mensch auf die Idee kam, FLIESSTEXT IN GROSSBUCHSTABEN zu schreiben. Die eine oder andere Headline mit Doppel-S stellte kein Problem dar. Der Inhaber eines Ausflugslokals konnte entscheiden, ob er Feldschlößchen oder FELDSCHLÖSSCHEN über den Eingang seiner Kneipe pinseln ließ – und alles war schön.

    Wer nun aber ernsthaft erwägt, FELDSCHLÖßCHEN zu schreiben, sollte sich fragen, ob dies nicht inkonsequent ist. Eigentlich gibt es nur zwei sinnvolle Wege im Umgang mit dem ungeliebten Buchstaben: Stärkung des SZ in seiner traditionellen Rolle als markanter, wortgliedernder Kleinbuchstabe (das heißt Rückkehr zur alten Rechtschreibung), oder gänzliche Abschaffung des SZ (was nicht weniger als ein echter typografischer Verlust wäre). Alle Bestrebungen, dem SZ einen Versalanzug zu schneidern, sind hingegen sinnlos und laufen ins Leere.

  21. Ehrlich gesagt bin ich ein wenig verwundert, ob des verhaltenen Zuspruchs gegenüber dem Versaleszett wie es sich auch in den Blog-Kommentaren hier ablesen lässt. Wir alle sind doch immer auf der Suche nach etwas Typischem, etwas Unterscheidbarem in der Gestaltung. Nun bekommen wir ein weiteres (bescheidenes) Werkzeug in die Hand, mit dem wir Design anders aussehen lassen können, was ja auch im international Kontext ein Unterscheidungsmerkmal bedeutet, und nur Wenige mögen das Werkzeug anrühren. Das wundert schon. Wenn Globalisierung im Sinne von Gleichmacherei interpretiert wird, bin ich sehr dagegen. Ich habe in Bezug auf eine immer näher zusammenwachsende Gemeinschaft allerdings ein anderes, positiveres Bild.

    Ich würde das Eszett sofort einsetzen und verstehe nicht so recht woher die Vorbehalte herrühren. Ein Argument es sei nicht “schön” kann ich nicht nachvollziehen. Auch eine unterstellte zu große Ähnlichkeit von ß und B mag mich überhaupt nicht überzeugen. Das wird von Schrift zu Schrift unterschiedlich sein. Ebenso könnte man sagen v und u oder I und l sähen sich zu ähnlich, weshalb man diese Buchstaben nicht verwenden sollte. Viel wichtiger als die Frage ob es schön aussieht ist für mich der Punkt, ob etwas dadurch verständlicher wird. Jeder, der sich “form follows function” auf die Fahne schreibt, muss/müsste ein Beführworter des Versaleszetts sein. Formen, und als solche zähle ich auch die Buchstaben, sind kein Selbstzweck. Sie haben (erst einmal) eine Aufgabe, eine Funktion. Sie dienen. Sind Informationsübermittler. Erst nachfolgend kommt die Form und das Design. Ästhetik ist wichtig aber nicht so wichtig, als dass sie sich an dieser Stelle über den Inhalt erheben könnte.

    Nicht zuletzt ist ein Eszett für mich persönlich auch ein klares Bekenntnis zur deutschen Sprache. Ich beneide die Skandinavier und Osteuropäer um ihre Buchstabenvielfalt und ihre Sonderzeichen, die jeder Broschüre aber auch den digitalen Medien etwas Unverwechselbares verleihen. Mit der Digitalisierung und weltweiten Vernetzung sind viele dieser ländertypischen Elemente hinten runter gefallen siehe Domainnamen und E-Mail-Adressen. Ich hoffe in den nächsten Jahren erleben wir eine kleine Renaissance. Ich weiß noch gut, wie umständlich aber auch spannend es war, als ich mich in einer isländischen Bibliothek mit einer Computertastatur auseinander setzen durfte. Die Isländer pflegen bekannterweise ja ihre Sprache mit viel Hingabe.

    Ich bekenne mich an dieser Stelle als Freund der (Formen)Vielfalt.

  22. Zum Glück werden sich die Tastaturhersteller noch lange scheuen, das versale Esszett auf ihre Produkte zu packen. Schließlich müsste dann das Tastaturschreiben umgelernt werden, womit zumindest (berufliche) Vielschreiber arge Probleme haben düften.
    Zudem müssten auch Kinder in der Schule den neuen Buchstaben lernen, dafür muss er erst Aufnahme in die Standardschulschriften finden etc. etc. das dauert alles sehr lange.

    Fazit: Bis das versale Esszett irgendwann mal in die Rechtschreibung aufgenommen werden sollte, ist der Buchstabe wahrscheinlich schon ausgestorben.

  23. Woher kommt eigentlich diese Abneigung gegen das “ß” (klein oder groß, egal)? Klar, die alten “Regeln” waren schlimm, aber die neue Rechtschreibung ist diesbezüglich doch sehr klar und schlüssig nachvollziehbar. Das ß wurde nicht abgeschafft, es wurde klargestellt wo es eingesetzt wird.
    Und natürlich *könnte* man es abschaffen, so wie einige andere Buchstaben auch, aber warum sollte man? Übrig bliebe eine Plansprache.

  24. Ich kann beide Meinungen verstehen. Denn schön ist es wirklich nicht das große “ß”, aber dafür einzigartig, deutsch und vor allem praktisch. Zu oft musste ich beim Setzen von Visitenkarte auf die große Schreibweise verzichten oder Doppel-S verwenden (Bsp. HERR WEIß –> HERR WEISS).

  25. Bevor man eine Versalie des SZ entwirft und zu etablieren versucht, muß man sich über die Sinnhaftigkeit des SZ als Kleinbuchstabe klar werden und hernach für diesen Kleinbuchstaben kämpfen. Vor allem aus typografischer Sicht hatte das kleine SZ seine Berechtigung, die ihm aber durch die neuen Regeln von 1996 deutlich beschnitten wurde. (Das fand ich persönlich sehr traurig, aber viele Leute waren doch eher froh, daß sie diesen Buchstaben nun endlich los waren.) In dieser für das SZ ungünstigen Ausgangslage nach einem Großbuchstaben zu rufen, ist etwa so, wie eine neue Form für die herkömmliche Glühbirne zu fordern. Das SZ wird über kurz oder lang (leider) aussterben. Und viele Designer haben einen Anteil daran, weil sie allzu gedankenlos selbst dort zum ss gegriffen haben, wo auch nach neuer Rechtschreibung ein SZ hingehört (neulich auf der Zuckerpackung gesehen: Weisszucker).

  26. Muss noch mal ein Frage stellen! Bin zufällig mal auf alte Unterlagen gestoßen, da gab es eine “Schloßstraße”.
    Nun ist das ja nach der neuen Rechtschreibung falsch, allerdings werden meist geografische Namen nicht verändert. Dennoch gibt es einige gemäßigte Anpassungen (Wupperthal -> Wuppertal). Was wird denn nun aus der “Schloßstraße”?

    Vielleicht “Schlossstraße” oder bleibt es beim “Schloßstraße”

    Nach alter und neuer Rechtschreibung würde es übrigens auch “SCHLOSSSTRASSE” heißen.

  27. Beim Wort Schloßstraße zeigt sich schön, wozu das SZ gut war. Es gliedert das Wort durch seine Oberlänge und wirkt gerade bei Komposita wie ein optischer Trenner, der den Lesefluß enorm verbessert. Die heutige Schreibweise Schlossstraße schreit geradezu nach einem solchen gliedernden Element (Schloss|straße).

    Und was die Großschreibung betrifft: Hier kann sich das Geschick des Schriftsetzers beweisen. Ein Wort mit solcher S-Ballung sollte man eben gar nicht erst groß schreiben.

    Schloßstraße (gut)
    Schlossstraße (nicht so gut)
    SCHLOSSSTRASSE (schlecht)
    SCHLOßSTRAßE (auch nicht besser)

  28. @Achim (34): Genau. Ich wollte auch, ich könnte im Job øfter mal so schøne, einzigårtige und æsthetische Zeichen verwenden, wie sie z.B. Dænen und Schweden haben. DANN MACHT DER JOB GLEICH VIEL MEHR SPA…

    Her damit.

  29. “SCHLOSSSTRASSE”

    –> lässt sich auch mit einer geringen Spationierung gliedern. Also “SCHLOSS STRASSE” (nur nicht so extrem, sondern ganz dezent, so dass es als ein Wort wahrgenommen wird, die Unterbrechung aber unbewusst zwischen SS und S stattfindet).

  30. Die Verwendungsmöglichkeiten für diesen Buchstaben sind aber ziemlich begrenzt, wer schreibt schon längere Texte in Majuskeln.
    Ich finde auch, es sieht “falsch” aus, und zu dem Argument bezüglich Skandinavien, seinen Buchstaben, und der “Formenvielfalt”, ist es doch so daß ein Buchstabe, der nur in Minuskelform verwendet wird noch mal Spezieller ist. Btw, das ð wird in Färöisch bloß in Minuskelform verwendet, es sei denn, Namen werden Versal gesetzt (sagt die Wikipedia), das wäre nun fast dasselbe wie mit unserm ß.
    Der Unterschied, oder die Bauchschmerzen, liegt darin daß das ß nun mal ne Ligatur von Kleinbuchstaben ist. Na? Ist doch schon ein bißchen absurd, aus reiner Bürokratiehörigkeit nen neuen Buchstaben an den Haaren herbeizuziehen.
    Denn die Verwendung dieser neuen Glyphe als Bestandteil von Eigennamen in amtlichen Dokumenten ist doch der einzige plausible Grund für eine Einführung.

    Aber vielleicht findet man (bloß so aus Interesse) einen Buchstaben (in anderen Sprachen), der eine ähnliche Geschichte hat?

  31. Kann denn jemand mal bitte an die Grabsteine denken! :)
    Familiennamen mit ß sind da echt arm dran…

    - Minuskel in Stein geht gar nicht.
    - Minuskel-ß zwischen Versalien noch weniger.
    - SS statt ß auch nicht.

    Bleibt, die Asche in den Wind zu streuen, oder ein Versal-ß zu verwenden.

    Das Ding soll ja in Zukunft nicht allgegenwärtig sein, es geht doch nur um die Möglichkeit, das Zeichen ohne technische Verrenkungen oder grafische Bastelei verwenden zu können wenn man es denn mal braucht. Dafür muss es codiert sein, und in den Unicode aufgenommen werden Zeichen, die es gibt. Dass es das Versal-ß gibt (und schon vor der Unicode-Diskussion gab) ist belegt. Es geht nicht drum wie oft das Zeichen vorkommt, sondern ob es ein Zeichen ist oder nicht.
    Anpassung der Rechtschreibung, Grundschüler die das Versal-ß “lernen” müssen, etc. halte ich für Quatsch, das ist viel zu weit gegriffen (und gefürchtet).

  32. @ sukisouk

    ß das ist schon einzigartig, denn die anderen europäischen Sonderbuchstaben sind eine Kombination aus Buchstabe (a) und Sonderzeichen (^). Ist im Skandinavischen mit d und D genauso.

    Im Aserbaidschanischen gibt es aber eine ähnliche Problematik wie im Deutschen. Das Aserbaidschanische ist eine Turksprache die vor den 90ern mit kyrillischen Buchstaben geschrieben wurde. Also wurde das lateinische Alphabet recht spät eingeführt. Es gibt im Aserbaidschanischen den Laut Schwa. Er wird als Kleinbuchstabe als ein e geschrieben, das auf dem Kopf steht. Der Großbuchstabe sieht genauso aus, nur größer. Ob der Großbuchstabe nur im Versalsatz existiert, weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist diese Lösung nicht schön anzuschauen und irritiert. Alternativ kann man im Aserbaidschanischen auch ä und Ä schreiben.
    Im Albanischen wird der gleiche Laut als ë und Ë geschrieben.

    Der Laut Schwa kommt auch im Deutschen vor. Es ist ein schwaches, schwebendes e. So wie in Mücke.

  33. Dass das versale “ß” dem “B” zu ähnlich ist sehe ich auch als Gefahr.

    Noch schlimmer ist für mich aber die Vorstellung, dass es künftig Unterlängen in Versalien geben könnte (siehe “Roßberg” im obigen Beispiel). Grauenhaft!

  34. Fluss, Floß, Fuß, Schuss, Abschluss

    Schaut man sich die Neue Rechtschreibung an und schaut ein wenig in die Zukunft, so bekommt man das Gefühl, DASS das EssZett immer weniger Bedeutung hat und es da ja genau richtig erscheint ein gestalterisches Revival einzuleiten.

    Ich persönlich mag den Buchstaben nicht, aber auch nicht unsere Groß- und Kleinschreibung. Nicht nur wegen der Verwechslung, sondern auch um der Tradition willen dass der Buchstabe ja immer als Versalie als falsch angesehen wurde ich stark davon abraten auch nur darüber nachzudenken das große Esszett zu nutzen.

    Immerhin gibt es noch FUßBALL, wie schön dass auch aussehen mag :)

  35. Achim, du schreibst „form follows function“ – genau mit dem Argument schlägst du ein Versal-ß in Grund und Boden. Die vergleichsweise komplizierte Form des ß zwischen den sonst so simplen Formen der Versalien kann genau durch deine Argumentation überhaupt nicht funktionieren. Ein in Versalien gesetztes Wort soll schnell erfassbar und unverkenntlich sein. Ich will den Schriftkünstler sehen, der ein Versal-ß prägnant und unverkennbar vom B, einer 13 oder irgendwas anderem entwirft.

    „Aber was ist das? Ein großes B? Nee, das ergibt keinen Sinn. Oder meinen die wirklich GROBSTADT? FUBBALL? RUBFILTER?“

    Und wenn alle heulen, dass sie „früher“ ja immer auf das ach so tolle Versal-ß in ihren Werken verzichten mussten, dann frag ich mich überhaupt nach dem Sinn des Setzens in Versalien. Vielleicht sollte man dann lieber sein Gestaltungskonzept überdenken, als sich solch einer Verkrüppelung von Zeichen zu bedienen.

    Oder ist das Versal-ß ein an die immer mehr grasierende Blödheit? Ich habe in der Grundschule gelernt, dass ß großgeschrieben zu Doppel-S wird …

    Zum Teaserbild: Flußsande, Nußbaum … Duden, anyone?

  36. Zum Thema B=ß noch ne Geschichte aus meiner Jugend ;) – ich hatte Besuch von nem Katalanen, und der hat in der U-Bahn interessehalber ale Stationsnamen mitgelesen, und das ß schon als Kleinbuchstaben nur als B erkannt, also wars bei ihm StraBe.

  37. Sebastian: Danke für das Bild, muss ich wohl übersehen haben. In der Tat hebt sich das vorletzte wesentlich ab und man _kann_ es erkennen. Aber auf die Ferne wird es dennoch problematisch und auch hier kann ich mich nur fragen: Warum muss ich denn durch den Versalsatz so eine Verwechslungsgefahr provozieren?

  38. Warum muss ich denn durch den Versalsatz so eine Verwechslungsgefahr provozieren?

    Ich teile Deine (generellen) Bedenken nicht. Vermutlich wird es auch Außnahmen geben, bei dem das Versaleszett nicht weiter hilft. In vielen Fällen, vor allem bei der Namensgebung, wird es aber für ein besseres Verständnis sorgen. Das kann keiner bestreiten. In einigen hier genannten Wortbeispielen ist eine Verwechslung zudem nahezu ausgeschlossen, da es die Alternative mit B gar nicht gibt. Es gibt keine GROBSTADT und man kann auch nicht in MABEN GENIEßEN. Wir sind so trainiert und konditioniert, dass solche Wörter von unserem Gehirn spontan als unlogisch und höchst unwahrscheinlich eingestuft werden. Texte, in denen Buchstaben fehlen sind ein gutes Beispiel dafür, ds wr durchaus in dr Lge snd Txte zu erfssn, obwhl enige Bchstben fehln. Unsere Augen überfliegen beim Lesen lediglich die Wörter. Wir lesen NICHT Buchstaben für Buchstaben. Insfrn ist auch ds Argumnt dr Vrwehslungsgfahr shr krftlos.

    Warum sollten wir befürchten, dass jemand FUBBALL ließt, wenn FUßBALL die einzige logische Variante ist? Das wird nicht passieren. Zumal einige vorgestellten Schriften eine SEHR deutliche Unterscheidung zwischen B und versalem ß bieten und somit selbst visuell eine Verwechslung einfach nicht stattfindet.

    Und mal so nebenbei. Jeder, der z.B. “Illustration” schon einmal in einer Helvetica, Futura, Gill… gesetzt hat ohne dabei etwas Anstößiges zu empfinden und gleichzeitig ein Argument der Verwechslung bei Versal-ß und B vorträgt, sollte sich einmal fragen in wie weit die Argumentationskette schlüssig erscheint. Nicht, dass ich jedem, der dieses Argument aufgreift fehlende Konsequenz dahingehend unterstellen würde, aber oftmals scheint mir doch eher eine Skepsis gegenüber “dem Neuen” ausschlaggebend für die Ablehnung zu sein, denn einer durch Fakten belegbaren “Beweislast”, die das Versaleszett als “Strauchdieb” unter den Buchstaben überführen könnte, weshalb man es mit Missachtung strafen sollte. Es ist aus meiner Sicht alles andere. Es kann in vielen Fällen Fehler beheben. Sicherlich kein Heilsbringer auf den Alle gewartet haben, aber eine typisch deutsche Besonderheit, die es mir Wert erscheint sie zu unterstützten.

    Last but not least… mit der Einführung des Versaleszetts werden viele die richtige Schreibweise der “LITFAßSÄULE” wieder lernen, welche trotz kurz gesprochenem a mit einem nachfolgendem Eszett geschrieben wird, weil nämlich nicht das FASS ausschlaggebend für die Bezeichnung ist sondern der Erfinder der Werbesäule mit Namen Ernst Litfaß. Zweifellos ist Litfaß einer der Verlierer der Rechtschreibreform von 1996.

    Und eben noch diese Anzeige in der Tageszeitung entdeckt. Selbst dort, wo es unbedingt hingehört möchte man ein Eszett partout nicht haben! Unfassbar.

  39. Meine Meinung:
    Das versale SZ ist schlicht und einfach von Grund auf falsch! Das ß ist eine Ligatur des kurzen und des langen s. Jedoch gibt es nur eine versale Form des S. Das bedeutet für mich, die einzig richtige Versal-Ligatur des SZ wäre eine, aus zwei (normalen) Versal-S. Ob dies allerdings sonderlich toll und schön wäre wage ich zu bezweifeln.
    Für mich ist auch falsch, aus der Ligatur zweier Kleinbuchstaben einen Großbuchstaben zu basteln.

  40. Hallo??!
    Spinnen jetzt wirklich alle?

    Das ß oder auch sZ genannt hat NICHTS aber auch garnichts unter den Großbuchstaben verloren! Ich kann nur hoffen dass die meisten designer diesen schwachsinn nicht mitmachen werden!

  41. @Achim: naja, wenn in einer Anzeige schon “Facts” statt “Fakten” und “News” statt “Neuigkeiten” steht, dann würde ich die Setzer/Texter/Designer auch nur bedingt ernst nehmen.

  42. Haha, “Strauchdieb” ist schön gesagt, Achim. So kommt es rüber, als wenn der Buchstabe kommt um uns was wegzunehmen. Wird er bestimmt nicht, aber auch wenig Nutzen zeigen können, da ihn die wenigsten nutzen werden.

    Das mit dem Flyer versteh ich nur bedingt. Fußball mit ss ist schlichtweg falsch aber nix mit Versal-ß. Könnte man als peinlich bezeichnen, meine Theorie wäre, es gab keins im Fontset :)

    Illustrator mit dem 3er-Zaun vorneweg wie im Adobe Splash-Screen?

  43. Ich bin ein großer Fan des ß.
    Als Großbuchstabe sieht’s allerdings wirklich etwas seltsam aus. Übrigens ist von der Tatsache, dass es jetzt technisch ein großes ß gibt, nicht die Rechtschreibung betroffen. Die aktuelle Rechtschreibung besagt nämlich weiterhin, dass ein ß in groß geschriebenen Wörtern zum SS wird.

    Das ist aber ja nun eine Kleinigkeit gegenüber der rüden Behandlung des ß in der deutschen Sprache; insbesondere der öffentlichen Kommunikation. Da ist “Fussball” leider kein Einzelfall.

  44. Zur s-Schreibung

    In Zukunft soll ß nur noch nach langem Vokal und nach Diphthong (Doppellaut) stehen. Man schreibt also weiterhin: das Maß – des Maßes; außen; gießen – er gießt. Nach kurzem Vokal soll hingegen nur noch Doppel-s stehen (bisher stand hier je nach dem folgenden Buchstaben teils ss, teils ß). Man schreibt neu: der Fluss, die Flüsse; es passt, passend; wässrig, wässerig (bisher: der Fluß, aber die Flüsse; es paßt, aber passend; wäßrig, aber wässerig). Die Erleichterung, die mit dieser Lösung angestrebt wird, besteht darin, dass in mehr Fällen als bisher die Schreibung aus der Lautung abgeleitet werden kann: das Floß – es floss; der Ruß – der Schluss; das Maß – das Fass. In der Schweiz bleibt es bei der bisherigen Regelung, nach der ß im Allgemeinen nicht verwendet wird. Für die Schreibung von Eigennamen wie Personennamen und geografischen Namen gelten im Allgemeinen amtlich festgelegte Schreibungen, die den Rechtschreibregeln nicht entsprechen müssen: Uli Hoeneß (Manager des FC Bayern München), Haßloch (Ort in Rheinland-Pfalz).
    Quelle: Duden

  45. Die Streitereien um das ß, eines der formschönsten und für die deutsche Sprache (ohne Schweiz, ohne Österreich) kennzeichnensten Buchstaben, ist albern und oftmals sehr entlarvend für den Zustand des Hinterbaus im Oberstübchen. Ich bin absolut ein Fan der »alten« Rechtschreibung, nicht nur wegen dem ß sondern auch wegen Vielfältigkeit, die mit der neuen Regelung nicht mehr möglich ist. Die alte Rechtschreibung kann man als Designsprache titulieren, da viele Wortformen wie zum Beispiel »Flußschiffahrt« (mit zwei statt drei f) mit der Intention entstanden, im Wortverbund schön auszusehen. Wie sieht den Flussschifffahrt aus? Zum Brechen. Pardon, doch es ist ja so. Sowas akzeptieren doch nur Sekretärinnen und Verwaltungsbeamte. Also warum führen ausgerechnet Designer solche Grabenkämpfe darüber?

    Dann diese Inflation des »ss«. Haarsträubend. Sind wir den bei der gleichnamigen? Oder diese „Verwechslung“ von »aufgrund« und »auf Grund«. „Das wird jetzt so geschrieben. Ich hab einen Kurs belegt“, bellt es trotzig zurück. Dann kann es vorher nicht gut bestellt gewesen sein mit der Sprachkompetenz.

    Niemand ist verpflichtet – außer Schulen und Ämter! – die neue Schreibweise zu benutzen, aber wir tun leider so Obrigkeitshörig wie eh und je und werden dem urdeutschen Klischee immer wieder auf’s Neue gerecht. Es gibt in Europa kein Volk, das dermaßen schlampig mit seiner Sprachkunst umgeht. Außer den Schweizern, aber die haben sowieso keinerlei „echte“ Kunst zu bieten. Ihr Design ist trocken, die Helvetica langweilig und sprechen können sie auch nicht richtig. Nichts gegen die Schweizer als Menschen, sind echt nette Leute, aber Goethe und Schiller kommen aus Deutschland.

    Die Franzosen bspw. verbitten sich jegliche Degradierung Ihres Wortschatzes, in dem sie Anglizismen per Dekret verbieten. Die legen auf saubere Umgangssprache einfach sehr viel Wert. Das kennzeichnet deren Nationalgefühl. Und das ist doch etwas, was wir Deutsche sehr bewundern. Oder nicht?

    Es ist wahrscheinlich niemand wirklich aufgefallen, daß genau die Dinge geändert wurden, die der Lehrer früher im Diktat rot anstrich. Heute ist es korrekt. Man kann also schreiben, wie man will; Kommas weglassen, trennen und zusammenschreiben, wie man gerade lustig ist. Das nennt sich Fortschritt (wir sind ja auch vom öffentlich rechtlichen TV zu RTL „aufgestiegen“).

    Sprache bzw. die Beherrschung dessen kennzeichnet den Absender. Wenn mir z. B. einer im korrekten Deutsch, mit korrekter Interpunktion und Satzbau eine Bewerbung schickt, weiß ich, daß dieser Mensch mehr auf dem Kasten hat, als einer, der sich mit der neuen Mac Donalds Fastfoodsprache zufrieden gibt. Weil er sich Gedanken macht um seine Wirkung.

    Was dieses Versal-ß betrifft: Unnötig. Paßt auch nicht in die Satzbau. Wir haben eine eingebürgerte Sichtweise auf Doppel-S im Versalsatz. Das andere wurde seit jeher als typographischer Fehler geahndet. Jetzt soll es auf einmal funktionieren? Ich glaube nicht daran. Und wir brauchen es auch nicht.

  46. Fred:

    „ohne Österreich“: natürlich haben auch wir das ß.
    „Außer den Schweizern“: was ist denn das :)

    „Wir haben eine eingebürgerte Sichtweise auf Doppel-S im Versalsatz.“
    Da beißt sich die Argumentation in den Schwanz. Zuvor beklagst du dich, dass sich alle möglichen Schreibweisen eingebürgert haben und diese dann zur offiziellen Rechtschreibung erhoben wurden (bzw. die theoretische Beschreibung der deutschen Sprache der Praxis angepasst wurde). Und hier argumentierst du, ein Versal-ß kann nicht funktionieren, weil sich die SS-Schreibweise längst eingebürgert hat?

  47. Umso besser für Österreich, Sebastian.

    Und meine Argumentation ist nicht falsch, denn ein Versal-ß paßt von seiner Formgebung her nicht in die Versalreihe. Das meinte ich damit. Das ß ist ein Kleinbuchstabe im Sinne der Form und der Funktion. Das sich das im Versalsatz, besonders bei meinem angeführten Bsp. mit der FLUSSSCHIFFAHRT, beißt, ist verständlich.

    Vielleicht rührt daher der ganze Trubel – im Sinne des Flügelschlags eines Schmetterlings, der den Sturm auslöst.

  48. Und noch mal zum mitschreiben…

    Der Buchstabe ß hat NICHTS unter den Großbuchstaben verloren!

    Raus damit! Das man sich echt über so nen Schwachsinn unterhalten muss…

  49. Das ß ist ein Kleinbuchstabe im Sinne der Form …

    Ja, deswegen muss eine passende Versalform her.

    … und der Funktion.

    Und genau DAS ist der Knackpunkt. Wie kann es sein, dass ein Buchstabe in den Minuskeln eine distinkte Funktion hat, aber im Versalsatz nicht!? Aktuell werden einerseits über 10.000 deutsche Eigennamen im Versalsatz verstümmelt und andererseits verlangt die aktuelle Rechschreibung vermeintlich, dass man ein Wort anders aussprechen müsste, je nachdem ob es in Klein- oder Großbuchstaben gesetzt wird (Fußball/FUSSBALL).
    Die Notlösungen zu dieser Lücke im Alphabet waren schon immer fragwürdig – nach der Rechtschreibreform sind sie unerträglich geworden und verlangen eine rasche Lösung.

  50. Hallo Ralf, es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Einen Standpunkt einnehmen – »Neue Rechtschreibung gibt es bei mir nicht«. Problem gelöst.

    Als ich 1990 meine Ausbildung als Maler und Lackierer begann, hatte ich das große Glück einen Schriftmaler als Ausbilder zu kriegen. Ein Typograph vom Kaliber eines Hermann Zapf. Im Ernst. Der kalligraphierte Buchstaben mit dem Pinsel. Freihand. Damals war auch ein Schneideplotter sehr teuer (40000 DM), also wurden bei uns die Buchstaben (z.B. eines Logos) auf Folie konstruiert und freihändig ausgeschnitten. Ich finde, so erhält man ein ein unerhört großartiges Formgefühl für Typographie. Das hilft immens, wenn man heute am Mac mit Illustrator Buchstaben konstruiert. Man weiß instinktiv, wie sie auf Papier funktionieren könnten.

    Aber was hat das mit dem Versal-ß zu tun? Nun, wenn man merkt, daß etwas nicht geht, sollte man es nicht weiter erzwingen. Die Diskussion über diese Form ist uralt und es gab bisher keine zufriedenstellende Lösung. Und die hier von Achim gezeigte ist auch keine. Es gibt keinen Weg, die Minuskelform in eine Versalform zu übertragen, ohne daß ein Zwitterwesen entsteht, eins, daß nirgends mehr zugehörig erscheint bzw. als Störfaktor wahrgenommen wird.

    Es gibt Alphabete, die auf Minuskelformen basieren. Die UNIF zum Beispiel. Hier werden Minuskeln und Versalien vereinheitlicht zwecks köheräntem Schriftbild. Doch das sind mehr oder weniger Experimente bzw. Spielereien, mit denen man keinen normalen Fließtext setzen kann. Und darauf kommt es ja an. Somit wird das Versal-ß nie funktionieren!

    Seit der Rechtschreibreform ist das allgemeine Sprachbild in Deutschland in Magazinen, Fernsehen und im Internet auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abgesunken. Ich kenne ad-hoc keinen, der in der alten Rechtschreibung schreibt. Auf die Frage nach dem Warum, erhält man als Antwort, daß der Spellchecker von Word die Worte „korrigiert“. Ein Versal-ß sehe ich daher als das berühmte i-Tüpfelchen auf diese Entwicklung.

  51. Hallo Ralf, es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Einen Standpunkt einnehmen – »Neue Rechtschreibung gibt es bei mir nicht«. Problem gelöst.

    Ich respektiere diese Standpunkt. Aber es ist ein Standpunkt einzelner – und sie werden mit dieser selbst aufersetzten Abgrenzung irgendwann ins Grabe fahren und kein Hahn wird danach krähen. Die Rechtschreibreform ist vollzogen und das Rad wird nicht zurückgedreht werden.

    Es gibt keinen Weg, die Minuskelform in eine Versalform zu übertragen, ohne daß ein Zwitterwesen entsteht, eins, daß nirgends mehr zugehörig erscheint bzw. als Störfaktor wahrgenommen wird.

    Ich kann darauf nur wiederholen, was ich schon auf verschiedenen Webseiten geschrieben habe: Unser Alphabet besteht aus Darstellungen eines Stierkopfes, eines Hauses, eines Kamels, einer Zelttür usw. Wie kann man da behaupten, bestimmte Formen könne es nicht geben? Das ist viel zu kurz gedacht. Mag sein, die aktuellen Gestaltungen des Versaleszetts sind noch nicht perfekt – vielleicht müssen sie so aussehen, damit sich die Anwender daran gewöhnen können. In der Handschrift haben sich Buchstaben ganz von allein »abgeschliffen«. Das passiert auch indirekt bei Druckbuchstaben. Sollte der Buchstabe angenommen werden, wird er seine perfekte Form über kurz oder lang finden. Für jene, die mit diesem Buchstaben aufwachsen werden, wird er dann so selbstverständlich sein, wie jeder andere Buchstabe auch.
    Der »Störfaktor« ist allein darin begründet, dass wir den Buchstaben noch nicht gewöhnt sind. Unsere Umlaute sind zum Beispiel von ihrer Geschichte her auch so ein Versal-Minuskel-Bastard. Aber da wir alle damit aufgewachsen sind, würde niemand auf die Idee kommen, sie in Frage zu stellen.

  52. Ich wiederhole mich zwar, aber eine Ligatur zweier Kleinbuchstaben kann man nicht einfach mal zu einem Großbuchstaben machen!

    Was soll denn darauf noch folgen? Der große Doppelpunkt, das Versal-@ oder das versale Et? Man kann es wirklich auch massiv übertreiben und das wurde hier gemacht! Armes ß! Ohne Rücksicht auf die Entwicklung des eigentlichen Buchstaben wurde ihm eine versale Form eingeprügelt! Friss oder stirb, sei jetzt verdammt noch mal ein Standard. Jeder Schriftsetzer dreht sich sonstwo um und Gutenberg ist wahrscheinlich nur noch am rotieren!

    Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Menschen wie Kobayashi, Zapf und Co sich weigern werden solchen Unsinn auch nur in die Nähe einer Schrift zu lassen!

  53. aber eine Ligatur zweier Kleinbuchstaben kann man nicht einfach mal zu einem Großbuchstaben machen!

    Komisch, über Großbuchstaben-Umlaute, die aus Kleinbuchstabenligaturen entstanden sind, beschwert sich niemand. Doch nur reine Gewöhnung, oder?

    Was soll denn darauf noch folgen? Der große Doppelpunkt, das Versal-@ …

    Diese Zeichen sind von einem Case-Folding nicht betroffen. Das Eszett schon.

    Jeder Schriftsetzer dreht sich sonstwo um und Gutenberg ist wahrscheinlich nur noch am rotieren!

    Gerade diese Leute sollten wissen, dass Schrift eine dienende Kunst ist, die sich den Umständen anpassen muss. Das ist ein Prinzip, dass seit tausenden Jahren gilt und funktioniert.

    Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Menschen wie Kobayashi, Zapf und Co sich weigern werden solchen Unsinn auch nur in die Nähe einer Schrift zu lassen!

    Da könntest du Recht haben. Die »ältere Generation« tut sich immer schwerer mit Reformen (vgl. Rechschreibreform). Aber das ändert nichts daran, dass für zukünftige Generationen die aktuelle Rechtschreibung oder ein Zeichensatz mit Versaleszett die normalste Sache der Welt sein werden. Ob einige Altmeister das mögen oder nicht.

  54. Großbuchstaben sind definitiv nicht aus Kleinbuchstaben-Ligaturen entstanden!! Soweit ich das weiß, wurde an die normale Versal-Form einfach ein Kleinbuchstaben gehängt: A + e = Ä. Durch Vereinfachung und die Zeit wurden aus dem e zwei Punkte!

  55. Wir bei uns in Leißnitz (Niederlausitz, Brandenburg) regen uns nicht darüber auf ob nun Leißnitz, Leissnitz oder LEISSNITZ. Aber LEIßNITZ hat noch keiner geschrieben…

    Ich denke es wird vorerst eine ganze Weile dauern, bis sich das große ß durchsetzt. 1. Neugestaltung (Einbindung) von Schriften und 2. die “fehlerhafte” deutsche Tastatur.

  56. Ich finde das ß als Versalie ist ein Witz. Es gehört nicht angewendet. Ich fände es durchaus nachahmenswert, was (glaube ich) in Österreich oder der Schweiz noch vorkommen soll, die Verwendung der Kombination SZ als Surrogat für das ß in Versalzeilen. Oder wie wäre es mit einer SZ-Ligatur wenn man schon unbedingt so was braucht. Ich selbst bevorzuge noch immer und für immer das SS. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

  57. Ein langes s, das unbestritten den linken Teil der Ligatur ß bildet, ist ein Kleinbuchstabe und wird immer einer bleiben. Seine große Version sieht so aus: S. Auch ein “großes” ß in einer Versalreihe bleibt ein Zwiebelfisch und stinkt.

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