Start Typographie

Das große Eszett ist da

80

Versaleszett

Im Zusammenhang mit der Frage: Was ist typisch deutsches Design? ist sicherlich auch der folgende Artikel und nachfolgende Link-Tipp interessant, die sich mit dem Eszett beschäftigen, DEM typisch deutschen Buchstaben. Der Großbuchstabe wurde nun in die internationalen Zeichensätze ISO-10646 und Unicode 5.1 aufgenommen.

Das bedeutet erst einmal Arbeit für viele Schriftgestalter, die nun ihre Fonts erweitern dürfen. Sofern dann ein Font auch die Majuskelvariante bietet, kann jeder Designer selbst entscheiden, ob er weiterhin SS als Großbuchstaben wählt, wie es auch nach der Normung die korrekte Rechtschreibregel bleibt, oder ob er lieber dem ß zu einem Comeback verhelfen möchte, was nicht nur grammatisch ebenfalls korrekt wäre sondern auch stilistisch, zumindest am Anfang der Umstellung, für einen Hingucker sorgen dürfte.

Mich hat schon immer die Widersprüchlichkeit der Rechtschreibreform in Bezug auf ein SS z.B. in STRASSE, MASSE oder in LITFASSSÄULE gestört, insofern freue ich mich sehr über die Wiederbelebung des großen Eszett.

Jetzt müssen nur noch die Tastaturhersteller nachziehen.

Auch interesssant

80 Kommentare

  1. Hallo??!
    Spinnen jetzt wirklich alle?

    Das ß oder auch sZ genannt hat NICHTS aber auch garnichts unter den Großbuchstaben verloren! Ich kann nur hoffen dass die meisten designer diesen schwachsinn nicht mitmachen werden!

  2. @Achim: naja, wenn in einer Anzeige schon “Facts” statt “Fakten” und “News” statt “Neuigkeiten” steht, dann würde ich die Setzer/Texter/Designer auch nur bedingt ernst nehmen.

  3. Haha, “Strauchdieb” ist schön gesagt, Achim. So kommt es rüber, als wenn der Buchstabe kommt um uns was wegzunehmen. Wird er bestimmt nicht, aber auch wenig Nutzen zeigen können, da ihn die wenigsten nutzen werden.

    Das mit dem Flyer versteh ich nur bedingt. Fußball mit ss ist schlichtweg falsch aber nix mit Versal-ß. Könnte man als peinlich bezeichnen, meine Theorie wäre, es gab keins im Fontset :)

    Illustrator mit dem 3er-Zaun vorneweg wie im Adobe Splash-Screen?

  4. Ich bin ein großer Fan des ß.
    Als Großbuchstabe sieht’s allerdings wirklich etwas seltsam aus. Übrigens ist von der Tatsache, dass es jetzt technisch ein großes ß gibt, nicht die Rechtschreibung betroffen. Die aktuelle Rechtschreibung besagt nämlich weiterhin, dass ein ß in groß geschriebenen Wörtern zum SS wird.

    Das ist aber ja nun eine Kleinigkeit gegenüber der rüden Behandlung des ß in der deutschen Sprache; insbesondere der öffentlichen Kommunikation. Da ist “Fussball” leider kein Einzelfall.

  5. Zur s-Schreibung

    In Zukunft soll ß nur noch nach langem Vokal und nach Diphthong (Doppellaut) stehen. Man schreibt also weiterhin: das Maß – des Maßes; außen; gießen – er gießt. Nach kurzem Vokal soll hingegen nur noch Doppel-s stehen (bisher stand hier je nach dem folgenden Buchstaben teils ss, teils ß). Man schreibt neu: der Fluss, die Flüsse; es passt, passend; wässrig, wässerig (bisher: der Fluß, aber die Flüsse; es paßt, aber passend; wäßrig, aber wässerig). Die Erleichterung, die mit dieser Lösung angestrebt wird, besteht darin, dass in mehr Fällen als bisher die Schreibung aus der Lautung abgeleitet werden kann: das Floß – es floss; der Ruß – der Schluss; das Maß – das Fass. In der Schweiz bleibt es bei der bisherigen Regelung, nach der ß im Allgemeinen nicht verwendet wird. Für die Schreibung von Eigennamen wie Personennamen und geografischen Namen gelten im Allgemeinen amtlich festgelegte Schreibungen, die den Rechtschreibregeln nicht entsprechen müssen: Uli Hoeneß (Manager des FC Bayern München), Haßloch (Ort in Rheinland-Pfalz).
    Quelle: Duden

  6. Die Streitereien um das ß, eines der formschönsten und für die deutsche Sprache (ohne Schweiz, ohne Österreich) kennzeichnensten Buchstaben, ist albern und oftmals sehr entlarvend für den Zustand des Hinterbaus im Oberstübchen. Ich bin absolut ein Fan der »alten« Rechtschreibung, nicht nur wegen dem ß sondern auch wegen Vielfältigkeit, die mit der neuen Regelung nicht mehr möglich ist. Die alte Rechtschreibung kann man als Designsprache titulieren, da viele Wortformen wie zum Beispiel »Flußschiffahrt« (mit zwei statt drei f) mit der Intention entstanden, im Wortverbund schön auszusehen. Wie sieht den Flussschifffahrt aus? Zum Brechen. Pardon, doch es ist ja so. Sowas akzeptieren doch nur Sekretärinnen und Verwaltungsbeamte. Also warum führen ausgerechnet Designer solche Grabenkämpfe darüber?

    Dann diese Inflation des »ss«. Haarsträubend. Sind wir den bei der gleichnamigen? Oder diese „Verwechslung“ von »aufgrund« und »auf Grund«. „Das wird jetzt so geschrieben. Ich hab einen Kurs belegt“, bellt es trotzig zurück. Dann kann es vorher nicht gut bestellt gewesen sein mit der Sprachkompetenz.

    Niemand ist verpflichtet – außer Schulen und Ämter! – die neue Schreibweise zu benutzen, aber wir tun leider so Obrigkeitshörig wie eh und je und werden dem urdeutschen Klischee immer wieder auf’s Neue gerecht. Es gibt in Europa kein Volk, das dermaßen schlampig mit seiner Sprachkunst umgeht. Außer den Schweizern, aber die haben sowieso keinerlei „echte“ Kunst zu bieten. Ihr Design ist trocken, die Helvetica langweilig und sprechen können sie auch nicht richtig. Nichts gegen die Schweizer als Menschen, sind echt nette Leute, aber Goethe und Schiller kommen aus Deutschland.

    Die Franzosen bspw. verbitten sich jegliche Degradierung Ihres Wortschatzes, in dem sie Anglizismen per Dekret verbieten. Die legen auf saubere Umgangssprache einfach sehr viel Wert. Das kennzeichnet deren Nationalgefühl. Und das ist doch etwas, was wir Deutsche sehr bewundern. Oder nicht?

    Es ist wahrscheinlich niemand wirklich aufgefallen, daß genau die Dinge geändert wurden, die der Lehrer früher im Diktat rot anstrich. Heute ist es korrekt. Man kann also schreiben, wie man will; Kommas weglassen, trennen und zusammenschreiben, wie man gerade lustig ist. Das nennt sich Fortschritt (wir sind ja auch vom öffentlich rechtlichen TV zu RTL „aufgestiegen“).

    Sprache bzw. die Beherrschung dessen kennzeichnet den Absender. Wenn mir z. B. einer im korrekten Deutsch, mit korrekter Interpunktion und Satzbau eine Bewerbung schickt, weiß ich, daß dieser Mensch mehr auf dem Kasten hat, als einer, der sich mit der neuen Mac Donalds Fastfoodsprache zufrieden gibt. Weil er sich Gedanken macht um seine Wirkung.

    Was dieses Versal-ß betrifft: Unnötig. Paßt auch nicht in die Satzbau. Wir haben eine eingebürgerte Sichtweise auf Doppel-S im Versalsatz. Das andere wurde seit jeher als typographischer Fehler geahndet. Jetzt soll es auf einmal funktionieren? Ich glaube nicht daran. Und wir brauchen es auch nicht.

  7. Fred:

    „ohne Österreich“: natürlich haben auch wir das ß.
    „Außer den Schweizern“: was ist denn das :)

    „Wir haben eine eingebürgerte Sichtweise auf Doppel-S im Versalsatz.“
    Da beißt sich die Argumentation in den Schwanz. Zuvor beklagst du dich, dass sich alle möglichen Schreibweisen eingebürgert haben und diese dann zur offiziellen Rechtschreibung erhoben wurden (bzw. die theoretische Beschreibung der deutschen Sprache der Praxis angepasst wurde). Und hier argumentierst du, ein Versal-ß kann nicht funktionieren, weil sich die SS-Schreibweise längst eingebürgert hat?

  8. Umso besser für Österreich, Sebastian.

    Und meine Argumentation ist nicht falsch, denn ein Versal-ß paßt von seiner Formgebung her nicht in die Versalreihe. Das meinte ich damit. Das ß ist ein Kleinbuchstabe im Sinne der Form und der Funktion. Das sich das im Versalsatz, besonders bei meinem angeführten Bsp. mit der FLUSSSCHIFFAHRT, beißt, ist verständlich.

    Vielleicht rührt daher der ganze Trubel – im Sinne des Flügelschlags eines Schmetterlings, der den Sturm auslöst.

  9. Und noch mal zum mitschreiben…

    Der Buchstabe ß hat NICHTS unter den Großbuchstaben verloren!

    Raus damit! Das man sich echt über so nen Schwachsinn unterhalten muss…

  10. Das ß ist ein Kleinbuchstabe im Sinne der Form …

    Ja, deswegen muss eine passende Versalform her.

    … und der Funktion.

    Und genau DAS ist der Knackpunkt. Wie kann es sein, dass ein Buchstabe in den Minuskeln eine distinkte Funktion hat, aber im Versalsatz nicht!? Aktuell werden einerseits über 10.000 deutsche Eigennamen im Versalsatz verstümmelt und andererseits verlangt die aktuelle Rechschreibung vermeintlich, dass man ein Wort anders aussprechen müsste, je nachdem ob es in Klein- oder Großbuchstaben gesetzt wird (Fußball/FUSSBALL).
    Die Notlösungen zu dieser Lücke im Alphabet waren schon immer fragwürdig – nach der Rechtschreibreform sind sie unerträglich geworden und verlangen eine rasche Lösung.

  11. Hallo Ralf, es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Einen Standpunkt einnehmen – »Neue Rechtschreibung gibt es bei mir nicht«. Problem gelöst.

    Als ich 1990 meine Ausbildung als Maler und Lackierer begann, hatte ich das große Glück einen Schriftmaler als Ausbilder zu kriegen. Ein Typograph vom Kaliber eines Hermann Zapf. Im Ernst. Der kalligraphierte Buchstaben mit dem Pinsel. Freihand. Damals war auch ein Schneideplotter sehr teuer (40000 DM), also wurden bei uns die Buchstaben (z.B. eines Logos) auf Folie konstruiert und freihändig ausgeschnitten. Ich finde, so erhält man ein ein unerhört großartiges Formgefühl für Typographie. Das hilft immens, wenn man heute am Mac mit Illustrator Buchstaben konstruiert. Man weiß instinktiv, wie sie auf Papier funktionieren könnten.

    Aber was hat das mit dem Versal-ß zu tun? Nun, wenn man merkt, daß etwas nicht geht, sollte man es nicht weiter erzwingen. Die Diskussion über diese Form ist uralt und es gab bisher keine zufriedenstellende Lösung. Und die hier von Achim gezeigte ist auch keine. Es gibt keinen Weg, die Minuskelform in eine Versalform zu übertragen, ohne daß ein Zwitterwesen entsteht, eins, daß nirgends mehr zugehörig erscheint bzw. als Störfaktor wahrgenommen wird.

    Es gibt Alphabete, die auf Minuskelformen basieren. Die UNIF zum Beispiel. Hier werden Minuskeln und Versalien vereinheitlicht zwecks köheräntem Schriftbild. Doch das sind mehr oder weniger Experimente bzw. Spielereien, mit denen man keinen normalen Fließtext setzen kann. Und darauf kommt es ja an. Somit wird das Versal-ß nie funktionieren!

    Seit der Rechtschreibreform ist das allgemeine Sprachbild in Deutschland in Magazinen, Fernsehen und im Internet auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abgesunken. Ich kenne ad-hoc keinen, der in der alten Rechtschreibung schreibt. Auf die Frage nach dem Warum, erhält man als Antwort, daß der Spellchecker von Word die Worte „korrigiert“. Ein Versal-ß sehe ich daher als das berühmte i-Tüpfelchen auf diese Entwicklung.

  12. Hallo Ralf, es gibt eine einfache Lösung für dieses Problem: Einen Standpunkt einnehmen – »Neue Rechtschreibung gibt es bei mir nicht«. Problem gelöst.

    Ich respektiere diese Standpunkt. Aber es ist ein Standpunkt einzelner – und sie werden mit dieser selbst aufersetzten Abgrenzung irgendwann ins Grabe fahren und kein Hahn wird danach krähen. Die Rechtschreibreform ist vollzogen und das Rad wird nicht zurückgedreht werden.

    Es gibt keinen Weg, die Minuskelform in eine Versalform zu übertragen, ohne daß ein Zwitterwesen entsteht, eins, daß nirgends mehr zugehörig erscheint bzw. als Störfaktor wahrgenommen wird.

    Ich kann darauf nur wiederholen, was ich schon auf verschiedenen Webseiten geschrieben habe: Unser Alphabet besteht aus Darstellungen eines Stierkopfes, eines Hauses, eines Kamels, einer Zelttür usw. Wie kann man da behaupten, bestimmte Formen könne es nicht geben? Das ist viel zu kurz gedacht. Mag sein, die aktuellen Gestaltungen des Versaleszetts sind noch nicht perfekt – vielleicht müssen sie so aussehen, damit sich die Anwender daran gewöhnen können. In der Handschrift haben sich Buchstaben ganz von allein »abgeschliffen«. Das passiert auch indirekt bei Druckbuchstaben. Sollte der Buchstabe angenommen werden, wird er seine perfekte Form über kurz oder lang finden. Für jene, die mit diesem Buchstaben aufwachsen werden, wird er dann so selbstverständlich sein, wie jeder andere Buchstabe auch.
    Der »Störfaktor« ist allein darin begründet, dass wir den Buchstaben noch nicht gewöhnt sind. Unsere Umlaute sind zum Beispiel von ihrer Geschichte her auch so ein Versal-Minuskel-Bastard. Aber da wir alle damit aufgewachsen sind, würde niemand auf die Idee kommen, sie in Frage zu stellen.

  13. Ich wiederhole mich zwar, aber eine Ligatur zweier Kleinbuchstaben kann man nicht einfach mal zu einem Großbuchstaben machen!

    Was soll denn darauf noch folgen? Der große Doppelpunkt, das Versal-@ oder das versale Et? Man kann es wirklich auch massiv übertreiben und das wurde hier gemacht! Armes ß! Ohne Rücksicht auf die Entwicklung des eigentlichen Buchstaben wurde ihm eine versale Form eingeprügelt! Friss oder stirb, sei jetzt verdammt noch mal ein Standard. Jeder Schriftsetzer dreht sich sonstwo um und Gutenberg ist wahrscheinlich nur noch am rotieren!

    Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Menschen wie Kobayashi, Zapf und Co sich weigern werden solchen Unsinn auch nur in die Nähe einer Schrift zu lassen!

  14. aber eine Ligatur zweier Kleinbuchstaben kann man nicht einfach mal zu einem Großbuchstaben machen!

    Komisch, über Großbuchstaben-Umlaute, die aus Kleinbuchstabenligaturen entstanden sind, beschwert sich niemand. Doch nur reine Gewöhnung, oder?

    Was soll denn darauf noch folgen? Der große Doppelpunkt, das Versal-@ …

    Diese Zeichen sind von einem Case-Folding nicht betroffen. Das Eszett schon.

    Jeder Schriftsetzer dreht sich sonstwo um und Gutenberg ist wahrscheinlich nur noch am rotieren!

    Gerade diese Leute sollten wissen, dass Schrift eine dienende Kunst ist, die sich den Umständen anpassen muss. Das ist ein Prinzip, dass seit tausenden Jahren gilt und funktioniert.

    Bleibt zu hoffen, dass wenigstens Menschen wie Kobayashi, Zapf und Co sich weigern werden solchen Unsinn auch nur in die Nähe einer Schrift zu lassen!

    Da könntest du Recht haben. Die »ältere Generation« tut sich immer schwerer mit Reformen (vgl. Rechschreibreform). Aber das ändert nichts daran, dass für zukünftige Generationen die aktuelle Rechtschreibung oder ein Zeichensatz mit Versaleszett die normalste Sache der Welt sein werden. Ob einige Altmeister das mögen oder nicht.

  15. Großbuchstaben sind definitiv nicht aus Kleinbuchstaben-Ligaturen entstanden!! Soweit ich das weiß, wurde an die normale Versal-Form einfach ein Kleinbuchstaben gehängt: A + e = Ä. Durch Vereinfachung und die Zeit wurden aus dem e zwei Punkte!

  16. Wir bei uns in Leißnitz (Niederlausitz, Brandenburg) regen uns nicht darüber auf ob nun Leißnitz, Leissnitz oder LEISSNITZ. Aber LEIßNITZ hat noch keiner geschrieben…

    Ich denke es wird vorerst eine ganze Weile dauern, bis sich das große ß durchsetzt. 1. Neugestaltung (Einbindung) von Schriften und 2. die “fehlerhafte” deutsche Tastatur.

  17. Ich finde das ß als Versalie ist ein Witz. Es gehört nicht angewendet. Ich fände es durchaus nachahmenswert, was (glaube ich) in Österreich oder der Schweiz noch vorkommen soll, die Verwendung der Kombination SZ als Surrogat für das ß in Versalzeilen. Oder wie wäre es mit einer SZ-Ligatur wenn man schon unbedingt so was braucht. Ich selbst bevorzuge noch immer und für immer das SS. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

  18. Ein langes s, das unbestritten den linken Teil der Ligatur ß bildet, ist ein Kleinbuchstabe und wird immer einer bleiben. Seine große Version sieht so aus: S. Auch ein “großes” ß in einer Versalreihe bleibt ein Zwiebelfisch und stinkt.

Kommentieren

Folgende HTML-Elemente können verwendet werden: <b> <i> <img src> <a> <blockquote>