Mecklenburg-Vorpommern modifiziert Landesmarke

MV tut gut Logo, Quelle: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern präsentiert sich seit Kurzem mit modifiziertem Markenauftritt. Mit der Auffrischung trage man der guten Entwicklung der letzten Jahre in Mecklenburg-Vorpommern Rechnung, wie es seitens der Staatskanzlei des Landes heißt.

Seit mehr als zwanzig Jahren verfügt Mecklenburg-Vorpommern über eine Landesmarke, die sowohl im Rahmen der Bewerbung touristischer Angebote zur Anwendung kommt wie auch als hoheitliches Zeichen als Absender der Landesregierung fungiert. Nun wurde die Landesmarke überarbeitet.

Der aufgefrischte Markenauftritt mache die „Modernität, Offenheit, Ideenreichtum und Dynamik im Land“ sichtbar, wie es in den von der Staatskanzlei veröffentlichten FAQ zum Redesign heißt. Bewusst habe man sich entschieden das Logo zu überarbeiten, anstatt es gänzlich auszuwechseln. Marktforschungsergebnisse hätten ergeben, dass die bisherige Landesmarke hohe identitätsstiftende Wirkung habe. Insbesondere für die Anwendung in digitalen Medien sei die als starr angesehene Gestaltung jedoch nicht mehr zeitgemäß. Deshalb habe man sich für eine Überarbeitung und Vereinfachung des Designs entschlossen.

Mecklenburg-Vorpommern Logo – vorher und nachher, Bildquelle: Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern, Bildmontage: dt

Mecklenburg-Vorpommern Logo – vorher und nachher

Der ebenfalls seit vielen Jahren im Einsatz befindliche Slogan „MV tut gut“ bleibt erhalten und tritt im neuen Logo, nunmehr in einer Antiqua-Schrift gesetzt, stärker in den Vordergrund. Im neuen Logo wird anstelle des ausgeschrieben Landesnamens Mecklenburg-Vorpommern zudem lediglich die Abkürzung „MV“ dargestellt. Die Bildmarke, eine simple rechteckige, vierfarbig angelegte Landschaftsdarstellung, verliert im Zuge des Redesigns ihren illustrativen Charakter. Die Staatskanzlei erklärt, das neue, vereinfachte Design stehe „für das moderne MV, das seine Traditionen bewahrt und die Zukunft anpackt.“

Zeitgleich mit der Einführung der modifizierten Landesmarke hat die Staatskanzlei neue Kampagnenmotive veröffentlicht, die dazu dienen sollen, Mecklenburg-Vorpommern als attraktiven Ort zum Leben, Arbeiten und Urlaub zu positionieren.

Kommentar

Anders, aber nicht besser. Der illustrative Stil verlieh der ohnehin wenig einfallsreichen Bildmarke mit Allerwelts-Landschaftsidylle wenigstens noch eine Spur Eigenständigkeit. Das neue, vereinfachte Signet ist sowohl in Bezug auf Farbgebung wie Form nun völlig generisch. Trotz frischer Farben ist das Bildelement eine seelenlose Kachel.

Es ist richtig: Der Name „Mecklenburg-Vorpommern“ ist nicht eben kurz. Die Staatskanzlei erklärt, die Verkürzung auf „MV“ erlaube eine bessere Verwendung/Darstellung in digitalen Medien. Dem Argument kann man durchaus folgen. Rein technisch gesehen mag das neue Logo Vorteile bringen: es ist nun kompakter und lässt sich damit flexibler in Medien integrieren. Das „MV“ springt dadurch stärker in Auge. Die bessere Handhabbarkeit geht allerdings auf Kosten des Ausdrucks und der Individualität. Das Ergebnis wirkt nüchtern und steril.

Wenn in der lokalen Presse über Kommunikationsdesign geschrieben wird, treten Sachargumente leider allzu oft in den Hintergrund. Positiv fällt hingegen die im Nordkurier erschienene faire und gut begründete Kritik am neuen MV-Logo auf, in der ebenfalls die Beliebigkeit der neuen Formensprache bemängelt wird.

Als Absender einer Tourismusmarke könnte das neue Zeichen mit viel gutem Willen noch durchgehen. Als Absender einer Landesregierung, und damit als hoheitliches Zeichen, ist dieses Konstrukt bestehend aus zwei Buchstaben, einer generischen Farbkachel und einem Claim, ungeeignet. Zu allem Überfluss, als wären dies nicht schon genügend Elemente, wird im Umfeld des Landesportals das Logo auch noch um den ausgeschriebenen Landesnamen ergänzt (siehe Screenshot).

In ein paar Jahren, so denke ich, wird man noch einmal Hand anlegen (müssen). Mit einer Auffrischung des Logos , das zeigt sich jetzt, ist es nicht getan. Was es bräuchte, wäre eine ganzheitliches Markenkonzept; eine Markenarchitektur (wie sie Bremen/Bremerhaven beispielsweise haben), in der sich die unterschiedlichen Anforderungen, Funktionen und Kommunikationsausrichtungen von Regierungsmarke und Tourismusmarke widerspiegelten. Ein stimmiges Gesamtkonzept würde MV gut tun.

Mediengalerie

 

13 Kommentare zu “Mecklenburg-Vorpommern modifiziert Landesmarke

  1. Die austauschbare Kachel in Verbindung mit der Abkürzung, die auch noch auf “V” endet, weckt bei mir sofort die Assoziation, dass es sich hier um einen städtischen Verkehrs- oder Versorgungsbetrieb handeln muss. Gerade bei den Anzeigen, die auch noch sehr beliebige Motive verwenden, empfinde ich das extrem. Da wäre ein ausgefalleneres, emotionaleres Logo vielleicht doch die bessere Wahl gewesen …

  2. Ich kann mich nur anschließen. Und ergänze mein “kopfschütteln” bezgl. der Kampagne. Auch hier fehlt jedes Alleinstellungsmerkmal. Text auf Bild hat soviele Grenzen bei der Umsetzung und ist gerade für Laien (wenn mal eine Vorlage InHouse umgesetzt werden soll) eine absolute Herausforderung, die eigentlich nicht bewältigt werden kann.

  3. Ich dachte zunächst an eine Versicherung. Oder Butter.

    Die Kachel könnte für alles stehen. Die Gestaltung mit den Bildern finde ich furchtbar generisch.

    Man tippe nur mal Mecklenburg-Vorpommern in die Bilder-Suche ein. Dünengras, Sand, Möwen, Seenlandschaften, Backfischbrötchen. Man riecht und spürt es förmlich. Bei dem Logo spüre ich gar nichts. Kein Gefühl, keine emotionale Berührung, keine Bezug zu MV.

    Und jetzt lese ich, nach erstem Überfliegen des Artikels, dass es sich gar nicht um ein Tourismuslogo handelt, sondern um ein Logo des Landes. Da bin ich gleich ein zweites Mal enttäuscht.

  4. „Verschlimmbessert“ trifft es wohl am besten. Und leider leider hat das Land MV mit diesem Redesign die Chance vertan, seine Stärken visuell noch besser auszuspielen als es das bisher tat.

    Aus meiner Sicht ist sogar das Gegenteil der Fall: alles, was MV für Einheimische und Touristen einzigartig und besonders macht, findet sich im neuen Logo nicht wieder: Natürlichkeit, Ursprünglichkeit, Authentizität. Das urwüchsige, landschaftlich und kulturell abwechslungsreiche Land im Nordosten scheint zu einem sterilen, gleichförmigen, künstlich erschaffenen Raum ohne Herz und Seele geworden zu sein. Wer will da hin oder sein?

    Allein in der Typo findet sich der einzige Anflug von Individualität und Persönlichkeit, wenn diese beschwingt versucht, das kastige Signet aufzufangen, was ihr jedoch nicht wirklich zu gelingen vermag, weil M und V
    in Großbuchstaben eben doch nicht so leichtfüßig daherkommen und die gesamte Typo in Verbindung mit dem abgetrennten restlichen Halbsatz in Groß-Kleinschreibung neben bzw. unter der eingezwängten Bildmarke doch eher eine unglückliche Figur machen.

    Die handwerklichen Details mal außen vor: will die Marke nicht nur als Tourismusmarke überzeugen, muss man mehr als nur die schöne Landschaft im Blick haben, schließlich will man Investoren, Arbeitskräfte und Unternehmen von seiner Innovationskraft und Modernität überzeugen. Um diese Wirkung zu erzielen, hätte man beim Redesign eher noch einen oder mehrere Schritte weitergehen müssen.
    Oder vielleicht auch erst einmal ein paar zurück, denn was hier tatsächlich fehlt (oder zu fehlen scheint), ist ein klares und schlüssiges Markenkonzept.

  5. Leider sehr enttäuschend. Da MV meine Heimat ist, hoffe ich schon länger darauf, dass die Bilderbuch Illustration mal abgelöst wird, deren Idee ich schon seit Jahren sehr angestaubt finde. Warum man sich hier nicht für einen gänzlich neuen Ansatz entschieden hat, ist mir ein Rätsel. Wobei wenn ich so darüber nachdenke, wie ich mir die Entscheider so vorstelle, werden wohl eher Klischees bedient. Und die lassen sich eins zu eins auf das Design übertragen: langweilig, spießig, mutlos, unkreativ, realitätsfern. Schade, muss ich wieder warten.

  6. Ich dachte immer, die Farben von Mecklenburg-Vorpommerns seien schwarz-weiß-rot, da muss ich mich wohl getäuscht haben.

    Nun weiß ich: Es gibt dort Wiese und Wasser und Himmel und Sonne. Das ist ja mal was.

    Also nichts wie hin.

  7. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Das Landeslogo von MV fand ich schon immer von allen 16 Bundesländern am schlimmsten und besser geworden ist es jetzt überhaupt nicht. Wie schon alle vor mir geschrieben haben ist die Kachel austauschbar, der Claim nichts sagend. Mir als Laie fällt sogar schon eine Idee ein, wenn ich mir die Buchstaben MV nur anschaue. Wie malen Kinder Vögel? Man hätte doch einfach Vögel zeichnen können, die MV stilisieren. Passt zu Meer und Küste. Zumal auch der mecklenburgische Stier und der pommersche Greif Ideen hervorrufen. Oder die Landesfarben: Gelb wie Sand, Blau wie Himmel, rot wie die untergehende Sonne… Alles besser als MV tut gut. Ein Armutszeugnis für ein Bundesland. Aber Berlin hat ja auch vorgemacht, wie schwer man sich dort tut (Bremen in Spiegelverkehrt)

    • Du sprichst mir aus der Seele. Ich verstehe auch nie, wenn Wappen komplett durch einfache lustlose Grafiken ersetzt werden. Wappen zeugen von der Geschichte eines Landes bzw. einer Stadt. Klar ist es logisch, wenn Wappen heutzutage leicht abgewandelt, modifiziert oder simplifiziert werden, wie z.B. bei NRW (gefällt mir gut), auch Schleswig-Holstein hat es gut gelöst, in dem sie die beiden Wappenfiguren aus dem Schild herausgelöst und modern nebeneinander gestellt haben. Mit dem Ochsen und dem Greif hätte man grafisch so viel machen können.

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