NRW hat ein neues Wappen

Wappen Logo NRW

Das Wappen des Landes Nordrhein-Westfalen wurde überarbeitet. Auffällig ist vor allem die Reduzierung der schwarzen Linien. Man darf von einer zeitgemäßen Anpassung sprechen. Es gibt nur noch eine Linie, die die Form des Wappen kennzeichnet. Die Blume (Lippische Rose) ist wesentlich deutlicher als eine solche erkennbar, ähnelte sie vorher doch eher an einen Rettungsring. Der weiße Hintergrund wird nun viel stärker in die Formsprache mit einbezogen. Die Form des Rheins erscheint so weniger hart und die Verbindung zum Land (grüne Fläche) ist fließender.

Weniger gefällt mir die Linienführung des neuen Pferdes. Die alte Form stand kraftvoll auf den Hinterbeinen. Das neue Designerross tanzt eher auf einer Hufe und wirkt dadurch recht wackelig. Der Kopf ist stimmig und gut. Die Mähne nach meinem Empfinden eine Spur zu wild (Drachen). Die schlanke Linienführung im Bauchbereich erscheint mir unrealistisch und wenig ausgewogen. Die alten Proportionen waren hier wesentlich authentischer. Die eher winkelig ausgerichteten Linien ließen das Pferd kraftvoller, stolzer und aufrechter erscheinen. Die neue Form zeigt eher ein Fohlen – einen zappeligen Jungspunt.

Die Kosten für die Umgestaltung werden laut dpa auf 50.000 Euro beziffert. Damit wird sicherlich nicht nur das Design gemeint sein, sondern vor allem auch die Kosten, die bei der Umbeflaggung auftreten. Mit Blick auf dieses eher schmale Budget lässt sich ableiten, dass uns auf Jahre hinaus das alte Wappen weiterhin begleiten wird, da man unmöglich sämtlich Medien für diese Summe umstellen können wird. In der Meldung des Kölner Stadtanzeigers heißt es dazu: „das neue Logo diene vor allem der Öffentlichkeitsarbeit der Landesbehörden bei Briefköpfen oder Broschüren…„. Die Landesregierung verwendet zudem noch eine Umrissvariante.

Via Klarmedia

29 Kommentare zu “NRW hat ein neues Wappen

  1. „Neu“ ist nicht immer „gut“, und „gut“ nicht immer „neu“. Wenn ich richtig informiert bin, so wurde dieses „Pferd“ als „Löwe“ mißgedeutet, und so bereits vielfach von der holländischen Stickerei auf die Barette der Polizei angebracht. Dies ist Beweis genug für die Qualität des Designs.Die Tradition lebt weiter, wir müssen mit dem Fehler leben. Nach Dudentradition wird das dann irgendwann richtig.
    Die Verirrungen der Designer und Journalisten sind schon haarsträubend. Von Heraldik keine Ahnung! Beispiel: Borussia Dortmund ist und bleibt gelb-schwarz, im Unterschied zu Alemannia Aachen schwarz-gelb (wie auch Dresden). Als Grenzlipper (Herford) bestätige ich gerne: endlich die Rose richtig herum.
    Warum werden hier nicht Historiker und Fachleute bemüht, sondern Experimentaldesigner?

    • Was hat das veränderte Pferd eigentlich mit „von Heraldik keine Ahnung“ zu tun? Ich frage aus reinem Interesse, nicht um zu diffamieren oder dergleichen. Also bitte nicht Falschverstehen. :)
      In der Heraldik ist das Tier mit Attributen (Farbe der Bewehrung, Zähne, Zunge, zwiegeschwänzt, etc.) erklärt, nicht jedoch in seiner Darstellungsform. Letztere unterlag schon immer des jeweiligen Zeitgeistes. Ebenso ist die verwendete Schildform auch nur der Mode unterworfen – heraldisch jedoch nicht weiter definiert. Die Darstellung der Farbtöne kann auch variieren, da es (heraldisch gesprochen) nur 5 Farben und zwei Metalle gibt. Solange das Pferd also „korrekt“ steigt und weiß ist, bleibt die Form der Darstellung… Geschmackssache.

  2. Die Blume ist falsch herum! Die Fläche wird nicht optimal ausgefüllt und vom Pentagramm zum Drudenfuß! ;-) Ansonsten ist das neue Design erfrischend. Finde ich gut.

  3. Ich glaube, es hat sich ein medialer Boomerang-Effekt eingestellt:

    Die alte Bildmarke war für mich das Orignal-Wappen NRWs – schon weil es auf den Uniformen des Landes genauso abgebildet ist.

    Die neue Bildmarke wirkt sicher frischer, führt aber dazu, dass die Bildmarke nicht mehr als Wappen wahrgenommen wird. Ergo nutzen nun ALLE Medien im Zuge der Landtagswahl und bei anderer Berichterstattung das Uralt-Wappen von NRW, welches sie im Internet und bei Wikipedia aufgetrieben haben. Und schon ist das frische Image wieder zunichte gemacht….

  4. Christian, ich gehe davon aus, dass Du Design schätzt, denn sonst hättest Du nicht den Weg hier in das dt gefunden. Wenn Du Dir ein neues Auto kaufst, ein Smartphone oder ein Möbel, ist Design mit das wichtigste Kriterium für den Kaufentscheid.

    Wer also grundsätzlich den (Stellen)Wert von Design bejaht, im Gegensatz dazu allerdings jegliche Ausgaben, die für die Änderung im Bereich Kommunikationsdesign anfallen, kritisiert, beweist eine seltsame Doppelmoral, wie ich finde.

    Immer dort, wo Design einen persönlichen Vorteil bringt – denn die Benutzung eines klug designten Produktes bringt viele Vorteile mit sich und so sind viele Menschen gerne bereit, für diesen Mehrwert auch mehr zu bezahlen –, scheinen Kosten eine untergeordnete Rolle zu spielen. Fehlt jedoch der persönliche Bezug und damit auch die nutzbringenden Vorteile, wird immer schnell und gerne auch ausschließlich auf den kostenproduzierenden Aspekt verwiesen. Ich halte das für zu kurz gedacht und eine solche, rein auf die Kosten eingehende Kritik, für etwas plump.

    Natürlich erwarten wir, das Steuergelder sinnvoll eingesetzt werden. Wer sich mit Kommunikationsdesign näher beschäftigt, wird feststellen, dass hier aufgewendete Gelder sich doppelt rechnen, weil sie nicht nur dazu beitragen, ein Erscheinungsbild zu verbessern (so denn eine visuelle Verbesserung erreicht wird), sondern sie sogar dazu beitragen können, dass spätere Ausgaben gesenkt werden. Die bei der Entwicklung von Corporate Design erreichte Harmonisierung innerhalb der Anwendungen vereinfacht die Pflege eines Erscheinungsbildes. Wo früher zwei oder mehr Agenturen tätig werden mussten, kann nun unter Umständen nur noch ein Dienstleister wirken.

    Kommunikationsdesign ist ebenso relevant wie Produkt-, Industrie, Textil- oder Modedesign. Wer diese Relevanz erkannt hat, so meine Hoffnung, kann sich einer ernsthaften, konstruktiven und neben der Kostenfrage beinhaltenden auch die eigentliche Gestaltung berücksichtigen Diskussion stellen.

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