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Das Feuer brennt

Als sich die 204 metallenen Kelchgefäße (je eines pro teilnehmende Nation) im Kreis zur gemeinsamen Fackel vereinen, entsteht ein Bild voller Symbolkraft. Ein Foto, dessen ästhetische Qualität fasziniert. Sicherlich der Höhepunkt innerhalb der Eröffnungsfeier der 30. Olympischen Sommerspiele 2012 in London, die neben vielen sehenswerten Momenten auch einige Längen zu verkraften hatte

Statt belanglosem Geplaudere mit den Experten Christian Keller und Kathrin Boron hätte Kommentator Wolf-Dieter Poschmann gerne auch einen Satz zur Fahnenträgerin des Iraks sagen können, die trug nämlich kein Kopftuch. Wenn wir schon von Symbolik sprechen. So ließ sich Poschmann etwa auch zu der Behauptung hinreißen, die insgesamt 8.000 mit einem Designpreis ausgezeichneten olympischen Fackeln seien „in Rüsselsheim entstanden“. Natürlich ist die Fackel in England entworfen und gefertigt worden.

Schön hingegen, dass die Leistung von Tim Berners-Lee im Rahmen der Eröffnungsfeier gewürdigt wurde. So wird dann doch noch der Bogen vom Bauernstaat und Industrienation hin zur digitalen Gesellschaft gespannt. Welchen Eindruck haben die dt-Leser von der Eröffnungsfeier?

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 21 Kommentare

  1. Hab noch was vergessen- 3 Anmerkungen: 1. Die Eröffnung von London war ok- hat mich aber nicht so ganz getoucht. Wirkte mir teilweise zu wirr und war anstrengend. Das Ende war sehr merkwürdig. Wo war das Ende? 2. Was für die Austragung der Fussball WM Deutschland ist, ist für mich gleichzeitig-was Olympia-Eröffnungsfeiern, angeht Sydney 2000 das Maß aller Dinge. Unerreicht und einzigartig. 3. Was Olympia in Deutschland angeht: Mir stößt dieses Thema seit nunmehr 2 Jahrzehnten extrem mächtig auf. Es kann einfach nicht sein, das eine Nation dieser Größe seit Jahrzehnten “voll in die Röhre” bei diesem Thema schaut. Ohne jegliche Aussicht auf Erfolg irgendwann. Selbst für Winterspiele reichts nicht. Aber die Entscheidungen des IOC sind ohnehin zwischenzeitlich sehr fragwürdig. Da gehts mehr um Politik als um Sport.

  2. “eine Nation dieser Größe”

    Es gibt viele, größere Nationen, die hatten noch nie olympische Spiele. Und viele nur unwesentlich kleinere, die hatten auch noch nie olympische Spiele. Deutschland hatte bereits dreimal olympische Spiele und hat sich alle drei Male nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

    Nebenbei: Als Steuerzahler finde ich es sehr angenehm, wenn andere Länder auf den Milliarden und der zurückbleibenden überdimensionierten Infrastruktur sitzenbleiben. Das hat ein Ausmaß an Gigantomanie angenommen, das ich für keineswegs mehr erstrebenswert halte.

  3. Hallo
    ich fands super: Inszenierung, Musik, Story, Humor, Einmarsch der Nationen bei 120 bpm (damit es nicht so ewig dauert): Fiji-Inseln mit den Bee Gees, und die Chinese laufen mit West End Girls ein.
    Das Gewusel in den einzelnen Sequenzen war gewollt; auch, um sich von der sehr durchsortierten Inszenierung der Chinesen zu distanzieren. (1) In Peking trommelten 2008 Trommler in Reih und Glied – und die 1000 Trommler in der Pandemonium-Sequenzin London kamen aus allen Ecken sehr unsortiert ins Stadion.

    Ich habe gestern die Pressemappe auf london2012.co.uk gefunden. Hier der Link: https://www.london2012.com/about-us/publications/publication=opening-ceremony-media-guide/
    Die stilisierte Cauldron auf dem Cover kann sich sehen lassen. Da gab es sozusagen eine Corporate Identity in der CI an sich. Dieses Design spiegelt sich auch auf dem Cover der CD mit der Musik der Opening Ceremonies wider.
    Wer weitere Infos zum Making Of benötigt, sollte im tumblr Blog der Ceremonies nachschauen: Fotos, Videos etc. (2)

    Bemerkenswert im Sinne eines “Designs” innerhalb der gesamten Inszenierung fand ich zum einen die musikalischen Bezüge bzw. das wiederkehrende musikalische Motiv: das gepfiffene “Caliban’s Dream”, das auch in And I Will Kiss vorkommt. Zum anderen das nationenweise Hereintragen der einzelnen copper petals, die dann innerhalb der Cauldron-Mechanik zusammengefügt werden. Solche “additiven” Ideen finde ich immer gut.

    (1) Vgl. u.a. https://thediplomat.com/china-power/when-politics-become-olympic-art/
    (2) https://olympicopeningceremony.tumblr.com/

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