Das Feuer brennt

Als sich die 204 metallenen Kelchgefäße (je eines pro teilnehmende Nation) im Kreis zur gemeinsamen Fackel vereinen, entsteht ein Bild voller Symbolkraft. Ein Foto, dessen ästhetische Qualität fasziniert. Sicherlich der Höhepunkt innerhalb der Eröffnungsfeier der 30. Olympischen Sommerspiele 2012 in London, die neben vielen sehenswerten Momenten auch einige Längen zu verkraften hatte

Statt belanglosem Geplaudere mit den Experten Christian Keller und Kathrin Boron hätte Kommentator Wolf-Dieter Poschmann gerne auch einen Satz zur Fahnenträgerin des Iraks sagen können, die trug nämlich kein Kopftuch. Wenn wir schon von Symbolik sprechen. So ließ sich Poschmann etwa auch zu der Behauptung hinreißen, die insgesamt 8.000 mit einem Designpreis ausgezeichneten olympischen Fackeln seien „in Rüsselsheim entstanden“. Natürlich ist die Fackel in England entworfen und gefertigt worden.

Schön hingegen, dass die Leistung von Tim Berners-Lee im Rahmen der Eröffnungsfeier gewürdigt wurde. So wird dann doch noch der Bogen vom Bauernstaat und Industrienation hin zur digitalen Gesellschaft gespannt. Welchen Eindruck haben die dt-Leser von der Eröffnungsfeier?

21 Kommentare zu “Das Feuer brennt

  1. Eine Riesenshow, ohne Zweifel!
    Und sie kam mir sehr tolerant vielfältig und modern vor. Als Beispiel haben sie bei dem Teil wo sie die TV- und Musikerfolge gezeigt haben, alles an Musik gezeigt, was aus England kommt. Sie hätten auch nur die üblichen Verdächtigen zeigen oder Spielen können. Queen, Andrew Lloyd Webber, Annie Lennox, Elton John…
    Und bei der Einspielung der Filme kam so eine Knutschszene und da haben sich (so habe ich das zumindest gesehen) zwei Frauen geküsst. Und ich habe bei der Feier von Griechenland nicht so viele Menschen unterschiedlicher Hautfarbe gesehen.

    Schön auch immer wieder, wie viele – gerade aus vielen Insel-Staaten – mit Hut einmarschieren.
    Und auch sehr lustig: Die Deutschen in Blau/Pink!!!

    Ich bin mal gespannt, was die Deutschen bei ihrer Olympiade auf die Beine stellen und zeigen :-)
    Wie? Natürlich kommt Olympia auch wieder zu uns. Ist doch klar! :-) Irgendwann.

  2. @CSMA: Die Türkei war beim Einmarschieren auch dabei. Die Fahnenträgerin war eine große Volleyballspielerin deren Namen ich leider vergessen habe.

  3. Grandioses Gewusel, die erzählte Story ganz gut, aber zuviele Schnitte und zuviel Tempo und Details für einen normal großen TV-Monitor. Das fing schon beim Einspieler an, wo die Kamerafahrt wie irre auf London zuflitzte. Ich dachte die ganze Zeit an Bühnenlogistik, aber es kamen keine Emotionen auf. Mr. Bean und die Popsongs halfen dann. Insgesamt beeindruckend.
    Poschi ist nicht berauschend, aber relativ ok. Immerhin Ex-Leistungsportler. Immer noch besser als die ewigen Wie sehr…wie sehr…-Fragenkreise von Steinbrecher und Damen. Denen fehlt jeglicher Pfiff, Kreation, Risiko, Charme – es ist immer, immer das gleiche Fragen-Konzept/Design. Lassen wir das.

  4. Ich bin dann zu Eurosport gewechselt weil die deutsche Regie echt unterirdisch war schon fast zu „ich bezogen“ und respektlos, man findet immer was ob der oder der anderer nicht erwähnt worden ist, wieso das und das, alles Blödsinn, es war klasse nur die deutsch haben was falsch verstanden, es sind die Sommerspielen nicht die Winterspielen.

  5. Apropos Musik: Habe versucht heraus zu bekommen, wer diese geile Vocal-Trance-Nummer bei dem „Industrialisierung“ Sequenzen komponiert hat: And I Will Kiss von Underworld. Wirklich amtliche Muke-sehr epochal…

  6. Hab noch was vergessen- 3 Anmerkungen: 1. Die Eröffnung von London war ok- hat mich aber nicht so ganz getoucht. Wirkte mir teilweise zu wirr und war anstrengend. Das Ende war sehr merkwürdig. Wo war das Ende? 2. Was für die Austragung der Fussball WM Deutschland ist, ist für mich gleichzeitig-was Olympia-Eröffnungsfeiern, angeht Sydney 2000 das Maß aller Dinge. Unerreicht und einzigartig. 3. Was Olympia in Deutschland angeht: Mir stößt dieses Thema seit nunmehr 2 Jahrzehnten extrem mächtig auf. Es kann einfach nicht sein, das eine Nation dieser Größe seit Jahrzehnten „voll in die Röhre“ bei diesem Thema schaut. Ohne jegliche Aussicht auf Erfolg irgendwann. Selbst für Winterspiele reichts nicht. Aber die Entscheidungen des IOC sind ohnehin zwischenzeitlich sehr fragwürdig. Da gehts mehr um Politik als um Sport.

  7. „eine Nation dieser Größe“

    Es gibt viele, größere Nationen, die hatten noch nie olympische Spiele. Und viele nur unwesentlich kleinere, die hatten auch noch nie olympische Spiele. Deutschland hatte bereits dreimal olympische Spiele und hat sich alle drei Male nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

    Nebenbei: Als Steuerzahler finde ich es sehr angenehm, wenn andere Länder auf den Milliarden und der zurückbleibenden überdimensionierten Infrastruktur sitzenbleiben. Das hat ein Ausmaß an Gigantomanie angenommen, das ich für keineswegs mehr erstrebenswert halte.

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