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RTL Relaunch im Jubiläumsjahr

vergrößerte Ansicht des alten Auftritts

Mit 43 Millionen Visits (Quelle: IVW Oktober 2009) gehört der Webauftritt des Fernsehsenders RTL zu den Top-20 in Deutschland. Nur für ProSieben werden als Fernsehsender noch mehr Besuche ausgewiesen. Dieser Tage wurde rtl.de in komplett umgestalteter Form in Netz gestellt. Die Verlagerung der Hauptnavigation von der linken Seite hoch in den Kopf der Seite fällt dem Besucher ebenso spontan auf, wie ein weißer Hintergrund, der den durchweg blauen Fond abgelöst hat und so für ein lesefreundlicheres Umfeld sorgt. Das Resümee fällt jedoch nicht ganz so freundlich aus.

Navigationsgratwanderung

Die neue Navi lässt den Nutzer nun per Rollover direkt in die zweite Hierarchieebene blicken. Theoretisch wird dadurch das Navigieren durch die Site komfortabler, da nicht jedes Mal die Seite neu geladen wird. In der Praxis gleicht jedoch der Sprung in die zweite Ebene einer Gratwanderung. Hierfür gibt es drei Ursachen: a) Die Höhe für die in der zweiten Ebene vorgehaltenen Navigationspunkte ist zu gering (20px). b) Die zu hohe Anzahl an Begriffen bedingt, dass der Nutzer nahezu die gesamte Breite der Seite mit dem Cursor abschreiten muss. c) Der Verzicht auf eine Verzögerung (0,5-1 Sek.) des Layers, die ein Abrutschen verzeihen würde, erschwert die Bedienung. Alle drei Punkte treffen im neuen rtl.de-Umfeld zu und sorgen dafür, dass die Bedienung des zentralen Navigationsinstrumentes erschwert wird. Unschön ist zudem, dass die Punkte “Spiele” und “Sendungen A-Z” gar keinen Rollover erzeugen, wodurch die Hauptnavigation uneinheitlich und lückenhaft erscheint. Last but not least ist die Darstellung nicht browserübergreifend getestet worden. “Mein RTL” überschneidet sich im Firefox/Mac mit “Suche”. Insgesamt also eine wenig ausgereifte Lösung.

(Noch) ein Nachrichtenportal?

Ansonsten tue ich mich schwer rtl.de nun als Nachrichtenportal einzustufen. Die Gestaltung, die Aufteilung und die Aufbereitung der Inhalte möchte jedoch genau diesen Eindruck erwecken. Ganz persönlich – ich glaube die Darbietung von Inhalten, die keinen direkten Bezug zu einer Sendung haben, ist ein Irrweg. Mit einem Ausbau der “News-Sektion” baut man hausintern eine Konkurrenz zu n-tv.de auf und zieht dort vielleicht sogar die Nutzer ab. Ebenso wenig nachzuvollziehen ist die Aussage von RTL-Online-Bereichsleiter Matthias Büchs, man wolle Bewegtbild-Inhalte stärker in den Fokus rücken. Der Bereich “Aktuelle Videos” folgt auf der Startseite weiter unten und verliert sich fast in der Gleichheit und der Vielzahl der Module. Würde man Bewegtbild gewichten, müsste man sich in Richtung heute.de oder n24.de orientieren.

Fazit

Ein schönes Beispiel für eine Startseite, auf der alle Angebote, Inhalte, Partner, Crossverlinkungen und die gesamte Themenfülle präsentiert werden, und die – sind wir doch mal ehrlich – in dieser Form auch kein Mensch wirklich braucht. Es ist die onlinegewordene Eierlegendewollmilchsau, die alles ein bisschen aber nichts so richtig kann. Und noch zwei Gründe, die mich auch zukünftig davor bewahren Stammnutzer zu werden.

Danke Martin, Svenja, Oliver und Dean für den Hinweis.

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 29 Kommentare

  1. Danke Achim, dass Du diese Art von Navigation kritisierst. Ich dachte, diese MouseOver-und-dann-mit-der-Maus-gaaanz-vorsichtig-Fummelei hätte sich 2009 endgültig erledigt.

    Ich finde ja schon die gleiche Navigation in statischer Form, wie sie einige Nachrichtenportale praktizieren zweifelhaft.

  2. Also sehr bitte in anbetracht auf die fehlerhafte Navigation ist diese Aussage aus dem DWDL.de Interview mit dem RTL Chef:

    RTL.de erscheint seit heute in neuer Optik. Was wollen Sie mit dem Relaunch erreichen?

    …Zunächst einmal wollten wir die Usability, also die Benutzerfreundlichkeit der Seite verbessern. Da waren wir bisher einfach noch nicht auf dem aktuellen Stand. Rein durch Usability kann man sich heute aber höchstens noch negativ von anderen abgrenzen. …”

  3. …. “sind wir doch mal ehrlich – in dieser Form auch kein Mensch wirklich braucht. Es ist die onlinegewordene Eierlegendewollmilchsau” … Eins der besten Beispiele für “wir haben selber keine Idee – also Klauen wir überall ein bisschen”

    wahrscheinlich hättet ihr bei dem FTD und Handelsblatt nicht das verschwinden der linken Navi so betonen sollen. Da kommen dann alle auf einmal auf ganz dumme Gedanken.

  4. Das Problem von rtl.de ist einfach dass man im Verhältnis zu anderen Seiten von sehr weit oben kommt, und es jetzt eigentlich nur noch abwärts bzw seitwärts gehen kann. RTL war 99 eine der ersten Seiten, die so ein umfangreiches Programm online hatte – quasi Pioniere im Onlinebereich. Gelichzeitig war rtl.de die damals reichweitenstärkste general interest plattfrom überhaupt (nicht nur im bereich tv sender). Der damalige chat war für viele das, was heute facebook/wkw etc. ist.
    Über diesen Bedeutungsverlust ist man wohl nicht hinweggekommen und versucht nun auf Teufel komm raus mehr PIs zu erreichen (wir hatten früher eher das gegenteilige Problem, zu viele PIs haben regelmässig die server platttgemacht)

    Mein Tipp an das RTL Team von heute: Lasst es gut sein, baut eine gute programmbegleitende Seite und setzt stark auf IP TV. In 10 Jahren ist das eh die Standardtechnologie – wer sich da heute gut positioniert und den Konflikt mit den Kabelbetreibern nicht scheut kann nur gewinnen.
    Konkret: Vollprogramm als Stream und Vollprogramm aller Eigenproduktionen im Archiv (dauerhaft vorhalten)

    Und: Das dunkelblau auf weiss geht gar nicht, das ist nicht Entertainment sondern Finanzbehörde.

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