Place Branding statt Tourismusmarketing: Charlotte stellt sich neu auf

Charlotte Logo

Charlotte, die größte Stadt des US-Bundesstaates North Carolina, stellt sich als Marke neu auf. Statt, wie bislang, in erster Linie Besucher anzusprechen, will man mit dem neuen Markenkonzept explizit auch die eigenen Bürger und die hiesige Wirtschaft erreichen. Mit Hilfe der veränderten Ausrichtung möchte man die Wiedererkennbarkeit und Wahrnehmung der Stadt verbessern.

In den letzten zehn Jahren habe Charlotte, wie es von der örtlichen Tourismusbehörde heißt, in vielerlei Hinsicht einen deutlichen Entwicklungsschritt gemacht. Gleichzeitig habe sich auch die Vorstellung weiterentwickelt, wie die Vorzüge der Stadt nach außen kommuniziert werden sollten. So entschied man sich bei der Charlotte Regional Visitors Authority’s (CRVA) das Marketing weg von einer klassischen Tourismusmarke hin zu einer breiter angelegten „Place Brand“ auszurichten. Hierbei werden gleichermaßen Touristen, Bürger und weitere Zielgruppen adressiert. Kooperationen mit örtlichen Interessenvertretungen, Wirtschaftsverbänden wie auch der Stadtverwaltung von Charlotte sollen dafür sorgen, dass die neue Marke auf breite Unterstützung stößt.

Auszug der Pressemeldung

Destination branding has long been a top priority for the Charlotte Regional Visitors Authority (CRVA), not only to leverage Charlotte as a place to live, work, visit or play but also to create economic opportunity and vitality for the city. In 2008, ‘Charlotte’s got a lot’ was created as a way to showcase the “a lot” Charlotte has to offer. After all, our region has never been known for just one thing. But as the city has come into its own as a thriving metropolitan city that put its name on the top of many national lists, there wasn’t a need to explain the “a lot” we have to offer anymore. That made way for ‘Charlotte’s got a lot’ to evolve into an updated “Charlotte” place brand that will work to achieve a higher connectivity among several audiences – not just visitors.

Charlotte Logo – vorher und nachher

Bei der Entwicklung des neuen Stadtmarkenzeichens ließ man sich unmittelbar vom traditionellen Erkennungszeichen von Charlotte inspirieren, der städtischen Krone. Seit 1983 wird die Krone als Absender der Stadtverwaltung genutzt. Charlotte trägt, zu Ehren von Sophie Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, ehemals Königin von Großbritannien und Irland, auch den Beinamen „Queen City“. Innerhalb des neuen Stadtmarkenzeichens wurde die Form der Krone leicht modifiziert. Darüber hinaus wurden die Krone und die Buchstaben in Segmente aufgeteilt, um auf diese Weise die kulturelle Vielfalt und die Möglichkeiten innerhalb der Wirtschaft zum Ausdruck zu bringen.

Das offizielle Stadtlogo von Charlotte wird auch weiterhin als Absender der Stadtverwaltung fungieren und bleibt von den Neuerungen unberührt. Ebenfalls erhalten bleibt der Slogan „Charlottes got a lot“. Das neue Markenkonzept entstand in Zusammenarbeit mit der Agentur Boone Oakley (Charlotte). Die Brand-Guidelines stehen unter crva.com/branding zum Download bereit.

Kommentar

Die Idee einer separaten Tourismusmarke hat sich meines Erachtens überlebt, zumindest in Bezug auf städtisches Marketing. Nicht selten haben Städte, wie beispielsweise Düsseldorf, fünf Erkennungszeichen, bei denen nur für Kenner ersichtlich ist, wofür sie genau stehen. Statt komplexer und komplizierter braucht es heute mehr denn je einfache und ganzheitlich gedachte Lösungen. Eine Stadt eine Marke.
Auch wenn Charlotte von diesem Konzept noch einen kleinen Schritt entfernt ist, denn die Stadtverwaltung verfügt nach wie vor über ein eigenständiges Corporate Design, ist aufgrund der Verwendung der städtischen Krone der Bezug zur Stadt eindeutig. Die Entwicklung weg von einer eindimensionalen Tourismusmarke in Richtung „Place Brand“ (Standortmarke) ist nachvollziehbar und sinnvoll.

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10 Kommentare zu “Place Branding statt Tourismusmarketing: Charlotte stellt sich neu auf

  1. Tatsächlich wäre es nur konsequent gewesen, das Logo der Stadtverwaltung ebenfalls fallen zu lassen. Denn das neue Logo sieht wie eine Weiterentwicklung dessen aus. Vlt. kommen die Verantwortlichen noch zu dieser Einsicht. Ansonsten ein unspektakulärer wenngleich aber auch angenehmer Entwurf.

  2. Das Verwaltungslogo ist wirklich überflüssig, so hat man zwei verschiedene Logos, die fast gleich sind.

    Keep calm and Charlotte ;)

  3. Mich irritiert das „P“. Vom R hätte meiner Meinung nach eine größere Fläche gestrichelt werden sollen. Die Logo-Varianten CLT und Monogramm aus Q und C finde ich interessant. Leider überzeugt mich die QC-Umsetzung nicht, weil das C sein Haupt nach rechts unten neigt. Mit einer angepassten Q-Form wäre mehr möglich gewesen.

    Insgesamt aber völlig gefällig, geht sehr viel schlimmer.

  4. Gefällt mir sehr gut. Gerade die Segmentierung der Typografie bringt etwas „frische“ in die Schriftmarke, die ohne die dadurch entstandene Textur ziemlich langweilig und eintönig aussehen würde. Trotzdem wirkt das Logo nicht überfüllt und wirkt in sich stimmig.
    Auch die Verbindung zur Vergangenheit und Geschichte wurde ins „hier und jetzt“ übertragen ohne altbacken und überheblich zu wirken.

    I like it!

  5. Schönes Logo für eine britische Modemarke: die Schraffuren erinnert an Stoff-Texuren und die Krone in Verbindung mit einer US-amerikanischen Stadt ist eine echte Überraschung.

  6. Das Logo wirkt zwar gefällig, der Sinn erschließt sich mir jedoch nicht. Wäre es eine Stadt mit vielen historischen Ruinen, die nur noch halb stehen – dann würde es passen.
    So frage ich mich allerdings, was mir diese halb ausgegrauten Buchstaben sagen sollen …

    Wirkt dadurch leider etwas beliebig.

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