Kommunikationsdesign für sehbehinderte und sehende Menschen

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) hat Designer, Experten für Barrierefreiheit und Vertreter verschiedener Augenerkrankungen zusammengebracht, um Kriterien für die inklusive Gestaltung von Print- und Webprodukten zu entwickeln. Die Ergebnisse, die ganz konkrete Empfehlungen für inklusives Kommunikationsdesign beinhalten, wurden unter leserlich.info zusammengefasst.

Mit dem Projekt „Inklusives Design“ möchte der DBSV beweisen, dass Kommunikationsdesign sehbehindertengerecht und zugleich ansprechend für sehende Menschen sein kann. Auf Basis umfangreicher Recherchen, mehrstufigen Workshops und Befragungen wurde unter der Federführung von Prof. Florian Adler, der Informationsdesign an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin lehrt, bestehendes Wissen rund um den Themenkanon Lesbarkeit, Barrierefreiheit und Design, zusammengeführt und verständlich aufbereitet, damit Designer und Mediengestalter es kompakt abrufen können.

Über das Projekt

Hinweise zu lesbarer Gestaltung finden sich verstreut in der Fachliteratur und Normblättern, insbesondere in der DIN 1450 zur Leserlichkeit von Schrift. Allerdings fühlen sich Designer von Normen meist wenig angesprochen und fürchten sie eher als „Kreativitätskiller“. Daher haben wir das vorhandene Wissen zusammengeführt und in sechs Themenblöcken nach unterschiedlichen Einflussfaktoren und Anwendungsbereichen aufbereitet. In anderthalb Jahren Projektarbeit wurden gemeinsam mit Vertreterinnen der häufigsten Augenerkrankungen und Experten für Barrierefreiheit des DBSV konkrete und praxisnahe Arbeitshilfen für Kommunikationsdesigner und Mediengestalter erarbeitet.

Seit Ende April ist die Plattform leserlich.info im Netz. Die Website des DBSV, erst kürzlich relauncht, wurde nach den erarbeiteten Kriterien gestaltet, ebenso das verbandseigene Magazin „Sichtweisen“ (PDF).

Kommentar

Ein wertvolles, ungemein erhellendes Informationsangebot. Nicht nur der Inhalt ist überzeugend, auch die Umsetzung der Website, die Gestaltung und Nutzerführung. Gestalter sollten sich bitte nicht von Begriffen wie Inklusion, DIN-Norm und Barrierefreiheit abschrecken lassen. Denn die meisten Gestaltungsempfehlungen beziehen sich nicht nur auf Anforderungen von sehbehinderten Menschen, sondern bedeuten eine Verbesserung von Leserlichkeit und Lesbarkeit für alle Nutzer.

Eine – und das habe ich in fast elf Jahren, die es das dt nun gibt, noch nie geschrieben – Pflichtlektüre für alle Kommunikationsdesigner, insbesondere diejenigen, die im Bereich Informationsdesign, Interaction/Interface Design, Signalisation, Design im öffentlichen Raum tätig sind, überall dort wo Gestaltung dem Menschen dient respektive dienen sollte. Mein Tipp: Bookmark setzen, 45 Minuten Zeit nehmen, Kaffee/Tee holen, lesen, am Wissenszugewinn freuen.

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