Die gefühlte Lesbarkeit

SCHRIFTGRÖßEN

Schriftgrößen im Web: Kann man die überhaupt messen?

Man kann trefflich streiten, ob es überhaupt Sinn ergibt, “optimale” Schriftgrößen für Webseiten zu ermitteln. Schließlich sind in puncto Letter-Höhe grundsätzlich die Webnutzer Herren des Verfahrens: Da kann Frau Webdesignerin noch so eindringlich “12 Punkt” als Schriftgröße anweisen im CSS-Bereich – der Browser gehorcht in aller Regel nur bei Schriftgröße “mittel” wie aufgetragen. Mit einem ebenso schlichten wie beherzten “Steuerung plus” aber enthebt jeder Normal-Nutzer die Gestalterin ihres Einflusses und setzt die Schriftgröße rauf. Anweisung im Quellcode hin oder her.

Warum ich trotzdem aufs Thema “Schriftgröße” drängte in der Entstehungsphase der Studie? Ich kenne zwar keine Statistiken zu diesem Thema, aber ich vermute fest, dass eine übergroße Mehrheit der Web-Nutzer entweder gar nicht weiß, dass sie zur eigenverantwortlichen Größen-Manipulation imstande sind – oder, dass sie um ihre Macht durchaus wissen, aber in der überwältigenden Mehrheit brav bei der Standard-Einstellung bleiben, aus welchen Gründen auch immer.

Wenn man diese These als stichhaltig unterstellt, hat es schon Sinn, sich mit dem Komplex “Größe im Web” zu befassen. Zumal die bereits erwähnten Print-Studien aus dem vergangenen Jahrhundert hier die wichtigste Stellschraube der Lesbarkeit ausmachten: eben bei der Schriftgröße.

12 Punkt sind selten 12 Punkt

Bevor wir allerdings messen konnten, mussten wir die Schriftarten erst einmal auf Vergleichbarkeit trimmen. Es macht schließlich einen Unterschied, ob man einer “Verdana” eine Schriftgröße von 12 Pixeln verpasst oder einer “Times”. Denn diese 12 Pixel bezeichnen entgegen landläufiger Meinung nicht, wie hoch die Großbuchstaben auf dem Bildschirm aufscheinen sollen. Es ist genausowenig eine Angabe darüber, wie groß der Abstand zwischen großem “A” oben und kleinem “g” unten ist. Es bezeichnet nur die Gesamthöhe des (gedachten) Kegels, auf den ein Schriftgestalter seine Lettern aufgebracht hat.

Übertragen gesagt: Ich kann auf ein A4-Blatt ein “B” zeichnen, das die ganze Höhe der Seite ausnutzt – oder ein “B”, das nur halb so hoch ist wie das Blatt und viel Luft nach oben und unten lässt. In der Logik des typografischen Maßsystems wären aber beide Buchstaben “eine A4-Seite hoch”. Dass die Buchstaben an sich ganz unterschiedliche vertikale Ausdehnungen haben, spielt keine Rolle.

Im Vergleich: Mittellängen statt nummerischer Größen

Wir haben im Experiment deswegen nicht “nummerische” Schriftgrößen verglichen, sondern für jede Schrift in jeder Größe die Höhe des kleinen “x” bestimmt – die Mittelhöhen also, die nach verbreiteter Meinung entscheidend sind für die so genannte “optische Größe” einer Schriftanordnung.

Die eindeutige x-Höhe “7 Pixel” wurde zunächst für jede Schriftart als “Schrftgröße 2” definiert. Von da aus wurde in jeweils zwei Abstufungen nach oben und unten immer ein Pixel nummerische Schriftgröße hinzugezählt oder abgezogen. Was bei dieser Detail-Arbeit herauskam, zeigt die folgende Abbildung.

Ergebnis Schriftgrößen: Ein Pils braucht 7 Minuten, ein “x” braucht 7 Pixel

Richtig weit muss ich an dieser Stelle gar nicht ausholen, denn die Ergebnisse der Größenmessung waren ebenso schlicht wie klar. Alle Texte in Schriftanordnungen mit einer x-Höhe von weniger als 7 Pixeln wurden laut Statistik erheblich, statistisch signifikant langsamer gelesen als Texte in größerer Ausprägung. In der Varianzanalyse erwies sich der Faktor “Größe” als hoch signifikant – die Schriftgröße ist also einer, wenn nicht der “Haupteinfluss” auf die Lesbarkeit schlechthin.

Dabei scheint die Schriftgröße 2 über fast alle Schriftarten hinweg Minimum und Optimum zugleich: weitere Vergrößerungen beschleunigten die Leseprozesse in den seltensten Fällen.

Auch diese Ergebnisse decken sich übrigens im wesentlichen mit denen anderer Untersuchungen zur Schriftgröße – unter anderem in der Feststellung, dass Schrift wohl durchaus zu klein sein ausfallen kann im Sinne der Lesbarkeit, dass aber ab einem bestimmten Level eine Vergrößerung der Schrift keine besonderen Effekte auf die Leseleistung mehr zeitigt (z.B. Bernard/Mills; Bernard et al.; Liebig).

Zwischenfazit Schriftgrößen: Trau keinem unter 7 Pixeln

In Lesetexten sollten Schriften so definiert sein, dass das kleine “x” mindestens 7 Pixel hoch ist. Da dies oft auf mehrere Größenvarianten einer Schriftart zutrifft, sollte man nicht unbedingt auf die kleinste Variante zugegreifen, auf die diese Eigenschaft noch zutrifft. Eine Erhöhung auf 8 Pixel bringt aber offenbar kaum Verbesserungen. Per Screenshot sind die Mittellängen der jeweiligen Schriftart der Wahl leicht ermittelbar.

Zur Erinnerung: auf Navigationsleisten-Schriften und Headlines ist diese Erkenntnis eventuell nur bedingt anwendbar. Es macht sicherlich einen Unterschied, ob man nur das Wörtchen “Kontakt” zu lesen hat – oder einen 110-Wort-Text. Diese Aussage ist weder bewiesen noch widerlegt – ich persönlich werde aber in Navigationsbereichen weiterhin mit Schriftgrößen experimentieren, die unter der Mittellänge “7” liegen.

SCHRIFTART UND SCHRIFTGRÖSSE IN KOMBINATION

Wer sich Tabelle 1 genauer anschaut, wird womöglich stutzen. Denn wenn beispielsweise die “Cambria” in 16 Pixel Größe 23,36 Sekunden Lesezeit beanspruchte, die “Constantia” in 11 Pixel Größe aber 26,93 Sekunden – sind dies nicht Differenzen, die eine durchaus eindeutige Aussage nahelegen? Und Konsequenzen?

Die Antwort lautet: jein. Denn nach eingeführten Regeln der Statistik lässt sich durchaus überprüfen, ob die Kombination “Schriftart-Schriftgröße” wirklich bedeutsam war für die Leseleistung. Und da sagt das Statistik-Programm in der Varianzanalyse: diese Kombination von Typo-Faktoren nimmt definitiv keinen “Haupteinfluss” auf die Leseleistung. Qualitätsurteil: eindeutig nicht signifikant.

Die Frage ist, ob wir damit die Tabelle als Ganze gleich in die Rundablage befördern müssen. Ich meine: nein. Denn wenn wir uns hüten, die Ergebnisse als Evangelium zu überhöhen, können wir sie immerhin als Fingerzeige nutzen, als Anregungen und Diskussionsgrundlagen bei der Suche nach geeigneten typografischen Konstellationen.

ZEILENABSTAND

Die ewigen 120 %

Das größte Problem ist immer noch die Standard-Einstellung. Sofern nicht explizit angegeben in Quellcode oder CSS-Datei, setzen die gängigen und marktführenden Browser Schriftanordnungen fast durchweg und quasi als “default” mit einem Zeilenabstand, der etwa 120 % der jeweiligen Schriftgröße entspricht. Nach meinen Erkenntnissen ist das in fast allen denkbaren Fällen zu wenig.

Diese Zeilenabstände wurden verglichen

Soviel war klar: Wenn wir schon die Schriftgrößen auf die Eigenheiten der verschiedenen Schriftgestalten angepasst hatten, mussten wir es bei den Zeilenabständen genauso halten. Wir beschlossen also, auch die Zeilenabstände an die Mittellängen, die x-Höhen der Schriften, zu koppeln. Jede der fünf Schriftgrößen kombinierten wir mit vier verschiedenen Zeilenabständen: der 2,1-fachen x-Höhe, der 2,5-fachen x-Höhe, der 2,9-fachen x-Höhe und der 3,3-fachen x-Höhe. Die 14-Pixel-”Cambria” gab es also mit den Zeilenabständen 15,4 Pixel (gerundet 15, halbe Pixel gibt’s bekanntlich nicht), 17,5 Pixel (gerundet 18), 20,3 Pixel (gerundet 20) und 23,1 Pixel (gerundet 23).

Die Ergebnisse im Detail

Die Varianzanalyse der Daten ergab: der Zeilenabstand ist, wie die Schriftgröße (und anders als die Schriftart), einer der Haupt-Einflussfaktoren auf die Lesbarkeit. Wobei man hier, bevor die Euphorie überbordert, sinnvollerweise die statistische durch eine “praktische” Signifikanz ergänzen sollte (manche nennen letztere auch gesunden Menschenverstand): So erheblich waren die Differenzen zwischen den Durchschüssen dann doch nicht, dass man ihre Unterschiedlichkeit in Verffassungsrang heben müsste. Signifikant hin oder her.

Dennoch, hilfreiche Fingerzeige liefern die Daten: Sie legen nahe, dass der Zeilenabstand mindestens das 2,5-fache der x-Höhe der jeweiligen Schrift betragen sollte. Das wäre, im Falle der 12-Pixel-”Verdana” beispielsweise, erheblich mehr als die Browser-Standardeinstellung von 14 Pixeln – nämlich satte 17 bis 18 Pixel (x-Höhe 7 Pixel mal 2,5 = 17,5 Pixel). Auch zeigte sich: eine weitere Vergrößerung des Zeilenabstands auf das 3-fache der x-Höhe bringt noch marginale Verbesserungen, aber keine bedeutsamen Steigerungen mehr mit sich.

ZEILENBREITE

Das Ergebnis: kein Ergebnis

Es scheint wenig Unwichtigeres zu geben als die Breite der Zeilen. Dieser Befund unserer Studie überraschte niemanden mehr als mich selbst – denn in einem Vorgängerexperiment hatten sich klare Hinweise ergeben, dass Zeilenbreiten unter 40 Anschlägen zu einer gewaltigen Verlangsamung des Lesetempos führen (Liebig). Interessant war, dass die alte Setzerregel “Alphabet mal 2” in unseren Ergebnissen gar nicht griff: die doppelte Buchstabenanzahl (52 Anschläge) zeitigte gar die schlechtesten Lesezeiten. Aber überbewerten sollte man auch dieses Teilresultat nicht – statistisch gab’s jedenfalls keinerlei Signifikanzen im Messbereich “Zeilenbreite”.

ZEILENBREITE UND ZEILENABSTAND IN KOMBINATION

Eine weitere Setzerregel besagt, dass mit wachsender Zeilenlänge auch der Zeilenabstand großzügiger bemessen werden sollte. Einen Beleg für diese Annahme blieb uns die Datenauswertung schuldig: keine Signifikanz, kein Haupteinfluss.

ANDERE KONSTELLATIONEN

Der Vollständigkeit halber testeten wir auch alle übrigen Zweier-, Dreier- und Vierer-Konstellationen, die sich aus den Daten ergaben, auf ihre statistischen Signifikanzen. Wiederum, ohne Zählbares herauszufinden: Weder die Kombination Schriftart-Zeilenabstand entpuppte sich statistisch als Haupteinfluss noch die Verbindung Schriftgröße-Zeilenbreite – oder irgendeine andere Konstellation.

ZUM SCHLUSS

Betrachten wir die Ergebnisse einmal unter Worst-Case-Annahmen: Wer richtig schlecht lesbare Typografie konstruieren möchte, hat’s ziemlich schwer im Web. Gut, man kann Schriftgrößen unter 11 Pixel definieren, vielleicht noch Kompress-Zeilenabstände vorgeben – dann geht’s mit der Lesbarkeit schon befriedigend bergab. Darüberhinaus allerdings muss man sich schon tüchtig ins Zeug legen, um es der Leserschaft so richtig schwer zu machen.

Anders herum formuliert: Die vermeintlich “harten” typografischen Stellschrauben sind rarer als vermutet. Typografie funktioniert offenbar weit weniger nach Rezept als oft behauptet.

Was ausdrücklich nicht bedeutet, dass Typografie im Web beliebig werden dürfte. Im Gegenteil. “Gute” Typografie beweist sich ganz offensichtlich im gekonnten Umgang mit dem Originärsten: dem schwer erforschbaren Wesen ihrer Schriftgestalt nämlich. Typografie ist weit mehr Emotion als schierer Bedeutungsträger. Gute Typografie unterstreicht den thematischen Kontext, gute Typografie schmeichelt dem Inhalt wie dem Auge, gute Typografie vermittelt Individualität und Wert, Spannung und Seele.

Leider, ich erwähnte es, kann man all diese Faktoren ziemlich schwer messen. Typografie bewegt sich auf Meta-Ebenen, die keine Stoppuhr zu fassen bekommt. Darum, meine Damen und Herren Gestalter: Übernehmen Sie! Das Web hat’s verdient.

Der Artikel liegt als PDF zum Download bereit:
Die gefühlte Lesbarkeit | Martin Liebig | PDF 750KB

QuellenBernard, Michael/Mills, Melissa/Peterson, Michelle/Storrer, Kelsey (2001): A Comparison of Popular Online Fonts: Which is Best and When? http://www.surl.org/usabilitynews/32/font.asp” http://www.surl.org/usabilitynews/32/font.aspBernard, Michael/Mills, Melissa (2000): So, What Size and Type of Font Should I Use on My Website? http://www.surl.org/usabilitynews/22/font.asp

Bernard, Michael/Lida, Bonnie/Riley, Shannon/Hackler, Telia/Janzen, Karen (2002): A Comparison of Popular Online Fonts: Which Size and Type is Best? http://www.surl.org/usabilitynews/41/onlinetext.asp

Bernard, Michael/Liao, Corrina/Mills, Melissa (2001): Determining the Best Online Font for Older Adults. http://www.surl.org/usabilitynews/31/fontSR.asp

Boyarski, Dan/Neuwirth, Christine/Forlizzi, Jodi/Harkness Regli, Susan (1998): A Study of Fonts Designed for Screen Display. In: Proceedings of the SIGCHI conference on Human factors in computing systems 1998. S. 87ff. http://portal.acm.org/citation.cfm?id=274644.274658

Hill/Scharff (Hill, Alyson L./Scharff, Lauren F. V. (1997): Readability of Websites With Various Foreground/Background Color Combinations, Font Types and Word Styles. http://www.laurenscharff.com/research/AHNCUR.html

Liebig, Martin (2008): Browser-Typografie. Untersuchungen zur Lesbarkeit von Schrift im World Wide Web. Boizenburg. https://eldorado.tu-dortmund.de/dspace/bitstream/2003/24419/2/dissertation_liebig.pdf

Redelius, Jürgen (1998): Der „digitale” Gutenberg. Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Erziehungswissenschaften der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Ludwigsburg

Tullis, Thomas S./Boynton, Jennifer L./Hersh, Harry (1995): Readability of Fonts in the Windows Environment. http://sigchi.org/chi95/Electronic/documnts/intpost/tst_bdy.htm

Weisenmiller, Eric Michael (1999): A Study of the Readability of On-Screen Text. Dissertation, Virginia Polytechnic Institute and State University. Blackburg (Virginia). http://scholar.lib.vt.edu/theses/available/etd-102999-110544/unrestricted/WeisenmillerDissertation.pdf

109 Kommentare zu “Die gefühlte Lesbarkeit

  1. Ich habe aufgehört zu lesen, als (sinngemäß) das hier gekommen ist:
    Wann lesen Sie schon einmal vertikal? Und: Ich für meinen Teil lese ganze Buchstaben.

    Hand gegen Stirn. Erstens liest man gar keine Buchstaben, sondern Wortbilder, weshalb man sich nach ungefähr fünf Jahren Leseerfahrung auch nur mehr in ganzen Wörtern verliest. Scrollen Sie den Text mal so weit herunter, dass der horizontale Strich eines kleinen e an der Endlinie des Abschnitts aufliegt. Der Blick des Lesers läuft an dieser Linie entlang, heißt der untere Teil ist zweitrangig.

    Der Blick des Lesers scannt moderne Texte meistens vertikal, nicht horizontal.

  2. LIeber Martin (Liebig)> von Bernd (Tesch, *1941) im Paraidies Eifeldorf Hammer / Eifel 2016.1015

    – gute Artikel sind selten. Dieser ist sehr gut! Danke!
    – Aber er hilft mir trotzdem nicht viel weiter als Antwort. Ich habe diesen Artikel gefunden / gelesen, weil ich an einer Antwort auf diese Fragen suche:

    1. Welches ist die “Optimale Buchgröße”? Also, welche Buchgröße verkauft sich am Besten?
    2. Welche Schriftart wollen die meisten Leser, weil sie gut zu lesen ist?
    3. Wie ist die optimale Schriftgrösse?
    3. Welches ist der optmale Zeilenabstand?

    WER kann dazu etwas Gescheites und Bewiesenes sagen?
    Ich arbeite z.Zt. an einem Buch über die zeitliche Eroberung eines Kontinentes durch alle möglichen Formen wie Schiff, zufuss, Pferd, Kamel, Rad, Fahrrad, Moto, Auto, Flugzeug, Eisenbahn? Mit sehr konzentrierten Fakten-Texten, aber auchschönen Karten-Skizzen, alten SW-Porträts und auch hochmodernen Farb-Fotos.
    Ich habe schon fünf Bücher geschrieben aber kenne die “perfekte” Antwort dazu immer noch nicht…
    Bai-Bai Bernd Tesch, Globetrotter http://www.berndtesch.de berndtesch@gmail.com

    Wäre toll, wenn ich eine Antwort von Dir, Martin, oder einem Leser bekäme!

    artg .aregbDokumentaion / Buch arbeite, C öauf

    • Ich kann als kleine Einführung tatsächlich die ebenso hilfreiche wie knapp gehaltene Fibel des Jan Tschichold: “Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie” empfehlen. Erschienen im Maro Verlag Augsburg, ISBN 3-87512-403-0. Wohl leider nur noch im Antiquariat zu bekommen, aber immer noch eine gute Hilfe für die Gestaltung von Texten, selbst wenn einiges aus der Mode gekommen sein dürfte. Denn die Grundprinzipien bleiben.

      • Ich habe die Fibel kürzlich im Antiquariat für unter 15 EUR (neuwertig) erworben und durchgelesen. Es war ganz interessant obwohl vieles wirklich veraltet scheint und sich durch Technik inzwischen überholt hat.

        Herr Tschichold favorisiert klar die “edlen” Serif-Schriften – Das anscheinend ewige Streitthema Serif vs. Grotesk (letztere mit dem interessanten Wort “endstrich-los” bezeichnet) nimmt viel Raum ein.

        Insgesamt fand ich es aber sehr interessant, vor allem durch die historischen Hintergründe. Falls man die Fibel aber nicht kaufen kann (oder evtl. exorbitante Preise ablehnt), sollte man sich nicht grämen. Viel hilfreicher und für die heutige Praxis relevanter sind hoch-qualitative Artikel wie dieser hier.

  3. Ich war zwar auf der Suche nach Literatur über die Lesbarkeit von Handschriften, war aber vom o.a. Artikel inhaltlich angetan und nehme mir gerne ein paar Details mit.

    Beste Grüße, H.F. Novak

  4. Ich beschäftige mich gerade mit Schriftarten im Rahmen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen in Web und Print. Dabei bin ich auf Ihren Artikel über die Studie gestoßen.

    Herzlichen Dank dafür, dass hat mir bei vielen Fragen sehr weitergeholfen. Und jetzt kann ich auch diese Schriftarten-Faszination von einigen Leuten viel besser verstehen.

    Was ich aber bei meinen wenigen Tests (nur im Bekanntenkreis) von Schriftarten herausfand (das lag auch außerhalb des Fokus Ihrer Studie):

    Die Lesbarkeit von Zahlen und Sonderzeichen ist manchmal entscheidend.
    Arial stellt eine Zahl wie 986 nicht so eindeutig dar, wie andere modernere Fonts. Unter schlechten Lese-Bedingungen können diese Ziffer leicht verwechselt werden, bzw. es benötigt ein genaues Hinsehen.

    Aber gerade bei Zahlen habe ich noch eine Frage:
    Warum werden sind manchen Fonts (z. B. Georgia) die Ziffern wie bei 98 nicht auf einer Linie, sondern hoch- bzw. herab-gesetzt?

    Vielen Dank und Beste Grüße
    Klaus

    • Viele Schriften verfügen, wie auch die Georgia, über Mediävalziffern, die über ausgeprägte Ober- und Unterlängen verfügen und sich deshalb in Fließtexten besser eingliedern lassen, besser im Sinne eines harmonischen Schriftbildes. Wohingegen Versalziffern insbesondere in Tabellen zur Anwendung kommen. Mehr zu diesem Thema unter typografie.info.

      • Vielen Dank für die Stichworte.

        Wenn ich die Argumentation richtig verstehe sollen die Mediävalziffern also nur verhindern, dass die Zahl bei einem ersten Blick auf eine Buchseite nicht aus dem Fließtext heraussticht.

        Typografie ist sehr vielschichtiger, als ich je gedacht habe.

  5. Ich bin entgegen den hiesigen Aussagen davon überzeugt, dass die Schriftart einen erheblichen Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit und “Erträglichkeit” eines Textes hat. Hier wurden Zeiten um 7 s gemessen und daraus abgeleitet, dass dies nicht so sei. Man muss schlicht länger lesen lassen! Schliesslich braucht es auch eine gewisse Eingewöhnung.
    Die genaue Art und Weise der Untersuchung bleibt im Dunkeln. Da es beim Lesen um die Erkennung von Wortbildern geht, schlage ich vor, in einem Testtext ein Wort zu verstecken, das gefunden werden muss. Außerdem muss irgendwie geprüft werden, ob der Proband den Text bis dahin wirklich gelesen oder nur überflogen hat. Man könnte z.B. die Anzahl der UND-Wörter per Strichliste o.ä. zählen lassen.

    Und: “Letter-Höhe” heißt Letternhöhe. Schreiben Sie nicht “nummerisch”, sondern “numerisch”, denn es hat nur am Rande mit Nummer zu tun, die Betonung liegt auf der zweiten Silbe. (Einfach mal nein sagen, wenn der Staat Mist baut.)
    Falls Sie gewisse Worte nicht mehr übersetzen können, hier eine Hilfe: “Screenshot” = Bildschirmfoto, “als default” = nach Vorgabe.

    Insgesamt finde ich, es ist eine sehr interessante Untersuchung in einem etwas schlecht lesbaren Text.

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