Wie viel verdienen Designer?

Schön, dass in so kurzer Zeit so Viele der Aufforderung nachgekommen sind und an der kleinen Umfrage in Bezug auf die Gehälter von Designern teilgenommen haben. 1.401 Antworten wurden erfasst. Hier nun also das Ergebnis.

Es wird wohl keinen Designer wirklich überraschen, dass die Anfang des Jahres von Stern veröffentlichte und vom Hamburger Institut Statista ermittelte Zahl in Sachen Gehalt eines Designers ganz offenbar nicht stimmt. Im Stern-Gehaltsreport 2010 führen Grafiker und Designer die Tabelle mit dem höchsten Gehaltszuwachs an (erfasst wurden die Daten einschließlich 2008). Demnach sollte der Durchschnittsverdienst eines Designers bei 4.690 Euro brutto liegen. Im Fontblog meldeten sich im Anschluss an den Bericht viele, die widersprochen haben, auch Johannes Erler von Factor Design schrieb eine ziemlich ausführliche Gegenrede und ist der Ansicht: Grafikdesigner verdienen so wenig wie nie zuvor! Schauen wir uns also das Ergebnis der dt-Umfrage an.

Rahmenbedingungen der Umfrage

Zur Teilnahme aufgerufen waren Designer und Designpraktikanten aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Anders als in den bisherigen, von Dritten durchgeführten Umfragen, wurden dieses Mal die Designer direkt befragt, und zwar in anonymisierter Form. Dabei wurde zwischen Designern MIT und OHNE Berufserfahrung unterschieden. Abgefragt wurde der jeweilige Brutto-Verdienst. Nicht erfasst werden die Einkünfte selbstständiger Designer. Das soll zu einem späteren Zeitpunkt einmal nachgeholt werden. Als Hilfsprogramm kam der Formular-Editor von GoogleDocs zum Einsatz, in dem alle Antworten erfasst und auch bereits visuell aufbereitet sind. Die individuellen Prozentangaben (rechte Seite) habe ich nachträglich selbst ermittelt.

Exakte Durchschnittswerte lassen sich aufgrund der Fragestellung leider nicht ermitteln. Auch eine Verteilung nach Bundesländern, wie es sich einige dt-Leser gewünscht hatten, muss in dieser Umfrage unberücksichtigt bleiben. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass die 4.690 Euro als durchschnittlicher Monatsverdienst eines Designer nicht zu halten sind, sie sind schlicht weg falsch.

Das Ergebnis

Praktikanten

76 Personen – und damit die größte Gruppe innerhalb der Praktikanten – gaben an, ein Einkommen in Höhe von 300 – 400 Euro zu beziehen. Schaut man sich die Zahlen im Diagramm an, lässt sich ein ungefährer Mittelwert von 400 Euro benennen. Die Umfrage zeigt auch, dass fast jeder fünfte Praktikant ohne festes Gehalt arbeitet.

Festangestellte Designer mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung

Die meisten festangestellten Designer (58%) mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung verdienen zwischen 1.500 und 2.500 Euro. 167 Befragte – und damit die größte Personenzahl innerhalb dieser Gruppe – beziffert ihr Gehalt mit 2.000 – 2.500 Euro. 44% aller „Jungdesigner“ verdienen weniger als 2.000 Euro. Nur sehr wenige Designer (4%) schaffen es in ihren ersten 4 Berufsjahren, mehr als 3.500 Euro zu verdienen. Ein guter Durchschnittswert in dieser Gruppe dürfte bei etwa 2.100 Euro liegen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuletzt auch die Kurz-Umfrage von Prof. Robert Paulmann. Sie weist 25.580 Euro als ein durchschnittliches jährliches Brutto-Anfangsgehalt für Absolventen von Gestaltungshochschulen aus, was einem monatlichen Betrag von 2.131 Euro entspricht.

Festangestellte Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung

Die (einfache) Mehrheit der festangestellten Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung verdient laut dt-Umfrage zwischen 2.000 – 3.000 Euro. Aufgrund der recht ausgewogenen Verteilung innerhalb der Erfassungsdaten, dürfte der Durchschnittsverdienst hier im Bereich 2.750 € liegen. Mit Blick auf das Diagramm lässt sich zudem sagen, dass lediglich jeder siebte Designer über ein Gehalt von mehr als 4.000 Euro im Monat verfügt. Gerade hieran erkennt man, wie praxisfern die von Statista erhobenen Daten in Bezug auf die Gehälter von Designern sind.

Bildet man schließlich den Mittelwert aus den beiden Durchschnittswerten – noch einmal der Hinweis, dass es sich bei den Durchschnittswerten um Pi-mal-Daumen-Summen handelt – so liegt das monatliche Durchschnittsgehalt eines Designers bei 2.425 Euro, wobei man dessen Aussagekraft natürlich in Frage stellen darf und sollte.

Grundlage für diesen Wert sind die in der Umfrage ermittelten Angaben. Maßgeblich für das tatsächliche Gehalt sind jedoch Faktoren wie der Grad der Qualifikation, die Dauer der Anstellung, die Qualität der Arbeit oder etwa auch, wie stark die Belastung im Job ist. Darüber hinaus ist natürlich auch entscheidend wie der Arbeitgeber selbst positioniert ist. Große und renommierte Agenturen, die fest im Sattel sitzen, sind in der Lage – zumindest prinzipiell – ihren Designern höhere Gehälter zu zahlen. Die Umfrage verdeutlicht jedenfalls, dass es keinen eindeutigen Mittelwert gibt, nur eine Richtschnur, an der man sich ein wenig orientieren kann. Wenig überraschend ist dabei, dass diese Richtschnur viel viel tiefer hängt, als man es zuletzt im Stern-Gehaltsreport und in der WELT KOMPAKT lesen durfte.

Nun die Zahlen im Detail:

Designer Gehalt

Designpraktikanten Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

Hinweis: Zur Ermittlung der Zahlen wurde GoogleDocs verwendet.

101 Kommentare zu “Wie viel verdienen Designer?

  1. Ich glaube mein Namensvetter @14 hat es ganz gut beschrieben. Grafikdesigner ist eben ein hipper Beruf, nicht erst seit Telenovelas und Kinofilmen. Man gümmelt den ganzen Tag gemütlich vor dem Rechner, trinkt lots of coffee, hat immer feine und neue Adobe-Software auf seinem shiny Apple und neben dran den Kicker, mit dem man mit seinen Kollegen spielt und gut bezahlts wirds auch noch. Sind halt kunterbunte Traumvorstellungen. Der Realitätsschock lässt dann allerdings nicht lange auf sich warten: Grafikdesign ist eben “auch nur” ein Job, manchmal auch ein richtig knochenharter. Da es aber an einem “Heer der Freiwilligen” nicht mangelt und selbst um unbezahlte Praktikas mitunter mit harten Bandangen gekämpft wird, muss sich niemand ernsthaft über die derzeitigen Gehälter wundern: Ist halt Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage.

    Als ich vor rund zehn Jahren meinen Laden aufgemacht hatte, gabs hier regional eine große Werbeagentur und 2-3 kleinere. Stand 2010 ist ein undurchsichtiges Gewulst an Werbeagenturen, freien Grafikdesignern und Werbebüros – grob geschätzt 30-40 potentielle Konkurrenten. Das gibt der Markt einfach nicht her.

  2. @Manuel Da muss ich Dir zustimmen. Allerdings darf man annehmen, dass nicht all diejenigen, die eine Runde Summe verdienen, in die gleiche Richtung votiert haben. Wenn 20 Personen tatsächlich 3.000 Euro verdienen, werden einige von ihnen den darunter liegenden und andere den darüber liegenden Wert “intuitiv” ausgewählt haben. Das sollte sich ausgleichen, so zumindest meine Hoffnung. Im Endergebnis dürfte dieser Faktor wohl kaum ins Gewicht fallen. Ich werde die Werte allerdings in einer nächsten Umfrage eindeutig formulieren. Danke für die Rückmeldung.

    Und danke auch für die positiven Stimmen!

  3. @Christian

    Hast Du Deine/n Arbeitgeber/in mal gefragt, wie sie den Lohn kalkuliert haben? Und/oder kannst Du Deinen Lohn ins Verhältnis setzen zu den Gewinnen Deines/Deiner Chefs?

    Ich frage diese beiden Punkte, weil die Preisspirale nach unten in strukturschwachen Gebieten “gern” stärker gedreht wird. Aus Sorge, überhaupt keine Aufträge mehr zu bekommen, fühlt sich so manche Unternehmensführung in Zugzwang, über den Preis zu gehen. Nicht alle haben dabei die kik-Attitüde (ausbeuten) im Sinn, sondern verteilen das Wenige im Rahmen des Möglichen (Selbstausbeutung inkl. Belegschaft). Wenn “uns” selbst unsere Leistung nur so wenig wert ist, wie sie in manchen (oder vielen?) Angeboten steht, dann ist der erste Ansatzpunkt für den Hebel in “unseren” eigenen Händen.

    Nach meiner Erfahrung aus Angebotsverhandlungen, sind (potentielle) Auftraggeber durchaus offen für den Aspekt “Verlangen Sie keinen Preisniveau, das uns in die Pleite treibt, wir wollen Ihnen langfristig ein guter Dienstleister sein.” oder verstehen Erläuterungen zu Hard- und Softwarekosten, Fortbildungen. Die meisten Kunden sind selbst Unternehmer/innen und können kalkulieren.

    Es ist wirklich wichtig, dass “wir” die wir für die Wirtschaftlichkeit in “unserer” Branche zuständig sind, dabei auch Verantwortung übernehmen für einander. Ich stelle die These auf, dass “wir” in der Kreativbranche wie in vielen anderen Branchen (Bau, Handel…) in die Falle getappt sind, dass Geiz tatsächlich geil wäre. Das Erbe der Neunziger und des Jahrtausendwechsels. “Wir” sind aber eben keine Discounter-Ketten und global player. “Unser” Geschäftsmodell muss also zwangsläufig anders aussehen, weil “wir” nicht über Masse und Outsourcing gehen können. Oder nur in Maßen.

    Amen ;-) (und weiterhin an Deiner Antwort interessiert, Christian)

  4. @Miriam: Fotograf ist kein geschützter Beruf mehr. Bei allen diesen kreativen Berufen kommt es m.E. gleichermaßen auf Kreativität, Können und Talent an. Eine Ausbildung oder ein Studium sind da sehr hilfreich alles weiterzuentwickeln. Wenn jedoch alles fehlt nützt auch ein Abschluss nicht viel.

    Ich habe hier täglich Werbung in meinem Briefkasten bei dem jegliche Entlohnung des Erstellers zuviel war. Qualität setzt sich immer durch und die Nachfrage nach gutem Design ist m.E. nach wie vor ungebrochen. Vorbei sind mit Sicherheit die Zeiten als jeder Grafiker und Medienschaffende sich als Künstler auch dementsprechend wie eine Diva benehmen konnte und für sein formal unzureichende Arbeit (die er einfach Kunst nennt) auch ein dementsprechendes Honorar verlangen konnte.

    Bin in jedem Fall gespannt auf die Umfrage zum Verdienst von Selbstständigen.
    Dank dir Achim!

  5. ich glaube dass grafiker oder designer teilweise selbst dazu beitragen, dass sie so schlecht bezahlt werden. sie verkaufen sich einfach zu billig, nehmen jobs an die sich wirtschaftlich einfach nicht rentieren, schieben überstunden ohne entgeltung, kommen auch gerne sonntags ins büro… und so weiter. der witz an der sache: es wird mit der steigenden berufserfahrung nicht viel besser. die meisten sind ja so oder so weg. kennt ihr viele grafiker mit 15jährigen berufserfahrung?

    der andere grund: die pseudodesigner (mediengestalter) haben den markt überfüllt und hochwertige hochschulabsolventen aus der branche, gerade wegen niedriger bezahlung, verscheucht.

    klingt alles ein bisschen pauschal, aber ich denke ihr wisst was ich meine

    grüße, tikri

  6. @tikkri: Als von dir mit “pseudodesigner” betitelter möchte ich dir schreiben, dass deine Logik einen Denkfehler hat. Kein Restaurant muss normalerweise schließen weil nebenan ein McDonalds aufmacht. Wenn Restaurantgäste jedoch feststellen, dass sie besseres Essen nebenan auch noch günstiger bekommen, dann ist das ein Problem.

    Es wird eben kaum noch jemand benötigt der ganz tolle Zeichnungen und Malereien macht. Kein Agenturchef zeigt einem Hochschulabsolventen gern wie er den Mac an bekommt und wie er die Programme bedient – das sollte Teil der Ausbildung gewesen sein.

    Wie kann denn ein “minderwertiger” Mediengestalter einen “hochwertigen” Hochschulabsolvent verscheuchen? Entweder hat da also jemand jahrelang weit unter seinem Niveau gearbeitet so, dass er problemlos von einem Halbaffen ersetzt werden kann – oder er ist evt. gar nicht so toll wie ihm auf seiner Hochschule immer gesagt wurde.

    “klingt alles ein bisschen pauschal, aber ich denke ihr wisst was ich meine”

  7. So aufschlussreich und wichtig die Richtigstellung der tatsächlichen Gehaltssituation auch ist, muss man trotzdem nochmal dazu sagen, dass die Angabe im Stern mit Fußnote war, die besagte, dass der vermeintliche Durchschnittsverdienst durch weniger als 25 Befragte zustande kam und somit auch nicht repräsentativ ist. Die ganze Aufregung scheint also entstanden zu sein, weil “die Welt” diesen Hinweis nicht mitveröffentlicht hat und in Folge jeder von einem repräsentativen Wert ausgegangen ist. Im Stern vom 7.1.2010 war dieser Hinweis auf jeden Fall dabei und somit habe ich persönlich das Ganze schon damals nicht so ernst genommen. Vielleicht sollte man sich hier eher über die Schlamperei der verantwortlichen Redakteure aufregen oder mal wieder über Sinn oder Unsinn von Umfragen und deren reräsentativen Wert sinnieren. Ich könnte jetzt auch soweit gehen zu sagen, dass die in dieser Umfrage erhobenen Daten ebenfalls nicht repräsentativ sind, weil das zu benutzende Formular in Wirklichkeit ja auch von jedem durchgeklickt werden kann, auch von Nichtdesignern beispielsweise. Aber das werde ich jetzt nicht, weil ich das einfach zu kleinlich finde.

  8. Ich möchte mich einfach mal herzlichst für diese Umfrage bzw. die Auswertung derselben bedanken! Ich arbeite zwar nicht im “Design”-Bereich, allerdings sind diese Zahlen im Sinne des “Über den Tellerrand”-Schauens wirklich äußerst interessant.
    Gerade, weil ich programmiertechnischen Webbereich tätig bin. Ich persönlich hätte mir einer weitaus besseren Entlohnung im Mittel gerechnet.

    Wie gesagt: Danke für diesen Einblick!

    Weiter so!

  9. Apropos flattr, suche noch immer sinnvolle Seiten zum flattrn (und einen Grund für einen flattr Account), warum gibt es im dt noch kein spenden-/ micropayment-system?

    *****************************
    dt-Anmerkung
    Eine gute Sache ist flattr schon aber letztendlich bin ich weder von dem Prinzip, noch von dem Erfolg – im Sinne einer spürbaren finanziellen Größe –, zu 100% überzeugt. Ich möchte auch ganz bewusst nicht in eine Versuchung geraten, eher über Themen zu schreiben, die stark geflattert werden, als über die weniger häufig honorierten Artikel. Zudem gibt es ja bereits eine Systematik, die eine Honorierung vorsieht: Visits und Kommentare. Davon alleine wird man jedoch nicht reich. Mein Ansatz ist es, über die Werbung Einnahmen zu erzielen. Damit dies funktioniert ist es erforderlich, dass Werbung nicht nur geduldet, sondern auch akzeptiert wird. Ich hoffe, dass fällt nicht allzu schwer, denn der kontextuelle Bezug der Werbung zum Inhalt dieses Blogs ist fast immer gegeben. Aus dieser Einsicht zur Notwendigkeit von Werbung heraus, ist mein Adblocker fast immer deaktiviert. Interessant ist dazu der Artikel: Wie viel Geld verlieren Webmaster durch Adblocker? bei t3n. Ich versuche Werbung als Teil des Auftritts zu betrachten. Nicht immer gelingt es, aber in den meisten Fällen bin ich nach einem kurzen Moment auf den eigentlichen Inhalt fokussiert.
    Lange Rede… hier wird auch zukünftig kein Flattr-Button erscheinen – übrigens auch kein „gefällt mir“, aber das ist ein anderes Thema –, stattdessen gibt es Werbebanner und Werbelinks, die keinesfalls zufällig hier erscheinen.
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  10. Ich denke, dass die Gehälter einfach extrem schwanken, abhängig von Unternehmen, Aufgabengebiet und Arbeitsbedingungen…Ich wechsel ab nächster Woche in einen neuen Job und habe mich von einem unbefristeten Arbeitsvertrag auf unsicheres Terrain begeben und bin jetzt in einer Befristung…sicher waghalsig, aber zukunftsorientiert…ich verdiene um einiges mehr, habe weniger Wochenarbeitszeit und bekomme JEDE meiner Überstunden ausgeglichen…

    …Jeder muss sich gerade in unserer Branche immer wieder weiterentwickeln und andauern über den Tellerrand hinaussehen…deswegen sind wir ja keine Steuerberater und Verkäufer geworden, sondern wollen mit dem Spaß den wir an Kreativität haben auch noch Geld verdienen…

    Ich für meinen Teil denke, dass es zum ganzen kreativen und “designerischen” Schnick und Schnack auch noch einen technischen Teil gibt, den hierzulande sehr viele Designer nicht richtig beherrschen…es gibt tatsächlich Grafik-Designer die nicht wissen wo der Unterschied von CMYK und RGB liegt und was Schnittmarken sind und wann auf Überdrucken gestellt wird…das macht MICH wahnsinnig…die Welt besteht nunmal nicht immer nur aus bunten lustigen Dingen die schön und total kreativ zusammen gebastelt werden… Klar kann man sich mit guten Konzepten von Konkurrenten abheben, ich denke für meinen Teil jedoch, dass sich mit technischem Know-How zu Druck, Weiterverarbeitung und Online etc. in Zukunft viel mehr erreichen lässt…

  11. @Atlantis:

    “…es gibt tatsächlich Grafik-Designer die nicht wissen wo der Unterschied von CMYK und RGB liegt und was Schnittmarken sind und wann auf Überdrucken gestellt wird…das macht MICH wahnsinnig…”

    Genau das hat mir im Februar einen besser bezahlten Job in der Industrie beschert. Hier wurde zwar auch auf ein gewisses Maß an Kreativität Wert gelegt, allerdings vorallem auch auf eine saubere Datenaufbereitung, sodass die Druckereien mit unseren PDFs auch direkt was anfangen können und nicht erst zig RGB-Bilder, Überdruckenfehler usw. korrigiert werden müssen.

    In einem Wirtschaftsunternehmen ist man weitgehend ohnehin an das Firmen-CI gebunden, was die Auslebung der Kreativität natürlich ordentlich vermindert. Aber so hat jeder Jobwechsel Licht- und Schattenseiten.

    Achja, ich bin übrigens auch einer der stümperhaften nichtstudierten Pseudodesigner. :-)

  12. @ Tikkri:

    Das Designer mitunter selber an ihrer Misere Schuld sind, da stimm ich dir zu. Warum auf der einen Seite Agenturen nach eigenen Regeln spielen und sich nicht ans dt. Arbeitsrecht gebunden fühlen (Bedarf für Wettbewerbsvorteile gibts in jeder Industrie) und aber auf der anderen Seite Arbeitnehmer dieses Spiel mitmachen und auch noch kultivieren– Die Frage stelle ich mir, seit ich in dem Beruf arbeite.

    Soviel zu deiner These. Den rest von deinem Post find ich ziemlich lächerlich.. hast dich wohl aus Un- oder Hochmut dazu verstiegen. “Pseudodesigner” ist echt eine übelste pauschalisierung; hat weder Hand noch Fuß. Weder in der Ausbildung noch im Studium wird man zum “Designer”. Ich hab ungelernte Leute Kampagnen umsetzen sehn, da bekommst du das große Ohrenschlackern. Ich kenne genug Mediengestalter, denen kein Dipl. Des. das Wasser reichen kann. Dann kenn ich selbstredend Hochschulabsolventen die unerreichbar gut sind und eben die, die von tuten und blasen keine ahnung haben “aber echt fit in Farbenlehre” sind.

    Wer die besseren, echteren, realeren Designer mit der utmost-street-cred sind- das ist imho eine nicht führenswerte Debatte… zeig mir dein Portfolio, deine Referenzen, dann sag ich dir wie gut, wie real du bist.


    Sehr interessanter Artikel, sehr interessante Diskussion – THX!

  13. This goes out to all the “stümperhaften nichtstudierten Pseudodesigner”:

    Der Markt ist mehr als gesättigt. So viel steht fest. Das ist nicht anders, als in anderen Branchen auch.

    Ein Kernproblem ist, das in vielen Unternehmen die sinnvollen Strukturen aufgebrochen wurden. Ich bin auch der Meinung, dass die Lehre mehr Praxis vertragen kann. Ich persönlich habe zwar noch nie einen Designer erlebt, der die unterschiedlichen Farbräume nicht unterscheiden konnte, aber das es im Studium und in der Ausbildung unterschiedliche Zielführungen gibt ist ganz logisch.

    Die Unternehmen hätten immer gerne die eierlegende Wollmilchsau. Genau das ist aber nicht immer möglich. Ich stelle immer wieder zwei typische Szenarien fest:

    1. Ein Designer mit Erfahrung muss viel zu viel Zeit mit der PRODUKTION diverser Werbemittel etc. verbringen und ihm fehlt dadurch Zeit für wirkliche Kreation bzw. konzeptionelles Arbeiten.
    2. Ein gelernter Mediengestalter – technisch und gestalterisch durchaus fit – macht den gleichen Job. Das Problem hier: Mangelndes konzeptionelles Wissen. Ergebnis: Mittelmäßige bzw. abgekupferte Werbemittel etc., die dem Produkt/Kunden/Ziel nicht gerecht werden.

    Eigentlich sollten diese beiden fruchtbar zusammenarbeiten. In vielen Agenturen läuft das auch so. Kreation und Umsetzung. Mittlerweile aber auch allzuoft nicht mehr.

  14. @tikkri: “pseudodesigner”
    Man musst du frustriert sein.
    Mehr fällt mir dazu auch nicht mehr ein…

    ——————————————————-

    Ich habe mir wirklich alle Meinungen zu diesem Thema durchgelesen und verstehe auch alle.
    Aber was n bisschen fehlt ist, wie viele Agenturen gibt es!!!
    Da fängt es doch an!
    So gut wie jede Agentur spring auf den Dumpingpreiszug auf, weil er sonst keine Aufträge mehr bekommt.
    Nicht zuletzt weil der Markt überschwemmt ist mit Agenturen und der Freelancer um die Ecke nur die hälfte nimmt! Oder ist das nicht so?

    Egal ob Dipl. Designer oder Mediengestalter etc., wir machen den Markt selbst kaputt mit Preisen die jenseits von gut und böse sind…

    Grüße Hans

  15. @liqui.do

    finde es schön das hier mal einer das “wir” benutzt. bei all den schwierigkeiten in unserer branche sind schuldzuweisungen wie “der mediengestalter hat die preise versaut” unangebracht.
    immerhin sitzen wir im selben boot und der mediengestalter der über eine umschulung zu solchem wurde, hatte sich vermutlich auch mehr von seiner neuen tätigkeit erhofft. schließlich hat das arbeitsamt und die presse die branche ja immer sehr rosig dargestellt.
    wichtig ist das wir am problem gemeinsam arbeiten und man leute die sehr wenig bis garnichts für ihre arbeit nehmen darüber aufklärt, dass dies unwirtschaftlich ist. dies schafft man aber nicht durch gepöbbel. sachliche argumente und ein wenig vorrechnen sind hier deutlich besser geeignet. und wie bereits mal erwähnt sollten auch die berufsverbände sich etwas öffnen und bestimmte medien die zur preisbildung hilfreich sind auch mal unentgeldlich zur verfügung stellen. damit ist jetzt nicht gemeint, dass sie was verschenken sollen, aber einige ansichtsexemplare in bibliotheken (zumindest der hochschulen) wären ratsam.

  16. Sehr schöne Aufstellung/Umfrage, danke für deine Mühe. Fand diesen Beitrag sehr interessant & es scheinbar recht realistisch, obwohl es keine Absicherung von “Spaßbietern” gab, oder?

  17. “der andere grund: die pseudodesigner (mediengestalter) haben den markt überfüllt und hochwertige hochschulabsolventen aus der branche, gerade wegen niedriger bezahlung, verscheucht.”

    Also wenn ich sowas lese könnte ich direkt ausrasten! Sowas Überhebliches kann auch nur von einem studierten Kommunikationsdesigner kommen. Nach über sechs Jahren Agenturerfahrung kann ich (als AD, der sich als Mediengestalter hochgearbeitet hat) klar feststellen, dass studierte Grafiker keineswegs in der Regel besser sind als Mediengestalter – teilweise ist sogar das Gegenteil der Fall. Blinde, talentlose oder faule Schafe gibt es in allen Bereichen. Ich kenne einige junge Mediengestalter, die mit Leib und Seele dabei sind und schon seit der Schulzeit jede freie Minute Photoshop, Illustrator und Co. widmen. Da können sich einige studierte “Designer” mehrere Scheiben von abschneiden, die all ihr angelerntes Wissen (!) aus den beschränkten Lehrbüchern ihrer Gelehrten anwenden, selbst aber kaum in der Lage sind, Dinge von selbst zu entwickeln oder weiterzuentwickeln.

    Einzig allein die Tatsache, dass es mittlerweile zu viele Mediengestalter gibt, da stimme ich zu. Aber bitte hier keine Qualitätsbewertung eines ganzen Berufszweigs vornehmen. Wo es viele Arbeiter gibt, gibt es natürlich im Verhältnis mehr schwarze Schafe, die nicht gut arbeiten.

  18. @ Achim Schaffrina: Ganz herzlichen Dank für die Umfrage und die Arbeit bei der Auswertung!

    Wir wissen, dass diese Umfrage nicht repräsentativ für alle KollegInnen in Deutschland sein kann. Ansonsten überrascht mich das Ergebnis nicht sonderlich. Die Branche ist übersättigt und die Wirtschaftslage immer noch kritisch und somit die Agenturchefs und Auftraggeber vorsichtig bis zurückhaltend, was die Bezahlung der Mitarbeiter angeht. Dies ist nachvollziehbar, auch wenn dies z.T. recht schmerzhaft ist.

    Die in der Branche goldenen 70er bis Anfang 90er Jahre sind lange vorbei, aber einen Job in der ach so “hippen” Werbe- und Design-Branche zu haben, scheint immer noch populär zu sein.

    Es gibt immer noch KollegInnen, denen erst ein Licht aufgeht, wenn sie der harte Arbeitsalltag eingeholt hat und sie merken, dass man teilweise nur noch mit Dumpingpreisen überleben kann, um überhaupt noch Aufträge zu bekommen. Das wissen viele Auftraggeber und nutzen dies auch.

    Jammern nutzt keinem. Die einzige Chance ist, mit Qualität, Kontinuität, Kreativität, Ernsthaftigkeit, Ehrlichkeit, Enthusiasmus, Freundlichkeit und vor allen Dingen mit Spaß seinen Job zu bestreiten. Längerfristig hat man dann mehr davon, sowohl monetär (längerfristig) als auch vom Spassfaktor her.

    Ich wünsche allen KollegInnen, dass sie Ihren Beruf als Berufung sehen (können) und Erfolg dabei haben!

    Beste Grüße, Ralf

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