ZDF Nachrichtenstudio im neuen Design

ZDF Nachrichtenstudio Design

Das ZDF-Nachrichtenstudio wurde für 30 Millionen Euro modernisiert. Auch das On-Air-Design wurde grundlegend erneuert. DWDL.de stellt die neuen Opener vor. Sie zeigen, wie ab dem morgigen Freitag “heute” und “heute-journal” aussehen. Das Ergebnis dürfte polarisieren.

Steriler könnten die neuen Opener kaum noch sein. Das Studio wird von einem dreiarmigen Tisch/Pult dominiert. Das Objekt wirkt wie eine Mischung aus Raumschiff Enterprise und Laufsteg. Trotz Holzoberfläche erscheint der Tisch künstlich und ebenso virtuell, wie die Hintergrundkulisse, die kaum Räumlichkeit bietet und in Wahrheit grün ist. Die zu Mini-Avataren geschrumpften Moderatoren gehen in der Kulisse, zumindest in der Totalen, die fast absurd erscheint, vollkommen unter. Dem Zuschauer wird kein Studio angeboten, sondern eine Halle, die es ihm schwer macht sich wohl zu fühlen.

ZDF Nachrichtenstudio Design

Die Detailansicht hingegen ist angenehm. Der Hintergrund wirkt wertig und der Moderator ist gut in Szene gesetzt. Auf dem mit einem blauen Verlauf versehenen Hintergrund deuten schwächer werdende dünne Linie Räumlichkeit an. Die Weltkarte ist, anders als bei den Kollegen der Tagesschau, bei denen der Fokus auf den Ausschnitt von Europa liegt, komplett dargestellt. Kanada, China und vor allem Russland ragen aufgrund eines Schattenwurfs seltsam aus den Kontinenten hervor. Weshalb diese Betonung? Auch das horizontal verlaufende gelbe Band wirft Fragen auf. Lässt die Höhe des Bandes das Ausgabeformat erkennen? Weiter oben positioniert = heute und weiter unten = heute journal?

ZDF Nachrichtenstudio Design

Im Corporate Design hat sich aus der Akzentfarbe Orange ein neuer Gelbton herausgebildet. Auch die Blautöne wurden deutlich zurückgefahren und erscheinen nun blaugrau statt ultramarin. Insgesamt sind die Farben weniger gesättigt. Ich bin allerdings der Ansicht, dass die Tagesschau mit dem Maigrün die bessere Akzentfarbe in Händen hält, da die Kombination Blau/Orange nicht unbedingt das Thema Hochwertigkeit transportiert (siehe Aldi-Süd und Plus; ebenso wenig Blau/Gelb siehe Lidl). Die Veränderungen zeigen, dass man sich dieser Problematik durchaus bewusst ist. Das ZDF-Logo ist nun einmal orange und für die Aufbereitung der Nachrichten ist Blau die beste Farbe. Die heute-Nachrichten “müssen” damit arbeiten. Ich hätte es aber spannend gefunden, eine andere Akzentfarbe im neuen Design zu sehen. Besser als die bisherige Farbkomposition ist die neue Lösung dennoch.

Die beim Relaunch der heute.de-Website verwendete neue Schriftart verliert nun, mit der Umstellung auf das neue Design des Nachrichtenstudios, ihre Beliebigkeit. Im Kontext der Sendung erscheint ihre Verwendung sehr gelungen. Einblendungen sind ebenso ansprechend gestaltet, wie Überschriften, die auf dem blauen Fond platziert werden.

Fazit

Das Vorabmaterial steigert zwar die Spannung lässt einen jedoch nicht als designinteressierten Menschen vor Freude jauchzen. Die Wichtigkeit und die Dominanz, die das Design einnimmt, tut weder den Inhalten, noch den Nachrichtensprechern sonderlich gut. Vor allem die Opener verleihen dem Nachrichtenformat eine Künstlichkeit und eine Virtualität, gegen die die Moderatoren nun gegensteuern müssen, damit der Zuschauer sich gut aufgehoben fühlt.

149 Kommentare zu “ZDF Nachrichtenstudio im neuen Design

  1. @ Hendrik T.

    also nicht nur gez-gebühren, sondern auch steuergelder?
    oder woher hat das zdf sonst noch geld? von dem bisschen werbung, das im zweiten läuft? das geht ja sicherlich für gottschalk und konsorten drauf, oder?

    kannst du mich hier aufklären, woher das geld stammt? ‘ne erbschaft vielleicht?

  2. 30 Millionen Euro sind eine Stange Geld, gerade in diesem Zusammenhang aber doch nun wirklich nicht am schlechtesten angelegt. Eher würde ich mir da Gedanken über die mutmaßlich grotesk überproportionalen Ausgaben für Scheinjournalisten wie Markus Lanz oder überdimensionierte Promoevents wie „Wetten Dass…“ machen. Die von Herrn Theveßen angesprochenen Gründe für den Entschluss zum Neubau scheinen mir nachvollziehbar.

    Was das neue On-Air-Design angeht: Farbgebung und Gestaltung finde ich grundsätzlich durchaus gelungen, wenn auch etwas kühl. Den „Enterprise-Tisch“ mit seinem dunklen Holz empfinde ich trotz futuristischer Form persönlich übrigens eher als einen angenehmen Aufbruch der doch ziemlich sterilen virtuellen Umgebung. Es gibt jedoch einige Punkte, die auch mich nachhaltig irritierten:

    – Es wurde schon mehrfach angesprochen: Die Totale ist verstörend. Es mag sein, dass die Ausmaße der Studiofläche und des Tisches einfach notwendig sind, um den Spielraum für die Einstellungen auf diese „Erklärräume“ zu schaffen. Diese Gigantomanie der Anfangseinstellung wirkt aber einfach unseriös. Da hätte man die Kamera ja gleich durch ein fiktives „Infocenter“ ins Studio schweben lassen können, wie bei ProSieben.

    – Verstärkt wird dieser Eindruck durch den zusätzlich zur adaptiven Perspektivanpassung bewegten Hintergrund während der anfänglichen Kamerafahrt. Der Vordergrund mit den Moderatoren scheint da wie in einem schlechten Trickfilm durch den Raum zu sausen.

  3. So, nun ist’s bewegt unter die Augen gekommen und ich bin etwas enttäuscht. Leider kompensieren die Kamerafahrten und Animationen in keinster Weise das sterile, wenn auch zeitlose, Design.
    Ganz scheußlich: Auf den horizontalen Linien rennen dickere Linien gegen die Leserichtung um die Wette. Was zum??! Immer wieder fehlt OnAir-Designern der Mut es einfach mal unbewegt zu lassen und ein ruhiges Bild zu gestalten.

  4. Vieles wurde bereits schon gesagt (und damit meine ich nicht die Gebührenflames), auch mir gefallen Farbklima, Typo usw. sehr gut. Folgende Dinge sind mir während der ersten live-Sendung die ich gerade gesehen habe aber negativ aufgefallen.

    Schwindeltrauma
    Während Beiträgen die zum großen Teil nur mit Fotos gestützt von den Moderatoren vorgetragen werden läuft die “Staffel” an Bildern langsam vom Moderator weg nach Links – erst einmal dachte ich einen “Knick” in der Optik zu haben, da man das Gefühl hat sich zu lang im Kreis gedreht zu haben wodurch sich alles zur Seite bewegt. Unnötig und störend meiner Meinung nach. Die grundsätzliche Animation des Umblättern hingegen ist in Ordnung.

    3D zum Selbstzweck
    3D-Animationen sind super um komplexe Zusammenhänge zu erklären, bei der Verteilung der Sitze und Stimmen im Kieler Landtag (wenn zugegeben auch nicht sooo komplex) und der Erklärung vom Moderator fand ich den Einsatz stimmig.
    Wenn der Moderator dann jedoch etwas verloren vor einem Abbild eines Atommeilers steht und auf lustige orangene Transformatoren zeigt um zu sagen das dieser brannte ist das wiederum viel Wind um nichts (und seien die Partikeleffekte auch noch so nett)

    Viva la Wetter
    Der animierte Übergang zum Wetter sieht irgendwie noch aus wie eine Rohfassung und passt meiner Meinung nach nicht so recht zum Rest der Sendung. Ein Transformator in Krümmel brennt in 3D mit Quake-Partikeleffekten, und vorm Wetter fährt die Kamera nur an extrem reduzierten Piktogrammen vorbei? Irgendwie lieblos.
    Die Wetterkarten selbst wirken etwas zu dunkel, da die umliegenden Länder ein wenig zu sehr in den Graublautopf gefallen sind – dafür “atmet” die Karte jetzt mehr da die Holzpanele rechts nun endlich weg ist.
    Die Piktogramme auf den Wetterkarten selbst mögen im Plastiklook stimmig sein, die Animation hakelt aber (noch?) extrem. Zudem sieht das Piktogramm für “Teils bewölkt” irgendwie mehr aus wie ein verunglücktes Puzzleteil.

    Wir können alles…
    außer ruhig. Wahrscheinlich freuen sich alle über all die neuen Möglichkeiten, und sinnvoll eingesetzt sind die Animationen auch in Ordnung. Die letzte Sendung wirkte aber einfach zu unruhig. Der Moderator fährt immer seitlich weg, geht zur Seite um etwas zu erklären, etc.etc.
    Ich möchte Nachrichten, gern auch optisch schön aufbereitet, aber keine Effektschau. Sofern das nur die ersten Tage so ist und man danach mit Bedacht alle Möglichkeiten einsetzt bleiben Heute und das Heute Journal wohl die Nachrichtensendungen die ich am liebsten schaue…

  5. Zur Typo:
    Beim Krümmel-Beitrag ist mir das fehlende Lehrzeichen bei “28.März 1984” und allen weiteren Daten aufgefallen. Die führende Null bei “01.Juli 2009” fand ich auch merkwürdig.

  6. Ok, noch ein Nachtrag: Gerade die Sendung gesehen. Auf meinem Fernseher kann ich die Subline in der Bauchbinde nicht lesen, also den unteren grauen Balken auf dem Typo platziert ist). Ist das Grau auf Grau? Ist wirklich fast nicht lesbar.

    Noch etwas zur Readability. Die perpektivische Verzerrrung der Photos, Videos etc. ist gelungen, aber die Typo ist nur sehr schlecht zu lesen – mit dieser isometrischen Verzerrung.

    Das sieht cool aus, aber der Inhalt ist auf Grund der Verzerrung nicht wirklich schnell erfassbar. Die Idee auf diese dummen Laufbänder zu verzichen ist super (außer bei der Börse, da ist es noch da).

    Diese animierten Streifen im Hintergrund kann man auch weglassen. Die lenken nur vom eigentlichen Inhalt ab.

    Das Logo in orange ist mutig. Natürlich zerblurt es oftmals bei entsprechend farbigen Hintergrund und wird dann sozusagen unsichtbar bzw. ein hübscher Farbklecks. Hab halt ne Röhre, meine Güte.

  7. Mein Eindruck nach der ersten Sendung
    • Kamerafahrten und auch Einblendungen von Bildern führen deutlich sichtbare Schlenker aus
    • Namenseinblendungen sind schlecht lesbar. Hier muss ich meine erste Meinung revidieren. Weiß auf Orange ist ein zu geringer Kontrast.
    • Die perspektivisch verzerrte Schrift ZDFNews ist ebenfalls grenzwertig in Bezug auf die Lesbarkeit. Kann mir nicht erklären wie es dazu kommen konnte, da doch kompetente Berater aus Berlin konsultiert wurden.
    • Die Treppen in den horizontalen Linien beim Opener sind echt böse.
    • Die Möglichkeit, mehr als ein Bild zu einer Meldung anzeigen zu können, ist eine tolle Bereicherung.
    • Horizontal durchs Bild laufende Linien sind effekthascherisch und lenken vom Wort ab.
    • Aufnahmen der Moderatoren, bei denen lediglich der blaue Verlauf im Hintergrund steht, wirken kalt, künstlich und irgendwie aus der Wirklichkeit entrückt.
    • Meinetwegen können die Moderatoren auch weniger durchs Studio laufen.

    In einem Punkt möchte ich Herrn Theveßen noch widersprechen. Das Design ist alles andere als “asketisch”, wie er es in einem Chat nannte. Im Detail ist es zu verspielt, nimmt sich zu wichtig und lenkt aufgrund der Animationen vom Thema ab. Das Gegenteil sollte Design leisten. Dort wo hingegen etwas mehr Menschlichkeit und Nähe erforderlich ist, zieht sich das Design aus seiner Verantwortung zurück und lässt den Moderator im künstlichen und sterilen Raum alleine.

    Trotz aller Kritik. Gratulation zur ersten Sendung! Man spürt die Aufbruchstimmung und die Motivation, die die Verantwortlichen umgibt. Das kommt gut rüber. Bitte weiter so.

  8. na ja, alles hin oder her, das Ding da auf dem Holztresen IST ein MacBook …schon nett, wie man sich mit diesem kleinen (leicht verblendeten) Accessoire die Gunst der der Generation upload oder wie das heißt herbeisehnt.

  9. 30 Millionen für ein neues Studio aber HD Fernsehen, welches im Rest der westlichen Industrie-Welt schon fast ein alter Hut ist, noch lange nicht in Sicht…
    Das ist wirklich grotesk! Und ärgert mich maßlos!
    Und besser und investigativer wird der ZDF-Journalismus dadurch schon lange nicht!

  10. Das neue Gesamtkonzept mag ja sehr frisch und auf der Höhe der Zeit wirken,
    scheitert jedoch im Detail, da es keine konsequente Struktur gibt, die sich durchzieht.

    • Dieser seltsame Farbverlauf im Hintergrund ist total ablenkend:
    hellblau zu dunkelblau zu hellblau zu weiß zu orangegelb zu beige oder sowas?
    Manchmal ist weniger doch mehr.

    • Die Abstimmung zwischen Nachrichtenbild und Text ist sehr unausgelichen
    und wird noch durch die verschiedenen Abstände zu den weißen Linien verstärkt.

    • Warum hat man sich nicht auf eine einheitliche Bildsprache geeinigt?
    Entweder man schneidet Bilder an oder nicht, jedoch nicht nach Lust und Laune.

    • Diese Vista Aero Glass Staffelung der Bilder ist grenzwertig, da die dahinterliegenden
    Bilder – falls sie zu hell/dunkel sind – ungewollt vom aktuellen Bild ablenken.

    • Kann man sich auf eine einheitliche Perspektive bei den 3D-Erklärräumen einigen?
    Ich habe bisher fünf verschiedene Perspektiven gezählt.
    Von fast frontal bis horizontfluchtend ist alles vertreten.

    • Und dort dann auch: Schlagschattenprobleme ohne Ende…

    • Beim Zoomen in Grafiken bitte geradeweg reinzoomen und nicht hin- und herschwenken,
    um beim Betrachter den Eindruck zu erwecken, er sei betrunken.

    • Bei Diagrammen bitte den Text nicht auf die Trennlinien platzieren,
    es ist eine Tabelle und kein Grundlinienraster.

    • Warum kann man sich nicht von dieser google maps Reinzoomfunktion verabschieden?
    Es gibt jetzt auch schon bessere Lösungen als zusammengefrickelte Satellitenbilder.

    • Bitte keinen Zeitstrahl im gestreiften Jalousielook.

    Das waren mal ein ein paar der Detailprobleme.
    Fazit: Es gibt noch viel zu tun.

  11. @92: Das HD Fernsehen wird für die Nachrichten, begründet in bspw. dem Filmmaterial (siehe dazu den von Achim geposteten Link @87 zur Chataufzeichnung), nicht sofort zur Verfügung stehen. Das Studio verfügt aber ansonsten bereits über entsprechende HD-Möglichkeiten. Auch du hättest vielleicht vorher mal genauer lesen sollen …

  12. Die 30 Millionen würden mich nicht stören – so eine Summe kann meiner Meinung nach durchaus investiert werden, um etwas völlig neuartiges zu realisieren – wenn da nicht die Schlampigkeit in Design und ruckelnder Kamerasteuerung und der groteske Kantinentisch wäre.

    Die Grafik ist verschwommen und an manchen Stellen völlig verpixelt (damit meine ich u.a. diese rumfliegenden Linien während der Änderung der Perspektive). Der Zoom zum Moderator ist sichtbar ruckelig (weswegen ich die Sendungen nun “ZDF ruckel-journal” nenne).

    Die Farbenkombination ist für mich etwas zu langweilig (oder besser gesagt, ÖR-haft), was aber die tolle Autobahn mitten im Studio locker toppt.

    Alles in allem schaut es etwas unausgereift aus. Dafür sind 30 Millionen wirklich zu viel.

  13. Die perspektivisch verzerrte Schrift ZDFNews ist ebenfalls grenzwertig in Bezug auf die Lesbarkeit. Kann mir nicht erklären wie es dazu kommen konnte, da doch kompetente Berater aus Berlin konsultiert wurden.

    Wir haben eine Schrift gemacht, die im Prinzip auf dem Bildschirm gut lesbar ist. Das ZDF hat verschiedene Strichstärken getestet und die gewählt, die am besten dargestellt wurde.

    Ob die Schrift nun verzerrt, weiß auf orange oder zu klein erscheint, können wir nicht beeinflussen. Es gibt keinen Standardmonitor, und wenn es auf einem uralten Röhrenbildschirm funktioniert, wird es auf einem riesigen LCD falsch aussehen und umgekehrt.

  14. Zur Weltkarte schrieb Elmar Theveßen im ZDF-Chat Folgendes: “Die Landkart ist ein künstlerischer Entwurf und bewusst nicht nach politischen und geologischen Verläufen orientiert. Sie soll unser Key-Visula – Wiedererkennungsmerkmal sein. In allen Karten, die wir sonst benutzen werden wir sehr auch die Genauigkeit und Akkuratesse Wert legen.” (http://chat.zdf.de/chatlogs/heute_4/23683.html?redirect404=http%3A%2F%2Fchat.zdf.de%2Fnologfile.html&t=1247885921)

    Auch ich wunderte mich über die Darstellung der Karte, insbesondere über die scheinbar willkürliche Grenzziehung. Herrn Theveßens Erklärung finde ich nachvollziehbar, denn tatsächlich werden nicht bestimmte Staaten hervorgehoben. Es handelt sich vielmehr um drei aufeinander gelegte Ebenen, denen bestimmte Staaten scheinbar willkürlich zugeordnet wurden. Die unterste Ebene umfasst die gesamte Landmasse der Erde. Die mittlere Ebene umfasst auf dem amerikanischen Kontinent alles nördlich von Mexiko und auf der eurasischen Landmasse alles nördlich bzw. östlich der Grenzen der Türkei, Georgiens, Aserbaidschans und des Iran. Auf der dritten Ebene schließlich liegen Kanada, Alaska, Grönland, Europa westlich der Grenzen Polens, Tschechiens, Österreichs und Italiens, sowie die baltischen Staaten, Russland und China.
    Persönlich finde ich diesen Entwurf nicht gelungen, da er den Zuschauer verwirrt und ihm suggeriert es bestehe ein politischer Zusammenhang zwischen den homogenen Territorien. Es ist nicht zu erkennen, dass es sich um einen rein künstlerischen Entwurf handelt.

    Zur verzerrten Darstellung der Dimensionen der nördlichen Länder sei gesagt, dass es sich bei der verwendeten Karte um eine Zylinderprojektion nach Miller handelt. Sie ist eine der am häufigsten verwendeten Projektionen zur Darstellung der Erde auf einer Fläche. Da unser Planet eigentlich eine Kugel ist, ist es problematisch ihre gesamte Oberfläche auf einer Fläche darzustellen. Bei einer Zylinderprojektion wird die Kugel an einer Seite zwischen Nord- und Südpol (meist im Pazifik, in etwa auf dem 180. Längengrad) virtuell aufgeschnitten und dann so lange geweitet bis die Pole, bei denen es sich eigentlich um Punkte handelt, eine Linie mit den Maßen des Äquators darstellen. Dies führt dazu, dass die Ost-West-Dimensionen der polnahen Regionen erheblich verzerrt werden. Auf der ZDF-heute-Karte wird die Antarktis nicht angezeigt. Wäre dies der Fall, würde man am unteren Bildrand eine sehr breite und große Landmasse sehen, die in etwa eine ähnlich große Fläche wie die Eurasiens einnehmen würde. Tatsächlich ist die Antarktis nur etwas größer als Europa.
    Die unverhälnismäßige Größe der nördlichen Länder gegenüber äquatornahen Regionen hat also nichts mit einer unterstellten Ungleichgewichtung bezüglich der Wichtigkeit bestimmter Regionen in der Weltpolitik zu tun, sondern resultiert schlicht und ergreifend aus der Problematik die runde Erde verzerrungsfrei auf einer flachen Landkarte darzustellen.

  15. Nach der ersten Sendung kann man noch hinzufügen:

    Web 2.0 – Design trifft auf Appledesign
    hätte man darauf verzichtet, wäre es wohl um einiges besser und nachhaltiger geworden.

  16. @Achim (90):
    Wieso gratulierst Du, wenn Du gleichzeitig zu Recht schreibst, dass hier zu sehr vom Inhalt abgelenkt wird? Führt die “Aufbruchstimmung” denn in die richtige Richtung, wenn Design auf einmal wichtiger scheint als die Nachricht selbst? Nein!

    Hat die ARD eigentlich damals ihr neues Design auch so “promotet” wie nun das ZDF?

  17. @Horst (99):

    Vielleicht, weil Achim findet, dass unterm Strich großartige Arbeit geleistet worden ist, obwohl man möglicherweise ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist? “Richtige Richtung” muss ja nicht heißen “immer weiter weg vom Inhalt” sondern kann auch heißen “in Richtung Optimum”, denn das alte Studio war schon sehr gruselig mit den zahllosen Weltkugeln und diesem Jalousien-Tisch-Monster.

    Ich persönlich übrigens bin von den richtigen Sendungen sehr angetan. Das schlichte On-Screen-Design lenkt mich so gar nicht von den Nachrichten ab. Ich bin auch sehr froh, dass das ZDF auf virtuelle Möbel verzichtet hat. Die ungewohnten Kameraeinstellungen nehmen dem etwas sterilen Design hin und wieder die Kälte. Es funktioniert einfach und sieht m.M.n. auch noch gut aus. Die Erklärräume finde ich auch toll, da sich doch vieles auf diese Weise sehr viel anschaulicher und einprägsamer darstellen lässt als mit Fullscreen-Tabellen, -Diagrammen oder mit Realbildern. Dass der Moderator (anders als bei RTL aktuell z.B.) nur einen Schritt nach hinten gehen muss (und eigentlich nichtmal das!), sorgt natürlich dafür, dass die Erklärräume sehr viel öfter genutzt werden.

    Also wo scheint Design konkret wichtiger als der Inhalt? Das ist vielleicht eine Woche bei aufgeregten Gewohnheitstieren der Fall, die sich über jede Änderung ärgern und zwei Wochen bei Designern, die in jeder Sendung analysieren, was sie persönlich sehr viel besser gemacht hätten.

    Und was die ARD angeht: Was hätte die großartig promoten sollen? Für den Durchschnittszuschauer waren da ja kaum Änderungen sichtbar, bis auf die Tatsache, dass die blaue tagesschau-Leiste nun unten und nicht mehr oben positioniert ist. Den Bildschirm in der linken Studioecke wollte man laut Pressemeldungen auch für anschauliches Erklären nutzen. Bislang habe ich ihn noch nie hierfür eingesetzt gesehen, er zeigt nur normale Hintergrundbilder im nachtmagzin, im Sport usw. Dasselbe gilt für den neuerdings im Studio 1 hinter dem mittleren Platz montierten Monitor für tagesthemen und wochenspiegel.

    Wobei ich die eindringlichen Vorankündigungen im ZDF durchaus befremdlich fand. Mal drauf hinweisen, damit jeder noch seine letzte heute-Sendung im alten Studio auf VHS packen kann – wieso nicht, aber die andauernden (recht billigen) Werbespots nervten in der Tat. War wohl nur, um mit Neugier die Quoten zu steigern …

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