IBM Plex Type

Wird IBM Plex die neue Helvetica?

Der US-amerikanische Technologiekonzern IBM ist derzeit dabei alle Medien auf eine neue Hausschrift umzustellen. Der Schriftklassiker Helvetica, seit den 1960er-Jahren bei IBM im Einsatz, hat als Hausschrift ausgedient.

IBM Plex“, so der Name der neuen Hausschrift, ist die erste für IBM maßgeschneiderte Schrift. Für das Unternehmen sei die Einführung und die Umstellung auf die neue Hausschrift ein Meilenstein. Da nunmehr keine Lizenzkosten für die Neue Helvetica anfielen, würde das Unternehmen jährlich über eine Millionen US-Dollar einsparen. Aufgrund der hohen Kosten hätten bislang nicht alle der über 380.000 Mitarbeiter die Hausschrift nutzen können. Dieses Problem bestehe nun nicht mehr.

In einem 5-minütigen Video stellen führende IBM-Mitarbeiter die Vorzüge der neuen IBM-Hausschrift vor. Eine Besonderheit: IBM Plex ist eine Open-Source-Schrift, die von jedem Internetnutzer heruntergeladen und eingesetzt werden kann. IBM folgt damit dem eigenen Firmencredo: „The future of technology is open“. Die verantwortlichen Kreativen hoffen, dass möglichst viele Anwender die Plex-Schrift nutzen, sodass diese vielleicht einmal so verbreitet ist wie der Schriftklassiker Helvetica.

Heruntergeladen werden kann die neue Schrift unter github.com/IBM/type. Fastcodesign und Quartz berichten ausführlich über die neue IBM-Hausschrift.

14 Kommentare zu “Wird IBM Plex die neue Helvetica?

  1. Erstmal finde ich die Herangehensweise von IBM große Klasse und die Schrift sieht auf den ersten Blick toll aus.

    Wo findet man denn eine schöne Vorstellung der Schrift im PDF-Format? Warum gibt es das nicht direkt von IBM?

  2. Hm im Video sieht man, dass die kyrillische Zeichen durchgegangen sind. In der Schrift zum Download sind allerdings gar keine drin (Sans/Desktop/Mac eben mal ausgetestet).

    Ansonsten sehr schöne Schrift, hat auch irgendwie viele Anleihen an die DIN. Und das mit den Merkmalen aus dem IBM-Logo ist klasse umgesetzt.

    • IBM hat die Schrift zusammen mit BoldMonday entwickelt, kyrillisch kommt laut deren Aussage auf Github im Januar. (Griechisch, Hebraeisch, Hindi etc. spaeter in 2018)

  3. Bei allem, was ich bisher darüber gelesen habe, fand ich nirgendwo eine Erklärung für die jährlichen (!) Kosten von über einer Million Dollar. Es kommt natürlich darauf an, wofür und in welchem Umfang man eine Schrift lizenziert, aber für die Installation auf den Mitarbeiter-PC ist nur eine einmalige Zahlung fällig (die natürlich bei 400.000 Desktop-Rechnern schon bei 10 Millionen liegen kann, je nach Anzahl der Schriftschnitte – aber eben einmalig).

    Für Installationen auf Servern („Webfont“) oder in Apps kann man Schriften mieten, der Preis richtet sich nach Websitebesuchern/Nutzern. Aber auch hier liegen die Kosten sicher nicht im Millionenbereich, zumal man bestimmt nicht 30 Schnitte der Helvetica dafür lizenzieren wird. Außerdem besteht als großes Unternehmen auch die Möglichkeit, eine gesonderte Vereinbarung mit dem Lizenzgeber zu treffen und umfangreiche Nutzungsrechte mit einer Einmalzahlung zu kaufen (dann besäße man eine uneingeschränkt nutzbare IBM Helvetica, wie es vermutlich BMW getan hat).

    Davon abgesehen: Ich finde die Schriftsippe IBM Plex (Sans, Serif, Mono) sehr gelungen. Sie hält eine gute Balance zwischen Eigenständigkeit (für Display-Zwecke) und Konformität (im Fließtext-Einsatz). Wenn sie noch dazu kostenlos und frei verwendet werden kann: Wer will sich da beschweren?

    • Warum ist das überhaupt so, dass man fürs Web Schriftarten nur mieten kann und die dafür auch noch die Zugriffszahlen wissen wollen? Für mich wäre sowas eine geschäftsinterne Information, die niemanden zu interessieren hat.

      • Das ist eine Sache, die mich bei diversen Foundries auch nervt. Kein Printdesigner muss angeben, wofür ein Font benutzt wird oder in welcher Auflage etwas produziert wird. Für digitale Medien wird jedoch danach gefragt und entsprechend abgerechnet. Für meine Kaufentscheidung sind solche Barrieren (und Kosten) in der Regel ein Ausschlusskriterium.

        Inwiefern Foundries prüfen, in welchem Umfang ihre Webfonts benutzt werden kann ich jedoch nicht einschätzen.

  4. Ich musste auch darüber nachdenken, warum die Kosten so hoch sind – ich vermute mal, dass die in vielen Fällen sowas wie eine erweiterte Lizenz brauchen, weil die diese Fonts sicher auch in Ihre Software-Produkte integrieren und damit verkaufen. Genau wie die früher auch sicher erweiterte Lizenzen für die Kugelköpfe brauchten … und solche Lizenzmodelle sind ja mitunter sehr kostenintensiv … aber vielleicht weiß das ja noch jemand besser.

    Ich finde die Schrift absolut großartig und werde sie definitiv in Zukunft benutzen. Neben der gelungenen Sans ist da auch eine der ganz wenigen Serifen-Schriften, die mir in den letzten Jahren auf Anhieb gefallen hat … normalerweise habe ich da große Schwierigkeiten mit.

  5. Der Zug für Linotype/Monotype ist abgefahren. Sicher schon seit längerem. Extrem teure Lizenzmodelle und ein veralteter Umgang mit Schrift und Kerning ist leider bei Linotype. Wenn mit ein Linotype Superviser an der Hotline sagt das eine Helvetica Neue in Indesign am besten auf den optischen Buchstabenausgleich stellt… Dann ist Hopfen und Malz definitiv verloren. Ich war noch nie dermassen Geschockt von einer solch schlimmen Aussage eines Schriftenherstellers.

    Monotype interessiert sich schon lange nicht mehr für Schriften. Es ist „leider“ ein Geldgieriger Moloch geworden welcher noch vom Ruhm und seinen berühmten völlig überbewerteten Schriften lebt.

  6. Also ich bin ja ein Fan der IBM 3270, der guten alten AS/400-Schriftart. Der Font ist leider nicht skalierbar (.fon) und deshalb für andere Anwendungen leider schwer zu gebrauchen. Würde mich über ein Remake genau dieses Schriftsatzes irgendwie auch freuen. ;-)

    Über die neue IBM Plex hat man sich sicher viele Gedanken gemacht, wie das Video zeigt. Sie wirkt auf mich sehr technisch, teilweise mit etwas speziellen Eigenheiten, aber das macht ja einen Firmenfont aus. Ich mag z.B. das kleine L nicht, da es alle anderen Buchstaben überragt. Aber sonst ganz ansehnlich. Finde auch sehr positiv, dass man sich alle Schriften gleich für den Heimgebrauch herunterladen kann. Die Kritiken über überteuerte Schriftarten kann ich zum Teil schon auch nachvollziehen.

  7. Vermutlich ist so ein Kommentar unhöflich – aber es heißt „eine Million“, nicht „eine Millionen“. Das sieht man so oft falsch – aber mich schüttelt es jedes Mal …

  8. Richtig gezeigt wird in den verlinkten Artikeln ja eigentlich nur die serifenlose Plex, die mich nicht so überzeugt. Die extrem schmal zulaufenden Strichstärken an einigen Stellen, z.B. beim h und n, oder auch unten beim kleinen g wirken bei kleiner Schriftgröße auf mich zu Kleinteilig und „fummelig“. Das Schriftbild sieht dadurch etwas holprig und unsolide aus. Das Häkchen oben am kleinen g passt nicht so recht zu den anderen Buchstaben, es fällt charakterlich aus der Reihe.

    Für den umfassenden Einsatz in einem riesigen Konzern mit 1.000 verschiedenen Einsatzbereichen überzeugt mich diese Schrift überhaupt nicht. Umso mehr überraschen mich die weit überwiegend positiven Kommentare hier im Blog.

    Die Plex Serif sieht mir auf den ersten Blick ganz brauchbar aus, die werde ich sicher mal ausprobieren. Dass IBM die Schrift als Open Source veröffentlicht, ist natürlich vorbildlich.

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