Wie viel verdienen Designer?

Schön, dass in so kurzer Zeit so Viele der Aufforderung nachgekommen sind und an der kleinen Umfrage in Bezug auf die Gehälter von Designern teilgenommen haben. 1.401 Antworten wurden erfasst. Hier nun also das Ergebnis.

Es wird wohl keinen Designer wirklich überraschen, dass die Anfang des Jahres von Stern veröffentlichte und vom Hamburger Institut Statista ermittelte Zahl in Sachen Gehalt eines Designers ganz offenbar nicht stimmt. Im Stern-Gehaltsreport 2010 führen Grafiker und Designer die Tabelle mit dem höchsten Gehaltszuwachs an (erfasst wurden die Daten einschließlich 2008). Demnach sollte der Durchschnittsverdienst eines Designers bei 4.690 Euro brutto liegen. Im Fontblog meldeten sich im Anschluss an den Bericht viele, die widersprochen haben, auch Johannes Erler von Factor Design schrieb eine ziemlich ausführliche Gegenrede und ist der Ansicht: Grafikdesigner verdienen so wenig wie nie zuvor! Schauen wir uns also das Ergebnis der dt-Umfrage an.

Rahmenbedingungen der Umfrage

Zur Teilnahme aufgerufen waren Designer und Designpraktikanten aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Südtirol. Anders als in den bisherigen, von Dritten durchgeführten Umfragen, wurden dieses Mal die Designer direkt befragt, und zwar in anonymisierter Form. Dabei wurde zwischen Designern MIT und OHNE Berufserfahrung unterschieden. Abgefragt wurde der jeweilige Brutto-Verdienst. Nicht erfasst werden die Einkünfte selbstständiger Designer. Das soll zu einem späteren Zeitpunkt einmal nachgeholt werden. Als Hilfsprogramm kam der Formular-Editor von GoogleDocs zum Einsatz, in dem alle Antworten erfasst und auch bereits visuell aufbereitet sind. Die individuellen Prozentangaben (rechte Seite) habe ich nachträglich selbst ermittelt.

Exakte Durchschnittswerte lassen sich aufgrund der Fragestellung leider nicht ermitteln. Auch eine Verteilung nach Bundesländern, wie es sich einige dt-Leser gewünscht hatten, muss in dieser Umfrage unberücksichtigt bleiben. Dennoch zeigt das Ergebnis, dass die 4.690 Euro als durchschnittlicher Monatsverdienst eines Designer nicht zu halten sind, sie sind schlicht weg falsch.

Das Ergebnis

Praktikanten

76 Personen – und damit die größte Gruppe innerhalb der Praktikanten – gaben an, ein Einkommen in Höhe von 300 – 400 Euro zu beziehen. Schaut man sich die Zahlen im Diagramm an, lässt sich ein ungefährer Mittelwert von 400 Euro benennen. Die Umfrage zeigt auch, dass fast jeder fünfte Praktikant ohne festes Gehalt arbeitet.

Festangestellte Designer mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung

Die meisten festangestellten Designer (58%) mit weniger als 4 Jahren Berufserfahrung verdienen zwischen 1.500 und 2.500 Euro. 167 Befragte – und damit die größte Personenzahl innerhalb dieser Gruppe – beziffert ihr Gehalt mit 2.000 – 2.500 Euro. 44% aller „Jungdesigner“ verdienen weniger als 2.000 Euro. Nur sehr wenige Designer (4%) schaffen es in ihren ersten 4 Berufsjahren, mehr als 3.500 Euro zu verdienen. Ein guter Durchschnittswert in dieser Gruppe dürfte bei etwa 2.100 Euro liegen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam zuletzt auch die Kurz-Umfrage von Prof. Robert Paulmann. Sie weist 25.580 Euro als ein durchschnittliches jährliches Brutto-Anfangsgehalt für Absolventen von Gestaltungshochschulen aus, was einem monatlichen Betrag von 2.131 Euro entspricht.

Festangestellte Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung

Die (einfache) Mehrheit der festangestellten Designer mit mehr als 4 Jahren Berufserfahrung verdient laut dt-Umfrage zwischen 2.000 – 3.000 Euro. Aufgrund der recht ausgewogenen Verteilung innerhalb der Erfassungsdaten, dürfte der Durchschnittsverdienst hier im Bereich 2.750 € liegen. Mit Blick auf das Diagramm lässt sich zudem sagen, dass lediglich jeder siebte Designer über ein Gehalt von mehr als 4.000 Euro im Monat verfügt. Gerade hieran erkennt man, wie praxisfern die von Statista erhobenen Daten in Bezug auf die Gehälter von Designern sind.

Bildet man schließlich den Mittelwert aus den beiden Durchschnittswerten – noch einmal der Hinweis, dass es sich bei den Durchschnittswerten um Pi-mal-Daumen-Summen handelt – so liegt das monatliche Durchschnittsgehalt eines Designers bei 2.425 Euro, wobei man dessen Aussagekraft natürlich in Frage stellen darf und sollte.

Grundlage für diesen Wert sind die in der Umfrage ermittelten Angaben. Maßgeblich für das tatsächliche Gehalt sind jedoch Faktoren wie der Grad der Qualifikation, die Dauer der Anstellung, die Qualität der Arbeit oder etwa auch, wie stark die Belastung im Job ist. Darüber hinaus ist natürlich auch entscheidend wie der Arbeitgeber selbst positioniert ist. Große und renommierte Agenturen, die fest im Sattel sitzen, sind in der Lage – zumindest prinzipiell – ihren Designern höhere Gehälter zu zahlen. Die Umfrage verdeutlicht jedenfalls, dass es keinen eindeutigen Mittelwert gibt, nur eine Richtschnur, an der man sich ein wenig orientieren kann. Wenig überraschend ist dabei, dass diese Richtschnur viel viel tiefer hängt, als man es zuletzt im Stern-Gehaltsreport und in der WELT KOMPAKT lesen durfte.

Nun die Zahlen im Detail:

Designer Gehalt

Designpraktikanten Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

festangestellte Designer Gehalt

Hinweis: Zur Ermittlung der Zahlen wurde GoogleDocs verwendet.

101 Kommentare zu “Wie viel verdienen Designer?

  1. @ Ralf: Ich stimme Dir zu, dass Gestalter und Dipl. oder BA in der Gestaltung bei gleicher Berufserfahrung kaum Unterschiede vorliegen. Höchstens im Bereich der „Marketing-Ausbildung“ schätze ich den Designer stärker ein, wobei der Gestalter im Bereich Drucktechnik und Produktionstechnik besser ausgebildet wurde – bei entsprechender Praxiserfahrung gleichen sich diese Aspekte aber an.

    Der wirkliche negative Aspekt ist, dass die Berufsbezeichnungen nicht geschützt sind, soweit ich weiss. JEDER dürfte ein Gewerbe mit dem Zusatz „Design“ aufmachen und da sollte ggf. die Handelskammer (oder eine andere Behörde) eingreifen. Der Begriff „Mediengestalter“ müsste geschützt werden auf Leute mit Ausbildung, der Begriff Design auf Akademiker.

    Leider ist es eben in der Realität so, dass unsere Software für jeden frei zugänglich ist und jeder damit tolle Sachen anstellen kann – oder eben auch nicht. Nur wenn die Zweitgenannten dann „Büro für Kommunikation und Design“ auf ihrem Logo stehen haben, dann täuscht dies über eine fehlende qualifizierende Maßnahme hinweg. Ich darf ja auch keine „KFZ-Meister-Werkstatt“ eröffnen. Schade eigentlich, würde gerne mal an fremden Autos rummfummeln, obwohl ich selbst nicht mal ne Abblendlicht-Glühbirne tauschen kann.

    In diesem Sinne, allen Fachkräften ein schönes WE.

  2. @ Hans – Posting 36 –

    In Schweden gab es in der jüngeren Vergangenheit einen „Packt“ der Agenturen, dass keiner mehr umsonst pitched – Profitiert haben die Agenturen alle, denn zumindest wurden die Kosten bei den Pitches gedeckt.

    Ein Umdenken der Agenturen wäre sicherlich nützlich in Bezug auf die Situation, aber versucht mal die ganzen „Kleinen“ von so einem „Packt“ zu überzeugen. Kein Pitchetat – Keine Entwürfe. Ich geh ja auch nicht zum Bäcker und beiß erstmal in 3 Brötchen, um dann zu entscheiden, welches ich nehme, bzw. bei welchem Bäcker ich zukünftig meine Brötchen kaufe.

  3. Also ich kann mich den meisten Ausführungen über Mediengestalter Designerabsolventen nur anschließen. Ich bin selbst gelernter Mediengestalter (habe ein einer Druckerei angefangen) und habe nach zwei Agentur-Zwischen-Aufenthalen auch den Weg in die Selbstständigkeit gewagt. Ich habe in der Ausbildung auch „nur“ die Grundlagen gelernt, aber das ist eine gute Basis um sich selbst weiterzuentwickeln. Studium nach Ausbildung wäre mir zu langweillig gewesen (einige Kollegen haben es probiert und oft geschimpft) und außerdem ist das Tagesgeschäft einfach nicht so frei wie ein Studium (Jeder kennt die Kunden, bei denen es am Freitag heißt: „Ich brauche am Montag…“).

    Es ist einfach so, dass es egal ist wie man „rein“ kommt – solange man mit Herzblut / „Interesse für anderes“ dabei ist. Außerdem sollte man selbstbewusst verhandeln können – dann bekommt man immer ein gutes Gehalt.

    Ich habe leider die Umfrage verpasst (zuviele Aufträge :-) um im Netz „rumzulesen“ aber ich bin durchschnittlich mit 4.000 Euro brutto im Monat dabei (Jan.-Dez.!) und habe jetzt sechs Jahre Berufserfahrung. Std.-Satz ist übrigens 65,- €. Und keiner meiner Mittelstands-Kunden hat bisher „gejammert“…

    In diesem Sinne – zeig was du kannst – dann fragt keiner nach deinem Zeugnis.

  4. @Thomas / Architektur

    Als eine, die genau aus dieser Branche in die Werbung, Design & Texte gewechselt ist, finde ich Deinen Einblick ins Paralleluniversum – für den ich dankbar bin – hilfreich. Eigentlich hatte die Architektur als Berufsstand nämlich bessere Voraussetzungen als die der Designer/innen: ein geschützter und kammerüberwachter Beruf mit einer Honorarordnung, die die Vergütung vorschreibt (nicht vorschlägt). Das hat den Berufsstand nicht vor den Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels bewahrt: Eigenheime von Investoren und Baufirmen als Massenware konzipiert und unters Volk gebracht, haben ein großes Betätigungsfeld der Architekten ersetzt. So wie die Klamotte von der Stange den Maßanzug oder das Maßkleid.

    Die größere Konkurrenz z.B. in Sachen Webdesign und -umsetzung sind nicht Mediengestalter/innen und Arbeitsagentur-Umschüler/innen, sondern „Webseiten-Baukästen“ von großen Internetdienstleistern, die „mit wenigen Klick individuelle Webseiten“ versprechen – aber wie wir wissen, natürlich eben *nicht* halten. So wie ein Kataloghaus dem Ort an dem es gebaut wird nicht gerecht werden kann (was ein entwurfsprägender Faktor für Architekt/inne/n ist) – weswegen das Konfektionshaus konsequenterweise meist auf neuem Baufeld unter seinesgleichen aufgestellt wird. Oder so wie „trendige Mode“ einer globalen Bekleidungskette nicht mehr wirklich zum Ausdrücken der eigenen Persönlichkeit taugt.

    Hätte ich eine kluge Antwort auf die Frage, wie das Individuum und der kleine regionale Handwerker / Dienstleister / Händler mit der Entwicklung der Massenproduktion umgeht und dabei glücklich bleibt, weil er oder sie (auch) beruflich nützlich und gefordert bleibt, würde ich ein Buch dazu schreiben und durch die Abendtalkshows der Republik tingeln. ;-) Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass es (noch?) ein ganz zufriedenstellendes Leben sein kann. Ich kompensiere beispielsweise die Unzufriedenheit unterbezahlter Aufträge dadurch, dass ich sie zu 90% für gemeinnützige Vereine ableiste und Kunden aus der Wirtschaft dann sage: „Sorry, ehrenamtlich oder low-budget arbeite ich bereits für die örtliche AIDS-Hilfe oder den Kinderschutzbund.“ – keine/r will das Gefühl haben, ich „spende“ ihm meine Arbeit oder sein Auftrag nähme den Gemeinnützigen etwas weg. Und mir macht die „unterbezahlte“ dann wieder Spaß, weil sie (für mich) einen hohen ethischen Wert hat. Der Umsatz bleibt derselbe, ob ich wenig Geld für die Anzeige eines schlecht-zahlenden Unternehmers oder die Postkartenaktion eines Vereins bekomme.

    Ups… ich bin abgeschweift. Aber vielleicht sind das neue Impulse für die Veränderung des eigenen Standorts, wenn schon „die Welt“ nicht übermäßig von „uns“ beeinflussbar ist.

    Ein schönes Wochenende wünscht
    liqui

  5. @wickedbird: Danke. :-) (Ich hatte gestern Abend einen Beitrag verfasst, der aber wohl in den Windungen des www verschollen ist :/ )

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    dt-Anmerkung
    Der besagte Kommentar ist, im Gegensatz zu den letzten beiden, vom SPAM-Filter verschluckt worden. Wenn Du möchtest, dass ich ihn zurückhole, dann meld Dich bitte. Ich denke, Vieles davon dürfte mit der „Neuauflage“ bereits gesagt sein.

    edit: Dank Dir für die Mail. Leider kann ich Dir aber nicht antworten („Mail Delivery System – User is unknown“)
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  6. Obwohl ich den Vergleich sonst meide, sollte man dennoch einen Vergleich zwischen „Neuen Bundesländer“ und „Alten Bundesländer“ nachfragen. Nach meinen Erfahrungen liegen die Verdienste in denn „Neuen Bundesländer“ für Grafiker und Desiger deutlich unter diesen Werten…

    Die Studie klammert (vlt. absichtlich) vor allem auch die „Neuen Bundesländer“ aus.

  7. Interessante Diskussion!
    Im Grundsatz ist es doch so, dass der Kunde immer was gaaaanz günstiges sucht. Die Frage ist aber: machen wir da mit? Die meisten anscheinend ja. Und schon läuft die Spirale an. Ich leiste mir den Luxus, auch mal einen Auftrag abzulehnen, weil ich die Preisvorstellung des Kunden nicht akzeptiere (ich mache den Preis, nicht der Kunde). Und das konsequente Festhalten an einem angemessenen Preis hat mir geholfen, am Markt zu bestehen. Klar wird es noch viele potentielle Kunden geben, die zum „billigen Heini um die Ecke“ gehen. Aber damit kann ich leben. Wenn man bedenkt, dass es mittlerweile sehr gut gestaltete Designvorlagen zu absoluten Dumpingpreisen im Netz gibt (WordPress CMS für 25$, V-cards+Briefbogenvorlage für 10$ usw) muss man sich nicht wundern, dass immer mehr „Designer“ am Markt erscheinen und mit diesen Vorlagen das schnelle Geld suchen. Das ist wie Ende der 90er, als jeder Hansel, der mit nem HTML WYSIWYG Editor ein bisschen umgehen konnte, ein „Webmaster“ war.
    Ich biete Service an und das ist genau das, was der Kunde will. Ich erstelle nicht nur die Layouts sondern kümmere mich auch um die Druckausführung, liefere Frei-Haus, berate auch schon mal kostenlos am Telefon. So komme ich auf durchschnittlich 500 bis 600 Euro am Tag. Abzgl. Steuern usw. reicht es, um vernünftig zu leben. Und eines sollte auch klar sein: ein Kunde spürt, ob ich „Verkaufsdruck“ habe, ob ich unbedingt den Auftrag will. Dass er das dann gnadenlos ausnutzt ist m.E.n. völlig legitim.

  8. Hier mal ein kleiner Film der das Kundengebahren in der Werbebranche auf andere Branchen überträgt und so auf sehr überspitzte Weise zeigt was wir Gestalter/Designer uns als Dienstleiser tagtäglich so alles gefallen lassen (müssen). Hier sehe ich auch einen der Gründe für die Preise in unserer Branche. In anderen Branchen wäre so ein Kundengebahren schlichtweg undenkbar…

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