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„We heard them loud and clear“ – Club de Foot Montréal reagiert auf Fan-Proteste und ändert erneut Logo

CF Montreal Logo
CF Montreal Logo, Quelle: CF Montreal / MLS

Anfang letzten Jahres führte der CF Montréal ein neues Franchise-Logo ein (dt berichtete). Von Anfang an wurde das blasse und kontrastarme Signet von den Fans kritisiert. Nun reagiert die Franchise und präsentiert ein Signet, bei dem die traditionellen Erkennungszeichen des Clubs wieder stärker in Szene gesetzt werden.

Dass die Fans des CF Montréal nicht viel von dem 2021 eingeführten Signet halten, hatten sie im Umfeld von Social Media deutlich zum Ausdruck gebracht. Selbst vor Vandalismus schreckten einige Anhänger nicht zurück. „Wir haben die Kritik laut und deutlich vernommen“, erklärt die Franchise-Leitung nun im Rahmen der Vorstellung des abermals überarbeiteten Logos. Bei den Fans des Clubs kommt die Maßnahme durchweg positiv an, so die Reaktionen auf Facebook.

Auszug der Pressemeldung

„Heute schlagen wir eine weitere wichtige Seite unserer Geschichte auf“, sagte Joey Saputo, Vorstandsvorsitzender von CF Montréal. „Wir haben vor einigen Monaten begonnen, über unsere Identität sowie unser Logo nachzudenken und sind zu dem Schluss gekommen, dass eine Neuausrichtung notwendig ist. Die Mitarbeiter, Fans und Partner, die wir getroffen haben, haben deutlich ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht, bestimmte Elemente, die die Geschichte des Clubs geprägt haben und den Kern unserer Identität ausmachen, wieder einzusetzen. Wir haben sie laut und deutlich gehört und schlagen ein Logo vor, das diesen Anforderungen entspricht.“

CF Montreal Logo – vorher und nachher
CF Montreal Logo – vorher und nachher, Bildquelle: CF Montreal / MLS, Bildmontage: dt

Das an einen Schneekristall angelehnte Signet ist Geschichte. Wie bereits im Vorvorgänger-Logo steht im neuen Logo nun wieder die für die Franchise identitätsstiftende Symbolik einer Fleur de Lys im Zentrum. Die Vereinsfarbe Blau („impact blue“) tritt zudem wieder stärker in Erscheinung. Die Umstellung auf das neue Logo erfolgt zur kommenden Saison (2023). Ende dieses Jahres werde die Franchise eine erste Auswahl an Artikeln mit dem neuen Wappen in ihrem Onlineshop vorhalten.

Das neue Signet entstand unter Einbindung zahlreicher Interessenvertreter sowie in Zusammenarbeit mit Adidas, dem offiziellen Ausrüster der Franchise.

Kommentar

Es könnte leicht der Eindruck entstehen, es brauche lediglich eine aufgebrachte, zum Teil aggressiv auftretende Fanbase, um Redesigns und Logoänderungen rückgängig zu machen. Dies wäre ein denkbar schlechtes Signal. Gewalt kann niemals die Lösung sein, weder verbale, und schon gar nicht physische.

Was sich am Beispiel von CF Montréal gut ablesen lässt, ist, dass sich Fans Mitsprache oder zumindest Partizipation bei derlei Anpassungen wünschen. Eine Auffassung/Haltung, die ganz offensichtlich gerade im Fußballsport weit verbreitet ist, und zwar genauso jenseits des Atlantiks, wie diesseits. Als Franchise-Leitung bzw. Vereinsvorstand gilt es dies anzuerkennen und bei der Planung eines Redesign-Prozesses mitzuberücksichtigen. Auf diese Weise steigt die Chance, dass die geplanten Änderungen auch von den eigenen Fans überwiegend mitgetragen werden. Alle Fans, das ist klar, wird man nicht zufriedenstellen können. Denn ein Design, das allen gefällt gibt es nicht. Wenn innerhalb eines Designprozesses allerdings frühzeitig alle Interessenvertreter eingebunden werden, so wie es im letzten Jahr etwa die MLS-Franchise Chicago Fire gehandhabt hat, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine von vielen Menschen unterstützte Lösung.

Gestalterisch-handwerklich wie auch formal-ästhetisch ist das neue Signet nicht sonderlich überzeugend. Klar, die Vereinsfarben Blau und Schwarz kommen besser zu Geltung. Aber insbesondere die grauen Outlines sind aus meiner Sicht nicht gut gewählt/gesetzt. Die frühere Schildform in eine Kreisfläche einzubinden, wirkt wenig überzeugend, rein optisch und auch konzeptionell. So sieht eine Kompromisslösung aus. Man kann sich die Diskussionen im Rahmen der Meetings lebhaft vorstellen. Wenn auch das Ergebnis des Designprozesses vielleicht keine herausragende Gestaltung hervorgebracht hat, darf man den Prozess als solchen und den beschrittenen Weg als Erfolg werten. Die Franchise hat nun ein Logo, mit dem sich eine breite Mehrheit der Fans, Mitarbeiter, Partner und wohl auch Spieler identifiziert.

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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Naja, nach der letzten Version ist es wahrlich keine große Leistung, sich zu verbessern. Aber so richtig begeistern tut das Wappen in der Tat nicht.

    Was mich zum Beispiel unglaublich nervt: Manchmal sind die blauen Flächen durch schwarze „outlines“ vom Silber/Grau getrennt und manchmal liegen sie direkt dran. Ist das gewollt?

  2. Gewalt ist nie eine Lösung, gar nicht. Überhaupt nicht.

    Beim Design wäre es aber wirklich manchmal wünschenswert dass gelernte, studierte und oft leider so überhebliche Designer von ihren hohen Rössern herunterkommen und lernen, dass es mitunter gut ist, auch Amateure mitreden zu lassen oder bei Signets, wo es um Dinge mit viel Herzblut geht auch die Gemeinschaft mitreden und mitentscheiden zu lassen.

    Ich weiß dass Designern oft der kreative Finger juckt und sie Dinge an Trends, neuen Idealen und gestalterischen Philosophien anpassen möchten. Ich bin ja selbst ein kreativer Mensch der gern gestaltet.

    Aber oft ist ein Logo Zeitlos gut (oder schlecht), und alles was Designer tun sollten ist, das Logo vielleicht an moderne Gegebenheiten (Farbdruck, Displays mit hoher Auflösung) anzugleichen.

    Es ist erstaunlich, wie oft man in Designerkreisen Begeisterung für bestimmte Schnitte, Tricks und Kniffe bewundert, wie oft Schlichtheit und Reduktion gefeiert werden, wo die Menschen doch vielleicht manchmal einfach nur etwas „schönes“ sehen möchten.

    Stattdessen wird mit dem erhobenen Zeigefinger vor den Unwissenden gewedelt und sich dann gewundert, wenn es teilweise sogar zu Vandalismus kommt.

  3. Man hätte lediglich die Farben ändern müssen. Das Grau in Weiß, das Schwarz in Blau und es hätte gereicht. Das Vorgängermodell ist m.M.n. viel besser gestaltet.

  4. Es tut mir Leid, dass ich es erwähnen muss. Es ist so eine Sache wie mit Another Brick in the Wall von Pink Floyd. Einmal gehört, dass da „Hol ihn, hol ihn unters Dach“ vorkommt, hört man nix anderes mehr. Bei mir ist es so seit der 5. Klasse.

    Hier sehe ich einen sich verneigenden Spieler vom CF Montreal im Trikot. In der Mitte hinterm Schild der Kopf und mit dicken Streifen ein Trikot darunter, Links und Rechts die Schultern.

    Ich kann es nicht mehr nicht sehen…

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