Skip to content

Von prägnant bis lasch: die Wahlplakate zur NRW-Landtagswahl 2017

FDP

FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner zeigt klare (Hand)Kante. Dieses Bild vom FDP-Bundesvorsitzenden vermitteln jedenfalls die Motive der Wahlplakatkampagne. Schwarz-weiß-Fotografien stehen in starkem Kontrast zu den expressiven Farben, wie sie die FDP seit ihrem Rebranding Anfang 2015 nutzt. Keine Frage. Die Andersartigkeit der Gestaltung fällt auf.

Die Fotografien zeichnen ein Bild von Lindner als Nacht-aktiven Menschen, der viel alleine ist und offenbar viel nachdenkt. Ein Spitzenkandidat, der nicht, wie im Rahmen von Wahlwerbung üblich, von Menschen umgeben ist und den zuhörenden Kommunikator gibt, sondern stattdessen in das Schreiben und Lesen vertieft zu sein scheint. Eine ziemlich mutige um nicht zu sagen gewagte konzeptionelle Ausrichtung, da eine solche „One-Man-Show“ schnell auch als Eigenbrödlertum interpretiert werden kann. Ebenso wie die LINKE und die PIRATEN unterstreicht auch die FDP mit Lindner, der auf einem der Motive mit geballter Faust dargestellt ist, Angriffslust.

Sprachlich geht die FDP-Kampagne mit Aussagen wie „Das Digitalste in der Schule dürfen nicht die Pausen sein.“ über den in der Wahlwerbung üblichen Formulierungskonformismus hinaus. Das Wording, sieht man einmal von „Es geht um unser Land“ ab, ist vergleichsweise eigenständig. Bedenkt man, wo die FDP noch vor drei Jahren stand, ist dies, bezogen auf das Erscheinungsbild der Partei, ein beachtlicher Wandel, der die Marke FDP seitdem vollzogen hat.

Fazit: Optisch auffällig und andersartig, sprachlich vergleichsweise eigenständig. Ein gewagter Schritt, Lindner zuvorderst im Dunkeln und als Einzelgänger/Einzelkämpfer darzustellen.

DIE LINKE

Wenn Gesagtes/Geschriebenes nicht zum Dargestellten passt, spricht man von einer Text-Bild-Schere. Fröhlich schauende Menschen, wie sie auf den Plakaten von DIE LINKE zu sehen sind, nehmen der geballten Faust, mit der die Partei ihre Angriffslust verdeutlichen möchte und die als zentrales Element innerhalb der NRW-Kampagne fungiert, ihre Symbolkraft. Mit erhobener Faust in den Wahlkampf ziehen, kann, wie ein Motiv der Piratenpartei zeigt, auch schnell ins Peinliche driften. Insofern war man bei den LINKEN gut beraten, auf jegliche gespielte Aggressivität zu verzichten. Wirklich überzeugend ist die Umsetzung der Idee allerdings nicht.

Davon abgesehen zeichnet die Kampagne aus, dass über alle Motive hinweg ein roter Faden zu erkennen ist, eine konzeptionelle Leitidee. „ZEIG STÄRKE“ lautet das Kampagnenmotto, das auf den Plakaten den jeweiligen Forderungen wie „für eine Politik, die Wort hält“ vorgestellt ist. Positiv: lediglich das Motto ist in Großbuchstaben gesetzt. Somit lassen sich die maximal auf zwei Zeilen aufgeteilten Forderungen leichter erfassen.

Der Aufbau der Plakate ist schlicht, wenn auch nicht minimalistisch, in jedem Fall sind die Motive nicht so überladen wie die zur Landtagswahl 2013 in Niedersachsen. Ein durchgehend roter Hintergrund scheint mir für die LINKEN die deutlich bessere Wahl, denn Rot ist nun einmal Teil der „DNA“ der Partei. In Bezug auf die Verwendung des Parteilogos, das auf den Plakaten leicht schräg gesetzt ist und damit eine Aufwärtsbewegung beschreibt, fehlt es an Stringenz und Konsistenz innerhalb des Markenauftritts. Denn an vielen zentralen Stellen, etwa den Webauftritten dielinke-nrw.de oder die-linke.de, wird auf die Schrägstellung verzichtet.

Fazit: Von kleinen Schwächen abgesehen eine gestalterisch überzeugende Kampagne.

PIRATEN

„Wieso hört man eigentlich gar nichts mehr von den Piraten?“ Eine Frage, die im aktuellen Kampagnen-Spot der PIRATEN zur NRW-Wahl als Aufhänger dient. Ja warum nur? Die Partei ist ein Phänomen. Ein rasanter Aufstieg, ein enormes, über Deutschland weit hinaus reichendes Medieninteresse – und schon nach wenigen Jahren kämpft die Partei gegen die Bedeutungslosigkeit an. In aktuellen Umfragen liegen die PIRATEN bei 1–2 Prozent. Dass die Plakate der Piratenpartei an dieser Stelle vorgestellt werden, liegt allein daran, dass sie im derzeitigen NRW-Landtag über 20 Sitze verfügen.

Die PIRATEN, so lässt sich anhand der Kampagnen-Website ablesen, wollen eine „smartgerechte“ Gesellschaft schaffen. Geschickt besetzt die Partei mit Hilfe dieses Kompositums ein Kernthema ihrer Politik: das Digitale. Themen besetzen ist das eine, Themen so zu kommunizieren, dass sie Unterstützer findet, das andere. Mit Aussagen wie „BILDUNG BRAUCHT FREIRAUM!“ und „PROTEST WÄHLEN! KEINE NAZIS!“ bleibt die Partei – noch mehr als andere – im Ungefähren. „NICHT LABERN, MACHEN!“ lautet eine weitere Botschaft. In Bezug auf die konkrete Umsetzung bleiben viele Plakatmotive allerdings wage. Welcher „Freiraum“ ist hier beispielsweise gemeint? Der räumliche Freiraum der Kinder, der finanzielle Freiraum der Eltern oder der zeitliche Freiraum in Bezug auf die schulische Ausbildung (#G8 versus #G9)?

Gestalterisch waren die Plakate der PIRATEN schon einmal deutlich ansprechender, etwa im Rahmen der Europawahl 2014. Der indifferenten „Illustrations-Cloud“ im Hintergrund mangelt es an Prägnanz. Fotos von Personen wurden mehr schlecht als recht ausgeleuchtet und freigestellt. Mimik, Posen und Gesten der abgebildeten Parteimitglieder lassen fotografische Professionalität vermissen. Auch der nebulöse weiße Hintergrund im Bereich des Logos ist handwerklich nicht überzeugend.

Fazit: Blass wie die Gesichter der abgebildeten Personen ist auch die gesamte Plakatkampagne, deren Motto „smartgerecht“ nicht gestalterisch überzeugend verpackt werden konnte.

AfD

Die AfD möchte erstmals in den Landtag von Nordrhein-Westfalen einziehen. In den Umfragen liegt sie aktuell bei 7–11 Prozent. Marcus Pretzell, seit Ende letzten Jahres Ehemann von Frauke Petry, ist der Spitzenkandidat der AfD. Er sei, so ist es auf einem der Plakate zu lesen, „die Antwort auf kraftlose Politik“. Wobei die Formulierung als Frage den Pferdefuß birgt, dass die Partei Pretzell als Lösung selbst in Frage zu stellen scheint.

Ebenso umständlich und um die Ecken gedacht sind Textaussagen wie „Wärte und Morahl“, bei denen (offenbar) Kritik an Schul- und Bildungspolitik mit der Besinnung auf ethische Grundfeste einer Gesellschaft vermengt werden. Worin diese Werte nach Ansicht der AfD bestehen, darüber treffen die Plakate keinerlei Aussage. Und auch sonst werden im Rahmen der Kampagne keine Lösungsansätze angeboten. Was beispielsweise die Partei gegen den Stau im bevölkerungsreichsten Bundesland zu tun gedenkt oder wie Bildung verbessert werden könnte, bleibt offen.

Die Futura, dem vom deutschen Typografen Paul Renner 1927 entworfenen Schriftenklassiker, ist die Hausschrift der AfD. Dass Schriften nicht nur nach ihrem Aussehen, sondern auch ihres Namens und der damit verbundenen Symbolik wegen ausgewählt werden, kommt gelegentlich vor. Nur an wenigen Stellen tritt die politische Dimension von Design so offenkundig hervor wie hier, wo bereits mit der Schriftauswahl eine bestimmte Intention verfolgt wird. Über die Zukunftsfähigkeit des AfD-Wahlprogramms, das neben dem uneingeschränkten Erhalt des Bargelds die Abschaffung der Rundfunkgebühren und damit die „Rückführung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf seinen Grundversorgungsauftrag“ beinhaltet, trifft die Futura jedenfalls keinerlei Aussage. Da im Wahlprogramm neben der Futura auch die Schrift namens Brand light zum Einsatz kommt, zeigt überdies, dass das Spiel mit der Symbolik nur unzureichend beherrscht wird.

Rot und Blau haben sich als Hausfarben der AfD bewährt. Sie sorgen, in Kombination mit dem im Fußbereich von AfD-Plakaten stets dargestelltem Bogenelement dafür, dass die Plakate mittlerweile auch ohne Logo der AfD zugeordnet werden können. Der Umgang mit Typographie ist allerdings auch nach zahlreichen Wahlkämpfen, die die AfD seit ihrer Gründung vor vier Jahren bestritten hat, nicht erkennbar besser geworden. Ebenso wenig erkennbar ist eine Leitlinie, nach der die Kampagne konzipiert und gestaltet wurde.

Fazit: Gestalterisch konventionell und altbacken, sprachlich umständlich.

Für die Kampagnen der jeweiligen Parteien zeichnen folgende Agenturen verantwortlich:
SPD: Butter
CDU: Brand Lounge
Bündnis 90/Die Grünen: Wigwam
FDP: Heimat
DIE LINKE: DieWerberpack
PIRATEN: inhouse/Parteimitglieder
AfD: – wird nachgereicht, sobald die Pressestelle die Info bereitstellt –

Dieser Beitrag hat 42 Kommentare

  1. Offenbar sieht sich der Verband durch die Verwendung der Wortmarke durch die SPD nicht genötigt, rechtliche Schritte einzuleiten, sodass die Kampagne wohl in dieser Form bis zum Wahltag fortgesetzt werden kann.

    Vielleicht gaben die Schutzklassen 41 und 42 nicht her Parteienwerbung zu unterbinden?
    Werbung wäre 35?

  2. Mit 18 freut sich das kleine Mädchen noch mehr, wenn sie erfährt, für was für eine menschenverachtende Partei sie ihr Gesicht herhalten durfte.

    Armin, ich bewundere dich für die professionelle Art, mit der du dich der Gestaltung der Plakate widmest, ohne dem (zumindest bei mir vorhandenem) Jucken in den Fingern nachzugehen, bei dem ein oder anderen Exemplar ausschweifenderen Senf dazuzugeben.

    Aber zurück zum Thema: Man sieht ganz gut, welche Zielgruppen jeweils angesprochen werden (sollen). Bei mir als jungem Sprössling “funktionieren” die Plakate von DIE LINKE , FDP und insbesondere DIE GRÜNEN sehr gut, während sich CDU und natürlich unsere geliebte AfD eher dem älteren Publikum zuwendet.
    Insgesamt immer wieder eine sehr interessante Zusammenstellung und Vorstellung, danke dafür!

    1. “Armin”?
      Ouh man. In solchen Fällen wünscht man sich ‘ne nachträgliche Bearbeitungsmöglichkeit.
      Vielleicht sollte ich auch einfach zukünftig nicht mehr vor 10 Uhr (=dem dritten Kaffee) Kommentare schreiben… *amKopfkratz*

  3. Danke für die jedesmal gute und präzisere Bewertung.
    Ein Aspekt von Wahlkampfplakaten, welcher das Design betrifft, ist mir vor einiger Zeit gesagt worden: Bei der Gestaltung von Plakaten, die draußen aufgehangen oder angekleistert werden sollen, muss bei der Farbwahl auch die Witterungsbedingungen und dessen Einflüsse berücksichtigen.
    Botschaften des Plakats müssen noch viel schneller erkannt als am Bildschirm, da hier das Problem hinzu kommt, dass Personen die man anspricht weiter weg stehen können und nicht ideale Lichtverhältnisse haben.
    Die Farben und Konturen sollten zudem kräftig genug sein, dass sie auch bei Nässe noch “halten”.

  4. SPD mit typischen Wahlplakaten, nette Fotos, Politiker in der Menge, strahlende Gesichter. Naja.
    CDU ist ganz schwach, das könnte auch ne Plakatserie vom ZDF oder der Tagesschau sein. Und für den “uns reichts”-Schriftzug gehören die rechts und links geschlagen. Als wenn die für die Missstände nicht selbst mitverantwortlich wären.
    Die Grünen sind klasse, erkennt man auch sofort als Plakat der Grünen, ohne erst lesen zu müssen.
    FDP eigentlich auch, sofern man die neue Farbgebung schon verinnerlicht hat. Toller Kontrast.
    Die Linken kämpfen eher mit der gleichen Farbgebung wie die Rechten, da kann man schnell verwechseln…
    Piraten hatten noch nie gute Plakate, technisch eher peinlich.

  5. Wie sich die CDU mit dem “Uns reichts. Wir wählen CDU.” quasi als Protestwahl-Partei inszeniert, ist an Lächerlichkeit kaum zu unterbieten.

    Bei den Plakaten der Linken habe ich unweigerlich die Psycho-Duschszenen-Musik im Hinterkopf und ich frage mich, auf wie vielen Plakaten den Leuten schon Messer in die Fäuste gemalt wurden.

  6. Mal davon abgesehen, dass alle Parteien anscheinend keinen Plan haben und die Inhalte belanglos bis bemüht daher kommen, funktionieren die Plakate der Linken und der Grünen am besten. Bei den Linken sind die Plakate noch geradliniger und stärker, während die Grünen eher verspielt daher kommen. Auch bei der Typo funktionieren die Plakate der Linken besser.
    Die Piraten sind peinlich. Da würde ich das Mandat dem Hund geben. Die FDP – oh je, was wollen die von mir? Soll ich Herrn Lindner wegen seiner Sprüche wählen, die mit Magenta. Gelb und Blau aufgepeppt werden müssen, damit sie jemand liest?
    Das Gestaltungskonzept der AfD überzeugt nicht wirklich. Die Kombination aus Text und Bild wirkt allzu bemüht. Da gibt es bestimmt bessere Lösungen.
    CDU und SPD machen auf Bilderbuch-Deutschland, fernab jeder Wirklichkeit. Das fühle ich mich schon beim Hinsehen über den Tisch gezogen.

    1. “Ich fühle mich hier nicht mehr sicher. Warum tun die nichts?”

      “Uns reicht’s!”

      Bilderbuch-Deutschland? Bei den SPD-Plakaten vielleicht noch, aber keine Ahnung, was an den “Lululu, wir sind jetzt eine Protestpartei”-Plakaten der CDU bilderbuchmäßig sein soll. Im Gegenteil, solche Zitate/Aussagen hätte ich eher in Wahlwerbung von rechtsaußen erwartet. Ich verstehe nicht, warum man dort nicht eine Mitte zwischen “bloß nichts aneckendes/provozierendes” und diesem Pseudo-Protestparteien-Gedöns findet…

      1. Tja, was sollen sie denn auch machen? Sollen sie auf ihre Plakate schreiben:

        „Deutschland geht es so gut wie nie.“
        Eure CDU

        :-)

    1. Eine Frau mit Hündchen auf dem Schoß zu dem Wort Malocher? Find ich ehrlich gesagt lächerlich.

      Genau damit spielt ja die Kampagne. Die Umbesetzung des Begriffs Malocher (Ruß verschmiertes Gesicht eines Mannes) in die heutige Zeit, in der Frauen ganz selbstverständlich arbeiten und in der sich Arbeit nun einmal verstärkt am Bildschirm vollzieht. Ein durchaus, wie ich finde, gelungener Kniff, um Aufmerksamkeit zu generieren. Du wirst sicherlich nicht die Einzige sein, die über den scheinbaren Widerspruch stolpert.

      Wer sich die restlichen FDP Plakat noch anschauen möchte:

      Alle in dem PDF gezeigten Motive sind bereits im Beitrag enthalten.

      1. Ich sehe bei der FDP keine weiteren kleinen Vorschaubildchen wie bei den anderen Parteien.

  7. Die von der FDP könnten auch Trauerkarten sein, wo danach ein Designstudent als Art Mashup was cooles, knalliges reingetextet hat. ^^

  8. Ich kann mir nicht verkneifen, aus deinem Fazit der CDU “einfallslos und lasch” ein “einfallslos und Lasch(et)” zu machen :D sorry für den Kalauer

  9. In den letzten Jahren auch mal positiv hervorgetreten fallen die Plakate der PIRATEN hier komplett aus dem Raster und gehören wohl eher in eine Schülerzeitung. Gestalterisch einfach nur peinlich.

    Nicht weniger erschreckend aber auch die Plakate der CDU. Als käme der Gestaltungsstil der 2000er durchs Plakat gestoßen.

  10. Was ist denn das für ein orangfarbenes Brett, was die Textplakate der CDU selbst zersemmelt? Den Sinn verstehe ich nicht. Außerdem habe ich den Eindruck, dass das Logo “NRW geht vor” auf dem seltsamen Irgendwas perspektivisch nicht richtig ist. Oder täusche ich mich?

    Ich finde diese Übersichten über die Plakate hier im Forum sehr hilfreich, Danke

  11. Also in Bielefeld sehen die Plakate der Piraten ganz anders aus, besser und professioneller. Ich finde leider gerade kein Beispiel im Netz. Die hier gezeigten Poster habe ich im Stadtgebiet jedenfalls noch nicht hängen sehen.

    Ginge es nur um die Gestaltung der Plakate würde ich wohl FTP wählen. AfD ist gestalterisch unterirdisch – extrem altbacken. Die Futura kann man auch schöner benutzen!

  12. Autsch! Also rein sprachlich tun die ja alle weh! Waren die Slogans immer schon so derart auf Kampf, Zorn und Protest getrimmt? Das war man sonst nur von den Linken und kleinen Parteien gewohnt, aber diesmal machen es wohl alle. Als wären sie nur für den so richtig schön empört aufgekratzten Bild-Leser gedacht. Und der politische Gegner wird zwar nicht wörtlich genannt, aber doch direkter angegangen, als ich meine, es sonst zu kennen.
    Es wird wohl auch in unserer politischen Landschaft deutlich rauer. Oder täusch ich mich nur?

    Gestalterisch finde ich alle Plakate schrecklich! Sie sind alle zu schrill, zu vorlaut. Der Einbau von Störern und Farbkontrasten ist übertrieben. Der Text kann nicht atmen, da der Textrahmen oder der Plakatrand zu nah ran kommen. Die Portraits wirken aufgesetzt, Situationen gestellt. Am angenehmsten finde ich da wirklich noch die Piraten-Plakate. Warum? Weil sie nach “wenn schon schlimm, dann wenigstens richtig!” aussehen, fast wie eine bewußte Karikatur über alle Fehler, die man machen kann und die andere gemacht haben.

  13. boah fuichbah! – betulich – abgenutztes sprach/typogebastel (spd) – und der lindner gibt den rächer der malocher – und frau kraft die “mutti nrw” – nee, ählich, wie kraftlos

  14. Gerade das mit dem Hashtag finde ich eher peinlich, erinnert an die Zeit als in jedem Wort das “a” durch ein @ ersetzt wurde, um Internet/Zukunft/wasweißich zu symbolisieren. Außerdem lese ich immer “enerviert” oder “nrwirr”, was beides nicht gut kommt. In Deutschland wird auch 2017 keine Partei wegen eines Hashtags oder einer Internetkampagne gewinnen. Gerade am Schulz-Hype sieht man, wie schnell das in sich zusammenbricht. Am interessantesten wirken auf mich noch die Plakate der FDP mit s/w Lindner.

    1. Das stimmt. Was früher in der Werbung das At-Zeichen war, ist heute das Rautezeichen/Doppelkreuz. Es soll Digitalität signalisieren.

      #nrwirr ist übrigends das Motto von DIE PARTEI

      1. Digitalität oder eher gekünstelte Socialmedia-Hipness?

        Find das auch eher peinlich. Reaktionen im Internet entstehen von selbst, die kann man nicht steuern. Hashtags auf Plakaten wirken halt total künstlich und pseudo-hip und als wenn da einer halt der Meinung war, dass man “irgendwas mit FB/Twitter” machen muss, weil dann die jungen Leute voll drauf abfahren werden. Fehlen nur noch Whatsappsmileys.

    2. Ich finde die FDP-Plakate in gestalterischer Weise sehr erfrischend. Nebenbei wird recht elegant die alte Leier rübergebracht, dass das Land am Boden liegt (schwarz-weiß) und die FDP die Rettung bringt. Hat bei Trump ja auch schon funktioniert.

      Interessant finde ich, dass Lindner fast immer nach links schaut. Zurück in die Vergangenheit?

  15. Ach Mensch, und die schönsten Plakat-Texte lässt Du außen vor. Die Partei zeigt wie’s geht. :)

    – Hetzefrei – Protest ist gut. Rechts wählen nicht. (Hängt hier vor der Schule)
    – Für ein kraftloses NRW (mit Hashtag #NRWIRR)

    Zum Linken-Plakat mit dem kleinen Mädchen könnte man noch erwähnen, dass das Motiv eigentlich total sinnlos ist, wenn man drüber nachdenkt. Denn wohl kaum das Kind selbst wird die Stärke zeigen sollen, eine Familie mit Kind hätte da mehr Sinn ergeben.

    Das Piraten-Plakat mit dem Faust-Mensch ist so grotten peinlich, dass es sich negativ auf die gesamte Partei auswirken könnte. Schade.

  16. rot/blau/Futura stand für mich lange für die SPD, die auch noch Futura im parteilogo nutzt.
    Jetzt verwendet das die AfD, die ideologisch doch etwas anders gelagert ist ….

  17. Viele Plakate sind eigentlich immer gleich und langweilig, aber ich bin von der FTP positiv überrascht. Die kurzen Texte prägen sich gut ein und das Design spricht mich schnell an. Was meint ihr?

  18. Für Alle, die sich neben der – wie immer – aufschlussreichen dt-Analyse der Wahlplakate auch für die digitalen Aspekte des NRW-Wahlkampfes interessieren, haben wir sämtliche Werbespots der Parteien zusammengestellt.

    In Zeiten des “iLike” sind bewegte Bilder vielleicht die wichtigeren zeitgeschichtlichen Dokumente?

    Bei den Werbespots jedenfalls gibt es gewaltige konzeptionelle, ästhetische und auch inhaltliche Differenzen…

    –> https://eifelon.de/region/alle-werbespots-aller-parteien-zur-nrw-wahl-2017-im-ueberblick.html

  19. Sehr sehr schade, dass die FDP dauerhaft bei dieser Augenkrebs-Farbkombi bleibt.

    Ist das bei der AfD noch blau oder schon grau? Wirkt ganz seltsam.

  20. https://www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=qLJGiz37EAA

    Oh weia, meine Gedanken zum Werbespot der Republikaner würden ein ganzes Bankenrettungspaket an Phrasenschweinen füllen.
    Windows Movie Maker, Texte mit’m Taschenrechner-Mikrofon eingesprochen… Da hatten wohl die fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo ihre Finger im Spiel… ;)

    *knack* “Kevin, wir müssten mal wirklich noch ‘nen Spot zurechtschneiden, haben aber nur noch 10 Minuten Zeit!” *knack* “Wir schaffen das!” *knack*

    1. Oder hier, das passende Gegenstück von 2016:
      https://www.youtube.com/watch?v=6Q977A8qpWA
      Man beachte die elegante Lösung, wie man der GEMA mit der Hintergrundmusik ein Schnippchen geschlagen hat. :’-)
      Ich wollte den fünf Schimpansen aus dem Gelsenkirchener Zoo übrigens echt nicht auf den Schlips treten… Jungs, wenn ihr das lest: Sorry, der Vergleich war höchst taktlos von mir.

  21. An den Wahlkampf der CSU (hier 2013) kommt einfach keine andere Partei ran.

    https://tobesocial.de/sites/default/files/blogimages/facebook-page-analyse-parteien-wahlkampf-2013-fananzahl-studie-wahl-bester-post-csu.jpg

    Das Foto nicht “overdone” gestellt und eine sehr clevere Aussage, denn sie ist unbestreitbar korrekt (er war Amtsinhaber, somit ist es eine Tatsachenfeststellung), hat aber natürlich im Kontext einer Landtagswahl, auf die fast nur nebenbei oben in der Ecke hingewiesen wird, eine starke Konnotation. Die Suggestivkraft dieses Plakats ist enorm.

    Die meisten Kampagnen kranken daran, dass die Macher unbedingt das raushauen wollen, was gerade unter Designern und Textern in Mode ist. Das übliche halt, “storytelling” macht inzwischen jede Provinzagentur und das Hashtag darf natürlich auch nicht fehlen…ebenso wie die rhetorischen Floskeln, denen schon kein Bürger irgend eine Bedeutung beimisst, wenn sie aus dem Mund der Kandidaten kommen.

    Einzig das hier sticht positiv hervor:

    https://www.designtagebuch.de/wp-content/uploads/mediathek//2018/04/a0_hannelore_kraft-700×986.jpg

    Die “verbrannte Marke” der Partei möglichst klein, es geht v. a. um die in NRW gemochte Landesmutter. Keine Floskeln, die die Wähler ohnehin nur nerven.

    Plakate sind ohnehin nicht dazu da, echte Inhalte zu transportieren – wer kritisiert, dass der Verzicht auf Floskeln die Plakate auf Gesichter reduziere (“Wo ist denn da der Inhalt?”) macht sich IMHO eher unglaubwürdig mit seiner Kritik, denn er implitziert damit ja, dass sich Inhalte seriös auf solche Floskeln oder Schlagwörter reduzieren lassen würden (solch eine Kritik backfired also, “Ach, und Inhalte lassen sich deiner Ansicht nach auf Floskeln reduzieren?”). Die Inhalte kommen am besten aus dem Mund der Kandidaten selbst, auf Veranstaltungen und in den Medien im O-Ton. Nicht von Plakatwänden. Die sind dazu da, die Bürger mit den Kandidaten bekannt zu machen bzw. möglichst präsent zu halten (“to put a face on it”), während man an der Ampel steht und das Plakat betrachtet oder am Plakat in der Fußgängerzone vorbeiläuft.

    Die hier gezeigten Plakatbeispiele sind fast allesamt komplett “overdone” voller Grafiklayer und Floskeln und fast so komplex aufgebaut wie die Startseite von eBay, dabei soll man alles in einem Augenblick beim Vorbeilaufen erfassen und im Hinterkopf behalten? Für mich ein klarer Fall von “overdone”.

    1. In vielen der von dir genannten Punkt bin ich deiner Meinung, lediglich die Bewertung des CSU Plakats trifft mich ins Mark: Positiv ist die Reduktion, die Aussage und die Natürlichkeit – das wirkt authentisch. Was ich aber völlig indiskutabel finde ist die Qualität des Fotos (Licht, Haltung, etc).
      Als Wähler ist es meine Aufgabe die politischen Ziele und die Kompetenz der zur Wahl stehenden zu bewerten. Wenn hier jemand eine relativ einfache Aufgabe (schiesse ein qualitativ hochwertiges Foto) so derart versemmelt und trotz Etat und Know How lieber eine schlechte als eine gute Lösung präsentiert, dann ist das für mich ein sehr deutliche Aussage. Jemandem mit einem derart eklatanten Mangel an Bewusstsein für solche Dinge schenke ich kein vertrauen. Und jemandem, der bewusst schlechtere (in dem Fall Foto-)Qualität einer besseren vorzieht, weil dies politisch opportun erscheinen mag, dem will ich ebenfalls kein Vertrauen schenken.
      Erschütternd!

  22. Wie man jetzt in NRW gesehen hat, hat das Plakatdesign scheinbar keine großen Auswirkungen auf das Ergebnis. ;)

Kommentare sind geschlossen.

An den Anfang scrollen