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VfB Stuttgart kehrt zum alten Wappen zurück

VfB Stuttgart Logo, Quelle: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart Logo, Quelle: VfB Stuttgart

Viele Jahre haben die Fans dafür gekämpft, gestern nun wurde auf der Mitgliederversammlung die Rückkehr zum Traditionswappen mit großer Mehrheit verabschiedet. Bis zur Spielzeit 2014/2015 werden sich die Fans des VfB Stuttgart allerdings noch gedulden müssen. So lange dauert die Umstellung. Schon jetzt ist klar: die Traditionalisten im Verein übernehmen das Ruder.

Rund 250.000 bis 300.000 Euro lässt sich der Verein die Umstellung kosten. Eine Marginalie im Vergleich zu den Summen, die mittlerweile im Transferkarussell kreisen. Anders als etwa beim 1. FC Kaiserslautern, der nur für zwei Spielzeiten zum Traditionswappen zurück gekehrt ist, will man offenbar beim VfB nicht auf kurzfristige Kampagneneffekte, sondern auf Kontinuität setzen. So weit so gut.

Wie üblich in Fußballvereinen spielt bei einer Debatte um ein traditionelles Vereinswappen gestalterische und formalästhetische Aspekte keine oder nur eine sehr geringe Rolle. Und das ist schade. Sobald der Begriff „Tradition“ fällt, scheint es um einen objektiven Diskurs geschehen zu sein. Trotz Bemühen um eine sachliche Diskussion werden Vorteile hinsichtlich etwa der Reproduzierbarkeit eines Emblems gerne zur Seite geschoben, so auch in diesem Fall (siehe Broschüre der Initiative Pro altes VfB-Wappen  | cc97.de).

Denn …

Achim Schaffrinna

Achim Schaffrinna ist Designer und Autor. Hier im Design Tagebuch, 2006 von mir gegründet, schreibe ich über die Themen Corporate Identity und Markendesign. Ich konzipiere und entwerfe Kommunikationsdesign-Lösungen und unterstütze Unternehmen innerhalb von Designprozessen. Designanalyse ist Teil meiner Arbeit. Kontakt aufnehmen.

Dieser Beitrag hat 56 Kommentare

  1. Das neue Logo wird beim Druck versumpfen. Diese Hinweis ist v.a. sehr zutreffend.
    Abgesehen davon, dass es an Klarheit einbüßt und auch noch auf dem Papier quasi in alle Ewigkeit festgeschrieben ist.

  2. @bism: wo hatte Hannover bitte seit den 60er Jahren radikale Änderungen am Logo?
    Und auch Frankfurt ist ein blödes Beispiel, da man dort auch wieder zurück richtung Tradition ist (auch in etwas abgeänderter Form, aber der Adler ist 1:1 der aus den 50er & 70er Jahren)

    Dazu noch allgemein. Man kann so etwas einfach nicht design-technisch Erklären, natürlich ist das aktuelle Wappen moderner, besser zu lesen etc.

    Aber einem Fan interessiert das alles nicht. Vor allem zur heutigen Zeit wo man sich gegen die Moderne ala Hoffenheim oder RB Leipzig wehren muss.

    Ist als außenstehender schlecht zu erklären.

    Vielleicht so, der Verein ist für die Fans wie eine Familie, und Familien-Wappen werden ja auch nicht modernisiert. Oder glaubt jemand dass das Englische Königshaus bald auf Flat-Design ihr Wappen umstellt? ;-)

  3. @Guido, über deinen 1. Punkt lässt sich streiten und geteilter Meinung sein, wie es hier ja wohl der Fall ist. Zu deinem 2. Punkt: Es gab von Anfang an Protest, schon gegen die 1. Wappenänderungen. Leider stieß man schon damals auf wenig Gehör bei den Offiziellen, wie es über Jahre hinweg der Fall war und auch die damaligen Begründungen sind aus heutiger Sicht nicht Ernst zu nehmen. Es gab kaum eine Mitgliederversammlung, auf welcher nicht über das Wappen debattiert wurde.
    Deiner Aussage, die Mehrheit der heutigen Club-Mitglieder kennt das alte Logo aus eigenem Erleben nicht, wird dir jeder VfB-Anhänger, der auch nur gelegenlich Spiele besucht, widersprechen. In den Fankurven hat das alte Wappen durchwegs Bestand gehabt und das “neue” sich hingegen nie wirklich etablieren können.

    Ja, vermutlich finden Gestalter und Fußballfans in dieser Thematik keine Einheit. In meiner Person vereint sich beides, seit bald zwei Jahrzehnten geh ich regelmäßig zum VfB und mein erstes Trikot zierte noch das alte Wappen. Mit den darauf Folgenden habe ich mich nie anfreunden können, auch wenn bei mir das Bewusstsein über Geschichte und Tradition erst über die Zeit gereift ist. Beim Großteil der Fans wohl spätestens, als nicht in allzu großer Entfernung ein blau-weißer Verein aus dem Boden spross, der all die modernen Aspekte des Fußballs vereint und für dessen Fans Tradition ein Fremdwort ist.

  4. @BG-on Einen Fußballverein mit einem Königshaus zu vergleichen, kann wirklich nur einem echten Fan in den Sinn kommen ;)
    Der Vergleich hinkt natürlich gewaltig. Schon längst ist Fußball, ähnlich wie etwa die Formel 1, ein Geschäft, bei dem die gleichen Gesetzmäßigkeiten greifen, wie auch sonst in der Wirtschaft. Und natürlich müssen bzw. sollten sich auch Vereine auf veränderte Bedingungen einstellen. Vieles läuft nun einmal anders als vor 20, 30 oder 40 Jahren. Ich bin mir nicht sicher, ob man als Fan stolz auf seinen Verein sein kann, wenn man bis zum Sanktnimmerleinstag die Vergangenheit beschwört. Wo bleibt denn die Weiterentwicklung, die Perspektive, die Zukunft?

  5. @Blub: Ich glaub kaum dass 1949 schon jemand die Arial genutzt hat. ;)

    Aber ich kanns auch nicht verstehen, so geringe behutsame Änderungen und sofort gibts nen #Aufschrei… Bloß weil irgendwer vor 60 Jahren das mal so entworfen hat muss das ja nicht automatisch perfekt sein, bloß weils das schon so lange gibt.

    Zum Glück ist das nicht überall so, ich würd kotzen wenn der BVB jetzt wegen ner Protestaktion wieder zu einem der ganz alten Logos zurückgehen müsste.

  6. Als Aussenstehender habe das Gefühl den Fans (Ultras oder wie auch immer) geht es nur darum, ihre Macht im Verein zu demonstrieren, indem sie das alte Logo durchdrücken. Und daher gibt es auch keine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Logo.

    Aber warum nicht dann gleich zu ersten Version des Logos? Das ist das zu traditionell, oder was?

  7. Ich kann mich schon auch mit “meinem” Verein FC Bayern identifizieren, inklusive seiner langen Historie. Trotzdem kann ich als Jahrgang ’84 geborener, keine emotionale Bindung zu irgendeinem Wappen aus den 60er Jahren aufbauen. Mal ein Vergleich was beim FC Bayern damals so für “Traditionswappen” aktuell waren:
    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:FC_Bayern_M%C3%BCnchen_-_altes_Wappen_%281965-1970%29.png
    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:FC_Bayern_M%C3%BCnchen_-_altes_Wappen_%281961-1965%29.png

    Ja wir sind die “Roten” und in’s Logo gehören die bayerischen Landesfarben. Aber wer ernsthaft eines dieser Eier als Logo zurück will, hat für mich einen an der Waffel.

  8. Als VfB-Fan habe ich die Wappendiskussion verfolgt. In den 90ern wurde das Wappen aus Marketinggründen modifiziert, man schielte auf den internationalen Markt und hat entsprechende Änderungen vorgenommen, Stadtnamen integriert, bessere Lesbarkeit des Vs, und damals wurde das ohne Mitgliederbeteiligung geändert.

    Man sollte zudem bei der ganzen Diskussion berücksichtigen, dass es sich beim VfB-Wappen tatsächlich noch um ein Wappen im klassischem Sinn handelt, im Unterschied zu vielen anderen Club-Logos, die man eigentlich nicht mehr als Wappen bezeichnen kann.

    Aus Gestaltersicht, die ja auch immer von aktuellen Trends geprägt ist, ist das natürlich ein Rückschritt. Aber ein Verein ist eben nicht in erster Linie ein Konzern mit einer Marketingabteilung, die den Umsatz fördern muss, sondern eine Herzensangelegenheit, die im besten Falle auch demokratisch funktioniert. Und genau das ist passiert: 3/4 der Mitglieder haben für das alte Wappen gestimmt und die Vereinsverantwortlichen haben das zu akzeptieren. Für mich ist das vor allem ein gutes Zeichen, dass der Verein noch (oder wieder) funktioniert und dass auch in Zeiten, wo sonst nur Berater und Agenturen Strategien und Erscheinungsbilder bestimmen es auch mal anders laufen kann.

    Als Gestalter schüttle ich den Kopf, als VfB-Fan bin ich ein wenig stolz auf die Aktion, auch wenn sie sich eher noch gegen die alte Vereinsführung richtete und wohl auch stellvertretend dafür stand, dass man Hundt und Mäuser in die Wüste schicken wollte (wo sie ja jetzt endlich sitzen).

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